Ludger Hoffmann Reflexionen über die Sprache: de Saussure...

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1 Ludger Hoffmann Reflexionen über die Sprache: de Saussure, Chomsky, Bühler 1. Sprachtheorien und menschliche Verständigungsfähigkeit 2. Ferdinand de Saussure 3. Noam Chomsky 4. Karl Bühler 5. Einsichten und Aussichten 6. Literatur 1. Sprachtheorien und menschliche Verständigungsfähigkeit Die Sprachfähigkeit galt und gilt Vielen als Charakteristikum des Menschen. Die Forschungsgruppe „Was ist der Mensch?“ (KWI Essen/Universität Dortmund) un- tersucht daher u.a. Universalien menschlicher Verständigungsfähigkeit im Blick auf Natur und Kultur. Das setzt einen angemessenen Begriff von Sprache voraus und erfordert die Auseinandersetzung mit den wichtigsten Sprachtheorien. Sie soll hier exemplarisch aufgenommen werden. Wilhelm von Humboldts Sprachtheorie ist durch zwei Fragen bestimmt: „Wie gestaltet sich in dem Menschen die ihm eigenthümliche Sprache tauglich zum Ver- ständnis und zum Ausdruck aller sich ihr möglicherweise in der Vielfachheit der Gegens- tände, und der Mannigfaltigkeit der Redenden darbietenden Begriffe und Empfindungen? und wie werden der Mensch und seine Weltsicht durch die ihm eigenthümliche Sprache an- geregt und bestimmt?” (1963:155 (Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues)) Heute sind es vor allem die folgenden Frage, die zu stellen sind: a) Ist Sprache nur dem Menschen gegeben? Müssen dann nicht alle entwickelten Sprachen gemeinsame Grundlagen - Universalien - haben, die zugleich den Erwerb allererst ermöglichen? Sind dies Gemeinsamkeiten ihrer Form oder Formenbildung, sind es funktionale Universalien? „Jede einzelne Sprache [idiôme] ist in mehr als einer Hinsicht ein Fragment ‘eines größeren Ganzen, von dem es losgelöst wurde’; einmal in Beziehung auf das, was sie durch alle Wechsel ihrer Dauer hindurch gewesen ist; dann in Beziehung auf das Ganze aller noch o- der ehemals vorkommenden Sprachen des Erdbodens. (...) Das Ganze, von dem wir hier sprechen, ist nicht aus mehreren mit einander zu einem Zweck wirkenden Teilen zusam- mengesetzt; es besteht vielmehr aus mehreren Methoden, dieselben Verrichtungen immer ganz, aber verschieden zu vollbringen.” (v. Humboldt 2004:171 (Essai sur le langue du nou- veau continent)) b) Bietet die Sprache eine verlässliche Möglichkeit der Kategorisierung von Reali- tät? Unterscheiden sich die Sprachen darin? Lässt sich eine sprachunabhängige Rea- lität annehmen, an der Gebrauch und Ewerb von Sprache stets gemessen wird? Gibt es in der Zuordnung von Ausdruck und Bedeutung so etwas wie Sprachrichtigkeit? c) Gibt es, wenn wir uns nicht verstehen, eine gemeinsame Basis, auf die wir uns zur Klärung beziehen können, und worin besteht sie? d) Hat ein Wort, ein Ausdruck einer Sprache für die Sprachgemeinschaft Bedeutung und wie lässt sich das verstehen? Liegt diese Bedeutung außerhalb oder innerhalb der Sprache, ist sie ohne Äußerungszusammenhang oder ohne den sozialen Kontext - die „Lebensform” (Wittgenstein) zu greifen? Braucht die Bedeutung das Netz der Sprache wie ein theoretischer Satz das Netz der Theorie, zu der er gehört? e) Sind die Zwecke der Sprache, das, wozu sie gebraucht wird, mit ihrer Form ver- bunden oder ist der Zweck für den Kern des Systems gänzlich peripher? Hat Sprache
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Ludger HoffmannReflexionen ber die Sprache: de Saussure, Chomsky, Bhler 1. Sprachtheorien und menschliche Verstndigungsfhigkeit2. Ferdinand de Saussure3. Noam Chomsky4. Karl Bhler5. Einsichten und Aussichten6. Literatur

1. Sprachtheorien und menschliche VerstndigungsfhigkeitDie Sprachfhigkeit galt und gilt Vielen als Charakteristikum des Menschen. DieForschungsgruppe Was ist der Mensch? (KWI Essen/Universitt Dortmund) un-tersucht daher u.a. Universalien menschlicher Verstndigungsfhigkeit im Blick aufNatur und Kultur. Das setzt einen angemessenen Begriff von Sprache voraus underfordert die Auseinandersetzung mit den wichtigsten Sprachtheorien. Sie soll hierexemplarisch aufgenommen werden.Wilhelm von Humboldts Sprachtheorie ist durch zwei Fragen bestimmt:Wie gestaltet sich in dem Menschen die ihm eigenthmliche Sprache tauglich zum Ver-stndnis und zum Ausdruck aller sich ihr mglicherweise in der Vielfachheit der Gegens-tnde, und der Mannigfaltigkeit der Redenden darbietenden Begriffe und Empfindungen?und wie werden der Mensch und seine Weltsicht durch die ihm eigenthmliche Sprache an-geregt und bestimmt? (1963:155 (Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues))Heute sind es vor allem die folgenden Frage, die zu stellen sind:a) Ist Sprache nur dem Menschen gegeben? Mssen dann nicht alle entwickeltenSprachen gemeinsame Grundlagen - Universalien - haben, die zugleich den Erwerballererst ermglichen? Sind dies Gemeinsamkeiten ihrer Form oder Formenbildung,sind es funktionale Universalien?Jede einzelne Sprache [idime] ist in mehr als einer Hinsicht ein Fragment eines grerenGanzen, von dem es losgelst wurde; einmal in Beziehung auf das, was sie durch alleWechsel ihrer Dauer hindurch gewesen ist; dann in Beziehung auf das Ganze aller noch o-der ehemals vorkommenden Sprachen des Erdbodens. (...) Das Ganze, von dem wir hiersprechen, ist nicht aus mehreren mit einander zu einem Zweck wirkenden Teilen zusam-mengesetzt; es besteht vielmehr aus mehreren Methoden, dieselben Verrichtungen immerganz, aber verschieden zu vollbringen. (v. Humboldt 2004:171 (Essai sur le langue du nou-veau continent))b) Bietet die Sprache eine verlssliche Mglichkeit der Kategorisierung von Reali-tt? Unterscheiden sich die Sprachen darin? Lsst sich eine sprachunabhngige Rea-litt annehmen, an der Gebrauch und Ewerb von Sprache stets gemessen wird? Gibtes in der Zuordnung von Ausdruck und Bedeutung so etwas wie Sprachrichtigkeit?c) Gibt es, wenn wir uns nicht verstehen, eine gemeinsame Basis, auf die wir uns zurKlrung beziehen knnen, und worin besteht sie?d) Hat ein Wort, ein Ausdruck einer Sprache fr die Sprachgemeinschaft Bedeutungund wie lsst sich das verstehen? Liegt diese Bedeutung auerhalb oder innerhalbder Sprache, ist sie ohne uerungszusammenhang oder ohne den sozialen Kontext- die Lebensform (Wittgenstein) zu greifen? Braucht die Bedeutung das Netz derSprache wie ein theoretischer Satz das Netz der Theorie, zu der er gehrt?e) Sind die Zwecke der Sprache, das, wozu sie gebraucht wird, mit ihrer Form ver-bunden oder ist der Zweck fr den Kern des Systems gnzlich peripher? Hat Sprache

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einen unabweisbaren Kern, auf den sie reduziert werden kann, etwa Grammatik alsSyntax und Phonetik?f) Wie verhlt sich das, was wir als sprachliche Aktivitt, als Handeln begreifenknnen zu dem, was zur inneren Seite gehrt, also zum Wissen, zu mentalen Fhig-keiten? Gibt es eine Brcke zur neuronalen Basis, d.h. knnen neuronale Strukturenzur Erklrung sprachlicher Phnomene beitragen?Wittgenstein erwgt die Mglichkeit, da gewisse psychologische Phnomene phy-siologisch nicht untersucht werden knnen, weil ihnen physiologisch nichts ent-spricht. (1984 (Zettel 609):417)Antworten auf einige dieser Fragen bieten die drei herausragenden Sprachtheoretikerdes 20. Jahrhunderts: de Saussure, Chomsky und Bhler. Auf sie wollen wir unskonzentrieren.

2. Ferdinand de SaussureDie moderne Sprachwissenschaft beginnt mit einem groen Text, dem Cours delinguistique gnrale von 1916. Ferdinand de Saussure (1857-1913), dessen Nameals Autor voransteht, hat das Buch selbst nicht verantwortet. Es wurde postum aufder Basis von Vorlesungen, die Saussure zwischen 1906 und 1911 gehalten hat, zu-sammengestellt. Seine Schler haben die Mitschriften mit eigenen Gewichtungenund Zutaten zum Grundtext struktureller Sprachwissenschaft und des modernenStrukturalismus kompiliert. Der Autor war in vielen Facetten hinter dem Text ver-schwunden. Saussure selbst wurde - spt erst - selbst Gegenstand der Philologie1 Eswirkte der Text, gelst nicht nur vom Verfasser, was ja so selten nicht ist, sondernauch von seinen Diskurszusammenhngen im 19. Jahrhundert2 und seiner Entste-hung aus langjhriger historisch-vergleichender Forschung. Die Diskussion mit ei-nem derart isolierten und vielschichtigen Text fhrte zu vielen Lesweisen und Miss-verstndnissen, zu strukturell-formalistischen, aber auch zu hermeneutischen Inter-pretationsgemeinschaften.

Welches Bild von Sprache hat dieser Text so nachhaltig im linguistischen Bewusst-sein verankert? Der Einzelne verfgt nie ber seine Sprache als Ganzes. Das faktischbeobachtbare Sprechen, die je hervorgebrachte Rede - la parole - ist zufllig, ansjeweilige Individuum und seine Bedingungen gebunden (1967:16). Sie ist die Basisder Sprache, kann aber schon aufgrund ihrer Eigenschaften nicht Gegenstand derLinguistik sein. Als Gegenstand der Linguistik kommt fr Saussure auch nicht diemenschliche Sprachlichkeit schlechthin, die langage in Betracht, der all-tagssprachliche Sprachbegriff erscheint ihm als wirrer Haufen verschiedenartigerDinge (1967:10), er widersetzt sich der Erkenntnis (1967:23), ist Objekt ver-schiedenster Disziplinen wie Psychologie, Anthropologie etc. (1967:10). Gegens-tand ist die Sprache als kollektiv geteiltes System von Zeichen, die langue. Zei-chenhaftigkeit meint nicht mehr das traditionelle, seit der Antike gngige Reprsen-tationskonzept von Zeichen - aliquid stat pro quo, die Bezugsrealitt ist unabhngiggegeben -, sondern eine mentale Einheit. Fr Humboldt war die klassische Rede vonZeichen eine Verkrzung um den in jeder einzelnen Sprache verkrperten spezifi-schen Weltbezug, der das Denken bestimmt.

1 Vgl. u.a. Jger 1976, Scheerer 1980 und die Einleitungen von Fehr und Jger in de Saussure 1997und 2003.2 de Saussure hatte in Leipzig, dem Hort der junggrammtischen Schule, studiert und Gedanken auf-gegriffen, die sich auch etwa bei Georg v.d. Gabelentz u.a. finden (vgl. Coseriu 1967).

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De Saussures Gegenstand ist konkret, ist real (1967:18) - sonst wre er kein legiti-mes Objekt einer Wissenschaft, und hier mag der Positivismus des 19. Jahrhundertsanklingen. Die Sprache erscheint als Produkt, als Inventar, fr de Saussure ist dieSprache [langue] das Depot der Lautbilder und die Schrift die greifbare Form dieserBilder. (1967:18)Das Zeichen hat einen Trger, das mentale Lautbild. Eine Reihe von Phonemen, soist es hier und im Strukturalismus gedacht. Das Lautbild ist insofern real und greif-bar, als es sekundr in der Schrift abgebildet werden kann. In der Schrift zeigt sichallererst der Systemcharakter. Das Zeichen ist eine mentale Einheit, in der untrenn-bar Lautbild als Trger (signifiant) und Vorstellung (signifi) verbunden, assoziiertsind. Eine solche Einheit hatte auch schon Humboldt fr das Wort, das den Begriffdurch seinen laut hervorruft [...] der Begriff aber erst selbst seine Vollendung durchdas Wort erhlt und beide nicht voneinander getrennt werden knnen. (v. Hum-boldt 2004:99). Vorstellung als Bedeutung etwa eines Wortes ist einige Jahre nach Freges Kritik(1975: 41f.) durchaus problematisch, sofern damit kollektiv Geltendes gemeint ist.Jedenfalls sind es hier keine vorab gegebenen Vorstellungen, die dann nur noch inder einen Sprache mit diesem, in der anderen mit jenem Lautbild verbunden wren(1967:139). Das Zeichensystem stellt Saussure sich nicht als Reihe von Nomenkla-turen vor. Vielmehr heit Systemhaftigkeit, dass ein Element seinen Bezeich-nungscharakter erst in Abgrenzung zu den bezeichneten Vorstellungen anderer Ele-mente gewinnt, seine Bedeutung gewinnt es aus dem Wert [valeur] im System. Sowie gut seinen Wert aus der zugrunde liegenden Notenskala erhlt. Wenn etwas ge-uert wird, ist immer das qua Gesagtem Abwesende ausgeschlossen. Die Identittentsteht aus der Differenz. Nicht aus einer Beziehung zur Realitt, sondern in derRelation zu anderen Zeichen, die seinen Wert ausmacht. Ohne die Verschiedenheitder Zeichen gibt es keine Identitt; jedes hat seine Einmaligkeit in der Abgrenzung.Die Differenz macht das Zeichen aus. Isoliert wrde es nichts bedeuten.In der uerung bestimmt sich die Bedeutung durch zwei Systemrelationen:a) Zeichen treten zu dem, was auerdem noch gesagt wird in eine syntagmatischeRelation (Der Grtner + schneidet + den Rasen). Die Zeichen werden notwendignacheinander artikuliert (Prinzip der Linearitt), knnen nicht zugleich an dersel-ben Stelle prsent gemacht werden. Sie erscheinen aber als Miteinander, wie es inder Schrift rumlich sichtbar wird.b) Zeichen sind mit anderen Zeichen verbunden, die in der Artikulation abwesendsind. Es handelt sich um Zeichen, die miteinander in assoziativer (Saussure) bzw.paradigmatischer Relation stehen. Wenn der Grtner den Rasen schneidet,mht/harkt/dngt... er ihn nicht. Die Prsenz des Zeichens bezieht ihren Wert ausder Absenz anderer. Das Sprachsystem konstituiert sich durch die Differenzen, sodie saussuresche Semiologie.Im Ordnungssystem der langue ist die Vernderung, die Diachronie mitgedacht,auch wenn schwer zu sagen ist, wann ein neues Sprachstadium (Lieb) erreicht ist.Im Sprechen gilt die synchronische Gleichheit, wie sie auch die Sprechendenfhlen. Und doch ist Sprache immer in Bewegung, und zwar notwendigerweise,denn jedes Symbol existiert nur, weil es in die Zirkulation hineingeworfen ist.(zit.n. Fehr 1997:107); im Nachlass wird noch deutlicher, dass der authentischeSaussure an Humboldts Energeia-Konzept anknpft3. Die Synchronie ist in die Dia-

3 Den Humboldt-Bezug wie die Storichtung gegen die positivistische Indogermanistik des 19. Jh.hat brigens Bhler (1934:7) klar gesehen. Interessant auch, dass er von halbfertigen Entwrfe[n]

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chronie eingelagert; sie ist nicht - wie fter in Einfhrungswerken zu lesen - der ein-zige legitime Gegenstand der Linguistik. Die Sprache lebt in der Vernderung undin der Weitergabe ber die Generationen, bei der sie sich kaum merklich - besondersim Lautbereich - ndert. In ihrer Dynamik erffnet sie keinen Spielraum fr die Ver-fgung des Einzelnen. Sie ist, was sie ist, die Zeichen bedeuten, was sie bedeuten -nicht als Nomenklatur oder Konvention oder Reprsentanz einer natrlichen Ord-nung, sondern arbitrr. Das meint bei de Saussure nicht Beliebigkeit, sondernfehlende innere Korrelation Laut-Vorstellung, systembedingte, nicht regelhafte Ord-nung der Vorstellungen, Nicht-Reduzierbarkeit auf Anderes, Autonomie des Zei-chens und damit des Gegenstands der Sprachwissenschaft. Da kann nicht einfacheingegriffen, das muss so gelernt werden. Die Zuordnung von Lautfolge [tI] undVorstellung Tisch ist nicht extern motiviert. Dass es Bereiche von Motiviertheitgibt, rumt Saussure ein. Die Sache ist aber sicher komplizierter, so wren hnlich-keitsprinzip (Kruszewski, Jakobson u.a.) und Analogie (Paul u.a.) strker zu berck-sichtigen, als de Saussure es tut.

Die Sprache gewinnt ihre Dynamik aus dem Sprechen. Das Sprechen kommt zuerst.Durch das Sprechen sedimentiert sich die Sprache in den Gehirnen der Vielen undwird kollektiver Besitz, soziale Tatsache (fait social). Dort verankert erscheint sie- nach Saussures Bild - wie eine Symphonie, deren Realitt unabhngig ist von derArt und Weise wie sie aufgefhrt wird; die Fehler, welche die Musiker machen kn-nen, betreffen diese Realitt in keiner Weise. (1967:21). Ohne die Symphonie, nie-dergelegt in Noten oder Gehirnen, knnte es keine Auffhrung geben. Insofern istdas, was hinter dem Sprechen oder Musizieren steckt, die eigentliche Realitt, die zuerforschen ist. Das System hinter den Phnomenen ist von hchster Ordnung undRealitt, in seiner Artikulation und historischen Dynamik gengt es den gesell-schaftlichen Anforderungen und stellt eine soziale Tatsache besonderen Ranges dar.Gegenstand ist damit das System einer Einzelsprache, nicht ihre physiologisch-biologischen oder akustischen korrelate, auch nicht die Universalien menschlicherSprachen oder die Sprachfhigkeit schlechthin.Mit der Emanzipation ihres Gegenstandes ist erstmals die Linguistik als Disziplinlegitimiert und das macht diesen Ansatz so erfolgreich.Seine Schwche liegt darin, dass mit dem Sprechen, der Artikulation, der Rede dieauthentische Kommunikation, das Handeln mit Sprache aus dem Fokus verschwin-det. Das Gesprochene wird wieder relevant im amerikanischen distributionalisti-schen Strukturalismus, der mit unbekannten Indianersprachen konfrontiert ist, undeine Korpusmethodologie braucht. Sie sucht sich vom Subjekt, von der Intuition undvielfach auch von Bedeutungen unabhngig zu stellen, hlt nur das Beobachtbare frzugnglich und entfernt sich so von de Saussure und Analysen des Mentalen. Aller-dings nimmt Bloomfield das Sprechen als Prozess, wenngleich - nachdem er sich1914 von der Wundtschen Sprachpsychologie verabschiedet hatte (1935: vii) - be-havioristisch als Reaktionsform.Die Etikettierung der langage als vor-wissenschaftlich mag Vorbild fr ChomskysAufgabe des Sprachbegriffs gewesen sein, die Suche nach einer tieferen Realitt alsdem beobachtbaren Sprachvorkommen leitet beide.Ein Problem bleibt, dass das (Fundierungs-)Verhltnis zwischen langue und pa-role nicht wirklich geklrt ist, so dass in der Folge allerlei begriffliche Zwischen-

eines noch ringenden Gestalters groen Formates (7) spricht, ohne von der Authentizittsproblema-tik Kenntnis zu haben.

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konstruktionen eingezogen wurden. Ferner wird - wohl in Reaktion auf das 19. Jahr-hundert - das Verhltnis der Sprachen zueinander und zur menschlichen Sprachf-higkeit nicht systematisch angegangen; die universellen Strukturen werden dann inder Phonologie (etwa bei Jakobson) allerdings wieder Thema.

3. Noam ChomskyNoam Chomsky (*1929) gehrt zu den meistzitierten Autoren der Gegenwart. Eingroer Teil seiner Schriften ist politisch und kritisiert die Globalisierung, die US-Politik, die Manipulation durch die Massenmedien. Sein Engagement mag die Re-zeption seiner linguistischen Theorie befrdert haben. Sein - wenngleich loser - Be-zug auf den Cartesianischen Rationalismus, auf die Kreativitt des Sprachvermgensund die Universalgrammatik verdeckt ein biologistisch-technisches Sprachbild, dasdurch eine Annherung an die Naturwissenschaften und den galileischer Stil(Chomsky 2002:98 unter Bezug auf Weinberg und Husserl), demzufolge wissen-schaftliche Modelle mehr Realittsgehalt haben als das, was wir von der Auenweltwahrnehmen knnen.Nicht ein bedeutender Text, die Autoritt einer Person, die drei Wechsel des gram-matiktheoretischen Paradigmas initiiert und durchgesetzt hat, steht hier im Zentrum.Chomsky treibt den Emanzipationsprozess von der deskriptiven Grammatik derTradition, der Korpustechnologie der Strukturalisten und der Erforschung desSprachgebrauchs so weit, dass schlielich der Begriff der Sprache fllt. Sprachewird als Epiphnomen diskreditiert.Note that the central concept throughout is grammar, not language. The latter is deri-vative, at a higher level of abstraction from actual neural mechanisms; correspondingly, itraises new problems. (Chomsky 1981:4)Wie konnte es - wie konnte Chomsky - dahin kommen? Und was bedeutet dies frdie Wissenschaften von den Sprachen?Chomsky findet seinen Gegenstand nicht in einem Zeichensystem, sondern in einemnatrlichen Objekt, das zur Biologie des Menschen gehrt. Es ist die language fa-culty, das Sprachvermgen als natrliche und angeborene humanspezifische Eigen-schaft. Manchmal spricht Chomsky auch von der i-Language, der internen, indi-viduellen, intensionalen Sprache im Gegensatz zur externen Sprache (e-language), die als beobachtbares Sprachverhalten unserem Alltagsverstndnis ent-spricht.Auch de Saussure hatte Sprache als menschliches Sprachvermgen, als facult dulangage expliziert. Er greift aber wohl auch hier zurck auf Humboldt:Allein alle einzelne Sprachen finden sich zusammen, alle noch so entgegengesetzte Eigen-tmlichkeiten vereinigen sich in dem Sprachvermgen [facult des langage] des Menschen.Dieses Vermgen ist der Mittelpunkt des Sprachstudiums, auf den alles in demselben hin-gehen [...] mu. Das Menschengeschlecht hat ungefhr berall dieselben Bedrfnisse unddieselben krperlichen und geistigen Krfte, aber es bleibt doch [in Ma und Beschaffen-heit] etwas Unbestimmbares brig, worin sie sich von einander unterscheiden, einander vor-eilen oder zurckbleiben. Wir haben daher darin ein Gebiet, [das neben der allgemeinenGleichfrmigkeit innerhalb seiner Grenzen eine ganz unbestimmbare und ewig unerschpf-liche Mannigfaltigkeit bewahrt. Doch auch dies Gebiet ist scharf begrenzt] einmal 1. durchdie Natur der Sprachen, als Werkzeuge, die aus einer bestimmten Zahl von Lauten bestehen,und nur eine bestimmte Anzahl von Verbindungen dieser zulassen; dann 2. durch die Na-tur des Menschen, die Beschaffenheit seiner Organe und den mglichen Umfang seiner F-higkeit wahrzunehmen, zu denken und zu empfinden; ferner 3. durch die unabnderlichenGesetze der Logik, welchen alle besondre Anwendungen untergeordnet bleiben mssen; und4. endlich durch die ueren, uns umgebenden Gegenstnde; 'aber innerhalb dieser Gren-

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zen lt es eine unendliche und nie zu erschpfende Vielfalt zu.' Dieses Gebiet [der Raumgleichsam, der frei bleibt nach unten und oben zwischen dem niedrigsten, unausbleiblichenBedrfnis und der hchsten Ausbildung, nach den Seiten hin fr die mannigfaltigste Errei-chung derselben Stufen durch verschiedene Mittel] ist das Feld, welches durch das [allge-meine] Sprachstudium erforscht, bearbeitet, und befruchtet werden mu. (v. Humboldt2004: 168f. (Essai sur le langue du nouveau continent))Wir sehen, dass die Gemeinsamkeit des Anfangs in eine Differenz mndet, dieChomskys Berufung auf Humboldt fraglich macht. Denn der setzt bei der je aktuel-len Spracherzeugung an, mit der der Mensch die Sprache als Einzelsprache kreiert,nach Krften und vergleichbaren Bedrfnissen also ein Funktionssystem alsWerkzeug etabliert, das aus den universellen Mglichkeiten sich speist (1., 2.),dabei der Logik und der Realitt folgt. Im Ergebnis entsteht eine spezifische Versi-on, die mehr oder minder perfekt ist und sich diachron stndig wandelt.Fr Chomsky hingegen sind die Sprachen der Welt nur Variationen ber ein einzi-ges Thema (2000:7), ihre Verschiedenheit ist beschrnkt auf ihre oberflchlicheErscheinungsform, die je unterschiedliche Zuordnung von sound and meaning, wiesie in deskriptiven Grammatiken dargestellt ist. Es kommt darauf an, eine Theorie zuentwickeln fr die menschliche Sprachfhigkeit, die als Organ beschrieben wird,als Manifestation seiner Gene (2000:4). Das Gen-Konzept wird hier so unklar ver-wendet wie sonst fter im Alltag. Es ist gemeint, dass dem Menschen in der Sprach-/Grammatikfhigkeit ein organisches System gegeben ist in Analogie zum visuellenSystem oder zum Kreislauf.Auch Humboldt nutzt die platonische Organ-Metapher, um kruden Instrumentalis-mus abzuweisen, er will allerdings das Weltkonstitutive der Sprache fr den Men-schen kennzeichnen.Das Kind erwirbt die Sprache seiner Umgebung, genauer: ihre Form, als Kette vonWorten, und das (a) vergleichsweise schnell bis zum Alter von 6-8 Jahren (b) mitbei verschiedenen Individuen uniformen Grammatiken als Ergebnis (Entwicklungs-sequenzen) und (c) mit beschrnkter, oft qualitativ unzulnglicher Erfahrung und (d)ohne negative Evidenz. Was es erwirbt, erlaubt ihm, von begrenzten Mitteln unbe-grenzten Gebrauch zu machen: dies Humboldtsche Diktum wird analog zu formalenSprachen, die Rekursion enthalten bzw. zur Unendlichkeit etwa der natrlichenZahlen verstanden - nicht als Prinzip der unbegrenzten Reichweite einer Sprache.Das Kind ist sensibel fr Strukturwahrnehmungen. Lehr-/ Lerndiskurse, die vielenStunden der Konfrontation mit Sprache in den ersten 6-8 Jahren, der soziale Impetus- sie sollen keine Rolle spielen. Nur das angeborene Sprachmodul vermag das Rtseldes menschlichen Spracherwerbs, die drftige Erfahrung mit unzulnglichen, oft fal-schen Stzen, zu lsen. Denn es gibt schon im Anfang ein sprachspezifisches Wis-sen.Negative Evidenz, ungrammatische Stze, die instruktiv wren, findet das Kindnicht vor. Daher seit den achtziger Jahren die Annahme einer angeborenen Univer-salgrammatik, die aus allgemeinen, unvernderlichen Prinzipien besteht, die fralle Sprachen gelten und nur die Ableitung wirklich adquater Grammatiken zulas-sen. Innerhalb der Prinzipien gibt es offene Parameter, die das Kind durch die Kon-frontation mit positiver Evidenz fllen kann, so wie ein Schalter in einem Netz-werk umgelegt wird. Der Null-Subjekt-Parameter z.B. legt fest, ob ein pronominalesSubjekt realisiert werden muss (Englisch, Deutsch) oder nicht (Italienisch, Tr-kisch). Jede Festlegung (parameter-setting) zieht weitere fr ein Bndel von Pa-rametern nach sich, so dass sich die Kerngrammatik der betreffenden Sprache beibeschrnktem Input als Auslser vergleichsweise schnell aufbauen kann. Differie-rende Festlegungen fhren auf ganz andere Sprachen.

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Der Wert des Parameters muss durch Erfahrung bestimmt werden (Chomsky 1996:15)So unterscheiden sich nach Chomsky Sprachen beispielsweise nicht im mentalenKasussystem (1996:27f.), nur werden im Chinesischen Kasus durch das sensumoto-rische Performanzsystem nicht artikuliert, anders als im Finnischen mit 15 an derOberflche manifesten Kasus, davon 6 lokale.Ganz berzeugend ist die Kritik von Haspelmath (2002:280ff.) am Parametermodell,die er als Gedankenspiel skizziert. Eigentlich mssten alle Kategorien aller Spra-chen, also auch seltenere wie der (neben Singular, Plural, Dual vorkommende) Trialoder der Quadral angeboren sein und die Sprachen whlten dann aus diesem Setaus; aber wo solle man die Liste abschlieen, unsere gut 5000 Sprachen seien dochnur eine zufllig vorhandene Menge und es wren ganz andere mit zustzlichen Ka-tegorien denkbar, ja es habe sie vielleicht gegeben oder knne sie geben... Ein uni-versales mentalen Kasussystem msste mindestens die 15 Kasus des Finnischenbzw. noch einige mehr umfassen.Zu lernen bleiben die Eigentmlichkeiten und Irregularitten etwa der Morphologie,die Idiome. Der rasche Wortschatzerwerb wird so gedeutet, dass die Begriffe demKind in irgendeiner Weise schon vor der Erfahrung mit Sprache zur Verfgung ste-hen, und dass es im Wesentlichen Bezeichnungen fr Begriffe lernt, die bereits Teilseines begrifflichen Apparats sind. (Chomsky 1996:26) Dies ist ein differenzierteslexikalisches Wissen, das so nicht erlernt wird und in Lexika nicht reprsentiert ist.Beispielsweise wei man, dass ein Buch physikalisch als etwas betrachtet werdenkann, das 2 Pfund wiegt oder abstrakt als etwas, das jemand gerade schreibt (vgl.Chomsky 1996:26).So scheint lsbar, was Chomsky Platons Problem nennt: Das Sprachwissen istdurch die Erfahrung unterbestimmt, es muss ein spezifisches vorgngiges Wissengeben (Im Dialog Menon bringt Sokrates einen Sklaven auf der Basis von unbe-wusstem Wissen zur Konstruktion eines Quadrats der doppelten Flche). Wie nachdiesem Modell das Kind den Input verarbeitet, ob die Entwicklung kontinuierlichoder mit hoher Variation verluft, ob die Universalgrammatik von Anfang an wirk-sam ist oder Reifungsprozesse den Zugang zu Teilen der UG bestimmen (so offen-bar auch Chomskys Ansicht in 1996: 13) oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (7-12Jahre) blockieren, ob der Input nur ber semantische Eigenschaften der Ausdrckeerschliebar ist (Pinkers bootstrapping), das bleiben Streitfragen der Erwerbsfor-schung, die kognitivistische, konnektionistische, interaktionistische und pragmati-sche Alternativmodelle bereit hlt. Fr die Theorie ist vielmehr entscheidend, dasses einen inneren Mechanismus, ein Berechnungsmodul auf genetischer Basis gibt,das im Individuum das Sprechen der jeweiligen Umgebungssprache bei zureichen-der Exposition erzeugt. Ein Erzeugungssystem auf der Basis einer spezifischenHardware, die einen angeborenen, ausgezeichneten Anfangszustand liefert, der ausdem Input eine Grammatik konstruiert. Das Bild von der Maschine im Menschen,dem Geist als Computer sucht Chomsky durch seinen Humanismus und das Insistie-ren auf der Kreativitt auszubalancieren. So benennt er als Gegenstand der Linguis-tik meist ein Sprachwissen (knowledge of language), das unbewusst ist und bleibt,auf das nur indirekt zu schlieen ist, etwa aufgrund von Grammatikalittsurteilendes native speaker, dem mehr oder minder wohlgeformte Stze zur Entscheidungvorgelegt werden. Es handelt sich also eher um ein Know-How mit Konstruktcha-rakter. Es ist nicht die Normalform des Wissens, von der Wissende wissen, dass siees besitzen; es gibt keinen reflexiven Zugang des Subjekts. So ist die Frage, wiedann Verstndigung mglich ist. Nur dadurch, dass in jedem Individuum einer Ge-meinschaft ein hnliches Wissen ausgebildet ist, was als biologische Tatsache gilt -

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nicht etwa durch die Hrergemeinschaft und die Teilnahme an Verstndigungspro-zessen.Chomsky hat im Rahmen des Prinzipien-und-Parameter-Modells beschrieben, wieder menschlichen Geist arbeitet:Die erste Aufgabe besteht darin, die Wrter zu identifizieren und sie ihren Kategorien zu-zuordnen, wobei wir Gebrauch vom Lexikon machen (...) Nachdem er die Wrter identifi-ziert hat, verwendet der Geist die Prinzipien der Phrasenstruktur, deren Parameter fr dasSpanische [Spanisch ist die Beispielsprache in den Managua Lectures, L.H.] fixiert sind, umdie allgemeine Struktur der uerung zu bestimmen. (Chomsky 1996:91)Der Geist erscheint wie ein Linguist, der eine Sprache untersucht. Und zwar ihre A-natomie als Kombinatorik von Wortformen, nicht ihre Bedeutungen:In Wirklichkeit heit der grte Teil der Bedeutungstheorie Syntax. Dabei handelt es sichum eine Theorie ber Reprsentationen im Geist - ber mentale Reprsentationen und dieBerechnungssysteme, durch die besagte Reprsentationen hervorgebracht und modifiziertwerden. (Chomsky 1996:183)Dies geht weit ber das (beim frhen Chomsky zu findende) Verstndnis eines Kal-kls hinaus als System von Umformungsregeln fr Zeichen, das von Bedeutungenabsieht - bei Wittgenstein verbunden mit dem Gedanken der Unausdrckbarkeit derSemantik.Der Gegenstand ist idealisiert im naturwissenschaftlichen Sinne, am deutlichsten inder lteren Figur der Kompetenz des idealen Sprecher-Hrers in einer homogenenSprachgemeinschaft. So wie es auf das Wissen ber Schach und nicht auf die fakti-schen Zge, auf das mathematische Wissen als Teil eines Wissenschaftsmoduls undnicht auf die konkreten mathematischen Operationen ankommt, so auf das Sprach-wissen, das Sprachvermgen. Letzteres aber ist als angeborenes Sprachwissen empi-risch nicht zugnglich, durch externe Experimente nicht nachweisbar. Damit wanktauch das Argument der Uniformitt der im Erwerb ausgebildeten Grammatiken:darber knnen wir nichts wissen, es knnten sogar unterschiedliche Kompetenzenzu uerungen derselben Art fhren.Eine Forschungsmethode fr diesen Gegenstand gibt es denn auch nicht:Was meine eigenen Forschungsmethoden angeht, so habe ich in Wirklichkeit gar keine.Die einzige Forschungsmethode ist, ein ernsthaftes Problem sorgfltig zu studieren und zuversuchen, Ideen zu entwickeln, was die Erklrung dafr sein knnte, und whrenddessengegenber allen Arten von anderen Mglichkeiten offen zu bleiben. Gut, das ist keine Me-thode. Das heit nur, sich vernnftig zu verhalten, und soweit ich wei, ist das berhaupt dieeinzige Art, ein Problem in Angriff zu nehmen, ob das nun ein Problem in der Arbeit desQuantenphysikers ist oder was immer sonst. (Chomsky 1996:201)Sprache ist kein empirisches Faktum und daher kein wissenschaftlich zugnglichesObjekt. Vorfindlich ist der Gebrauch, die aktuelle Rede mit all ihren Zuflligkeiten,Sprechereigentmlichkeiten, situativen Besonderheiten wie Unaufmerksamkeit,Rauschzustand etc. Er knnte Daten liefern, faktisch aber liefert in der Chomsky-Schule berwiegend die Intuition die Daten. Ebenso wie die Erforschung des visu-ellen Systems nicht darauf zielt, wieso jemand ein Bild an der Wand anschaut, gehtes um die mentalen Mechanismen, die dem Sprechen zugrundeliegen, nicht um denHandlungsprozess selbst.Zugleich wird der Zusammenhang zwischen Sprache bzw. sprachlichen Ausdrckenund Welt gekappt, besonders deutlich in den New Horizons (2000), die das in den90er Jahren entwickelte minimalistische Programm zur Basis haben. Zwar nutzenSprechende Wrter, um sich auf die Welt zu beziehen, Sprache ist aber fr Chomskykein System, das die Welt reprsentiert, Wrter referieren nicht, Konzepte wie Re-ferenz oder Wahrheit sind nur zu gebrauchen fr formale Symbolsprachen wie die

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Logik im Sinne Freges. Der konzeptuelle Hintergrund von Wrtern wie Haus oderbraun ist unbewusstes vorgngiges Wissen, unzugnglich dem Lernen wie der Blut-kreislauf. Im mentalen Lexikon finden sich allenfalls semantische Merkmale, die frihre Syntax relevant sind (Buch: ). Im minimalistischen Programm - der-zeit noch eine Theoriebaustelle - wird versucht, das Sprachvermgen strker in dieGehirnarchitektur einzubinden. Das Modell soll im Design konomisch sein und je-de Struktur interpretierbar wohlgeformt, sonst wird sie ausgeschieden. Es sollen diekonzeptuell wirklich ntigen Komponenten der Theorie und nur diese rekonstruiertwerden, wobei die syntaktische zentral bleibt. Notwendig sind insbesondere Schnitt-stellen, damit andere kognitive Komponenten auf die sprachliche zugreifen, sie le-sen knnen. Die Schnittstelle zum artikulatorisch-perzeptiven System sorgt dafr,dass Sprache gehrt und gesprochen werden kann. Der Ausdruck von Gedankenluft ber eine Schnittstelle mit dem konzeptuell-intentionalen System. Die Lexi-kon-Schnittstelle greift auf Elemente des Lexikons zu, in dem Worteinheiten mitLaut- und Bedeutungsmerkmalen und ggf. Flexionseigenschaften abgelegt sind, diebereits alles enthalten, was syntaktisch gebraucht wird. Der syntaktische Mechanis-mus whlt aus dem Lexikon Einheiten aus (select) und fusioniert sie zu einer Ein-heit (merge), dabei werden die herkmmlichen Phrasenstrukturregeln (X-Bar etc.),strukturelle Relationen wie c-Kommando, Rektion, Projektionsprinzip etc. ausge-sondert wie alles, was nicht fr die Schnittstellen ntig ist. Sodann werden diegrammatischen Merkmale berprft (checking) und notwendige Umstellungenvorgenommen (z.B. Fragewort nach vorn mit move). Bewegungen erfolgen sospt wie mglich und nur gezwungenermaen. Solche Prinzipien sollen die kono-mischste Derivation ergeben, was aber hochkomplexe, wenig konomische Berech-nungen voraussetzt. Insofern stellt sich hier verschrft die Frage nach mentaler Rea-litt, bislang ist sie unbeantwortet.In allen Versionen ist der Gegenstand der Sprachwissenschaft ein mentales Berech-nungssystem, das ersichtlich nach dem Vorbild formaler Erzeugungssysteme derAutomatentheorie entworfen wurde, auch wenn auf fehlende Parallelitten (Seman-tik; Unzulnglichkeit finiter Automaten etc.) hingewiesen wird. Das Problem istnicht, dass ein angeborenes Sprachvermgen postuliert wird. Viele teilen eine solcheAnnahme, die vom Fehlen attraktiver Lerntheorien profitiert. In den ManaguaLectures heit es:Ich sollte erwhnen, da ich den Begriff Sprache verwende, um ein individuelles Ph-nomen zu bezeichnen, ein im Geist/Gehirn eines einzelnen Individuums reprsentiertesSystem. Wenn wir der Frage genau genug nachgehen knnten, wrden wir herausfinden,da keine zwei verschiedenen Personen, nicht einmal eineiige Zwillinge, die in derselbensozialen Umgebung aufwachsen, in diesem Sinn exakt dieselbe Sprache miteinander teilen.Zwei Personen knnen in dem Ma miteinander kommunizieren, in dem ihre Sprachen ein-ander hinreichend hnlich sind. Im Gegensatz dazu haben wir, wenn wir im gewhnlichenSprachgebrauch von einer Sprache reden, eine Art von sozialem Phnomen im Sinn, einMerkmal, das von einer Gemeinschaft geteilt wird. (...) Es ist fraglich, ob wir eine kohrenteBeschreibung davon geben knnen, wie der Begriff tatschlich verwendet wird. Das ist frden normalen Sprachgebrauch kein Problem. (...) Aber wenn wir eine ernsthafte Untersu-chung der Sprache betreiben, bentigen wir eine gewisse begriffliche Przision (...), ebensowie die Physik Begriffen wie Energie, Kraft und Arbeit eine przise technische Be-deutung zuweist, die von den ungenauen und reichlich unklaren Konzepten des alltglichenGebrauchs abweicht. (Chomsky 1999:35f.)Chomsky verfolgt eine den Naturwissenschaftlern abgeschaute Strategie:(a) aus Beobachtungen wird die Existenz einer zugrunde liegenden Gre abgeleitet:So wie Gregor Mendel 1865 die sichtbaren Merkmale von Erbsenpflanzen ber Ge-

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nerationen hinweg auf Erbfaktoren in den Zellen zurckfhrte, ohne etwas vonChromsomen zu wissen, postuliert Chomsky ein angeborenes, universelles Sprach-vermgen;(b) wie Wilhelm Johannsen 1909 den Begriff Gen fr die Erbfaktoren Mendels ein-fhrte, prgt Chomsky Terme wie competence, i-language oder language fa-culty fr dieses Sprachvermgen;(c) analog zu der Entwicklung der Chromosomentheorie durch Thomas Morgan undseine Arbeitsgruppe, die die dadurch berhmt gewordene Fruchtfliege, Drosophila,untersuchten und das Gen als Abschnitt des Chromosoms identifizieren konnten, dasein spezifisches Merkmal bestimmt, hofft Chomsky die Substanz der language fa-culty, der i-language zu erschlieen. Oder so, wie sich die Forschung den heutigenBegriff des Molekls erarbeitet hat, von einer begrenzten Einheit aus Atomen (JohnDalton im 19. Jahrhundert) ber Ampres intuitiv gewonnene Vorstellungen, dassMolekle von geometrischer Form und verbindungsspezifisch seien, hin zum mo-dernen Konzept charakteristischer Atomgruppen unterschiedlicher Komplexitt, de-ren Struktur und Funktion in Molekularmodellen dargestellt werden kann.

Ein Problem liegt darin, dass Sprache in Chomskys Sinn als natrliches Objektpostuliert werden muss, nicht etwa als eine durch den Verstehenszweck geprgteMenge von Formen, die bestimmter Wissensverarbeitung und Inferenzen bedarf,eine besondere Schnittstelle zur Welt darstellt. Sprache in diesem zweiten Sinne istdas, was etwa die Humboldt-Bhler-Tradition untersucht. Methodologisch kann ei-gentlich nur versucht werden, durch mglichst plausible Strukturierung der Sprach-daten eine Systematik von Regeln und Transformationen (Phase 1), von Prinzipienund Parametern (Phase 2) oder von allgemeinen Wohlgeformtheits- und konomie-prinzipien (Phase 3) zu gewinnen, die dann als theoretische Explikation der langua-ge faculty gelten kann. Da aber ber die konkrete Gestalt keine neurologische Evi-denz vorliegt und auch kaum zu erwarten ist, bilden letztlich Intuition und Plausibi-littserwgungen die empirische Basis. Experimente im galileischen Sinne sieht die-ser galileische Stil so wenig vor wie Feldforschung. Der Theoriefortschritt ist unab-hngig von psycholinguistischen Fortschritten. Was - wie Pinkers bootstrappingtheory - gegen die Orthodoxie verstie, blieb ohne Einfluss auf die Theoriebildung.Dies gilt auch fr Untersuchungen, die gezeigt haben, dass der Input keineswegs sochaotisch ist wie angenommen, sondern sogar fr den Erwerb strukturiert und imbrigen durch die besonderen grammatischen Regularitten der gesprochenen Spra-che4 gekennzeichnet. Die zeigt wohlgeformte, funktionsfhige uerungen, die abernicht unbedingt satzfrmig sein mssen.Auen vor blieben auch Daten, die zeigen, dass das Kind in den entscheidenden Jah-ren mit einer erheblichen Menge an Sprachdaten konfrontiert ist und sein Sprach-wissen zielgerecht bearbeitet wird. Chomskys Aussage, der Spracherwerb gescheheerstaunlich schnell, muss im Licht der Empirie mindestens relativiert werden. Frein so leistungsfhiges wissensverarbeitendes System ist ein Erwerb ber eine Dauervon etwa 6 Jahren (fr den Sprachkern) nicht so erstaunlich, betrachtet man die Um-gebung, die kindlichen Bedrfnisse und die externen Anforderungen. Und ob die zuerwerbende Syntax so komplex ist wie aktuelle formale Modelle, wre auch erst zuzeigen.

4 Dazu u.a. Zifonun/Hoffmann/Strecker 1997: Teil C (exemplarisch etwa C4 4. zum Anakoluth) oderdie in Hoffmann 1998 verzeichneten Arbeiten.

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Die Plausibilitt Chomskys war immer auch eine des Stils und der Notation, die -bersetzbar schien in andere wissenschaftliche Kontexte, zugleich aber die - jenseitsdessen, was der Galileische Stil gestattet, liegenden - Reduktionen im Sprachkon-zept verdeckte. Ausgeblendet, fr irrelevant und wissenschaftsunwrdig erklrtwurden- das Verstndigungshandeln zwischen Sprecher und Hrer und die einschlgigenmentalen Prozesse;- die Sprache als Form, in der ber die Realitt geredet werden kann;- der gesellschaftlich-soziale Charakter der Sprache.Die von Humboldt aufgeworfene Frage nach dem Verhltnis von Sprache und Den-ken findet wie die Semantik in dieser Art des Mentalismus eine allzu einfache Ant-wort, die Putnam als Vehikelmodell charakterisiert hat:Der Geist denkt seine Gedanken auf mentalesisch, verschlsselt sie sodann in der am be-treffenden Ort gegebenen natrlichen Sprache und bermittelt sie anschlieend dem Hrer(etwa indem er sie laut ausspricht). (Putnam 1991:31)Mit dem Strukturalismus Saussurescher Prgung bestehen Gemeinsamkeiten. Beidezielen auf etwas tiefer Liegendes, Nicht-Manifestes und lsen den systematischenZusammenhang zwischen Struktur und kommunikativer Funktion der Sprache auf.Sie abstrahieren zugunsten eines reinen Formgebildes (Saussure) bzw. eines ideali-sierten Sprachvermgens, das unversehens als universelle Grammatik mit allgemei-nen Prinzipien erscheint und in konkreten Strukturdarstellungen aufscheinen soll(Chomsky). Aber: de Saussures langue ist nicht universell, es ist das System einerEinzelsprache und hier sehen wir den Anschluss an Humboldt. Den zentralen Unter-schied des authentischen Saussure zu Chomsky macht das folgende Zitat aus einerNachlassnotiz deutlich:Die Sprache (>langueorganis pour parlerlanguelangagelangage

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chend geprft hat. Denn die Objectivitt wird gesteigert, wenn das selbstgebildete Wort ausfremdem Munde wiedertnt. [Die Subjectitivitt] wird gestrkt, da die in Sprache verwan-delte Vorstellung nicht mehr ausschliessend Einem Subject angehrt. Indem sie in andrebergeht, schliesst sie sich an das dem ganzen menschlichen Geschlechte Gemeinsame an,von dem jeder Einzeln eine, das Verlangen nach Vervollstndigung durch die andren in sichtragende Modification besitzt. (1963:429)Das lebendig ineinander eingreifende, Ideen und Empfindungen wahrhaft austauschendeWechselgesprch ist schon an sich gleichsam der Mittelpunkt der Sprache, deren Wesenimmer nur zugleich als Hall und Gegenhall, Anrede und Erwiderung gedacht werdenkann... (1963:81)Damit ist direkt Bhler aufgerufen.

4. Karl BhlerDer Psychologe und Mediziner Karl Bhler (1879-1963) reprsentiert die funktio-nal-mentale Tradition. Interdisziplinaritt war ihm selbstverstndlich, gespeist ausgenauer Kenntnis auch von Linguistik und Philosophie. Der Nationalsozialismusund die dadurch erzwungene Emigration Bhlers sowie die Besonderheiten derFachentwicklungen - zwischen Deutschland und den USA - fhrten zu einer un-glcklichen Rezeptionsgeschichte, die in der Linguistik erst mit der Neuauflage derSprachtheorie 1965 einsetzte und lngst nicht abgeschlossen ist.Bhlers Werk ist vielschichtig und kann hier nur sprachtheoretisch gewrdigt wer-den. Verwandte Gedanken hatte fast synchron in Wien Wittgenstein entwickelt, siekannten sich. Anders als Popper aber schtzte Wittgenstein Bhler nicht5. Etwa1909 war schon George Herbert Mead, der sich wie Bhler mit Wundt auseinander-gesetzt hat, zu handlungstheoretischen berlegungen gekommen, die einen psycho-logischen Elementarismus berwinden und Bedeutungskonstitition sozialpsycholo-gisch verankern. Von den linguistischen Vorlufern mssen vor allem Brugmannsindogermanistische Arbeiten und Philipp Wegeners Grundfragen des Sprachle-bens (1885) mit seinen handlungsbezogenen Satzanalysen genannt werden.Bhler geht aus von der wesenhaften Strukturgleichheit aller bekannten und unter-suchten Menschensprachen; der Singularis die Sprache hat einen guten Sinn und istverifizierbar. (Bhler 1965: XXII)Seine Sprachtheorie ist axiomatisch, sie basiert auf Grundstzen, die als eine Arttranszendentaler Deduktion im Sinne Kants, die notwendig ist und hier erstrebtwird (Bhler 1978:28) augefasst werden. Sie gehen letztlich als Reduktion aus derempirischen Sprachanalyse hervor (1965:20). In ihnen liegt Bhlers Beitrag zur U-niversalienforschung, der als solcher bislang kaum gewrdigt wurdeDie beiden ersten Axiome - das Axiom vom Organonmodell der Sprache unddas Axiom von der Zeichennatur der Sprache - sind im Zusammenhang darzu-stellen.Das Besondere ist nicht, dass Bhler Sprache als Zeichensystem begreift und dasZeichen in den Mittelpunkt seines berhmten Organonmodells rckt. Darin hat erlose an de Saussure, vor allem aber an die antike Tradition angeknpft, allerdingsmit charakteristischen Nuancen. Seine Errterung des Zeichenkonzepts am Anfangder Axiomatik der Sprachwissenschaften (1933) setzt etymologisch ein - linguis-tisch also - und kommt auf die Basisbedeutung Vor- und Aufzeigen der Dinge(Bhler 1933:26). Diese bringt er auf der Sachebene mit natur- und gattungsge-schichtlichen berlegungen zusammen, wie er sie in den 5 und 6 der Krise derPsychologie (zuerst 1927) und auch schon z.T. in der geistigen Entwicklung des 5 So jedenfalls Edmonds/Eidinow (2001:79).

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Kindes (zuerst 1918) angestellt hat. Er sieht den biologischen Quellpunkt der Zei-chenproduktion nicht wie Chomsky im menschlichen Geist, sondern im Gemein-schaftsleben der Tiere, wo eine situationsgerechte Kooperation von Individuen dieErweiterung des Horizonts der gemeinsamen Wahrnehmungen verlangt. Was e i n es (...) mehr hat an situationswichtigen Wahrnehmungs- und Erinnerungsdaten, ausdiesem Fonds wird die Mitteilung bestritten. (Bhler 1933:26) Wo die Wahrneh-mung der Autofahrer nicht mehr reicht - so eine Analogie Bhlers - werden zustz-lich Zeichen eingefhrt, etwa Fahrtrichtungszeichen. Fr das menschliche Zeigenund Hinlenken gilt aber - anders als fr die Tiere - die Dingkonstanz. Zeichenhaf-tigkeit fasst Bhler - von Saussure abweichend - als Stellvertretungsrelation i.S. et-wa des scholastischen aliquid stat pro quo. Das Zeichen hat eine konkrete, wahr-nehmbare Seite, das, was es fr sich ist, unabhngig von der Funktion, und eineabstrakte, nmlich das, was es als Zeichen fungieren lsst. Am Beispiel des Lautes:auf der einen Seite ist er eine wahrnehmbare, messbare materielle Gre, Gegens-tand der Phonetik. Andererseits hat er Eigenschaften, mit denen er einen funktiona-len, bedeutungsunterscheidenden Beitrag leistet und ist darin Objekt der Phonologie.Jedes Zeichen hat solche diakritischen Momente in seiner Gesamtgestalt, die frdie Funktionalitt verantwortlich sind. Dies ist es, was Bhler Prinzip der abstrak-tiven Relevanz nennt. Es markiert den Anfang der modernen Phonologie, wie sievon Trubetzkoj in den Grundzgen der Phonologie (1938) in klassischer Weiseausgearbeitet wurde.Ein weniger beachtetes, aber ebenso wichtiges Prinzip ist die apperzeptive Ergn-zung: Nie wird alles gesagt, stets muss ber das Wahrnehmbare hinaus etwas mit-oder hinzugedacht werden.Die Zeichen sind intersubjektive Vermittler (mediale Gebilde in Gemeinschaften)(1933:29). Was nun das stat genauer besagt, ein Reprsentieren, Bedeuten, Ver-treten, wird als fraglich durchaus angesprochen, aber Bhler belsst es beim Vertre-ten. Damit bleibt es bei einem noch immer statischen, den unterschiedlichen Funkti-onen wie der diachronen Dimension oder den berlegungen Humboldts nicht ge-recht werdenden Zeichenbegriff. Revolutionr ist etwas anderes. Sprache erweistsich im Sprechereignis als Organon, als Werkzeug, zweckbestimmtes, zweckhaftgeformtes und formendes Gert. Heute wre von einem Medium zu sprechen. Daskonkrete Schallereignis ist Zeichen kraft dreier Dimensionen (vgl. Abb.1 (Bhler1965: 28), hier ergnzt um die sprachpsychologischen Bestimmungen). Es ista) Symbol als Darstellung von Gegenstnden/Sachverhalten aufgrund konventio-neller Zuordnung; b) Symptom als Ausdruck der Befindlichkeit des Sprechers (Senders); c) Signal als Appell an den Hrer (Empfnger).

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Gegenstnde und Sachverhalte

Zeichen

EmpfngerSender

Ausdruck

Darstellung

Appell

Abb.1: Bhlers Organonmodell [erweitert]

[Schallereignis]

[abstraktive Relevanz]

[apperzeptiveErgnzung]

Diese Dimensionen bezeichnen die drei Grundfunktionen, die Sprache hat. Die Dar-stellungsfunktion war immer schon im Mittelpunkt der Grammatik und Sprachphilo-sophie. Auch Bhler hlt sie fr dominant. Tierkommunikation hat nichts Ver-gleichbares. Die komplementren Bereiche von Dreieck als Zeichen und Kreis alsSchallereignis markieren die abstraktive Relevanz bzw. die notwendige apper-zeptive Ergnzung.Die Zielgesteuertheit lsst Bhler das Sprechen als menschliches Handeln begreifen.Dies ist der Rahmen, in den sich das Organonmodell einfgt:Die Sprache ist dem Werkzeug verwandt; auch sie gehrt zu den Gerten des Lebens, istein Organon wie das dingliche Gert, das leibesfremde materielle Zwischending; die Spra-che ist wie das Werkzeug ein geformter Mittler. (1965:XXI) Die Sprachforschung sttalso im Axiom von der Zeichennatur der Sprache auf das Denkmodell des homo faber, einesMachers und Bentzers von Gerten.(...) [Man kann] das Zeichenhafte, welches im inter-subjektiven Verkehr verwendet wird, als ein Orientierungsgert des Gemeinschaftslebenscharakterisieren. (1965:49)

Bhlers Behaviorismuskritik zeigt die Alternativen einer Handlungstheorie, fr dieWegener schon vorgearbeitet hatte, der Zweck und Steuerung hervorhebt(1885:67ff.) und konstatiert:Eine Handlung beschreiben heisst, sie in ihre einzelnen Momente zerlegen... (1885:154).Wegener spricht von Moleklen und Atomen der Handlung (1885:158) undwendet die Handlungsanalyse auf das an, was jeweils in Verbbedeutungen gefasstist. Bhler sieht Sprachgebilde, Wrter und Stze als Objekte abstrakter Natur. Frihn muss die Sprachanalyse bei den kommunikativen Ttigkeiten ansetzen, und siemuss fortschreiten zu den elementaren Einheiten der Grammatik.Dass fr Bhler - anders als fr Saussure und Chomsky - auch die Bewegung desSprechens, der Sprachgebrauch ein zentrales Moment von Sprache ist, zeigt das 3.Axiom, das Vierfelderschema zur Aufgliederung des Gegenstandes der Sprachwis-senschaft (vgl. Bhler 1976:49ff.). Es lsst sich wie folgt darstellen:

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Intersubjektivitt

Abstraktionsgradsubjektbezogen subjektentbunden

niedrig formalisiert, an-schaulich

1 Sprechhandlung 2 Sprachwerk

hher formalisiert, abstrakt 3 Sprechakt 4 Sprachgebilde

Abb.2 : Bhlers Vierfelderschema Die aktuelle, in die Situation eingelassene Rede eines Individuums mit ihren indivi-duellen Umstnden und Zuflligkeiten nennt er Sprechhandlung, ein Beispiel seiein historischer Ausspruch (alea iacta est). Eine Handlungstheorie, wie sie diePragmatik heute mit Rehbeins Komplexem Handeln (1977) und seinen Fortent-wicklungen oder die Sprachpsychologie mit den Arbeiten Holzkamps oder Herr-manns (z.B. Hermann/Grabowski 1994) zur Verfgung hat, wird auf psychologi-scher Basis angedeutet. Zum Aktionsfeld gehren zwei Determinationsquellen:Bedrfnis und Gelegenheit,...innere und uere Situation, jede Handlung hat ihreAktgeschichte (1965:56). Das Handeln erffnet ein empraktisches Umfeld (52),in dem auch eine sog. Ellipse wie einmal Kln und zurck verstanden werden kann.Wir befinden uns im Saussureschen Sinne im Bereich der parole, des empirischZugnglichen. Disziplinr zustndig sind Diskursanalyse wie Sprachpsychologie.Der abstrakte Akt mit seinen allgemeinen Eigenschaften - insbesondere seiner sinn-konstitutiven Leistung - wird unter dem Terminus Sprechakt nur grob skizziertund der Sprachphilosophie berantwortet; offenbar denkt er an Husserls sinnverlei-hende mentale Akte, die auf Objekt und Erlebnisse gerichtet sind. Edmund Husserl,dem der Prager Strukturalismus durchaus nahestand, entwickelte in den LogischenUntersuchungen (1901) eine Psychologie intentionaler Akte, die auf Brentano ba-siert. Die Struktur der Welt erscheint in der Intentionalitt, in der Dynamik derDingkonstitution. Akt ist verstanden als Abkrzung fr intentionales Erlebnis(Husserl 1980/II:453). Die Dynamik des Prozesses exemplifiziert Husserl so:Ich spreche von meinem Tintenfa, und es steht zugleich das Tintenfa selbst vor mir, ichsehe es. Der Name nennt den Gegenstand der Wahrnehmung und nennt ihn mittelst des be-deutenden, seiner Art und Form nach sich in der Form des Namens ausprgenden Aktes. DieBeziehung zwischen Namen und Genanntem zeigt in diesem Einheitsstande einen gewissendeskriptiven Charakter, auf den wir schon aufmerksam wurden: der Name mein Tintenfalegt sich gleichsam dem wahrgenommenen Gegenstande auf, gehrt sozusagen fhlbarzu ihm. (...)Also nicht Wort und Tintenfa, sondern die beschriebenen Akterlebnisse, in denen sie er-scheinen, whrend sie in ihnen gar nichts sind, treten in Beziehung. Aber wie nun dies?Was bringt die Akte zur Einheit? Die Antwort scheint klar. Diese Beziehung ist als nennen-de vermittelt durch Akte nicht blo des Bedeutens, sondern des Erkennens, und zwar sind eshier Akte der Klassifikation. Der wahrgenommene Gegenstand wird als Tintenfa erkannt,und sofern der bedeutende Ausdruck in besonders inniger Weise mit dem klassifikatori-schen Akte Eins ist, und dieser wieder als Erkennen des wahrgenommenen Gegenstandesmit dem Wahrnehmungsakte Eins ist, erscheint der Ausdruck gleichsam als dem Dinge auf-gelegt und als wie sein Kleid. (Husserl 1980/II2:24f.)Aktuell wre zur Sprechakttheorie von Searle (1969) eine Verbindung herzustellen,die Sprechen als regelgeleitet versteht. Searles Regeln fr Sprechakte sind - wieChomskys Sprachwissen - universell und den Sprechern nicht bewusst; sie beein-

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flussen ihr Hintergrundwissen und als real existierende Regelsysteme erklren siefaktisches Handeln.An dem Zeichenkonzept Saussures kritisiert Bhler, dass Lautbild und Vorstellungassoziiert seien, im Sinn der Assoziationspsychologie, und damit die langue alskonkreter, im Kreislauf des Sprechens lokalisierbarer Gegenstand betrachtet wer-de. Tatschlich handele es sich aber um eine Idealisierung, vergleichbar der Klasseder Zahlen. Bhler bernimmt Saussures Konzept also nur partiell. Metzgeranaly-se und Stoffentgleisung nennt er drastisch die Auffassung, dass la langue einGegenstand konkreter Art sei und da er lokalisiert werden knne in demjenigenTeil des Kreislaufs, wo ein Lautbild sich einer Vorstellung (=Sachvorstellung) asso-ziiert (Bhler 1965:58). Bhler vergleicht die Identitt von Wrtern mit der vonMarkenware; hier zeige sich, dass die Stofflichkeit bei der Sprache noch wenigerrelevant sei als bei einer Tafel Schokolade der Marke X. Nur msse berindividuellder Sprachverkehr wie der Gteraustausch gesichert sein.Bhler fasst das Sprachsystem terminologisch als Sprachgebilde, das hinter denkonkreten uerungen liege und davon ablsbar sei, so auch Saussure. Zustndigsei die Sematologie/Semiotik.

Vom Sprachgebilde unterscheidet Bhler das Sprachwerk, das verselbstndigte, inseiner Fassung einmalige, situationsentbundene Produkt, das fr sich zu betrachtenist, etwa ein Text, ein Gedicht. Die Entstehung ist hier nicht mehr mitgedacht, esbedarf keiner Zeighilfen mehr. Eine solche Situationslsung sieht Bhler schonbeim Satz, der den ntigen Kontext fr das Verstndnis mitbringt. Das Resultat dessprachlichen Handelns ist Objekt der Textwissenschaften.Bhler nutzt nicht nur fr sein Vierfelderschema die Feldmetapher6.Linguistisch folgenreich ist besonders seine Unterscheidung zwischen Symbolfeldund Zeigfeld der Sprache, insbesondere das Zeigfeld liefert einen neuen Analy-serahmen fr Ausdrcke wie ich, jetzt, hier. An die Uniformitt der Betrachtungsprachlicher Ausdrcke, die sich noch in Saussures und seiner heutigen NachfolgerZeichenkonzeption ausdrckt, wird hier die Axt angelegt, ohne dass Bhler dies inden Konsequenzen recht bemerkt. Denn entgegen dem klassischen Verstndnis sindseine Zeigwrter nicht Zeichen, die fr etwas stehen. Vielmehr entwickelt er seinKonzept des Zeigfelds gerade aus der sinnlichen Wahrnehmung heraus:...an Wegverzweigungen (...) ist weithin sichtbar ein Arm, ein Pfeil errichtet (...), dergewhnlich einen Ortsnamen trgt. Er tut dem Wanderer gute Dienste, wenn alles klappt,wozu vorweg ntig ist, da er in seinem Zeigfeld richtig steht. (...) hnlich fungieren Zeig-wrter wie hier und dort. (Bhler 1965:79)Bhler konstatiert,da alles sprachlich Deiktische deshalb zusammengehrt, weil es nicht im Symbolfeld,sondern im Zeigfeld der Sprache die Bedeutungserfllung und Bedeutungsprzision von Fallzu Fall erfhrt; und nur in ihm erfahren kann. Was hier und dort ist, wechselt mit derPosition des Sprechers genau so, wie das ich und du mit dem Umschlag der Sender- undEmpfngerrolle von einem auf den anderen Sprechpartner berspringt. ( Bhler 1965:80)Orientiert wird auf einen sprecherfundierten Raumbereich, in dem sich das prsenteGemeinte befindet. Der deiktische Ausdruck ist sprachlich im Zeigfeld der Einzel-sprache verankert und untersttzt somit dimensional die Auffindung des Gemeinten.Das da beispielsweise leistet eine Orientierungshilfe kraft Zugehrigkeit zum Zeig-feld. Bhlers Feldbegriff ist nicht ganz klar gefasst. Im Ansatz geht es - wie in derpsychologischen Tradition seit Lewin - um ein Handeln, das von seiner feldhaft ge-

6 Zur Feldmetapher Ehlich 1999.

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dachten Umgebung abhngt. Bhlers Ausgangsbeispiel ist ja ein Wegweiser, der inseinem Zeigfeld richtig steht (Bhler 1965:79) und so dem orientierungsuchendenWanderer hilft. Andererseits entwickelt er das Konzept eines Zeigfelds der Sprache,das - so auch die Rezeption in der Pragmatik - eine Ordnung der zeigenden Ausdr-cke leistet. Wie ist die Ordnung eines solchen Feldes zu denken, das in den Rahmender Sprachanalyse gehrt? Gem dem Strukturgedanken erhielte jedes Element sei-nen Stellenwert im Kontrast zu den einzelsprachlich gegebenen anderen. Tatschlichergibt sich eine Ordnung auf der Basis des Zeigwertes, den der Ausdruck im Zeig-feld hat. Grundlage ist die dimensionale Raumaufteilung. Elementar ist eine rumli-che Orientierung, die den Sprecherbereich (Nhe, Inneres) von dem Nicht-Sprecherbereich (Ferne, ueres) scheidet. Vom Sprecherbereich ausgehend wirddann strukturiert. Je nach seiner Fassung und Gre ergibt sich der Fernbereich wiean hier im Verhltnis zu dort, da zu sehen ist. Der vom Hrer nachzuvollziehendeGebrauch gewinnt also durch ein flexibel gedachtes Feld eine Dynamik. Sie erinnertvon ferne an den physikalischen Gebrauch der Feldmetapher, in der ein Feld dieWirkung einer Kraft (elektrisch, magnetisch, Schwerkraft) auf einen Raumbereichbzw. die darin enthaltenen Partikel charakterisiert. In einem Vektorfeld z.B. ist derEffekt richtungsbestimmend, es gibt komplexere Felder mit vielen Dimensionen(Tensorfelder).Der Verweisraum (Ehlich) hat also eine dimensionale Struktur, die im einfachenFall (im Deutschen) als Sprecher-Nhe versus Sprecher-Ferne gliedernd wirkt undbis in eine fnfte Dimension entfaltet werden kann, meist indem der Hrer-Bereichweiter dimensioniert wird. Bhler unterscheidet verschiedene Arten des Zeigens,ansetzend bei der ich-jetzt-hier-Origo, wie das Vor-Augen-Fhren (demonstratioad oculos) oder das Zeigen in der Vorstellung (am Phantasma).Das Zeigfeld ist somit nicht einfach eine Konfiguration in der sinnlichen Anschau-ung, sondern ein sprachspezifisches Gliederungssystem der Zeigwrter. Das Ver-stndnis einer deiktischen Prozedur erfordert die Verortung der Deixis im sprach-spezifischen Zeigfeld.Die Spezifizierung dessen, was die Deixis ber ihre Grundbedeutung hinaus in dieuerung als Bedeutungsbeitrag eintrgt, geschieht im Rahmen einer interaktivenApplikation im Wissen. Dabei spielt die Funktionsstelle in der uerungsstrukturmit. Das kann beispielsweise an den Verwendungen von ich gezeigt werden.

Auch wenn ursprnglich nur die Sprechsituation als Verweisraum in Anspruch ge-nommen wurde, so knnen synchron die Orientierungen auch analog in einem Vor-stellungsraum (Deixis am Phantasma (Bhler)) erfolgen, ferner kann das diskur-siv/textuell aufgebaute aktuelle Wissen weitere Verweisrume bereit stellen. Es be-darf also aus Hrersicht einer Rekonstruktion des beanspruchten Verweisraums alsRahmen fr die Orientierung.In der linguistischen Weiterfhrung durch Ehlich (1979) kommen insbesondere dasZeigen im Text- oder Diskursraum hinzu. Ehlich verortet das Zeigen in unterschied-lichen Verweisrumen und trennt die Deixis von der Phorik, wie sie mit Ana-phern (er, sie es etc.) realisiert wird, die eine Orientierung nicht ein-, sondern fort-fhren.

Zum Symbolfeld der Sprache werden Sprachmittel gerechnet, die ihre Bedeutungs-erfllung und Bedeutungsprzision gerade nicht von Fall zu Fall in der Situationerfahren, sondern im synsemantischen Umfeld, das mit dem Sprachwerk bereit-steht, im Kontext anderer Sprachzeichen mit ihren Werten. Hier kommen die

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syntaktischen und lexikalischen Momente (1965: 151) - die syntagmatischen undparadigmatischen Relationen Saussures - ins Spiel. Hier gilt, dass die Sprachesymbolisiert; die Nennwrter sind Gegenstandssymbole. (Bhler 1965:150).Bhler macht deutlich, inwiefern Sprache ein Medium ist, das nicht einfach die Re-alitt abbildet oder in der Bezugnahme direkt erfasst:...das sprachliche Darstellungsgert gehrt zu den indirekt Darstellenden, es ist ein media-les Gert, in welchem bestimmte Mittler als Ordnungsfaktoren eine Rolle spielen. Es istnicht so in der Sprache, da die Lautmaterie kraft ihrer anschaulichen Ordnungseigenschaf-ten direkt zum Spiegel der Welt erhoben wird und als Reprsentant auftritt, sondern wesent-lich anders. Zwischen der Lautmaterie und der Welt steht ein Inbegriff medialer Faktoren,stehen (..) die sprachlichen Mittler, steht z.B. in unserer Sprache das Gert der indogermani-schen Kasus. (Bhler 1965:151)Im von der Sprache aufgespannten systematischen Rahmen werden Gegenstndeund Sachverhalte in spezifischer Weise und abgegrenzt zu anderen, in diesem Sys-tem zugnglichen, in die Kommunikation eingefhrt. Sie erhalten erst dort als ge-meinte und so und so zu verstehende, kognitiv oder perzeptiv zu erfassende, eine -nicht als absolut zu denkende - Przisierung. Dieser Aspekt der Symbolfeldanalyseist sprachtheoretisch zentral, findet sich allerdings auch bei anderen Sprachtheoreti-kern und Sprachpsychologen der Neuzeit.7

Mit der Analyse des sprachlichen Zeigens wurde klar, weshalb Bhler ein Hand-lungskonzept als Ariadnefaden betrachtet hatte, der aus den sprachtheoretischenLabyrinthen herausfhren knnen. Die Zeigwrter sind nicht als Benennungen etc.zu sehen, nicht einmal - gegen Bhler - als Zeichen, sie sind nur im Handlungspro-zess zu behandeln und zwar mit der von ihnen ausgelsten Synchronisation beimHrer. Eine solche Perspektive auf die Wissensverarbeitung erfordern aber auch dieanderen Mittel:Der Imperativ komm [...] ist berufen, eine bestimmte Aktion im Hrer auszulsen.(1965:107)Hier setzt die Weiterfhrung durch die Funktionale Pragmatik ein. Sie integriert -berlegungen Bhlers in eine handlungsbezogene Sprachtheorie, die auf den klassi-schen Zeichenbegriff (Reprsentanz) verzichtet. Im Zentrum steht eine Theoriesprachlicher Handlungsmuster, die durch die Kategorie Zweck eine gesellschaftlicheFundierung erfhrt, sprachpsychologisch die mentale Dimension einbezieht und mitdem Konzept der Prozeduren8 - elementaren Handlungseinheiten - sprachlicheMittel als Momente des Handlungsprozesses auffasst. Das Verstndnis von Spracheals geformtes Medium, die systematische Bercksichtigung des Hrers und der Wis-sensprozesse, die Orientierung auf Gesellschaft und ihre Institutionen unterscheidetden Ansatz von sprecherorientierten, intentionalistischen, regelorientierten oderphnomenlogischen Modellen. Ehlich (1991) hat in diesem Rahmen die Zweifel-derlehre zur Fnffelderlehre ausgebaut. Alles, was wie die Imperativendung unmit-telbar den Hrer lenkt, Interjektionen z.B., wird zum Lenkfeld der Sprache ge-zhlt. Daneben gibt es das Operationsfeld mit Mitteln, die fr die interne Sprach-verarbeitung ausgebildet sind (z.B. Konjunktoren, Anaphern), schlielich das - vonBhler verworfene - Malfeld mit expressiven Mitteln wie der Tonmodulation.In den Feldern finden die sprachlichen Mittel als kleinere Handlungseinheiten, vonEhlich Prozeduren genannt, ihre genuine Zweckbestimmung. Die Prozeduren ha-

7 Eine konstruktivistische Wendung des Gedankens schlgt Feilke 1996:61ff. vor.8 Zur Begrndung der Prozeduren Ehlich 1991.

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ben eine spezifische Formseite, lautlich wie syntaktisch, und beinhalten eine spezifi-sche Wissensverarbeitung.Fr Bhler setzt die Grammatik eine Art von Intersubjektivitt des Sprachgertesvoraus (1965:XXIV). Eine Entwicklung dieser Auffassung wurde u.a. mit derGrammatik der deutschen Sprache von Zifonun/Hoffmann/Strecker (1997) undHoffmann (2003) versucht.Andere Weiterfhrungen knnten auf das frhe Werk Die geistige Entwicklung desKindes (zuerst 1918) zielen, das allerdings in der Untersuchung der Entwicklungdes Denkens sehr stark von der Urteilslehre geprgt ist und die Entwicklung aus deninneren Bedingungen und Bedrfnissen (1930:394) hervorgehen lsst, nicht ausdem Eintauchen in einer fertige Sprache, die es seiner Umgebung nachmacht(1930: 394). Die Gefhlstheorien einschlielich der monumentalen von Wundt(1900/1911) hielt Bhler fr gescheitert und wies sie - nach seinem Verstndnis derLogik der Sache - der Ausdruckstheorie zu, die er in seinem gleichnamigen Werk(1933) in der Form der Forschungsdiskussion behandelte. So blieb das Verhltniszwischen Sprache und Affekten bei Bhler, der von den behandelten Wissenschaft-lern primr fr eine Theorie prdestiniert gewesen wre, theoretisch unterentwickelt.Hier bleibt eine Aufgabe fr die Handlungstheorien der Sprache.

Bhlers Werk beschritt neue sprachtheoretische Wege und suchte diskursive Eng-fhrungen - darunter solche de Saussures - aufzulsen. Zugleich wurde die Gram-matikforschung auf neue Grundlagen gestellt. Dieses beeindruckende interdiszipli-nre Projekt konnte aus den eingangs genannten Grnden in seinem Potenzial nichtausgeschpft werden. Die Inanspruchnahme des Konzepts einer Axiomatik mag ausheutiger Sicht problematisch erscheinen. Sein Universalismus einer wesenhaftenStrukturgleichheit aller bekannten und untersuchten Menschensprachen (Bhler1965:XXII) bedarf ebenso wie seine Felderlehre theoretischer Weiterfhrung undempirischer Untersuchung an den Sprachen der Welt.

5. Einsichten und AussichtenIm 19. Jahrhundert war der Sprachwissenschaft Humboldts Blick aufs Ganze derSprache abhanden gekommen. Die Philologie suchte hinter vorfindlichen Versionenden unverstellten Urtext. Der junggrammatische Positivismus der Leipziger Schulewollte Lautgesetze nach naturwissenschaftlichem Vorbild entdecken.Es war zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtig, der Sprachwissenschaft einen eige-nen Gegenstand und eine fundierende Theorie zuzuweisen. Das hat de SaussuresCours erreicht. Es war ein abstrakter Gegenstand, der hinter dem Sprechen liegt,das Sprachsystem einer Einzelsprache, bei Chomsky eine universalgrammatischeKompetenz, bei Bhler ist es die Quadriga Sprechhandlung-Sprachwerk-Sprechakt-Sprachgebilde im Rahmen seiner Axiomatik, die Sprache als Organon begreift.Ob das 20. Jahrhundert wissenschaftliche Revolutionen in der Sprachwissenschaftgebracht hat, ist schwer zu sagen, vielleicht ist das auch keine gute Frage. Manchesist wenig vorangekommen, etwa die Frage nach dem Verhltnis von Sprache undDenken, obgleich der Datenbestand gewachsen ist. Ebenso ist der Zusammenhangvon Sprache und Emotion keineswegs hinreichend reflektiert.Die hier vorgestellten Theorien haben unproduktive Erstarrungen aufgelst undVergessenes wieder in den Blick gebracht, zugleich aber auch neue Engfhrungenerzeugt. Den anthropologischen Blick auf die Sprache, der bei Herder und besondersHumboldt einen Hhepunkt erreicht hat, haben sie allerdings - wenngleich in sehrunterschiedlichem Ausma - restituiert. Besonders gilt dies fr Bhler, der an Kant

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und Humboldt anschliet und mit seinem Handlungskonzept einer verstndigungso-rientierten, sprachpsychologischen Linguistik den Weg weist. Auch Chomsky findetnach kalklorientiertem Beginn (Syntactic Structures von 1957) zu einer Theoriedes Mentalen. Er blendet aber zugunsten seines universalgrammatischen Kompe-tenzmodells Verstehen und Kommunikation aus und kann mit der sprachlichen Be-deutung nichts anfangen. Sein Fokus bleibt auf der harten Formseite der Sprache. DeSaussure hatte es in der Umbruchsituation Ende des 19. Jahrhunderts wohl amschwierigsten, die losen Enden neu zu verknpfen und wohl daher auch groes Un-behagen gegenber der Publikation seiner sprachtheoretischen Ansichten. Die Br-che - etwa im Konzept der langue - hat er zweifellos gesprt, und ein Zusammen-denken mit Humboldts ergon/energeia-Dichotomie war ein uerst komplexesUnterfangen. So kam es zur Verffentlichung des Cours durch die Schler, zu dennachgelassenen Texten, die Stoff zu neuem Nachdenken bieten. Letztere spiegeln inihrer aphoristischen Denk- und Schreibungsart, die in vieler Hinsicht Wittgensteinvorwegnimmt (Jger 2003:44) die Problemlage.De Saussure hat aus seiner vergleichend-historischen Arbeit heraus die Umrisse ei-nes Zugangs zur Sprache theoretisch formuliert und dabei die Konstitutionsproble-matik reflektiert. Es gibt in der Grammatik keine Einzelphnomene, nur systemati-sche Zusammenhnge, die synchron aufzuweisen sind. Das System ist sozial ge-dacht, als fait social, die Sprecher/Hrer kommen als Subjekte vor, die Sprache alsnatrliche bewegt und ndert sich in der Zeit. In seiner Semiologie sieht de Saussuredie Sprache vom Zeichen und zugleich das Zeichen von der Sprache her. Das Zei-chen ist nicht materiell zu fassen, es ist eine mentale Einheit, die Laut- und Gegens-tandsbild vereint und fr den sprachlichen Verkehr, fr das Verstehen bestimmt ist.Hier sehen wir nicht nur einen Reflex humboldtscher berlegungen, sondern einmentales Medium der Verstndigung umrissen. Diese Dimension wurde im funktio-nalen Strukturalismus der Prager Schule und vom mit dieser Schule verbundenenBhler unterschiedlich aufgenommen.Whrend fr Bhler empirischer und epistemischer Bezug immer selbstverstndlichwaren, blieben in dominanten linguistischen Richtungen Wissen, Realitt und dasSprechen ausgeblendet. Das Sprechen erschien allenfalls als Spur des Systems oderder internen Sprache, verunreinigt durch Streinflsse etc. Die einzelne uerung,das Textexemplar, das Gesprch waren bestenfalls zufllige Belegstcke.Der Bloomfield folgende Strukturalismus entwickelte Korpustechnologie und Ana-lyseoperationen zur Untersuchung lebender, gesprochener Sprachen, blendete aberden sprechenden Menschen mit Wissen, Kompetenz, Intuition weitgehend aus. DieSemantik wurde verhaltenstheoretisch rekonstruiert.Leitend fr strukturalistische Vorstellungen eines Systemgebildes ist modell-bergreifend die Schrift, die mit den Texten von den Bedingungen der Sprechsituati-on gelste, schon in der Graphem- und Wortfolge voranalysierte Gebilde und damitein Modell fr die langue lieferte. Die spezifischen Bedingungen der Textualittwurden aber so wenig gesehen wie die Spezifika des Gesprchs.

Die nativistische Richtung sah sich einer Denktradition verbunden, deren wichtigsteStationen Platons Ideenlehre und der dem englischen Empirismus entgegengesetzteRationalismus von Descartes waren. Wahrnehmung und Erfahrung sind ihr unzu-verlssig, unterbestimmt - privilegierten Zugang bietet die menschliche Vernunft.Faszinierend erschien ihr Bild sprachlicher Kreativitt, demzufolge fortlaufend vl-lig neue Stze geschaffen oder verstanden werden knnen; dahinter wurde ein hu-manspezifisches Potential gesehen, das ein ideales wissenschaftliches Objekt ergab.

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In den Fokus gelangte eine spezifische Art von Wissen, die unbewusste Sprach-kenntnis des native speaker.Der Regelbegriff der Grammatiktradition fasst uerungen, wie sie in Texten vor-liegen, als Manifestationen des Regelfolgens und ist auf die dahinter liegenden Re-geln oder Paradigmen aus. Rationalistisch formuliert ist angemessen, was regelge-recht erzeugt wurde, es muss nicht mehr an der Realitt gemessen werden; die Syn-tax bedarf einer (realistischen) Semantik nicht.Die Introspektion als alleinige Datenquelle des Nativismus verstellt den Blick aufdie reiche Sprachwirklichkeit, zu der der Sprachgebrauch zu institutionellen Zwe-cken ebenso gehrt wie der Ausdruck personaler oder sozialer Identitt, der Einsatzim Denkprozess ebenso wie als feinkrniges Instrumentarium der Wissenschaft oderder Poetik. Die vorschnelle Idealisierung auf eine hinter dem Sprechen liegende, ei-gentliche Wirklichkeit kann als Flucht vor der Vieldimensionalitt der natrlichenSprache verstanden und kritisiert werden.

Die phnomenologisch geprgte Ethnomethodologie und die an der Wegener-Bhler-Austin-Linie orientierte Pragmatik lenkten den Blick zurck auf die Prozes-sualitt des Kommunizierens und die Ordnung von Text und Diskurs.Pragmatisch gesehen eignen sich die Menschen Sprache in einer vorgefundenen,funktionierenden Praxis des Sprechens und fr diese Praxis an. Teil des Lernprozes-ses ist der Erwerb von Sprach- und Handlungswissen. Was das Medium Sprache indieser Praxis leistet, wozu es in seinen Formen ausgebildet ist, ist die Bearbeitungvon Hrerwissen auf der Basis von Gewusstem, Wahrgenommenem, zu Erschlie-endem. Das Wissen, das Sprache bearbeitet, liegt ebenso wie das Sprachwissen unddas Musterwissen nicht hinter der Sprachwirklichkeit, sondern ist ihr integraler Teil,damit auch Gegenstand der Sprachanalyse.Die Fokusumlenkung von den Dichotomien langue-parole, System-Gebrauch, Re-gel-Anwendung, Kompetenz-Performanz, interne-externe Sprache auf das faktische,situationseingebundene Sprechen und die aus dem Diskurs entbundenen Texte mitihren Bedingungen fhrt auf eine Sprache, die als spezifisch menschliche Praxis derKooperation in Schall und Druckerschwrze existiert.Systemvorstellungen sperren sich der Dynamik des sprachlichen Handelns, die inihrer Zeitlichkeit bislang nicht angemessen erfasst ist.Die Kreativitt menschlichen Sprachgebrauchs ist mehr als Rekursion in formalenSprachen, mit der die rein theoretisch unbegrenzte Lnge von Wortketten erfasstwerden kann. Sie zeigt sich im Gebrauch von Sprache als universelles zweck-geprgtes Werkzeug, dessen Reichweite alles erfasst, was Menschen mental wieperzeptiv zugnglich, ja was berhaupt denkbar ist. Als Trger des Geistes im SinneHumboldts ist sie weit mehr als ein bloes Instrument oder ein Vehikel des Den-kens.

Eine Theorie des menschlichen Geistes und des ihm innewohnenden Sprachverm-gens erscheint gegenwrtig allerdings fantastisch. Vorstellbar ist sie nur im Zusam-menspiel der Wissenschaften, das methodisches Brckenschlagen und neue Ingeni-eurskunst erfordert. Mit dem Postulieren eines mentalen, natrlichen Objekts ohneempirische Bezge ist es nicht getan. Dass etwas angeboren ist, was einem rezentenlinguistischen Modell entsprche, wre ein unwahrscheinlicher Zufall. Unstrittig ist,dass das menschliche Sprachvermgen spezifische neuronale Grundlagen hat, sichin Zeitfenstern entwickelt und bestimmte Bahnungen erfahrungsabhngig fixiert.Daraus lsst sich linguistisch allerdings nicht viel bzw. Divergentes ableiten.

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Bhler sah Sprache als geformtes Medium. Die Form ist als von den Zwecken imHandeln geprgte zu verstehen, nicht als unabhngiges System mit gnzlich eigenerOrdnung. Die Prgung ist dadurch zu erklren, dass - wie Saussure sagt - Spracheimmer in der Bewegung von Sprechprozess und historischem Prozess ist, was Un-gleichzeitigkeiten, temporre Verfestigungen und Erstarrungen wie Funktionsver-luste und Idiosynkrasien bedingt. Verstndnis als Medium heit auch: Einbezug derMultimodalitt, aller Sinne, der Gestik und Mimik, der gesamten Ttigkeit im Zu-sammenhang der Wissensverarbeitung. Die primre Existenzform von Sprache istdas Sprechen im Handlungszusammenhang, dessen spezifische Grammatik wir erstallmhlich begreifen lernen. Sie ist der schriftorientierten Grammatik vorgeordnet.Bhler setzt im Blick auf die semantische Plastizitt der Sprache das Verstehen wie-der ins Recht (1965:12ff.), Horizonterweiterung und Apperzeption sind zentraleKonzepte.

Der Cours hat die Linguistik emanzipieren wollen und sie zugleich abgeschottet.Chomsky hat immer wieder seinen Konstrukten Autonomie zugeordnet, sie als Gan-zes zunchst der Psychologie, spter der Biologie zugeordnet, was einen Austauschnicht leichter gemacht hat. Ob seine aktuellen berlegungen zu Schnittstellen daweiterfhren, muss abgewartet werden. Bhler hat das Angewiesensein auf die For-schungskooperation der Disziplinen betont: Fr ihn mssen die Fachmnner aufbeiden Seiten den Mut aufbringen, jeder dem anderen ins Konzept zu sprechen.(1965:111). Und er hat dies auch vorgemacht, er konnte allerdings an den Wissens-stand der Nachbardisziplinen anknpfen.Sprache ist im Kern unserer Lebenszusammenhnge, unserer Wissensbildung undkulturellen Tradierung. Einfach kann unser Bild von ihr nicht sein. Einsicht in dieNatur der Sprache ist Einsicht in die Natur des Menschen, der - so Herder 1772 - einGewebe zur Sprache (1972: 450) ist.

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Prof. Dr. Ludger HoffmannUniversitt DortmundInstitut fr deutsche Sprache und LiteraturEmil-Figge-Str. 5044227 Dortmundhttp://home.edo.uni-dortmund.de/~hoffmann/

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1. Sprachtheorien und menschliche Verstndigungsfhigkeit2. Ferdinand de Saussure3. Noam Chomsky4. Karl Bhler5. Einsichten und Aussichten6. LiteraturLudger Hoffmann