Krisengeschichte(n) - boris.unibe.ch · besonders S. l-10; Rohr: Naturereignisse, S. 517-546. 2...

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Vierteljahrsch rift r Sozia l- u nd Wi rtschaftsgesch ichte - Bei hefte Franz Steiner Verlag Carla Meyer / Katja Patzel-M attern / Gerrit Jasper Schenk (Hg.) Krisengeschichte(n) ,,Krise" als Leitbegriff und Erzählmuster in kulturwis s enschaftliche r Perspektive Band zro -9 Sonderdruck aus: Franz Steiner Verlag zot3

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  • Vierteljahrsch rift f r Sozia l- u nd Wi rtschaftsgesch ichte - Bei hefte

    Franz Steiner Verlag

    Carla Meyer / Katja Patzel-M attern /Gerrit Jasper Schenk (Hg.)

    Krisengeschichte(n)

    ,,Krise" als Leitbegriff und Erzhlmuster

    in kulturwis s enschaftliche r Perspektive

    Band zro

    -9

    Sonderdruck aus:

    Franz Steiner Verlag zot3

  • INHAUTSVERZEICHNIS

    Vorwort und Danksagung

    Krisengeschichte(n).,,Krise" als Leitbegriff und Erzhlmusterin kulturwissenschaftlicher Perspektive - eine EinfhrungCarla Meyer, Katja Patzel-Mattern und Geruit Jasper Schenk

    I. DIE,,KRISE" ALS LEITBEGRIPP IM TRANSDISZIPLINAREN25

    Carla Meyer, Katja Patzel-Mattern und Geryit Jasper Schenk

    Der Begriff der Krise in der PsychologieJrgen Straub

    Krise aus einer wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive.Einige Uberlegungen zur Entwicklung eines Terminologiesystemsund zur Eignung organisationstheoretischer ErklrungsanstzeMichael Hlsmann, Philip Cordes

    Von der Naturkatastrophe zur Modernisierungskrise?Ein ethnologischer Blick auf kulturspezifische Variantenim Umgang mit Erdbeben und TsunamisAnnette Hornbacher

    Krise als Erzhlung und Metapher: Literaturwissenschaftliche Bausteinefr eine Metaphorologie und Narratologie von KrisenAnsgar Nnning

    Zwischen Normabweichung und Revolution -,Krise' in der GeschichtswissenschaftJan Marco Sawilla

    145

    II. DIE ,,KRISE" ALS MODELLZUF. DEUTUNG VON GESCHICHTEUND DIE HERMENEUTISCHEN KONSEQUENZEN SOLCHER

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    A. WIE LASST SICH DIE KRISE BEGREIFEN?Begriffe, Konzepte und Erzh1muster............ n5Gerrit Jasper Schenk

    Vormoderne Sattelzeit? Disastro, Katastrophe, Strafgericht -'Worte, Begriffe und Konzepte fr rapiden Wandel im langen Mittelalter....... I77Gerrit Jasper Schenk

    Alte Bcher fr neue Krisen. Die Sallust-Rezeptionin der sptmittelalterlichen ChronistikCarla Meyer

    ,,Unsagbares Grauen". Erzhlmuster der Medienberichterstattungber die Explosionsunglcke bei der BASF 1921 und 1948....Katja Patzel-Mattern

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    Risikoverhalten und ,Strfallkrisen' in der chemischen Industrie.Eine untemehmensgeschichtliche Perspektive ...... 281Thilo Jungkind

    B. WIE LSST SICH DIE KRISE DEUTEN?Aufstieg und Niedergang als InterpretationsmodelleCarla Meyer

    Das Hochmittelalter als Krise? Ein Essayzum Profil institutioneller StrukturenChristoph Dartmann

    Wie die Krise den Niedergang als Reform erfasst. Der Diskursber zeitgenssische Republiken um 1700 ..Urte Weeber

    Die Darstellung der ,Terrorismus-Krise' im Neuen Deutschen Filmder 1970er JahreCordia Baumann

    C. V/IE LASST SICH DER KRISE BEGEGNEN?Risiko- und ExpertendiskurseKatja Patzel-Mattern

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? AstrologischeExpertendiskurse ber Krisen und Naturrisiken im spten Mittelalterund am Beginn der Neuzeit.Christian Rohr

    ,,Krisenkommunikation". Modellbildung und das empirische Beispielder Teuerungskrisen l77l7 2, I 8 16/1 8, 1845 I 46im sdwestdeutschen RaumClemens Zimmermann

    ,,Auf meine Seele legte sich wie ein Alp die in letzter Zeit so hufigwiederkehrende Furcht vor einem nahenden Unheil." Krisenstimmungund Gewalt in Deutsch-SdwestafrikaDominik J. Schaller

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    DISKURS...

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    Register

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    MACHT DER STERNE, ALLMACHT GOTTESODER LAUNE DER NATUR?

    ASTROLOGISCHE EXPERTENDISKURSE spn KRISENUND NATURRISIKEN TIT,T SPRTEN MITTELALTER

    UNDAM BEGINN DER NEUZEIT

    Christian Rohr

    Einleitung: Kosmische Zeichen, Katastrophen und die Apokalypse in der Bibel

    Schon seit den prhistorischen Kulturen, besonders aber in den frhen Hochkultu-ren des vorderen orients, ostasiens und Mittelamerikas sowie bei den Griechenund Rmern beobachteten die Menschen genau den Lauf der Sterne und Planeten.Bestimmte Sternenkonstellationen, Sonnen- und Mondfinsternisse sowie Kometen-erscheinungen erregten dabei ihr besonderes Interesse. Im Unterschied zum heuti-gen Denken wurden sie - da sie ja ebenfalls ein Teil der Natur waren - gleichsamals ,,Naturkatastrophen" wahrgenommen, da sie in der Tradition der antiken undfrhmittelalterlichen naturkundlichen Literatur fr Folgewirkungen wie Seuchen,Krieg oder Tod verantwortlich gemacht wurden.l An den kosmischen Zeichen lsstsich besonders gut erkennen, wie durch die menschliche Wahrnehmung und Deu-tung ein - rational gesehen - harmloses kosmisches Phnomen zur ,,astrologi-schen", d. h. von den Astrologen ,,gemachten" Katastrophe werden kann.

    Im Alten und Neuen Testament werden auergewhnliche Himmelserschei-nungen, besonders aber Sonnennsternisse und die Rotverfrbung des Mondes, mitdem Jngsten Gericht in Verbindung gebracht.2 In den Evangelien verweist Jesusselbst auf die kosmischen Erscheinungen am Ende der welt: Die Sonne werde sichverfinstem, der Mond nicht mehr scheinen und die Sterne vom Himmel fallen.3

    Auch die Sonnenfinsternis beim Tode Jesu wird schon im alttestamentlichenBuch Amos angekndigt.a Diese dauerte nach den Berichten in den Evangelienvon der sechsten bis zur neunten stunde, also von Mittag bis etwa l5 uhr.5 Beglei-tet wurde die Sonnenfinsternis von einem schweren Erdbeben.6

    Nach der Offenbarung des Johannes spielen kosmische Zeichen auch vor undbeim Jngsten Gericht eine wichtige begleitende Rolle: Beim ffnen des sechsten

    I Vgl. Fumagalli: Himmel, S. 13-24; Meier: Archologie, S. 255-257; Gindha: Kometenjahr,besonders S. l-10; Rohr: Naturereignisse, S. 517-546.

    2 Joel3,4.3 Matthus 24,29.Markus 13,24f .; Lukas 21, 1l und 25.4 Amos 8,9.5 Matthus 27, 45; Markus 15, 33; Lukas 23,44. Matthus 27,51.

  • 362 Christian Rohr

    Siegels erhebe sich nicht nur ein gewaltiges Erdbeben, sondern auch die Sonneverdunkle sich, der Mond werde blutrot und die Sterne fielen vom Himmel. DerHimmel selbst rolle sich wie eine Buchrolle ein.7 An Bibelstellen wie dieser zeigtsich deutlich, wie sehr kosmische Zeichen und Naturkatastrophen im religisenDenken eine untrennbare Einheit bilden mussten. Auch beim Erschallen der drittenund vierten Posaune kme es zu schweren kosmischen Strungen.8 Desweiteren sei

    ein zur Erde gefallener Stern beim Erschallen der fnften Posaune dafr verant-

    woflich, dass ein Schacht in den Abgrund fhre, aus dem Heuschrecken ohne Zahlhervorkimen.e Immer wieder ist somit von Stemen die Rede, die auf die Erdefallen. Kometen konnten - ja mussten - den Menschen daher angesichts der Pro-phezeiungen vom Jngsten Gericht Angst bereiten.l0

    Aufgrund der biblischen Bezge verwundef es nicht, dass die Wahrnehmungund Deutung von bestimmten Himmelserscheinungen als Naturkatastrophe undZeichen auch bzw. besonders im christlichen Bereich verbreitet war.

    Himmelsbeobachtung und Prodigienglubigkeit im Mittelalter

    Es waren vor allem mehrere sptantike und frhmittelalterliche Autoritten, die dieMeinung verfestigten, dass einzelne Sternenkonstellationen, Sonnen- und Mond-finsternisse sowie andere kosmische Erscheinungen wie Nordlichter und Strahlen-l

  • 364 Christian Rohr

    darstellen.le Die Erkenntnisse des Aristoteles wurden weitgehend ohne Abwei-chung bemommen; empirische natrliche Forschung war der Scholastik fremd.Allerdings meinte Albertus Magnus, ebenso wie sein wichtigster Schler Thomasvon Aquin (1225-1274), dass die Ursache von Naturereignissen wie Erdbeben inerster Linie bei Gott liege und erst sekundr die natrlichen Reaktionen zum Tragenkmen.

    Grere Breitenwirkung erlangte das aristotelisch-scholastische Gedankengutdes Albertus Magnus schlielich durch das ,Buch der Natur' des Konrad von Me-genberg (1309-1378).20 Der aus Schweinfurt in Mainfranken stammende Gelehrteschuf damit 1349 die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache, die sich aufgrundihrer volkstmlichen Ausdrucksweise rasch groer Verbreitung erfreute undschlielich 1499 erstmals gedruckt wurde. Inhaltlich bernahm Konrad die Er-kenntnisse des Albertus Magnus bzw. Aristoteles, fgte aber durchaus auch eigeneBeobachtungen und weitere zeitgenssische Informationen ein, etwa ber die Heu-schreckenplagen der Jahre 1338-134121 oder das Erdbeben in Krnten und Friaul1348.22 Damit wird Konrad von Megenberg zu einer eigenstndigen und ergiebigen

    Quelle fr die Vy'ahrnehmung und Deutung von extremen Naturereignissen in derMitte des 14. Jahrhunderts, da er Sichtweisen berliefert, die sich in den erzhlen-den oder normativen Quellen nie finden.

    Auch die Annalen und Chroniken des spten Mittelalters zeigen ein ausgespro-chen intensives Interesse an Himmelserscheinungen. Diese stehen damit in einerReihe mit Berichten zu Erdbeben, berschwemmungen und anderen extremen Na-turereignissen. Die Beobachtung und Notierung an sich macht schon deutlich, dassman diesen Phnomenen Symbolcharakter zugeschrieb, auch wenn dies nur zumTeil explizit ausgedrckt wurde. Ob dabei die Konnotationen eher traditionell-astrologisch oder biblisch-apokalyptisch waren, lsst sich anhand der knappen For-mulierungen in den meisten Fllen nicht auseinanderhalten; vermutlich verschwom-men aber beide Deutungsmuster ineinander.

    a) Kometenerscheinungen und ihre Deutung

    Der gelehrte Mnch Gutolf von Heiligenkreuz verfasste im letzten Drittel des 13.Jahrhunderts eine kurze, aber sprachlich hochstehende Chronik, die ,Historia anno-rum 1264-1279'. Den Auslser fr diese Geschichtsdarstellung zu einer der wich-tigsten Umbruchszeiten des Mittelalters bildete vermutlich die Kometenerschei-nung des Jahres 1264, auf die Gutolf ausfhrlich eingeht:

    ,,Im Jahr 1264 von der Fleischwerdung des Herrn wollte der Schpfer allerDinge dieser Welt ein weiteres Zeichen seiner Allmacht zeigen und schickte einen

    19 Albertus Magnus: Meteora lib. I tract. 3 cap. 11, ed. Hossfeld, S. 32.20 Zu Konrad von Megenbergs Leben und Werk vgl. ausfhrlich Hayer: Konrad von Megenberg;

    Spyra: Buch.

    21 Vgl. dazu im Detail Rohr: Naturereignisse, S. 464f. mit Anm. 31.22 Vgl. dazu im Detail ibid., S. Il2-114.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 36s

    wunderschnen Kometen mit Feuerschweif und einem Kopf, der Lichtstreifen zog,in den Himmel. Ja, um es noch deutlicher auszudrcken, er machte damit seineMajestt allen Sterblichen durch ein Feuerzeichen am Himmel deutlich.

    Was dieser Stern als Vorzeichen bedeutet, wird im Buch des Honorius ber dasAussehen der r/elt und von Isidor ganz deutlich gesagt: Wenn nmlich ein Sterndieser Art erscheint, gibt es entweder einen Wechsel am Knigsthron oder Seuchenoder kriegerische Zeiten, wie ein Dichter es mit besonders schnen Worten zusam-mengefasst hat:

    Mit seinem Feuer bringt der selten auftretende Komet Tod und Seuchen, er istein Verknder von Kriegen und wechselt die Diademe der Knige aus.

    r/ir haben schlagende Beweise gefunden, dass sich all das nach dem Erschei-nen dieses Sterns erfllt hat. Denn wenn jemand genau die Ereignisse im Ablauf derJahre betrachtet, seit wir selbst den Kometen mit eigenen Augen gesehen haben, sohaben wir begreifen knnen, dass in den wenigen Jahren seit dem Erscheinen diesesSterns ein schreckliches Morden unter den Menschen auf der Erde auf vielfache,beklagenswerte Weise gewtet hat. Um von dem Geschehenen nur ein wenig vonVielem zu berichten: Kurz nachdem dieser Komet erschien, wurde Konradin [...]gefangen genommen. In derselben Nacht, in der Papst Urban starb, verschwand derKomet."23

    Besonders in allgemeinen Krisen- und Umbruchszeiten wurde Kometen undanderen astronomischen Erscheinungen besondere Aufmerksamkeit zuteil,2a wieim Folgenden noch zu zeigen sein wird. Der Komet von 1264 wurde jedenfalls imsterreichischen Bereich sehr intensiv wahrgenommen. Die Fortsetzung der Zwett-ler Annalen berichtet von der 80 Tage andauernden Kometenerscheinung und fhrtfr die Bedeutung dieses Zeichens eine der grten wissenschaftlichen Autorittendes Mittelalters an: Schon Beda Venerabilis habe betont, dass damit Hunger,schwere Krankheiten, Seuchen, ein Regierungswechsel, eine Verpestung der Luftoder schwere Strme angezeigt wrden.2s Auch in der ,Continuatio Sancrucen-sis II'26 und in den ,Annales Sancti Rudberti'27 aus Salzburg wurde das Erscheinendes Kometen nicht nur erwhnt, sondern auch in seiner Bedeutung erklrt und mitTodesfllen und Kriegen dieser Zeit in Beziehung gesetzt.

    Im Jahr I 3 16 erschien erneut ein Komet, der vom Autor der Knigssaaler Chro-nik (,Chronica Aulae Regiae') aus Bhmen mit der schweren berschwemmungdieses Jahres in sterreich, Bhmen, Polen und Meien in Verbindung gebrachtwurde.28 Dieser Autor gilt allerdings als einer der wenigen Autoren, die grund-

    23 Gutolf von Heiligenkreuz: Historia annorum ad a. 1264, ed. Wattenbach, S. 649f.24 Vgl. allgemein zu den Kometenbeobachtungen im Sptmittelalter Kokott: Kometenbeobach-

    tungen.

    25 Continuatio Zwetlensis III ad a. 1263, ed. Wattenbach, S. 656. Das Ereignis wird in dieserQuelle allerdings (flschlich) aufdas Jahr 1263 dafierl, Vgl. zur Stelle und zum Bezug aufBedaVenerabilis auch Draelants: Temps, S. 123.

    26 Continuatio Sancrucensis II ad a. 1264 (Codices 2 und 4), ed. \Vattenbach, S. 646. Hier rvid eingelehrter etymologischer Exkurs, aufbauend auf Isidor, angefhrt; Deutungen fehlen aber.

    27 Annales Sancti Rudberti Salisburgenses ad a. 1264, ed. Wattenbach, S. 797.28 ChronicaAulae Regiae l, 126-128 ad a. 1316, ed. Loserth, 5.375-379.

  • 366 Christian Rohr

    stzlich derartige Verbindungen zwischen astronomischen Zeichen und Katastro-phen aller Art herstellten. Der so genannte ,Anonymus Leobiensis' bringt die Ko-metenerscheinung konkret mit zwei Katastrophen dieses Jahres in Verbindung:Zum einen habe damals in vielen Lndern eine Rinderpest gewtet, zum anderenhtte die berschwemmung Zerstrungen unerhrten Ausmaes angerichtet.2e

    Die schweren Naturkatastrophen um die Mitte des 14. Jahrhunderts waren ausder Sicht einiger Gelehrter dieser Zeit eine Folge der Kometenerscheinung des Jah-res 1337: Nach Konrad von Megenberg kndigte er das Hereinbrechen der Heu-schreckenplage von 1338 an.30 Johann von Viktring deutete diese Kometener-scheinung unter Berufung auf Isidor von Sevilla allgemeiner als Vorzeichen frzahlreiche Unglcksflle und Plagen; dazu ist, derAnordnung der Berichte folgend,auch die Heuschreckenplage von 1338 zu zh\en.3I Die ,Chronica Aulae Regiae'bringt die Kometenerscheinung allerdings nur mit einem sehr heien und trockenenSommer im selben Jahr in Verbindung, der alle Kruter verbrannt und zu einer ma-geren Weinernte gefhf habe.32 In anderen Quellen wie der Bozner Chronik fehlteine Deutung als Unglck bringendes Vorzeichen jedoch vllig.33

    Dass die Folgen einer Kometenerscheinung in den Augen der Annalisten auchambivalent sein konnten, zeigt die Bemerkung der ,Continuatio Zwetlensis IV'zum Jahr 1361, das Auftreten eines Kometen um Maria Verkndigung (25. Mtz)habe eine reiche Ernte und reiche Frucht gebracht, allerdings auch viel Donner undBlitz. In einem Dorf in der Nhe von Zwettl seien durch Blitzschlag zehn Rindergettet worden.34

    Fr die Zeitzwischen 1400 und 1403 sind erneut mehrere Kometenerscheinun-gen belegt, wobei nicht klar wird, um wie viele es sich tatschlich handelte oder obsich unterschiedlich datierte Nachrichten auf ein und dasselbe Ereignis beziehen.Die Belege dafr stammen aus dem Land Salzburg,35 aus Klosterneuburg,36Melk37 und Zwettl, wobei letztere Quelle, das ,Kalendarium Zwetlense', expliziteine Verbindung mit dem groen Unglck dieser Zeit herstellt, das eine Folge der

    29 Anonymus Leobiensis: Chronicon ad a. 1316, ed. Zahn, S. 33.30 Konrad von Megenberg: Buch der Natur 2, I 1, ed. Pfeiffer, S. 76.3l Johann von Viktring: Liber certarum historiarum 6, 5 ad a. 1336 (!) (Recensio D. A2), ed.

    Schneider, Bd. 2, S. 202: Johann von Viktring stellt sich mit seiner Position, der Komet sei garkein Stem, gegen die Lehrmeinung des lteren Plinius in seine ,Naturalis historia'.

    32 Chonica Aulae Regiae 3, 14 ad a. 133'7 , ed. Loserth, S. 530 f. Sinngem?i wird diese Nachrichtauch bei Franz von Prag: Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae) 3, I I ad a. 133'l , ed.Zachov, S. 166 aufgenommen.

    33 Bozner Chronik zum Jahr 1337 , ed. Masser-Vuketich, S. 79.34 Continuatio Zwetlensis IV ad. a. 1361, ed. Wattenbach, S. 688.35 Nach Hinterseer: Bad Hofgastein, S, 606 verursachte im Jahr 1400 ein KomeT mit langern

    Streimen groen Schrecken in Gastein; danach habe es groe Not und ein groes Sterben gege-

    ben. Genauere Quellenangaben dazu fehlen aber.36 Continuatio Claustroneoburgensis V ad a. 1401, ed. Wattenbach, S.736, mit einer praktisch

    wortwrtlichen bernahme des oben S. 365 mit Anm. 23 wiedergegebenen Eintrags aus Gutolfvon Heiligenkreuz: Historia annorum ad a. 1264. Auch die Kleine Klosterneuburger Chronikzum Jahr 1401, ed. Maschek, S. 295 erwhnt den Kometen.

    37 Continuatio Mellicensis ad a. 1402, ed. Wattenbach, S. 514f.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 367

    Sndhaftigkeit der Menschen sei; zudem sei damals der bhmische Knig \y'enzel

    von seinem Bruder Sigismund gefangen genommen worden.38Die ausfhrlichste astrologisch-naturwissenschaftliche Abhandlung zur Kome-

    tenerscheinung von l4O2 enthalten die so genannten Wiener Annalen. In diese inmittelhochdeutscher Sprache verfasste Chronik wurde das lateinische Gutachtendes in rWien lehrenden Magisters Friedrich von Drosendorf inseriert; er \ryar als da-maliger Hofastrologe (,astrologus Austrie') gleichsam die unumstliche Autori-tt.3e Friedrich von Drosendorf verlritt in seiner Stellungnahme die aristotelischeAnsicht, dass es sich bei einem Kometen um keinen Stern handle, sondern um irdi-schen Rauch (,vapor terrestris'), der aufgrund seiner warmen Konsistenz aufsteigeund mit Partikeln verunreinigt sei. Durch die Reibungshitze zwischen der unteren,erdnahen Sphre und der darber liegenden Sphre des thers fange diese Aus-dnstung der Erde schlielich Feuer.4o

    Danach folgt ein ausfrihrlicher Traktat ber die Bedeutung von Kometener-scheinungen in bestimmten Planetenkonjunktionen. Der Magister verschweigtauch nicht die Deutung, dass Kometen auf Drre, Augenkrankheiten, Rindersterbenund extreme Hitze bzw. nach anderen Gelehrten auf starke Regenflle und ber-schwemmungen hinweisen.al Von alledem knne er aber fr das Jahr 1402 nichtserkennen, zumal es sogar zu einem Zusammenfall von Kometenerscheinung undSonnenfinsternis gekommen sei. Ganz im Gegenteil habe sich ein fruchtbares undvon Kriegen freies Jahr ergeben,42 was darauf zurckzufhren sei, dass der PlanetJupiter, das Zeichen des Guten, im Ansteigen sei, whrend Saturn und Mars imAbstieg begriffen seien und dadurch an Kraft verloren htten.a3

    Im Juni 1456 erschien erneut ein Komet - es handelte sich dabei um den soge-nannten Halley'schen Kometena -, der sowohl in der annalistischen und chronika-len Literatur als auch in astronomischen Kreisen groe Beachtung erfuhr. SowohlPaolo da Pozzo Toscanelli (1397-1482) in Italienas als auch der sterreichischeAstronom Georg Aunpeck von Peuerbach notierten genau ihre Beobachtungen undkommentierten sie. Der obersterreichische Astronom, der an der Vy'iener Universi-

    Kalendarium Zwetlense ad a. 1403, ed. Wattenbach, S. 696.Am Beginn und am Ende des lateinischen Abschnitts vermerkt der Chronist der Wiener Anna-len ad a. 1402, ed. Seemlleq 5,238240, dass der Komet von Anfang Mrz 1402 sechs Wo-chen lang zu sehen gewesen sei und genau von magister Frdericus de Drosendorff, Kanonikerzu St. Stephan tund astrologus Ausfrie, beschrieben worden sei.Ibid., S.238f. Dieser Ansicht vom Entstehen der Kometen folgen auch die naturkundlichenAbhandlungen im Geiste der Scholastik, etwa Konrad von Megenberg: Buch der Natur 2, 11,ed. Pfeiffer, S. 75 f. Vgl, zur aristotelischen Erklrung zum Entstehen von Kometen zusammen-fassend Sfountouris: Kometen, S. 4246.Wiener Annalen ad a. 1402, ed. Seemlle, S. 239.Das Gutachten wurde offensichtlich noch vor den groen Uberschwemmungen im Juni undJlli 1402 erstellt, die im gesamten sterreichischen Donauraum schrvere Schden anrichteten.Vgl. Rohr: Naturereignisse, S. 231 mit Anm. 80.Wiener Annalen ad a. 1402, ed. Seemller, S. 239f.Vgl. Sfountouris: Kometen, S. 180 mit einer Zusammenstellung der Jahre, in denen derHalley'sche Komet zu sehen war.Vgl. Lhotsky und Ferrari d'Occhieppo: Gutachten, S. 278.

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    tt ,,Humaniora" lehrte, wurde offensichtlich beim Erscheinen des Kometen vonzahlreichen verunsicherten Menschen um ein Gutachten gebeten; ein lngeres ausdem Jahr 1456 sowie ein kurzes aus dem darauf folgenden Jahr sind erhalten ge-blieben.a6 Etwas verdrgert, wie auch der polemische Ton der Einleitung seines ers-ten Gutachtens von 1456 verrt, aber astronomisch genau und ausfhrlich be-schreibt er zunchst den Weg des Kometen. Danach fasst er die aristotelische The-

    orie ber das Entstehen von Kometenerscheinungen nochmals zusammen und zi-tiert dabei aus Aristoteles und der arabischen astronomischen Literatur. Mit einerweiteren Spitze kritisiert er diejenigen, die der Meinung seien, dass Kometen kei-nerlei Auswirkungen auf kommende Ereignisse htten; diese htten einfach dieWerke der Gelehrten nicht gelesen und sollten eben in ihrer lcherlichen Dummheitglcklich werden.4? Georg Aunpeck beschrnkt sich aber in der Folge auf dasZusammentragen von Lehrmeinungen ber die Deutung von Kometen und zitiertdabei neben den astronomischenAutoritten wie Ptolemus und,,Abenragel" (AbulHasan Ali ben Abu-Rigal) auch rmische Dichter wie Vergil, Lukan und Claudian.Eine eigene Stellungnahme zur Deutung bleibt er - bewusst? - schuldig.

    In der Salzburger Chronistik aus der zweiten Hlfte des 15. Jahrhunderts wurdezum Kometen von 1456 besonders vermerkt, dass darauf eine Serie von Mordenund mysterisen Todesfllen folgte: Zunchst verlor der ungarische Reichsverwe-ser Jnos Hunyadi im Jahr 1456 sein Leben; noch im selben Jahr, am 9. November1456, wurde Graf Ulrich II. von Cilli ermordet. Sein Mrder Lszl Hunyadi wurde1457 enthauptet und auch Knig Ladislaus Postumus starb 1457 im Alter von erstl7 Jahren, angeblich infolge einer Vergiftung.as

    Der Schweif des Kometen zeigte nach dem Bericht des Thomas Ebendorfernach Norden, was nach der Meinung der Zeitgenossen vor allem fr Bhmen Hoch-wasser, Seuchen, Mord, Krieg und Raub sowie Teuerungen bedeutete.4e Vy'ie weitdie von Ebendorfer berichteten berschwemmungen nur durch das Erscheinen desKometen berichtenswert waren oder ob es sich tatschlich um ein auergewhnli-ches Hochwasser handelte, muss dahingestellt bleiben. Nchtern beobachtete hin-gegen der Annalist im Stift Melk das Ereignis und notierte kommentarlos das Er-scheinen des Kometen.5o

    Ein weiterer Komet war nach den ausfhrlichen Beobachtungen und Messun-gen des Astronomen Regiomontanus (Johannes Mller, 1436-1476) erstmals am13. Januar des Jahres 1472 zu sehen.5l Auch die sterreichische Annalistik regis-

    46 Zu den beiden Gutachten des Georg Aunpeck von Peuerbach aus den Jahren 1456 und 1457sowie zu den Begleitumstnden ihrer Entstehung vgl. ibid., besonders S.267 f. undS.271-277.

    47 GeorgAunpeck: Iudicium super cometa, ed. Lhotsky und Ferrari d'Occhieppo, S. 274.48 Vgl. Danner: Himmelserscheinungen, S. ll5f. mit einerAnalyse der Berichte in der Salzbur-

    ger Chronistik (,Chronicon Salisburgense', ,Chronicon Saltzeburgense') zu den Kometener-scheinungen von 1456 und 14'72.

    49 Thomas Ebendorfer: Chronica Austriae 4 ad a. 1456, ed. Lhotsky, S. 429.50 Continuatio Mellicensis ad a. 1456, ed. Wattenbach, S. 519. Die Kometenerscheinung ist auch

    in der anonymen Historia rerum Austriacarum ad a. 1456, ed. Rauch, S. berliefert (dort zum15. Juni). Zu den beiden Stellen vgl. Opll: Nachrichten, S. 155.

    5l Vgl. Sfountouris: Kometen, S.51.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 369

    trierte dieses astronomische Schauspiel, etwa die ,Continuatio Mellicensis' zumIahr 1472,s2 doch brachte ihr Autor den Kometen nicht explizit in Verbindung mitkonkreten Ereignissen; nichtsdestotrotz wr das Erscheinen eines Kometen in je-dem Fall berichtenswert.

    b ) Auffcilli g e Ste r ne nkons te llat ione n

    Neben den Kometen verbreiteten auch bestimmte Sternenkonstellationen Angstund Schrecken, da man glaubte, dass sie fr Unglck und Seuchen verantwortlichseien. Besonders gefrchtet war offensichtlich, wenn der Saturn in das Sternzei-chen des Steinbocks wanderte, wie dies am l. Mirz 1341 geschah. Die Folge dieserSternenkonstellation war nach Ansicht des Autors der ,Chronica de ducibus Bava-riae' der Ausbruch der Pest,s3 und selbst noch die Pestwelle von Juli bis Oktober1370 in Konstantinopel, Venedig und Deutschland fhte der Autor unter Hinweisauf seine Ausfhrungen zu l34l auf diese Sternenkonstellation zurck.5a

    Aber auch schon am 29. Januar 1280 gab das Erscheinen des Planeten SaturnAnlass zur Besorgnis.55 Im Juli folgte eine schwere berschwemmung, im Au-gust verursachten Hagel, Sturm und andere Unwetter schwere Schden und lieendie Flsse und Bche erneut stark anschwellen.s6 Der Zusammenhang zwischenastronomischer Konstellation und extremen Naturereignissen auf der Erde warwohl nicht nur fr den Autor der ,Continuatio Vindobonensis' evident.

    Nach den Ausfhrungen des Chronisten Franz von Prag war das extreme Hoch-wasser von 1342 an der Moldau zu Prag nicht nur eine Folge der schlechten Ster-nenkonstellation, sondern Astronomen htten sogar den Einsturz der Prager Brckeauf der Basis der astronomischen Vorzeichen vorhergesagt.sT Im Jahr 1345 eleneine Mondfinsternis und eine Sonnenfinsternis zusammen, die an sich schon Un-glck und Krieg bedeuteten. Franz von Prag steigert das astronomische Bedro-hungsszenario noch, indem er fr dasselbe Jahr zustzlich von einer Jupiter-Saturn-Konstellation Ende Mrz sowie dem Zusammentreffen von fnf Planeten - Saturn,Jupiter, Mars, Sonne und Merkur im Zeichen des Wassermanns - berichtet.5s Die

    52 Continuatio Mellicensis ad a. 1472, ed. Wattenbach, S. 522. Weiter ist diese Kometenerschei-nung in den Chronica Salisburgensia ad a. 1472, ed. Basnage, S. 493 erwhnt. Auf denselbenKometen ist wohl auch ein Hinweis bei Hinterseer: Bad Hofgastein, S. 606 zu beziehen, dassim Jahr 1473 in Gastein das Erscheinen eines Kometen mit auffilligem, lanzenfrmigemSchweif groen Schrecken verursacht habe; eine Quellenangabe fehlt dazu leider.

    53 Chronica de ducibus Bavariae ad a. 1341, ed. Leidinger, S. 168. Die Stelle wird wortwrtlichvon Andreas von Regensburg: Chronica pontificum et imperatorum Romanorum ad a. 1341,ed. Leidinger, S. 87 bemommen.

    54 Chronica de ducibus Bavariae ad a. 1370, ed. Leidinger, S. 173f.55 Continuatio Vindobonensis ad a. 1280, ed. Wattenbacb, S. 711.56 Vgl. zu den Ereignissen im Detail Rohr: Naturereignisse, S. 221 f.57 Franz von Prag: Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae) 3, 15 ad a. 1342, ed. Zachov,

    s. 17'7-179.58 Ibid. 3, 19 ad a. 1345, ibid. Zachov, S. 188f.

  • 370 Christian Rohr

    Katastrophen der folgenden Jahre waren fr Franz von Prag somit nur eine logische

    Folge der schlechten astronomischen Konstellationen.Das Erdbeben in Krnten und Friaul vom 25. Januar 1348 wurde von mehreren

    Autoren auf eine konkete Sternenkonstellation, die Verbindung von Mars und Sa-turn, zurckgefhrt, etwa vom Verfasser der so genannten ,Notae Veronenses',5eaber auch von Konrad von Megenberg, dem Autor der ersten deutschsprachigenNaturgeschichte, der die Verbindung von Mars, Jupiter und Saturn als ausschlagge-

    bend ansah.tr Franz von Prag ging gar von einer Konstellation von fnf Planetenaus, die sich acht Tage vor dem Beben eingestellt habe.6l

    c) Sonnen- und Mondfinsternisse

    Die Nachrichten ber Sonnen- und Mondfinsternisse sind zwar in den Annalen desSptmittelalters durchaus zahlreich, doch wurden sie nur zum Teil mit anderen (ne-gativen) Ereignissen in Beziehung gesetzt. Besonders betont wurde der Zusammen-fall einer Sonnenfinsternis mit dem Erdbeben von 126J62 in den ,Annales SanctiRudberti'63 aus Salzburg sowie bei Gutolf von Heiligenkreuz.6a Eine Assoziationzu den Begleiterscheinungen beim Tod Jesu am Kreuz - Sonnenfinsternis und Erd-beben - lag damals wohl fr viele Menschen nahe.65

    Auch eine Sonnenfinsternis des Jahres 1321 - nur wenige Jahre nach der Serievon groen berschwemmungen und Hungersnten - wurde mit Unheil in der Na-tur in Verbindung gebracht: Das Getreide, das zuvor prchtig gewachsen war, gedieh

    nicht mehr weiter. Auch soll es sehr groe berschwemmungen gegeben haben, diegroen Schaden auf den Feldem, in den Stdten und Drfern anrichteten. V/o dieseschweren berschwemmungen auftraten, verrt der Verfasser der ,Chronica Aulae

    Regiae' nicht, doch wohl am ehesten in dessen Umkreis in Bhmen.6 Dieselbe, ansolchen Erscheinungen besonders interessierte Quelle vermerkt auch eine fast totale

    Sonnenfinsternis zum Jahr 1330, die nach Meinung des Verfassers einen Ernteausfall

    59 Notae Veronenses ad a. 1348, ed. Cipolla, S. 475.60 Konrad von Megenberg: Buch der Natur 2, 33, ed. Pfeiffer, S. 107 f.61 Franz von Prag: Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae) 3,26 ad a. 1348, ed. Zachov,

    s. 203.62 Vgl. zum Erdbeben von 1267 ausfhrlich Rohr: Naturereignisse, S. 120f.63 Annales Sancti Rudberti Salisburgenses ada.1267, ed. Wattenbach, S. ?97.64 Gutolf vonHeiligenkreuz: Historiaannorumada. 1267,ed. Wattenbach,S.650f.Weiteristdie

    Sonnenfinsternis, allerdings ohne Erwhnung des Erdbebens, in der Continuatio Zrvetlensis IIIad a. 126'7, ed. Wattenbach, S. 56 erwhnt.

    65 Matthus 27 , 45 und 27, 51. Weiter ist die Verbindung von Erdbeben und Sonnenfinsternis beiJesaja24,18; Job 9, 5 und Offenbarung6, 12 bezeugt. Vgl. dazu Eisinger: Katastrophen-Ein-tragungen, S. 179.

    66 ChronicaAulaeRegiae2,l0ada.l32l,ed.Loserth,S.414.DieSonnenfinsternisistauchinder Continuatio Mellicensis ad a. 1321, ed. Wattenbach, S. 511 sowie beim Anonymus Leo-biensis: Chronicon ad a. 1321,ed, Zahn, S. 34 zum selben Datum bezeugt.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 37t

    beim Roggen zur Folge hatte.67 Eine weitere Sonnenfinsternis 1333 soll vor allemextreme Trockenheit im Sommer und Ernteausflle gebracht haben.68

    Mitten in der Zeit der groen Krisen, etwa whrend des Mongoleneinfalls inEuropa (1241) und ein Jahrhundert danach in den 1 340er Jahren, als die Heuschre-ckenplage von 1338-1341, die groe berschwemmung in Mittel- und Westeuropa1342 sowie die verheerende Pestwelle wteten, war die Sensibilitt fr kosmischeZeichen wie Sonnenfinsternisse besonders gro. Die in mehreren sterreichischenAnnalen berlieferte Sonnenfinsternis des Jahres 1241 ist zumeist gemeinsam mitNachrichten ber den Mongoleneinfall in Ungarn, aber auch mit Kmpfen zwi-schen Herzog Friedrich II. dem Streitbaren und dem Knig von Bhmen berlie-fert.6e

    Als im Jahr 1339 mitten whrend der groen, mehrjhrigen Heuschreckenplageeine totale Sonnenfinstemis zu sehen war, brachte der Annalist im steirischen Zis-terzienserstift Neuberg an der Mrz beide Ereignisse in einen festen Zusammen-hang zueinander, ebenso auch den kalten Winter, der darauf folgte.7O Interessant istauch seine Bemerkung zum Jahr 1344, wonach die Astronomen fr dieses Jahr er-neut eine Sonnenfinsternis und Unheil vorausgesagt hatten; die angekndigte Kata-strophe fand allerdings nicht statt.TlVy'eiters wurden auch die Sonnenfinsternissevon 134872 und 134973 nicht nur mit der Pest, sondern auch mit Unwettern inVerbindung gebracht.

    Der Krainer Historiograph Johann Weichard von Valvasor berichtet in seiner1689 erschienenen ,Ehre des Herzogthums Krain', wohl aufbauend auf lterenChroniken, dass im Jahr 1448 eine vollstndige Sonnenfinsternis in Krain beobach-tet worden sei. Diese wurde als Vorzeichen fr Kriege gedeutet, die in den Jahren

    67 Chronica Aulae Regiae 2, 24 ad a. 1330, ed. Loserth, S. 473. Die Formulierung wird gekrzrbei Franz von Prag: Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae) 2,2O ad a. 1330, ed. Za-chov, S. 128 bernommen.

    68 ChronicaAulae Regiae 2, 33 ada. 1333, ed. Loserth, S. 495. Die Nachricht findet sich auch beiFranz von Prag: Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae) 2,24 ad a. 1333, ed. Zachov,S. 138 (wiederholt in 3, 12 ad a. 1339,ed.Zachov, S. 169). Ohne Bezug zu einerTrockenpe-riode bezeugt auch der Anonymus Leobiensis, Chronicon ad a. 1333, ed. Zahn, S. 39 dieselbeSonnenfinsternis.

    69 Annales Frisacenses ad a. 1241, ed. Vy'eiland, S. 65; Continuatio Zwetlensis III ad a. 1241, ed.'Wattenbach, S. 655; Continuatio Sancrucensis II ad a. 124I, ed. Wattenbach, S. 639; Continua-tio Admuntensis ad a. 1247, ed. Wattenbach, S. 593;Annales Sancti Rudberti Salisburgenses ada. 1241, ed. Wattenbach, S.787. Lerztere Bericht steht bezeichnender Weise zwischen demzum Einfall der Tartaren (Mongolen) und dem zum Tod Papst Gregors IX. Zu weiteren Belegenzu dieser Sonnenfinsternis vgl. Draelants: Temps, S. 107 mit Anm. 75.

    70 Continuatio Novimontensis ad a. 1339, ed. Wattenbach,5.672. Die Sonnenfinsternis bezeugenauch die Bozner Chronik zum Jahr 1339, ed. Masser-Vuketich, S.86 sowie Franz von Prag:Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae) 3, 12 ad a. 1333, ed. Zachov, S. 169, aller-dings ohne das Ereignis zu deuten.

    7l Continuatio Novimontensis ad a. 1344 (Codex N), ed. Wattenbach, S. 673. Die Nachricht findetsich wortwrtlich auch beim Anonymus Leobiensis, Chronicon ad a. 1344, ed. Zahn,5.44.Vgl. zur Stelle auch Eisinger: Katastrophen-Eintragungen, S. 183.

    '72 Kleine Klostemeuburger Chronik zum Jahr 1348, ed. Maschek, S. 289.73 Ibid. zum Jahr 1349, ed. Maschek, S. 289.

  • Y

    372 Christian Rohr

    danach das Herzogtum heimsuchten. Zudem wtete 1449 in der Steiermark, inKrnten und in Krain die Pest.Ta

    Mondfinsternisse treten deutlich hufiger als Sonnenfinsternisse auf, dochwurde von ihnen in Annalen und Chroniken offenbar nicht regelmig berichtet.Zumeist wurden Mondflnsternisse erwhnt, wenn sie nach Ansicht des Autors in

    einem besonderen Zusammenhang mit unheilvollen Ereignissen standen; auch das

    Zusammenfallen von Sonnen- und Mondfinsternissen innerhalb kurzer Zeit er-schien den Annalisten berichtenswert.Ts Auerdem elregte es das Interesse der An-nalisten, wenn eine Mondfinsternis mit besonderen Lichtverhltnissen, etwa einerRtung des Mondes, in Verbindung stand.76

    ZumJahr 1262berichtet die ,Continuatio Sancrucensis II', dass es damals so-gar zu zwei Mondfinsternissen gekommen sei, einer in der Fastenzeit sowie einerzweiten in der Nacht vom 30. auf den 31. August. Unmittelbar daran schliet dieNachricht an, dass es in Wien einen Brand gegeben habe, der fast die ganze Stadt

    verwstet habe; auch viele andere Stdte in Osterreich und Mhren seien durchBrand - vermutlich imZuge kriegerischer Ereignisse - vernichtet worden. Zudemseien die Getreidepreise, wohl durch eine Missernte und Krieg, stark angestiegen.TTFr den 24.Februar 1263 berichten dieselben Annalen erneut von einer Mondfins-ternis sowie einer groen Hungersnot in ganz sterreich, Ungarn, Bhmen undMhren, wie sie bis dahin noch kaum vorgekommen sei. Danach aber habe es eineganz besonders ergiebige Weinlese gegeben.?8

    Die Mondfinsternis des Jahres 1309 brachte die ,Continuatio Sancrucensis III'mit einem Adelsaufstand gegen Herzog Friedrich IIL in Verbindung, der Rache frdie Ermordung Knig Albrechts I. plante.Te Der Autor der ,Chronica Aulae Re-giae' aus Knigssaal in Bhmen, der auch fr zahlreiche Sonnenfinsternisse daspassende Unheil zur Seite zu stellen vermochte, setzte die Mondfinsternis des Jah-

    res 1335 mit dem darauf folgenden strengen, schneereichen Winter sowie einemkhlen, regnerischen Sommer (1336) in Verbindung.80

    74 Valvasor: Ehre, Bd. 4,5,352.75 Belegstellen bei Rohr: Naturereignisse, S. 533 Anm. 84.76 Vgl. etwa Annales Gotwicenses ad a. 1222, ed. Wattenbach, S. 603. Vgl. zur Stelle auch Drae-

    lants: Temps, S. 106 mit parallelen Quellen zu diesem Ereignis aus Deutschland.'77 Conrinuatio Sancrucensis lI ad a, 1262 (codex 4), ed. wattenbach, s. 645. Die Nachicht wird

    fast wortwrtlich beimAnonymus Leobiensis, Chronicon ada. 1262,ed'Zahn' S' 15 bemom-

    men.

    78 Continuatio Sancrucensis II ad a. 1263, ed. Wattenbach, S. 645. Die Nachricht wird fast wort-rvrtlich beim Anonymus Leobiensis, Chronicon ad a. 1263, ed. Zahn, S. 15 bernommen.

    '1.9 Continuatio Sancrucensis III ad a. 1309, ed. Wattenbach, S. 734.80 ChronicaAulae Regiae 3, l0 ad a. I335, ed. Loserth, S. 52l hnlich verbindet Franz von Prag:

    Chronica (Continuatio chronicae Aulae Regiae), 2, l7 ad a. 1328, ed. Zachov, S. 120 eineMondfinsternis mit vier Wochen anhaltenden Strmen und zahlreichen Toten durch eine Seu-

    che.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? JIJ

    Die Hochblte der Prodigienliteratur um 1500

    Die Astrologie erlebte im Mittelalter vor allem in Spanien - im Kreuzungsbereichvon christlichem, muslimischem und jdisch-sephardischem Denken - eine Blte.Aus diesem Kulturkreis stammt auch der so genannte Toledobrief, eine Prophezei-ung des Johann von Toledo zum September 1186, die derAstrologe im Jahr davoran zahlreiche Adressaten in ganz Europa verschickt hatte. Darin wird vorausgesagt,dass durch das Zusammentreffen aller Planeten im Sternbild der Waage ein Erdbe-ben die Welt erschttem wrde; eine Sonnen- und Mondfinsternis wrde die eigent-liche Katastrophe einleiten, Winde fast alle Huser zerstren, Hunger und Tod aufdas nahe Kommen des Antichrists hindeuten. Den Menschen werde daher empfoh-len, ihre \y'ohnsttten zu verlassen.8l

    Der Brief erschien in lateinischer Fassung zum ersten Mal vermutlich ll'79,doch baut er auf zahlreichen Prophezeiungen auf, die zu dieser Zeit im christlich-arabisch-jdischen Kontaktbereich kursierten und bis nachByzanz bekannt waren.Der Toledobrief wurde in den Jahrhunderten danach mit gleichem oder hnlichemInhalt, aber vernderten Jahreszahlen, immer wieder neu ,,aufgelegt", obwohl -oder gerade weil - die groe Katastrophe I l8 ausblieb.s2

    Auch im heutigen steneich kursierten sptere Fassungen des Toledobriefs:Im berhmten ,Liber fundationum' des Stifts Zwettl, der so genannten ,,Brenhaut"aus der Zeitum 132711328, ist auf dem vorletzten Blatt eine Version des Toledo-briefs aus dem Jahr 1322 mit einer Katastrophenprophezeltng frir das Jahr 1329eingetragen. Dieselbe Fassung wurde als Nachtrag in das Grzer Urbar eingetra-gen, das 1299 von Graf Albert IL von Grz-Tirol in Auftrag gegeben wordenwar.83 Auch in der Bibliothek des Benediktinerstifts Kremsmnster war der Tole-dobrief zum Jahr 1329 zweifach vorhanden.8a Sehr ausfhrlich geht auch Franzvon Prag in seiner Chronik auf die Prophezeiungen fr 1329 ein: eine Sintflut werdekommen, Winde wrden Huser und Bume niederstrzen; eine Sonnenfinsternis,bei der sich die Scheibe blutrot frbe, und eine Mondfinsternis wrden folgen undKriege ankndigen.85

    Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erlebten apokalyptische Prophezeiungen imGefolge des Toledobriefs eine neue Hochkonjunktur. So sagte Regiomontanus (Jo-hannes Mller, 1431476) fr das Jahr 1454 eine biblische Sintflut voraus. Drei

    81 In Straburg lste der Brief eine regelrechte Panik aus: Bischof Heinrich floh aus der Stadt.Zahleiche Bewohner verlieen ebenfalls Straburg und wohnten aus Angst zum Teil fr Jahreaufden umliegenden Feldern oder in Erdhtten. Vgl. Sfountouris: Kometen, S. 33.

    82 Zum so genannten Toledobrief und seiner Nachwirkung vgl. ausfhrlich Vy'eltecke: Konjunk-tion, besonders 5.209-214 mit einer Zusammenstellung der frhen Quellen zum Toledobrief;Mentgen: Astrologie, S. 17-135 mit einer umfassenden Abhandlung zur Nachwirkung des To-ledobriefs im 13. bis 15. Jahrhundert in ganz Europa.

    83 Vgl. im Detail Mentgen: Astrologie, S. 58f.84 Kremsmnster, Stiftsbibliothek: CC 273, fol. 44rv sowie Kremsmnster, Stiftsbibliothek: CC

    18, fol. 246v. Vgl. dazu Mentgen: Astrologie, S. 60f. mitAnm. 195 und 197.85 Franz von Prag: Chronica (Continuatio chronicaeAulae Regiae) 2, l8 ad a. 1329,ed.Zachovu

    s. t24.

  • f

    374 Christian Rohr

    Jahrzehnte spter, 1484 nahm der Hofastrologe Friedrichs III., JohannesLichtenberger,s6 eine Konjunktion von Jupiter, Satum und Mars im Zeichen desSkorpions zum Anlass, um daraus das Herannahen einer groen Seuche zu prophe-zeien. Da das Sternbild des Skorpions nach der Meinung der zeitgenssischenAstrologie die Geschlechtsteile beherrsche, bezog man im Nachhinein das Auftre-ten der ,,Franzosenkrankheit" (Syphilis) ab 1493 auf diese Weissagung - wohlauch, weil lange unerkannt blieb, dass sich diese Krankheit durch Sexualkontaktebertrug.87 1499 publizierte der Tbinger Mathematiker und Astronom Johann Sto-effler eine erneute Prophezeiung umwlzender Geschehnisse (,mutatio, variatio acalteratio'), da sich im Februar dieses Jahres nicht weniger als 20 kleine, mittlereund grere Konjunktionen ergeben wrden.88

    Seit der zweiten Hlfte des 15. Jahrhunderts, d.h. seit der Ttigkeit JohannesLichtenbergers, nahm die Rolle derAstrologen am Hof Friedrichs III. und Maximi-lians I. merklich zu.8e Sie hatten die Aufgabe, auf Prodigien (Vorzeichen) jeder Artzu achten und auf der Basis dieser ihre Prognosen ber die politische und persnli-che Zukunft des Herrschers zu stellen. So wurde etwa der Tod Friedrichs III. am 19.August 1493 in Linz unter dem Blickwinkel zahlreicher Wunderzeichen gesehen,die den Tod des Herrschers ankndigten: ein Komet wurde beobachtet, ein Meteorfiel vom Himmel,eo das Linzer Schloss stand vom Blitz getroffen in Flammen, einStrauenvogel lag mit gebrochenem Genick im Schlossgraben und tote Vgel aufder Zugbrcke zum Linzer Schloss. Freilich sah Kaiser Friedrich III. selbst nachdem Bericht des Hofastrologen Joseph Grnpeck (um 1473-1532) dann nur,,tcki-sche Scherze der Natur" (,quotidiana nature ludibria').el

    Berhmt wurde auch die Federzeichnung zu diesen Vorzeichen in Joseph Grn-pecks ,,Historia Friderici IIL et Maximiliani I.",e2 die den Titel ,De prodigiis et os-tentis que mortem Friderici imperatoris precesserunt' (in der deutschen Fassung,,Wunderzeichen kndigen Kaiser Friedrichs Tod an") trgt. Friedrichs Sohn, Kai-ser Maximilian I., hatte ganz offensichtlich Probleme mit der Aussage, dass dieWunderzeichen tatschlich den Tod Friedrichs III. angekndigt htten. Er strich

    86 Zu Johannes Lichtenberger vgl. im Uberblick zuletzt Mentgen: Astrologie,5.221-235.87 Zu der seit dem Ende des 15, Jahrhunderts intensiv diskutierte Frage nach den Ursachen der

    ,,Franzosenkrankheit" vgl. ausfhrlich Walter: Syphilis.88 Zu den Prophezeiungen in der zweiten Hlfte des 15. und ersten Hlfte des 16. Jahrhunderts

    vgl. im Detail Fried: Aufstieg, S. 171-175.89 Vgl. dazu im Detail Mentgen: Astrologie, 5.235-248.90 Gemeint ist der Kometeneinschlag von Ensisheim im Sundgau am 7. Novembe 1492. Zt die-

    sem Kometeneinschlag vgl. auch Diebold Schilling: Schweizer Bilderchronik zum Jah 1492(Luzern, Zentralbibliothek: S 23 fol., fol. l57r), dort mit einer Illustration zum Ereignis. Freine Farbtafel dazu vgl. Schmid: Bilderchronik, Farbtafel zu fol. 157r.

    91 Joseph Grnpeck: Historia Friderici III. et Maximiliani I., ed. Chmel, S. 76. 12. Zu diesem,,hausgeschichtlichen Lehrbuch" fr den spteren Kaiser Karl V. vgl. Wacha: Wetterchronik,S. 16; Lipburger: De prodigiis, S. 136; Mentgen: Astrologie, 5.236-238.

    92 Zu Joseph Grnpeck und zu seiner 1516 fertig gestellten ,Historia Friderici et Maximiliani I.'vgl. ausfhrlich Benesch und Auer: Historia, S. 14-27 . Das Werk gehrt zum groen gedechrnas-Projekt Maximilians. Vgl. dazu Mller: Gedechtnus; Rohr: Naturereignisse, S. 88.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 375

    daher die Federzeichnung in Grnpecks ,Historia' eigenhndig durch und ver-merkte dazu: ,,Fridrich Nyt".l:

    Ebenso war Maximilian I. von den bei Grnpeck notierten Wunderzeichen beiseinem eigenen Regierungsantritt so sehr irritiert, dass er auch die Zeichnung dazuselbst durchstrich: Vom Himmel fallen zahlreiche Steine, Schwerter und drei Kreu-zesngel ber einer Lanze mit dem Schwamm von der Kreuzigung Christi (in derMitte). In der linken oberen Ecke sind auf einer Wolke zwei kmpfende Turnierrei-ter vor zwei wilden Mnnern zu sehen, die eine Mondsichel in Hnden halten. DieDarstellung bekommt - aus der Sicht der zeitgenssischen Astrologie - dennocheinen positiven Charakter, weil ber allem eine Sonne als Zeichen des heiterenHimmels und des Tages scheint.ea

    Kometen und Sonnenfinsternisse spielten auch im 16. Jahrhundert eine wich-tige Rolle in der Chronistik. Mehr noch als zuvor wurden sie mit Krieg, Missemtenund extremen Naturereignissen in Beziehung gesetzt. Allerdings ist gerade bei denNachrichten aus barocken Chroniken des 17. und 18. Jahrhundert, die rckblickendber die beginnende Neuzeit berichten, nicht immer klar zu unterscheiden, ob dieAutoren Wahrnehmungs- und Deutungsmuster ihrer Quellen wiedergaben odereher ihre eigene Sicht der Dinge.

    Die Kometenerscheinung des Jahres l53les und das Auftreten eines Meteorsim Januar 1532 waren fr Martin Luther Zeichen eines nahen Weltuntergangs. Erwidersprach damit den zeitgenssischen Astrologen, die diesen erst deutlich spteransetzten.e6 Auch der Arzt und Gelehrte Paracelsus beobachtete den Kometen ,imhochbirg' - im Raum St. GalleneT - und verfasste darber einen kleinen Traktat, indem er die Meinung vertrat, dass zum Kometen zwei Auslegungen anzuwendenseien: Zum einen fhrte er das Erscheinen von Kometen auf eine Konjunktion vonSkorpion und Saturn zurck, zum anderen deutete er den Kometen als Vorzeichenfr Pest, Hunger und Not.e8

    Ztm Jabr l53l berichtet auch - aus der Distanz von knapp 100 Jahren - derSteyrer Chronist Valentin Preuenhueber ber Kometenerscheinungen, die sich nochin die beiden darauf folgenden Jahre zoge. Sie waren nach der Ansicht des Autorsverantwortlich fr eine groe Hungersnot im Heiligen Rmischen Reich, die auchTeile Obersterreichs erfassten, wie aus einem Bericht des Kmmerers des StiftsKremsmnster hervorgehe. Die Bauern htten Brot aus Leinsamen (,haarbollen')ee

    93 Vgl. dazu Benesch undAuer: Historia, S. 119 mitAbb. 12; Zelfel: Ableben, S.78-80; Rohr:Naturereignisse, S. 541 mit Tafel 15.

    94 Vgl. dazu die detaillierte Bildbeschreibung bei Benesch und Auer: Historia, S. 127f. mitAbb. 46; Rohr: Naturereignisse, S. 541 mit Tafel 1.

    95 Es handelt sich um ein Erscheinen des Halley'schen Kometen. Vgl. Sfountouris: Kometen,S. 14f. und 180.

    96 Luther: Tischreden, Bd. 2, Ab. 2'756a, S. 636.97 Vgl. Gamper: Paacelsus.98 Paracelsus: Vlegung des Cometen, besondes S.41-43. Vgl. dazu Sfountouris: Kometen,

    S. 14f. sowie zuletzt ausfhrlich Holenstein Weidmann: Prophetie.99 Nach Grimm: Deutsches Wferbuch, Bd. 10, Sp.25 sind unter haarbollen Flachsknoten zu

    verstehen.

  • 376 Christian Rohr

    und Eicheln gebacken. Die Stadt Steyr drfte aber offensichtlich von einer derartschweren Versorgungskrise verschont geblieben sein. 100

    Ein europaweites mediales Groereignis stellten die Sintflutprophezeiungenzum Jahr 1524 dar. Ausgehend von den oben erwhnten Weissagungen des Toledo-briefs und von Johann Stoeffler aus dem Jahr 1499 entstand in astrologischen Krei-sen eine intensive Diskussion darber, ob es aufgrund von nicht weniger als 16Planetenkonjunktionen imZeichen der Fische 1524 zu einem Extremereignis kom-men werde, und wenn ja zu welchem.l0l So vermutete der brandenburgische Hofas-trologe Johann Carion 1521, dass eine groe Sintflut (,diluvium') herannahenwerde, die das Ende der Welt einleirc.l02

    Mehr als 150 Druckschriften von insgesamt 59 Autoren, verfasst in zahlreichenSprachen, entstanden in den Jahren zwischen l5l7 und 1525 zur Vorhersage berdas Jahr 1524.t02 Sie stimmten der Prognose zu, lehnten sie ab, deuteten sie oderbeschwichtigten die Leserschaft. Selbst der junge Karl V. soll sich vom Philoso-phenAugustinus Niphus 1519 eine Stellungnahme eingeholt haben, die beschwich-tigend ausfiel.toa Zahkeiche Menschen begannen dennoch mit Vorkehrungsma-nahmen, bestiegen Berge oder bauten Archen.l05

    Als dann schlielich im Februar 1524 keine Sintflut hereinbrach und sich auchsonst das gesamte Jahr nicht durch starke Regenflle, sondern im Gegenteil durchDrre auszeichnete, herrschte nicht nur in den astrologischen Kreisen Ratlosigkeit,ja das gesamte Ansehen der damals so populren Astrologie stand auf dem Prf-stand. Zahlreiche Gegner astrologischer Deutungen sahen sich in ihrer Skepsis be-sttigt und spafen nicht mit Polemiken. So meinte etwa Martin Luther, ein ent-schiedener Gegner der Astrologie: ,,Nichts knnte mich berreden, [...] dass ichden Divinationen der Astrologie Glauben schenkte, die so hufig irren, dass nichtsungewisser ist (als sie)."t00 Parodien ber die Astrologie und ihre Prophezeiungenhatten nicht erst nach der nicht eingetretenen Sintflut von 1524 Hochkonjunktur.l0T

    Einen neuen Hhepunkt des Interesses erreichten Kometen schlielich im kon-fessionspolemischen Diskurs anlsslich des ry'interkometen l6l8/1619, dessen Er-scheinen mit der Anfangsphase des Dreiigjhrigen Krieges zusammenfiel. ZahI-reiche gedruckte Predigten kommentierten das Ereignis, wobei die Deutung alsZeichen des Gotteszorns und des bevorstehenden Vy'eltenendes dominiefte. 108

    100 Preuenhueber: Annales Styrenses, S. 247.101 Vgl. zu dieser Diskussion ausfhrlich Mentgen: Astrologie, S. 123-127 und S. 135-155; Wim-

    bck: In den Stemen.102 Carion: Prognosticatio.103 Vgl, dazu ausfhrlich Talkenberger: Sintflut, S. 154-325 sowie zuletzt Wimbck: In den Sternen.104 Niphus: De falsa diluvii prognosticatione. Zur Deutung, dass Niphus die Schrift Karl V. nicht

    nur gewidmet, sondern auch auf dessen Anfrage verfasst habe, weil er ber die SintflutPro-phezeiung enchrocken war, vgl. Fried: Aufstieg, S. 175. Dagegen wendet Mentgen: Astrologie,S. l38mitAnm.572ein,dassesfrdiesesVerhaltenKarlskeinenunmittelbarenBeweisgebe.

    105 Fried: Aufstieg, S. 175.106 Luther: Tischreden; zitiert nach Fried: Aufstieg, S. 176.107 Vgl. zu den Parodien aufastrologische Schriften im Detail Pfister: Parodien.108 Vgl. dazu jetzr ausfhrlich Gindhart: Kometenjahr.

    Macht der Sterne, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 377

    1503 beobachtete der Welser Pfarrer Lorenz Mittenauer, dass blutige Zeichenin verschiedenen Formen aus den Wolken fielen. ry'as sie bedeuteten, davon habe ervon den Gelehnen nichts gehrt.l0e Fr dasselbe Jahr bezeugt Franz Schweyger inseiner Chronik der Stadt Hall in Tirol, dass Kreuze in mehreren Farben vom Him-mel auf die Erde gefallen seien und sich auf der Kleidung der Menschen niederlie-en. Daher habe man in Hall mit den herabgefallenen Kreuzen eine Prozession ab-gehalten, bei der die Menschen mit brennenden Kerzen und barfu durch die Stadtzogen.llo

    Aus der Sicht der Menschen in vormoderner Zeit wurde auch der Blutregen alsUnheil bringendes kosmisches Zeichen angesehen. Dass es sich dabei um ein natr-liches Phnomen handelt - um mit Regen vermischten roten Sand, der bei extremenTiefdrucklagen im Mittelmeerraum aus der Sahara bis nach Mitteleuropa verwehtwerden kann -, wussten die Menschen damals noch nicht. Neben der groen rum-lichen Distanz zum ,,Ursprung" dieses Phnomens !r/ar es vor allem auch das sel-tene Auftreten des mit Sand versetzten Regens, der eine Deutung als Wunderzei-chen nahe legte.

    Im Mittelalter wurde dem Phnomen des ,,Blutregens" keine besonders groeAufmerksamkeit geschenkt. So wurden europaweit im 13. bis 15. Jahrhundert ge-rade zwischen sechs und acht derartige Ereignisse pro Jahrhundert registrief. I I I Im,Buch der Natur' Konrads von Megenberg wird das ry'underzeichen zudem sehr,,rational" erklirt: Durch Brnde sei viel Rauch in die Atmosphre gelangt und habesich dort mit der feuchten Luft verbunden, so dass sich das Regenwasser rot fr-be.l12 Bercksichtigt man die weite Verbreitung dieser Naturgeschichte auch imlesekundigen Publikum der Stdte und Drfer, so kann davon ausgegangen werden,dass sich viele Menschen keine Sorgen machten, dieses eigenartige Naturphno-men knne als Vorzeichen fr Unheil zu deuten sein.

    Mit dem frhen 16. Jahrhundert nderte sich die Wahrnehmung des ,,Blutre-gens" jedoch signifikant. Es war das humanistische Italien, das ,,auf dem Feld des,Aberglaubens' die Vorhut"l13 bildete. Pltzlich tauchten derartige Phnomenevermehrt in Prodigiensammlungen auf, gemeinsam mit Kometen, Sonnen- undMondfinsternissen, weiteren Himmelszeichen oder Missgeburten. Derafige Kom-pilationen fanden im 16. Jahrhundert in gedruckter Form reienden Absatz. Siebefriedigten zum einen die Sensationslust der Leserschaft, doch bildeten sie zumanderen auch einen fixen Bestandteil im Rahmen der Ermahnungen zu Umkehr und

    109 Loenz Mittenauer, Chronica ad a. 1503, ed. Schiffmann, S.263f. Vgl. zu dieser Stelle auchSchiffmann: Aufzeichnungen, S. 263 f.; Wacha: Wetterchronik, S, I L

    110 Franz Schweyger, Chronik der Stadt Hall zum Jahr 1503, ed. Schnherr, S.71. In der BoznerChronik zum Jahr 1501 (Handschrift E), ed. Masser-Vuketich, S. 304 ist das Herabregnen vonkleinen Keuzen schon fr das Jahr 1501 bezeugt.

    111 Sperl: Blutregen, S. 60.112 Konrad von Megenberg, Buch der Natur 2, 16, ed. Pfeiffer, 5.82. Zl noch frheren ,,rationa-

    len" Erklrungen fr das Phnomen des ,,Blutregens" aus dem Kloster Coggeshall (Essex) undbei Wilhelm von Conches vgl. Wegmann: Entdeckung, 5.29O-292; Vy'egmann: Naturwahrneh-mung, S. ll2-114.

    113 Sperl: Blutregen, S. 60.

  • 3',t8 Christian Rohr

    Bue, nicht nur seitens der katholischen und spter auch reformierten Geistlichkeit,sondern auch seitens der Astrologen. Es war vor allem auch Martin Luther selbst,der mit seinem eschatologischen Gedankengut diese Entwicklung hin zur Strafe-Gottes-Deutung von \y'underzeichen in der Natur mittrug.lla Mit dem SndenfallAdams sei auch die ganze Natur durch Gottes Fluch ins Verderben Eezogen worden

    - Grund genug, vor der Natur Angst zu haben.llsDamit wandelte sich auch die Deutung des ,,Blutregens" allmhlich vom natr-

    lichen Wunderzeichen hin zum Ausdruck des Zornes Gottes, denn die Assoziation

    zu Blut lag aufgrund der Farbe des Regens nahe. Fr das 16. Jahrhundert sind 90Flle von ,,Blutregen", fr das 17. Jahrhundert 100 Flle belegt. Dieser signifikante

    Anstieg ist weder durch die dichtere Quellenlage noch durch klimatische Vernde-

    rungen ausreichend erklrbar, sondern ist in erster Linie auf eine Sensibilisierungfr auergewhnliche Naturerscheinungen zurckzufhren.

    Wie Alexander Sperl zeigenkonnte, war die Vy'ahrnehmung von ,,Blutregen" in

    den protestantischen Lndern ungleich hher als in den katholischen. Von den 190

    dokumentierten Fllen entfallen allein 67 Prozent auf die protestantischen Kernln-

    der Sachsen und Wrttemberg sowie deren angrenzende Regionen, whrend in den

    berwiegend katholischen Lndern Europas gerade 22Prozent der Flle dokumen-

    tiert sind.l16 Nur zwei Flle sind aus Ober- und Niedersterreich bekannt, zweiweitere aus Kirnten.llT Dies deckt sich etwa auch mit dem Eindruck, dass Sintflut-Assoziationen bei schweren berschwernmungen deutlich hufiger in protestanti-schen Lndern auftraten als in katholischen.lls

    Neben den reinen Prodigiensammlungen entstanden im Laufe des 16. Jahrhun-defs auch mehrere Nachrichtensamnlungen, in denen vornehmlich Flugschriftenzusarnmengetragen und auf diese Weise zu den ,,brgerlichen Chroniken" in einerZeif der Buchdrucks wurden. Eine der umfangreichsten Sammlungen geht auf denZurcher Brger Johann Jakob Wick zurck, die Flugschriften aus derZeit zwischen1560 und 1587 enthlt. Darin finden sich auch zahlreiche Nachrichten zu auerge-whnlichen kosmischen Zeichen, etwa ,,Blutregen", Kometen oder Kreuzen am

    Himmel. Die meisten Flugbltter beziehen sich auf (angebliche) Ereignisse in derSchweiz und am Oberrhein, wenige auf den Ostalpenraum. Eine Ausnahme bildetdabei ein illustriertes Flugblatt aus Wien: Demnach sei damals am Himmel ein ge-

    harnischter Mann mit einem Schwert zu sehen gewesen. Dabei habe es gehagelt,gestrmt und geregnet, ja auch Feuer soll vom Himmel gefallen sein. Die Men-

    114 Zur Rotle Martin Luthers fr eine vernderte theologische Deutung der Natur vgl. Rohr: Natur-

    ereignisse, S. 63f.115 Vgl. in diesem Sinne Sperl: Blutregen, S. 61f.;Kempe: Flammen, S' 163f.116 Zahlreiche Blutregenf?ille finden sich beispielsweise bei Lycosthenes: Prodigiorum ac osten-

    torum chronicon, einer 1557 gedruckten Prodigiensammlung aus Basel.

    117 Sperl: Blutregen, S. 9 mit Tab. 2-4.118 ZurVerwendungundVerbreitungdesBegriffsdi/uviumfrschwereFlutenvgl.Rohr: Naturer-

    eignisse, S. 391-394 sowie Rohr: Writing a Catastrophe, S. 89-92. Nach Niccoli: Prophecy,S. 143f. habe sich de diluvium-Begrifferst whrend des spten 15. Jahrhunderts im Zusam-

    menhang mit schweren berschwemmungen infolge der Abholzung des Apennins von Italien

    nach Mitteleuropa verbreitet. Vgl. dazu ablehnend Mentgen: Astrologie, S' 147 f.

    Macht der Steme, Allmacht Gottes oder Laune der Natur? 319

    schen glaubten, dass der Jngste Tag nahe sei und fingen aufAnordnung von KaiserFerdinand I. zu beten an. Einen Monat spter habe man aus einer Wolke eine gehar-nischte Hand mit einem feurigen Schwert ragen gesehen. Die Bedeutung des Zei-chens blieb den Menschen aber unklar; im Jahr darauf folgte in sterreich einePestepidemie.l le

    Zusammenfassung

    Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse sowie weitere astronomische Zeichenwurden in erster Linie in Krisenzeiten beobachtet.l20 Die Sensibilitt fr die Wahr-nehmung derartiger Vorzeichen des Unheils steht somit in einem direkten Zusam-menhang mit den extremen Naturereignissen, Seuchen und Hungersnten dieserZeten. Aus der Sicht der Menschen historischer Gesellschaften war der Prodigien-charakter von astronomischen Erscheinungen somit evident. \ie viele astronomi-sche Besonderheiten in den Normalzeiten hingegen nicht registriert, ja ,bersehen'wurden, lsst sich aus heutiger Sicht nur sch'wer rekonstruieren.

    Der Umgang mit astronomischen Erscheinungen im Sptmittelalter und am Be-ginn der Neuzeit folgte zwei zum Teil divergierenden Traditionen: Zum einen bautedas Gedankengut auf der Erwhnung von kosmischen Zechen in der Bibel auf.Vom Himmel fallende Sterne (Kometen und Meteoriten), Sonnenfinsternisse oderVerfrbungen der Sonne und des Mondes gehrten dabei zu den apokalyptischenVorzeichen und boten daher hufig Anlass fr das Aufkommen von Endzeitstim-mungen. Zum anderen aber spielte bei der Beurteilung von kosmischen Zeichen dieastrologische Tradition aus der Antike mit ihrer starken Fixierung auf einen Prodi-gien-Glauben eine groe Rolle. ber Enzyklopdisten wie Isidor von Sevilla undBeda Venerabilis eneichte sie im Mittelalter weite Verbreitung. Dazu kam eine aufantiken Wurzeln basierende Astrologie im jdischen und arabischen Kulturkreis,die vor allem ber die Kontaktzonen in Spanien Eingang in die abendlndischenGelehrtenkreise fand. Als typisches Beispiel dafr ist etwa der Toledobrief mit Ka-tastrophenprophezeiungen fr das Jahr 1186 zu sehen, der in redigierter Form im-mer wieder neu adaptiert wurde.

    Die Quellen des Hoch- und Sptmittelalters vermitteln das Bild, dass besondersKometen, bestimmte Planetenkonjunktionen - vor allem Saturn, Mars und Jupiter- sowie Sonnen- und Mondfinstemisse als Vorzeichen fr drohendes Unheil, etwadas Auftreten von Krieg, Seuchen, Hunger, aber auch berschwemmungen, Erdbe-ben und Drre angesehen wurden. Dieses Deutungsmuster wurde aber nicht l-ckenlos gehandhabt: Die Zeichen konnten auch Glck bringen, etwa ber den ,,Um-weg", dass das angekndigte Unglck den Feind treffen wrde. Regelrechte Welt-untergangsszenarien wurden aber aus kosmischen Erscheinungen in der Regel nicht

    119 Zrich, Zentralbibliothek, Handschriftensammlung: Ms. F 12, fol.80r: Vgl. dazu Senn:Vy'ickiana, S. 46; Rohr: Naturereignisse, S. 538 mit Tafel 14. Bei Harms und Schilling: Flug-bltter, Bd. VI, 1 fehlt das Flugblatt.

    120 Vgl. in diesem Sinn schon Eisinger: Katastrophen-Eintragungen, S. 342.

  • 380 Christian Rohr

    abgeleitet, ja selbst Phnomene wie der ,,Blutregen" wurden im ausgehenden Mit-

    tellter oft naturkundlich gedeutet und fanden daher nur zum Teil Aufnahme in die

    schriftliche berlieferung.Im Laufe des 15. Jahrhunderts ist in der Rezeption von Himmelserscheinungen

    ein klarer Paradigmenwechsel zu erkennen: Ausgehend vom stark ausgeprgten

    Prodigienglauben im italienischen Humanismus erlangte die Astrologie an mehre-

    ren Frstenhfen eine entscheidende Rolle' Gerade die Habsburger Friedrich III'und Maximilian L frderten die Astrologie mageblich, auch wenn sie mit deren

    Aussagen, wie etwa das Beispiel der Vorzeichen zum Tod Friedrichs III. zeigt, ihreproblerne hatten. Um 1500 km es auerdem zu einer Renaissance der Toledobrief-

    Tradition, indem diese Prophezeiungen auf eine angeblich bevorstehende Sintflut

    im Februar 1524bezogen wurden. Der Sintflut-Diskurs der Jahre 15l'7-1525, der

    auf dem Weg des Flugblatts in ganz Europa gefhrt wurde, zeigl auf , dass damalsBefrworter der Astrologie und entschiedene Gegner sich die Waage hielten' Als

    trotz der vorhergesagtenlanetenkonjunktion das Jahr 7524 ohne Sintflut blieb, ja

    sogar ausgesproih"n trocken war, wurden der Nutzen und die Zuverlssigkeit der

    Airologi an sich in Frage gestellt. Allerdings nderte sich in diesem Diskurs all-

    gemein auch die Einstellung ztr biblischen Sintflut (,diluvium'), deren erneutes

    ko--"n gerade in protestantischen und reformierten Kreisen fr das 16. Jahrhun-dert erwartet wurde.

    Der Einfluss der Sterne auf die irdischen Geschehnisse stand aber wohl fr die

    meisten Menschen unzweifelhaft fest. Eine besondere Sternenkonstellation, eine

    Strung des ,,gewohnten" Himmels durch Kometen wurde daher zum disaster, zu

    einer Srunges kosmischen Gleichgewichts und aufgrund der Auswirkungen auf

    die Erde hufig zur KatastroPhe.

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