HÄNDEL-FESTSPIELE HANDEL FESTIVAL 2018 · PDF file4 FoREigN WoRLDs FoREigN WoRLDs 5 Dear...

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  • HNDEL-FESTSPIELE HANDEL FESTIVAL

    2018

    an authentischen Orten in der Geburtsstadt von Georg Friedrich Hndelat authentic venues in the city of George Frideric Handels birth

    FREMDE WELTEN

    FoREigN WoRLDs

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    Liebe Hndel-Freunde,fast 100 Jahre nach der ersten neuzeitlichen Hndel-Opern-Auffhrung in Halle knnte man glauben, dass bei den Hndel-Festspielen in der Geburtsstadt des groen Barockkomponisten alle seine Opern erklungen sind. Dem ist nicht so, denn eine einzige Oper ist dem halleschen Publikum noch fremd: Die im fernen gyp-ten spielende Berenice, Regina dEgitto wurde weder szenisch noch konzertant in Halle dargeboten. Diese Lcke wird nun bei den kommenden Hndel-Festspielen durch eine Neuproduktion an der Oper Halle ge-schlossen, wofr wir der Oper mit ihrem Intendanten Florian Lutz, dem Ensemble und dem Hndelfestspiel-orchester herzlich danken mchten. Das dabei verwendete Notenmaterial basiert auf der Neuausgabe des Werkes, die im Rahmen der Hallischen Hndel-Ausgabe erschienen ist. Die sehr enge Verzahnung von Wis-senschaft und Praxis ist ein traditionelles Kennzeichen der Hndel-Festspiele; sie manifestiert sich u.a. auch darin, dass das jhrlich wechselnde Motto der Hndel-Festspiele mit dem jeweiligen Themengebiet der inter-nationalen wissenschaftlichen Konferenz abgestimmt ist. So steht im Jahr 2018 in beiden Fllen die Begeg-nung mit dem Fremden im Zentrum.Merkwrdigerweise erweckt das Fremde bei den Menschen zwei unterschiedliche, einander widerstrebende Emotionen. Es gibt grundstzlich eine groe Faszination gegenber dem Fremden. Dies fhrt bis heute in der Kunst dazu, dass man sich von fremdlndischen Stilen beeinflussen lsst und diese in das eigene Schaffen auf-nimmt. Die Reisefreudigkeit des modernen Menschen in andere Lnder und Kontinente spiegelt die Neugierde am Andersartigen ebenso wider. Diesen positiven Reiz fr das Exotische nutzt auch die Werbung und legt uns nahe, dass wir beim Kauf eines Produktes eintauchen knnen in die gezeigte idyllische, paradiesische, eben in eine fremde und andere Welt. Im Barock diente hierfr das fiktive Arkadien mit seinen Schferidyllen.Das Fremde kann aber auch eine Urangst auslsen, beispielsweise wenn Menschen gezwungen werden, in die Fremde zu ziehen, oder wenn sich Menschen in ihrem eigenen Land pltzlich fremd fhlen. Diese Urangst spiegelt sich etymologisch im deutschen Wort Elend wider, das vom althochdeutschen elilenti (anderes Land) abstammt. Das Gefhl kann schlielich dazu fhren, dass man sich gegenber dem Fremden abschot-tet und wehrt. Der Umgang mit dem Fremden wird in grausamer Weise in Hndels Pasticcio Oreste the-matisiert, und die Handlung erweist sich als eine eindrucksvolle Studie ber das Dunkle im Menschen: Auf der Insel Tauris versetzt Knig Toante mit archaisch-blutigen Methoden alle in Angst und Schrecken und schottet sich gegenber allen Fremden ab. Er befiehlt, dass jeder Fremde, der sein Land betritt, hingerichtet wird, da ihm ein Orakel verkndet hatte, ein Fremdling mit Namen Oreste wrde ihm Herrschaft und Leben rauben. Oreste selbst wuchs in der Fremde auf und rchte nach seiner Rckkehr an den heimatlichen Hof den Mord an seinem Vater. Nach Tauris kommt er, um Ruhe vor den Erinnyen zu finden. Dort trifft er unerwartet auf seine Schwester Ifigenia, die als Priesterin der Artemis das grausame Gesetz von Knig Toante umsetzen und jeden Fremden tten muss.Bei den kommenden Hndel-Festspielen mit dem Motto Fremde Welten soll es zum einen darum gehen, wie sich inner- und auch auereuropische Fremderfahrungen in Hndels Werk manifestieren, und zum anderen darum, wie sich der in Halle geborene Komponist als innereuropischer Migrant in der Fremde orientierte. John Mainwarings Heldenerzhlung von einem Musiker, dem an allen seinen Wirkungssttten sofort und umstandslos die Menschen zu Fen lagen, verdeckt bis heute die Tatsache, dass Hndel sich ber seine gesamte Karriere hinweg als Fremder mit Phnomenen der sprachlichen, religisen, politischen, kultu-rellen und sthetischen Alteritt auseinandersetzen und sich in diesen fremden Umfeldern bewhren musste. Sei es die neue Welt der Oper in Hamburg, sei es die vielseitig diversifizierte Musikkultur in den italienischen Metropolen, sei es London mit seinem spezifisch zwischen nationalen (englischen) und internationalen (franzsisch-italienischen) Idiomen changierenden Musikleben: In all diesen unterschiedlichen Milieus musste sich Hndel jeweils neu orientieren und sich um eine Vermittlung zwischen dem Eigenen, das er mitbrachte, und dem Fremden, mit dem er konfrontiert wurde, bemhen.

    Diese Herausforderung teilte Hndel mit vielen seiner europischen Zeitgenossen, die sich nach dem Ende des Dreiigjhrigen Krieges verstrkt international ausrichteten. Die Musikermigration war verbunden mit dem Transfer verschiedener musikalischer Schreibarten, Gesangspraktiken und Spielweisen in unterschied-lichste kulturelle Milieus, der Irritationen und Auseinandersetzungen auslsen, aber auch vielfltige Hybridi-sierungsphnomene in Gang setzen konnte. Die Hndel-Festspiele mchten dazu anregen, die Chancen, aber auch Konflikte und Herausforderungen neu zu beleuchten, die aus den musikalischen Migrationsbewegungen innerhalb Europas im Zeitraum zwischen 1650 und 1750 hervorgingen, und zugleich dazu beitragen, die Figur Hndels in ihrer Besonderheit innerhalb dieser Bewegungen neu zu verorten. In einem weiteren Sinne soll mit der Thematik auch die aktuelle Krisensituation Europas zwischen gezielter Abschottung gegenber Mig-rationsbewegungen und politischem Willen zur Integration des Fremden historisch reflektiert werden.Auch 2018 werden wieder internationale Stars aus der Fremde nach Halle kommen. Besonders hervorheben mchten wir dabei die Sngerinnen und Snger Joyce DiDonato, die 2017 als Sngerin des Jahres mit einem ECHO Klassik ausgezeichnet wurde, die Hndel-Preistrgerin Magdalena Koen, die franzsische Altistin und Dirigentin Nathalie Stutzmann, die junge russische Sopranistin Julia Lezhneva und den weltweit gefragten Countertenor Max Emanuel Cencic. In szenischen und konzertanten Opernauffhrungen wird das Publikum in exotisch-fremde Orte wie den Parnass (Parnasso in festa), in das Jerusalem der Kreuzritter (Rinaldo) oder in das alte gypten (Berenice) entfhrt. Neben Barockmusik werden auch Brcken zu anderen Genres geschlagen, beispielsweise zur irischen Musik mit der Camerata Kilkenny oder zur Musik des Mittelmeeres mit der trkischen Sngerin Nihan Deveciolu, zur elektronischen Musik in den Baroque Loun-ges und zum Jazz oder zur Pop-Rock-Musik (Bridges to Classics). Auch hier kommt es zu spannenden Begeg-nungen an sich fremder Musikstile und -genres.Sehr vertraut hingegen sind unsere langjhrigen und wichtigen Untersttzer und Partner, die es uns ermg-lichen, ein so facettenreiches und berregional ausstrahlendes Programm zu prsentieren. Neben der Stifterin Stadt Halle (Saale) und dem Land Sachsen-Anhalt ist hier an vorderster Stelle die Bundesregierung zu nennen, die auch in diesem Jahr ein Teilprojekt der Festspiele untersttzt. Ein wichtiger Frderer ist Lotto Sachsen-Anhalt, der wieder den Messiah in Hndels Taufkirche prsentiert, in diesem Jahr dargeboten vom wun-derbaren La Cetra Barockorchester und Vokalensemble Basel unter Leitung von Andrea Marcon. Mit freund-licher Untersttzung der Saalesparkasse und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung knnen wir Ihnen die szenische Auffhrung von Hndels Serenata Parnasso in festa im Goethe-Theater Bad Lauchstdt prsen-tieren. Dabei feiern wir zugleich ein besonderes Jubilum, denn 1968, also vor genau 50 Jahren, wurde in diesem wunderschnen historischen Theater die erste Hndel-Oper aufgefhrt. Die Hallesche Wohnungsge-sellschaft bringt sich in diesem Jahr erneut ein u.a. mit dem kostenfreien Barockfest auf dem Domplatz. Fr die Untersttzung festlicher Konzerte seien zudem der Total Raffinerie Mitteldeutschland, der GP Gnter Papenburg AG, Strer Deutsche Stdte Medien, den Stadtwerken Halle und Kathi gedankt.Lassen Sie sich durch uns inspirieren: Wir laden Sie herzlich ein, kommen Sie zu den Veranstaltungen der traditionsreichen und Ihnen vertrauten Hndel-Festspiele. Lassen Sie sich durch uns entfhren in fremde Welten. Wir freuen uns auf Sie!

    Ihre

    Clemens Birnbaum Wolfgang HirschmannIntendant der Hndel-Festspiele Vorsitzender des FachbeiratsDirektor der Stiftung Hndel-Haus Prsident der Georg-Friedrich-Hndel-Gesellschaft e.V. Internationale Vereinigung

    FREMDE WELTEN FREMDE WELTEN

  • 4 5FoREigN WoRLDs FoREigN WoRLDs

    Dear Handel Lovers,Nearly 100 years after the first Handel opera performance of the modern era in Halle, you might think that in the town where the great Baroque composer was born, all his operas would have been performed in the course of the Handel Festivals. But that is not the case, as just one opera is still unknown to Halle audiences: Berenice, Regina dEgitto, set in far-away Egypt, has never been played in Halle either as a staged or concert production. This gap will now be closed at the coming Handel Festival with a new production at Halle Opera, for which we would like to express our grateful thanks to the Opera and its executive director, Florian Lutz, the Opera company and the Handel Festival Orchestra. The score used is based on the new edition of the work published in the Halle Handel Edition. The very close relationship between academia and practice is one traditional hallmark of the Handel Festival; and one manifestation of this is that the new motto that banners the Handel Festival every year is defined according to the subject of the respective international academic conference. In 2018, the subject in both cases is the encounter with foreign worlds.Curiously, this encounter awakens two different, contradictory emotions in people. We are fundamentally fascinated by foreignness. The effect of this even today in art is that artists are influenced by foreign styles and incorporate them into their o