LRT 91E0* – Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder · PDF file1 . LRT 91E0* –...

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    LRT 91E0* – Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder

    A. Beschreibung und Vorkommen

    a) Definition / Beschreibung Der im Anhang I der FFH-Richtlinie als prioritär (*) eingestufte Lebensraumtyp umfasst lt. SSYMANK et al. (1998) fließgewässerbegleitende Erlen- und Eschenauwälder sowie quellige, durchsickerte Wälder in Tälern oder an Hangfüßen. „In der planaren bis kollinen Stufe mit Schwarzerle (Alno-Padion), in höheren Lagen auch Grauerlenauenwälder (Alnion incanae). Ferner sind die Weichholzauen (Salicion albae) an regelmäßig und oft länger überfluteten Flussufern eingeschlossen. Als Sonderfall sind auch Erlenwälder auf Durchströmungsmoor im Überflutungsbereich der Flüsse in diesen Lebensraumtyp eingeschlossen“ (SSYMANK et al. 1998). b) Verbreitung / Vorkommen Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder sind weiträumig in Deutschland verbreitet. In der kontinentalen Region ist der Lebensraumtyp fast flächendeckend verbreitet. In der atlantischen Region kommt er bis auf die Küstenmarschen und Teilbereiche der Ostfriesisch- Oldenburgischen Geest und Dümmer-Geestniederung weit verbreitet vor (vgl. Abb. 1 und Tab. 1). Tab. 1: Anteile der Bundesländer am Verbreitungsgebiet und der Fläche des

    Lebensraumtyps in der atlantischen Region (BFN/BMUB 2013)

    Bundesland Anteil des Verbreitungsgebietes Fläche in ha

    HB 1 % 16,24

    HH 1 % 336,76

    NI 52 % k. A.

    NW 32 % 1.438,00

    SH 10 % 732,00

    ST 4 % 371,00

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    Abb. 1: Vorkommen und Verbreitung der Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (LRT 91E0*) in der atlantischen Region gem. FFH-Bericht 2013

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    B. Erhaltungszustand

    a) Ergebnisse des Nationalen FFH-Berichts 2013 Erhaltungszustand (EHZ) in den biogeografischen Regionen (BGR) in Deutschland (BFN/BMUB 2013), in Klammern zum Vergleich der EHZ gem. FFH-Bericht 2007 (BFN/BMU 2007):

    Atlantische BGR Kontinentale BGR Alpine BGR

    U2 (U1) U2 (U1) FV (FV)

    Bewertung der Einzelparameter in der atlantischen Region in Deutschland (BFN/BMUB 2013), in Klammern zum Vergleich die Parameterbewertungen der EHZ gem. FFH-Bericht 2007 (BFN/BMU 2007):

    Verbreitungsgebiet Fläche Strukturen/ Funktionen

    Zukunftsaussichten Gesamt Trend

    FV (FV) U1 (U1) U2 (U1) U1 (U1) U2 (U1) =

    FV = günstig U1 = ungünstig-unzureichend U2 = ungünstig-schlecht XX = unbekannt + = sich verbessernd - = sich verschlechternd = = stabil x = unbekannt

    Der Parameter „Spezifische Strukturen & Funktionen“ wurde im FFH-Bericht 2007 noch mit ungünstig-unzureichend bewertet und hat sich im Bericht 2013 auf einen ungünstig-schlechten Zustand verschlechtert. Damit hat sich auch der Gesamt-Erhaltungszustand der Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder in ungünstig-schlecht verändert. Um eine Verbesserung des Gesamt-Erhaltungszustandes zu erreichen, sind vor allem bei den „Spezifischen Strukturen und Funktionen“ substantielle Verbesserungen nötig. b) Erhaltungsgrad in den wichtigsten FFH-Gebieten In 218 FFH-Gebieten der atlantischen biogeografischen Region Deutschlands sind Erlen- Eschen- und Weichholzauenwälder gemeldet. Der Lebensraumtyp nimmt dort eine Fläche von 5.148 ha ein. Die nachfolgende Tabelle beinhaltet die 24 FFH-Gebiete mit einer Mindestfläche des Lebensraumtyps von 50 ha. Tab. 2: FFH-Gebiete in der atlantischen biogeografischen Region mit einer Mindestfläche

    des Lebensraumtyps 91E0 von 50 ha

    (Bundesdatenbestand 2013, zu Grunde liegende Länderangaben können ältere Datenstände haben)

    Gebietsname (Gebietsnummer) BL Gebietsfläche

    (ha) LRT-Fläche

    (ha) Rep. Rel. Erh. Ges.

    Ilmenau mit Nebenbächen (DE2628331)

    NI 5.382 813 A C B A

    Schleswig-Holsteinisches Elbästuar und angrenzende Flächen (DE2323392)

    SH 19.280 350 A C B A

    Drömling (DE3533301) ST 4.328 174 C C B C

    Oste mit Nebenbächen (DE2520331)

    NI 3.720 165 A C B A

    Böhme (DE2924301) NI 1.712 160 A C B B

    Senne mit Stapelager Senne (DE4118301) NW 11.755 114 A C A A

    Gewässersystem der Luhe und NI 2.479 110 A C A B

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    Gebietsname (Gebietsnummer) BL Gebietsfläche (ha)

    LRT-Fläche (ha)

    Rep. Rel. Erh. Ges.

    unteren Neetze (DE2626331)

    Klüdener Pax-Wanneweh östlich Calvörde (DE3634301) ST 1.162 110 B C B B

    Wümmeniederung (DE2723331) NI 8.579 105 A C A B

    Bäche im Artland (DE3312331) NI 1.481 101 B C B B

    Rhein-Fischschutzzonen zwischen Emmerich und Bad Honnef (DE4405301)

    NW 2.336 96 B C C C

    Unterelbe (DE2018331) NI 18.790 94 B C B C

    Hachetal (DE3018331) NI 248 91 B - B -

    Drömling (DE3431331) NI 4.224 90 C C C C

    Geestmoor und Klosterbachtal (DE3118331)

    NI 377 89 A - B -

    Ems (DE2809331) NI 8.217 87 B C B B

    Schwalm, Knippertzbach, Raderveekes u. Lüttelforster Bruch (DE4803301)

    NW 719 87 A C B B

    Schwingetal (DE2322301) NI 1.961 77 A C B B

    NSG Bislicher Insel, nur Teilfläche (DE4305301) NW 1.002 72 A C B B

    Este, Bötersheimer Heide, Glüsinger Bruch und Osterbruch (DE2524331) NI 1.128 66 A C A A

    Lutter, Lachte, Aschau (mit einigen Nebenbächen) (DE3127331) NI 5.114 65 B C B B

    Aller (mit Barnbruch), untere Leine, untere Oker (DE3021331) NI 18.031 50 A - C -

    Wiestetal, Glindbusch, Borchelsmoor (DE2820301) NI 837 50 B C A B

    Ecker- und Okertal (DE4029301) ST 267 50 A C A B Rep. = Repräsentativität: A = hervorragende Repräsentativität, B = gute Repräsentativität, C = signifikante Repräsentativität, D = nicht signifikant.

    Rel. = relative Flächengröße (die vom Lebensraumtyp im gemeldeten Gebiet eingenommene Fläche in Bezug zur Gesamtfläche des betreffenden Lebensraumtyps in Deutschland): A = > 15 %, B = > 2–15 %, C = ≤ 2 %.

    Erh. = Erhaltungsgrad der Struktur und der Funktionen des betreffenden natürlichen Lebensraumtyps und dessen Wiederher- stellungsmöglichkeit: A = hervorragend (sehr guter Erhaltungsgrad, unabhängig von der Wiederherstellungsmöglichkeit), B = gut (guter Erhaltungsgrad, Wiederherstellung in kurzen bis mittleren Zeiträumen möglich), C = durchschnittlich oder eingeschränkt (weniger guter Erhaltungsgrad, Wiederherstellung schwierig oder unmöglich).

    Ges. = Gesamtbeurteilung des Wertes des Gebietes: A = hervorragend, B = gut, C = signifikant (mittel-gering).

    Der „Erhaltungsgrad der Strukturen und der Funktionen“ wurde in 117 FFH-Gebieten der atlantischen Region mit gut bewertet. 27 Gebiete wurden bezüglich des Erhaltungsgrads als hervorragend bewertet. 56 Gebiete wurden diesbezüglich als durchschnittlich bis eingeschränkt beurteilt. 19 Gebiete wurden nicht bewertet.

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    C. Gefährdungen und Beeinträchtigungen

    a) Gefährdungsgrad und Bestandsentwicklung Nach der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands (RIECKEN et al. 2006) werden Weichholzauenwälder mit natürlicher oder naturnaher Überflutungsdynamik als „von vollständiger Vernichtung bedroht“ eingestuft und werden als kaum regenerierbar eingeschätzt. Sie weisen aber noch einen stabilen Bestandstrend auf. Weichholzauenwälder mit einer fehlenden oder gestörten Überflutungsdynamik sind „stark gefährdet“. Weichholz- Tideauenwälder sind „von vollständiger Vernichtung bedroht“, weisen aber eine positive Bestandsentwicklung auf. Sie gelten ebenfalls als kaum regenerierbar. Weniger stark gefährdet sind hingegen Erlen- und Eschenwälder: Grauerlenauwälder werden als „gefährdet“ eingestuft. Eschenwälder und Schwarzerlenwälder an Fließgewässern gelten als „gefährdet“ bis „stark gefährdet“. Grauerlen- und Eschenwälder werden als kaum regenerierbar klassifiziert, Schwarzerlenwälder an Fließgewässern hingegen als schwer regenerierbar. Die Bestandstrends dieser Auenwälder sind unbekannt. b) Beeinträchtigungs- und Gefährdungsfaktoren Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder unterliegen einer Vielzahl an Gefährdungen (vgl. Tab. 3). Häufig kommt es zur Beseitigung von Tot- und Altholz. Problematisch für den Lebensraumtyp sind des Weiteren v. a. der Gewässerausbau, der zu Änderungen des hydrologischen Regimes führt, der Eintrag atmogener Schadstoffe, anthropogene Eingriffe und Störungen, Habitatfragmentierung und die Ausbreitung von invasiven nicht-einheimischen Arten (BFN/BMUB 2013, vgl. Tab. 3). Tab. 3: Beeinträchtigungen und Gefährdungen gem. FFH-Bericht 2013 (BFN/BMUB 2013)

    Code Beeinträchtigung/Gefährdung Bedeutung als Beeinträchtigung

    Bedeutung als Gefährdung

    A11 andere landwirtschaftliche Aktivitäten gering gering

    B02 Forstliches Flächenmanagement mittel

    B02.01.02 Wiederaufforstung mit nicht autochthonen Gehölzen

    gering

    B02.02 Einschlag, Kahlschlag mittel mittel

    B02.04 Beseitigung von Tot- und Altholz hoch mittel

    B07 andere forstwirtschaftliche Aktivitäten mittel

    D01 Straßen, Wege und Schienenverkehr mittel mittel

    F03.01.01 Wildschäden (durch überhöhte Populationsdichten)

    gering mittel

    G01 Sport und Freizeit (Outdoor-Aktivitäten) gering mittel

    G05 Andere menschliche Eingriffe und Störungen mittel

    G05.06 Baumsanierungsmaßnahmen, Fällen aus Verkehrssicherungsgründen

    hoch

    H01 Verschmutzung von Oberflächengewässern (limnisch, terrestrisch, marin & Brackgewässer)

    mittel mittel

    H04 Luftverschmutzung und atmogene