Immanuel Kant - lehrabschlussms-project.bplaced.net/nat/kant.pdf · Immanuel Kant 3 Kant wird oft...

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Immanuel Kant 1 Immanuel Kant Immanuel Kant, Radierung von Johann Leonhard Raab nach einem Original von Döbler (1791) Kants Unterschrift Denkmal Kants in seiner Heimatstadt Königsberg, dem heutigen Kaliningrad Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg; 12. Februar 1804 ebenda) war ein deutscher Philosoph im Zeitalter der Aufklärung. Er zählt zu den bedeutendsten Philosophen der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie. Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit dem Grundlagenwerk Kritik der praktischen Vernunft und in der Ästhetik mit der Kritik der Urteilskraft sowie bedeutenden Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bis ins 21. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst. Leben Immanuel (im Taufregister: Emanuel; Kants Geburtstag war im preußischen Kalender der Tag des heiligen Emanuel) Kant war das vierte Kind des Riemermeisters Johann Georg Kant (* 1683 in Memel; 1746 in Königsberg) und dessen Frau Anna Regina (* 1697; 1737 in Königsberg), geb. Reuter, die am 13. November 1715 heirateten. Sein Vater zog als junger Mann nach Königsberg. Seine Mutter war die Tochter eines anderen Riemermeisters, die aus Nürnberg nach Königsberg übersiedelten. Von Immanuel Kants insgesamt acht Geschwistern erreichten jedoch nur vier das Erwachsenenalter. Immanuel Kant stammt väterlicherseits aus einer kurischen Familie, die von Lettland nach Kantwaggen (später Kantweinen) im Memelland übersiedelte. Sein Elternhaus war stark pietistisch geprägt, seine Mutter für Bildung sehr aufgeschlossen. So kam er 1732 an das Collegium Fridericianum (auch Friedrichskollegium genannt), wurde gefördert und begann bereits 1740 mit dem Studium an der Albertina, der Königsberger Universität. Ob er zunächst für Theologie eingeschrieben war, wie es einer der frühen Biographen darstellte, ist aus den Unterlagen der Universität nicht mehr zu rekonstruieren [1] . In jedem Fall interessierte sich Kant sehr für die Naturwissenschaften. Er studierte u. a. Philosophie, klassische Naturwissenschaften, Physik und Mathematik. Der Professor für Logik und Metaphysik, Martin Knutzen, machte ihn mit den Lehren von Leibniz und Newton vertraut.
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  • Immanuel Kant 1

    Immanuel Kant

    Immanuel Kant, Radierung von Johann LeonhardRaab nach einem Original von Dbler (1791)

    Kants Unterschrift

    Denkmal Kants in seiner HeimatstadtKnigsberg, dem heutigen Kaliningrad

    Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Knigsberg; 12. Februar 1804ebenda) war ein deutscher Philosoph im Zeitalter der Aufklrung. Erzhlt zu den bedeutendsten Philosophen der abendlndischenPhilosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einenWendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn dermodernen Philosophie.

    Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit demGrundlagenwerk Kritik der praktischen Vernunft und in der sthetikmit der Kritik der Urteilskraft sowie bedeutenden Schriften zurReligions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine neue,umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bisins 21. Jahrhundert mageblich beeinflusst.

    Leben

    Immanuel (im Taufregister: Emanuel; Kants Geburtstag war impreuischen Kalender der Tag des heiligen Emanuel) Kant war dasvierte Kind des Riemermeisters Johann Georg Kant (* 1683 in Memel; 1746 in Knigsberg) und dessen Frau Anna Regina (* 1697; 1737in Knigsberg), geb. Reuter, die am 13. November 1715 heirateten.Sein Vater zog als junger Mann nach Knigsberg. Seine Mutter wardie Tochter eines anderen Riemermeisters, die aus Nrnberg nachKnigsberg bersiedelten. Von Immanuel Kants insgesamt achtGeschwistern erreichten jedoch nur vier das Erwachsenenalter.Immanuel Kant stammt vterlicherseits aus einer kurischen Familie,die von Lettland nach Kantwaggen (spter Kantweinen) im Memellandbersiedelte. Sein Elternhaus war stark pietistisch geprgt, seineMutter fr Bildung sehr aufgeschlossen. So kam er 1732 an dasCollegium Fridericianum (auch Friedrichskollegium genannt), wurdegefrdert und begann bereits 1740 mit dem Studium an der Albertina,der Knigsberger Universitt. Ob er zunchst fr Theologieeingeschrieben war, wie es einer der frhen Biographen darstellte, istaus den Unterlagen der Universitt nicht mehr zu rekonstruieren[1] . Injedem Fall interessierte sich Kant sehr fr die Naturwissenschaften. Erstudierte u.a. Philosophie, klassische Naturwissenschaften, Physik undMathematik. Der Professor fr Logik und Metaphysik, MartinKnutzen, machte ihn mit den Lehren von Leibniz und Newton vertraut.

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  • Immanuel Kant 2

    Schloss Waldburg-Capustigall

    1746 verffentlichte er seine Schrift Gedanken von der wahrenSchtzung der lebendigen Krfte. Wegen des Todes seines Vaters 1746und weil jenes Werk von seinem pietistischen Professor Knutzen nichtals Abschlussarbeit anerkannt wurde, unterbrach Kant sein Studium. Erverlie Knigsberg und verdiente sich seinen Lebensunterhalt alsHauslehrer, zunchst bis ca. 1750 bei dem reformierten PredigerDaniel Ernst Andersch (ttig 17281771) in Judtschen bei Gumbinnen,einer Schweizer Kolonie meist franzsisch sprechender Siedler. 1748wurde er im dortigen Kirchenbuch als Taufpate aufgefhrt, wo er als'studiosus philosophiae' bezeichnet wird. Spter war er bis etwa 1753Hauslehrer auf dem Gut des Majors Bernhard Friedrich von Hlsen auf Gro-Arnsdorf bei Mohrungen. Seine dritteStelle fand er nahe Knigsberg bei der Familie Keyserlingk auf dem Schloss Waldburg-Capustigall, die ihm auchZugang zur hheren Gesellschaft Knigsbergs ermglichte.

    Erinnerungstafel an der RussischenUniversitt in Kaliningrad;

    ursprnglich an der Sd-West-Mauerdes Knigsberger Schlosses.

    1754 kehrte Kant nach Knigsberg zurck und nahm sein Studium wieder auf(Professor Knutzen war inzwischen verstorben). Schon 1755 verffentlichte ermit Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels seine erste wichtigeSchrift. Es folgte auerdem noch im selben Jahr die Habilitation mit dem ThemaDie ersten Grundstze der metaphysischen Erkenntnis (Nova dilucidatio);dadurch wurde er 1755 Privatdozent in Knigsberg und nahm eine umfangreicheLehrttigkeit auf. Zu seinen Lehrfchern gehrten Logik, Metaphysik,Anthropologie, Moralphilosophie, Natrliche Theologie, Mathematik, Physik,Mechanik, Geographie, Pdagogik und Naturrecht. Seine Vorlesungen fandenstarkes Interesse. Johann Gottfried Herder, der 176264 bei ihm hrte, schriebspter darber:

    Mit dankbarer Freude erinnere ich mich aus meinen Jugendjahren derBekanntschaft und des Unterrichts eines Philosophen, der mir ein wahrerLehrer der Humanitt war [] Seine Philosophie weckte das eigneDenken auf, und ich kann mir beinahe nichts Erleseneres und Wirksamereshierzu vorstellen, als sein Vortrag war.

    Eine erste Bewerbung auf den Lehrstuhl fr Logik und Metaphysik im Jahre 1759 schlug fehl. Einen Ruf auf einenLehrstuhl fr Dichtkunst lehnte Kant 1762 ab. In den Jahren von 1766 bis 1772 arbeitete Kant als Unterbibliothekarder kniglichen Schlossbibliothek, was seine erste feste Anstellung war. Kant schlug auerdem auch dieGelegenheiten aus, 1769 in Erlangen und 1770 in Jena zu lehren, bevor er im Jahr 1770 im Alter von 46 Jahren denvon ihm immer angestrebten Ruf der Universitt Knigsberg auf die Stelle eines Professors fr Logik undMetaphysik erhielt. Im selben Jahr legte er mit der Studie Formen und Grnde der Sinnes- und Verstandeswelt eineweitere Dissertation vor. Auch den mit einer deutlich hheren Vergtung verbundenen Ruf an die damals berhmteUniversitt von Halle lehnte er im Jahre 1778 ab, trotz der besonderen Bitte des Kultusministers von Zedlitz. 1786und 1788 war Kant Rektor der Universitt in Knigsberg. 1787 wurde er in die Berliner Akademie derWissenschaften aufgenommen. Die letzten 15 Jahre seines Lebens waren gekennzeichnet durch den sich stetigzuspitzenden Konflikt mit der Zensurbehrde, deren Leitung der preuische Knig Friedrich Wilhelm II. dem neuenKultusminister Wllner Zedlitz Nachfolger nach dem Tode Knig Friedrichs II. bertragen hatte. Kant lehrteweiter bis 1796, erhielt aber die Weisung, sich religiser Schriften zu enthalten, da sie deistisches und sozinianischesGedankengut verbreiteten, das nicht mit der Bibel vereinbar sei. Hierauf beklagte sich sein Freund Johann ErichBiester, der Herausgeber der Berlinischen Monatsschrift in Berlin, beim Knig, der aber die Beschwerde ablehnte.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Waldburg_Capustigall.jpghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gedanken_von_der_wahren_Sch%C3%A4tzung_der_lebendigen_Kr%C3%A4ftehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gedanken_von_der_wahren_Sch%C3%A4tzung_der_lebendigen_Kr%C3%A4ftehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pietismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hauslehrerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Judtschenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gussewhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mohrungenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Keyserlingkhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Waldburg-Capustigallhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kant's_tombstone_Kaliningrad.jpeghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Allgemeine_Naturgeschichte_und_Theorie_des_Himmelshttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Logikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Metaphysikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anthropologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Moralphilosophiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nat%C3%BCrliche_Theologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mathematikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Physikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mechanikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Geographiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=P%C3%A4dagogikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Naturrechthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Gottfried_Herderhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Silberbibliothekhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erlangenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jenahttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Abraham_Freiherr_von_Zedlitzhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Preu%C3%9Fische_Akademie_der_Wissenschaftenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Preu%C3%9Fische_Akademie_der_Wissenschaftenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Wilhelm_II._%28Preu%C3%9Fen%29http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Christoph_von_W%C3%B6llnerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_II._%28Preu%C3%9Fen%29http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sozinianismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Erich_Biesterhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Erich_Biesterhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Berlinische_Monatsschrift

  • Immanuel Kant 3

    Kant wird oft als steifer, an einen regelmigen Tagesablauf gebundener professoraler Mensch dargestellt, der vonder Pflicht getrieben ganz auf seine Arbeit konzentriert war. Doch dieses Bild ist eine berzeichnung. Als Studentwar er ein guter Kartenspieler und verdiente sich sogar mit Billard ein Zubrot zum Studium. Auf Gesellschaften, andenen er gerne teilnahm, galt er als galant, putzte sich mit modischen Kleidern heraus und zeichnete sich aus durchausgezeichnete Belesenheit und einen unerschpflichen Vorrath von unterhaltenden und lustigen Anecdoten, die erganz trocken, ohne je selbst dabei zu lachen, erzhlte und durch eigenen chten Humor in treffenden Repliken [...] zuwrzen wusste [].[2]

    Grabmal Kants neben demKnigsberger Dom in Kaliningrad

    Herder wurde von Kant aufgefordert, nicht so viel ber den Bchern zu brten.Und Hamann befrchtete, dass Kant nicht gengend zum Arbeiten kme, weil erdurch einen Strudel gesellschaftlicher Zerstreuungen fortgerien werde (Zitatenach Khn). Erst als Kant jenseits der 40 war und er merkte, dass er ausgesundheitlichen Grnden mit seinen Krften haushalten musste, stellte der sichvor allem von Heinrich Heine so herausgehobene regelmige Tagesablauf ein:Morgens um 4:45 Uhr lie er sich von seinem Hausdiener mit den Worten Es istZeit! wecken und ging um 22 Uhr zu Bett. Zum Mittagessen lud er meistFreunde ein und pflegte die Geselligkeit, vermied dabei aber philosophischeThemen. Auerdem machte er tglich zur gleichen Zeit einen Spaziergang.Seinem langjhrigen Hausdiener, dem ausgemusterten Soldaten Martin Lampe,schrieb Heinrich Heine in seinem Werk Zur Geschichte der Religion undPhilosophie in Deutschland scherzhaft einen Einfluss auf Kants Philosophie zu:

    Der alte Lampe muss einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nichtglcklich sein das sagt die praktische Vernunft meinetwegen so mag auch die praktische Vernunft dieExistenz Gottes verbrgen. Infolge dieses Arguments unterscheidet Kant zwischen theoretischer undpraktischer Vernunft, und mit dieser, wie mit einem Zauberstbchen, belebt er wieder den Leichnam desDeismus, den die theoretische Vernunft gettet.

    Im Edikt des Kultusministers Wllner von 1794 wurde Kant die Herabwrdigung mancher Haupt- und Grundlehrender heiligen Schrift und des Christentums zur Last gelegt.Kant verbrachte nahezu sein ganzes Leben im damals weltoffenen Knigsberg, wo er 1804 fast 80-jhrig starb. DasGrabmal Immanuel Kants befindet sich am Knigsberger Dom. An der Auenseite des Domes befindet sich seinKenotaph.

    PhilosophieMit seinem kritischen Denkansatz (Sapere aude Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!) ist Kantder wohl wichtigste Denker der deutschen Aufklrung. blicherweise unterscheidet man bei seinem philosophischenWeg zwischen der vorkritischen und der kritischen Phase, weil seine Position sich sptestens mit Verffentlichungder Kritik der reinen Vernunft erheblich verndert hat. Noch bis in die 1760er Jahre kann man Kant demRationalismus in der Nachfolge von Leibniz und Wolff zurechnen.In seiner Dissertation im Jahre 1770 ist bereits ein deutlicher Bruch erkennbar. Neben dem Verstand ist nun auch dieAnschauung eine Erkenntnisquelle, deren Eigenart zu beachten ist. Verstandeserkenntnis als anschaulicheauszugeben, ist Erschleichung. Die Dissertation und die Berufung an die Universitt fhren dann zu der berhmtenPhase des Schweigens, in der Kant seine neue, als Kritizismus bekannte und heute noch mageblich diskutierteErkenntnistheorie ausarbeitet. Erst nach elf Jahren intensiver Arbeit wird diese dann 1781 in der Kritik der reinenVernunft verffentlicht. Nachdem er die Frage beantwortet hat, welche Bedingungen der Mglichkeit der Erkenntniszugrundeliegen, kann Kant sich auf dieser Grundlage schlielich im Alter von 60 Jahren den fr ihn eigentlichwichtigen Themen der praktischen Philosophie und der sthetik zuwenden.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Billardhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kant_kaliningrad2.pnghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Gottfried_Herderhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Georg_Hamannhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_Heinehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Martin_Lampehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_Heinehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zur_Geschichte_der_Religion_und_Philosophie_in_Deutschlandhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zur_Geschichte_der_Religion_und_Philosophie_in_Deutschlandhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kantiana%23Das_Grab_Kantshttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=K%C3%B6nigsberger_Domhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kenotaphhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sapere_audehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zeitalter_der_Aufkl%C3%A4runghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritik_der_reinen_Vernunfthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rationalismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anschauunghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erkenntnisquellehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erschleichunghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritizismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erkenntnistheoriehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erkenntnis

  • Immanuel Kant 4

    Vorkritische Periode

    Allgemeine Naturgeschichte undTheorie des Himmels, Titelblatt der

    Erstausgabe von 1755

    Bis zu seiner Promotion 1755 arbeitete er als Hauslehrer und verfasste die ersten,naturphilosophischen Schriften, so die 1749 erschienenen Gedanken von derwahren Schtzung der lebendigen Krfte (Immanuel Kant: AA I, 1181[3] ) und1755 die Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels (Immanuel Kant:AA I, 215368[4] ), in der er eine Theorie zur Entstehung des Planetensystemsnach Newtonischen Grundstzen darstellt (Kant-Laplacesche Theorie derPlanetenentstehung).[5] Im gleichen Jahr wurde er mit einer Arbeit ber dasFeuer (De igne, Immanuel Kant: AA I, 369384[6] ) promoviert und habilitiertesich mit einer Abhandlung ber die ersten Grundstze der metaphysischenErkenntnis (Nova dilucidatio, Immanuel Kant: AA I, 385416[7] ), beides inLatein.

    Im Jahr 1762 erschien, nach einigen kleinen Schriften, die Abhandlung Dereinzige mgliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes, in derKant zu erweisen versucht, dass alle bisherigen Beweise fr die Existenz Gottesnicht tragfhig sind, und eine eigene Version des ontologischen Gottesbeweisesentwickelt, die diesen Mngeln abhelfen soll.

    Die folgenden Jahre waren bestimmt von wachsendem Problembewusstsein gegenber der Methode dertraditionellen Metaphysik, das sich vor allem in Kants literarisch wohl unterhaltsamster Schrift, Trume einesGeistersehers, erlutert durch Trume der Metaphysik (1766), einer Kritik Emanuel Swedenborgs, uerte. In der1770 erschienenen Schrift De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis unterscheidet er zum ersten Malscharf zwischen der sinnlichen Erkenntnis der Erscheinungen der Dinge (Phaenomena) und der Erkenntnis derDinge, wie sie an sich sind, durch den Verstand (Noumena). Raum und Zeit fasst er zudem als dem Subjektangehrige reine Anschauungen auf, die notwendig sind, um die Erscheinungen untereinander zu ordnen. Damitsind zwei wesentliche Punkte der spteren kritischen Philosophie antizipiert, auch wenn Kants Methode hier nochdogmatisch ist, und er eine Verstandeserkenntnis der Dinge, wie sie an sich sind, fr mglich hlt. Wer allerdingsVerstandeserkenntnis als anschauliche Erkenntnis ausgibt, begeht das vitium subreptionis, den Fehler derErschleichung. In den folgenden zehn Jahren vollzieht sich die Entwicklung der kritischen Philosophie ohnewesentliche Verffentlichung (die stummen Jahre).

    Die vier kantischen FragenKant hat sich vier Fragen gestellt und diese zu beantworten versucht:1. Was kann ich wissen? In seiner Erkenntnistheorie2. Was soll ich tun? In seiner Ethik3. Was darf ich hoffen? In seiner Religionsphilosophie4. Was ist der Mensch? In seiner Anthropologie

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  • Immanuel Kant 5

    Allgemeine Darstellung der Kritik der reinen Vernunft

    Kritik der reinen Vernunft, Titelblattder Erstausgabe von 1781

    Als Kant 1781 die Kritik der reinen Vernunft verffentlichte, hatte sich seinePhilosophie grundlegend gewandelt die Frage, wie berhaupt eine Metaphysikals Wissenschaft mglich ist, msse vor der Behandlung der metaphysischenFragen beantwortet werden. Die Kritik handelt die a priori, d.h. vor allerempirischen Erfahrung mgliche, Erkenntnis in vier Abschnitten ab.

    Zuerst die Formen der Sinnlichkeit a priori, die reinen Anschauungen Raum undZeit, welche die Mathematik als apriorische Wissenschaft begrnden.Im zweiten Teil, der transzendentalen Logik, dass bestimmteerfahrungsunabhngige Begriffe, die Kategorien, notwendig auf alleGegenstnde der Erfahrung angewendet werden mssen. Durch dieseAnwendung der Kategorien ergibt sich ein System von Grundstzen, die a priorigewiss sind, wie z.B. die kausale Verknpfung aller sinnlichen Erscheinungen,und die damit ein legitimes Feld philosophischer Erkenntnisse darstellen. Dieseliegen den Naturwissenschaften zugrunde. Doch mit dieser Bestimmung derKategorien als fr die Einheit der Erscheinungen notwendigeVerknpfungsregeln, ergibt sich, dass diese Begriffe nicht auf die Dinge, wie siean sich sind (Noumena), anwendbar sind.

    Im (in der menschlichen Vernunft notwendig entstehenden) Versuch, das Unbedingte zu erkennen, und die sinnlicheErkenntnis zu bersteigen, verwickelt die Vernunft sich in Widersprche, da keine Wahrheitskriterien mehrvorhanden sind. Die metaphysischen Beweise z.B. fr die Unsterblichkeit der Seele, die Unendlichkeit der Weltoder das Dasein Gottes fhrten zu unauflslichen Antinomien (Widersprchen), die Ideen der Vernunft sind nur alsregulative, die Erfahrungserkenntnis leitende Begriffe von sinnvollem Gebrauch.Schlielich behandelt Kant die Methodenlehre und insbesondere die Moral, die an die Stelle der lteren unddogmatischen Metaphysik tritt.Das Buch wurde 1827 vom Vatikan auf das Verzeichnis verbotener Bcher gesetzt.

    ErkenntnistheorieWas kann ich wissen? Als Vertreter der rationalistischen Leibnizschen Schule wird Kant durch das StudiumHumes aus seinem dogmatischen Schlummer geweckt (Einleitung der Prolegomena). Er erkennt die Kritik Humesam Rationalismus als methodisch richtig an, d.h. eine Rckfhrung der Erkenntnis allein auf den reinen Verstandohne sinnliche Anschauung ist fr ihn nicht mehr mglich. Andererseits fhrt der Empirismus von David Hume zuder Folgerung, dass eine sichere Erkenntnis berhaupt nicht mglich sei, d.h. in den Skeptizismus. Diesen erachtetKant jedoch angesichts der Evidenz gewisser synthetischer Urteile a priori vor allem in der Mathematik (etwa dieapriorische Gewissheit der Gleichung 7+5=12) und in der (klassischen) Physik fr unhaltbar. Immerhin aber habeder Humesche Skeptizismus einen [methodischen] Funken geschlagen, an welchem ein erkenntnistheoretischesLicht zu entznden sei. So kommt Kant zu der Frage, wie (apriorische) Erkenntnis mglich sei; denn dass siemglich sei, stehe angesichts der Leistungen der Mathematik und der Physik auer Frage. Unter welchenBedingungen ist also Erkenntnis berhaupt mglich? Oder - wie Kant es formuliert -: Was sind die Bedingungen derMglichkeit von Erkenntnis?In Folge ist die Kritik der reinen Vernunft (KrV), in der Kant seine Erkenntnistheorie niederlegt, eine Auseinandersetzung einerseits mit der rationalistischen, andererseits mit der empiristischen Philosophie des 18. Jahrhunderts, die sich vor Kant gegenberstanden. Zugleich wird die KrV eine Auseinandersetzung mit der traditionellen Metaphysik, soweit diese Konzepte und Modelle zur Erklrung der Welt jenseits unserer Erfahrung vertritt. Gegen den Dogmatismus der Rationalisten (z.B. Christian Wolff, Alexander Gottlieb Baumgarten) steht,

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:KdrV-1781.jpghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=1781http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritik_der_reinen_Vernunfthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=A_priorihttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Antinomiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Index_Librorum_Prohibitorumhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=David_Humehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rationalismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Empirismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Skeptizismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dogmatismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christian_Wolff_%28Universalgelehrter%29http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Alexander_Gottlieb_Baumgarten

  • Immanuel Kant 6

    dass Erkenntnis ohne sinnliche Anschauung, d.h. ohne Wahrnehmung, nicht mglich ist. Gegen den Empirismussteht, dass sinnliche Wahrnehmung unstrukturiert bleibt, wenn der Verstand nicht Begriffe hinzufgt und durchUrteile und Schlsse, d.h. durch Regeln mit der Wahrnehmung verbindet.Fr Kant ist es ein Skandal der Philosophie, dass man es bisher nicht geschafft hat, die Metaphysik von denStreitigkeiten zu befreien. Sein Ziel ist es, wie in der Mathematik seit Thales oder in den Naturwissenschaften seitGalilei auch in der Metaphysik zu wissenschaftlichen Aussagen zu kommen. Kant muss hierzu in der Metaphysikdas Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu haben., d.h. die Grenze des Wissens aufzeigen, um klarzustellen,bei welchen Vorstellungen (Ideen) gar keine Erkenntnis mehr mglich ist, weil ihr Inhalt jenseits allenErkenntnisvermgens liegt.Fr Kant erfolgt Erkenntnis durch Urteile (Aussagen, die ein Subjekt und ein Prdikat enthalten). In diesen Urteilenwerden die empirischen Anschauungen der Sinnlichkeit mit den Vorstellungen des Verstandes verbunden(Synthesis). Sinnlichkeit und Verstand sind die beiden einzigen, gleichberechtigten und voneinander abhngigenQuellen der Erkenntnis. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.

    Schema der Erkenntnistheorie von Immanuel Kant

    Wie kommt es nun zu empirischenAnschauungen? Kant diskutiert dies indem Abschnitt ber dietranszendentale sthetik (Lehre vonden Grundlagen der Wahrnehmung).Wir verfgen einerseits ber einenueren Sinn, der uns Vorstellungenim Raum gibt. Wir haben andererseitseinen inneren Sinn, mit dem wirVorstellungen in der Zeit erzeugen.Raum und Zeit sind Voraussetzung dersinnlichen Vorstellungen, weil wir unskeine Gegenstnde ohne Raum undZeit vorstellen knnen. Gleichzeitigsind unsere Sinne rezeptiv, d.h. siewerden von einer begrifflich nichtfassbaren Auenwelt (dem Ding an

    sich selbst) affiziert ( angeregt).

    Nun kommt Kants berhmte kopernikanische Wende: Wir erkennen nicht das Ding an sich, sondern nur dessenErscheinung oder das Ding fr uns. Diese Erscheinung wird aber durch uns als Subjekt, durch die apriorischenSinnlichkeitsformen gegeben. Kant versucht diese Denkwende zu veranschaulichen, indem er sich auf diekopernikanische Wende bezieht. Kopernikus ist der erste, der verstanden hat, dass nicht die Sonne sich um die Erdedreht, sondern die Erde um die Sonne. Wir knnen uns das am Beispiel des Sehens gut verdeutlichen. Nach unsererVorstellung der Auenwelt gibt es Gegenstnde, die von den Sinnen aufgenommen werden es wird affiziert. Diesesinnlichen Anschauungen werden uns nur als rumliche Gegenstnde gegeben. Das Rumlich-Sein ist sogar dieBedingung ihrer Existenz. Die Auenwelt ist dabei bereits eine subjektive Vorstellung. Solche aus einzelnenElementen zusammengesetzten empirischen Anschauungen nennt Kant Empfindungen. Raum und Zeit aber werdenals reine Formen der sinnlichen Anschauung den Empfindungen (der Materie) hinzugefgt. Sie sind reine Formender menschlichen Anschauung und gelten nicht fr Gegenstnde an sich. Dies bedeutet, dass Erkenntnis immer vomSubjekt abhngig ist. Unsere Realitt sind die Erscheinungen, d.h. alles was fr uns in Raum und Zeit ist. Dass wiruns keine Gegenstnde ohne Raum und Zeit vorstellen knnen, liegt nach Kant an unserer Beschrnktheit und nichtin den Gegenstnden an sich. Ob Raum und Zeit in den Dingen an sich existieren, knnen wir nicht wissen.

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  • Immanuel Kant 7

    Empfindungen allein fhren aber noch nicht zu Begriffen. Kant fhrt seine berlegungen hierzu in dem Abschnittber die transzendentale Logik aus (Lehre von den Grundlagen des Denkens). Die Begriffe kommen aus demVerstand, der diese spontan durch die produktive Einbildungskraft nach Regeln bildet. Hierzu bedarf es destranszendentalen Selbstbewusstseins als Grundlage allen Denkens. Das reine, d.h. von allen sinnlichenAnschauungen abstrahierte Bewusstsein des Ich denke, das man auch als die Selbstzuschreibung des Mentalenbezeichnen kann, ist der Angelpunkt der Kantischen Erkenntnistheorie. Dieses Selbstbewusstsein ist der Ursprungreiner Verstandesbegriffe, der Kategorien. Quantitt, Qualitt, Relation und Modalitt sind die vier Funktionen desVerstandes, nach denen Kategorien gebildet werden.

    Kants Kategorientafel

    Quantitt Qualitt Relation Modalitt

    Einheit Realitt Substanz undAkzidens

    Mglichkeit

    Vielheit Negation Ursache und Wirkung Existenz

    Allheit Limitation Wechselwirkung Notwendigkeit

    Anhand der Kategorien verknpft der Verstand mit Hilfe der Urteilskraft (dem Vermgen unter Regeln zusubsumieren) die Empfindungen nach so genannten Schemata. Ein Schema ist das allgemeine Verfahren derEinbildungskraft, einem Begriff sein Bild zu verschaffen; z.B. sehe ich auf der Strae ein vierbeiniges Etwas. Icherkenne: dies ist ein Dackel. Ich wei: ein Dackel ist ein Hund, ist ein Sugetier, ist ein Tier, ist ein Lebewesen.Schemata sind also (mglicherweise mehrstufige) strukturierende Allgemeinbegriffe, die nicht aus der empirischenAnschauung gewonnen werden knnen, sondern dem Verstand entstammen, sich aber auf die Wahrnehmungbeziehen.Nachdem beschrieben wurde, wie Erkenntnis berhaupt mglich ist, kommt nun die grundlegende Frage Kants, obwir Aussagen machen knnen, die die Wissenschaftlichkeit der Metaphysik begrnden. Gibt es aus reinenVerstandesberlegungen Aussagen, die unsere Erkenntnisse inhaltlich vermehren? Kant formuliert die Frage wiefolgt: Sind synthetische Erkenntnisse a priori mglich?Kants Antwort ist Ja. Wir knnen durch die Kategorien synthetische Erkenntnisse a priori gewinnen. So sind z.B.unter dem Begriff der Relation die Kategorien der Substanz, der Kausalitt und der Wechselwirkung erfasst. Amparadigmatischen Beispiel der Kausalitt kann man Folgendes sehen: In unserer sinnlichen Wahrnehmung erkennenwir zwei aufeinander folgende Phnomene. Deren Verknpfung als Ursache und Wirkung entzieht sich aber unsererWahrnehmung. Kausalitt wird von uns gedacht und zwar mit Allgemeinheit und Notwendigkeit. Wir verstehenKausalitt als Grundprinzip der Natur dies gilt auch in der heutigen Physik, auch wenn diese in ihren Grundlagennur mit Wahrscheinlichkeiten und Energiefeldern operiert , weil wir die Kausalitt in die Natur, wie sie unserscheint, hineindenken. Allerdings schrnkt Kant diese Auffassung gegen die Rationalisten klar ein. Kategorienohne sinnliche Anschauung sind reine Form und damit leer (s.o.), d.h. zu ihrer Wirksamkeit bedarf es derempirischen Empfindungen. Hier liegt die Grenze unserer Erkenntnis.Wie kommt es nun zu den metaphysischen Theorien? Dies ist eine Frage der Vernunft, die den Teil des Verstandesbezeichnet, mit dem wir aus Begriffen und Urteilen Schlsse ziehen. Es liegt im Wesen der Vernunft, dass diesenach immer weiter gehender Erkenntnis strebt und am Ende versucht, das Unbedingte oder Absolute zu erkennen.Dann aber verlsst die Vernunft den Boden der sinnlich fundierten Erkenntnis und begibt sich in den Bereich derSpekulation. Dabei bringt sie notwendig die drei transzendentalen Ideen Unsterblichkeit (Seele), Freiheit (Kosmos)und Unendlichkeit (Gott) hervor. Kant zeigt nun in der Dialektik als der Wissenschaft vom Schein, dass die Existenzdieser regulativen Prinzipien weder bewiesen noch widerlegt werden kann.

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  • Immanuel Kant 8

    EthikVon der zgernden Rezeption und erheblichen Missverstndnissen in der ersten Rezension der Kritik der reinenVernunft veranlasst, verffentlicht Kant 1783 die Prolegomena, die allgemeinverstndlich in die kritischePhilosophie einfhren sollen. Seine Ethik, die in den Schlusskapiteln der Kritik der reinen Vernunft nur angedeutetist, fhrt er 1785 in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten aus. Hier wird der kategorische Imperativ als Prinzipder Ethik entwickelt, und die Idee der Freiheit, die in der ersten Kritik fr die theoretische Vernunft nicht beweisbarwar, wird nun als notwendige Voraussetzung der praktischen Vernunft gerechtfertigt. Auch die naturphilosophischenFragen nimmt Kant wieder auf, und 1786 erscheinen die Metaphysischen Anfangsgrnde der Naturwissenschaft, diedie newtonsche Physik durch die kritischen Grundstze begrnden und damit ein konkretes Beispiel fr dieAnwendung der Transzendentalphilosophie liefern.Nach der berarbeitung einzelner Stcke der Kritik der reinen Vernunft fr die zweite Auflage 1787 erscheint 1788die Kritik der praktischen Vernunft, die den moralphilosophischen Ansatz der Grundlegung erlutert und ausbaut,und schlielich 1793 die Kritik der Urteilskraft, in deren Vorwort Kant stolz verkndet, dass mit dieser seinkritisches Geschft abgeschlossen sei und dass er nun ungesumt zum doktrinalen schreiten werde, also derAusarbeitung eines Systems der Transzendentalphilosophie. Der eigentlichen Ausarbeitung geht jedoch noch DieReligion innerhalb der Grenzen der bloen Vernunft (1793) voraus, worin Kant den Vernunftgehalt der Religionuntersucht und den Ansatz einer moralisch-praktischen Vernunftreligion, wie ihn schon die Postulatenlehre derzweiten und dritten Kritik entwickelt, weiter erlutert. 1797 erscheint dann der erste Teil des Systems, dieMetaphysik der Sitten.Die Frage: Was soll ich tun? ist die grundlegende Frage der kantschen Ethik. Aber eine Antwort auf diese Fragewar erst durch erkenntnistheoretische Untersuchungen in der Kritik der reinen Vernunft mglich, durch die Kant eintheoretisches Fundament fr die praktische Philosophie geschaffen hatte.So untersucht Kant zunchst einmal in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS) und strker ausformuliertin der Kritik der praktischen Vernunft (KpV) die Bedingungen der Mglichkeit von Sollensaussagen. Nicht dieReligion, nicht gesunder Menschenverstand oder die empirische Praxis knnen diese Frage beantworten, sondern nurdie reine Vernunft. Kants theoretische berlegungen zur Ethik bestehen aus drei Elementen: Dem sittlich Guten, derAnnahme der Freiheit des Willens und der allgemeinen Maxime des kategorischen Imperativs. Sittlichkeit ist dasMoment der Vernunft, das auf praktisches Handeln gerichtet ist. Sie ist eine regulative Idee, die im Menschen apriori vorhanden ist.Der Mensch ist ein intelligibles Wesen, das heit er ist in der Lage, in der Vernunft unabhngig von sinnlichen, auchtriebhaften Einflssen zu denken und zu entscheiden. Alle vernunftbegabten Wesen, und damit auch der Mensch,sind nicht fremdbestimmt (heteronom), sondern selbstbestimmt (autonom):

    Der Wille ist ein Vermgen, nur dasjenige auszuwhlen, was die Vernunft unabhngig von der Neigung alsgut erkennt.

    Dies bedeutet, dass die ethische Entscheidung im Subjekt liegt. Kant ist durchaus bewusst, dass die Forderung derSittlichkeit ein Ideal ist, und dass kein Mensch sie zu jeder Zeit erfllen kann. Dennoch ist er der Auffassung, dassjeder Mensch den Mastab der Sittlichkeit in sich hat und wei, was er nach dem Gesetz der Sittlichkeit tun sollte.Der autonome Wille (der Vernunft) gebietet also die sittlich gute Handlung. Die Vernunft legt dem Menschen diePflicht auf, dem Gebot der Sittlichkeit zu folgen. Auch einer breiten ffentlichkeit bekannt geworden ist derKategorische Imperativ.1. Naturgesetzformel: Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinenNaturgesetze werden sollte2. Allgemeine Gesetz Formel: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, da sie einallgemeines Gesetz werde.

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  • Immanuel Kant 9

    3. Menschheitszweckformel: Handle so, da du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person einesjeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals blo als Mittel brauchestIm kategorischen Imperativ beschreibt Kant das allgemeine Prinzip, nach dem jeder Mensch seine Handlungenmoralisch beurteilen kann. Zur Verdeutlichung formuliert Kant den kategorischen Imperativ in der GMS in vierweiteren Fassungen.

    Praktische Grundstze sind Stze, welche eine allgemeine Bestimmung des Willens enthalten, die mehrerepraktische Regeln unter sich hat. Sie sind subjektiv oder Maximen, wenn die Bedingung nur als fr den Willendes Subjekts gltig von ihm angesehen wird; objektiv aber, oder praktische Gesetze, wenn jene als objektiv,d.i. fr den Willen jedes vernnftigen Wesens gltig erkannt wird.

    In der praktischen Anwendung muss die gefundene Maxime in sich widerspruchsfrei sein und mit dem tatschlichenWillen bereinstimmen. Kants Ethik ist also eine Pflichtethik im Gegensatz zu einer Tugendethik, die Aristotelesvertritt. Die konkrete Ausformulierung seiner Ethik nimmt Kant in der Metaphysik der Sitten vor, die sich in diebeiden Hauptabschnitte ber die Rechtslehre und ber die Tugendlehre unterteilt. Weitere Aussagen zur praktischenPhilosophie finden sich beispielsweise in der Anthropologie und in den Pdagogikvorlesungen.Aber das moralische Denken Kants ist untrennbar von seiner Freiheitsauffassung. Ohne Freiheit wre derkategorische Imperativ unmglich. Die so genannte transzendentale Freiheit ist in der Tat die Bedingung derMglichkeit des kategorischen Imperativs. In seinem Traktat Zum ewigen Frieden wird der Grundsatz derGegenseitigkeit zu einem schlielich alle Staaten und Vlker unmfassenden Vlkerbund politisch erweitert.

    Denn wenn das Glck es so fgt: da ein mchtiges und aufgeklrtes Volk sich zu einer Republik (die ihrerNatur nach zum ewigen Frieden geneigt sein mu) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der fderativenVereinigung fr andere Staaten ab, um sich an sie anzuschlieen und so den Freiheitszustand der Staatengem der Idee des Vlkerrecht zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nachimmer weiter auszubreiten.

    Kant setzt sich dabei mit den Meinungen englischer Aufklrungsphilosophen zur Willensfreiheit auseinander. Humebeispielsweise behauptet, dass der Mensch den gleichen Kausalketten unterworfen sei wie die Natur. Kant versuchtden Widerspruch zwischen dem zeittypischen Denken in Kausalittsketten und der Notwendigkeit des freien Willensals moralischer Instanz aufzulsen. Dazu betrachtet er den Menschen aus doppelter Perspektive. Zum einen sieht erden Menschen als Ding. Hier unterliegt er den Naturgesetzen, also dem Ursache-Wirkung-Prinzip. Als Ding wirder von Trieben, Instinkten, Gefhlen und Leidenschaften gesteuert. Seiner Meinung nach ist der Mensch alsVernunftwesen jedoch auch Ding an sich, und gehrt damit dem Reich der Freiheit an. Damit hat er dieMglichkeit, der mechanischen Kausalitt zu widerstehen und sich an moralischen Prinzipien zu orientieren. Freiheitist fr ihn also nicht Willkr, sondern die Freiheit, Gesetzen zu folgen, die sich die Vernunft selbst gegeben hat. Einfreier Wille ist fr Kant also ein Wille unter sittlichen Gesetzen; Freiheit ohne diese freiwillige Unterwerfung ist frihn keine Freiheit. Damit basieren moralisch schlechte Handlungen nicht auf Willensfreiheit, sondern sind durch diemechanische Kausalitt bedingt. Die Wrde des Menschen besteht, laut Kant, darin, dass er seinen Instinktenwidersteht und selbst Ursache ist.Und wenn der Mensch in der Tat seine Pflicht erfllt, ist er nach Kant der Glckseligkeit wrdig. Kant beginnt seine berlegungen zum Thema Glck mit einer umfassenden Kritik des Eudaimonismus. Der Begriff Glckseligkeit (= eudaimonia) beruht seiner Meinung nach auf unsicheren Erfahrungen und vernderbaren Meinungen. Aus diesem Mangel an Objektivitt folgert er, dass ein an der eudaimonia ausgerichtetes Leben von eigenen Trieben, Bedrfnissen, Gewohnheiten und Vorlieben geprgt ist. Auerdem folgt fr ihn aus der Vielfalt der subjektiven Meinungen ber das menschliche Glck, dass keine objektiven Gesetze ableitbar sind. An die Stelle des Glcks setzt er in der Folge die Wrdigkeit zum Glck. Diese ist fr den Menschen, als Ding an sich, nur erreichbar, indem er sich den moralischen Gesetzen, also dem kategorischen Imperativ unterwirft. Durch das daraus folgende sittliche Verhalten erwirbt der Mensch dann die Wrdigkeit zum Glck. Kant lsst aber offen, wie dieses Glck aussehen wird und wo es dem Menschen widerfhrt. Im irdischen Leben ist seiner Meinung nach nur die Selbstzufriedenheit

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  • Immanuel Kant 10

    erreichbar. Darunter versteht er die Zufriedenheit des Menschen damit, dass er ein autonomes Leben fhrt, sich alsoan der Sittlichkeit orientiert. Obwohl Kant der Meinung ist, dass das eigene Glck fr den Menschen nicht erreichbarist, hlt er es fr menschliche Pflicht, das Glck anderer Personen zu frdern. Dies geschieht seiner Meinung nachdurch Hilfsbereitschaft gegenber Anderen und uneigenntziges Handeln in Freundschaft, Ehe und Familie. Es istdenkbar, dass Wrdigkeit zum Glck meint, dass man durch sein Handeln wrdig geworden ist, die Hilfe anderer aufdem Weg zum Glck in Anspruch zu nehmen.

    Geschichte, Aufklrung und ReligionEine Antwort auf Kants dritte Frage Was darf ich hoffen?, hielt er selbst in der Kritik der reinen Vernunft allein ausder Vernunft heraus fr nicht mglich. Nachdem Gott, die Unsterblichkeit der Seele und die Freiheit durch dieVernunft nicht zu beweisen sind, die Vernunft aber auch nicht das Nichtexistieren dieser Ideen beweisen kann, istdie Frage des Absoluten eine Glaubensfrage: Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zubekommen.Entsprechend kann man in der Geschichte keine gttliche Absicht finden. Geschichte ist ein Abbild des Menschen,der frei ist. Aufgrund dieser Freiheit kann man in der Geschichte keine Regelmigkeiten oder Weiterentwicklungenetwa in Richtung Glckseligkeit oder Vollkommenheit erkennen, weil der Fortschritt keine notwendigeVoraussetzung zum Handeln ist. Dennoch gibt es einen Plan in der Natur, d.h. Geschichte hat einen Leitfaden (istteleologisch). Vernunft entwickelt sich im Zusammenleben der Menschen. Fr dieses Zusammenleben hat derMensch aus der Vernunft heraus das Recht geschaffen, das schrittweise die Gesellschaftsordnung immer mehrbestimmt. Dies fhrt am Ende zu einer vollkommenen brgerlichen Verfassung, die Bestand hat, wenn auchzwischen den Staaten eine uere Gesetzesmigkeit entstanden ist. Aus dieser Geschichte in weltbrgerlicherAbsicht ergibt sich fr die Regierenden ein politischer Auftrag:

    Hierauf aber Rcksicht zu nehmen, imgleichen auf die Ehrbegierde der Staatsoberhupter so wohl, alsihrer Diener, um sie auf das einzige Mittel zu richten, das ihr rhmliches Andenken auf die sptere Zeitbringen kann: das kann noch berdem einen kleinen Bewegungsgrund zum Versuche einer solchephilosophischen Geschichte abgeben.

    Was ist Aufklrung?

    Dieses Selbstverstndnis bestimmte Kants Haltung zur Aufklrung, die er alsBestimmung des Menschen ansieht.Die Aufklrung wird eng mit dem Namen Kant verbunden. Berhmt ist seineDefinition:

    Aufklrung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmndigkeit. Unmndigkeit ist das Unvermgen,sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen.Selbst verschuldet ist diese Unmndigkeit, wenn die Ursachederselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern derEntschlieung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung einesanderen zu bedienen. Sapere aude [wage es verstndig zu sein]!Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also derWahlspruch der Aufklrung. (Beantwortung der Frage: Was istAufklrung? Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481494)

    In Die Religion innerhalb der Grenzen der bloen Vernunft (1793) schreibt Kant: Alles, was auer dem gutenLebenswandel der Mensch noch zu tun vermeint, um Gott wohlgefllig zu werden, ist bloer Religionswahn undAfterdienst Gottes.

    Kant war optimistisch, dass das freie Denken, das sich insbesondere unter Friedrich dem Groen wenn auch berwiegend auf die Religion bezogen stark entwickelt hatte, dazu fhrt, dass sich die Sinnesart des Volkes

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Teleologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Idee_zu_einer_allgemeinen_Geschichte_in_weltb%C3%BCrgerlicher_Absichthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Idee_zu_einer_allgemeinen_Geschichte_in_weltb%C3%BCrgerlicher_Absichthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:KantWasIstAufklrung.pnghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Unm%C3%BCndigkeithttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Religion

  • Immanuel Kant 11

    allmhlich verndert und am Ende die Grundstze der Regierung beeinflusst, den Menschen, der nun mehr alsMaschine ist, seiner Wrde gem zu behandeln. Kant war ein starker Befrworter der franzsischen Revolutionund stand auch zu dieser Haltung, obgleich er nach der Regierungsbernahme durch Friedrich Wilhelm II. durchausmit Sanktionen rechnen musste. Trotz zunehmender Zensur, oder vielleicht deswegen verffentlichte Kant in dieserZeit seine religisen Schriften. Gott lsst sich nicht beweisen. Doch konsequentes moralisches Handeln ist nichtmglich ohne den Glauben an Freiheit, Unsterblichkeit und Gott. Daher ist die Moral das Ursprngliche und dieReligion erklrt die moralischen Pflichten als gttliche Gebote. Die Religion folgte also dem bereits vorhandenenMoralgesetz. Um die eigentlichen Pflichten zu finden, muss man nun umgekehrt das Richtige aus den verschiedenenReligionslehren herausfiltern. Rituelle kirchliche Praktiken kritisierte Kant als Pfaffentum. Nach derVerffentlichung der Religionsschrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloen Vernunft 1793 und 1794erhielt Kant tatschlich per Kabinettsorder das Verbot, weiter in diesem Sinne zu verffentlichen. Kant beugte sichfr die Regierungszeit des Knigs, nahm die Position nach dessen Tod in dem Streit der Fakultten unvermindertwieder auf.

    sthetik und Zwecke der Naturblicherweise wird die Kritik der Urteilskraft (KdU) als drittes Hauptwerk Kants bezeichnet. In dem 1790verffentlichten Werk versucht Kant sein System der Philosophie zu vervollstndigen und eine Verbindung dertheoretischen Vernunft, die der Naturerkenntnis zugrunde liegt, einerseits, sowie der praktischen, reinen Vernunft,die zur Anerkennung der Freiheit als Idee und zum Sittengesetz fhrt, andererseits herzustellen. Das Gefhl der Lustund der Unlust ist das Mittelglied zwischen Erkenntnisvermgen und Begehrungsvermgen. Das verbindendePrinzip ist die Zweckmigkeit. Diese zeigt sich zum Einen im sthetischen Urteil vom Schnen und Erhabenen(Teil I), und zum Anderen im teleologischen Urteil, das das Verhltnis des Menschen zur Natur bestimmt (Teil II).In beiden Fllen ist die Urteilskraft nicht bestimmend, wie in der theoretischen Vernunft, wo ein bestimmter Begriffunter einen allgemeinen Begriff gefasst wird, sondern reflektierend, was meint, dass aus dem Einzelnen dasAllgemeine gewonnen wird.Die Bestimmung des sthetischen ist ein subjektiver Erkenntnisvorgang, in dem einem Gegenstand von derUrteilskraft das Prdikat schn oder nicht schn zugesprochen wird. Kriterien fr Geschmacksurteile sind, dass dieseunabhngig von einem Interesse des Urteilenden gefllt werden, dass diese Urteile subjektiv sind, also nicht einemBegriff untergeordnet werden, dass weiterhin das Urteil Allgemeingltigkeit beansprucht und dass schlielich dasUrteil mit Notwendigkeit erfolgt. Wie in der Ethik sucht Kant nach den formalen Kriterien eines Urteils (nach denBedingungen der Mglichkeit) und klammert die inhaltliche (materiale) Bestimmung des Schnen aus.Im Gegensatz zum Schnen ist das Erhabene nicht an einen Gegenstand und seine Form gebunden:

    Erhaben ist, was auch nur denken zu knnen ein Vermgen des Gemths beweiset, das jeden Mastabder Sinne bertrifft.

    Sowohl das Schne als auch das Erhabene gefallen durch sich selbst. Aber das Erhabene erzeugt kein Gefhl derLust, sondern Bewunderung und Achtung. Erhabenes in der Kunst ist fr Kant nicht mglich, diese ist hchstenseine schlechte Nachahmung des Erhabenen in der Natur:

    Schn ist das, was in bloer Beurteilung (also nicht vermittelst der Empfindung des Sinnes nach einemBegriffe des Verstandes) gefllt. Hieraus folgt von selbst, dass es ohne alles Interesse gefallen msse.Erhaben ist das, was durch seinen Widerstand gegen das Interesse der Sinne unmittelbar gefllt.

    In der teleologischen Urteilskraft wird die in der Natur liegende Zweckmigkeit betrachtet. Zweck ist dabei keineEigenschaft von Gegenstnden, sondern wird von uns gedacht und in die Objekte hineingelegt, er ist wie die Freiheiteine regulative Idee. Der von der Vernunft gedachte objektive Naturzweck eines Gegenstandes ergibt sich dabei ausdem Verhltnis der Teile und des Ganzen zueinander. Mit einem reinen Mechanismus knnen wir die Struktur einesBaumes und die Abgestimmtheit der Naturprozesse nicht erklren. Im Gegensatz zu einer Uhr ist ein Baum selbstreproduzierend. Wir sehen die Zusammenhnge der Naturdinge so als ob ein Zweck darin lge. Wir mssen uns

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  • Immanuel Kant 12

    allerdings hten, die empfundene Zweckmigkeit der Natur mit der Religion begrnden zu wollen:Wenn man also fr die Naturwissenschaft und in ihren Kontext den Begriff von Gott hereinbringt, umsich die Zweckmigkeit in der Natur erklrlich zu machen, und hernach diese Zweckmigkeitwiederum braucht, um zu beweisen, dass ein Gott sei: so ist in keiner von beiden Wissenschaften innererBestand. (KdU 68)

    AnthropologieMit der Frage Was ist der Mensch? setzte sich Kant vorwiegend empirisch auseinander. Ab 1773 begann er mit derVorlesung zur Anthropologie als neuem Fach an der Universitt, nachdem er schon Physische Geographie 1755 alsLehrfach eingefhrt hatte. Diese Vorlesungen haben im philosophischen Werk keinen unmittelbaren Niederschlaggefunden, bilden aber unbezweifelbar einen wesentlichen Hintergrund fr Kants Denken. Er betrachtete diese Artvon Vorlesungen, zu denen auch die ber Pdagogik zu rechnen ist, als Propdeutik fr den bergang zurUniversitt als Vermittlung von Weltweisheit, die mehr die empirischen Phnomene und ihre Gesetze zumGegenstand hatte als die ersten Grnde. Dabei sollten diese Vorlesungen unterhaltsam und niemals trocken sein.Neben einschlgigen philosophischen Werken (Montesquieu, Hume) verarbeitete Kant vor allem aktuelle Literaturund Reiseberichte, entwickelte also seine Vorstellungen anhand der Berichte Dritter, um verbunden mit eigenerBeobachtung und guter Menschenkenntnis ein mglichst umfassendes Menschenbild zu zeichnen.Kants Interesse galt dabei nicht der physiologischen Anthropologie, also dem was die Natur aus dem Menschenmacht, sondern der Frage was er als freihandelndes Wesen aus sich selber macht, oder machen kann und soll.(Anthropologie, AA 119). Frhe Arbeiten zu diesem Themenkreis waren Beobachtungen ber das Gefhl desSchnen und Erhabenen (1764), ber die Krankheit des Kopfes (1764) und ber die verschiedenen Rassen derMenschen (1775). Hinzuzuzhlen sind auch die Schrift Mutmalicher Anfang der Menschheitsgeschichte (1786)sowie Teile der religionsphilosophischen Arbeiten. Quasi eine Zusammenfassung bildet die als Sptwerk geltendeAnthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798), die vor allem auf der (letztmaligen) Anthropologievorlesung imWinter 1795/96 beruht. Im Gegensatz zu seinen theoretischen Schriften ist die Anthropologie pragmatisch.Whrend der kategorische Imperativ absolute Gltigkeit beansprucht, ist ein pragmatischer Imperativ auf einenHandlungszweck orientiert. Der moralische Imperativ ist eine Frage der reinen praktischen Vernunft; derpragmatische Imperativ fllt hingegen in den Bereich der empirischen Naturlehre (Vgl. MdS, A 12). Pragmatischheit die Anwendung des theoretisch gewonnenen Wissens der Erkenntnistheorie, der Moralphilosophie und auchder sthetischen Urteilskraft auf den Bereich der empirischen Erfahrungen.Betrachtet man den Inhalt von Kants Anthropologie, so handelt es sich nicht um eine Philosophische Anthropologie, wie solche im 20. Jahrhundert ausgearbeitet wurden, sondern fllt nach modernem Verstndnis in die Wissenschaftsbereiche von Psychologie, Neurowissenschaften, Ethnologie und Volkskunde (neuerdings: Kulturanthropologie und Historische Anthropologie). Der erste Teil des Buches, die Anthropologische Didaktik, befasst sich mit dem Vermgen der Erkenntnis, des Gefhls und des Begehrens. Dabei behandelte Kant Fragen des Selbstbewusstseins, des Wahrnehmungsapparates, des Vorstellungsvermgens, Fragen der Lust und der Unlust, die Unterscheidung von Verstehen und Urteilen oder die Prinzipien der Assoziation. Im zweiten Teil, der Anthropologischen Charakteristik, beschrieb Kant Charaktereigenschaften und wie der Mensch diese entwickeln kann. Dabei thematisierte er die einzelne Person, die Geschlechterunterschiede, Vlker, Rassen und die Menschheit als Ganzes und versuchte dabei, durch Klassifikationen Strukturen zu erarbeiten und zu vermitteln. Themen waren beispielsweise die traditionelle Lehre von den Temperamenten, die Frage der Veranlagung von Eigenschaften (Vererbung) und der Denkungsart. Frauen sah Kant als gefhlsbetont und geschmacksorientiert und weniger rational als Mnner. Den fnf groen europischen Nationen (Franzosen, Englnder, Spanier, Italiener und Deutsche) wies er typische Nationalittenmerkmale zu. Und schlielich klassifizierte er die Menschen mit dem Begriff Race und teilte hnlich wie kurz zuvor Linn die Menschheit in vier Rassen. Kant bildete dabei eine Hierarchie, an deren Spitze die Weien standen, gefolgt von den gelben Indianern (Bewohner von Indien), denen die Negers

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Prop%C3%A4deutikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Charles_de_Secondat%2C_Baron_de_Montesquieuhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=David_Humehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anthropologie_in_pragmatischer_Hinsichthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Philosophische_Anthropologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Psychologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neurowissenschaftenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ethnologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Volkskundehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kulturanthropologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Historische_Anthropologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Temperamenthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Vererbung_%28Biologie%29http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Race_%28Kant%29http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Carl_von_Linn%C3%A9

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    untergeordnet waren, whrend die kupferfarbigen Amerikaner das Ende bildeten. Entsprechend der Hierarchie sahKant abnehmende geistige und soziale Fhigkeiten. Eine wesentliche Ursache meinte er in den klimatischenBedingungen zu finden. Am Schluss der Anthropologie grenzte Kant den Menschen vom Tier ab durch dasVermgen der Vernunft, mit der der Mensch in der Lage ist, das Bse zu berwinden und zu einer Humanitt zugelangen, welche die Menschheit als Gemeinschaft von Weltbrgern vereint.Viele der empirischen Aussagen Kants in seiner Anthropologie erweisen sich aus heutiger Sicht als unhaltbar unddurch Vorurteile geprgt. Mit modernen Mastben wurde Kant auch als Chauvinist und Rassist eingestuft[8] , vorallem weil es schon zu seiner Zeit Stimmen gab, die modernere Auffassungen als Kant vertraten. Andererseitserfllte Kant den Anspruch der Aufklrung, indem er sich bemhte, ohne systematische Vorlage die Themen zuerfassen und in den systematischen Diskurs der Universitt einzubringen. Dabei sind manche Positionen auch heutenoch bedenkenswert[9] .

    Das "Opus postumum"Unabgeschlossen ist Kants Versuch geblieben, nach der Transzendentalphilosophie auch die Naturphilosophie weiterauszubauen. Ab 1790, noch whrend der Arbeit an der Metaphysik der Sitten, beginnt Kant die Arbeit an einembergang von den metaphysischen Anfangsgrnden zur Physik. Die Arbeit an diesem Werk beschftigt ihn bis zuseinem Tod 1804. Die Manuskripte aus dieser Zeit wurden in einem "Opus postumum" zusammengefasst[10] undsind erst seit 1935 leicht ffentlich zugnglich.[11] Diese Manuskripte zeigen, dass Kant auch in hohem Alter nochbereit und in der Lage war, die kritische Philosophie umzugestalten.Notwendigkeit sinnlicher ErfahrungAusgehend vom Problem, spezifische regulative Forschungsmaximen der Naturwissenschaft - insbesondere Physik,Chemie und Biologie - zu rechtfertigen, sieht sich Kant zuerst gezwungen, die Rolle der Sinne des menschlichenKrpers in der Erkenntnis genauer zu untersuchen.

    Vom leeren Raum kann es keine Erfahrung, auch keinen Schlus auf das Object derselben geben. Von derExistenz einer Materie belehrt zu seyn dazu bedarf ich Einflus einer Materie auf meine Sinne. (ImmanuelKant: AA XXI, 216[12] )

    Unendlicher ther oder WrmestoffEinen wesentlichen Teil der Entwrfe des "Opus postumum" nimmt der Beweis eines thers ein,[13] den Kant - wiebereits rund vier Jahrzehnte davor (1755) in seiner Magisterdissertation mit dem Titel "de igne"[14] - auchWrmestoff nennt.

    Es ist eine im Gantzen Weltraum als ein Continuum verbreitete alle Krper gleichfrmig durchdringenderfllende (mithin keiner Ortvernderung unterworfene) Materie welche man mag sie nun Aether oderWrmestoff etc. nennen kein hypothetischer Stoff ist (um gewisse Phnomene zu erklren und zu gegebenenWirkungen sich Ursachen mehr oder weniger scheinbar auszudenken) sondern als zum Ubergange von denmetaphysichen Anfangsgrnde der Natrwissenschaften zur Physik nothwendig gehrendes Stck a priorianerkannt und postulirt werden kann. (Immanuel Kant: AA XXI, 218[15] )

    Unvollendetes HauptwerkDie Problematik dieser Untersuchungen - welche Kant in privatem Kreis als sein Hauptwerk oder chef duvre,bezeichnet [16] [17] -, verschiebt sich aber im Laufe der Entwrfe auf immer abstraktere Ebenen, so dass Kant um1800 auf eine systematische Ebene zurckkehrt, die der Kritik der reinen Vernunft entspricht, wenn auch nichtunbedingt ihrer (aufgrund des Zustands des Manuskripts nur schwer erkennbaren) Problemstellung.[18] Kantentwickelt eine Selbstsetzungslehre, die er dann schlielich auch auf die praktische Vernunft ausweitet, und endigtmit Entwrfen zu einem neukonzipierten System der Transzendentalphilosophie, das er aber nicht mehr ausarbeitenkann.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chauvinismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Metaphysik_der_Sittenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C3%84ther_%28Physik%29

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    Rezeption

    Immanuel Kant,Schwarzweiabbildung eines Portrts

    von V. C. Vernet (um 1800)

    Kant galt schon zu Lebzeiten als herausragender Philosoph, so dass bereits in den90er Jahren des 18. Jahrhunderts ein regelrechter Kantianismus entstand. AlsWegbereiter hervorzuheben sind Johann Schulz, Karl Leonhard Reinhold undauch Friedrich Schiller. Schnell kam es auch zu kritischen Stellungnahmen vonrationalistischen Vertretern der Aufklrung. So nannte Moses Mendelssohn Kanteinen, der alles zermalmt, oder August Eberhard grndete gar eine eigeneZeitschrift, in der er seine Kritik publizierte, auf die Kant explizit in der Schriftber eine Entdeckung, nach der alle neue Kritik der reinen Vernunft durch eineltere entbehrlich gemacht werden soll einging.

    Kant mit Senftopf, Karikatur vonFriedrich Hagermann (1801)

    Von grerer Bedeutung war die Kritik von Johann Georg Hamann und JohannGottfried Herder, die Kant vorhielten, die Sprache als originre Erkenntnisquellevernachlssigt zu haben. Herder wies zudem darauf hin, dass der Mensch bereitsim Zuge der Wahrnehmung metaschematisiert, was bereits Einsichten derGestaltpsychologie vorweg nahm. Ein weiterer grundlegender Ansatz der Kritikkam von Friedrich Heinrich Jacobi, der sich an der Trennung der zweiErkenntnisstmme stie und deshalb das Ding an sich verwarf.

    Eine zweite Phase der Auseinandersetzung ging vom deutschen Idealismus undhier zunchst von dem Schler Kants Fichte aus, der ebenfalls die Anschauungals Erkenntnisquelle ablehnte und so zu seinem subjektiven Idealismus kam. Dienegative Reaktion Kants kommentierte er abfllig. Ebenso wollten Schelling undHegel Kant durch ihre absoluten Systeme berwinden und vollenden. Mit demTod Hegels kam es zu einem abrupten Ende des Idealismus, nicht aber inHinblick auf dessen Weiterverarbeitung. Allerdings sind Arthur Schopenhauers,Max Stirners und Friedrich Nietzsches Reaktionen sowohl auf Hegel, dessenAbsolutismus sie verwarfen, als auch auf Kant negativ, weil sie einen Ausweg aus der desillusionierendenErkenntnis der Endlichkeit des Menschen ohne Halt bei einem fassbaren Gott, ja sogar ohne Gewissheit der Freiheit,suchten.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Immanuel_Kant2.jpghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=18._Jahrhunderthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kantianismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Leonhard_Reinholdhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Schillerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Moses_Mendelssohnhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Hagemann-Kant.pnghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gestaltpsychologiehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Heinrich_Jacobihttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deutscher_Idealismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Gottlieb_Fichtehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schellinghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hegelhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Arthur_Schopenhauerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Max_Stirnerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Nietzsche

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    Kant und seine Tischgenossen, Gemlde vonEmil Doerstling (1892/93)

    Ein anderer Weg der Rezeption begann bei Jakob Friedrich Fries,Johann Friedrich Herbart und Hermann von Helmholtz, die Kant unterwissenschaftlichen insbesondere psychologischen Gesichtspunktenrezipierten. Mit Otto Liebmann begann der Neukantianismus in der 2.Hlfte des 19. Jahrhunderts seine Wirkung zu entfalten, die dieDiskussion bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges dominieren sollte.Die Hauptvertreter in der Marburger Schule waren Hermann Cohenund Paul Natorp mit einem stark wissenschaftsorientierten Ansatzsowie in der Badischen Schule Heinrich Rickert und WilhelmWindelband mit wertphilosophischen und historischen Schwerpunkten.Allen gemeinsam ist die Kritik des a priori, das sie als metaphysischesElement bei Kant ansahen. Ihre Position war in vielem dem Idealismuszumindest eng verwandt. Anders war dies im Kritizismus von Alois Riehl und dessen Schler Richard Hnigswald,der sich eng an Kant anlehnte und lediglich um eine Fortschreibung unter Bercksichtigung der Einsichten dermodernen Wissenschaften bemht war. Eigenstndige Wege gingen Hans Vaihinger mit der Philosophie des AlsOb sowie die ehemaligen Marburger Nicolai Hartmann mit einer Ontologie des kritischen Realismus und ErnstCassirer mit der Philosophie der symbolischen Formen. Letzterer zeigte u.a., dass auch moderne mathematische undnaturwissenschaftliche Theorien wie die Relativittstheorie mit dem Kritizismus in Einklang gebracht werdenknnen.

    Im 20. Jahrhundert findet man keine Kant-Schulen mehr, aber dennoch ist (fast) jede Philosophie eineAuseinandersetzung oder ein Dialog mit Kant. Dies reicht von Charles S. Peirce ber Georg Simmel, EdmundHusserl, Karl Jaspers, Max Scheler, Martin Heidegger, Ernst Bloch bis Theodor Adorno und Karl Popper ebenso wiein der analytischen Philosophie zu Willard Van Orman Quine mit seinen Kant Lectures und Peter FrederickStrawson mit einem viel beachteten Kommentar zur Kritik der reinen Vernunft. Der Erlanger Konstruktivismus lehntsich eng an Kant an. Auch bei Karl-Otto Apels Ansatz zur Transformation der Transzendentalphilosophie oder beiCarl Friedrich von Weizscker macht Kant einen wesentlichen Bezugspunkt aus. Lyotard bezieht sich in seinersthetik auf Kants Begriff des Erhabenen. In der 2. Hlfte des Jahrhunderts bildete sich immer mehr eine Gruppevon Philosophen heraus, die ihre philosophischen Positionen wieder unmittelbar im Sinne kritischer Rationalitt anKant anknpften, wie Helmut Holzhey, Dieter Henrich, Gerold Prauss, Norbert Hinske, Herbert Schndelbach,Reinhard Brandt oder Otfried Hffe. Auch in den USA gibt es entsprechende Vertreter wie Paul Guyer und Henry E.Allison. Hervorzuheben ist die Wiederbelebung der deontologischen Ethik, die durch John Rawls' Theorie derGerechtigkeit einen erheblichen Impuls erhielt. Aber auch in der sthetik und in der Religionsphilosophie findenintensive Diskurse mit und ber Kant statt.Kant ist auch in der Gegenwart der am meisten rezipierte Philosoph. Dies zeigt sich an weit mehr als 1000Monografien und Aufsatzsammlungen, die in seinem 200. Todesjahr 2004 erschienen wie auch an 1100 Teilnehmernam Kongress Kant und die Berliner Aufklrung im Jahr 2000 (IX. Internationaler Kant-Kongress in Berlin). Es gibtdie 1896 von Hans Vaihinger begrndeten Kant-Studien mit jhrlich ca. 25 Abhandlungen als Forum der 1904 im100. Todesjahr gegrndeten Kant-Gesellschaft in Halle/Saale, die Kant-Forschungsstelle an der Universitt Mainz,ein Bonner Projekt zur elektronischen Verffentlichung von Kants Schriften sowie das Marburger Kant-Archiv, dasnach wie vor an der Komplettierung der Akademie-Ausgabe arbeitet. U. a. auch in Japan gibt es eine ReiheKantianer und eine eigene Kant-Gesellschaft. In Tokio im Tempel der Philosophen hngt seit ber 100 Jahren einBild mit dem Titel Die vier Weltweisen mit der Darstellung von Buddha, Konfuzius, Sokrates und Kant.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Doerstling_-_Kant_Und_Tischgenossen.jpghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jakob_Friedrich_Frieshttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Friedrich_Herbarthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hermann_von_Helmholtzhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Otto_Liebmannhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neukantianismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=19._Jahrhunderthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hermann_Cohenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Paul_Natorphttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_Rickerthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wilhelm_Windelbandhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wilhelm_Windelbandhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Alois_Riehlhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Richard_H%C3%B6nigswaldhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hans_Vaihingerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Nicolai_Hartmannhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ernst_Cassirerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ernst_Cassirerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=20._Jahrhunderthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Charles_S._Peircehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Georg_Simmelhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Edmund_Husserlhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Edmund_Husserlhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Jaspershttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Max_Schelerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Martin_Heideggerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ernst_Blochhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Theodor_Adornohttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Popperhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Willard_Van_Orman_Quinehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Peter_Frederick_Strawsonhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Peter_Frederick_Strawsonhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erlanger_Konstruktivismushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl-Otto_Apelhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Carl_Friedrich_von_Weizs%C3%A4ckerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jean-Fran%C3%A7ois_Lyotardhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C3%84sthetikhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Erhabenehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Helmut_Holzheyhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dieter_Henrich_%28Philosoph%29http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gerold_Prausshttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Norbert_Hinskehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Herbert_Schn%C3%A4delbachhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reinhard_Brandthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Otfried_H%C3%B6ffehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Paul_Guyerhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Henry_E._Allisonhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Henry_E._Allisonhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=John_Rawlshttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Theorie_der_Gerechtigkeithttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Theorie_der_Gerechtigkeithttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kant-Studienhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kant-Gesellschafthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kant-Forschungsstellehttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kant-Archivhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tokiohttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Buddhahttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Konfuziushttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sokrates

  • Immanuel Kant 16

    Werke(unvollstndig) 1746: Gedanken von der wahren Schtzung der lebendigen Krfte 1755: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels 1755: Meditationum quarundam de igne succincta delineatio (Dissertation ber das Feuer) 1755: Neue Erhellung der ersten Grundstze metaphysischer Erkenntnisse (Habilitation: Principiorum primorum

    cognitionis metaphysicae nova dilucidatio) 1756: Metaphysicae cum geometria iunctae usus in philosophia naturalis, cuius specimen I. continet

    monadologiam physicam (Lateinische Dissertation, auch kurz Physische Monadologie benannt) 1756: Neue Anmerkungen zur Erluterung der Theorie der Winde 1762: Die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen Figuren 1763: Versuch, den Begriff der negativen Gren in der Weltweisheit einzufhren 1763: Untersuchung ber die Deutlichkeit der Grundstze der natrlichen Theologie und Moral 1763: Der einzig mgliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes 1764: Beobachtungen ber das Gefhl des Schnen und Erhabenen 1764: Versuch ber die Krankheiten des Kopfes 1766: Trume eines Geistersehers, erlutert durch Trume der Metaphysik 1770: ber die Form und die Prinzipien der sinnlichen und intelligiblen Welt (Dissertation in Latein: De mundi

    sensibilis atque intelligibilis forma et principiis) 1775: ber die verschiedenen Rassen der Menschen 1781: 1. Auflage der Kritik der reinen Vernunft 1783: Prolegomena zu einer jeden knftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten knnen 1784: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbrgerlicher Absicht 1784: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklrung frei zugnglich bei DigBib.Org [19] und Wikisource 1785: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten 1786: Metaphysische Anfangsgrnde der Naturwissenschaft 1786: Mutmalicher Anfang der Menschengeschichte 1787: 2., stark erweiterte Auflage der Kritik der reinen Vernunft 1788: Kritik der praktischen Vernunft 1790: Kritik der Urteilskraft 1793: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloen Vernunft 1793: ber den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht fr die Praxis 1794: Das Ende aller Dinge (Religionsschrift) 1795: Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf 1797: Die Metaphysik der Sitten 1797: ber ein vermeintliches Recht, aus Menschenliebe zu lgen 1798: Der Streit der Fakultten 1798: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht 1800: Logik vom Schler Jsche nach Kants Vorlesungen erstellt 1802: Physische Geographie vom Schler Rink nach Kants Vorlesungen erstellt 1803: ber die Pdagogik vom Schler Rink nach Kants Vorlesungen erstelltKants Werke werden verffentlicht in der Akademieausgabe der Preuischen Akademie der Wissenschaften,Berlin 1900ff. (bisher 29 Bnde)Fr das Studium geeignet und allgemein anerkannt ist die Ausgabe von Wilhelm Weischedel, Darmstadt(Wissenschaftliche Buchgesellschaft in sechs Bnden) 1956 1964 bzw. seitengleich Frankfurt (Suhrkamp in 12Bnden).

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Allgemeine_Naturgeschichte_und_Theorie_des_Himmelshttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Weltweisheithttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lateinhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritik_der_reinen_Vernunfthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Prolegomena_zu_einer_jeden_k%C3%BCnftigen_Metaphysik%2C_die_als_Wissenschaft_wird_auftreten_k%C3%B6nnenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Idee_zu_einer_allgemeinen_Geschichte_in_weltb%C3%BCrgerlicher_Absichthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl%C3%A4runghttp://www.digbib.org/Immanuel_Kant_1724/Was_ist_Aufklaerunghttp://en.wikisource.org/wiki/de:Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufklrunghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Grundlegung_zur_Metaphysik_der_Sittenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Metaphysische_Anfangsgr%C3%BCnde_der_Naturwissenschafthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritik_der_reinen_Vernunfthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritik_der_praktischen_Vernunfthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kritik_der_Urteilskrafthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Religion_innerhalb_der_Grenzen_der_blo%C3%9Fen_Vernunfthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zum_ewigen_Friedenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Metaphysik_der_Sittenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Der_Streit_der_Fakult%C3%A4tenhttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anthropologie_in_pragmatischer_Hinsichthttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=J%C3%A4sche

  • Immanuel Kant 17

    Weiterhin gibt es eine Reihe Einzelausgaben in der Philosophischen Bibliothek (Meiner) mit kommentierendenEinleitungen. Preisgnstige Textausgaben sind darber hinaus bei Reclam erhltlich.

    Ehrungen

    Denkmler

    Wieder errichtetes Denkmal in Kaliningrad

    Kant zu Ehren wurden vor allem im 19. und zu Beginn des 20.Jahrhunderts zahlreiche Denkmler errichtet. Beispiele: Im Berliner Bode-Museum befindet sich eine 1798 von Emanuel

    Bardou geschaffene Marmorbste Kants. Der Berliner Bildhauer Carl Friedrich Hagemann schuf 1801 zwei

    Marmorbsten des berhmten Philosophen. Eine Bste steht in derHamburger Kunsthalle, die andere gelangte in die KnigsbergerUniversitt. Ob sie erhalten ist, ist fraglich.

    Auf dem Reiterstandbild Friedrichs des Groen in Berlin (Unter denLinden) gehrt Kant zu 74 darstellten Zeitgenossen Friedrichs desGroen. Das Denkmal wurde von Christian Daniel Rauch entworfenund nach mehrjhriger Bauzeit am 31. Mai 1851 enthllt.

    Das am 18. Oktober 1864 in Knigsberg enthllte und 1945 (in dernun Kaliningrad genannten Stadt) von den Russen verschleppteStandbild des Philosophen Immanuel Kant entstand ebenfalls nacheinem Entwurf von Christian Daniel Rauch. Auf Initiative vonMarion Grfin Dnhoff wurde es nachgegossen und 1992 wiederaufgestellt.

    Nebenbste in der Denkmalgruppe 29 der ehemaligen BerlinerSiegesallee zum zentralen Standbild fr Knig Friedrich WilhelmII.. Bildhauer Adolf Brtt, enthllt am 22. Mrz1900. Die Bste ist, allerdings ohne Kopf, erhalten und ruht zusammen mit weiteren Siegesalleefiguren seit Mai2009 in der Zitadelle Spandau.

    Literatur

    Einfhrendes Jean Grondin: Kant zur Einfhrung. 3. Auflage. Junius, Hamburg 2004, ISBN 3-88506-363-8 Otfried Hffe: Immanuel Kant. 7. Auflage. Beck, Mnchen 2007, ISBN 3-406-45977-3 Roger Scruton: Kant. Panorama-Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-926642-43-2

    Biographien Steffen Dietzsch: Immanuel Kant. Eine Biographie. Reclam, Leipzig 2004, ISBN 3-379-00806-0 Manfred Geier: Kants Welt. Eine Biografie. Rowohlt, Reinbek 2005 ISBN 3-499-61365-4 Arsenij Gulyga: Immanuel Kant. Suhrkamp, Frankfurt 2004, ISBN 3-518-45568-0 Manfred Khn: Kant. Eine Biographie. Beck, Mnchen 2004, ISBN 3-406-50918-5 Hans & Gertrud Mortensen: Kants vterliche Ahnen und ihre Umwelt. In: Jahrbuch der Albertus-Universitt zu

    Knigsberg/Pr. * Wolfgang Ritzel: Immanuel Kant, Eine Biographie, Berlin: Walter de Gruyter 1985, ISBN3110106345.

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