Jugend im Blick – Regionale Bewältigung demografischer ...· Sarah Beierle, Frank Tillmann,...

download Jugend im Blick – Regionale Bewältigung demografischer ...· Sarah Beierle, Frank Tillmann, Birgit

of 57

  • date post

    05-Aug-2019
  • Category

    Documents

  • view

    212
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of Jugend im Blick – Regionale Bewältigung demografischer ...· Sarah Beierle, Frank Tillmann,...

  • Abschlussbericht der Studie

    Jugend im Blick Regionale Bewltigung demografischer Entwicklungen

    Projektergebnisse und Handlungsempfehlungen

    Sarah Beierle, Frank Tillmann, Birgit Reiig

    160406_DJI_JugendimBlick_Broschuere_Umschlag_P.indd 1 06.04.16 15:34

  • Sarah Beierle, Frank Tillmann, Birgit Reiig

    Jugend im Blick Regionale Bewltigung demografischer Entwicklungen

    Abschlussbericht

    Projektergebnisse und Handlungsempfehlungen

  • 2

    berarbeitete Fassung vom 10.05.2016

    Das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) ist eines der grten sozialwissenschaftli-chen Institute fr Forschung und Entwicklung in Deutschland in den Themenbe-reichen Kindheit, Jugend, Familie und den darauf bezogenen Politik- und Praxis-feldern. Als aueruniversitre Forschungseinrichtung an der Schnittstelle zwi-schen unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, fderalen Ebenen, Akteursgruppen, Politikbereichen und Fachpraxen bietet es aktuelle Erkenntnisse aus der empirischen Forschung, zeitnahe wissenschaftsbasierte Politikberatung sowie Begleitung und Anregung der Fachpraxis der Kinder- und Jugendhilfe.

    Der Forschungsschwerpunkt bergnge im Jugendalter steht in einer For-schungstradition des DJI, die, ausgehend von der Analyse der bergangsbiogra-fien von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auch die Strukturen und Institu-tionen, Politiken und sozialen Folgen der Vernderungen des bergangssystems zum Gegenstand gemacht hat. Dieses Forschungsengagement am DJI legitimiert sich nicht zuletzt aus dem im KJHG formulierten Auftrag an die Jugendhilfe, die berufliche und soziale Integration von Jugendlichen zu frdern und dabei eine Mittlerfunktion im Verhltnis zu anderen, vorrangig zustndigen und in ihren Res-sourcen leistungsfhigen Akteuren wahrzunehmen.

    Das Projekt Jugend im Blick und die Verffentlichung des Abschlussberichtes wurden gefrdert von der Beauftragten der Bundesregierung fr die neuen Bun-deslnder. Verfasst wurde der Bericht von Sarah Beierle, Frank Tillmann und Birgit Reiig, unter Mitwirkung von Gabriele Kmpfe, Anke Mrz sowie der studentischen Hilfs-krfte Sarah Zehner, Michael Dettmer, Sarah Hettstedt und Gerrit Kwaschnik.

    2016 Deutsches Jugendinstitut e. V. Forschungsschwerpunkt bergnge im Jugendalter Nockherstrae 2, 81541 Mnchen Tel.: +49 (0) 89 62306-0 Fax: +49 (0) 89 62306-162 E-Mail: info@dji.de

    Auenstelle Halle Franckeplatz 1 Haus 12+13, 06110 Halle/Saale Tel.: +49 (0) 345 68178-0 Fax: +49 (0) 345 68178-47 E-Mail: info@dji.de ISBN: 978-3-86379-186-5

  • 3

    Inhaltsverzeichnis 1 Einfhrung 4

    2 Ausgangslage und Fragestellungen der Studie 5

    3 Die Anlage der Studie Jugend im Blick 7

    3.1 Auswahl der Untersuchungslandkreise 7 3.2 Verlauf der Studie 10

    4 Indikatorengesttzte Abbildung von Teilhabechancen Jugendlicher 13

    4.1 Beschreibung eines Indikatorensystems zur Abbildung von Teilhabe 13

    4.2 Ausprgungen des Jugendteilhabeindex im interregionalen Vergleich 18

    4.3 Dimensionen von Teilhabe als regionale Haltefaktoren 20

    5 Analyse von jugendpolitischen und demografiestrategischen Dokumenten der untersuchten Landkreise 21

    5.1 Worauf basiert die Analyse? 21 5.2 Strategische Anstze und das Bild von Jugend 22 5.3 Handlungsbedarf aus Sicht der lokalen Akteure 25

    6 Die Sicht (jugend-)politischer Akteure 26

    6.1 Wie wurden die Sichtweisen (jugend-)politischer Akteure ermittelt? 26 6.2 Die Situation in den Untersuchungsregionen aus Sicht (jugend-)

    politischer Akteure und der Umgang damit 27 6.3 Netzwerkaktivitten 31 6.4 An die Bundesebene adressierte Handlungsbedarfe 34

    7 Die Sicht der Jugendlichen in den Untersuchungslandkreisen 35

    7.1 Wie wurde die Sicht der Jugendlichen ermittelt? 35 7.2 Zufriedenheit mit dem Aufwachsen auf dem Land 36 7.3 Gefhlte Benachteiligungen gegenber anderen Gruppen 38 7.4 Jugendliche Freizeittypen 39 7.5 Bercksichtigung jugendlicher Belange und Jugendpartizipation 44 7.6 Handlungsbedarf aus Sicht der Jugendlichen 45

    8 Handlungsempfehlungen 46

    8.1 Wie sind diese entwickelt worden? 46 8.2 Empfehlungen fr eine jugendgerechtere Demografiepolitik 46

    9 Ausblick 50

    10 Literatur 53

  • 4

    1 Einfhrung

    Aufwachsen auf dem Land fr viele klingt das nach Idylle, nach Weite und Natur. Andere denken an Krise, an ausgeblutete Orte und Perspektivlosig-keit. Auf diesem Kontinuum bewegt sich die aktuelle Diskussion ber lndli-che Rume.

    Wurden seit den 90er Jahren strukturschwache lndliche Rume insbeson-dere mit Ostdeutschland in Verbindung gebracht, so handelt es sich bei Kon-zentration von demografischen und den damit verbundenen sozialen und strukturellen Problemen nicht mehr lnger um ein originres Phnomen Ost (Schubarth/Speck 2009). Zwar ist das stark lndlich geprgte Ostdeutschland nachwievor in strkerem Ausma von Strukturschwche, Abwanderung und Alterung betroffen, ein genauerer Blick auf die regionalen Entwicklungen of-fenbart allerdings, dass inzwischen auch viele westdeutsche lndliche Regionen vor hnlichen Entwicklungen stehen und somit die Bewltigung demografi-scher Herausforderungen zu einer gesamtdeutschen Aufgabe geworden ist (Maretzke/Weiss 2009).

    Dennoch liegen fr diese Rume nur wenige aktuelle Forschungen zu den Lebensverhltnissen der dort aufwachsenden Menschen vor. Dies ist insofern verwunderlich, als dass die Bedeutung von jungen Menschen fr die Vitalitt lndlicher Rume immer wieder betont wird (Hhne 2015) und Jugendliche durch ihre Abwanderung eine Abstimmung mit den Fen zu ihren Zu-kunftsperspektiven vor Ort durchzufhren scheinen. Whrend mit dem The-ma des demografischen Wandels in erster Linie die Sicherung der Lebensquali-tt der lteren Generationen in den Blickpunkt gert, sind es gerade in lndli-chen Gegenden Kinder und Jugendliche, welche die Auswirkungen zuerst zu spren bekommen, etwa indem sie sich in ihren Wohnorten einer zunehmen-den Vereinzelung sowie der Schlieung von Schulstandorten und Freizeitange-boten gegenbersehen.

    Vor dem Hintergrund dieser demografischen Entwicklungen entstand das Vorhaben, die Bedingungen des Aufwachsens von jungen Menschen in lndli-chen Rumen differenziert zu untersuchen. Dafr entwickelte das Deutsche Jugendinstitut gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Arbeitsstabs der Beauftragten der Bundesregierung fr die neuen Bundeslnder die Projekt-studie Jugend im Blick Regionale Bewltigung demografischer Entwicklun-gen.

    Ein wichtiges Anliegen bestand dabei darin, die aktuelle Lebenswirklichkeit von Jugendlichen in strukturschwachen lndlichen Rumen deutschlandweit abzubilden. Dabei sollten sowohl jugendpolitische Akteure in den Regionen, als auch Jugendliche selbst zu den Bedingungen des Aufwachsens in struktur-schwachen, lndlichen Rumen befragt werden. Zudem sollte ein enger Aus-tausch zwischen verschiedenen jugendpolitischen Akteuren der Untersu-chungsregionen (Landkreise), des Landes und der Bundesebene initiiert und gemeinsam an praxisnahen Handlungsempfehlungen fr die Bundesebene ge-arbeitet werden.

    Im Laufe der Umsetzung des Projekts sind auf der Bundesebene die The-men Jugend, Demografie und lndlicher Raum verstrkt in den politischen

  • 5

    Fokus geraten. Somit konnten die Ergebnisse unmittelbar in politische Wil-lensbildungsprozesse auf der Bundesebene, etwa in die im Jahr 2014 einberu-fene Arbeitsgruppe Jugend gestaltet Zukunft beim BMFSFJ zur Weiterent-wicklung der Demografiestrategie des Bundes eingebracht werden.

    2 Ausgangslage und Fragestellungen der Studie

    Auch wenn in der Diskussion oftmals von dem lndlichen Raum die Rede ist, so ist sich doch die Wissenschaft einig, dass es diesen als solchen gar nicht gibt.

    Im Zuge von Modernisierungs- und strukturellen Wandlungsprozessen so-wie durch den Umbau von der Plan- zur Marktwirtschaft in Ostdeutschland haben sich lndliche Rume in der Bundesrepublik regional sehr unterschied-lich entwickelt. Stdtische Rume und deren infrastrukturell gut erschlossenes Umland erleben einen Zuzug, wohingegen peripher gelegene Regionen zu-nehmend an Bevlkerung verlieren.

    Zeigten sich nach der Wiedervereinigung insbesondere im Osten Deutsch-lands starke demografische Vernderungsprozesse, so geht inzwischen auch in Westdeutschland in der Hlfte der lndlichen Regionen die Bevlkerung zu-rck. In den strukturschwachen lndlichen Rumen in Ost und West altert die Gesellschaft, wandern berproportional viele, insbesondere junge Menschen ab und steigt das Durchschnittsalter entsprechend. Kennzeichen der Entwick-lungen sind dabei regional sehr unterschiedliche Ausprgungen, die eine zu-nehmende rumliche Spaltung entstehen lassen und zu einem Nebeneinander von Wachstums- und Schrumpfungsrumen fhren (Faulde 2014: 212).

    Fr Jugendliche auf dem Land haben sich die Bedingungen ihres Aufwach-sens in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verndert. Ihr Leben ist einer-seits aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive wie das von den in Std-ten aufwachsenden jungen Menschen durch Globalisierung, Internationalisie-rung, Inter- und Transkulturalitt, Mobilitt, Heterogenitt und Urbanisierung geprgt (Stein 2013: 25). Andererseits haben sich die sozialrumlich gerahmten Lebenswelten von stdtischen und lndlichen Jugendlichen nicht gnzlich an-geglichen. Vielmehr konstatierte Bhnisch (1992: 5) ein Nebeneinanderstehen verschiedener Lebenswelten:

    Jugendliche in lndlichen Rumen leben heute zwischen der urban-industriellen Welt der Bildung, der Medien, der Freizeit und des Kon-sums auf der einen Seite und der Welt der drflichen Kontrolle, der Durchgngigkeit der alltglichen Lebensbereiche, der Tabus und tradi-tionellen Selbstverstndlichkeiten, aber auch der Vertrautheit, Gebor-genheit und sozialen Sicherheit auf der anderen Seite.

    Andere Autoren gehen noch weiter. So spricht Her