Körper erzählen - ReadingSample - Maghreb .machina 8 Körper erzählen Der postkoloniale Maghreb

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  • machina 8

    Krper erzhlen

    Der postkoloniale Maghreb von Assia Djebar und Tahar Ben Jelloun

    Bearbeitet vonSusanne Kaiser

    1. Auflage 2015. Taschenbuch. 322 S. PaperbackISBN 978 3 8376 3141 8

    Format (B x L): 14,8 x 22,5 cmGewicht: 504 g

    Weitere Fachgebiete > Literatur, Sprache > Romanische, franzsische Literaturen >Franzsische Literatur auerhalb Europa

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  • 2015-08-13 14-32-28 --- Projekt: transcript.anzeigen / Dokument: FAX ID 01bc405868163932|(S. 1- 2) VOR3141.p 405868163940

  • Aus:

    Susanne Kaiser

    Krper erzhlenDer postkoloniale Maghreb von Assia Djebarund Tahar Ben Jelloun

    September 2015, 322 Seiten, kart., 39,99 , ISBN 978-3-8376-3141-8

    Wie kann man sich im Maghreb des 20. Jahrhunderts den postkolonialen Krper vor-stellen?Susanne Kaiser findet Antworten hierauf in den literarischen Werken von Assia Dje-bar und Tahar Ben Jelloun, die hier zum ersten Mal unter der Fragestellung, was derKrper ist, verglichen werden. Es zeigt sich, dass nach ber 100 Jahren der unter-schiedlichsten kulturellen, sozialen und religisen Einflsse Konzepte von Krperlich-keit vielschichtig und immer in Bewegung sind: zwischen kolonialen Praktiken undgesellschaftlichen Zwngen, zwischen Disziplinierung und Widerstand, zwischen so-zialer Konstruktion und Determinismus, zwischen erzhlenden und erzhlten Kr-pern. Erzhlen, Sprache und Gesellschaft verkrpern sich dabei auf je eigene Weise.

    Susanne Kaiser, Literaturwissenschaftlerin, geb. 1980, arbeitet als Fachjournalistinmit Schwerpunkt Nahost und Mittelmeerregion u.a. fr Die Zeit, taz und Spiegel.

    Weitere Informationen und Bestellung unter:www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3141-8

    2015 transcript Verlag, Bielefeld

    2015-08-13 14-32-28 --- Projekt: transcript.anzeigen / Dokument: FAX ID 01bc405868163932|(S. 1- 2) VOR3141.p 405868163940

  • Inhalt

    Einleitung: Krper erzhlen | 7 1. Fragestellung | 7 2. Erkenntnisinteresse und Forschungsstand | 12 3. Methode und Textkorpus | 29 4. Dank | 32

    ERZHLERKRPER UND IHRE GESCHICHTEN

    I. Erzhlkultur im Maghreb | 35 1. Die performative Rolle des Krpers

    in der mndlichen Erzhlweise | 41 2. Die Inszenierung mndlicher Erzhltradition im postkolonialen Roman | 44 3. Der Krper als Medium des Erzhlens | 47

    II. Ben Jellouns Geschichten im Krper | 53

    1. Mit dem Krper erzhlte Geschichten | 55 2. Im Krper hausende Geschichten | 64

    III. Djebars Geschichten am Krper | 73

    1. Vom Krper bewahrte Geschichten | 73 2. Am Krper rekonstruierte Geschichten | 93

    IV. Nostalgische Essentialismen und virtuose Neuschpfungen | 115

    EINVERLEIBTE KOLONIALSPRACHE

    V. Franzsisch als Fremdkrper | 123 1. Gefhlsaphasie | 126 2. Hervorbringung des Krpers aus dem Namen | 135 3. Geburt der Sprache aus dem Krper | 139

  • VI. Franzsisch als Behausung und Bekleidung | 155 1. Diebe im Haus der Sprache | 155 2. Im Hemd des Nessus | 164 3. Sprachschleier | 168

    VII. Fremdsprache im Krperschema | 177

    VERKRPERUNGEN DER (POST-)KOLONIALEN GESELLSCHAFT

    VIII. Divide et impera. Koloniale Krperpraktiken und widerstndige Krper | 189

    1. Die Eroberung von Land und Krper | 189 2. Algerien in Fragmenten | 197 3. Die postkoloniale Gesellschaft in Allegorien

    des zergliederten Frauenkrpers | 207 4. Entschleierungspolitik und Vergewaltigungsphantasien | 216

    IX. Die Gesellschaft als Krper.

    Soziale (Fehl-)Konstruktionen | 241 1. Djebars Grenzgngerinnen: Sezierende Blicke und fragmentierte Krper | 244 2. Ben Jellouns Verrckte: Krperzwnge und nervse Ticks | 257

    SCHLUSS UND AUSBLICK

    X. Postkoloniale Verkrperungen | 275 1. Krperkonzepte im Vergleich | 275 2. Historische (Kultur-)Anthropologie, postkolonial | 277 3. Inszenierte Verkrperungen | 279 4. Postkoloniale Krperkonzepte in der Literatur | 281 Literaturverzeichnis | 287 1. Primrtexte | 2. Sekundrtexte |

    287287

    288

  • Einleitung: Krper erzhlen

    1. FRAGESTELLUNG

    Ce livre, vous ne pouvez y accder sans traverser mon corps1. Diesen Satz lsst Tahar Ben Jelloun einen Erzhler aus seinem Roman Lenfant de sable (1985) zu seinem Publikum sagen. Mit der Aussage, dass das Buch nur ber den Krper des Erzhlers zugnglich sei, wird auf die hnlichkeitsbeziehung zwi-schen Krper und Text angespielt, die als Bedeutungsvarianten des Begriffs Corpus auftreten.

    Was genau der Erzhler damit meint und was berhaupt der Krper mit Lite-ratur gemein haben soll, sind Fragen, mit denen sich der marokkanische Schrift-steller in seinem Werk beschftigt und hierauf viele Antworten gibt. Dies ver-bindet ihn mit seiner algerischen Kollegin Assia Djebar, in deren Romanen der Krper ebenfalls auerordentlich prsent ist und ebenso vielschichtig in Erschei-nung tritt: thematisch, motivisch, metaphorisch, terminologisch. Auch die Art und Weise, in welcher der Krper narrativ verarbeitet wird, verbindet die beiden Autoren miteinander und lsst eine komparatistische Auseinandersetzung mit ihren Werken als besonders vielversprechend erscheinen.

    Natrlich haben Djebar und Ben Jelloun noch mehr Gemeinsamkeiten, die implizit oder explizit auch ihre Werke bestimmen, weshalb sich ein Vergleich in jedem Fall lohnt. Beide kommen aus einem Land im Maghreb, das bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts unter franzsischer Kolonialherrschaft stand. Sie sind noch whrend der Kolonialzeit geboren und haben als junge Erwachsene die Unab-hngigkeit ihres Landes von Frankreich miterlebt. Ihre Muttersprache ist Alge-

    1 Das Zitat von Ben Jelloun ist zur besseren Lesbarkeit nicht vollstndig wiedergege-

    ben. In der korrekten Zitierweise findet es sich im Abschnitt Ben Jellouns Geschich-ten im Krper.

  • 8 | KRPER ERZHLEN

    risch beziehungsweise Marokkanisch, Franzsisch haben sie erst in der Schule gelernt. Beide gehren so einer Generation von Autoren an, die sich mit dem kolonialen Herrschaftsverhltnis und dessen Nachwirkungen auseinandersetzt. Von beiden Schriftstellern wird gesagt, sie seien die bekanntesten Vertreter der frankophonen Literaturproduktion aus dem Maghreb.2

    Die beiden Autoren zeigen darberhinaus eine groe Affinitt zu denselben Themen, die sie in enger Verbindung mit dem Krper behandeln. Drei groe Themenkomplexe lassen sich besonders gut herausarbeiten, an ihnen orientiert sich die Struktur des Buches: Sowohl Djebar als auch Ben Jelloun verhandeln explizit das Erbe der mndlichen Erzhltraditionen im postkolonialen Roman, indem sie den erzhlenden Krper in Szene setzen. Sie diskutieren auerdem das wohl fr alle postkolonialen und exilierten Schriftsteller groe und wichtige Thema der Sprache, indem sie Wechselwirkungen und Zusammenhnge zwi-schen Krper und Sprache skizzieren. Zentral sind in den Werken beider Schrift-steller zudem Fragen und Probleme der Gesellschaft, die am konkreten Gegen-stand des Krpers dargestellt und errtert werden. Dies zeigt, dass die Vorstel-lung von Krper und Krperlichkeit nicht von den abstrakten Themen Erzhlen, Sprache und Gesellschaft getrennt gedacht wird, sondern ihre Konstruktionen als globales und prinzipielles Konzept durchdringt: Erzhlen, Sprache und Gesell-schaft sind selbst etwas Krperliches. Im Zusammenhang mit Sprache und Er-zhlen kommt der Krper so auerdem auf einer selbstreflexiven Ebene ins Spiel.

    Das vorliegende Buch macht sich die Untersuchung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Umgang mit dem Krper bei Djebar und Ben Jelloun zur Aufgabe. Es lsst sich dabei von den Fragen leiten, was der Krper ist und wie er erzhlt wird, wie der Zusammenhang zwischen Krper und Erzhlen, Krper und Sprache sowie Krper und Gesellschaft konkret konstruiert wird, welche gerade auch themenbergreifenden Konzepte den Krperkonstruktionen zu-grunde liegen und mit welchen Darstellungsverfahren diese Konzepte umgesetzt sind. Auf welche Weise wird Erzhlen jeweils als etwas Krperliches aufgefasst, inwiefern ist das fr das Erzhlen grundlegende Medium der Sprache selbst schon als krperlich konstruiert und wie gehen solche Konzepte und Vorstellun-gen in die Entwrfe von Gesellschaft ein?

    Hieran schlieen viele Detailfragen an, auf die in den drei thematischen Buchteilen unter jeweils anderem Aspekt nach Antworten gesucht wird. Der

    2 Ben Jelloun wird z.B. von Roland Spiller als berhmtester Autor eingefhrt, vgl.

    2000, 15. Als bekannteste Schriftstellerin wird Djebar beispielsweise von Elke Rich-ter bezeichnet, vgl. 2008, 9.

  • EINLEITUNG | 9

    erste Teil mit dem Titel Erzhlerkrper und ihre Geschichten untersucht vor einer kurzen kulturgeschichtlichen Einordnung die Art und Weise, wie Djebar und Ben Jelloun unterschiedliche Erzhltraditionen verbinden, indem sie die mndliche, in der Regel dialektarabische Erzhlweise, in der mit Stimme, Ges-ten, Blicken, Hnden und Fen erzhlt wird, im Genre des frankophonen3 post-kolonialen Romans aufgreifen und das Zusammenspiel reflektieren. Wie verar-beiten die Aut