MELKEN ADF-Milking:Weniger Stressfü · PDF...

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  • MELKEN

    ADF-Milking: WenigerStress fr Melker und Kuh

    Das ADF-System dippt die Zitzen kurz vor dem Abnehmen und splt diese nach derAbnahme mit Wasser und Sure durch. Dadurch lsst sich die Melkzeit deutlich verkrzen.

    Wir haben uns das System im Praxiseinsatz nher angesehen.

    Die Aussicht, das Dippen inZukunft zu automatisie-ren, ist nicht nur fr gr-ere Milchviehbetriebe interes-sant. Manuelles Dippen ist zeit-aufwndig, pro Kuh mssen biszu acht Sekunden kalkuliertwerden. Besonders in grerenGruppenmelkstnden leidetbeim manuellen Dippen derDurchsatz. In Karussellmelkanla-genwird hufig sogar eine zustz-liche Arbeitskraft bentigt, diedas Dippen bernimmt. Um dieRoutinearbeitszeit pro Kuh inKarussellmelkanlagen zu senken,

    Duhtragu

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    bieten mehrere Hersteller einenautomatischen Sprayroboter an,der die Zitzen nach Abnahme derMelkzeuge mit desinfizierenderLsung einsprht. Beim Sprayenpassiert es allerdings hufig, dassdie Zitze unvollstndig oder garnicht benetzt wird.

    Innerhalb von30 Sekunden dippen!

    Wichtig ist, dass die Zitzensofort nach der Melkzeugab-nahme gedippt werden, aufjeden Fall jedoch innerhalb von

    rch eine Steigleitung in der Becher-lse werden Flssigkeiten und Luftnsportiert, die Dse sitzt im Zitzen-mmikopf.

    30 Sekunden. Das Dippmittelreduziert zwar den Keimdruckam Euter, weniger Keimdruckbedeutet aber auch, dass dieKhe ihre Immunabwehr herab-setzen. Wird unregelmiggedippt, haben Krankheitser-reger deshalb doppelt guteChancen. Deshalb gilt: Einmaldippen immer dippen! SiebenTage in der Woche, bei jederMelkzeit, jede Kuh.

    Als Alternative zu Sprhbal-ken und Sprayroboter bietet sichdas in Grobritannien entwi-ckelte ADF-Melkzeug an. DasKrzel ADF steht fr AutomaticDipping and Flushing. ImGegensatz zum Sprhbalken undSprayroboter verfgt dasADF-System zustzlich nochber eine Zwischendesinfektion(Flushing).

    60er Auenmelkerumgerstet

    Das innovative System istbereits seit 2005 in Grobritan-nien im praktischen Einsatz.Zunchst wurden 197 Milchfar-men ausgestattet. Im Jahr 2010entschied Entwickler James Duke,dass nun der richtige Zeitpunktgekommen sei, das Melkzeug mitden gelben Becherhlsen einerbreiteren Masse zugnglich zumachen. Die Markteinfhrung inDeutschland erfolgte auf der Euro-Tier 2012. Derzeit arbeiten inDeutschland laut dem Herstellervier Milcherzeuger mit demADF-System, weltweit jetzt ber650 Anlagen.

    Als einer der erstenMilchvieh-

    betriebe hat die Dittmannsdorfer

  • Das markanteMerkmal desADF-Systemssind die gelbenBecherhlsen.

    Fotos: Veauthier

    Milch GmbH die neue Melktech-nik installiert. Ende Januar 2013wurde das 60iger Auenmelkerka-russell whrend des laufendenMelkbetriebes umgerstet. FrHendrik Westert, dem Betreiberder Milchviehanlage, waren frdie Installation des ADF-Systemsdie geringeren Arbeitskosten bzw.Einsparungen bei den Ver-brauchsmitteln ausschlaggebend.

    Beim manuellen Dippenmsstenwir einen fnftenMelkerhinzuziehen, erlutert derBetriebsleiter, denn bei vier Mel-kern werden aus Zeitmangel nurrund 70% der Khe gedippt.Anzumerken ist in diesem Zusam-menhang, dass sich das Karussell22 Stunden tglich drehen muss,da sonst die 2250 Laktierendennicht gemolken werden knnten.Langsames Melken, weil ein Mel-ker mit dem Dippen nicht nach-kommt, ist nicht mglich.

    So funktioniertdie Technik Nach dem Ende des Melkpro-zesses, nach der Absperrung desVakuums, wird eine genau defi-

    nierte Menge Dippmittel demMelkzeug zugewiesen. Das Dippmittel wird durcheine in der Becherhlse fest inte-grierte Edelstahlleitung zunchstin Richtung Zitzengummikopftransportiert. Dort, im Gummi-kopf sitzt eine Plastikdse, durchwelche die Flssigkeit in dasInnere des Zitzengummisgesprht wird. Ein kurzer Druck-luftsto sorgt fr eine Verwirbe-lung der Flssigkeit, so dass dieDippflssigkeit von oben an derZitze herabluft. Noch whrend des Sprhvor-ganges wird das 1,95 kg schwereMelkgeschirr (300ml Sammel-stck) vom Euter abgezogen. Diezeitliche Verzgerung, mit derdie Melkbecher vom Euter abge-zogen werden, lsst sich zentraleinstellen. Unmittelbar nach der Ab-nahme beginnt die Zwischen-splung. Sechs Mal werden Was-ser und Peressigsure innerhalbkrzester Zeitabstndemit Drucknach oben in das Innere des Zit-zengummis gesprht. Da dieMelkbecher zu diesem Zeitpunktmit der ffnung nach unten

    hngen, kann das Wasser-Sure-gemisch ungehindert ablaufen.Zum Abschluss wird nochmalsetwas lnger Druckluft in das Zit-zengummi geblasen.

    Die gesamte Prozedur dauertca. 15 Sekunden. Fr die opti-male Dosierung bzw. die richtigeSpritzfolge der Flssigkeiten sorgtein Zentral-Prozessor, der imInneren des Karussells angeord-

    KOMPAKT

    Das ADF-System erlaubt das Dippen derZitzen imMelkbecher, nach der Melkzeugab-nahme werden die Becher nachgesplt. Bei unserem Besuch des Melkzentrums (60erAuenmelker) der Dittmannsdorfer MilchGmbHmachte das System einen soliden Ein-druck. Nach Auskunft des Betriebsleiters konnte dieDippmittelmenge bis auf 6 ml/Kuh reduziertwerden. Interessant scheint das System fr Milchvieh-betriebe, denen des fteren kontagise Erreger(S.aureus) Probleme bereiten. Ob sich die Investitionskosten wiedereinspielen, hngt vor allem von der Verwertungder eingesparten Arbeitszeit ab.

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  • Der zentrale Prozessor steuert das Dippen und Zwischendesinfizieren aller 60Melkpltze im Karussell.

    Jedes Melkgeschirr wird separat mit Wasser (Peressigsu-re), Dippflssigkeit und Luft angesteuert.

    MELKEN

    net ist. Der Prozessor steuert diedrei Edelstahlmagnetventile frWasser, Druckluft und das Dipp-mittel an, die im Ventilkasteneines jedenMelkplatzes angeord-net sind. Die Pumpstation unddie Vorratsbehlter fr das Dipp-mittel und die Peressigsurebefinden sich im Technikraum.

    Der Hersteller empfiehlt auf-grund der hohen Beanspruchungder Zitzengummis durch dasDippmittel und die Peressigsure,die Gummiteile sowie die Ventileim Zitzengummikopf nach 2000Melkungen auszutauschen.

    Die gelben Becherhlsen sindaus einem Spezialkunststoff gefer-tigt, das Aufschlagen der Hlsenauf der Grubenkante (was durch-aus immermal wieder vorkommt)hinterlsst zumindest keine opti-schen Spuren. Auch sonst ist dasADF-Melkzeug sehr robust gefer-tigt, die Schluche sitzen alle sehr

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    fest. Mit normaler Muskelkraftlsst sich kein Schlauch abziehen.Das besttigt uns auch Betriebslei-ter Hendrik Westert. Mit der Ver-arbeitung ist er sehr zufrieden,Defekte durch (ab)gerisseneSchluche oder sonstige Schdenkonnte er bislang nicht beobach-ten. Einzig aufgefallen ist, dasssich das eine oder andere Melk-zeug beim Abziehen vom Euterverdreht, so dass die Schlucheabknicken und die vier Becher-hlsen nicht immer gleich nachunten hngen. Doch hierauf hatder Hersteller bereits reagiert. EinAbweisbgel ist entwickelt, schonbald soll dieser praxisreif sein.

    Zellgehalt unverndertAuf den Zellgehalt der Kuh-

    herde hatte die Umstellung aufdas ADF-System bislang nochkeine Auswirkungen. Dieser liegtnach wie vor unverndert bei ca.150000 Zellen/ml. Allerdingswei der Betriebsleiter zu berich-ten, dass sich der Verbrauch anDippmittel in etwa halbiert hat.Pro Kuh und Melkvorgang wer-den nur 6ml der jodhaltigenFlssigkeit bentigt, beim Spray-roboter wren es 12 ml, rechnetWestert vor. Weiterhin schtzt eran der ADF-Technik das kom-plette Umsplen der Zitzen mitder roten Flssigkeit. An jederZitzenkuppe ist denn auch tat-

    schlich ein Tropfen Flssigkeitzu sehen.

    Die Milchkhe scheinen sichebenfalls mit der Technik ange-freundet zu haben. Alle 60 Tierestehen entspannt im Karussellund kauen wieder, keine Kuhkotet ab. Durch das Dippenwer-den dieMelkbecher sanfter abge-zogen, glaubtWestert. Als weite-ren Pluspunkt fhrt er die verbes-serte Zitzenkondition an. ImWinter hat die Milchviehanlagewegen der speziellenHaltungsbe-dingungen (Cuccetten und freiliegender Futtertisch) immerwieder Problememit rissigen Zit-zen. Deshalb habe man bei Tem-peraturen von unter -8C auchmit dem Dippen ausgesetzt,erklrt der Betriebsleiter. In die-semWinter sei das Problem, trotzdem lang anhaltenden starkenFrost, nicht aufgetreten.

    KostenFr einen Fischgrten-Grup-

    penmelkstand mit insgesamt 24Melkpltzen (2x12) gibt der Her-steller einen Grundpreis von30140 an, soll Peressigsure zurZwischendesinfektion eingesetztwerden, mssen noch 1712,50 hinzugerechnet werden (Preisenetto, zzgl. Mwst.). Fr den Ser-vice, der eine fortlaufende Liefe-rung der bentigten Betriebsmit-tel (Zitzengummis, Einspritzven-

    Deutliche Arbeitszeiteinsparung

    Farm Khe Melker Einsparung Melkzeit (%)

    Anzahl Anzahl absolut (min) in%

    A 277 12 25 22

    B 177 1 45 41

    C 254 1 15 4,4

    D 120 1 17 19

    E 551 2 62 27

    Quelle: Ohnstad et al., 2012

    1

  • Deutlich zu sehen ist die vollstndige BDippmittel. An der Zitzenkuppe bildet

    tile, Dippmittel) beinhaltet, mssen jhrlich 13 359 einkal-kuliert werden (bei zwei Melkun-gen tglich). Unterstellt man eine zehnjhrige Abschreibung errechnen sich jhrliche Kosten in Hhe von 16 544 (zzgl. Mwst) bzw. von rund 6,0 Cent pro Kuh und Melkung (300 Khe). Diesem Betrag mssen die Kosten fr Zit-zengummis und Dippmittel, die ohnehin verbraucht werden, gegenbergestellt werden. Erfah-rungsgem sind hierfr bei der beschriebenen Melkstandgre

    enssung der Euterstriche mit dem sich der erwnschte Tropf.

    rund 10 000 pro Jahr einzupla-nen. Ob sich der rund 6 500 hhere jhrliche Aufwand fr das ADF-System rechnet, hngt davon ab, ob sich die eingesparte Arbeitszeit anderweitig entspre-chend gewinnbringend vergten lsst bzw. ob die Eutergesundheit profitiert. Eine auf fnf britischen Milchviehbetrieben durchge-fhrte Studie belegt, dass durch-aus Zeiteinsparungen von bis zu 40 % beim Melken mglich sind (bersicht 1).

    Vor einer Umrstung der vor-

    Nach Abschluss des Dippens werden alle Melkbecher gesplt bzw. zwischendesinfiziert.

    ha