Mikrobiologische Diagnostik bei Infektionendes Auges .067/008 – Mikrobiologische Diagnostik bei

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067/008 Mikrobiologische Diagnostik bei Infektionen des Auges aktueller Stand: 07/2011

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publiziert bei:

AWMF-Register Nr. 067/008 Klasse: S2k

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft fr Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)

in Zusammenarbeit mit

der deutschsprachigen Gesellschaft fr Virologie (GfV),

der Deutschen Gesellschaft zur Verhtung von Viruskrankheiten (DVV) und

der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)

Mikrobiologische

Diagnostik bei

Infektionendes Auges

UlrikeTextfeldSeit > 5 Jahren nicht aktualisiert, Leitlinie wird zur Zeit berprft

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1 Einleitung/Methodik

In der vorliegenden Leitlinie werden Durchfhrungsstandards fr die mikrobiologische

Diagnostik von Infektionen der Augenumgebung, der Trnenwege, des vorderen

Augenabschnittes sowie von intraokularen Infektionen beschrieben.

1.1 Zielgruppe

Diese Leitlinie richtet sich an Mikrobiologen, Virologen und Augenrzte in Praxis und Klinik,

die mit der Diagnostik und Behandlung von Infektionen des Auges befasst sind.

1.2 Beteiligte Fachgesellschaften

Deutsche Gesellschaft fr Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) (vertreten durch

N.Wellinghausen, S.Zimmermann)

Deutschsprachigen Gesellschaft fr Virologie (GfV) (vertreten durch K. Korn )

Deutsche Gesellschaft zur Verhtung von Viruskrankheiten (DVV) (vertreten durch K.Korn)

und

Deutsche Ophthalomologischen Gesellschaft (DOG) (vertreten durch A.Bialasiewicz, H.

Mino de Kaspar und U. Schaller)

Von der Einbindung von Patienten wurde abgesehen, da ausschlielich Aspekte der

diagnostischen Vorgehensweise behandelt werden.

1.3 Methodik

Die Leitlinie wurde entsprechend den methodischen Vorgaben zur Entwicklung und

Weiterentwicklung von Leitlinien fr Diagnostik und Therapie der Arbeitsgemeinschaft der

Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) erstellt und entspricht

nach dem Dreistufenkonzept der AWMF einer S2k-Leitlinie. Die Zusammensetzung der

Leitliniengruppe war interdisziplinr, die Fachgesellschaften wurden frhzeitig ber das

Leitlinienvorhaben informiert und benannten die entsprechenden Fachvertreter.

Alle Empfehlungen wurden im Rahmen einer Konsensuskonferenz unter Verwendung eines

formalen Konsensusverfahrens (nominaler Gruppenprozess) konsentiert. Zunchst erfolgte

eine Darlegung der Evidenzlage aus Expertensicht mit anschlieender Diskussion.

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Entsprechend der Tischvorlage wurden die Empfehlungsentwrfe von jedem

Gruppenmitglied kommentiert, abweichende Vorschlge wurden notiert. Es folgten eine

Vorabstimmung, Debattieren/Diskutieren sowie die endgltige Abstimmung.

Die Konsensuskonferenz fand am 01.12.2009 in Mnchen statt, verbliebene offene Punkte

wurden im Umlaufverfahren konsentiert. Eine zustzliche Konsentierung erfolgte durch die

Leitlinienkommission von DOG (Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft) und BVA

(Berufsverband der Augenrzte) in der Sitzung vom 19.07.2010 (Schreiben der DOG vom

18.02.11). Die im Schreiben gegebenen Hinweise wurde bercksichtigt.

Die Abstimmungsergebnisse sind protokolliert und bei der AWMF hinterlegt. Die Moderation

der Konsensuskonferenz erfolgte durch Herrn Dr. med. Eberhard Kniehl als AWMF-

Leitlinienbeauftragter der DGHM/Stndige Arbeitsgemeinschaft Mikrobiologisch-

Infektiologische Qualittsstandards (MiQ) und zustndiger Editor des MiQ-Vorhabens

Augeninfektion. Stimmberechtigt in der Konsensuskonferenz waren alle Mitglieder des

Autorengremiums.

Die Leitlinie hat eine Gltigkeitsdauer von 5 Jahren, bis 05.2016. Eine berarbeitung erfolgt

durch die federfhrende Fachgesellschaft, d.h. die DGHM und deren Organe.

Eine Finanzierung der Leitlinie durch Dritte erfolgte nicht. Die Erarbeitung erfolgte

ehrenamtlich.

Die Erklrungen ber mgliche Interessenkonflikte wurden von allen am Leitlinienprozess

Beteiligten mit Hilfe des Formblattes der AWMF eingeholt. Nach Durchsicht und Prfung

kam man zu dem Schluss, dass keine bedeutsamen Interessenkonflikte fr den Einzelnen und

der Gruppe bestehen.

2 Probenentnahme und Transport

Die Probenentnahme richtet sich bei Augeninfektionen nach der speziellen Anatomie des

jeweils betroffenen Bereichs des Auges. Das konkrete Vorgehen ist im Folgenden fr die

einzelnen klinischen Entitten differenziert beschrieben.

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2.1 Allgemeine Hinweise zur Probenentnahme

Die hygienischen Anforderungen zum Schutz vor Keimverschleppungen und mglichen

Infektionen mssen bei der Probengewinnung wie bei operativen Eingriffen beachtet

werden [89]. Auch eine diagnostische Probengewinnung kann zur Kolonisierung mit Mikro-

organismen fhren, die primr nicht in den Infektionsprozess involviert sind.

Aufgrund der besonderen Bedeutung der mikrobiologischen Diagnostik und zur Vermei-

dung falsch negativer kultureller Befunde sollte mit dem Beginn einer antimikrobiellen

Therapie wann immer mglich bis nach der Gewinnung von Probenmaterial, insbesondere

bei intraoperativ gewonnenen Proben, gewartet werden. Dies erfordert eine rasche

Probennahme und mikrobiologische Diagnostik bei Verdacht auf akute Infektion.

Konjunktivalabstriche sollten immer ohne Lokalansthetika abgenommen werden, da die

enthaltenen Konservierungsmittel bakterizide Wirkung haben knnen [22,96,134,13,104].

Eine Diagnostik der Hornhaut ist ohne lokale Ansthesie in der Regel nicht mglich. Als

Lokalansthetikum ist derzeit 0,5 %iges Proparacain aufgrund der im Vergleich zu anderen

Substanzen geringeren bakteriziden Wirkung zu bevorzugen [104,13,82].

Grundstzlich sollte bei der Probenentnahme im Rahmen der diagnostischen Mglichkeiten

so viel Flssigkeit oder Gewebe wie mglich zur mikrobiologischen Untersuchung eingesandt

werden. Native Probenmaterialien wie Aspirate und Biopsien sind als Probenmaterial

einem Abstrich vorzuziehen.

Fr die Probennahme mittels Abstrichtupfer stehen verschiedene kommerzielle Modelle mit

Tupferwatte aus Baumwolle, Kunstfaser (Dacron, Rayon) oder Calcium-Alginat, Schften

aus Kunststoff sowie unterschiedlichen Transportmedien, wie modifiziertes Amies- oder

Cary-Blair-Medium, in fester oder flssiger Form zur Verfgung. Fr die ophthalmologische

Diagnostik sollten Kunstfaser-Tupfer mit Kunststoffschaft verwendet werden. Baumwoll-

tupfer knnen das Wachstum anspruchsvoller Bakterien inhibieren und Calcium-Alginat-

Tupfer knnen fr einige anspruchsvolle Bakterien, wie Gonokokken, sowie lipidumhllte

Viren toxisch sein [138]. Das Milieu des Transportmediums ist dazu ausgelegt, die

berlebensfhigkeit der Erreger ber verlngerte Lagerungszeiten, z. B. ber Nacht, bei einer

insgesamt niedrigen Vermehrungsrate zu verbessern, wobei sich die erhltlichen

kommerziellen Medien in der Konservierung schnell wachsender Bakterien nicht wesentlich

unterscheiden. Das berleben anspruchsvoller Erreger ist jedoch nicht ber einen beliebigen

Zeitraum gewhrleistet [162]. Empfindliche aerobe und anaerobe Bakterien sind teilweise

bereits nach 24 Stunden nicht mehr kulturell nachweisbar. Die Mehrzahl der pathogenen

Bakterien wird jedoch bei einer Transportzeit bis 24 Stunden in den kommerziell verfgbaren

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Medien ausreichend konserviert [149,172]. Fr die Chlamydien-Diagnostik sollten Tupfer aus

Calcium-Alginat bzw. spezielle kommerzielle Abstrichbestecke verwendet werden (siehe

auch Kapitel 4.1.2).

Proben fr die Virusdiagnostik sollten entweder nativ in einem sterilen Gef eingesandt

werden (flssige Materialien) bzw. im Falle von Abstrichtupfern oder Gewebeproben in

einem Rhrchen mit ca. 0,5 ml steriler Kochsalzlsung. Spezielles Virustransportmedium,

z.B. Hanks Balanced Salt Solution mit Gentamicin, Amphotericin B und fetalem

Klberserum, ist vorzuziehen, wenn eine Virusanzchtung in Zellkultur durchgefhrt werden

soll. Hierfr stehen auch komplette Systeme bestehend aus Abstrichtupfern und Gefen mit

Transportmedium zur Verfgung.

Fr die Nukleinsurediagnostik (siehe Kapitel 3.3) sollte bevorzugt natives Probenmaterial in

einem sterilen Transportgef eingesandt werden. Sofern eine Nukleinsurediagnostik aus

Abstrichen erfolgt, sollte der Abstrichtupfer feucht gehalten werden (z. B. in 0,9 %igem

NaCl) bzw. bei kommerziellen Tests die empfohlenen Abstrichbestecke der Hersteller

verwendet werden.

Fr den kulturellen Nachweis von freilebenden Amben ist ein spezielles Amben-

transportmedium erforderlich (siehe Kapitel 4.4.3).

2.2 Probenlagerung und -transport

Grundstzlich ist eine umgehende Verarbeitung und kurze Transportzeit des gewonnenen

Probenmaterials erforderlich. Da Augeninfektionen hufig von empfindlichen Erregern wie

Haemophilus influenzae, Streptococcus pn