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    10-Aug-2020
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  • Voraus für die Wirtschaft.

    Im Rahmen des Vertrages zur Erstellung volkswirtschaftlicher Studien | ifo Studie im Auftrag der IHK für München und Oberbayern

    Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt

    Leibniz- Inst i tut für Wir tschaftsforschung an der Univers i tät München e.V.

    INSTITUT

  • 2

    Auf einen Blick

    Ausgangslage

    Die Digitalisierung wird in der öffentlichen Wahrnehmung von ambivalenten Zukunftsvisionen für den

    Arbeitsmarkt begleitet. Während einerseits zusätzliches Wirtschaftswachstum in Milliardenhöhe

    durch „Industrie 4.0“ prognostiziert wird, finden sich andererseits bedrohliche Schlagzeilen, die „jeden

    zweiten Job“ durch die Digitalisierung in Gefahr sehen. In der vorliegenden Studie wird ein Beitrag zur

    Versachlichung der Debatte geleistet.

    Hauptergebnisse der Studie

    Das Niveau der Gesamtbeschäftigung hat sich seit 1999 in Deutschland und Bayern nicht dramatisch

    geändert. Allerdings weist Bayern ein höheres Beschäftigungswachstum über die Berufe hinweg auf.

    Bei bestimmten Berufen sind die Verschiebungen deutlicher. Setzt man die Summe von Zunahme der

    Beschäftigung in wachsenden Berufen und Abnahme in schrumpfenden Berufen zwischen 1999 und

    2016 in Relation zur Gesamtzahl der Beschäftigten im Jahr 1999 ergibt sich für Deutschland eine

    „Turbulenzrate“ von 20 % und für Bayern von 23 %.

    Innerhalb Bayerns zeigen sich Unterschiede bei Beschäftigungsstruktur und Beschäftigungs-

    entwicklung. Die Beschäftigung ist in Gesamtbayern von 2000 bis 2010 um 0,2 % gewachsen, in

    Oberbayern deutlich stärker um 3,1 %. Zudem ist in Oberbayern der Anteil an Routineberufen relativ

    niedrig.

    Auch bis 2030 wird sich die projizierte Gesamtbeschäftigung für Deutschland nicht allzu stark

    verändern (je nach Projektion zwischen -4,8 % und 5,5 %), während die Projektionen für Bayern

    positiver sind und größtenteils potenziell Beschäftigungswachstum erwarten lassen (je nach

    Projektion zwischen 1,6 % und 13,5 %). Die positive Entwicklung der Beschäftigung darf allerdings

    nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch weiterhin erhebliche Umwälzungen über die einzelnen

    Berufsgruppen hinweg abspielen werden. Die in der Forschungsliteratur in den letzten Jahrzehnten

    beobachtete Arbeitsmarktpolarisierung, nach der in Berufen mit geringem und hohem

    Qualifikationsniveau gegenüber Berufen mit mittlerem Qualifikationsniveau ein relativ höheres

    Beschäftigungswachstum stattgefunden hat, lässt sich auch in Deutschland und Bayern bis in die

    jüngste Zeit beobachten. Das Beschäftigungswachstum war geringer bei Berufen, für die ein mittleres

    Qualifikationsniveau notwendig ist. Diese Berufe zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders

    geeignet sind, automatisiert zu werden.

    Politische Handlungsempfehlungen

    Politische Maßnahmen müssen so ausgerichtet sein, dass sie neue digitale Geschäftsmodelle und den

    dadurch entstehenden Beschäftigungsaufbau nicht durch Überregulierung behindern und ein faires

    Wettbewerbsumfeld für analoge und digitale Geschäftsmodelle schaffen. Politikmaßnahmen müssen

    zudem darauf ausgelegt sein, die Beschäftigten bei dem Anpassungsprozess im digitalen Wandel

    bestmöglich und zielgerichtet zu unterstützen. Die Schwerpunkte sollten auf die Förderung von

    digitalen Kompetenzen im Bildungssystem auf allen Stufen und auf lebenslanges Lernen im

    Arbeitsleben gelegt werden. Große Bedeutung für die Auswirkungen der Digitalisierung auf den

    künftigen Arbeitsmarkt wird außerdem dem Wissenstransfer von den wenigen sehr erfolgreichen

    Vorreiter-Unternehmen zur breiten Masse der Nachzügler-Unternehmen zukommen. Es bestehen

    positive Korrelationen zwischen einfachem Zugang zu Risikokapital, digitalen Fähigkeiten sowie

    flexiblen Arbeitsmärkten und den Aufholprozessen der Nachzügler.

  • 3

    Inhaltsverzeichnis

    Abbildungsverzeichnis .................................................................................................... 5

    Tabellenverzeichnis ........................................................................................................ 6

    Zusammenfassung ......................................................................................................... 7

    1 Einleitung ............................................................................................................... 12

    2 Forschungsstand zu Digitalisierung und Wirkungen auf den Arbeitsmarkt .................... 13

    2.1 Arbeitsmarktpolarisierung: Routineberufe im mittleren Qualifikationsniveau verlieren ...... 13

    2.2 Interneteinführung: Kaum Gesamtbeschäftigungseffekte ................................................... 15

    2.3 Roboter führten bislang nicht zu Massenarbeitslosigkeit ..................................................... 16

    2.4 Wichtige Rolle von Arbeitsmarktinstitutionen ..................................................................... 18

    2.5 Blick in die Zukunft: Meist zu einseitig und negativ .............................................................. 18

    2.6 Neue Formen der Selbstständigkeit spielen noch keine Rolle .............................................. 24

    3 Rückblick - Entwicklung von Beschäftigung nach Berufen in Deutschland und Bayern seit

    1999 ...................................................................................................................... 28

    3.1 Datenbasis: Sozialversicherungspflichtige Vollzeitzeitbeschäftigte nach Berufen ............... 28

    3.2 Analysezeitraum und Operationalisierung von Digitalisierung ............................................. 32

    3.3 Beschäftigungsentwicklung – Die Rolle von Qualifikationsniveau und Routinetätigkeiten .. 33

    3.4 Beschäftigungsentwicklung – Zoom in ausgewählte Berufsgruppen ................................... 37

    3.5 Strukturelle Verschiebungen zwischen Berufen – Wachsende und schrumpfende Berufe .... 41

    3.6 Veränderungen innerhalb von Berufen – Anpassung von Tätigkeiten und Anforderungen .. 48

    3.7 Regionale Unterschiede – Entwicklung der Beschäftigung in Deutschland und Bayern im

    Vergleich .............................................................................................................................. 49

    3.8 Regionale Unterschiede – Entwicklung der Beschäftigung in den bayerischen

    Regierungsbezirken ............................................................................................................. 51

    3.9 Struktur der Beschäftigungsentwicklung – Bedeutung der Anforderungsniveaus ................ 53

    4 Ausblick – Projektionen der Beschäftigung bis 2030 für Deutschland und Bayern ...........59

    4.1 Fortschreibung der Gesamtbeschäftigung in Modellen ........................................................ 60

    4.2 Projektion der Gesamtbeschäftigung bis 2030 für Deutschland ........................................... 61

    4.3 Projektion der Gesamtbeschäftigung bis 2030 für Bayern .................................................... 65

    4.4 Projizierte Beschäftigungsentwicklung – Zoom in ausgewählte Berufsgruppen .................. 70

    4.5 Regionale Unterschiede – Projektionen der Beschäftigung für die bayerischen

    Regierungsbezirke ............................................................................................................... 74

  • 4

    5 Politische Handlungsempfehlungen ......................................................................... 78

    5.1 Vermittlung von Kompetenzen zur Anpassungsfähigkeit .................................................... 79

    5.2 Förderung digitaler Kompetenzen als Querschnittsaufgabe ................................................ 80

    5.3 Förderung von lebenslangem Lernen im Erwerbsleben ....................................................... 81

    5.4 Wettbewerbliche Rahmenbedingungen für neue digitale Geschäftsmodelle ....................... 83

    5.5 Wissenstransfer von digitalen Vorreiter-Unternehmen zu Nachzüglern ............................... 84

    Literaturverzeichnis ..................................................................................................... 86

  • 5

    Abbildungsverzeichnis

    Abbildung 1: Substituierbarkeitspotenzial nach Anforderungsniveau und Berufssegmenten in

    Deutschland 2016 in % .................................................................................................... 22

    Abbildung 2: Entwicklung der Selbstständigen in Deutschland 1991 – 2016 ................................ 26

    Abbildung 3: Sozialversicherungspflichtige Vollzeit-Beschäftigung 1999 – 2016

    unterdurchschnittlich gestiegen...................................................................................... 30

    Abbildung 4: Neue Technologien und Außenhandel haben in Deutschland zeitgleich an

    Bedeutung gewonnen ..................................................................................................... 32

    Abbildung 5: Arbeitsmarktpolarisierung in Deutschland: Beschäftigung und Entgelte von Gering-

    und Hochqualifizierten 1999 – 2016 relativ stärker gestiegen.......................................... 34