KLAUS MARIA BRANDAUER - Elbphilharmonie ... 2018/11/28 ¢  KLAUS MARIA BRANDAUER REZITATION...

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Transcript of KLAUS MARIA BRANDAUER - Elbphilharmonie ... 2018/11/28 ¢  KLAUS MARIA BRANDAUER REZITATION...

  • 28. NOVEMBER 2018 LAEISZHALLE GROSSER SAAL

    KLAUS MARIA BRANDAUER THOMAS HENGELBROCK

  • Auch wenn Thomas Hengelbrock sieben Jahre lang das NDR Elbphilharmonie Orchester gelei- tet hat: Seine Wurzeln liegen in der Alten Musik, im Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble, die er einst selbst gründete. Mit ihnen kehrt er nun für ein ganz besonderes Adventsprogramm in die Laeiszhalle zurück, konzipiert und umge- setzt gemeinsam mit dem großen österreichi- schen Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Die fein aufeinander abgestimmte Mischung aus rezitiertem Text und wunderbarer Musik, aus Literarischem, Vergnüglichem, Randständigem und Besinnlichem trägt deutlich Hengelbrocks Handschrift und lässt die Botschaft des Chris- tentums in vielen, durchaus überraschenden Facetten aufleuchten.

    WILLKOMMEN

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  • Mittwoch, 28. November 2018 | 20 Uhr | Laeiszhalle Großer Saal

    BALTHASAR-NEUMANN-CHOR UND -SOLISTEN BALTHASAR-NEUMANN-ENSEMBLE KLAUS MARIA BRANDAUER REZITATION LEITUNG THOMAS HENGELBROCK

    Musik zur Advents- und Weihnachtszeit im Wechsel mit Rezitationen ausgewählter Texte

    Keine Pause / Ende gegen 21:30 Uhr

    DIE TEXTE

    Die Bibel Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas / Übersetzung: Walter Jens

    Jean Cocteau (1889–1963) Maria

    Kurt Marti (1921–2017) und maria

    Fritz Müller-Partenkirchen (1875–1942) Halifax und Biwifax

    Karl Rahner (1904–1984) Gott ist gekommen

    Rainer Maria Rilke (1875–1926) Zum Einschlafen zu sagen Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

    und weitere Texte

    DIE MUSIK

    Johann Sebastian Bach (1685–1750) aus der Kantate »Ich freue mich in Dir« BWV 133 Eingangschor: Ich freue mich in Dir Schlusschoral: Wohlan, so will ich mich

    Johann Sebastian Bach Magnificat D-Dur BWV 243 (Auszüge) Arie: Quia respexit humilitatem – Chor: Omnes generationes – Arie: Quia fecit mihi magna – Chor: Freut euch und jubiliert – Duett: Et misericordia – Chor: Gloria

    Max Reger (1873–1916) Zwei geistliche Gesänge Unser lieben Frauen Traum / aus: Acht geistliche Gesänge op. 138 Es kommt ein Schiff geladen / aus: Zwölf deutsche geistliche Gesänge WoO VI/13

    Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Frohlocket, ihr Völker auf Erden / aus: Sechs Sprüche op. 79 Georg Friedrich Händel (1685–1759) Ouvertüre G-Dur HWV 441 (1733) Pawel Tschesnokow (1877–1944) Cherubim-Hymnus op. 42/7

    Jakub Wrzeciono (1879–1962) Mizerna, cicha (Einsamkeit hüllet) (1908) Arrangement: Henryk Jan Botor (*1960)

    Johann Sebastian Bach aus: Weihnachtsoratorium BWV 248 Ehre sei dir, Gott, gesungen Ich steh an deiner Krippen hier

  • OHNE MUSIK KEIN WEIHNACHTEN

    Zur Musik des heutigen Abends

    Alle Jahre wieder kommt bekanntlich das Christuskind. Und mit ihm kom- men all jene Musikstücke, ohne die Weihnachten doch nicht recht Weihnachten wäre. Das ganze Jahr über haben sie friedlich im Noten- oder Plattenschrank geschlummert, womöglich Seite an Seite mit Adventskranz und -kalender, den Keks- Ausstech- Formen und allerlei Schmuck für das traute Heim. Nun naht ihre Hochsaison. Wie kein anderes Fest ist Weihnachten mit Musik verknüpft, mit den seit jeher bekannten Liedern und mit den großen Meisterwerken. So ist es in vielen Familien gute Tradition, beim Schmücken des Christbaumes Bachs Weihnachts oratorium zu hören. Und auch wenn die jüngste Generation vielleicht lieber In der Weihnachtsbäckerei trällert oder den Glühwein auf dem Weihnachts- markt zu klebrig-kitschigen Popsongs à la Last Christmas genießt – darin, dass die richtige Stimmung ohne Musik kaum aufkommen würde, sind sich wohl alle einig.

    Am heutigen Abend im festlichen Ambiente der Laeiszhalle aber einfach nur ein Best-of beliebter Weihnachtsmusiken und passender Texte aufzu tischen, das wäre Thomas Hengelbrock und Klaus Maria Brandauer natürlich viel zu einfach. Sie begeben sich vielmehr auf einen hintersinnigen Streifzug durch die Musik- und Literaturgeschichte und fördern auch Werke zutage, an die man vielleicht nicht unmittelbar denken würde.

    Klar ist: Ohne Johann Sebastian Bach geht es dabei nicht. Sein sechsteiliges Weihnachts oratorium ist und bleibt nicht nur das wichtigste Stück zum Fest, son- dern auch das mit Abstand beliebteste und meistaufgeführte geistliche Vokal- werk überhaupt. Dabei gäbe es durchaus noch andere Weihnachts oratorien, etwa von Bachs Vorgänger Heinrich Schütz oder dem Romantiker Camille Saint- Saëns. Doch niemand fasste die Geschichte der Geburt Jesu so kunstvoll und zugleich so eingängig in Noten. Denn neben den wunderbaren Arien ist es vor allem die Integration von einfachen Kirchenchorälen, die Bachs Fassung so nah- bar macht. Ob diese bei der Uraufführung an den sechs Sonn- und Feiertagen zwischen Weihnachten 1734 und Epiphanias 1735 von der Gemeinde mitgesungen wurden, darüber streiten Forscher bis heute. Der Kraft des »WO«, wie Sänger es gerne abkürzen, tut das keinen Abbruch.

    Schon zehn Jahre zuvor hatte Bach zum dritten Weihnachtsfeiertag die Choralkantate Ich freue mich in Dir geschrieben. Im Zentrum steht der gleichnamige Choral des Leipziger Juristen und Amateurkomponisten Caspar Ziegler, ein entfernter Verwandter von Heinrich Schütz, den sich Bach hier kunstvoll aneignet. Eigentlich bevorzugte er »klassischere« Vorlagen, etwa von Martin Luther; da er jedoch gerade erst sein Amt als Leipziger Thomaskantor ange- treten hatte, wollte er sich vielleicht mit dem Bezug auf einen Lokalmatador beliebt machen.

    Wiederum ein Jahr zuvor, 1723, behalf sich Bach zu Weihnachten mit seinem Magnificat. Vertont hatte er den Lobgesang Marias, die ihre Schwangerschaft preist, bereits zum Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli. Nun holte er das Werk erneut heraus und fügte einige weihnachtliche »Einlagesätze« mit deutschen Texten hinzu.

    Doch Bach war nicht der einzige Komponist, der Choräle schrieb oder in kunstvoller, gleichsam veredelter Form in seine Stücke integrierte. Auch Felix Mendelssohn Bartholdy, der Mitte des 19. Jahrhunderts die als hoffnungslos ver- altet geltende Musik des Thomaskantors beherzt auf seine Konzertprogramme setzte und so wieder zum klingenden Leben erweckte, verband eingängige Gesanglichkeit mit musikalischer Raffinesse. Zudem war er als konvertierter Jude von ebenso tiefem christlichen Glauben erfüllt wie Bach. Und auch Max Reger, obwohl selbst »katholisch bis in die Fingerspitzen«, war ein großer Bach- Verehrer und Vokalkomponist. Er reicherte seine Musik gerne mit der überbor- denden Harmonik der Spätromantik an.

    Die Heimat von Pawel Tschesnokow war die russisch-orthodoxe Kirche. Er wirkte als Kantor an der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, bis diese 1931 auf Befehl von Stalin gesprengt wurde, um Platz für einen »Palast der Sowjets« zu schaffen. Daraus wurde (zum Glück) nichts; Ende der 90er wurde die Kathe- drale wieder aufgebaut. Tschesnokow schuf mehr als 400 geistliche Vokalwerke, die sich an der orthodoxen Liturgie orientieren, darunter auch der Cherubim- Hymnus. Ebenfalls aus östlichen Gefilden stammt das polnische Weihnachts- lied Mizerna, cicha, das die Schlichtheit des Stalles zu Bethlehem besingt und das neugeborene Jesuskind zu einer tröstlichen Melodie in den Schlaf wiegt.

    CLEMENS MATUSCHEK

    Johann Sebastian Bach

    DIE MUSIK

  • KLAUS MARIA BRANDAUER REZITATION Klaus Maria Brandauer gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Bühnen- und Filmschauspielern unserer Zeit. Sein Bühnendebüt gab er 1963 in Tübingen als Claudio in Maß für Maß von Shakespeare. Seit 1972 ist er Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, wo er unter anderem Don Carlo, Tartuffe, Hamlet, Cyrano de Bergerac und Nathan den Weisen spielte.

    2013 feierte Klaus Maria Brandauer sein fünfzigjähriges Bühnenjubiläum in einer Peter-Stein-Inszenierung von Kleists Der zerbrochene Krug am Berliner Ensemble. In den letzten Jahren trat er dort regelmäßig auf, unter anderem in Steins zehnstündiger Fassung von Schillers Wallenstein.

    Bereits 1970 begann mit The Salzburg Connection Brandauers internationale Filmkarriere. Mit der Verkörperung des Hendrik Höfgen in Mephisto gelang ihm 1982 der große internationale Durchbruch. In der Folge spielte er an der Seite von Sean Connery und Kim Basinger in James Bond 007 – Sag niemals nie und zusammen mit Meryl Streep und Robert Redford in Jenseits von Afrika; für die Rolle des Baron Bror Blixen wurde er für einen Oscar nominiert. Weitere wich- tige Filmarbeiten waren Das Russland-Haus (1990), Rembrandt (1999) und Francis Ford Coppolas Tetro (2009). Große Beachtung fanden zuletzt seine Mitwirkungen in der TV-Produktion Die Auslöschung sowie in der österreichischen Kinoproduk- tion Der Fall Wilhelm Reich.

    Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit führt Brandauer auch Regie. Zu seinen Regiearbeiten zählen Hamlet an der Wiener Burg, Lohengrin an der Oper Köln und Die Dreigroschenoper am Admiralspalast Berlin. Er verfilmte Georg Elser – Einer aus Deutschland sowie Thomas Manns Mario und der Zauberer.

    Klaus Maria Brandauer ist regelmäßig mit Lesungen und musikalisch-litera- rischen Programmen zu erleben – wie am heutigen Abend. Zu den wichtigsten Projekten gehören dabei Edvard Griegs Peer Gynt, Robert Schumanns Manfred und Jan Müller-Wielands König der Nacht.

    Brandauer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, etwa die Ehrenmitgliedschaft der Universität von Tel Aviv und das Ehrendoktorat der Universität Salzburg. Als Professor am Max-Reinhardt-Semi