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  • HARDBEATMix it!

    24 beat 07 | 2005

    MIX IT!Das Abmischen der eigenen Musik ist ohne Zweifel der kreativste Part des Sound-Engineerings,

    aber fr viele Musiker auch ein Buch mit sieben Siegeln. Beat verrt Ihnen Tipps und Tricks aus der

    Studioarbeit der Profi s, damit Ihre Stcke den perfekten Klang erhalten.

    von Mark Cousins Obwohl auch viele semiprofessionel-le Musiker mittlerweile ihre Aufnah-men selbst abmischen, hat dieses Handwerk

    immer noch einen Hauch von Alchemie: Hier

    ein mig begabter Snger, dort ein drh-

    nendes Keyboard aus dem TV-Shop und am

    Ende soll pures Gold herauskommen, selbst

    wenn es dann Katzengold sein sollte. Die

    groen Meister ihres Faches, wie Lord Alges

    und Spike Stents, knnen zumindest einen

    Mix produzieren, der das Potential zum Hit

    hat. Diese Techniker verlangen aber schon

    eine hohe Summe, um Tracks zu veredeln,

    und die Warteliste der Kunden ist lag.

    Ein gewisses Talent der Knstler einmal

    vorausgesetzt, ist das Abmischen auf Band,

    HD oder ein anderes Medium ein relativ ein-

    facher Vorgang. Dank Computer-Unterstt-

    zung sind die ntigen Werkzeuge fr den

    richtigen Mix heute auch fr Normalsterbli-

    che erschwinglich: Whrend frher ein Kom-

    pressor schon ein kleines Vermgen kostete,

    werden diese heute vom Computer im Dut-

    zend simuliert. Die professionellen Funktio-

    nen sind da, jetzt kommt es nur noch dar-

    auf an, wie der Produzent sie verwendet.

    Und genau da liegt der Haken: Das Aufneh-

    men und vielleicht auch der Rohmix sind

    nicht besonders schwer, aber das Ergebnis ist

    dann noch weit von einer professionellen

    Abmischung entfernt. Das fllt nicht nur dem

    Amateur, sondern auch den Profi s schwer:

    Selbst diese mssen dann schon einmal bei

    Mixern wie Mike Spike Stents anfragen, ob

    sie denn nicht diesen oder jenen Track kurz-

    fristig noch retten knnten.

    Das akustische VermchtnisEs ist schwer vorstellbar, dass es eine Art von

    Abmischung bereits in einer Zeit gab, als noch

    keine mchtigen Mischkonsolen mit Hunder-

    ten von Fadern, Kompressoren und Reverb-

    Einheiten existierten. Gemessen an der Zeit,

    in der die Menschheit schon Musik macht,

    nimmt sich das das elektronische Zeitalter

    sehr winzig aus. Die Erforschung der Akustik

    hat die Menschheit aber schon lange

    beschftigt vermutlich bereits seit den

    Tagen, als der Mensch in die Hhle ging, dort

    den Hall entdeckte und kurz darauf von

    einem Hllenlwen verspeist wurde. Spter

    baute man Kirchen und erste Konzerthallen,

    diesmal ohne Lwen, aber dafr mit immer

    besserer Akustik. Noch heute verursacht die

    Akustik in Kirchen bei vielen offene Mnder

    aber immerhin stecken dort auch teilweise

    mehrere hundert Jahre Entwicklungsarbeit.

    Neben dem passenden Ort kam die Mensch-

    heit auch schnell auf die Idee, dass die Anord-

    nung der Instrumente den Sound wesentlich

    beeinfl ussen kann.

    In der digitalen Welt stellen sich durch-

    aus hnliche Fragen der Akustik. Wie sollte

    das richtige Setup der Band aussehen? Wie

    spiegelt sich die Stimmung auf der Bhne in

    dem fi nalen Mix wieder? Leicht verliert sich

    der Produzent in der Vielzahl digitaler Lsun-

    gen (digitale Reverbs, Kompressoren und

    EQs), sodass die teilweise einfachen Mg-

    lichkeiten der Akustik fr viel Erstaunen sor-

    gen. Tatschlich gab es in den 20er Jahren,

    als die Musik noch direkt auf Band aufge-

    nommen wurde, keine andere Mglichkeit,

    die Musikbalance zu beeinfl ussen, als die

    Anordnung der Knstler auf der Bhne zu

    verndern. Der Snger ist dadurch meistens

    vorne, sehr nahe am Mikrofon, gelandet.

    Der digitale Weg des Mixens hat sich

    dagegen erst entwickelt, als die Songs kom-

    plexer wurden und mehrere Mikrofone und

    Tracks eingesetzt wurden. Mit der Komplexi-

    tt sind aber auch die Ansprchen an den Mix

    gestiegen.

  • Mix it!

    HARDBEAT

    beat 07 | 2005 25

    ber den AutorMark Cousins arbeitet als Komponist fr Auftragsar-beiten, in erster Linie fr BMG-Zomba. Seine Kompo-sitionen werden von verschiedenen Fernsehsendern genutz, darunter BBC, ITV, Channel 4, Fire und Sky. Er unterhlt enge Beziehungen zum Lehrstab der Con-fetti School of Recording Technologie.

  • HARDBEATMix it!

    26 beat 07 | 2005

    Perfekt abgemischtObwohl der Ausdruck durchaus fter in den

    Mund genommen wird, ist die Defi nition

    eines perfekten Mixes gar nicht so einfach.

    Die Meinungen, was ein perfekter Mix ist,

    gehen weit auseinander. Deshalb gibt es dar-

    auf auch keine eindeutige Antwort, aber

    umso mehr Tools, die alle den perfekten Mix

    versprechen. Mit nur einigen grundlegenden

    Werkzeugen (ein Schreibtisch, einigen Kom-

    pressoren, Gate- und Effekt-Einheiten) knnen

    verschiedene Aufnahmetechnik bereits

    erstaunliche Ergebnisse erzielen ob dies von

    der ffentlichkeit dann positiv aufgenommen

    wird, mssen die Kufer entscheiden. Es kann

    aber ntzlich sein, sich die verschiedene

    Trends anzuschauen. In jedem Genre hat der

    Kufer eine gewisse Erwartungshaltung, von

    der immerhin dann doch so eine Art Defi niti-

    on abgeleitet werden kann.

    Die erste berzeugung zur Abmischung

    fi nden sich vor allem beim beim Jazz, Folk

    und der klassischen Musik. Es knnte auch

    als die natrliche Form des Mischens

    betrachtet werden, bei der das Band so

    gemischt wird, als sei es gerade erst auf-

    genommen worden. Der fast unbehandel-

    te Sound von Knstlern wie Norah Jones, das

    folkige Sleep/Holiday von Gorkys Zygotic

    Mynciund, der orchestrale Soundtrack von

    The Terminal (John Williams): All diese

    Alben und Singles machen nur sehr spora-

    disch Gebrauch von Kompressor und EQ mit

    wenig bis gar keinem Reverb. Einen Groteil

    der Stereo-Informationen liefern die Raum-

    Mikros und weitere gezielt platzierte Mikros,

    um ein mglichst natrlichen Panorama zu

    erhalten und der Produktion mehr Breite zu

    verleihen.

    Was so religis klingt, ist eigentlich ein ganz irdisches Prinzip: Jede

    Einstellung hat Auswirkungen auf den Track. Wenn Sie den EQ mit

    einer bestimmten Frequenz hinzufgen, wird sich die Art und Wei-

    se, mit der der Sound mit den anderen Instrumenten im Mix inter-

    agiert, ndern. Wenn Sie bei einem Sound eine Pegelanhebung

    durchfhren, suchen Sie nach einem anderen Sound im Mix, der

    einen dazu passenden Schnitt

    verkraften kann. Ganz einfach ist

    es jedoch nicht, beispielsweise

    sollte nicht der Bass von einer

    Tamburine weggenommen wer-

    den, nur um den Bass auszuba-

    lancieren, der eine Bassfutrom-

    mel hinzugefgt wurde. Sehen

    Sie es als das Yin und Yang des

    Mixens oder als Einerseits

    Andererseits: Wenn die passen-

    de Balance bereits hergestellt ist,

    sollten Sie in der Lage sein, den

    Klangraum besser auszugestal-

    ten und die Sounds klarer zu

    defi nieren.

    Gleiche Instrumente, verschiedene FarbenWenn Sie auch zu der Gattung Musiker gehren, welche die

    Instrumente nicht nur im Schrank stapelt, sondern auch in Form

    von Instrumenten-Ebenen auf dem Computer, sollten Sie beim

    Mix die gleichen Instrumente immer leicht im Ton und EQ variie-

    ren, damit nicht ein ungewollter Soundbrei entsteht. Wenn das

    gleiche Instrument oder die gleiche Stimme in der gleichen Tonla-

    ge mehrmals vervielfltigt wird, macht das auf die Zuhrer einen

    unnatrlichen Eindruck. Schaffen Sie also Kontraste, um jedem

    Track einen Hauch von Individualitt zu verleihen.

    Kenne und liebe dein EQEs soll ja tatschlich geben, die mit ihrem Equalizer ins Bett gehen,

    um ihn besser zu verstehen. Nun ist das richtige Verstndnis eines

    Sounds bei verschiedenen Frequenzen durchaus wichtig aber

    dafr reicht auch das Ohr. So kann 200 Hz etwas schmutzig und 2

    kHz etwas kantig klingen. Die bung macht auch hier den Ton-

    meister, und nach einer Zeit entwickelt man das ntige Gespr fr

    die Tne. Als bungsmethode knnen Sie auch fertig produziertes

    Material (beispielsweise von einer CD) nehmen und es durch den

    Equalizer jagen. Verndern Sie etwas an den Frequenzen, heben

    Sie auf der einen Seite etwas an und senken Sie dafr auf der Sei-

    ten den Pegel. Achten Sie darauf, wie sich der Gesamt-Mix ndert!

    Mit FilterIn einem komplexen Mix erweisen sich Filter (Low-Pass, Band-Pass,

    High-Pass) als eine echte Hilfe beim Platzieren des Sounds. Beson-

    ders Low-Pass-Filter eignen sich dazu, den Sound nach unten und

    rechts im hinteren Teil des Sound-Panoramas zu verschieben. Mit

    dem High-Pass kann hingegen eine Art Flurbereinigung durchge-

    fhrt werden sehr pratisch, wenn die Bass-Frequenzen den Mix

    zerstckeln. Im Idealfall sollte das Bassende eines Mixes mit eini-

    gen einfachen Elementen auskommen, der Rest der Instrumentie-

    rung bleibt klar. Band-Pass-Filter knnen als ein Spezial-Effekt ver-

    wendet werden und vertragen sich gut mit dem Gesang, der sich

    dann anhrt, als kme er aus dem Radio, oder fr einen kleinen

    Snare-Reverb.

    Gleichheit, Freiheit, BrderlichkeitMit der einen Hand nehmen, mit der anderen geben

    Gut ausbalanciert: Wenn Sie EQ-Werte einsetzen, nehmen Sie die Frequenz stets aus einem anderen Instrument heraus. Auf diese Art erhalten Sie eine bessere Spektral-Balance.