Kein Stress · PDF file 8 Kein Stress mit dem Stress Leistungssport und psychische Gesundheit...

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    25-Jun-2020
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  • www.psyga.info Kein Stress mit dem Stress

    FÜR DEN LEISTUNGSSPORT

    Tipps und Lösungen für mentale Stärke und psychische Gesundheit im wettkampforientierten Leistungssport

    Psychische Gesundheit im Leistungssport

    gefördert durch: Im Rahmen der Initiative: Fachlich begleitet durch: Projektleitung:

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  • Inhalt

    > Vorwort

    > Einführung

    > Trainingsbetreuung

    > Wettkampfbetreuung

    > Karriereplanung

    > Konfl iktmanagement

    > Psychische Erkrankungen

    > Selbstmanagement

    > Weiterführende Informationen

  • Kein Stress mit dem Stress2

    Liebe Leserinnen und Leser,

    als mein Mann Robert während seiner Zeit als Torwart des FC Barcelona zum ersten Mal in einer tiefen klini- schen Depression versank, wussten wir nicht, an wen wir uns wenden sollten, von wem wir Hilfe erwarten konnten. Da war nur das diffuse Gefühl, dass niemand in Roberts Fußballklub von seiner Krankheit erfahren durfte. Denn eine Depression würde bei seinem Kampf um den Platz in Barcelonas Tor doch sicher gegen ihn ausgelegt werden, nach dem Motto: Wie können wir uns auf einen psychisch kranken Mann im Tor verlassen? So mussten Robert und ich in aller Heimlichkeit, teilwei- se verzweifelt, autodidaktisch nach Hilfe suchen.

    Aus dieser Erfahrung heraus habe ich mit der Robert-Enke-Stiftung vom ersten Tag an dafür gekämpft, dass Sportler in psychischen oder psychologisch schwierigen Phasen heute professionelle Unterstützung finden. Ebenso wichtig ist es uns, den Verantwortlichen im Sport sowie der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass ein Sportler mit psychischen Problemen nach einer erfolgreichen Therapie wieder genauso leis- tungsfähig ist wie ein Sportler nach einem überstandenen Bänderriss.

    Der vorliegende Praxisordner, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund e. V., der Deutschen Sporthochschule Köln, der VBG und der Robert-Enke-Stiftung erarbeitet hat, ist dabei eine wichtige und vor allem praxisnahe Hilfe, um Trainer, Ärzte, Sportpsychologen und Funktionäre im Leistungssport über psychische Krankheiten aufzuklären und ihnen Wege aufzu- zeigen, betroffene Sportler zu unterstützen.

    Darüber hinaus gibt der Ordner dem Team um den Sportler herum wertvolle Hinwei- se, wie die alltäglichen psychologischen Drucksituationen gemeistert werden kön- nen, die jedem Sportler begegnen: die Anspannung eines Wettkampfes, die Kritik der Öffentlichkeit oder die Schwierigkeit, Sport und Berufsausbildung in Einklang zu bringen. Auch für Sportfans kann der Praxisordner ein Schlüssel sein, um die Seele eines Leistungssportlers besser zu verstehen. Ich bin deshalb dem Bundesarbeits-

  • 3Vorwort

    ministerium sehr dankbar, dass es sowohl unter der damaligen Ministerin Dr. Ursula von der Leyen wie auch unter ihrer Nachfolgerin Andrea Nahles so aufgeschlossen mit der Robert-Enke-Stiftung zusammenarbeitet.

    Wir haben es in den Jahren seit Roberts Tod geschafft, gemeinsam mit der Deut- schen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde ein hoch qualifiziertes Netzwerk von Sportpsychiatern aufzubauen: Jeder Sportler sollte nun in seiner Nähe in einem Krankenhaus oder einer Praxis einen kompetenten Anlaufpunkt finden. Über eine Beratungshotline, die von einem Sportpsychiater betreut wird, kön- nen wir ihm den Weg dorthin weisen. So ist es in den jüngsten Jahren immer wieder gelungen, dass psychisch erkrankte Spitzensportler nach einer Therapie erfolgreich und geradezu selbstverständlich in ihren Beruf zurückkehrten. Der Fußballtorwart Markus Miller, der Fußballtrainer Ralf Rangnick, die Skifahrerin Lindsey Vonn oder der Eishockeyspieler Constantin Braun machen aufgrund der Stahlkraft des Sports mit ihren Beispielen auch vielen erkrankten Menschen in ganz anderen Berufen Mut: Es gibt, bei fachgerechter Betreuung, einen Weg zurück in ein zufriedenes Leben.

    Doch noch immer ist eines der größten Probleme, dass psychische Krankheiten ver- drängt oder gar nicht erst erkannt werden, oftmals auch nicht von den Betroffenen selbst. Anhaltende Müdigkeit oder Leere werden zum Beispiel für Symptome des harten Trainings gehalten, während sich der Sportler bereits in einer depressiven Ver- stimmung befindet. Gerade hier, bei der Früherkennung von psychischen Krankhei- ten, muss noch einiges getan werden; und auch hier, hoffe ich, kann der vorliegende Praxisordner Orientierung bieten. Die gemeinsamen Anstrengungen von Institutio- nen wie dem Bundesministerium, dem DFB, der Deutschen Sporthochschule Köln und der VBG machen mir Hoffnung, dass Sportler bei psychischen Problemen heute, anders als Robert und ich, nicht mehr das Gefühl haben müssen, alleine zu sein.

    Teresa Enke Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung

  • Kein Stress mit dem Stress4

    als zuständiger Träger der gesetzlichen Unfallversiche- rung ist die VBG der Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern in besonderem Maße verpfl ichtet. Der gesetzliche Auftrag der VBG umfasst die Wiederher- stellung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Versicherten mit allen geeigneten Mitteln. Dieser He- rausforderung begegnen wir mit einer Reihe innovativer Präventionsansätze und der Verknüpfung verschiedener Disziplinen, sowohl aus dem Bereich der Unfallverhü- tung als auch der Rehabilitation.

    Ausschlaggebend für den Erfolg unserer Präventionsmaßnahmen sind in erster Linie die Akzeptanz und die praktische Umsetzung in den Sportvereinen, wie Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages treffend anmerkte: „Die beste Unfallversicherung ist […] die Unfallverhütung.“

    Hier kommen Sie ins Spiel: In den 91.000 Sportvereinen Deutschlands leisten Trainer, Betreuer, Helfer und ehrenamtlich Engagierte tagtäglich Großartiges. Sie treiben Ihre Athletinnen und Athleten zu höchsten sportlichen Leistungen und haben Einfl uss auf ihre Gesundheit. Zu der Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern gehört selbst- verständlich auch die psychische Gesundheit.

    Um diese zu schützen und zu fördern, entwickelt die VBG in Kooperation mit Sport- verbänden, Wissenschaft und Politik Präventionsmaßnahmen. Diese Handlungshilfe leistet einen wichtigen Beitrag zu diesem Thema und soll Sie in Ihrer täglichen Arbeit mit Ihren Athletinnen und Athleten unterstützen.

    „Es gibt nicht nur ansteckende Krankheiten, es gibt auch ansteckende Gesundheit.“ – Lassen Sie uns im Sinne dieser Worte von Kurt Hahn darauf hinarbeiten, dass die Unfallverhütungsmaßnahmen und die Förderung psychischer Gesundheit im Sport verankert und tatsächlich auch „gelebt“ werden. Wenn die Akteure im Sport ge- meinsame Anstrengungen zur Prävention unternehmen, profi tieren alle davon.

    In diesem Sinne danken wir allen, die sich für die Präventionsarbeit im Sport einset- zen und wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre!

    Prof. Bernd Petri Mitglied der Geschäftsführung der VBG

    Liebe Leserinnen und Leser,

    zen und wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre!

    Prof. Bernd Petri Mitglied der Geschäftsführung der VBG

  • 5Vorwort

    seit mehr als 50 Jahren beschäftigt sich die Sportpsy- chologie mit den Ursachen und Bedingungen von Stress, Angst, aber auch Glück und Wohlbefinden im Leistungssport. Ebenso lange setzt sich an unserer Uni- versität das Psychologische Institut mit diesem Thema wissenschaftlich auseinander.

    Psychische Gesundheit ist also kein neues, aber ein aus- gesprochen relevantes Thema der Sportwissenschaft – sowohl in der Auseinandersetzung mit psychischen Ge- sundheitsproblemen, besonders aber in der Prävention und der Förderung psychischer Gesundheit.

    Der vorliegende Ordner leistet einen wichtigen Beitrag für den Transfer wissen- schaftlicher Erkenntnisse in die Praxis des Leistungssports, die für alle Beteilig- ten gleichermaßen relevant sind. Die Praxiserfahrungen der am Psychologischen Institut beheimateten Einrichtungen „mentaltalent“ und „MentalGestärkt“ sind hier- bei besonders hilfreich.

    Durch diese gleichsam praktische wie auch wissenschaftliche Expertise konnte ein Produkt erstellt werden, das nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, sondern zugleich auch hohe Praxisrelevanz für TrainerInnen, AthletInnen, nicht zuletzt aber auch für Studierende der Sportwissenschaft besitzt.

    Prof. mult. Dr. Walter Tokarski ehemaliger Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln

    Liebe Leserinnen und Leser,

    Fo to

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  • Kein Stress mit dem Stress6

    Über diese Handlungshilfe

    Vielleicht haben Sie solche oder ähnliche Situa-

    tionen auch schon einmal erlebt: Eine Ihrer bes-

    ten Spielerinnen hat sich vor einem wichtigen

    Turnier verletzt und bangt um die Teilnahme.

    Ein Spieler Ihrer Mannschaft wirkt seit Wochen

    abwesend und zeigt weder im Training noch im

    Wettkampf die gewünschte Leistung. Oder Si