Kunsthaus Grenchen – Jean Mauboulès

Click here to load reader

  • date post

    22-Mar-2016
  • Category

    Documents

  • view

    216
  • download

    0

Embed Size (px)

description

Exhibition catalogue for swiss sculpture artist Jean Mauboulès

Transcript of Kunsthaus Grenchen – Jean Mauboulès

  • Jean Maubouls9. Juni bis 29. September 2013Kunsthaus Grenchen

  • [ Umschlag ] N42, 2012, Stahl und Schnur, 120 x 120 x 2 cm

  • [ 1 ] links: N33, 1990, Glascollage, 90 x 170 cm | rechts: N62, 1990, Stahl, 23 x 35 x 22 cm

  • [ 2 ] N22, 2001, Glascollage, 65 x 140 cm

  • [ 3 ] N19, 1991, Stahl und Glas, 175 x 145 x 40 cm

  • [ 4 ] Ausstellungsansicht v.l.n.r. (ohne Arbeiten auf Papier): N2, 1997, Stahl, 165 x 115 x 15 cm | N4, 2000, Stahl, 68 x 73 x 3 cm N36, 1997, Stahl, 70 x 63 x 9 cm | N12, 2010, Glascollage, 140 x 100 cm | N23, 2011, Stahl, 189 x 210 x 130 cm

  • N11, 2013, Stahl und Glas, 200 x 200 x 10 cm | N33, 1990, Glascollage, 90 x 170 cm | N2, 2004, Glascollage, 140 x 140 cmN6, 2013, Stahl, Glas und Schnur, 200 x 360 x 10 cm

  • [ 5 ] N2, 2004, Glascollage, 140 x 140 cm

  • [ 6 ] N11, 2013, Stahl und Glas, 200 x 200 x 10 cm

  • [ 7 ] N35, 1973, Glascollage, 70 x 98 cm

  • [ 8 ] N25, 1975, Glascollage, 70 x 100 cm

  • [ 9 ] N2, 1997, Stahl, 165 x 115 x 15 cm

  • [ 10 ] N4, 2000, Stahl, 68 x 73 x 3 cm [ 11 ] N36, 1997, Stahl, 70 x 63 x 9 cm

  • [ 12 ] Ausstellungsansicht v.l.n.r.: Ohne Titel, 2010, Pastellkreide auf Papier, geschnitten, 50 x 70 cm | Ohne Titel, 1999, Aquarell und Pastellkreide auf Papier, 40 x 50 cm | Ohne Titel, 2005, Brennspuren auf Papier, 40 x 50 cm

  • N56, 2008, Stahl, 101 x 6 x 6 cm | Ohne Titel, 1994, Graphit auf Papier, 60 x 50 cm | N29, 1995, Stahl, 73 x 36 x 35 cm

  • [ 13, 14, 15 ] alle drei Werke: Ohne Titel, 1997, Pastellkreide auf Papier, 50 x 40 cm

  • [ 16 ] N29, 1995, Stahl, 73 x 36 x 35 cm

  • [ 17 ] Ausstellungsansicht v.l.n.r.: Ohne Titel, 2009, Tusche auf Papier, 42 x 59,5 cm | N56, 1996, Stahl, 55 x 17 x 42 cm | N15, 1992, Stahl, 12 x 12 x 185 cm

  • [ 17 ] Ausstellungsansicht v.l.n.r.: Ohne Titel, 2009, Tusche auf Papier, 42 x 59,5 cm | N56, 1996, Stahl, 55 x 17 x 42 cm | N15, 1992, Stahl, 12 x 12 x 185 cm

  • [ 18 ] Ohne Titel, 2009, Tusche auf Papier, 42 x 59,5 cm

  • [ 20 ] Ohne Titel, 2012, Tusche auf Papier, gestanzt, 30 x 40 cm[ 19 ] Ohne Titel, 2012, Tusche auf Papier, 30 x 40 cm

  • [ 21 ] Ausstellungsansicht v.l.n.r.: Ohne Titel, 2012, Tusche auf Transparentpapier, 50 x 70 cm Ohne Titel, 2007, Tusche auf (Transparent-)Papier, 53 x 100 cm

  • Ohne Titel, 1990, Aquarell, Farbstift auf Papier, 50 x 60 cm | Ohne Titel, 1997, Aquarell auf Papier, 30 x 40 cmN68, 1990, Glascollage, 100 x 140 cm

  • [ 22 ] Ohne Titel, 2010, Tusche auf Papier, Seidenpapier, Collage, 50 x 60 cm

  • [ 23 ] Ohne Titel, 2007, Aquarell, Transparentpapier, 59,5 x 41,5 cm

  • [ 24 ] Ohne Titel, 1982, Aquarell auf Papier, gestanzt, 30 x 21,5 cm [ 25 ] Ohne Titel, 1982, Aquarell auf Papier, gestanzt, 35,3 x 24,8 cm

  • [ 26 ] Ohne Titel, 1990, Aquarell, Farbstift auf Papier, 50 x 60 cm

  • [ 27 ] N24, 2011, Stahl, 107 x 32 x 32 cm

  • [ 28 ] N5, 1978, Tusche auf Transparentpapier, 70 x 90 cm

  • [ 29 ] Skulpturen im Garten v.l.n.r.: N69, 2003, Stahl, 172 x 62 x 62 cm | N39, 2006, Stahl, 285 x 110 x 60 cm N24, 2004, Stahl, 120 x 140 x 90 cm | N41, 1989, Stahl, 100 x 63 x 107 cm | N27, 2010, Stahl, 202 x 100 x 70 cm

  • Jean Maubouls compilation 19732013 Eva Inversini

    La seule chose qui mintresse, que je retienne et qui compte, dun objet, dun paysage ou dune figure, cest le contour. En fait son dessin.1

    Jean Maubouls

    Man knnte vielleicht meinen, die Abstraktion in der Kunst fhre dazu, dass es weniger ber diese Kunst nachzudenken gbe, beziehungsweise, dass das Nachdenken ber abstrakte Werke in absehbarer Zeit auch einmal abgeschlossen sei, weil diese doch viel berschaubarer gestaltet sind als beispielsweise die Fresken eines Michelangelo. In der intensiven Auseinandersetzung mit dem uvre des franzsisch-schweizerischen Knstlers Jean Maubouls trifft jedoch meines Erachtens vielmehr das genaue Gegenteil dieser Vermutung zu. Neben zahlreichen Fragestellungen und berlegungen die ussere Formgebung, die Materialwahl oder die Werkentwicklung betreffend, entfalten Maubouls Glascollagen, Skulpturen, Reliefs und Arbeiten auf Papier unmittelbar tief greifende Wirkungen werden doch beispielsweise seine Werke als wahrhaftig und als in sich stimmend empfunden.2 Dem oben angefhrten Zitat von Jean Maubouls aus dem Jahr 2004, welches auch heute noch gilt, sei deshalb zu Beginn und zum Abschluss des vorliegenden Textes Auszge aus den beiden ersten Kapiteln der zauberhaften Geschichte des Le Petit Prince von Antoine de Saint-Exupry zur Seite gestellt: Lorsque javais six ans jai vu une fois, une magnifique image, dans un livre sur la Fort Vierge qui sappelait: Histoires Vcues. a reprsentait un serpent boa qui avalait un fauve. On disait dans le livre: Les serpents boas avalent leur proie tout entire, sans la mcher. Ensuite ils ne peuvent plus bouger et ils dorment pendant les six mois de leur digestion. Jai alors beaucoup rflchi sur les aventures de la jungle et, mon tour, jai russi, avec un crayon de couleur, tracer mon premier dessin. (...) Jai montr mon chef-duvre aux grandes personnes et je leur ai demand si mon dessin leur faisait peur. Elles mont rpondu: Pourquoi un chapeau ferait-il peur? Mon dessin ne reprsentait pas un chapeau. Il reprsentait un serpent boa qui digrait un lphant. Jai alors dessin lintrieur du serpent boa, afin que les grandes personnes puissent comprendre. Elles ont toujours besoin dexplications. (...) Les grandes personnes mont conseill de laisser de ct les dessins de serpents boas ouverts ou ferms, et de mintresser plutt la gographie, lhistoire, au calcul et la grammaire. Cest ainsi que jai abandonn, lge de six ans, une magnifique carrire de peintre.3

    Bereits in frhen Jahren entwickelt Jean Maubouls eine unverkennbare, abstrakte Bildsprache, die er bis heute konstant weiterverfolgt. Die Zeichnung gilt dabei als eigenstndiges konstituierendes Medium, das parallel zu den plastischen Arbeiten, die gleich einer Zeichnung im Raum wirken, entsteht. Jean Maubouls erzeugt mit Linien und Flchen, geometrischen Formen und Volumina in unterschiedlichster Variation und Konstellation gltige Setzungen, die gleichzeitig przis und sanft, unbeirrt und bewegt, still und doch beschwingt wirken. Die intensive Beschftigung mit grundlegenden Fragestellungen von Proportion und Anordnung, von Transparenz und Durchdringung, von Licht und Schatten, von Bewegung und Stillstand, von Begrenzung und (Er-)ffnung kennzeichnen sein Werk. Die reduzierte Formensprache zeigt Berhrungspunkte mit minimalistischer und konstruktiver Kunst.4 Sie weist jedoch in ihrer individuell sinnstiftenden Intention und nachfolgenden Wirkung darber hinaus. Jean Maubouls Collagen, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Objekte erinnern in ihrer strengen Setzung und nachhaltigen Konsequenz an wissenschaftliche Axiome. In ihrer bewegten inneren Freiheit sind sie gleich einem visuellen Gedicht berhrend, tiefsinnig und wahrhaftig.

    [ A ] [ B ]

  • La seule chose qui mintresse, que je retienne et qui compte, dun objet, dun paysage ou dune figure, cest le contour. En fait son dessin.5 Bei Jean Maubouls lsst sich die parallele Entwicklung von zeichnerischem und plastischem Werk gut mitverfolgen wobei die Zeichnung dem Knstler in gedanklicher und selbstredend auch in technischer Hinsicht mehr Freirume lsst.6 Der bergang von der flachen, rein zweidimensionalen Arbeit auf Papier hin zu dreidimensionalen Werken ist dabei fliessend. Whrend die Zeichnung eines Kreises mit Pastellkreide auf ein gefaltetes, dadurch leicht nach vorne auskragendes Papier (Abb. A: Ohne Titel, 2004, Pastellkreide auf gefaltetes Papier, 60 x 42 cm) die dritte Dimension nur leicht andeutet und dabei nach wie vor im Rahmen bleibt, dringen Arbeiten wie N10 (Abb. B: N10, 1978, Stahl und Glas, 12 x 190 x 1 cm) aus zwei Stahlstben und einem kleinen Glasstck und ungleich mehr noch Werke wie N67 (Abb. C: N67, 1998, Stahl, 77 x 29 x 18 cm) aus gebogenem Edelstahldraht viel deutlicher in den Raum vor. Eindrcklich zeigen diesen bergang auch die neueren Arbeiten N1 (Abb. D: N1, 2013, Stahl und Schnur, 70 x 70 x 2 cm), N42 von 2012 (Abb. Umschlag) oder N3 (Abb. E: N3, 2009, Glas und Schnur, 46 x 118 cm) aus Stahl- oder Glaselementen in Kombination mit Schnur, fr die der Knstler die Materialien so przis und reduziert auf die Wandflche setzt, als ob er mit Bleistift, Tusche und Lineal auf ein Blatt Papier zeichnen wrde. Die Schnur wird zur Kontur eines Bildraumes auf der dahinter liegenden Wand, gleich wie die Stahlstbe und -drhte von Reliefs wie N2 von 1997 (Abb. 9) oder N4 von 2000 (Abb. 10) ein Geviert umreissen oder die beschnittenen Glasscheiben in den Collagen die Bildflche definieren. Dabei spielt die technische Perfektion in der Werkmontage und in der Behandlung des Materials hinsichtlich der eindringlichen Wirkung auf die Wahrnehmung des Betrachters eine ausschlaggebende Rolle. Maubouls Werke sind gleichsam Sinnbild fr die Vernderung der Perspektiven in der Wahrnehmung, die Erweiterung der Gedankenwelt und die Entdeckung neuer Horizonte.

    So abstrakt die Werke von Jean Maubouls auf den ersten Blick auch wirken, so vermgen sie doch berraschend reichhaltige Assoziationsketten und poetische Gedankenspiele hervorzurufen: Whrend zwei Glascollagen aus den 1970er Jahren (Abb. 7 und 8) den Betrachter an Papier und dessen Faltung erinnern mgen, lsst eine jngere Glascollage von 2010 (Abb. F: N35, 2010, Glascollage, 70 x 140 cm) wohl andere Saiten anklingen: Zwei Quadrate befinden sich etwa mittig und mit kleinem Abstand zueinander in einem Stahlrahmen, ein Rechteck fllt in der gesamten Lnge bis fast auf halber Hhe den unteren Teil des Bildraumes aus. Die leicht