Historische Pädagogik: die Geschichte der Erziehung · PDF file2017-05-24 ·...

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  • 2.1 Vor- und Frhgeschichte 1612.1.1 Erziehung in der Urgesellschaft 1612.1.2 Erziehung in der Frhgeschichte: das Beispiel gypten 162

    2.2 Erziehung in der Antike 1652.2.1 Erziehung im antiken Israel 1652.2.1.1 Kurzer historischer Abriss 1652.2.1.2 Erziehungstheorien im antiken Israel 1662.2.2 Erziehung im antiken Griechenland 1702.2.2.1 Die spartanische Erziehung in der klassischen Epoche 1712.2.2.2 Erziehung in der attischen Polis 1722.2.2.3 Der Hellenismus und seine Denkschulen 1762.2.3 Erziehung und Bildung im Rmischen Reich 1792.2.3.1 Das rmische Erziehungswesen in alter Zeit 1802.2.3.2 Das rmische Erziehungswesen und der Hellenismus 1802.2.3.3 Das rmische Bildungswesen in der Kaiserzeit 1812.2.3.4 Rmer, Kelten und Germanen 1842.2.4 Erziehung im frhen Christentum bis zur Sptantike 1862.2.4.1 Missionierung, Verfolgung und Konsolidierung 1872.2.4.2 Bildung und Erziehung im frhen Christentum 1882.2.4.3 Die Kirchenvter und die christliche Bildung 189

    2.3 Erziehung und Bildung im Mittelalter 1932.3.1 Erziehung und Bildung im Frhmittelalter 1942.3.1.1 Historischer Abriss 1942.3.1.2 Klster und die Macht der Bildung 1962.3.1.3 Karolingische Bildungsreform 1992.3.2 Erziehung und Bildung im Hochmittelalter 2002.3.2.1 Entwicklung der Stnde 2012.3.2.2 Stndische Erziehung und Bildung 2022.3.2.3 Entwicklung der Stdte und der Stadtschulen 2032.3.2.4 Universitten: neue Zentren der Wissenschaft 2062.3.2.5 Thomas von Aquin und die Erziehung 207

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    Historische Pdagogik: die Geschichte der Erziehung und ErziehungswissenschaftNorbert M. Seel, Ulrike Hanke

    N. M. Seel, U. Hanke, Erziehungswissenschaft, DOI 10.1007/978-3-642-55206-9_2, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

  • 2.3.3 Erziehung und Bildung im Sptmittelalter und in der Renaissance 2092.3.3.1 Hunger, Pest und Not 2102.3.3.2 Skularisierung des stdtischen Bildungswesens 2112.3.3.3 Humanistische Pdagogik der Renaissance 213

    2.4 Erziehung und Bildung in der Neuzeit 2162.4.1 Frhe Neuzeit: das Zeitalter der Konfessionalisierung 2162.4.1.1 Die Zeit der Glaubensspaltung (15171648) 2162.4.1.2 Erziehung und Bildung in Humanismus, Reformation

    und Gegenreformation 2222.4.1.3 Pdagogik in den Zeiten der Pest und des Krieges 2272.4.1.4 Comenius und die Pdagogik 2282.4.2 Erziehung und Bildung im Zeitalter des Absolutismus

    und der Aufklrung 2312.4.2.1 Die Verfassung des Absolutismus 2322.4.2.2 Der absolutistische Staat und die Bildung 2342.4.2.3 Erziehung als Mittel der Sozialdisziplinierung:

    die Schulordnungen des 18.Jahrhunderts 2352.4.2.4 Der Merkantilismus Anfang einer Industriepdagogik? 2372.4.2.5 Deutsch-jdische Erziehung im 17. und 18.Jahrhundert 2392.4.2.6 Erziehung und Bildung aus der Sicht der Aufklrung 2422.4.2.7 Aufklrungspdagogik der Philanthropen 2472.4.3 Erziehung und Bildung im 19.Jahrhundert:

    das Zeitalter der Revolutionen 2502.4.3.1 Erziehung und Bildung zur Zeit der Franzsischen Revolution 2522.4.3.2 Idealistische Bildungstheorie und Nationalerziehung 2542.4.3.3 Wissenschaft und Bildung unter dem Diktat der Restauration 2572.4.3.4 Vom Agrarland zum Industrieland 2592.4.3.5 Folgen der Industrialisierung fr Gesellschaft und Erziehung 2622.4.3.6 Fundamentaldisziplinierung und die vaterlndische Erziehung 2652.4.3.7 Marxismus und die Kollektiverziehung 2682.4.3.8 Reformpdagogische Bewegung 2702.4.4 Erziehung und Bildung im 20.Jahrhundert 2762.4.4.1 Die Erziehung der Kaserne und der Drill der Schule 2782.4.4.2 Das Experiment Republik 2802.4.4.3 Erziehung und Bildung in der Weimarer Republik 2802.4.4.4 Bildungs- und Schulwesen in sterreich 19191934 2842.4.4.5 Das Programm der kommunistischen Erziehung und Bildung 2862.4.4.6 Erziehung im Nationalsozialismus 2862.4.4.7 Die Zeit nach 1945 2912.4.4.8 Die deutsche Wiedervereinigung und die Folgen fr die Pdagogik 298

    Literatur 302

  • gewhlte Zugangsweise zur Geschichte der Pdagogik zu umrei-en und zu begrnden:

    Unser Ausgangspunkt liegt in der Feststellung, dass Ge-schichte keine Nostalgie ist, auch wenn sie gelegentlich so verkauft wird. Geschichte ist die Rekonstruktion der Vergangenheit mit dem Wissen von heute. Eine Analyse der Geschichte ist daher nie wertungsneutral und positionsfrei.

    Da es bereits zahllose Darstellungen der Geschichte der P-dagogik gibt, die sich als Ideengeschichte verstehen, wollen wir in diesem Kapitel eine Geschichte der Pdagogik skizzieren, die zum einen den Schwerpunkt auf die einflussreichen Vordenker legt, da fast nichts von dem, was heute gedacht wird, nicht schon lngst gedacht wurde. Zum anderen richtet sich der Blick ins-besondere auf die historische Entwicklung der Erziehung und Bildung breiter Bevlkerungsschichten (Bauern, Handwerker, Arbeiter).

    Bei der Zeitreise durch die Pdagogik ist auerdem das Ph-nomen zu bercksichtigen, dass die historischen Ereignisse oft klarer und trennbarer werden, je weiter man in die Vergangen-heit reist. Je nher man an die Gegenwart heranrckt, desto mehr Details flieen in die Analyse ein, so dass man gelegentlich vor lauter Bumen den Wald nicht mehr sehen kann. An dem zu-nehmenden Grad an Detailliertheit der neueren und neuesten Geschichte liegt es ja wohl auch, dass Geschichtsunterricht bei jngeren Schlern durchaus beliebt ist, mit zunehmendem Alter und wachsender Stoffmenge aber immer unbeliebter wird. Die Detailverliebtheit von Historikern stellt auch eine Gefahr fr die historische Pdagogik dar. Deshalb werden wir die historische Entwicklung pdagogischen Denkens und Handelns eher in groben Zgen nachzeichnen und auf Vollstndigkeit verzichten (mssen). Hans Ebeling, ein Geschichtsdidaktiker der 1950er Jahre, hat diese Vorgehensweise als Inselbildung bezeichnet und sich fr mehr Mut zur Lcke in der Historiografie ausgespro-chen. Das soll aber nicht heien, dass wir an einigen Stellen nicht doch strker ins Detail gehen werden, um bestimmte pdagogi-sche Entwicklungen zu beschreiben, die bisher in der Literatur vernachlssigt wurden.

    Mit der Inselbildung der historischen Analyse verknpfen wir auch von Fall zu Fall eine Fokussierung auf einen ausgewhl-ten geografischen Raum, indem wir, wenn immer dies mglich ist, auf die Geschichte des heutigen Saarlandes zurckgreifen. Hier kann man auf einem engen und berschaubaren Raum alle

    Lernziele- Sie knnen darstellen, wie sich ber die Geschichte hinweg das Verstndnis von Erziehung gewandelt hat.- Sie knnen die Geschichte der Erziehungswissenschaft nach-zeichnen.- Sie knnen erklren, wie sich das Bild und die Rolle des Kindes von der Vor- und Frhzeit bis heute verndert haben.- Sie knnen die zentralen Paradigmen der Erziehung von der Vor- und Frhzeit bis heute erlutern. z Einleitung

    Pdagogen lieben die Geschichte ihres Faches. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man die Flle der Literatur betrach-tet, die zur Geschichte der Pdagogik publiziert wurde. Dabei findet die historische Pdagogik ihre Legitimation darin, dass

    die Gegenwart in ihrer Vielschichtigkeit, ihren Spannungen und Schwierigkeiten [] auch im pdagogischen Bereich [] nicht zu verstehen [ist], wenn man nicht wei [], wie sie aus der Vergangenheit herausgewachsen ist (Reble 1965, S.12).

    Da die Pdagogik sehr vielfltig mit dem kulturellen und sozi-alen Umfeld, mit weltanschaulichen und konomischen Ent-wicklungen, mit der Ideengeschichte und dem Zeitgeist wie auch mit der Politik verwoben ist, kann der Schwerpunkt der historischen Analyse der Pdagogik sehr verschieden gewhlt werden: Die historische Betrachtung der Erziehungswirklichkeit folgt oft einem biografischen Ansatz, indem der Fokus auf die Gedankenwelt und das Wirken historischer Persnlichkeiten (die wichtigsten Pdagogen) gerichtet wird (Stumpf 2007). Ein anderer Zugang liegt in einer Sozial- oder Institutionenge-schichte. Am hufigsten aber wird die Geschichte der Pdagogik als Ideengeschichte begriffen, die von der Antike bis in unsere Zeit reicht und sich an den jeweils vorherrschenden philoso-phischen Grundstrmungen einer Zeitepoche orientiert (z. B. Bhm 2010; Reble 1965). Dabei wird gelegentlich bersehen, dass es die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen und Verhltnisse sind, die einer historischen Epoche den Stempel aufdrcken und auch deren Erziehungs- und Bildungswesen bestimmen.

    Da es zur Geschichte als Disziplin durchaus divergierende Meinungen gibt (vgl. . Abb. 2.1), ist es erforderlich, die von uns

    159 2Kapitel 2 Historische Pdagogik: die Geschichte der Erziehung und Erziehungswissenschaft

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    historischen Entwicklungen und Verwerfungen seit dem antiken Rom bis in die Gegenwart nachzeichnen, ohne sich zu sehr in den weltgeschichtlichen Ereignissen zu verstricken.

    Da diese aber nachhaltige Einflsse auf die Pdagogik und das pdagogische Denken und Handeln ausgebt haben, werden wir die historische Pdagogik gem der allgemein blichen Eintei-lung der Geschichte in Epochen skizzieren. Eine solche Einteilung erleichtert das Verstndnis und die Vermittlung von historischen Prozessen, Situationen und Begebenheiten. Angesichts der Kom-plexitt geschichtlicher Prozesse ist aber eine klare Einteilung in der Regel schwer und selten eindeutig. In der europischen Ge-schichtsschreibung dominiert die Dreiteilung in Antike, Mittelal-ter und Neuzeit. Die Grenze zwischen Antike und Mittelalter wird dabei sehr unterschiedlich gezogen, die Abgrenzungen schwan-ken zwischen dem 3. und dem 8.Jahrhundert n. Chr., der ber-gang zwischen Mittelalter und Neuzeit wird meist auf die zweite Hlfte des 15.Jahrhunderts n. Chr. festgelegt, oft sehr genau auf das Jahr1492, als Columbus Amerika entdeckte. blicherweise fngt die systematische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Pdagogik bei