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  • LA FAMILIA Undine Bandelin

  • 1

    „Fussball“ Siebdruck/ Mischtechnik auf Leinwand

    180 x 230 cm 2010

  • 2

    Der Rasenmähermann

    er schiebt seine Maschine über den Rasen

    er kann mich beobachten

    es ist kalt

    ich fahre mit dem Besen darüber. Der Rasen ist zu glatt

    ICH HALTE DIESES GESCHÖPF in meinen Armen,

    will den anderen das Gesicht zeigen.

    ES KRABBELT mir den Rücken hinauf, ich kann es

    nicht halten. Ich habe es selbst nicht gesehen.

    Er bestraft die, welche schlecht arbeiten und seinen Rasen

    nicht ordnungsgemäß reinigen

    mit einer Art Gartenschere

    der Rasen ist kurz und glatt wie ein Teppich, wie ich weiter

    mit dem stumpfen Besen darüber streiche

  • 3

    „Familienalbum“ Mischtechnik auf Leinwand

    180 x 230 cm 2010

  • 4

    Die Zimmergenossin

    Ihr Auge bohrt sich durch den Rücken von C in mein Gesicht.

    Sie wird uns nicht in Ruhe lassen, sie wird immer da sein, die Zimmergenossin.

    Unscheinbar wird sie in der Tür stehen, ausgehbereit, man wird die Tür

    in´s Schlosse fallen hören. Doch dann, wenn die ersehnte Ruhe eintreten

    könnte, spürt man sie wieder, im anderen Zimmer. Sie tut nichts. Sie sitzt

    ganz still und wartet. Doch ihre Anwesenheit dringt wie lähmendes Gift

    durch die Wände.

    Nun spüre ich sie hinter uns im Bett liegen. Vorsichtig hebe ich den Kopf und

    schaue über den Körper von C. Da liegt sie, zusammengerollt wie ein Igel,

    das eine Auge geschlossen, das andere aufgerissen und die glasige Pupille

    auf uns gerichtet.

    Der Opernauftritt

    Kurz vor der Opernaufführung soll ich noch einen Text einstudieren. Ich

    habe die Rolle des strengen Vaters.

    Eine Frau führt mich durch einen Saal, der in ein grell-blendend buntes Licht

    getaucht ist. Am Rande des Saales wanken Figuren in einer Art Winterschlaf,

    aus dem sie erst zu Beginn der Oper erweckt werden. Andere sind schon

    wach, sie nähern sich uns langsam und beginnen uns zu umtänzeln. Die

    Frau erklärt mir die Rolle und die Geschichte jeder Gestalt. Diese lachen uns

    dabei aus ihren schillernd bunt geschminkten Gesichtern an, wenden sich

    ab und verschwinden, drehen sich in ihren leichten Kostümgewändern.

    In der Mitte des Saales steht ein Wesen, eine Mischung aus Vogel und

  • 5

    „Die Essensausgabe“ Mischtechnik auf Leinwand

    230 x 180 cm 2008

  • 6

    Mensch. Es kreischt aufgeregt und fixiert dabei jeden unserer Schritte mit seinen Augen.

    Inmitten des Gesichtes prangt ein enormer Schnabel, verzückt starr lächelnd. Seine Arme

    oder Flügel enden in riesigen Triangelstäben, welche das Wesen immer wieder mit einem

    lauten Scheppern zu Boden fallen lässt.

    Ich bekomme meinen Text von der Frau. Doch die Worte sind ohne Sinn, vielleicht auch

    fremde Formeln. Die Worte stehen auf dem Papier aufgereiht zwischen unterschiedlich

    langen Freizeichen und leeren Abschnitten. Ich kann daraus weder schlussfolgern, wann

    ich zu sprechen habe, noch bleibt irgendetwas von den Buchstaben in meinem Gedächtnis

    hängen.

    Wie ich murmelnd versunken und ergebnislos versuche, mir diesen Text einzuprägen, gelange

    ich zu einer riesigen Tür.

    Die ersten neugierigen Zuschauer drängeln sich dahinter, wollen sich schon mit Gewalt

    Eintritt verschaffen. Neugierig schieben sich schon erste Köpfe in den Raum. Es ist noch zu

    früh! Von mir zurückgedrängt, kann ich den Zugang wieder vor ihnen versperren. Doch es

    rumort dahinter, beginnt anzuschwellen. Es werden ihrer zu viele.

    H

    H möchte uns umbringen. Wir befinden uns in einem kahlen Raum, eine Küche. Von der

    Decke hängen Seile mit Schlingen, welche Reih an Reih an oben angebrachten Eisenhaken

  • 7

    „Der Chor“ Mischtechnik auf Leinwand

    180 x 230 cm 2008

  • 8

    befestigt sind.

    Wir sollen uns selbst erhängen H hat die Anweisungen dazu gegeben und

    ist verschwunden. Die Szenerie hat eine erschreckende Normalität, keiner

    traut sich auszubrechen.

    Gleichzeitig ist H eine verrückte Frau. Sie agiert im Halbdunkel des Raumes.

    Ich bekomme sie nicht wirklich zu Gesicht, ich sehe bloß dann und wann

    ihren Lockenkopf hinter der grauen Küchenwand auftauchen.

    Gemurmel wird laut. Die verrückte Frau lässt eine Schlichterin zu. Sie kommt

    gehetzt und besorgt auf uns zugelaufen. Ich habe vor Angst geweint, wische

    mir die Tränen vom Gesicht. Ich erzähle der Schlichterin, dass, wenn die Frau

    uns aufhängen will, ich ihr ins Gesicht schlagen und fliehen werde. Doch

    die anderen wollen nicht, dass ich Gewalt anwende. Die anderen würden

    sich sogar erhängen lassen, bloß damit die Äußerlichkeit dieser absurden

    Situation nicht gestört wird.

    Die anderen akzeptieren lediglich, dass die verrückte Frau von der

    Schlichterin überzeugt wird. Sonst nichts. Als wir nun mit der Schlichterin

    sprechen, fällt mir auf, dass die verrückte Frau ein großes Messer von der

    Küchentheke entwendet hat.

    Sie könnte uns mit dem Messer zwingen, uns die Schlingen umzulegen. Ich

    könnte ihr nicht ins Gesicht schlagen.

    Ich stürze aus der Tür. Mir bleibt nur noch die Flucht. Ich höre hinter mir

    die angstvollen Schreie der anderen, ich solle zurückkommen, man müsse

    mich einfangen.

    Verunsichert verlangsame ich meine Schritte. Ich überlege, umzukehren.

  • 9

    „Vogel“ Mischtechnik auf Papier

    30 X 20 cm 2010

  • 10

    Ausstellungseröffnung

    Das Dunkelblau des Himmels färbt sich zu einer schwarzer Nacht.

    Hier drinnen ist es hell und viele Leute sind gekommen. Sie schauen meine

    Bilder an, die vom Boden bis zur Decke in das Zimmer hinein strahlen.

    Sie sind gar nicht von mir. Es ist zu spät, das zu sagen. Ich schweige. Am

    Rande des Ateliers stehend, beobachte ich das Publikum.

    Die Besucher nehmen Pinsel in die Hände und beginnen auf den Bildern

    herumzumalen, Terpentin daraufzukippen und sie zu zerstören. Weiter

    drehen sie ihre Runden, die Arme hinter dem Rücken verschränkt,

    den Kopf begutachtend zur Seite geneigt, nicken sie dann und wann

    wohlwollend oder stehen in kleinen Grüppchen in Gespräche vertieft.

    Ein älterer Herr geht an meinen Bildern vorbei, wirft ein prüfenden Blick

    darauf, indem er seine Brille ein wenig die Nase herabschiebt und seine

    Augen zusammenkneift. Schließlich entdeckt er mich in der Ecke, gibt

    einen Laut des freudigen Erkennens von sich und steuert auf mich zu.

    Sein Kopf kommt ganz dicht an den meinen heran. Übergroß sehe ich sein

    Lächeln, seine Zähne, seine weißen Bartstoppeln. Ich höre ihn Worte der

    Anerkennung sprechen, der Ermutigung Fortzufahren. Ein Theaterstück

    beginnt.

    Man darf nicht sagen, was gespielt wird, es wäre Verrat an der Situation.

    Die Schauspieler gehen um die Tische, sagen ihre Verse auf, ich höre

    gespannt zu.

    Diese Szene habe ich schon einmal erlebt. Entsetzen lähmt meine Beine

    und ich lasse mich kreidebleich an der Wand herunter gleiten.

    Ich muss hinaus – in die Nacht, vor die Ateliertür. Von hier aus sehe ich

  • 11

    „fliegen“ Mischtechnik auf Papier

    32 x 25 cm 2009

  • 12

    das helle Licht der strahlenden Eröffnung, die Schatten der Menschenmenge. Die Mündung

    einer Straße in eine andere. Es begrüßt mich ein junger Mann. Wie ich mich zu ihm umdrehe,

    schlägt er mir sofort ins Gesicht. Ich fliehe, will zurück zur Tür, doch sie ist verriegelt, ich kann

    nicht mehr hinein. Eine Frau packt mich, als ich weglaufen möchte.

    Die Besucher und die Theaterschauspieler pressen nun neugierig ihre Gesichter gegen die

    gläserne Scheibe, schirmen ihre Gesichter mit den Händen ab, um eine besseren Blick auf

    das neue Geschehen zu bekommen. Freudiges Lächeln umspielt ihre Gesichter. Faustschläge

    prasseln weiter auf mein Gesicht nieder.

    Das Irrenhaus

    Ich bin in ein riesiges Irrenhaus eingeliefert worden, weil ich Heroin genommen hatte. Dabei

    hielt ich bloß ein Wasserglas in der Hand, aus dem ich aber nichts getrunken hatte.

    Man packte meine Hände von hinten, ich schrie wie wahnsinnig und befand mich kurz

    darauf in einem großen Haus, wie eine Schule, aber drinnen war es dunkel und randvoll mit

    Menschen, die wirklich verrückt waren – ein Irrenhaus. In der Mitte des Saales, in welchem

    die ganzen Menschen mit einem ungeheuren Getöse hin- und her rannten, sich gegenseitig

    rauften und schlugen, stand ein enormes Podest. Es war von der Drogenberaterin. Sie stand

    steinern in der Höhe, die Arme gerade auf den Sockel gestützt, die Augen starr über den Pulk

    unter ihr gerichtet.

  • 13

    „Betthupferle“ Mischtechnik auf Papier

    25 X 32 cm 2010

  • 14

    Ich wollte nicht zu ihr, ich hatte sogar Angst, dass sie mich sieht, denn ich hatte ja gar

    kein Heroin genommen. Mich an ihr vorbei schleichend, geriet in die Gänge unter der