Lebensraum „Lichter Waldrand“ · PDF file Lichter Waldrand auf der Alb Standort...

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    12-Feb-2021
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Transcript of Lebensraum „Lichter Waldrand“ · PDF file Lichter Waldrand auf der Alb Standort...

  • Lebensraum „Lichter Waldrand“ Empfehlungen für die Pfl ege von Waldrändern

    www.landschaftspfl egeverband.de

    Landschaftspfl egeverbände Main-Spessart e.V. und Würzburg e.V.

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    Lichte Waldränder und lichte Wälder gehören zu den artenreichsten Biotopen.

    Für viele seltene licht- und wärmegebundene Arten unserer fränkischen Heimat ist dieser Lebensraum von großer Bedeutung.

    Lebensraum „Lichter Waldrand“

    Zaunkönig

    Goldene Acht

    Wendehals

    Bechstein-Kolonie

    Deutscher Enzian

    Kreuzenzian mit Hummel

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    Sommergoldhähnchen

    Kaisermantel

    Rauher Alant

    Ortolan

    Neuntöter

    Krabbenspinne

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    Das Glückswidderchen · ein Bewohner lichter Waldstrukturen

    Das Glückswidderchen (Zygaena fausta)

    wird nach der Futterpfl anze seiner Raupe auch Berg-Kronwicken-Widderchen genannt.

    Lebensraum der Berg-Kronwicke (Coronilla coronata) sind warme, trockene Waldränder und lichte Wälder auf fl achgründigen Böden.

    Sie sind naturgemäß Lebensraum besonders vieler Tiere und Pfl anzen, wie Schillerfalter, Zauneidechse und Ortolan. Viele von ihnen sind, wie das Glückswidderchen, selten und mittlerweile auch vom Aussterben bedroht.Standort der BergkronwickeLichter Waldrand auf der Alb

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    Wissenswertes über das Glückswidderchen und seine Futterpfl anze Die Raupe des Glückswidderchens ernährt sich ausschließlich von den Blättern der Berg-Kronwicke. Die Berg-Kronwicke ist eine (wintergrüne) Halblichtpfl anze und ein Anzeiger für lichte, warme und magere Standorte.

    Das Vorkommen des Glückswidderchens ist auf die Wuchsorte der Berg-Kronwicke beschränkt.

    Gefährdung der Berg-Kronwicke Alpen .............................stark gefährdet Spessart-Rhön................stark gefährdet Mainfränkische Platte ...gefährdet Fränkische Alb ...............gefährdet

    Mit dem Projekt

    „Ein Schmetterling im

    Glück“

    im Rahmen der

    Artenschutzkampagne

    „Bayerns UrEinwohner“

    wollen die

    Landschaftspfl egeverbände

    Würzburg und

    Main-Spessart in

    Zusammenarbeit

    mit dem Forst

    auf diesen Lebensraum und

    seine Bewohner

    aufmerksam machen.

    Einzelblüte der Bergkronwicke

    Das Glückswidderchen

  • 6

    Das Glückswidderchen fl iegt ab Ende Juli bis etwa Ende August.

    Fortpfl anzung: Die Eier werden in der Regel an der Blattunterseite der Berg-Kronwicke abgelegt. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpfen die Raupen. Sie häuten sich drei Mal und verkriechen sich dann zur Winterruhe in die Streuschicht und in Erdspalten. Im April des Folgejahres beginnt wieder die Nahrungsaufnahme. Darauf folgt die Verpuppung in der Streuschicht. Die Kokonphase dauert 18 - 21 Tage.

    Verbreitungskarte (Glückswidderchen und Berg-Kronwicke)

    Die Verbreitung des Glückswidderchens (Zygaena fausta) in Bayern im Jahr 2010

    In Bayern hat die Berg-Kronwicke ihr Hauptverbreitungsgebiet in Mainfranken, an der Fränkischen Saale und in der südlichen Fränkischen Alb.

    Das Glückswidderchen bei der Eiablage und als Raupe

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    Die historische Entwicklung lichter Wälder

    Durch den Menschen sind lichte Waldränder und Wälder weit über die natürlichen Standorte hinaus geschaffen worden. Dies geschah hauptsächlich durch die Nieder- und Mittelwaldnutzung seit dem Mittelalter. Bei diesen Bewirtschaftungsformen wird der Baumbestand, bestehend aus stockausschlagfähigen Laubbaumarten wie zum Beispiel die Hainbuche, im regelmäßigen Turnus von 20 bis 40 Jahren zur Gewinnung von Brennholz eingeschlagen. Während beim Niederwald der Baumbestand vollständig auf den Stock gesetzt wird, bleiben beim Mittelwald einzelne Bäume als „Überhälter“ zur Produktion von Bauholz stehen. So entstehen immer wieder Flächen mit optimalen Licht- und Wärmeverhältnissen. Seit dem 19. Jahrhundert wurden nach Aufgabe dieser historischen Nutzungsformen die meisten Nieder- und Mittelwälder in Hochwald überführt oder haben sich im Zuge natürlicher Sukzession in Hochwald umgewandelt.

    In Franken gibt es im Staatswald heute kaum noch Nieder- und Mittelwaldnutzung mehr. Nur im Privat- und Körperschaftswald ist die Mittelwaldwirtschaft noch kleinfl ächig erhalten. Beispiele hierfür fi nden sich in Iphofen, Willanzheim, Großwenkheim, Rottendorf und Bieberehren in Unterfranken.

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    Rückzug der Begleit-Arten lichter Waldgesellschaften auf Waldränder und Lichtungen Die Aufgabe der traditionellen Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung hatte erheblichen Einfl uss auf die artenreiche Mittelwald-Flora und -Fauna. In einem Buchenwald dringt in der Regel nur wenig Licht durch die geschlossenen Baumkronen. Arten der lichten Wälder ziehen sich wieder auf Lichtungen und Waldränder zurück. Viele von ihnen, wie das Glückswidderchen, sind heute stark gefährdet und vom Aussterben bedroht.

    Mopsfl edermaus Diptam Frauenschuh Frauenschuh

    gepfl egter Waldrand mit ende-

    mischer Mehlbeere

    Spanische Flagge

  • 9

    Brennholz und Ökokonto - ein Nutzen für die Gemeinde

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die vorgestellten Hilfsmaßnahmen für licht- und wärmeliebende Waldränder zu unterstützen:

    1. Förderprogramme: Durch die vorhandenen Förderprogramme im Naturschutz werden für Privatpersonen, Verbände und Kommunen fi nanzielle Unterstützungen angeboten, die bis zu 90 % der entstehenden Kosten abdecken.

    2. Ökokonto: Gemeinden können diese biotopverbessernden Arbeiten in kommunalen Wäldern auch im Ökokonto der Kommune anrechnen lassen. Diese Leistungen können bereits im Voraus als künftige Kompensationsfl ächen berücksichtigt werden. Die räumliche und zeitliche Vorleistung und Entkopplung als Ausgleichsfl äche für künftige Eingriffsvorhaben kann mit der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt besprochen und im Ökokonto festgelegt werden.

    3. Brennholznutzung: Eine weitere einfache Unterstützung von Aufl ichtungsmaßnahmen wäre die Vergabe an Selbstwerber zur Brennholznutzung, die aber eine enge Betreuung durch die örtlichen Förster notwendig macht.

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    Erhaltung und Wiederherstellung lichter Waldstrukturen

    Lichte Waldstrukturen brauchen Pfl ege ! Die Landschaftspfl egeverbände wollen daher in Zusammenarbeit mit Vertretern des Forstes geeignete Waldränder aufl ichten und pfl egen. Frühere Mittelwaldarten und heutige Saumarten sollen dadurch wieder mehr Lebensraum erhalten, damit sie überleben und sich wieder ausbreiten können.

    Für eine langfristige Erhaltung lichter Waldstrukturen spielen die standörtlichen Voraussetzungen eine wesentliche Rolle. Pfl egemaßnahmen sollten sich deshalb auf trockene, magere und möglichst süd- bis westexponierte Standorte konzentrieren. Besonders geeignet ist Wald auf Kalk- und Sandböden.

    Bei der Erstpfl ege zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung lichter Strukturen an Waldrändern sollte der Waldbestand aufgelichtet werden. Dabei werden insbesondere konkurrenzstarke Schattbaumarten wie die Rotbuche entnommen. Besondere Baumarten wie Elsbeere, Speierling, (endemische) Mehlbeeren oder Wildobst wie der Holz-Apfel bekommen dadurch wieder mehr Licht und Platz.

    Greifer, Baumfällarbeiten und Entbuschung

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    Biotopbäume und Totholz sind als besonderer Lebensraum für Tiere (z.B. Fledermausquartiere) und Pfl anzen unter Berücksichtigung der Verkehrssicherungspfl icht und Arbeitssicherheit zu erhalten.

    Vor jedem Maßnahmenbeginn empfehlen wir das Gelände nach besonderen Arten und Lebensraumstrukturen zu durchsuchen, um diese zu kennzeichnen und bei der Pfl ege zu schonen.

    Das ideale Ergebnis der Pfl ege ist ein Mosaik von vollsonnigen bis schattigen Bereichen mit vielen Übergängen. Die Erhaltung lichter Waldstrukturen erfordert Pfl egemaßnahmen in regelmäßigen Zeitabständen.

    Die Landschaftspfl egeverbände und Förster der Bayerischen Forstverwaltung unterstützen Waldeigentümer bei der Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen.

    Gepfl egter Waldrand

    Pfl ege im Steilhang

    Empfehlungen für die Pfl ege von Waldrändern

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    Gebietsbetreuerin Muschelkalk für die Landkreise Würzburg und Main-Spessart

    Christiane Brandt Montags: Telefon: (0931) 8003-167 Dienstags: Telefon: (09353) 793-1752 E-Mail: [email protected]

    Literaturhinweis: Lüth, M. (1993/2001): Biotope in Baden-Würtemberg (6): Felsen und Blockschutt- halden. Landesamt für Umweltschutz Baden-Würtemberg. 2. Aufl . Karlsruhe 2001.

    Reiser, B. (2009): Merkblatt Artenschutz 25: Glückswidderchen Zygaena fausta Linnaeus (1767). Bayer. Landesamt für Umweltschutz, Augsburg. 4 S.

    Reiser, B. & Binsenhöfer, B. (2010): Artenhilfsprogramm Glückswidderchen (Zygaena fausta L.) in Bayern. Kartierung und Pfl egemanagement Unterfranken 2010. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, Augsburg. 28 S.

    Reiser, B. & Binsenhöfer, B. (2008): Artenhilfsprogramm Glückswidderchen (Zygaena fausta L.) in Bayern. Unveröff. Gutachten i.A. des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, Augsburg. 60 S.

    Bärnthol, R. (2003): Nieder- und Mittelwald in