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    30-Aug-2019
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  • HeLP-Studie Herausforderungen, Leistungen und Perspektiven ehrenamtlicher Integrationsarbeit in Sachsen

    VON MENSCH ZU MENSCH.

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    Schon seit jeher mssen Menschen ihre Heimat verlassen - auf der Suche nach Frieden, Sicher-

    heit und einem besseren Leben.

    So suchten beispielsweise zu Zeiten der Jugoslawienkriege mehrere hunderttausend Menschen,

    die vor dem Krieg fliehen mussten, in Deutschland Schutz. Schon damals hat sich gezeigt, dass es die ehrenamtlichen Krfte sind, die ihnen die Ankunft und die Integration in Deutschland erleichtern. Bereits zu diesem Zeitpunkt haben Ehrenamtliche den Kontakt zu Geflchteten gesucht und aktiv dazu beigetragen, dass sie in Deutschland noch einmal neu beginnen knnen.

    Wie wichtig das ehrenamtliche Engagement im Bereich Integration ist, zeigte sich in den ver-

    gangenen zwei Jahren noch einmal besonders deutlich. Das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer kann nicht hoch genug gewrdigt werden. Was in Sachsen in den ver-

    gangenen zwei Jahren entstanden ist, ist sehr beeindruckend.

    Die Hilfsbereitschaft symbolisiert einen gesellschaftlichen Zusammenhalt, der mir sehr am Her-zen liegt. In den vergangenen Jahren haben wir aber auch gesprt, dass sich Teile der schsischen

    Bevlkerung distanziert haben von den Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Terror zu uns gekommen sind, von Menschen, die anders aussehen, von Menschen, die in demokratischen

    Initiativen aktiv sind oder die sich ehrenamtlich in der Flchtlingshilfe engagieren.

    Brgerschaftliches Engagement, welches sich in der tiefen berzeugung grndet, dass wir in

    einer demokratischen und solidarischen Gemeinschaft friedlich miteinander leben wollen, brau-

    chen wir daher im Moment mehr denn je.

    Als Teil der Regierung knnen wir Integration aber nicht verordnen. Integration passiert vor Ort mit den Menschen. Aber wir knnen alles dafr tun, die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Regionen in ihrer wichtigen Integrationsarbeit zu untersttzen und ihnen Fachwissen zu

    vermitteln. Integration ist kein Sprint, sondern ein Marathon, den wir nur gemeinsam bewltigen

    knnen. Und deshalb wollen wir die Menschen untersttzen, die mit Migrantinnen und Migran-ten arbeiten.

    Die vorliegende Studie hat sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im Bereich Integration Ttige nach ihren tglichen Herausforderungen, Bedrfnissen, Wissenslcken und Wnschen

    gefragt. Um sie in ihrem Engagement zu besttigen, will der Freistaat Sachsen diese Anregungen aufnehmen und daraus konkrete Manahmen ableiten.

    Petra KppingSchsische Staatsministerin

    fr Gleichstellung und Integration

    Vorwort

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    An dieser Stelle mchten wir allen danken, die direkt oder indirekt zum Gelingen der vorlie-

    genden Studie beigetragen haben. Dazu geh-ren die engagierten Mitarbeiterinnen und

    Mitarbeiter des schsischen Integrationsmi-

    nisteriums, das den Auftrag fr die Studie er-

    teilt hat: Das Team hat immer wieder wichtige Impulse gegeben und das Projekt unterstt-

    zend und wohlwollend begleitet. Zudem dan-

    ken wir allen, die uns durch ihre Teilnahme an

    der Studie einen umfassenden Blick auf die

    ehrenamtliche Integrationsarbeit ermglicht haben. Viele Menschen haben sich persnlich, in ausfhrlichen telefonischen Interviews oder

    schriftlich zu ihren Erfahrungen geuert.

    Dass so viele Ehrenamtliche an der Online-Befragung teilgenommen haben, ist auch ein

    Verdienst der Kommunalen Integrationskoor-

    Danksagung

    dinatorinnen und -koordinatoren (KIKs) sowie

    Auslnder- und Integrationsbeauftragten vor

    Ort. Diese haben den Link fr ein wesentliches Element der Studie, die Online-Befragung, weitergeleitet und somit ein positiv wirkendes

    Schneeballsystem in Gang gebracht, das zu vielen zustzlichen Studienteilnehmerinnen

    und -teilnehmern fhrte. Auch ihnen gebhrt

    unser Dank. Darber hinaus danken wir allen haupt- wie ehrenamtlichen Integrationskrf-

    ten, die bei der Interpretation der Studiener-

    gebnisse in Fokusgruppen geholfen haben.

    Mehr als 500 Menschen, die bereits viel Zeit

    in die Arbeit mit Geflchteten, Migrantinnen und Migranten investieren, haben uns bei der

    Erstellung, Durchfhrung und Auswertung der Studie untersttzt. Ihnen gegenber fhlen

    wir uns zu Dank verpflichtet. Der Freistaat Sachsen kann stolz auf dieses Ma an Enga-

    gement sein.

    Das Team von Change Centre ConsultingMarie-Therese Greiner-Adam

    Prof. Dr. Joachim KlewesMoritz Taske

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    In Sachsen haben sich in den vergangenen Jahren wie in allen Bundeslndern Deutschlands zahlreiche Initiativen gegrndet, die die Integration von schutzsuchenden Personen und Men-

    schen mit Migrationshintergrund organisieren und die bisherigen Strukturen entlasten, teilwei-

    se ersetzen und die neu geschaffenen Stellen untersttzen. Ohne bertreibung lsst sich sagen, dass eine Welle von Hilfsbereitschaft auch in Sachsen zahlreiche Menschen zu einem Engage-

    ment bewegte, das sie sich selbst zuvor gar nicht vorstellen konnten. Aber auch im Jahr 2017

    gibt es viel zu tun, um dieses Engagement auf Dauer anzulegen und zu professionalisieren. So ist die Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen noch lngst nicht perfekt und

    die Engagierten stoen manchmal an persnliche Grenzen oder auf Wissenslcken, die es zu fllen gilt. Neben den spontanen Helferinnen und Helfern, die aus Anlass des massenhaften

    Zuzugs von Geflchteten im Herbst 2015 gehandelt und von denen sich einige wieder zurck-gezogen haben, gibt es viele Ehrenamtliche, die sich langfristig engagieren wollen und in den

    inzwischen fortgeschrittenen Integrationsverlufen teilweise neue Aufgaben finden knnen. Gerade fr diese mssen passgenaue Weiterbildungsangebote geschaffen werden. Um den Be-darf dafr zu ermitteln und Themen einzukreisen, die fr die ehrenamtliche Integrationsarbeit

    wichtig sind, befragte die vorliegende Studie Integrationskrfte persnlich sowie telefonisch und per Online-Fragebogen zu ihren Erfahrungen und Bedrfnissen.

    Was sind die zentralen Erkenntnisse? Egal ob in stdtischem oder lndlichem Kontext - die Be-

    fragten uerten einen groen Bedarf an Weiterbildungsmanahmen in Sachsen. Zwar gebe es

    gerade in den Stdten zahlreiche Angebote, jedoch seien diese oftmals nicht auf die Bedrfnis-

    se der Zielgruppe zugeschnitten oder wrden zu wenig beworben. Die Studie lieferte zahlreiche Hinderungsgrnde, warum ehrenamtliche, aber auch hauptamtliche Integrationsarbeiterinnen

    und -arbeiter nicht an Weiterbildungen teilnehmen. Fehlende Zeit ist einer der grten. Dennoch gibt es eine Reihe an Themen, zu denen sich Integrationskrfte gerne weiterbilden wrden. Die meisten uerten Wissenslcken in rechtlichen Fragen und dem Umgang mit Traumata, dazu kommt der Wunsch nach Kursen zu den Grenzen des Ehrenamtes, Psychohygiene und interkul-tureller Kompetenz. Darber hinaus artikulierten viele Befragte Verbesserungswnsche im Hin-blick auf die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, die Flexibilitt der Beantragung von Frder-geldern und etwa die Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

    Was ist zu tun? Die Motivation der befragten ehren- wie hauptamtlichen Integrationshelferinnen und -helfer hat in den vergangenen Jahren nicht nachgelassen. Um sie in ihrem Alltag zu strken und ihnen Kraft fr die Weiterfhrung ihres Engagements zu geben, entstanden aus den Befra-

    gungsergebnissen heraus Vorschlge fr Weiterbildungsmanahmen. Diese reichen von partizi-pativen Workshops und Vernetzungsveranstaltungen ber Materialsammlungen und einer Eh-

    renamts-Landkarte bis zu einer Hotline und Ansprechpersonen, die mobil in ganz Sachsen

    agieren.

    Die ehrenamtlich Engagierten tragen jeden Tag dazu bei, dass Integration gelingt. Deshalb war es fr die vorliegende Studie besonders wichtig, ihre Herausforderungen, Leistungen und Pers-

    pektiven zu erkennen, um sie Schritt fr Schritt angehen zu knnen. Daraus leitet sich auch der Name der HeLP-Studie ab:

    HeLP-StudieHerausforderungen, Leistungen und Perspektiven derehrenamtlichen Integrationsarbeit in Sachsen

    Die Studie beruht auf Interviews, Fokusgruppen-Diskussionen und einer Online-Befragung zu Beginn des Jahres 2017. Insofern stellt sie eine Momentaufnahme dar, die durch nachfolgende

    und vertiefende Untersuchungen przisiert werden sollte.

    Zusammenfassung

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    Vorwort 3Danksagung 4Zusammenfassung 5Inhaltsbersicht 6

    1. Einleitung 8

    2. Die Ehrenamtsstrukturen 102.1 Ausprgungen des Ehrenamts in Deutschland 102.2 Ehrenamt in Sachsen 11 2.3 Bestandsaufnahme der ehrenamtlichen Flchtlingshilfe und Integrationsarbeit in Sachsen 2017 13

    3. Die Vorgehensweise 163.1 Qualitative Telefonbefragung 173.2 Quantitative Online-Befragung 183.3 Fokusgruppen 183.4 Weitere Rckmeldungen zur Studie 19

    4. Die qualitativen Interviews 204.1 Die Befragten 204.2 Beurteilung des Weiterbildungsangebotes 204.3 Rahmenbedingungen und Methodik der Fortbildungsangebote 224.4 Themen der Fortbildungsangebote 23

    5. Die Online-Studie 265.1 Die Engagierten im Bereich Migration und Integration 26

    5.1.1 Allgemeine Aussagen ber die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer 265.1.2 Aussagen speziell ber die ehren-amtlichen Helferinnen und Helfer 285.1.3 Aussagen ber die koordinierend ttigen Befragten 285.1.4 Aussagen ber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Trgerorganisationen 285.1.5 Aussagen ber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung 29

    5.2 Art und Weise des Engagements 295.2.1 Entwicklung des Engagements 295.2.2 Handlungsfelder und Zielgruppen des Engagements 315.2.3 Motivation der Engagierten 325.2.4 Organisationsformen d