kompakt Juli/August 2015

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Viele diskutieren über Nachhaltigkeit. In unseren Branchen ist sie schon Alltag. Ob Chemie oder Papier, Leder oder Kunststoff - wichtige Branchen setzen auf sparsamen und effizienten Einsatz knapper Ressourcen.

Transcript of kompakt Juli/August 2015

  • Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

    kompakt

    VOR ORT Beharrlichkeit wird belohnt: Heipha-Beschftigte erstreiten Anbindung an Chemie-Tarifvertrag

    TENDENZEN Hol dir dein Stck vom Kuchen! Die Kampagne zur sozialen Gerechtigkeit in den Betrieben

    TIPPS Wer nach der Geburt seines Kindes in Teilzeit arbeitet, sollte knftig das neue ElterngeldPlus whlen

    Nr. 07/08 I JULI/AUGUST 2015 www.igbce.de

    Glnzende ZukunftViele diskutieren ber Nachhaltigkeit. In unseren Branchen ist sie schon Alltag.

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  • INNOVATIONSFORUM-ENERGIEWENDE.DEEINE INITIVATIVE DER IG BCE

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  • >UNTER UNS

    CHRISTIAN HLSMEIER Chefredakteur

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    M anchmal ist es schon zum Verrcktwerden, wie lange es dauert, bis sich ver-nnftige Lsungen in der Politik durchsetzen. Der Missbrauch von Leiharbeit und Werkvertrgen beispielsweise. Da sind alle notwendigen Fakten lngst auf dem Tisch und der gesunde Menschenverstand wei: Das Beste wre es, die Betriebsrte

    mit mehr Rechten auszustatten. Die sorgen dann schon fr sozial- und praxisgerechte

    Lsungen. Natrlich auf der Basis einer gesetzlichen Klarstellung, dass solche Instru-

    mente einer flexiblen Arbeitswelt nicht dazu da sind, etwa tarifliche Standards zu unter-

    laufen. Genauso diskutiert die Politik nun ber die Benachteiligung von Frauen bei der

    Bezahlung und darber, wie dem per Gesetz zu begegnen wre. Dabei sprechen auch in

    diesem Fall die Fakten eine klare Sprache: Dort, wo es Tarifvertrge und Betriebsrte gibt,

    da sind die Unterschiede um ein Vielfaches kleiner und in den Ursachen eindeutig also

    darauf zurckzufhren, dass immer noch Frauen den berwiegenden Teil der Erziehungs-

    und Pflegearbeit leisten, zulasten der eigenen beruflichen Perspektiven.

    WAS IST SO SCHWER DARAN, eine politische Strategie in Regierungshandeln umzu-setzen, die lautet: Wir strken die Lsungskompetenz der Tarifparteien und Sozialpartner

    im Betrieb, damit sind wir in Deutschland sehr gut gefahren und diese Strke wollen wir

    weiter nutzen, um voranzukommen? Stattdessen Blockade und borniertes Kleinklein,

    womglich auch dumpfe Klasseninstinkte: aufsei-

    ten der konservativen und wirtschaftsliberalen

    Politik wie der organisierten Arbeitgeberschaft.

    Sehr schade, so dauert vieles lnger, was drin-

    gend einer Lsung bedarf und am Ende von an-

    deren entschieden wird als von denen, die das am

    besten anpacken knnten.

    125 JAHRE IG BCE stehen andererseits fr die ermutigende Erfahrung: Gewerkschaftliche Erfolge

    und sozialer Fortschritt brauchen ihre Zeit, aber

    mit hartnckigem Engagement haben wir uns trotz-

    dem immer wieder durchgesetzt. Daran wollen

    wir anknpfen nach der Sommerpause mit

    einem Sonderheft zum Jubilum unserer IG BCE.

    Wir arbeiten schon daran und wnschen zugleich allen Leserinnen und Lesern schne Ferien.

    Die bessere Lsung: Starke Betriebsrte

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    Wir freuen uns aufs

    Familienfest im September

    in Essen!

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    IMMER IM HEFT

    03 Unter uns06 Aktuelles08 Alle Achtung20 Leserforum/Impressum30 Einer von uns*40 Rtsel41 Glck & Glosse42 Mein Arbeitsplatz* Der Landesbezirk Westfalen

    berichtet auf dieser Seite ber Jubilarehrungen.

    Titelbild: Monty Rakusen/Getty Images

    11 StandpunktMichael Vassiliadis ber die Digitalisierung.

    TITEL12 Die Natur und ihre Verbndeten

    Die G7-Staaten haben auf ihrem Gipfel in Elmau die Schonung der Ressourcen auf ihre Agenda gesetzt. In den Betrieben ist das Thema lngst angekommen.

    THEMEN18 Zwischen Zweifel und Hoffnung Nun sind die Tage der energiepolitischen Entscheidungen gekommen. Und sie werden die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Deutschland auf lange Zeit bestimmen.

    TENDENZEN31 Hol Dir Dein Stck . . .

    Wir alle wollen, dass es gerecht zugeht. Seit 125 Jahren kmpft die IG BCE fr soziale Gerechtigkeit, Mitbe- stimmung und Teilhabe und hat seither viel erreicht.

    34 Jahre des UmbruchsDas Jahr 1968 gibt einer ganzen Generation einen Namen. Dann krempelt die lkrise die Wirtschaft um. Und das Beste zum Schluss: Die deutsche Einheit.

    TIPPS36 ElterngeldPlus auch bei Teilzeit

    Knftig lohnt es sich fr junge Eltern mehr als bisher, schon kurz nach der Geburt wieder in Teilzeit zu arbeiten. Das neue ElterngeldPlus macht es mglich.

    38 Pflege und Urlaub Sommer, Sonne, Urlaub das wnschen sich auch Berufsttige, die einen Angehrigen pflegen. kompakt gibt Tipps, wie sich beides miteinander vereinbaren lsst.

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    Her mit der Asche!

    Abfall vom Abfall aus Mllverbrennungsanlagen mischt MINERALplus in Gladbeck zu Baumaterial, das Hohlrume in Salzkavernen stabilisieren hilft.

    Eine Zukunft dank TarifvertragDrei Jahre lang haben die Beschftigten beim Pharmaherstel-ler Heipha, einer Merck-Toch-ter, in Eppelheim beharrlich ihr Ziel verfolgt: die Anbindung an den Chemie-Tarifvertrag. Jetzt hat sich der lange Atem der Mitarbeiter ausgezahlt.

    Wandel gestaltenDie demografische Entwick-lung stellt unsere Gesell-schaft insgesamt vor enorme Herausforderungen. Die IG BCE gestaltet den Wandel: Be-standsaufnahme und Ausblick standen jetzt auf der Agenda einer Fachtagung zur demo-grafischen Entwicklung in der IG-BCE-Hauptverwaltung.

    Betriebsrte wollen mitredenRund 40 Betriebsrte aus den Bezirken Stuttgart, Karlsruhe und Mainfranken reisten im Juni zu einer politischen Klausurtagung mit hochrangigen Bundespolitikern nach Berlin. Das zentrale Thema: Industrie 4.0. Die Arbeitnehmervertreter machten deutlich: Das geht nicht ohne uns. Ohne Mitbestimmung geht es nicht.

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    >INHALT JULI/AUGUST 2015

    18 Zwischen Zweifel und Hoffnung Hol Dir Dein Stck . . . 31

    36 ElterngeldPlus auch bei Teilzeit Pflege und Urlaub 38

    Die Natur und ihre Verbndeten 12

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    RassismusDIE USA kommen nicht zur Ruhe. Waren es vor Kurzem noch Gewaltexzesse weier Polizisten gegenber Schwarzen, ist es jetzt das Massaker eines jungen Weien, das ein Schlaglicht auf den unbewltigten Rassismus der Nation wirft. Zuerst betete er mit seinen Opfern, dann erschoss Dylann Roof neun afroamerikanische Mitbrger. Und das in der Emanuel AME Kirche, die 1816 als erste unabhngige schwarze Gemeinde Amerikas gegrndet wurde, ein Symbol des Widerstands gegen die Unterdrckung. Wieder einmal habe ein Tter es zu leicht gehabt, an eine Schusswaffe zu kommen. Dass die Tat in einer von Schwarzen besuchten Kirche geschah, werfe Fragen ber den dunklen Teil unserer Geschichte auf, sagte Prsident Obama nach dem Verbrechen.

    BILD DES MONATS

    EIN MILLIONENAUFWAND fr ein Familienfoto. Beim jngst auf Schloss Elmau in Bayern abgehaltenen G7-Gipfel trans-portierten Bilder vor barock anmutender Mrchenkulisse den Erfolg und die Einigkeit der mchtigsten Staatenlenker. Der Gipfel wird den Bund rund 80 Millionen Euro und den Frei-

    staat Bayern etwa 130 Millionen Euro kosten. Vor allem der Bereich Sicherheit kostet. Als Helmut Schmidt und der damalige franzsische Prsident Valry Giscard dEstaing den Gipfel vor genau 40 Jahren ins Leben riefen, reichten noch brgernahe Kamingesprche.

    AUFREGER DES MONATS

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    >AKTUELLES

    Preiswrdige ProjekteOB INITIATIVEN zur Sicherung vollwertiger Arbeitspltze, Manahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder betriebliche Vereinbarungen zur Arbeitszeitgestaltung an Beispielen fr vorbildliche Betriebsratsarbeit bestand auch in diesem Jahr beim Deutschen Betriebsrte-Preis kein Mangel: Aus dem Organisationsbereich der IG BCE wurden die Bayer Vital GmbH aus Leverkusen sowie die SCA Hygiene Products

    GmbH aus Mannheim no-miniert. Bei der Bayer Vital registrierte der Betriebsrat eine steigende Nachfrage von hauptschlich weiblichen Auendienstmitarbeitern nach Teilzeitmodellen, die bislang vom Arbeitgeber ab-gelehnt wurden. Die Verein-barkeit von Beruf und Fami-lie und der Wunsch nach lebensphasenorientierten Arbeitszeitmodellen gestalte-

    ten sich fr diese Berufsgruppe als zunehmend schwerer. Das Gremium konnte im ersten Schritt ein zeitlich befristetes Pilot-projekt Teilzeit im Auendienst mit einer dazugehrigen be-fristeten Betriebsvereinbarung erreichen. Eine Vielzahl von Vernderungen im Management und der lokalen sowie regio-nalen Organisationsstruktur des international aufgestellten Unternehmens SCA AB veranlasste den Standortbetriebsrat dazu, sich fortlaufend mit den Themen Standortsicherung in Mannheim und Weiterentwicklung zu beschftigen.

    232 000NACH DEM BERGBAUUNGLCK im trkischen Soma im Mai 2014, bei dem 301 Bergleute ums Leben kamen, initiierte die IG BCE eine Spendensammlung, um den in Not geratenen Bergleu-ten und deren Hinterbliebenen zu helfen. Nun unterzeichneten Nurettin Akul, Vorsitzender der trkischen Bergbaugewerkschaft Maden Is, und Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, ein Protokoll, das regelt, wie das Geld eingesetzt werden soll. Die 232 000 Euro wurden dem Verein Gewerkschaften helfen e. V. bergeben. Mit dem Geld soll eine Bildungseinrichtung entste-hen, die sich dem Thema Arbeits- und Bergbausicherheit widmet und den Kindern und Jugendlichen helfen soll, ihr Trauma zu berwinden sowie ihre Ausbildungsperspektiven zu frdern.

    ZAHL DES MONATS

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    Die Gesellschaft hat die Union mitt-lerweile berholt. Mit wem wollen sie diskutieren, auer mit sich selbst?

    JOHANNES KAHRS, Hamburger SPD-Abgeordneter und Mitglied des Seeheimer Kreises, zur Debatte des Gesetzentwurfs zur Abschaffung des Eheverbots fr gleichgeschlechtliche Paare im Bundestag.

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    Am Anfang war der Liveticker. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie das erste Buch Mose noch mal ganz genau, wie Gott in sieben Tagen die Welt geschaffen haben soll. Wenn das kein alttestamentarischer Live-ticker ist, dann wei ich auch nicht.

    HEUTE dagegen werden Liveticker aber nicht mehr auf Papyrus geschrieben und in Leder gebunden sie kommen digital daher, als Ausdruck des stetig fiebrigen Gemtszustands von Online- und TV-Redaktionen. Liveticker beginnen gern mit drei Pluszeichen, ein berbleibsel aus der Zeit der Telegramme, Sie wissen schon, Tweets auf Papier von anno tuck. Es gibt Liveticker zu allem: Fuball- spiele, Fliegerbombenentschrfungen, der sonntgliche Tatort. Das G7-Tref-fen in Elmau wurde auch auf verschie-denen Medienseiten beschrieben und das, obwohl die Presse am teuersten

    Kaffeekrnzchen der Welt gar nicht teil-nehmen durfte, sondern vorm Absperr-zaun bleiben musste. Das fhrte zu so wunderbar sinnlosen Eintrgen wie etwa bei Spiegel Online: Huch, was krabbelt denn da? Bei Angela Merkel hatte sich am Vormittag ein Insekt in den rmel geschlichen. Doch gerade, als sie mit ih-rem Mann Joachim Sauer hinter einer Sichtschutzwand den ungebetenen Gast loswerden wollte, kam Grobritanniens Premierminister David Cameron in Elmau an. Merkel eilte zurck, das Insekt musste bleiben. Mit welchem Tier die Begegnung war und ob ein juckender Stich an es erinnert, wollte die Bundes-regierung nicht verraten, wie die Nach-richtenagentur dpa jetzt berichtet.

    DER ABSURDESTE Liveticker 2015 ist fr mich aber nicht der Spiegel-G7-Ticker. Nein, den hat die Hannoversche Allgemeine (HAZ) produziert und zwar rund um ein Helene-Fischer-Konzert! Be-reits vier Stunden vor Beginn der

    Veranstaltung waren HAZ-Reporter und Fotografen unterwegs, um in der Schlan-ge stehende Fans zu interviewen und um ber die Anzahl der Fischerschen Gar-derobenwechsel zu spekulieren. Die al-les entscheidende Frage an diesem Tag stellte die HAZ um 22.33 Uhr: So viele Lieder, aber eines fehlt bisher. Der Scht-zenfest-Klassiker wann wird sie den singen?

    UND DIE MORAL von der Geschichte? Wenn auf Bhnen aller Art und in Re-daktionen der Schwei reichlich fliet, bleibt das Publikum zurck atemlos.

    + + + Die tickern doch nicht richtig + + +

    Illustration: Stefan Hoch

    > ALLE ACHTUNG

    DIRK KIRCHBERGfindet, Ben Bloom hat den ultimativen Liveticker geschrieben, von einer deutschen Presse- konferenz ohne die Sprache zu knnen: http://j.mp/bloom_bce

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  • >AKTUELLES

    DGB-VORSITZENDER Reiner Hoff-mann feierte am 30. Mai seinen 60. Ge-burtstag. Unter anderem gratulierten Bundeskanzlerin Merkel und IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis. Bran-denburgs Ministerprsident Woidke hob sein beharrliches, konsequentes Eintre-ten fr die Interessen der Arbeitnehmer hervor. Bis 2013 war Hoffmann IG-BCE-Landesbezirksleiter Nordrhein.

    www.elterngeld-plus.de

    Das ElterngeldPlus ist eine Familienleistung des Bundesfamilienministeriums auf dem Weg zu mehr Partnerschaftlichkeit in Familie, Beruf und Gesellschaft.

    Wer vom Leben mehr will, bekommt jetzt neuen Spielraum.

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    Hoffmann feiert 60.

    DER FRANZSISCHE PHARMAKON-ZERN Sanofi will im laufenden Jahr weitere 100 Millionen Euro im Indus-triepark Frankfurt-Hchst investieren. Das kndigte das Unternehmen jetzt an. Sanofi hat dort in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Euro in Hochtechnologie investiert. Ende 2014 hatte das Unter-nehmen bereits Investitionen in Hhe von 200 Millionen Euro auf den Weg ge-bracht. So entstanden etwa 500 neue Ar-beitspltze. Nach Auskunft von Arbeits-direktor Emmanuel Siregar sollen bis Ende 2018 noch einmal 1000 weitere geschaffen werden. Auerdem will die

    Firma die 900 Beschftigte zhlende Be-legschaft im Bereich der Biotech-Wirk-stoffe um 200 aufstocken. Sanofi ist in Hchst mit seiner gesamten Wertschp-fungskette vertreten: von Forschung und Entwicklung ber Biotechnologie, der Produktion von Medikamenten bis zum globalen Vertrieb. Anerkannt wird das hohe wissenschaftliche Niveau der For-schung. IG-BCE-Landesbezirksleiter Vol-ker Weber hofft, dass das auch so bleibt: Hessen muss eine fhrende Rolle bei der Entwicklung neuer Medikamente spielen, wenn wir Arbeitspltze sichern wollen. Der ausfhrliche Text unter:

    Sanofi plant 1000 neue Stellen

    Neu im HauptvorstandPETRA REINBOLD-KNAPE ist neues Mitglied des ge-schftsfhrenden Hauptvorstands der IG BCE. Sie wurde mit 97,4 Prozent der Stimmen vom Beirat der Gewerk-schaft in Hannover gewhlt. Sie folgt Egbert Biermann nach, der aus per-snlichen und ge-sundheitlichen Grnden aus dem Amt schied. Petra Reinbold-Knape leitete von 2007 bis heute den IG-BCE-Landes- bezirk Nordost, davor war sie auf unter-schiedlichen Ebenen fr die IG Chemie-Papier-Keramik und die IG Bergbau, Chemie, Energie als Gewerkschafts- sekretrin ttig. Neues Mitglied im Hauptvorstand ist Dieter Peters (Evonik Gemeinschaftsbetriebe, Marl), er ist Nachfolger von Cornelia Stockhorst- Kthe. Das Jugendmandat im IG-BCE-Hauptvorstand nimmt knftig Maria-Lucia Amoddeo wahr, sie kommt wie Vorgngerin Anna Uhrig von der BASF SE, Ludwigshafen. Zum Stellver-treter wurde Michael Freese ernannt.

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    Ehrung fr LadzinskiEIN MANN DES BERGBAUS erhielt nun das Bundesverdienstkreuz. Ludwig Lad-zinski, langjhriger Betriebsratsvorsit-zender der Zeche Prosper Haniel, bekam den Orden unter anderem fr sein Mit-wirken beim Steinkohlefinanzierungs-gesetz und der Grndung der RAG- Stiftung. Er trug so zum Erhalt vieler Arbeitspltze bei. Heute gilt sein Einsatz auch gehrlosen Jugendlichen.

    www.igbce.de/mitglieder/kompakt/

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    > AKTUELLES>

    Christliche Arbeitnehmer: Geht in die Gewerkschaft!

    Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsit-zender der Evangelischen Kirche Deutschlands, betonte bei der Vorstel-lung der Denkschrift Solidaritt und Selbstbestimmung im Wandel der Ar-beitswelt in der Evangelischen Akade-mie Frankfurt ausdrcklich die Be- deutung von Mitbestimmung, Betriebs-verfassung und Tarifeinheit fr eine erfolgreiche Sozialpartnerschaft. Er hebt besonders die Rolle der Einheitsgewerk-schaft als Garant einer menschengerech-ten Arbeitswelt hervor und betont, dass die Gewerkschaften trotz des rasanten Wandels nicht an Bedeutung verloren htten. Dass dafr die Institution Ge-werkschaft einer starken Mitgliedschaft bedarf, mndet in dem zentralen Satz des 144 Seiten starken Taschenbuchs: Die Mitarbeit in den Gewerkschaften ist fr christliche Arbeitnehmer wesentlicher Ausdruck ihres Berufsethos. Die evan-gelischen Christen werden ermuntert, sich in Gewerkschaft und Betriebsrat zu engagieren. Trotz unterschiedlicher Auf-gaben von Kirche und Gewerkschaft exis-tieren durchaus auch Schnittmengen. Mehr noch: Kolleginnen und Kollegen sind zugleich in ihren Kirchen oder Glaubensgemeinschaften wie auch in

    > Beseitigung = Recycling?ber die Errichtung eines giganti-schen Entsorgungs- und Recyclingzen-trums in Castrup-Rauxel, das Abflle jeglicher Art und insbesondere auch vergiftete Industriebden aufnehmen sollte, berichtete die Einheit in ihrer Mrzausgabe 1988. Die Gesamtanlage auf einer Flche von 65 Hektar sollte nach etwa zehn Jahren 800 Arbeits-krfte beschftigen.

    Selbst PCB-haltige Abflle wollte man sicher entsorgen. Eine Vielzahl von Anlagen, bei denen mecha-nische, thermische, chemisch-physi-kalische und biologische Verfahren zum Einsatz kommen, sollten mitein- ander verknpft werden.

    Auch wenn der Autor Markus Rmer am Rande darauf einging, dass Entsorgung aus Abfallvermei-dung + Abfallverwertung Abfall-beseitigung bestehe, fand das Wort Recycling keinerlei Erwhnung. Lediglich eine gemeinsame Raugas-reinigung und Klranlage sollten dafr sorgen, Luft und Wasser nicht zu belasten.

    Ob Stoffe in einen Kreislauf zurckgefhrt werden konnten, lie der Text vllig offen.

    Anders in der Titelgeschichte dieser kompakt-Ausgabe Seite 12. Sie geht unter anderem der Frage nach, wie man Produktionsablufe optimieren kann, um Rohstoffe besser wiederzuverwerten.

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    DIE EVANGELISCHE KIRCHE DEUTSCHLANDS (EKD) legt eine Denkschrift zu Arbeitswelt und Sozialpartnerschaft vor und wrdigt die Rolle der DGB-Gewerkschaften.

    ihren Gewerkschaften aktiv. Sie tragen durch ihr Engagement gewerkschaftliche Sichtweisen in kirchliche Gremien, wie es beispielsweise die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glnzer als Mitglied des Rates der EKD macht. Denn gerade drngende Fragen der Arbeitswelt bedrfen einer gesellschaftlichen Flan-kierung in solchen Institutionen, die gewerkschaftlichen Anliegen gegenber aufgeschlossen sind. Dies ergibt sich aber nicht von alleine, sondern muss in vielen Debatten erarbeitet werden. Wie geschehen beim Verfassen der neuen Denkschrift, an der Michael Linnartz in der Kammer fr soziale Ordnung der EKD als IG-BCE-Vertreter mitgearbeitet hat. In diesem beratenden Gremium kommen Vertreter von Kirche, Gesell-schaft, Wirtschaft und Gewerkschaft zu-sammen und stellen dem Rat der EKD ihre fachliche Expertise zur Verfgung. Fr Gewerkschaften ist wichtig, nicht nur auf ihren Kernfeldern zu agieren, son-dern gesellschaftlich vielfltig verankert zu sein. Das Engagement in Kirchen und Glaubensgemeinschaften ist nur ein Beispiel hierfr.

    Das Buch als PDF https://goo.gl/M5FL5u

    Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvor- sitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, stellt die Denkschrift vor.

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  • 11kompakt | Juli/August 2015 |

    MICHAEL VASSILIADIS Vorsitzender der IG [email protected]

    >STANDPUNKT

    Foto: DOF-PHOTO by Fulvio/Getty Images

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    Seit dem Buchdruck hat nichts die Welt so schnell und so nachhaltig verndert wie das Internet. Fr viele Menschen gehrt das Netz in all seinen Formen ganz selbstverstndlich zum Leben beruflich wie privat. 2013 erklrte der Bundes-gerichtshof das Internet zur Lebensgrundlage von Privatpersonen. Die enormen Daten-mengen und Datenstrme, die etwa bei der Automatisierung von Produktionsprozessen anfallen und verarbeitet werden wollen, verndern mittlerweile die Wirtschaft grund-legend. Viele Experten sprechen daher von einer vierten industriellen Revolution der Industrie 4.0.

    UNSERE GESELLSCHAFT und unsere Wirtschaft digitalisieren sich; alle Bereiche des ffentlichen wie privaten Raumes sind betroffen. Auch und vor allem fr Arbeit-nehmer ergeben sich Fragen, auf die gute Antworten gefunden werden mssen. Wel-che Folgen hat etwa die Digitalisierung fr knftige Beschftigungschancen, welche Qualifikationen werden gefragt, wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Das politisch zu regeln, sollte Prioritt haben. In der Regierung ist die Digitalisierung an vielen verschiedenen Stellen verortet und wird daher nur schwerlich in einem Guss behan-delt. Die digitale Infrastruktur ist gar im Ministerium fr Verkehr angesiedelt. Das wundert und ergibt nur schwerlich Sinn, wenn man die umfassende Behandlung des Themas erwartet.

    WIR BRAUCHEN DRINGEND eine Bndelung der Kompetenzen an zentraler Stelle, direkt am Kabinettstisch: einen Staatsminister fr Digitale Umwelt. Die Fortentwick-lungen der Digitalen Agenda und des Internets weiterhin zu unterschtzen wre nicht nur aus Sicherheits- und Datenschutzgrnden schlicht kurzsichtig.

    Digitale Verantwortung

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    Die Natur und ihre Verbndeten

    Foto: Stefan Sauer

    > TITEL NACHHALTIGKEIT

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    hat Grenzen, seine Reichtmer sind endlich. l und Kohle, Aluminium, Kupfer, Holz, Wasser, seltene Erden wertvolle Rohstoffe mssen sparsam eingesetzt werden. Die G7-Staaten haben auf ihrem Gipfel in Elmau die Schonung der Ressourcen auf ihre Agenda gesetzt.

    In den Betrieben ist das Thema lngst angekommen. Ob Chemie oder Papier, Leder oder Kunststoff wichtige Branchen setzen auf sparsamen und effizienten Einsatz knapper Ressourcen.

    kompakt zeigt, was heute schon geht.

    Verbndeten

    DER PLANET ERDE

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    > TITEL NACHHALTIGKEIT

    B ltenwei strahlt jedes Blatt. In rasendem Tempo spucken die Maschinen feinstes Papier aus. Es eignet sich fr Kopierer und Laser- drucker, verspricht hchste Qualitt und findet von hier seinen Weg in Deutsch-lands Bro. Und kein Baum musste fr das Papier von Steinbeis in Glckstadt sterben. Das Unternehmen in der Nhe von Hamburg kann sogar Hochglanz-papier fr Prospekte aus 100 Prozent Alt-papier gewinnen. Ein groer deutscher Discounter druckt darauf wchentlich seine Spar-Angebote.

    Das Verfahren spart nicht nur den Rohstoff Holz ein. Konsequent inves-tiert Steinbeis in neue Technologien, um Massen an Wasser und Energie zu sparen, wie sie sonst in der Papierher-stellung gebraucht werden: Die Papier-maschinen arbeiten mit einem geschlos-

    senen Wasserkreislauf, seinen Strom bezieht der Betrieb seit Kurzem aus einem Ersatzbrennstoff-Kraftwerk. Fr-her brauchten wir rund 80 000 Tonnen Kohle pro Jahr, sagt IG-BCE-Betriebs-ratsvorsitzender Jrg Behrens, inzwi-schen nur noch etwa ein Zehntel da-von.

    Steinbeis und die Papierherstellung (Grafik rechts) sind ein gutes Beispiel dafr, was die Staats- und Regie- rungschefs der grten Industrienatio-nen jngst beim G7-Gipfel in Elmau anmahnten. Eine Verbesserung der Res-sourceneffizienz sei entscheidend fr die Wettbewerbsfhigkeit der Industrie, fr Wirtschaftswachstum und Beschf-tigung sowie fr den Schutz der Umwelt, des Klimas und des Planeten, heit es in der Abschlusserklrung von Angela Merkel, Barack Obama und den anderen

    Politikern. Denn die Weltbevlkerung wchst, Milliarden von Menschen stre-ben nach Wohlstand und gieren nach knapper werdenden Ressourcen.

    100 Prozent Recycling und trotz dem wie neu

    Die 2010 installierte Wrmerckgewinnungsanlage beim Papierhersteller KATZ bringt neun Prozent Energie-Ersparnis.

    KATZ bezog schon vor der Sanierung seiner Anlagen 34 Prozent des Stroms aus eigenen Wasserkraftanlagen.

    Einsparpotenzial bei 500 Blatt DIN-A4-Papier:

    WASSER 83 % (22,2 l statt 130,2 l)

    ENERGIE 72 % (7,5 kW/h statt 26,8 kW/h)

    HOLZ 100 % (0 kg statt 7,5 kg)

    CO2 53 % (1,4 kg statt 3,0 kg)

    (Quelle: Steinbeis)

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    DAS THEMA PAPIER zeigt beispielhaft, worum es geht. Gut 240 Kilogramm Papier verbraucht ein Brger in Deutsch-land im Schnitt pro Jahr. In China, Russ-land oder Brasilien liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei gut 40 Kilo und wird in diesen stark wachsenden Lndern deut-lich steigen. Der Verbrauch muss in den westlichen Lndern nahezu halbiert werden, folgert das Umweltbundesamt, nur so kann eine nachhaltige Papier-versorgung gewhrleistet werden.

    Es geht aber um viel mehr als ein paar Blatt Papier. Ressourcenschonung ist zur globalen Herausforderung geworden bei der gerade die Chemieindustrie eine wichtige Rolle spielen kann. Beispiel Welthandel: Der neue Wohlstand fr die boomenden Schwellenlnder schip-pert auf Containerschiffen ber die Weltmeere das braucht Treibstoff. In

    100 Prozent Recycling und trotz dem wie neuden vergangenen 20 Jahren hat sich der Weltseehandel verdoppelt, jedes Jahr steigt er um weitere vier bis fnf Prozent. Gut fr die Menschen, aber problema-tisch frs Klima und die Meere Schiffs-diesel enthlt zudem noch besonders viel Schwefel, das die Meere zu ber- suern droht.

    Hier kommt die Chemieindustrie ins Spiel: Neue Lacke fr Schiffe knnen dafr sorgen, dass die Schiffe weniger Treibstoff verbrauchen. Schon heute ver-hindert ein spezieller Anstrich, dass sich Algen oder Muscheln am Rumpf der Containerschiffe absetzen und den Strmungswiderstand erhhen.

    FORSCHER SUCHEN nach der Formel fr einen Lack, der noch effizienter ist und zugleich mglichst umweltvertrg-lich fr die Meere. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts fr Fertigungstech-nik und angewandte Materialforschung arbeiten an einer Art Haifischhaut fr Containerschiffe. Der Hai gleitet dank kleiner Rillen in seiner Haut besonders schnell und mit wenig Widerstand durchs Wasser. Erste Ergebnisse sind vielversprechend: Fnf Prozent Treib-stoffersparnis sind dank Haifischhaut mglich, erklrt Wissenschaftler Volk-mar Stenzel. Wir arbeiten mit Hoch-druck weiter, sagt er. Mit im Boot ist ein Industriekonsortium, an dem Unterneh-men der chemischen Industrie beteiligt sind. Der Konzern Akzo Nobel hat gera-de eine spanische Fhre mit einem neu-artigen Lack ausgestattet nach Angaben des Unternehmens brachte die Beschich-tung sogar zwlf Prozent Ersparnis.

    EINE ALLIANZ fr Ressourceneffizienz, wie sie die G7-Staaten schmieden wol-len, ist eine Riesenchance, sagt IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassilia-dis, fr die Unternehmen, aber auch fr die Beschftigten und fr uns als Ge-werkschaft. Denn gerade Hochtechno-logie-Unternehmen in den entwickelten Lndern Mitteleuropas knnen mit ih-ren qualifizierten Fachkrften bei der

    Nachhaltigkeitsberatung fr Betriebsrte

    Speziell auf die Bedrfnisse von Mittel-stndlern zugeschnitten haben die Allianzpartner von Chemie3 und die Trifolium Beratungsgesellschaft einen Nachhaltigkeitscheck entwickelt. Er dient der Selbsteinschtzung auf Grundlage der Chemie3-Leitlinien und soll helfen, Chancen und Risiken auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit im Unternehmen zu erkennen.

    Pilotunternehmen haben den Nachhaltig-keitscheck bereits erstmals im Alltag getestet. Ihre Resonanz: positiv. Sie empfehlen auch anderen Unternehmen der Branche, sich einer solchen Selbst-einschtzung zu unterziehen. Denn: Nachhaltigkeit ist kein Zustand, der erreicht werden kann, sondern ist ein kontinuierlicher Prozess brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

    Exklusiv fr die Mitglieder von VCI, IG BCE und BAVC gibt es seit Ende Juni 2014 auf der Chemie3-Website www.chemiehochdrei.de ein Unter- sttzungsangebot zu Fragen rund um Nachhaltiges Handeln im Unter-nehmen.

    Nachhaltigkeit als Leitbild der Branche zu leben und zu verankern, wird zudem knftig ins Zentrum der Ttigkeit der sozialpartnerschaftlichen Gesellschaft zur Information von Betriebsrten ber Umweltschutz in der chemischen Industrie (GIBUCI) rcken. www.gibuci.de

    Die globalen Transporte ber die Weltmeere nehmen zu. Die Containerriesen knnen durch spezielle Haifischlacke besser glei-ten und bis zu zwlf Prozent Energie sparen.

    Einsparpotenzial bei 500 Blatt DIN-A4-Papier:

    WASSER 83 % (22,2 l statt 130,2 l)

    ENERGIE 72 % (7,5 kW/h statt 26,8 kW/h)

    HOLZ 100 % (0 kg statt 7,5 kg)

    CO2 53 % (1,4 kg statt 3,0 kg)

    (Quelle: Steinbeis)

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    > TITEL NACHHALTIGKEIT

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    ben fr Personal in der Chemieindustrie gerade noch rund 13 Prozent der Ge-samtkosten aus. Aber etwa 42 Prozent der Kosten gehen fr Rohstoffe drauf. Ressourcenschonung ist ntig schon aus Eigeninteresse der Unternehmen. Und weil sie Rohstoffe einsparen ms-sen, steigt die Nachfrage nach neuen res-sourcenschonenden Herstellungsverfah-ren. Eine groe Chance fr gute Jobs.

    Betriebsrte pflichten Vassiliadis bei. Umweltschutz kos-tet Geld. Aber Um-weltschutz schafft auch viele Arbeits-pltze, sagt Apos-tolos Psomas, IG-BCE-Betriebsrat bei Akzo Nobel in Hil-den. Dort vertrei-ben und vermark-ten 320 Beschftigte europaweit unter anderem einen vl-lig neuartigen Lack fr Pappbecher in

    Fast-Food-Restaurants. Die Becher kn-nen dank der Beschichtung knftig wie-derverwertet werden. Bislang landeten sie auf dem Mll. International agierende Fast-Food-Ketten zeigen Interesse und wollen den ko-Pappbecher einfhren.

    MEHR MENSCHEN brauchen vor allem mehr Nahrung. In der Dngemittel-In-dustrie hat lngst digitale Technik Ein-zug gehalten. Der Hersteller Yara hat

    eine Smartphone-App entwickelt, die ausrechnet, wie stark ein Rapsfeld ge-dngt werden muss. Dafr fotografiert der Landwirt ein Stck von seinem Feld. Die App bertrgt das Bild an einen zentralen Computer, der den Be-deckungsgrad mit Pflanzen ermittelt und dem Landwirt sagt, wie stark er dngen muss.

    BEI EINEM ANDEREN VERFAHREN steuert ein auf dem Dach des Traktors montierter Sensor die Dngung. Er misst das von den Pflanzen reflektierte Sonnenlicht. So werden Stellen eines Feldes strker gedngt, auf denen das Getreide noch nicht so gut gewachsen ist. Das Ergebnis: gleichmig groe, leichter zu erntende Pflanzen und we-niger Dnger auf dem Feld und in den Gewssern.

    Jagd nach den besten Methoden vorne mitspielen. Das funktioniert aber nur, wenn die Beschftigten beteiligt wer-den, sagt Vassiliadis, der auch Mit- glied im Rat fr nachhaltige Entwicklung (unten) ist. Wer hier bedeutende Fort-schritte machen will, braucht qualifi-zierte und motivierte Leute.

    BETEILIGUNG das fngt im Betrieb an, beim betrieblichen Vorschlagswesen. Bei Steinbeis etwa gibt es Prmien fr die besten Ideen und Betriebsrat Jrg Behrens setzt sich fr das Thema mit voller Wucht ein, das ist gut fr die ganze Mannschaft, sagt er. Beteiligung das geht bis hin zu den Aufsichtsrten, wo die Arbeitneh-mervertreter ber die strategischen Weichenstellungen der global agieren-den Unternehmen mitentscheiden. Be-teiligung ist auch auf politischer Ebene mglich. Die Bundesregierung hat fr den Herbst zu einer Konferenz nach Ber-lin geladen, um ber die G7-Initiative zu beraten. Die IG BCE wird dort die Sicht der Arbeitnehmer einbringen.

    Allzu oft schauen Unternehmen zuerst auf die Arbeitskosten, wenn es kriselt, er-lutert Vassiliadis. Dabei machen Ausga-

    Ressourcen sparen!

    Ohne Zukunftsbilder, die die Lebensqualitt in einer nachhaltigen Moderne vorstellbar machen, lsst sich

    weder eine gestaltende Politik denken noch die Rolle der Zivilgesellschaft fr eine solche Politik.

    Prof. Harald Welzer, Sozialpsychologe, kooptiertes Mitglied des Rates

    MITGLIEDER DES RATES FR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG ZUM THEMA RESSOURCENEFFIZIENZ/NACHHALTIGKEIT:

    Sensoren auf dem Dach des Treckers ermitteln den Dngemittelbedarf exakt fr jeden Feldabschnitt.

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    UMWELT- FREUNDLICHE

    BESCHICHTUNG FR PAPPBECHERSICHERT 320

    ARBEITSPLTZE.

    Nachhaltigkeit erfordert Ent- scheidungen nicht in ferner Zukunft,

    sondern jetzt.

    Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates fr Nachhaltige Entwicklung, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche Deutschland

    Die Messung von Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Erfolgs-faktor, um das Thema in Unternehmen und

    auf Kapitalmrkten zu etablieren.

    Prof. Alexander Bassen, Professor fr Betriebswirtschaftslehre an der Universitt Hamburg

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    Schonender Umgang mit unserer Um-welt das ist letztlich auch gut fr den ein-zelnen Menschen und seine Gesundheit. Beispiel Lederindustrie: Beim Gerben mit Chrom III, einer bewhrten und weitver-breiteten Methode, kann das gesundheits-schdliche Chrom IV entstehen. Das passiert dann, wenn man minderwertige Chemikalien einsetzt und nicht das Know-how hat, wie es richtig geht, sagt Thomas Strebost, geschftsfhrender Gesellschaf-ter von Heller-Leder in Hehlen. Das Unter-nehmen stellt Leder unter anderem fr die Autositze von Porsche oder Audi her.

    Im vergangenen Jahr gewann es einen Preis fr die Entwicklung eines nachhal-tigen Gerbstoffs aus Olivenblttern fr Ledersofas. Es gibt Leder, das ist Sonder-mll, ergnzt Betriebsrat Antonio Vea Ugena. Unser Leder dagegen kann man im Garten vergraben. Das ist wie Kom-post.

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    1990 gegrndet, engagiert sich die Stif- tung fr eine nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Ziel, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft fr eine vernnftige Balance von wirtschft-licher, sozialer und kologischer Entwick-lung zu sensibilisieren. Sie trgt dafr Sorge, dass Gute Arbeit, soziale Sicherheit sowie eine gesunde und intakte Umwelt bercksichtigt und erhalten bleiben.

    Die Stiftung Arbeit und Umwelt richtet sich aktuell als Thinktank der IG BCE fr Nachhaltigkeit neu aus, erlutert ihr Geschftsfhrer Helmut Krodel. Sie steht den betrieblichen Handelnden als Ansprechpartner zu allen Themen rund um Nachhaltigkeitsbericht-erstattung und Corporate Social Respon-sibility (CSR) zur Verfgung. Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE 0511 [email protected]

    STIFTUNG ARBEIT UND UMWELT

    WEITERE BEISPIELE GEFLLIG? Die Altana AG stellt ein Isoliermaterial her, das in Windkraftanlagen verbaut ist, aber auch in Alltagsgerten wie einem Fn oder einer Digitalkamera. Durch die Isolierung knnen Bauteile nher aneinanderrcken, das ganze Gert wird kleiner und verbraucht so weniger Rohstoffe. Bayer hat gerade ein neues Verfahren entwickelt, mit dem Chlor mit einem Drittel weniger Energie herge-stellt werden kann. Chlor wird fr die Produktion von Kunststoffen gebraucht und ist allein fr drei Prozent des Ener-gieverbrauchs in Deutschland verant-wortlich.

    Und was bringt die Zukunft? Sie wird noch strker von Technik bestimmt sein, sagt Steinbeis-Betriebsrat Jrg Behrens. Dngemittelspezialist Yara will Messda-ten von den Feldern in einer Datenbank sammeln und noch genauer auswerten.

    Wicklungen von Transformatoren, Motoren, Generatoren und Lichtmaschinen, Spulen aller Typen und Gren, fr Anwendungen im Bergbau, der Luft- und Schifffahrt profitieren vom neuen Altana-Isoliermaterial, das kleinere und leistungsfhigere Gerte mglich macht.

    Dank eines Gerbstoffs aus Olivenblttern sitzt man auf Heller-Leder urgesund.

    Jede neue Technik braucht Fachleute, die sie entwickeln, und Facharbeiter, die sie produzieren. Jedes Prozent an Ein-sparung, das so zustande kommt, ist gut. Fr den Planeten. Und fr die Arbeits-pltze. Bernd Kupilas/Wolfgang Lenders

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    > THEMEN ENERGIEWENDE>

    Geht es eigentlich um CO2-Redu-zierung oder geht es um den Aus-stieg aus der Braunkohle?, fragte IG-BCE-Vorstandsmitglied Ralf Sikorski und brachte damit auf den Punkt, was viele Teilnehmer der If.E-Konferenz in Dsseldorf beschftigte. Immer noch hatten die parallel verlaufenden Hinter-grundgesprche in Berlin zwischen Wirtschaftsministerium, Lndern und IG BCE kein Ergebnis erbracht. Trotz der offensichtlichen Vorteile des Gewerk-schaftsvorschlags, wie die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen wren. Die rund 170 Betriebsrte und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft teilten jedenfalls die Einschtzung, dass es nicht darum gehen knne, jetzt den nchsten Ausstieg vorzubereiten ohne

    zu wissen, wie die vielen offenen Fragen der Energiepolitik zu lsen wren, wie Klima, Arbeitspltze und der Standort Deutschland zugleich schtzen zu lassen. In Vortrgen, Podiumsdiskussion und Arbeitsgruppen ging es um das notwen-dige Zusammenspiel von erneuerbaren und konventionellen Energien, Netzaus-bau und die Rolle, die Betriebsrte und Gewerkschaft dabei spielen. Auch Res-sourceneffizienz stand ebenfalls auf der Agenda, damit einer der Schwerpunkte des gerade beendeten G7-Gipfels.

    Whrend sein Chef in Berlin am Ver-handlungstisch sa, betonte Gnther Horzetzky, Staatssekretr im NRW-Wirt-schaftsministerium: Das energiepoliti-sche Zieldreieck von stabiler Versorgung, Standortsicherheit und Klimaschutz

    Nun sind die Tage der Entscheidungen gekommen. Und sie werden die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Deutsch-land auf lange Zeit bestimmen. Zum Guten, wenn die Bundes-regierung den Vorschlgen der IG BCE zum Klimaschutz folgt. Das war auch die groe Hoffnung der Betriebsrte-Konferenz des Innovationsforums Energiewende (If.E).

    Um ihre selbst gesetzten Klima-ziele 2020 noch zu erreichen, will die Bundesregierung zu-stzlich 22 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen in der Energieerzeu-gung einsparen. Um das zu erreichen, hat das Wirtschaftsministerium die sogenannte Klimaabgabe entwickelt - die vor allem die Verstromung von Braunkohle treffen wrde. Das aller-dings htte enorm schdliche Auswir-kungen auf Arbeitspltze, Unterneh-men und Regionen. Deshalb hat die IG BCE eigene und bessere Vorschl-ge entwickelt, in Abstimmung mit den Unternehmen und den betroffe-nen Landesregierungen. Seither lau-fen die Gesprche mit dem Wirt-schaftsministerium, um im Detail zu prfen, wie die knftige Energie- und Klimapolitik zu gestalten ist.

    Im Kern beruht der Vorschlag der Gewerkschaft auf drei Bausteinen: Ausbau von Kraft-Wrme-Kopplungs-anlagen, Aufbau einer Kapazittsre-serve fr Versorgungssicherheit und Klimaschutz sowie weitere Anstren-gungen in der Energieeffizienz, bei-spielsweise durch eine Abwrack- prmie fr alte Heizungsanlagen. Mehrere Gutachten haben mittler-weile besttigt: Dieser Weg zu mehr Klimaschutz ist volkswirtschaftlich erheblich kostengnstiger als die Pl-ne des Wirtschaftsministeriums. Und: Er vermeidet ein strukturelles Desas-ter in den Revieren, frdert stattdes-sen Arbeitspltze durch Investitionen in Effizienz und Nachhaltigkeit.

    Die Bundesregierung muss kurz-fristig allerdings ein weiteres Problem lsen. Bayern verweigert den fr die Energiewende notwendigen Leitungs-bau. Um sich da durchzusetzen, blo-ckiert die CSU eine vernnftige L-sung bei der CO2-Minderung.

    Eindeutig der viel bessere Vorschlag

    www.igbce.de/mitglieder/ igbce-aktuell/

    Zwischen Zweifel und

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    CHRISTINE BARTH, 42 Jahre, Betriebsrtin E.DIS AG (Standort Potsdam)Bei uns ist viel erneuer-bare Energie am Netz, die groe Herausforde-rung ist jetzt, die Kraft-werke zu managen. In den Spitzen haben wir manchmal doppelt so viel Energie, wie gebraucht wird. Ein Problem sehe ich in den Kosten der Ener-giewende, die auf den Verbraucher und teils die Industrie umgelegt werden. Die Netzentgelte in unserer strukturschwa-chen Region sind sehr hoch. Da muss Solidaritt her, die zu einem bundes- weiten Ausgleich fhrt!

    MATTHIAS DRBAUM, 27 Jahre, RWE Power AG (Standort Tagebau Hambach)Es gibt immer noch kei-ne finale Aussage dazu, ob die Kohleabgabe jetzt kommt. Die Diskussion darber fhrt zu groer Verunsicherung in unse-rer Mannschaft, die sich endlich einen Fahrplan wnscht, der die nchste Legislaturperiode berdauert. Unser alternativer Vorschlag liegt jetzt auf dem Tisch, ich rechne mit einem Kom-promiss. An die angeblich so vielen Ar-beitspltze in den erneuerbaren Energien glaube ich nicht, und selbst wenn es die gibt, muss man sich angucken, ob es sich wirklich um permanente und nach Tarif bezahlte Stellen handelt.

    ANDREAS JUNG, 52 Jahre, Steag New Energies GmbH (Standort Saarbrcken)Durch die Energiewende darf die Volkswirtschaft nicht ins Straucheln ge-raten, erneuerbare und konventionelle Energie-erzeugung mssen sich nun mal ergnzen auch wenn es vielleicht nicht jedem gefllt. Ein Insellsung in Deutschland halte ich nicht fr realistisch, wenn die Brger dadurch den Strom nicht mehr zahlen knnen.

    steht fr uns fest. NRW ist gerade bei der Energiewende auf die Energieversorger angewiesen. Das aktuelle Strommarkt-Design habe bereits groe Probleme fr die Energieversorger gebracht, sagte er und sprach sich fr den Ausbau der Kraft-Wrme-Kopplung und Kapazitts-reserven zur Versorgungssicherheit aus, wie sie die IG BCE vorsieht.

    Eine Einschtzung, die auch Hendrik Fischer, Staatssekretr im Wirtschaftsmi-nisterium Brandenburgs, teilte: Wenn wir zu einer vernnftigen Lsung kom-men, hat die IG BCE groen Anteil dar-an. Aber es sei nach wie vor schwierig, in der emotional gefhrten Debatte poli-tische Mehrheiten fr eine sinnvolle Energiewende zu organisieren.

    Leonhard Zubrowski, Konzernbe-triebsratsvorsitzender RWE Generation, merkte an, dass nationale CO2-Einspa-rungen ber Schlieung von Kraftwer-ken das Problem nur verlagerten: Dann werden im Ausland Anlagen gebaut, die nicht so effizient sind, und wir sparen nichts, sagt er in den Applaus der ande-ren Betriebsrte hinein, wir brauchen eine europische Lsung! Dagny Riegel

    GEMEINSAM FRS GANZE

    So lautet das Motto einer Informations-kampagne, die IG BCE, Energiewirt-schaft und energieintensive Industrien gestartet haben.

    Wir wollen weiteren Fehlsteuerungen entgegenwirken und auf die Bedeutung konomischer und sozialer Aspekte im laufenden energiepolitischen Ent- scheidungsprozess aufmerksam machen. Wir werben fr eine Neujustierung der Energiewende, sagte If.E-Vorsitzender Michael Vassiliadis am 11. Juni in Berlin.

    Die Info-Kampagne (siehe Anzeige Seite 2) luft bis Jahresende. Zunchst geht es um die Klimaziele der Bundes-regierung und die Beitrge, die die Energiewirtschaft dazu leisten soll. Vor allem mit Plakaten und Anzeigen in den Printmedien wird das If.E seine Anliegen deutlich machen.

    INFORMATIONSKAMPAGNE

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    > LESERFORUM

    Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

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    VOR ORT Trotz prominenter Untersttzung: Das ContiTech-Werk in Salzgitter soll schlieen

    TENDENZEN Fast 4,3 Millionen Erwerbsttige in Deutschland haben Probleme mit dem Lesen und Schreiben

    TIPPS Der Anspruch auf den Hausbrand fr Bergleute in der Steinkohle ist tarifvertraglich neu geregelt

    Nr. 06 I JUNI 2015 www.igbce.de

    Wegweiser fr gute Arbeit Fabrik und Bro sind in schnellem Wandel. Wir regeln das. Fr die Menschen.

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    Schreiben Sie uns! Wir freuen uns ber Lob, Kritik und Anregungen.

    Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht bercksichtigt. Die Redaktion behlt sich Krzungen vor.

    > Steuern: Ein erster Erfolgvon Bernd Kupilas (06/2015)

    Endlich 1Es wird allerhchste Zeit! Seit Jahren wird

    darber diskutiert, nun ist es wohl mehr als berfllig! Ich bin sehr froh, dass wir mit der IG BCE dafr gekmpft haben! Olaf Schulze, per facebook

    Endlich 2Diese nderung wurde auch Zeit!

    Walter Janen, per facebook

    Thema vermisst

    @ Ein erster Erfolg und eine verpasste Chance, sich mit der Abgabengerech-tigkeit grundstzlich ausein-anderzusetzen. Ich vermisse in der ffentlichen Diskus- sion immer das Thema Bei-tragsbemessungsgrenze. Sie sieht vor, dass die Beitrge zur Kranken-, Pflege-, Ren-ten- und Arbeitslosenver-

    sicherung nur bis zu einer bestimmten Hhe des Ge-halts erhoben werden. Das darber liegende Entgelt des Arbeitnehmers ist bei-tragsfrei. Die Beitragsbe-messungsgrenze liegt aktuell bei jhrlich 49 500 Euro brutto bei Kranken- und Pflegeversicherung und bei 72 600 Euro brutto (West) bei Renten- und Arbeitslo-senversicherung. Das heit, wer mehr verdient, wird ent-lastet. Vielleicht knnten Sie diese Thematik aufgreifen.

    M. Brokhausen, per E-Mail

    > Wirtschaftswunderlandvon Rudolf Heim (06/2015)

    Wunder woanders

    @ Auch die Mr vom bundesrepublikani-schen Wirtschaftswunder hat sich tief im kollektiven Gedchtnis eines nicht ge-ringen westdeutschen Bevl-

    kerungsanteils eingegraben. Unkritisch hat dieser bis- her alles dankbar angenom-men, was seiner Selbstbe-weihrucherung irgendwie frderlich ist. Sicher haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Westdeutsch-lands etwas geleistet. Nur zu gerne vergisst man aber, den Marshallplan zu er- whnen.

    Stefan Striegel, per E-Mail

    > Anspruch auf Mindest-lohn gilt auch im Urlaub

    von DGB (06/2015)

    Bitte fr alleJetzt mssen die Ar-beitnehmer, zum Bei-

    spiel bei KiK Textilien und Non-Food GmbH, das nur noch ihrem Arbeitgeber mit-teilen und durchsetzen, ohne mit Kndigung bedroht zu werden.

    Stefan Schnitzler, per facebook

    IMPRESSUM

    Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft

    Bergbau, Chemie, Energie

    HerausgeberMichael Vassiliadis

    Chefredakteur (verantwortlich im Sinne des

    Presserechts)Christian Hlsmeier

    Stellvertretender ChefredakteurMichael Denecke

    Chef vom DienstJrg Nierzwicki

    RedaktionSarah Heidel, Dirk Kirchberg,

    Dr. Ulrike Brger

    RedaktionsassistenzSimone Michels, Tanja Rssner

    GestaltungHans Borgaes

    RedaktionsanschriftKnigsworther Platz 6

    30167 HannoverTelefon: 0511 7631-306/-329

    Telefax: 0511 7000891E-Mail: [email protected]

    Internet: www.igbce.de

    Satz: BWH GmbHBeckstrae 10, 30457 Hannover

    Gesamtherstellung und -vertrieb:Westend Druckereibetriebe GmbH

    Westendstrae 1, 45143 Essen

    AnzeigenverwaltungNetworkMedia GmbHStresemannstrae 30

    10963 BerlinTelefon 030 25594-160 (Fax: -190)

    E-Mail: [email protected] Anzeigenliste Nr. 14 vom 01. 01. 2015

    Verantwortlich fr den Anzeigenteil:

    Claudia Hrtig

    Zusendungen: Fr unverlangteEinsendungen wird keine

    Gewhr bernommen.

    Bezugspreis0,90 , jhrlich 10,00 .

    Fr Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag

    enthalten.

    Erscheinungsweise: kompakt erscheint monatlich mit acht Regionalausgaben fr Bayern, Baden-Wrttemberg,

    Hessen-Thringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland,

    Westfalen.

    Redaktionsschluss dieser Ausgabe:19. 6. 2015

    Druckauflage: 650 494 (I/2015)

    Gedruckt auf chlorfreiem Papier

    kompakt

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  • VOR ORT

    Abfall de luxeMINERALplus macht mehr aus Staub

    Eine Zukunft dank TarifvertragHeipha: Nach drei Jahren endlich mehr Geld.

    Betriebsrte wollen mitredenThema Indusrie 4.0: Betriebsrte treffen Bundespolitiker.

    Wandel gestaltenFachtagung zur demografischen Entwicklung.

    Foto: Frank Rogner

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  • > VOR ORT MINERALPLUS

    E r ist hellgrau, dunkel-grau oder auch mal gelbgrau und die meis-ten Menschen versuchen, ihn schnell loszuwerden. Doch fr die Firma MINERALplus ist er die Geschftsgrundlage, sie lsst ihn sogar aus den Nieder-landen oder Frankreich liefern: Staub. Genauer gesagt: Asche. 145 000 Tonnen davon werden dieses Jahr ungefhr durch die Anlage in Gladbeck laufen. Der grte Teil stammt aus

    der Verbrennung von Haus-mll, Abfall vom Abfall quasi. Selbst daraus kann noch was werden: Dickstoffversatz-material, sagt Roland Dach, Betriebsratsvorsitzender von MINERALplus, zum Verfl-len von Hohlrumen in Salz-kavernen; wir nutzen den Ab-fall also sinnvoll.

    MIT SEINEM KOLLEGEN Rainer Borowski steht er im Labor, dem einzigen Ort der

    Firma, an dem man den Staub sieht. Weil der so leicht fliegt, luft die gesamte Ver-arbeitung in einem geschlos-senen System. Entsprechend vorsichtig nimmt Laborant Borowski ein wenig Staub aus einem Probeglas und ver-rhrt es in einem Kolben mit Lauge. Mit einer Spritze entnimmt er das Gas ber der Flssigkeit und spritzt es in einen Gaschromato- grafen, ein Analysegert fr

    Gas. Manche Stube wrden Wasserstoff freisetzen, wenn man sie an der Kaverne mit Sole mischt, erklrt er und liest die Werte ab, bevor er sie ins Computersystem ber-trgt. Staub zu untersuchen ist alles andere als langweilig. Staub, der auch mal Rck-stnde von Batterien oder Plastik enthlt, ist sogar ziemlich spannend. Nicht umsonst mssen Borowski und seine Kollegen eingehen-

    Her mit der Asche!ABFALL VOM ABFALL aus Mllverbrennungsanlagen mischt MINERALplus in Gladbeck zu Baumaterial, das Hohlrume in Salzkavernen stabilisieren hilft.

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  • Mir ist es wichtig, dass Abflle einer Verwertung zugefhrt werden, deshalb stehe ich hinter der Arbeit hier.

    Roland Dach Betriebsratsvorsitzender

    des wie ausgehendes Material nach strengen Vorgaben kon-trollieren und die Ergebnisse sowie Proben auf Jahre archi-vieren.

    Jeder Lieferant gibt eine Probe seines Transportguts an der Leitwarte ab. Nur wenn

    die Werte im vorgeschriebe-nen Rahmen liegen, wird das Material verwendet. Der Lkw fhrt dann auf eine Waage, sagt Schichtfhrer Thomas Dembowy in der

    Leitwarte und deutet auf ei-nen der Monitore mit Kame-rabildern: Ein Lkw steht auf einem Viereck im Boden, der Waage. Nach einem Maus-klick fllt sich auf Dembowys linkem Computerbildschirm das Symbol fr Silo neun,

    gleichzeitig sinkt die Anzeige der Waage im Bildschirm von 40 auf 14,6 Tonnen, bis der Lkw komplett entladen hat. Aus den verschiedenen Silos laufen die Stube dann ge-

    m der eingestellten Rezep-tur in den Mischer, erklrt Dembowy, das macht die Anlage automatisch.

    WIE VIEL WOVON hinein-darf, schreiben externe Gut-achter vor. Das hngt von den Kundenwnschen ab und den zugelassenen Hchstwerten, etwa jenen fr Schwermetalle. Silo neun ist mit 350 Kubikmetern das grte Eingangssilo. Wie bei den anderen sind am unteren Ende Rohre angeschlossen, in denen Spiralen laufen, die Frderschnecken. Sie trans-portieren den Staub in einen Wiegebehlter und weiter in den Mischer. Wie bei einer Teigmischung fr Kuchen landen dort die exakt abge-wogenen Zutaten und wer-den 60 Sekunden lang ge-mischt. Nur dass der Mischer etwa die Gre eines VW-Busses hat und die Halle drhnt wie ein Flugzeug beim Start. Nach dem Mi-schen kommt das Material in die vier turmhohen Verlade-silos vor der Halle.

    In der Werkstatt nebenan bearbeitet Miron Nicklas, angehender Industriemecha- niker, eine Befestigung fr eine Frderschnecke. Lang-sam senkt er den Bohrkopf des Standbohrers auf den Flachstahl. Die Drehzahl stelle ich je nach Material und Bohrerdicke ein, sagt er, wie stark ich drcke, habe ich im Gefhl. Er mag die Arbeitsatmosphre und hofft, bernommen zu wer-den. Die bernahmechan-cen sind gut hier, sagt Dach, die Arbeitspltze auch; Sicherheit wird gro-geschrieben und seit Kurzem haben wir eine Betriebs- vereinbarung ber Kranken-geldzuschuss nach sechs Wochen.

    Auch Dennis Heyse ist nach seiner Ausbildung als Industriemechaniker ber-nommen worden. Mit einem Klemmbrett geht er um einen Lkw herum, der gerade unter ein Verladesilo gefahren ist und Dickstoff nach Sta- furt bringen soll. Ich kont-rolliere, ob Gefahrgutschil-der, Fahrzeug und Papiere in Ordnung sind, sagt er und steigt hoch auf die Brcke am Silo. Im Dach des Lkw ffnet er einen Deckel und drckt auf den Startknopf am Silo. Ein Faltrohr schiebt sich ins Dach, es klackt und rau-schend luft das Material ein. Immer noch Staub, immer noch grau, immer noch Ab-fall, aber so gemischt, dass er einer sinnvollen Verwertung zugefhrt werden kann.

    Mir ist es wichtig, dass Ab-flle einer Verwertung zuge-fhrt werden, deshalb stehe ich hinter der Arbeit hier, wie wohl jeder bei MINERAL-plus. Dagny Riegel

    1 |KONTROLLEStaub ist viel Papierkram: Dennis Heyse fertigt einen Lkw vor der Verladung ab.

    2 | AM BOHRERMiron Nicklas bearbeitet in der Werkstatt Flachstahl fr eine Transportschnecke.

    3 | GUT ABGESTAUBTVon angeliefertem wie ausgeliefertem Staub werden Proben einbehalten.

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    37 Millionen Tonnen Hausmll fallen pro Jahr in Deutschland an, die zu einem groen Teil verbrannt werden. Die STEAG-Tochter MINERALplus ist bundesweit eine der grten Verwertungsfirmen fr die schwermetallhaltigen Aschen, die dabei entstehen. 1990 gegrndet, arbeiten am Standort Gladbeck heute rund 40 Mitarbeiter in der Verwertung der Aschen zu Dickstoff. Seit dieser nicht mehr zum Verfllen von Hohlrumen im Bergbau verwendet werden darf, wird er nach Stafurt geliefert, wo er mit Sole abgebunden Kavernen fllt.

    www.mineralplus.de

    DAS UNTERNEHMEN

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    > VOR ORT AKTUELLES

    Es geht um ihr Entgelt: Die Beschf-tigten bei IDT Biologika wollen Ergebnisse.

    Der Pharmakonzern Novar-tis will zwei seiner deut-schen Sandoz-Werke trotz wirtschaftlich solider Zahlen bis Ende 2016 schlieen und die Produktion verlagern: Be-troffen sind Sandoz Industrial Products in Frankfurt- Hchst und Salutas Phar-ma in Gerlin-gen. Die Be-grndung: Im globalisierten Pharmamarkt wrden beide Standorte nicht kosteneffizient genug arbeiten.

    Fr Gabriele Eisinger, Be-triebsratsvorsitzende bei Salu-tas in Gerlingen, ein Schlag ins Gesicht: Die Zeichen standen auf Wachstum. Whrend wir bis 2013 pro Monat im Schnitt 3,5 bis fnf Millionen Einhei-ten an Schmerz- und Blut-hochdruckmitteln sowie Aller-giker-Medikamenten verpackt haben, waren es bereits im

    Sandoz will 600 Stellen streichenGERLINGEN/FRANKFURT | Pharmagigant beabsichtigt, zwei seiner Standorte zu schlieen

    Mrz dieses Jahres neun Mil-lionen Einheiten. Die groe Mehrheit der 290 Mitarbeiter leiste seit dem vergangenen Jahr massiv berstunden, lege an Sonn- und Feiertagen Son-derschichten ein. Die nun ge-

    troffene Entscheidung ber-rascht uns brutal und ohne jede Vorwarnung, sagt Eisinger.

    Auch Helmut Heun, Be-triebsratsvorsitzender der San-doz Industrial, will von an-geblich notwendigen Kosten- einsparungen nichts wissen: Wir produzieren in Hchst billiger und besser als das Werk im sterreichischen Kundl, wohin unsere Produktion ver-lagert werden soll. Sandoz nehme billigend in Kauf, dass

    Mit einer Aktion vor den Werktoren forderten Hunderte Beschftigte der IDT Biologika GmbH und TEW mbH jetzt Bewegung in den Haustarifverhandlungen ein: Die Tarifkommission der IG BCE mit Verhandlungsfhrer Christian Jungvogel kmpft um die Anlehnung an den Flchen-tarifvertrag Chemie. Beim bri-santesten Punkt, dem Entgelt, ging es bisher aber keinen Milli-meter voran. Wenn unser Ent-gelt nicht mehr entsprechend dem Flchentarifvertrag steigt, ist der Abstand innerhalb weni-

    Der Haustarif steht auf dem SpielDESSAU-RODLEBEN | IDT Biologika: Aktive Mittagspause macht Druck auf Verhandlungen

    ger Jahre riesengro, sagt die Betriebsratsvorsitzende Dag-mar Mller: Das lassen wir uns nicht gefallen und sind bereit, weitere Schritte zu gehen.

    Christian Jungvogel bekrf-tigt: ber flexible Arbeits- zeiten knnen wir reden, ber

    flexible Entgeltvereinbarungen definitiv nicht. Ende Mrz ist das Pharmagenerika-Unterneh-men aus dem Flchentarifver-trag Chemie ausgetreten. Die vierte und entscheidende Haustarifverhandlung ist am 29. Juni. ket

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    am Main 306 Menschen vllig grundlos ihren Arbeitsplatz verlren.

    Beide Arbeitnehmervertre-ter-Gremien haben angekn-digt, die Plne nicht zu akzep-tieren. Man hat nicht einmal probiert, ernsthaft einen Ku-fer fr das Gerlinger Werk zu finden, mit der Begrndung, man htte dies bereits vor drei Jahren erfolglos geprft, sagt IG-BCE-Gewerkschaftssekretr Benjamin Hannes. Gemein-sam mit dem Salutas-Betriebs-rat wolle man nun selbst einen Kufer suchen.

    Fr den Standort Frankfurt-Hchst argumentiert Sandoz hnlich. Was uns aber richtig rgert ist, dass es sich um eine rein strategische Konzernent-scheidung handelt. Und dass man nicht im Vorfeld auf uns als Gewerkschaft zugekom-men ist, sagt Ralf Erkens, IG-BCE-Bezirksleiter Rhein-Main.

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    -

    KALK UND DOLOMIT I | Die zweite Tarifverhandlung der rechtsrheinischen und westflischen Kalk- und Dolomitindustrie am 26. Mai in Wuppertal wurde unter-brochen. Die Tarifkommission von IG BCE und IG BAU lehn- te das Angebot der Arbeit-geber als unzureichend ab. Die Kommission bleibt bei ihrer Forderung von 5,5 Pro- zent sowie dem verbindlichen Einstieg in einen Demografie-Tarifvertrag. Am 22. Juni wird in Solingen weiter- verhandelt.

    FEINKERAMIK (WEST) | Die erste Tarifrunde fr die rund 24 000 Beschftigten in der feinkeramischen Industrie am 17. Juni blieb ohne Ergebnis. Das Angebot der Arbeitgeber wies die Tarifkommission der IG BCE als unzureichend zurck. Die Verhandlungen werden am 30. Juni in Frankfurt am Main fortgesetzt. Die Kom- mission besteht im Sinne der Beschftigten darauf, dass sich der positive wirt- schaftliche Trend in der feinkeramischen Industrie in der Erhhung der Lhne, Gehlter und Ausbildungs-vergtungen widerspiegelt.

    GLAS | Eine Erhhung der Entgelte um 3,6 Prozent rckwirkend zum 1. April 2015 und eine Erhhung der Ausbildungsvergtungen (Auszahlung im Juni): Auf dieses Tarifergebnis einigten sich die IG-BCE-Tarifkommis-sion und die Tarifkommission von Verallia Saint-Gobain Oberland am 13. Mai in Ulm. Der Tarifvertrag luft bis zum 31. Mrz 2017.

    Tarifmeldungen

    Die Zeichen standen auf Wachstum.

    Gabriele Eisinger Betriebsratsvorsitzende Salutas

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    Rechtsanwalt Harald Humbug (links) und Murat Gnes,.

    Was Arbeitnehmern ein Tarifvertrag bringt, erfuhr Heipha-Mitar-beiter Matthias Mejerl von sei-nem Bankberater: eine zgige und problemlose Bewilligung der Hausfinanzierung. Mein Lohnzuwachs war fr die Bank das strkste Argument, sagt er. Wie ihm geht es dem berwiegenden Teil der rund 270 Mitarbeiter der Merck-Tochter im badischen Eppel-heim. Endlich ist sicher- gestellt, dass jeder von uns fr gleiche Arbeit gleiches Geld erhlt und dass die Zeit von Billiglohn und Nasen-faktor ein Ende hat, sagt Be-

    triebsratsvorsitzender Torsten Schfer.

    Gemeinsam mit der IG BCE hat er fr den seit diesem Mo-nat gltigen berleitungs-Tarif zum Chemie-Tarifvertrag ge-kmpft. Die wesentlichen In-halte: Neben einer Absenkung der Arbeitszeit und der Mg-lichkeit, tarifliche Altersvorsor-ge und Demografie-Leistungen in Anspruch zu nehmen, er-hlt der berwiegende Teil der Belegschaft vor allem mehr Geld. Alle sind jetzt transpa-rent und fair eingruppiert. Ein Mitarbeiter im Versand verdient seit Monatsanfang 2316 statt 1725 Euro brutto

    Eine Zukunft dank TarifvertragEPPELHEIM | 270 Beschftigte der Merck-Tochter Heipha erhalten bis 2020 den vollen Chemie-Tarif

    wie noch Anfang 2012. Das sind 85 Prozent des Chemie-Tarifs. Bis zum Jahr 2020 er-hht sich der Satz auf 2725 Euro, sagt Schfer. Und trotz hherer Personalkosten will die Darmstdter Konzern- mutter Heipha zukunftsfit machen: Noch in diesem Jahr investiert Merck dort zwei Millionen Euro.

    Die Stimmung in der Abteilung hat sich seit dem Abschluss deutlich verbessert, sagt Qualittskontrolleurin Conny Thieme. Ihre Kollegin Inge Fink, seit 20 Jahren im Be-trieb, schtzt darber hinaus den stufenweisen Abbau der

    Wochenarbeitszeit. Ich muss-te aus gesundheitlichen Grn-den vor zwei Jahren krzer tre-ten. Jetzt, mit 53, bin ich froh um jede Stunde, die ich bei gleichem Geld weniger arbei-ten muss, sagt sie.

    Wir hatten von Anfang an das Ziel, dass es zu einem Tarifvertrag und der Mitglied-schaft im Arbeitgeberverband kommen muss, sagt Uwe Kirschner, stellvertretender Be-triebsratsvorsitzender. Die Be-harrlichkeit, mit denen die Arbeitnehmervertreter ihr Ziel ber insgesamt drei Jahre lang verfolgt haben, hat sich ausge-zahlt. Axel Stefan Sonntag

    Krachende Niederlage fr NeupackHAMBURG | Betriebsrat bespitzelt: Klage des Verpackungsherstellers abgewiesen

    Der Einsatz von Detektiven gegen einen krankge-schriebenen Mitarbeiter greift in die Persnlichkeitsrechte ein und ist ohne Verdachtsgrund unzulssig: Mit dieser Argu-mentation wies das Hambur-ger Arbeitsgericht jetzt die jngste Zustimmungserset-zungsklage des Verpackungs-herstellers Neupack zur Kn-digung seines Betriebsrats- vorsitzenden zurck. Das Un-ternehmen hatte Murat Gnes

    mit der Begrndung entlassen wollen, er habe eine Krankheit nur vorgetuscht. Um das zu beweisen, hatte ein Detektiv Gnes und seine Familie wo-chenlang verfolgt und Berichte ber seine Bewegungen wh-rend der Arbeitsunfhigkeit verfasst. Der Arbeitgeber ver-suchte sogar die Vertrauens-wrdigkeit des behandelnden Arztes beim Ausschreiben von Krankschreibungen in Zweifel zu ziehen. Harald Humburg,

    Rechtsanwalt des Betriebsrats, vermutet als Motiv hinter die-sen Aktionen Union Busting, die absichtliche Zerstrung ge- werkschaftlicher Aktivitten im Betrieb: Das Unternehmen will Murat Gnes loswerden wegen des Streiks vor zwei Jah-ren, sagt er. In diesem Fall ziel-te die Zerstrung auf den Men-schen selbst: Eine derartige Verfolgung und solche Prozesse kann man nur durchhalten, wenn man eine so enorme So-

    lidaritt erfhrt wie Murat G-nes, sagt Gewerkschaftssekre-tr Rajko Pientka. Sigrid Thomsenber einen weiteren Fall von Mitarbeiterbespitzelung berich-ten wir ausfhrlich im Internet:

    Sie haben Grund zur Freude: Die Beschftigten der Merck-Tochter Heipha bekommen ab sofort deutlich mehr Geld und weitere tarifliche Leistungen.

    www.igbce.de/kompakt

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    > VOR ORT AKTUELLES

    S tatussymbole? Brau-chen Dieter Sauter und seine Kollegen von Boehringer Ingelheim in Bibe-rach nicht. Behinderte Kinder zum Lachen zu bringen oder Erwachsene mit Handicap ih-ren Umzug zu ermglichen, das gibt uns viel mehr, sagen sie. Mit rund 21 Kollegen aus dem Werkschutz- sowie dem Be-triebsrats-Team organisieren sie seit zehn Jahren Wohnungsum-zge fr kr- perlich oder psychisch Ein-geschrnkte, mitsamt allen anfallenden, handwerklichen Arbeiten. Zustz-lich veranstaltet die Gruppe jedes Jahr im Juli ihr Mitein-ander-Fest fr bis zu 300 be-hinderte Mitmenschen. Alles ehrenamtlich.

    Menschen mit Behinderung mssen auf so vieles verzich-ten, was fr uns selbstverstnd-lich ist, sagt Betriebsrat Sauter. Der 50-Jhrige hat im Team den Hut auf, die Idee zum Pro-

    Gelebte (Mit-)MenschlichkeitBIBERACH | IG-BCE-Mitglieder untersttzen Behinderte beim Wohnungsumzug

    jekt stammt von ihm. Ein Woh-nungsumzug sei fr viele ein Mammutvorhaben, das ohne fremde Hilfe gar nicht zu stem-men ist, sagt er. Da ist es hilf-reich, wenn Mitglieder des Teams noch einen zweiten, meist handwerklichen Beruf er-lernt haben. Wie Sauter, der

    sich als versierter Installateur nach dem Mbel auseinander-bauen, Kisten schleppen und Anstreichen auch noch um die Abflsse in Bad und Kche kmmert.

    Die 21 sind ein perfekt eingespieltes Team, in dem jeder das macht, was er am besten kann. Die Umzugster-mine sind meist auf 14 Uhr

    gelegt, um die Teilnahme mglichst vieler Schichtkolle-gen zu ermglichen. Sogar drei Schichtleiter packen dann mit an. Boehringer un-tersttzt die zu fast drei Vier-teln gewerkschaftlich organi-sierten Werkschutzkrfte mit Transporthilfen, Feuerwehr-

    wagen und ei-nem Budget fr das alljhrliche Miteinander-Fest. Sauter orga-nisiert Zeltauf-bau, Bewirtung, Dosen- und Tor-wandschieen, Letzteres durch-aus auch mal mit prominenten Gsten wie VfB-Stuttgart-Legen-de Gnther Schfer.

    Mit ihrem Einsatz haben die Werkschutzfachkrfte den zweiten Platz beim Ehren-amtspreis Baden-Wrttemberg belegt unter rund 1200 Ein-sendungen. Der bescheidene Kommentar der Umzugshel-fer: Wir wussten gar nicht, dass man uns angemeldet hatte.

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    Tarifmeldungen

    KOMMUNIKATION | Die Tarifkommissionen von IG BCE und BT Germany einigten sich auf ein unbefristetes bernahmeangebot fr Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr. Rckwirkend zum 1. April 2014 wird der variable Anteil (verbleibende 5 Prozent) als monatliche Garantie ausgezahlt und beim ChemiePensionsfonds be- rcksichtigt. Die ursprng-lichen 15 Prozent variable Vergtung werden dauerhaft als monatliche Garantie gezahlt. Bei den V-Gruppen erfolgt dies analog. Die Enttgelttabelle ist zum 31. Dezember 2015 kndbar.

    KALK UND DOLOMIT II | Die Tarifkommission der Kalk- und Dolomitindustrie in Nie- dersachsen, Sachsen-Anhalt und den Fels-Werken Rders- dorf hat ihre Forderung fr die Tarifrunde 2015 beschlossen. Diese sieht eine Erhhung der Lhne, Gehlter und Aus- bildungsvergtungen um 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten sowie den verbindlichen Einstieg in einen Demografie-Tarifver-trag vor. Die Verhandlungen begannen am 15. Juni.

    www.igbce.de/tarife

    Ein eingespieltes Team: die ehrenamtlichen Umzugshelfer von Boehringer Ingelheim.

    Papier: Erhhung um 4,8 ProzentDARMSTADT | IG BCE und Arbeitgeber einigen sich in zweiter Runde auf ein Ergebnis

    Das Tarifpaket fr die 50 000 Beschftigten der Papierindustrie ist geschnrt. Ab 1. Juli 2015 steigen die Lhne und Gehlter um 2,4 Prozent, ab 1. September 2016 um weitere 2,4 Prozent. Analog steigen die Ausbil-dungsvergtungen um jeweils

    25 Euro. Der neue Tarifver-trag luft 24 Monate. Darauf haben sich IG BCE und Pa-pier-Arbeitgeber am 12. Juni geeinigt.

    Das ist ein guter Abschluss. Die Menschen bekommen sprbar mehr Geld. Das wre so bei einer krzeren Laufzeit

    nicht mglich gewesen, sagt Frank Eschenauer, Betriebs-ratsvorsitzender bei Zanders in Bergisch Gladbach. Esche-nauer hat als Mitglied der kleinen Tarifkommission die Verhandlungen und die Er-gebnisfindung aus nchster Nhe begleitet. red

    HOHLGLAS | Die Beschftig-ten von Ardagh Glass, Heye International und UniMould erhalten ab 1. August 2015 525 Euro mehr Entgelt in den ersten sieben Monaten und weitere 4,2 Prozent tabellen-wirksame Entgelterhhung in der Laufzeit. Auch die Auszubildendenvergtungen werden erhht. Vertragsende: 30. Juni 2017.

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    Industrie 4.0: Betriebsrte wollen mitredenBERLIN | Tenor des Treffens mit Bundespolitikern: Ohne Mitbestimmung geht es nicht

    Rund 40 Betriebsrte aus den Bezirken Stuttgart, Karlsruhe und Mainfranken reisten im Juni zu einer politi-schen Klausurtagung mit hoch-rangigen Bundespolitikern nach Berlin. Das zentrale The-ma: Industrie 4.0. Wir wollen der Politik verdeutlichen, dass die Vernetzung und Automati-sierung der Produktion im Sin-ne der Arbeitnehmer erfolgen muss, sagt Andreas Klose, IG-BCE-Bezirksleiter in Stuttgart.

    Mit SPD-Fraktionschef Tho-mas Oppermann und seinem Stellvertreter Hubertus Heil diskutierten die Gewerkschaf-

    ter Chancen und Risiken. Ei-nerseits bringt die Technik den Unternehmen Produktivitts-fortschritte, andererseits geht es um Entgrenzung von Arbeit, die Frage der Geltung von Ta-

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    Fr Ungelernte braucht es dringend Qualifizie-rungsmanahmen.

    Klaus Kreidler Betriebsratsvorsitzender Frank Plastic AG

    Die neuen Digitaldruck-maschinen werden Arbeitspltze kosten.

    Manfred Hfler Betriebsratsvorsitzender Transfertex GmbH

    rifvertrgen und digitale Aus-beutungsfallen, unterstrich Heil. Fest stehe: Der technische Fortschritt kommt. Und hier muss Mitbestimmung gegeben sein. Als Erfolg verbuchen die

    In Zukunft trgt jedes von uns produzierte Hftgelenk einen Chip.

    Jrgen Klemenz Betriebsratsvorsitzender CeramTec GmbH

    Bezirksvorstnde, dass sich der Staatssekretr im Bundeswirt-schaftsministerium Matthias Machnig dafr einsetzen will, die IG BCE in die Arbeit der Plattform Industrie 4.0 einzu-binden: Denn auch der von euch vertretene Industriebe-reich ist bei dem Austausch wichtig, sagte Machnig.

    Klaus Kreidler, Betriebsrats-vorsitzender von Frank Plastic, warb bei SPD-Generalsekret-rin Yasmin Fahimi und Gabrie-le Katzmarek, MdB, dafr, dass Betriebe verstrkt in Aus- und Weiterbildung investieren kn-nen. Ungelernte trifft Indus-trie 4.0 mit voller Wucht. Arbeitnehmer, die bei uns ein-fache Montagettigkeiten aus-fhren, mssen die Chance haben, mit der technischen Entwicklung und Digitalisie-rung Schritt halten zu kn-nen, betonte er. son

    Wandel gestalten HANNOVER | Fachtagung Demografie

    Deutschland wird lter, das Durchschnittsalter in den Betrieben steigt die demografische Entwick-lung stellt unsere Gesellschaft insgesamt vor enorme Heraus-forderungen. Die IG BCE ge-staltet den Wandel.

    In der chemischen Industrie hat die IG BCE mit dem bereits 2008 abgeschlossenen Tarif-vertrag Lebensarbeitszeit und Demografie einen Meilen-stein gesetzt. Dieses unter- dessen mehrfach erweiterte Abkommen hat die Hand-lungsspielrume der Betriebs-rte und Geschftsfhrungen erheblich erweitert. Langzeit-

    konten, Altersvorsorge oder lebensphasenorientierte Ar-beitszeiten haben den Praxis-test bestanden.

    Auch in anderen Branchen beispielsweise in der Papier-, Kautschuk- und Kunststoffin-dustrie gibt es tarifpolitische Fortschritte. Doch diesen ers-ten Schritten mssen weitere folgen, der Prozess ist noch lngst nicht abgeschlossen. Es besteht tariflicher Handlungs-bedarf.

    Bestandsaufnahme und Aus-blick standen im Mittelpunkt einer Fachtagung zur demo-grafischen Entwicklung Mitte Juni in der IG-BCE-Hauptver-

    waltung in Hannover. Rund 150 Betriebsrte, Wissenschaft-ler und Arbeitgebervertreter diskutierten Anforderungen an neue Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt. Im Fokus standen Themen rund um die Gesundheit und den Abbau von Belastungen. Dabei geht es nicht allein um die lteren

    Beschftigten, das wre der falsche Ansatz, sagt IG- BCE-Tarifpolitiker Peter Haus-mann. Wir brauchen ein ge-samtheitliches Konzept, das auf eine komplette Erwerbs-biografie ausgerichtet ist und die verschiedenen Lebens-phasen angemessen berck-sichtigt. md

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    bergabe des IG-BCE-Positionspapiers zu Industrie 4.0 an die Politik.

    Wir brauchen ein gesamtheitliches Konzept. IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann entwickelt die Schwerpunkte der knftigen Demografie-Politik.

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  • > VOR ORT BADEN-WRTTEMBERG

    28 | kompakt | Juli/August 2015

    Der Sozialplan stehtBBLINGEN | Johnson Controls schliet 2016

    Nach einer jahrelangen Hin-haltetaktik ist jetzt klar: Der Daimler-Zulieferer Johnson Controls schliet im April 2016 sein Werk in Bblingen. Betriebsrat und IG BCE hatten bis zuletzt fr Nachfolge- und Alternativauftrge gekmpft, doch: Das Preisdiktat der

    Automobilindustrie trifft die deutschen Zulieferer und da-mit uns, sagt Betriebsratsvor-sitzender Eberhard Mller er-nchternd. Wir waren 20 Jah-

    re lang profitabel, aber jetzt war der Kostendruck im Ver-gleich zu Osteuropa zu gro.

    Zumindest haben die Ar-beitnehmervertreter fr die rund 200 Mitarbeiter, die Tr-verkleidungen und Dachhim-mel fr verschiedene Daimler-Klassen fertigen, eine gute

    soziale Abfederung er-reicht. Ein Sozialplan dieses Ausmaes ist eigentlich eher in der Chemie- und Pharma-branche blich, ver-gleicht Bezirksleiter An-

    dreas Klose. Vereinbart ist ein guter

    (Klose) Sockelbetrag, Regelun-gen fr Mitarbeiter, die nahe an der Rente sind sowie ein

    besonderer Nach-teilsausgleich, der die Betriebszuge-hrigkeit berck-sichtigt. Nicht un-wichtig, sind doch gut zwei Drittel der Belegschaft schon rund 20 Jahre im Werk. Zudem hat Johnson Controls den Widerstand gegen eine Transfergesellschaft aufgege-ben. Nach Ablauf der Kndi-gungsfrist flieen bis zu zehn Monate lang zwischen 80 und 87 Prozent des derzeitigen Lohns, verspricht Klose. Zeit, die Betriebsrat und Bezirk dazu nutzen wollen, im Zusam-menspiel mit anderen Betriebs-

    rten und Kollegen anderer Ge-werkschaften Jobs zu suchen.

    Wir haben rausgeholt, was mglich war. Aber nur, weil wir hier gewerkschaftlich so gut aufgestellt sind, dass ent-sprechender Druck in den Ver-handlungen sprbar war, sagt Peter Maier, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender.

    Jugend prsentiert InhalteFREIBURG | Neu gewhlter Bezirksjugendausschuss stellt Themen vor

    Die sdbadische Gewerk-schaftsjugend stellt sich per-sonell neu auf: Vivien Baida ist neu gewhlte Vorsitzende des Bezirksjugendausschusses (BJA), Melissa Amsler vertritt sie. Das Jugendmandat im Bezirksvorstand hat Celine Rohne inne. Inhaltlich hat sich der BJA fr die kommen-den Monate insbesondere die Themen Berufsschule, eine gerechte Altersvorsorge und die Diskriminierung im Alltag auf seine Agenda gesetzt.

    Unter den Auszubildenden macht sich immer mehr Un-mut ber die Berufsschulen breit. Zum einen liegt dies vermutlich am hohen Fach-krftemangel, zum anderen an organisatorischen Fehltrit-ten, kritisiert Melissa Amsler, Jugend- und Auszubildenden-

    vertreterin bei Evonik. Das habe negative Auswirkungen auf die Auszubildenden und deren Ausbildung. Wir wol-len uns dafr stark machen, dass sich etwas positiv vern-dert. Zu einer guten Lehre ge-hrt ein qualitativ hochwer-tiger Berufsschulunterricht. Dies werde man bei Lehrern, Direktoren und Schulspre-chern ansprechen.

    Beim Thema Altersvorsor-ge will der BJA einen Experten einladen, der die Jugendlichen ber das Rentensystem mit-samt den Mglichkeiten der Altersvorsorge aufklrt. Diese Informationen sollen im An-schluss in die Betriebe zu den jungen Menschen gelangen, sagt Sophie Schrems, JAV- und Jugendreferentin im Bezirk. Zudem wolle das Gewerk-

    schaftsgremium die bereits an-gestoene Diskussion um die Flchtlingspolitik auf die der alltglichen Diskriminierung ausweiten.

    Wir freuen uns sehr, dass wir mit einem engagier-ten Gewerkschaftsnachwuchs eine lebhafte und aktive Ju-

    gendarbeit vor Ort gestalten knnen und die Jugend sich klar positioniert, so Schrems weiter.

    Neu bestimmt wurden auch die Vertreter fr den Landes-bezirksjugendausschuss, dies sind: Jaqueline Henn, Markus Streule und Lisa Maczkowski.

    Nachdem der politische Fahrplan aufgestellt war, zog es die Bezirks-jugend zu einer Runde Lasertag.

    Haben herausgeholt, was ging: Peter Maier, Eberhard Mller und Andreas Klose (von links).

    Premium-Marke und Preisdiktat passen nicht zusamment.

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  • 29kompakt | Juli/August 2015 |

    Vor TarifverhandlungenNIEFERN | Synlab-Tarifkommission bespricht Strategie

    Hin zum Tarifvertrag: Das ist das erklrte Ziel der zwei Tarif-kommissionen, die sich fr die beiden Synlab-Standorte Leinfelden-Echterdingen und Eppelheim zusammengeschlos-sen haben. Synlab, ein Ver-bund aus medizinischen Labo-ratorien in Deutschland und

    anderen Lndern, beschftigt europaweit rund 7000 Mit- arbeiter, rund 4500 davon in der Bundesrepublik. Zu den Kunden zhlen insbesondere Arztpraxen und Kliniken, die bei Synlab human- und veteri-

    nrmedizinische Labordienst- leistungen (beispielsweise die Analyse von Blutproben) in Auftrag geben.

    Von der Branche her, aber auch was die Mitbewerber be-trifft, ist klar, dass ein Tarifver-trag die Grundwerte des Che-mie-Tarifvertrages darstellen

    muss. Das ist die Basis fr die Tarifge-sprche, sagt Frank Heler, stellvertre-tender Landesbe-zirksleiter und Ver-handlungsfhrer.

    Ziel ist aber derzeit, den Ar-beitgeber berhaupt erst ein-mal an den Verhandlungstisch zu bekommen, erklrt Heler weiter, und dies in Tarif- gemeinschaft fr beide Stand-orte.

    Koehler feiert Ostern im JuniOBERKIRCH | Betriebsrte stimmten ein zur Papiertarifrunde

    Vor der zweiten Verhand-lungsrunde fr die bundes-weit rund 50 000 Beschftig-ten in der Papierindustrie fanden gleich an mehreren Standorten der baden-wrt-tembergischen Papierbranche Tarifaktionen statt. Beispiel-

    haft seien die der Arbeit- nehmervertreter von Koehler genannt, die am Stammsitz Oberkirch gleich zweimal zur Tat schritten.

    An ausgewhlten Pltzen im Werk etwa an Raucher-inseln und in Teekchen der

    Verwaltung verteilten die Kollegen rund 100 Osterhasen. Wenn man so eine Aktion neun Wochen nach Ostern umsetzt, kommt man natrlich gleich ins Ge-sprch, be-grndet Tho-mas Lampart,

    Betriebsratsvorsitzen-der und Mitglied der Bundestarifkommis-sion. Genau das ist Sinn und Zweck. Und die daraus resultieren-den Small Talks ha-ben uns gezeigt, wie absolut gerechtfertigt unsere Forderung nach deutlich mehr Geld ist. Schlielich habe man eine reine Entgeltrunde verhan-delt.

    Zudem verteilten die Koeh-ler-Betriebsrte und Vertrau-ensleute vor dem Werktor Flugbltter mitsamt der frisch gedruckten Betriebsratszei-tung. Auch in ihr haben wir die laufende Tarifrunde ganz-

    seitig aufgegriffen. Lampart ergnzt: Die Belegschaft stand voll und ganz hinter uns. Die Geschfte entwi-ckeln sich mehr als gut, Koehler schttet hohe Ge-winnbeteiligungen aus.

    Hierfr besprachen sich jngst die Vertreter der beiden Gremien mit den Tarifverant-wortlichen der IG BCE. Dabei ging es darum, Ziele und Vor-gehensweise zu besprechen, die bestehenden Arbeitsbedin-gungen an beiden Standorten zu klren und erste Beschlsse zu fassen. Aber auch, mit wel-chen Verbesserungen die rund 60 Arbeitnehmer in Eppelheim und die rund 220 Beschftig-ten in Leinfelden-Echterdingen

    rechnen knnen, so Monika Votteler, Mitglied der Tarif-kommission Baden-Wrttem-berg. Es geht nicht nur um Einkommen, wchentliche Arbeitszeit oder um Urlaub, betont Frank Heler. Natr-lich bietet der Tarifvertrag auch eine langfristige Sicher-heit. Beispielsweise darin, dass sie von knftigen Tarif-abschlssen profitieren und der Tarifvertrag sich weiter-entwickelt.

    Mitglieder der zwei Synlab-Tarifkommissionen setzen sich fr faire Arbeitsbedingungen und -entgelte der Beschftigten ein.

    Ein Tarifvertrag bringt den Beschftigten langfristige Sicherheit.

    Frank Heler

    Flugblatt und Betriebsratszeitung widme-ten sich der laufenden Papiertarifrunde.

    Ostern ist vorbei, die Tarifrunde aber noch lange nicht, lautete das Motto.

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  • > VOR ORT BAYERN

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    Weitere Infos im Internet: www.bayern.igbce.de

    LandesbezirksjugendtreffenMARKELFINGEN | Die Themen Solidaritt und Akzeptanz stan-den im Mittelpunkt des gemeinsamen Ju-gendtreffens der Lan-desbezirke Bayern und Baden-Wrttem-berg. Am zweiten Juni-Wochenende waren 70 junge Gewerk-schaftsmitglieder aus Bayern auf den Zeltplatz am westlichen Bodensee gekommen. Mit fantasievollen Aktionen zeigten sie, welche Hindernisse Menschen zu berwinden haben, die in Deutschland einen sicheren Ort zum Leben suchen.

    So hatte der Bezirksjugendausschuss Mnchen beispiels-weise den Weg aufgezeigt, den die Asylsuchenden berwin-den mssen, um nach Europa zu kommen und in welche Gefahren sie sich begeben. Wie die Lebensumstnde der Asyl suchenden Menschen in Deutschland aktuell aussehen,

    wurde im Bezirk Kel-heim-Zwiesel in der Bad-Hhle gezeigt. In der Good-Hhle (Foto links) konnten die Teilnehmer ihre Vorstellungen von gu-ter Unterbringung an-schlieend diskutie-

    ren. Beim Fotoshooting der Bezirksjugend Nrnberg waren die Teilnehmenden aufgefordert, ihr persnliches Statement fr Toleranz abzugeben (Foto oben). Sport, Disco und Kaba-rett kamen ebenfalls nicht zu kurz. Und das traditionelle Spanferkel durfte auch nicht fehlen (Foto unten).

    Landesjugendsekretr Manuel Rendla: Wir hatten viel Spa, dem selbst gewhltem Thema Solidaritt und Akzep-tanz sind mehr als Superkrfte auf kreative Weise nherzu- kommen. Solidaritt und Akzeptanz sind Werte, die nie an Bedeutung ver-lieren und bewahrt werden mssen. Im nchsten Jahr ist dann wieder ein Bundesjugendtref-fen aller acht Lan-desbezirke geplant.

    Werberhitparade9 Aufnahmen: Harald Hesse (Salamander Industriepark, Trkheim); 5 Aufnahmen: Ludwig Bauer (SMP, Neustadt), Norbert Lechermann (SMP, Neustadt), Wolfgang Semler (SMP, Neustadt), Stefan Schmidt (SMP, Neustadt).

    Wir verdienen mehr!MNCHEN | Nur gemeinsam stark in den Tarifrunden

    Um die Arbeitgeber zu ordent-lichen Angeboten zu bewegen, war die zweite Juni-Woche geprgt von Aktionstagen zu den laufenden Tarifverhand-lungen. Sowohl im Tarif- bereich Papier als auch im Bereich Kunststoff zeigten Be-schftigte Flagge fr die Forde-rungen ihrer Gewerkschaft.

    Fr die Papierindustrie konnte dann bereits in der zweiten Runde ein Ergebnis erzielt werden (siehe auch Seite 26).

    Fr die bayerischen Kunst-stoffbeschftigten heit es: weiter Druck machen. Hier endete auch die zweite Tarif- verhandlung am 10. Juni ohne konkretes Ergebnis. Am 15. Juli wird weiterverhandelt.

    Neben der Weiterentwick-lung des Demografie-Tarifver-trags fordert die IG BCE eine Erhhung der Lhne und Ge-

    hlter um 4,8 Prozent so- wie der Azubivergtungen um 75 Euro. Auerdem soll das Urlaubsgeld deutlich erhht werden.

    Unter den Tarifvertrag Kunst-stoff fallen rund 20 000 Be-schftigte; im Tarifbereich Papier sind in Bayern rund 8100 Menschen beschftigt.

    N A M E N & N A C H R I C H T E N

    Gebt uns 5! Aktionen zur Papiertarifrunde bei Rieger im Bezirk Alttting und bei der Wellpappe Alzenau im Bezirk Mainfranken.

    Imbiss und Informationen Aktionen zur Tarifrunde Kunststoff gab es auch bei Takata im Bezirk Mainfranken und bei Uvex im Be-zirk Nrnberg.

    Ein fairer Partner bezahlt auch fair. Kunststoffaktionstag bei Oechsler in Ansbach mit 400 Teil-nehmenden.

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    Druckfrisch: Vertrauensleute von Wacker ver-teilen die Zeitung vor der letzten Betriebsver-sammlung am 23. April.

    Die Anziehungskraft des GegenpolBURGHAUSEN | Seit 25 Jahren produzieren die Vertrauensleute von Wacker Chemie eine eigene Zeitung

    Es ist eine besondere Ausgabe, die die IG-BCE-Vertrauens-leute von Wacker Chemie auf der Betriebsversammlung am 9. Juli vor der Aula des Beleg-schaftshauses verteilen wol-len: Bereits zum 100. Mal er-scheint dann Gegenpol, eine Zeitung fr Mitarbeiter, die den Burghau-sener Kon-zern mit In-formationen, Meinungen und Berichten aus dem an-deren Blick-winkel erklrt. So steht es auch im Titel.

    Seit 25 Jahren wird das Me-dium im DIN-A3-Format pro-duziert und das alle drei Mona-te. Mit ihren von Betriebsrten und Vertrauensleuten verfass-ten Berichten stt sie immer wieder auf viel Interesse. Nicht nur, wenn es um Besetzungen im Management geht, um Tarifvertrge, Datensicherheit, Outsourcing-Plne oder die Verpflegung im Konzern.

    Erst krzlich wieder hat ein Gegenpol-Bericht Furore bis in

    die Vorstandsetage gemacht: Es ging um eine Statistik, die belegt, dass sich die Fehl- zeiten der auertariflich Ange-stellten bei Wacker innerhalb von sieben Jahren verdoppelt haben.

    Zurzeit liegt die Auflage des von der IG BCE Alttting

    finanzierten Gegenpol bei 2500 Exemplaren, einige da-von gehen an die anderen Wacker-Standorte und an Kol-legen in Betrieben aus der Nachbarschaft. Parallel wird die Zeitung digital im Intranet verffentlicht.

    Einer der engagiertesten Ma-cher ist Betriebsrat Peter ldo-z. Der heute 55-Jhrige, der schon seit 1983 bei Wacker arbeitet, hat den Start von Gegenpol 1990 mit Kollegen initiiert. Es war ohnehin eine Phase des Umbruchs in Be-

    triebsrat und Unternehmen. Wir wollten damals die Beleg-schaft mit unseren Impulsen fr wichtige Themen und Vernderungen sensibilisieren und das tun wir bis heute, sagt der Gegenpol-Macher. Wo- bei die Zeiten der Einmi-schungsversuche durch den Vorstand glcklicherweise lngst vorbei seien.

    Erfahrungen mit der Me- dienproduktion hatte ldoz schon frher bei Schlerzei-tungen und Stadtblttern ge-sammelt. Damals, zu Beginn, war die Entstehung des Blattes viel Bastelarbeit oft auch nachts und am Wochenende: berschriften wurden mit Klebebuchstaben auf Druck-vorlagen gerubbelt und Texte einzeln aufgeklebt.

    All das ist lngst digitialisiert, mit Ausnahme der Thementafel fr den Gegenpol, die im Besprechungs-raum des Betriebs-rates steht. Bis zu 15 Themen wer-

    den auf ihr whrend der morgendlichen Besprechun-gen mit Filzstift fr jede Aus-gabe notiert, auch die fr die Nummer 100.

    Fertiggestellt wird die Pub-likation dann erst wenige Tage vor der Betriebsver-sammlung, die auch wegen des Drucktermins stets an einem Donnerstag statt- findet. Die Druckerei liefert erst Mittwochabend.

    Das Management ist b-rigens immer ganz scharf drauf, auch aktuelle Ausga-ben zu bekommen, erzhlt ldoz. Weil die oft erst durch uns erfahren, was ge-rade in der Belegschaft be-sonders diskutiert wird.

    25 Jahre Gegenpol: die Titelseiten der Ausgaben 1, 50 und 99.

    Wir wollen die Beleg-schaft mit unseren Impulsen sensibilisieren.

    Peter ldoz, Betriebsrat

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  • > VOR ORT HESSEN-THRINGEN

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