Kinderbetreuung über Nacht. Kritische Bestandsaufnahme ... · PDF fileSTUDY Nr. 382...

Click here to load reader

  • date post

    30-Aug-2019
  • Category

    Documents

  • view

    1
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of Kinderbetreuung über Nacht. Kritische Bestandsaufnahme ... · PDF fileSTUDY Nr. 382...

  • STUDYNr. 382 Mrz 2018

    KINDERBETREUUNG BER NACHTKritische Bestandsaufnahme einer institutionellen Kinderbetreuung rund um die Uhr aus der Sicht von Beschftigten, Kindern, pdagogischen Fachkrften und betrieblichen Akteuren

    Svenja Pfahl, Laura Rauschnick, Stefan Reuy und Jrgen P. Rinderspacher

  • Dieser Band erscheint als 382. Band der Reihe Study der Hans-Bckler- Stiftung. Die Reihe Study fhrt mit fortlaufender Zhlung die Buchreihe edition Hans-Bckler-Stiftung in elektronischer Form weiter.

  • Nr. 382 Mrz 2018

    KINDERBETREUUNG BER NACHTKritische Bestandsaufnahme einer institutionellen Kinderbetreuung rund um die Uhr aus der Sicht von Beschftigten, Kindern, pdagogischen Fachkrften und betrieblichen Akteuren

    Svenja Pfahl, Laura Rauschnick, Stefan Reuy und Jrgen P. Rinderspacher

    STUDY

  • 2018 Hans-Bckler-StiftungHans-Bckler-Strae 39, 40476 Dsseldorfwww.boeckler.de

    Kinderbetreuung ber Nacht von Svenja Pfahl, Laura Rauschnick, Stefan Reuy und Jrgen P. Rinderspacher ist lizenziert unterCreative Commons Attribution 4.0 (BY).Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfltigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium fr beliebige Zwecke, auch kommerziell.(Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode)

    Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur fr Original-material. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekenn-zeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Schaubildern, Abbildungen, Fotos und Textauszgen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber.

    Satz: DOPPELPUNKT, Stuttgart

    ISBN: 978-3-86593-293-8

  • 5

    INHALT

    Zusammenfassung 8

    1 Ausgangspunkt und Fragestellung 11

    2 Empirische Grundlage 142.1 Forschungsziele 142.2 Methodisches Vorgehen 142.3 Definition erweiterte Betreuungszeiten 152.4 Zusammensetzung des Samples 18

    3 Die Sicht der Eltern 243.1 Betreuungsbedarfe der Eltern 253.2 Motive der Eltern 373.3 Zufriedenheit 43

    4 Effekte auf die Kinder 504.1 Bercksichtigung des Kindeswohls 504.2 Kinder sehen Betreuung als Normalitt 574.3 Kindern fllt es leichter als den Eltern 584.4 Manche Kinder mgen Spt- oder Wochenend -

    betreuung sowie bernachtungen in der Kita 604.5 Betreuungszeiten verschieben sich 624.6 Positive Effekte fr Kinder 644.7 Kritische Effekte fr Kinder 66

    5 Die Sicht der pdagogischen Fachkrfte 685.1 Erweiterte Betreuungsbedarfe von Familien 685.2 Herausforderungen fr Kitas beim Realisieren

    erweiterter Betreuungszeiten 755.3 Belastbarkeitsgrenzen der Kinder 97

  • 6

    6 Die betriebliche Sicht 1046.1 Die Erfahrungen des Finanzdienstleistungs -

    unternehmens 1046.2 Die Erfahrungen des Metallunternehmens 109

    7 Bedarfe, Fragen und Diskursanregungen 1157.1 Erkenntnisse und Wnsche der Eltern und Kinder 1167.2 Wnsche und Bedarfe seitens der Betreuungs-

    einrichtungen 1207.3 Offene Forschungsfragen 1247.4 Sechs Thesen als Diskursbeitrag 127

    Literatur 130

    Autorinnen und Autoren 133

    Kinderbetreuung ber Nacht

  • 7

    Tabellenverzeichnis

    Tabellenverzeichnis

    Tabelle2.1: bersicht ber Gruppen erweiterter Betreuungs - zeiten 17

    Tabelle2.2: Gruppen erweiterter Betreuungszeiten im Tagesverlauf 18

    Tabelle2.3: bersicht Kitas 20

    Tabelle2.4: Berufe der Eltern 21

  • 8

    ZUSAMMENFASSUNG

    Mit der vorliegenden explorativen Studie soll ein Grundstein fr die Folgen-abschtzung einer 24-Stunden-Kinderbetreuung in Deutschland fr berufst-tige Eltern gelegt werden. Aus der Perspektive der Beschftigten, ihrer Kin-der, der pdagogischen Fachkrfte sowie von betrieblichen Akteur_innen werden die Vor- und Nachteile einer 24-Stunden-Betreuung herausgearbei-tet. Dazu werden die familialen, betrieblichen und gesellschaftlichen Folgen erweiterter Kinderbetreuungszeiten wissenschaftlich in den Blick genom-men.

    Unter erweiterten Betreuungszeiten werden Zeiten verstanden, die ber die sogenannte Kernbetreuungszeit von 8:00 bis 17:00Uhr hinausgehen, also in den frhen Abendstunden, am Wochenende oder in der Nacht liegen. Dargestellt werden die Vor- und Nachteile solcher Kinderbetreuungszeiten aus Sicht von betroffenen Eltern, Kindern, pdagogischen Fachkrften und betrieblichen Akteur_innen. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur ffent-lich gefhrten Debatte um fr Familien zumutbare Arbeits- und Betreu-ungszeiten liefern. Zustzlich ergeben sich daraus Gestaltungshinweise fr verschiedene Akteur_innengruppen: Betrieblichen Akteur_innen sollen Handlungsoptionen und Alternativen aufgezeigt werden, politischen Ak-teur_innen sollen Gestaltungsbedarfe benannt und Handlungsempfehlun-gen zur Verfgung gestellt werden.

    Kinderbetreuung ist fr Eltern mit ungewhnlichen Arbeitszeitlagen eine groe Herausforderung. Fr Familien, in denen die Eltern sehr frh morgens, sehr spt abends, nachts oder an Wochenenden und Feiertagen ar-beiten mssen, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders kom-pliziert und voraussetzungsvoll. Whrend zunehmend mehr Eltern auf ein erweitertes Betreuungsangebot angewiesen sind, befrchten Kritiker_innen weitere Belastungen fr Eltern und Kinder durch die Inanspruchnahme soge-nannter 24-Stunden-Kitas.

    Die explorative Studie basiert auf leitfadengesttzten, problemzentrier-ten Interviews. Insgesamt wurden 23 Interviews durchgefhrt: mit (auerbe-trieblichen) Expert_innen, mit betrieblichen Akteur_innen, mit pdagogi-schen Fachkrften aus Kitas mit erweiterten Betreuungszeiten, Interviews mit Eltern sowie Interviews mit Kindern (bzw. einem inzwischen bereits erwach-senen Kind). Dieser besondere Multiperspektiven-Ansatz ermglicht einen erweiterten Blick auf das familial wie gesellschaftspolitisch relevante Thema.

  • 9

    Die Betreuungsbedarfe von Eltern zeigen, dass erweiterte Betreuungszei-ten fr bestimmte Familien aufgrund von ungewhnlichen Arbeitszeitlagen unumgnglich sind. Das aktuelle Angebot an Betreuungszeiten ist fr viele Eltern nicht ausreichend, so dass sie auf private und/oder ergnzende Betreu-ungsangebote zurckgreifen mssen. Gleichzeitig berichten Eltern als auch pdagogische Fachkrfte vom Unbehagen, mit dem viele Eltern ihre Kinder zunchst in die erweiterten Betreuungszeiten geben. Viele scheuen die Nut-zung bestehender Angebote zunchst.

    Nutzen Eltern erweiterte Betreuungsangebote in Kitas jedoch erst ein-mal, sind sie schnell davon berzeugt. Das hngt stark damit zusammen, dass sich die Dauer der Betreuungszeiten der Kinder ja in der Regel nicht verln-gert, sondern sich diese lediglich auf der Zeitachse verschieben. Nicht selten ergibt sich dadurch sogar wieder mehr gemeinsame Familienzeit. Zudem scheinen Kinder die Spt- oder Wochenenddienste sowie die bernachtun-gen in der Kita durchaus zu mgen sofern qualitative Mindeststandards in der Ausgestaltung eingehalten werden.

    Durch eine bedarfsgerechte Betreuung ergibt sich nicht selten eine Ent-lastung der Eltern, die sich wiederum positiv auf die Kinder auswirkt: Sind die Eltern entspannt und zufrieden, bertrgt sich das auch auf die Kinder. Zugleich betonen Eltern als auch pdagogische Fachkrfte die Bedeutung von Regelmigkeit und festen Strukturen fr die Kinder. Viele Eltern be-richten darber hinaus von den positiven Effekten, die eine geregelte (erwei-terte) Betreuung in der Kita im Vergleich zu privaten Lsungen fr die Kinder hat.

    Entscheidend fr eine Bewertung von erweiterten Kinderbetreuungszei-ten sind Betreuungsqualitt und Betreuungsschlssel. Seitens der befragten Eltern als auch der pdagogischen Fachkrfte spricht im Idealfall wenig ge-gen erweiterte Betreuungszeiten. Voraussetzung ist das Ausbalancieren von Kindeswohl einerseits und den Bedarfen von Eltern, Kitas und Unternehmen andererseits. Dies verlangt Qualittsstandards, die Begrenzung der tglichen und wchentlichen Maximalbetreuungsdauer, eine Fokussierung auf das Kindeswohl sowie die objektive berprfung des vorhandenen Betreuungs-bedarfes. Erweiterte Betreuungszeiten knnen stets nur ein Baustein beim L-sen von Vereinbarkeitsproblemen der Eltern sein. Zustzlich brauchen diese auch weiterfhrende familienuntersttzende Manahmen und familienori-entierte Arbeitszeiten im Betrieb.

    Vieles was in der explorativen Studie angerissen wird, bedarf weiterer so-zialwissenschaftlicher Forschung. Etwa die Frage nach dem exakten quantita-tiven Bedarf an erweiterten Betreuungszeiten inklusive Nachtbetreuung,

    Zusammenfassung

  • 10

    Kinderbetreuung ber Nacht

    nach den Folgen einer hufigen Nachtbetreuung auf das Kindeswohl oder nach der Langzeitbewertung durch die Kinder selbst.

    Abschlieend kann festgehalten werden, dass erweiterte Betreuungszei-ten einen wichtigen Baustein in der Frage der Vereinbarkeit von Beruf und familirem Leben darstellen, wenn auch nur einen unter mehreren. Beglei-tende betriebliche Manahmen wie die Freistellung von Eltern von familir schwierigen Arbeitszeitlagen werden auch in Zukunft unabdingbar sein.

  • 11

    1 AUSGANGSPUNKT UND FRAGESTELLUNG

    Berufsttigkeit und Familie miteinander in Einklang zu bringen ist manchmal nicht leicht besonders in Berufen, in denen auch sehr frh morgens, spt abends, an Wochenenden und an Feiertagen ge-arbeitet wird oder Schichtarbeit blich ist. Steht kein passendes Kin-derbetreuungsangebot zur Verfgung, kann das arbeitsuchende El-tern, insbesondere Alleinerziehende, sogar daran hindern, eine Er-werbsttigkeit aufzunehmen. (BMFSFJ 2017a)

    Das Bundesministerium fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) begrndet sein Bundesprogramm KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist (BMFSFJ 2017a) mit den Betreuungsbedarfen von Eltern auf-grund von ungewhnlichen Arbeitszeitlagen. Mit dem Programm sollen von Beginn der Betreuung bis