Monitoring rastender Wasservögel – Rundbrief 2007/08...Monitoring rastender Wasservögel –...

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Monitoring rastender Wasservögel – Rundbrief 2007/08 Liebe Leserinnen, liebe Leser! „Das Vogelmonitoring ist eine unverzichtbare Grundlage für den Natur- schutz.“ Dieser Satz aus der Rede von Dr. Elsa Nickel, Ministerialdirigentin für Naturschutz im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor- sicherheit, zum Abschluss des F+E-Vorhabens „Monitoring von Vogelarten in Deutschland“ ist bemerkenswert, weil mit dem „Vogelmonitoring“ ehrenamt- lich getragene Erfassungsprogramme wie die Wasservogelzählung oder das Monitoring von Gänsen und Schwänen gemeint sind. Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Bekenntnis undenkbar gewesen. „Bleiben Sie weiterhin mit Begeisterung bei der Sache! Dann wird das Vogelmonitoring auch auf Dauer ein Erfolg!“ Im Schlusssatz ihrer Rede deu- tete sich bereits an, was ein gutes Jahr später aller Voraussicht nach Reali- tät werden wird: Bund und Länder kommen gemeinsam für die Aufrechter- haltung der koordinativen Strukturen des Vogelmonitorings auf. Der lange, ehrenamtliche Atem und die intensive Arbeit in den letzten Jahren scheint sich damit auszuzahlen. Auch in anderen Bereichen hat sich Vieles positiv entwickelt: Im dritten Jahr der Kartierungen für den neuen deutschen Brutvogelatlas konnten er- freuliche Fortschritte erzielt werden, die in einem weiteren ansprechen- den Bericht dokumentiert sind (als PDF auf der DDA-Homepage verfüg- bar: ADEBAR Publilationen). Am 6. Mai packte das Birdrace-Fieber 90 Teams, die mit viel Spaß dem Spendenbarometer zu einem neuen Rekord- wert verhalfen: über 16.000 Euro kamen für ADEBAR zusammen! Im November schließlich wird die Broschüre „Vögel in Deutschland 2007“ von Frau Prof. Dr. Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Natur- schutz, auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert. Auf 40 Seiten werden die Ergebnisse des Vogelmonitorings in Deutschland zusam- mengefasst, für die allein die Wasservogelzähler weit über eine Million Stunden ehrenamtlich bei Wind und Wetter unterwegs waren. Die in hoher Auflage gedruckte und sehr ansprechende gestaltete Broschüre soll wei- te Teile der Bevölkerung ebenso wie Entscheidungsträger in Politik und Ver- waltung erreichen. Es ist auch Ihr Verdienst, dass wir diese vielen Erfolge im zurückliegen- den Jahr feiern durften: Ohne die Begeisterung und Ausdauer der vielen Tausend ehrenamtlichen Beobachter wäre diese Entwicklung schlicht unmög- lich gewesen! Wir würden Ihnen deshalb am liebsten persönlich dafür dan- ken, aber so viele Hände haben wir leider nicht, so dass wir abermals auf Ihre Unterstützung bauen: Klopfen Sie sich bitte selbst auf die Schulter – ru- hig ein paar Mal –, denn auf das Erreichte dürfen wir wirklich alle stolz sein! Und wenn Sie gerade schon so gemütlich und zufrieden sitzen, dann le- sen Sie doch einfach weiter und erfahren so Einiges von dem, was sich im Monitoring rastender Wasservögel getan hat. Viel Spaß dabei wünschen Johannes Wahl, Thomas Heinicke und Christoph Sudfeldt Inhalt Bundesweite Möwen-Schlaf- platzzählungen – Ergebnis- se 2006/07 .............. 2 Gänsezählungen am Unteren Niederrhein ............ 6 Wasservogelzählung am Neckar erfolgreich wiederbelebt! ........................ 9 „Atze“ auf Reisen........ 12 Halsbandmarkierung von mau- sernden Graugänsen auf Rü- gen .................... 13 Saatgänse mit gelben Hals- ringen ................. 14 Mit den Blässgänsen unter- wegs in die Arktis ..... 16 Jungvogelanteile und Famili- engrößen von überwintern- den Schwänen in Deutsch- land 2006/07 ........... 18 Neues vom Bruterfolgsmonito- ring bei Gänsen ........ 20 Europaweite Goldregen- pfeiferzählung 2008 .... 23 Wasservogelzählgebiete aus der Vogelperspektive ... 24 Tagung der Wasservogelkoor- dinatoren in Lenzen .... 25 Zähltermine 2007/08...... 26
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  • Monitoring rastender Wasservögel –Rundbrief 2007/08Liebe Leserinnen, liebe Leser!

    „Das Vogelmonitoring ist eine unverzichtbare Grundlage für den Natur-schutz.“ Dieser Satz aus der Rede von Dr. Elsa Nickel, Ministerialdirigentin für Naturschutz im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor-sicherheit, zum Abschluss des F+E-Vorhabens „Monitoring von Vogelarten in Deutschland“ ist bemerkenswert, weil mit dem „Vogelmonitoring“ ehrenamt-lich getragene Erfassungsprogramme wie die Wasservogelzählung oder das Monitoring von Gänsen und Schwänen gemeint sind. Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Bekenntnis undenkbar gewesen.

    „Bleiben Sie weiterhin mit Begeisterung bei der Sache! Dann wird das Vogelmonitoring auch auf Dauer ein Erfolg!“ Im Schlusssatz ihrer Rede deu-tete sich bereits an, was ein gutes Jahr später aller Voraussicht nach Reali-tät werden wird: Bund und Länder kommen gemeinsam für die Aufrechter-haltung der koordinativen Strukturen des Vogelmonitorings auf. Der lange, ehrenamtliche Atem und die intensive Arbeit in den letzten Jahren scheint sich damit auszuzahlen.

    Auch in anderen Bereichen hat sich Vieles positiv entwickelt: Im dritten Jahr der Kartierungen für den neuen deutschen Brutvogelatlas konnten er-freuliche Fortschritte erzielt werden, die in einem weiteren ansprechen-den Bericht dokumentiert sind (als PDF auf der DDA-Homepage verfüg-bar: ADEBAR Publilationen). Am 6. Mai packte das Birdrace-Fieber 90 Teams, die mit viel Spaß dem Spendenbarometer zu einem neuen Rekord-wert verhalfen: über 16.000 Euro kamen für ADEBAR zusammen!

    Im November schließlich wird die Broschüre „Vögel in Deutschland 2007“ von Frau Prof. Dr. Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Natur-schutz, auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert. Auf 40 Seiten werden die Ergebnisse des Vogelmonitorings in Deutschland zusam-mengefasst, für die allein die Wasservogelzähler weit über eine Million Stunden ehrenamtlich bei Wind und Wetter unterwegs waren. Die in hoher Auflage gedruckte und sehr ansprechende gestaltete Broschüre soll wei-te Teile der Bevölkerung ebenso wie Entscheidungsträger in Politik und Ver-waltung erreichen.

    Es ist auch Ihr Verdienst, dass wir diese vielen Erfolge im zurückliegen-den Jahr feiern durften: Ohne die Begeisterung und Ausdauer der vielen Tausend ehrenamtlichen Beobachter wäre diese Entwicklung schlicht unmög-lich gewesen! Wir würden Ihnen deshalb am liebsten persönlich dafür dan-ken, aber so viele Hände haben wir leider nicht, so dass wir abermals auf Ihre Unterstützung bauen: Klopfen Sie sich bitte selbst auf die Schulter – ru-hig ein paar Mal –, denn auf das Erreichte dürfen wir wirklich alle stolz sein!

    Und wenn Sie gerade schon so gemütlich und zufrieden sitzen, dann le-sen Sie doch einfach weiter und erfahren so Einiges von dem, was sich im Monitoring rastender Wasservögel getan hat. Viel Spaß dabei wünschen

    Johannes Wahl, Thomas Heinicke und Christoph Sudfeldt

    InhaltBundesweite Möwen-Schlaf-platzzählungen – Ergebnis-se 2006/07 .............. 2

    Gänsezählungen am Unteren Niederrhein ............ 6

    Wasservogelzählung am Neckar erfolgreich wiederbelebt! ........................ 9

    „Atze“ auf Reisen........ 12

    Halsbandmarkierung von mau-sernden Graugänsen auf Rü-gen .................... 13

    Saatgänse mit gelben Hals-ringen ................. 14

    Mit den Blässgänsen unter-wegs in die Arktis ..... 16

    Jungvogelanteile und Famili-engrößen von überwintern-den Schwänen in Deutsch-land 2006/07 ........... 18

    Neues vom Bruterfolgsmonito-ring bei Gänsen ........ 20

    Europaweite Goldregen-pfeiferzählung 2008 .... 23

    Wasservogelzählgebiete aus der Vogelperspektive ... 24

    Tagung der Wasservogelkoor-dinatoren in Lenzen .... 25

    Zähltermine 2007/08...... 26

  • 2 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Bundesweite Möwen-Schlafplatzzählungen – Ergebnisse der Zählsaison 2006/07Johannes Wahl, Jochen Bellebaum und Martin Boschert

    Der Rückgang der Großmöwenbestände in der vorangegangenen Zähl-saison vor allem im Binnenland als Reaktion auf die Schließung zahlrei-cher Mülldeponien sowie das Verbot, unbehandelte organische Abfäl-le offen zu deponieren, kam nicht unerwartet. Dass die Bestände jedoch auf weniger als die Hälfte zurückgehen würden, damit war nicht unbe-dingt zu rechnen. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agen-tur erwähnte Bernd Hälterlein (Nationalparkamt Schleswig-Holsteini-sches Wattenmeer) dieses Ergebnis unserer Zählungen, worauf mehrere Zeitungen die Meldung aufgriffen. Sogar GEO berichtete in der Ausga-be 4/07 darüber. Eine wichtige Voraussetzung für diese unerwartete Re-sonanz in den Medien war der schnelle Datenrücklauf, wofür wir allen Zählerinnen und Zählern sowie den Koordinatoren danken! Wie wird sich der drastische Einschnitt in das bis zum Sommer 2005 komfortable Möwenleben weiter auswirken? Gehen die Großmöwenbe-stände noch einmal zurück oder stabilisieren sie sich auf dem niedrigen Niveau. Unter anderem mit diesen Fragen gingen die bundesweiten Mö-wen-Schlafplatzzählungen bereits in ihren vierten Winter.

    Der Winter wollte sich bis Ende Ja-nuar allerdings nicht einstellen. Nur selten fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, und dann auch nur wenig (Abb. 1). Vor allem die erste Hälfte des Winters war somit deut-lich zu mild. Erst kurz nach dem Ja-nuarzähltermin kam es deutschland-weit zu einem Kälteeinbruch, was einmal mehr verdeutlichte, wie wich-tig es ist, tatsächlich am vorgesehe-nen Termin zu zählen. Mit Ausnahme der Zählungen im Hamburger Hafen, wo diese auf einen günstigen Hoch-wasserzeitpunkt abgestimmt werden müssen, wurde nur in wenigen Fällen

    um mehr als einen Tag abgewichen (Abb. 1). Während des Dezember-termins herrschten recht ruhige, im Januar hingegen vielerorts stürmi-sche Bedingungen (Wind aus SW bis NW), die vor allem im Norden die Zählungen teilweise beeinträchtig-ten oder zum Ausweichen auf einen der nachfolgenden Tage zwangen.

    Noch weniger GroßmöwenRund 470.000 Möwen wurden im Rahmen beider Zählungen in 183 Zählgebieten erfasst, darunter er-freulicherweise auch wieder eini-ge neue Gebiete. Die Abdeckung

    der Zählgebiete war der des ver-gangenen Jahres ähnlich, lediglich im Nordosten konnten einige Schlaf-plätze nicht erfasst werden. Insge-samt liegen damit bereits von 277 Gebieten Informationen vor.

    Mit Abstand am häufigsten er-fasst wurden wiederum Lachmöwen (Tab. 1), deren Bestand über die ver-gangenen vier Winter bundesweit stabil ist (Abb. 3a). Die nahezu syn-chrone Entwicklung der Indexwerte in beiden Monaten deutet darauf hin, dass über die Schlafplatzzäh-lungen auf Bundesebene belastbare Aussagen zur langfristigen Entwick-lung getroffen werden können. Im Gegensatz dazu verdeutlichen die unterschiedlich verlaufenden Index-kurven im Dezember und Januar die stark von der vorherrschenden Wit-terung geprägte Verbreitung der Sturmmöwen (Abb. 3b). Die Rastbe-stände der Silbermöwe gingen wei-ter zurück, im Vergleich zum Vorjahr allerdings weniger als man das viel-leicht vermutet hätte (Abb. 3c). Zum einen ist das auf wenige, noch offe-ne Deponien mit Ausnahmegenehmi-gungen zurückzuführen, zum ande-ren scheinen die Silbermöwen ihre Ernährungsweise umgestellt zu ha-ben und nun vermehrt auf Wiesen und Äckern nach Nahrung zu suchen, wie verschiedentlich beobachtet

    Lachmöwen halten sich im Winter gerne in Siedlungsnähe auf, wo sie ausreichend Nahrung ergattern kön-nen – manchmal müssen sie dafür al-lerdings Fotografen oder fütternden Omis etwas bieten. Foto: Michael Schmolz.

  • 3

    Abb. 2: Lage und Größe der im Win-ter 2006/07 erfassten Schlafplät-ze (Bodensee: synchrone Tageszählun-gen). Dargestellt ist die Gesamtsumme aller Möwen. Lagen zwei Zählungen vor, wurde die mit dem größeren Ge-samtbestand abgebildet. Schlafplät-ze, die im Rahmen der Zählungen be-reits einmal erfasst wurden und für die bis 31.10.2007 keine Ergebnisse vor-lagen, sind ebenfalls dargestellt. Falls dort doch gezählt wurde, leiten Sie die Daten bitte baldmöglichst an Ihren Lan-deskoordinator weiter.

    Abb. 1: Tagesmitteltemperaturen zwischen 15.11.2006 und 31.1.2007 in Berlin-Tem-pelhof bzw. Düsseldorf. Auf die Darstellung des Verlaufs einer Station in Süddeutsch-land (Stuttgart) wurde verzichtet, da sich dieser von den beiden Stationen kaum un-terschied. Die schwarzen Balken zeigen die prozentuale Verteilung der Zählungen im Dezember bzw. Januar. Quelle: Deutscher Wetterdienst, www.dwd.de.

    wurde. Ob sie allerdings mit Regen-würmern langfristig über die Winter kommen werden? Wir sind daher an allen Informationen über Nahrungs-quellen überwinternder Großmöwen interessiert.

    Wenn sie nicht im Binnenland sind, wo überwintern sie dann? Nahelie-gend ist sicherlich, dass sie schlicht nicht mehr ins Binnenland kommen, sondern in der Nähe der Brutgebie-te an Nord- und Ostsee bleiben. Dies müsste sich angesichts der Größen-ordnung der Verlagerungen auch in den Winterbeständen an den Küs-ten bemerkbar machen. Wir hoffen, in der nächsten Auswertung durch einen Vergleich mit den Ergebnis-sen der Wasservogelzählung dieser Frage nachgehen zu können (der-zeit liegen die Daten aus dem Win-ter 2005/06 noch nicht vollständig auf Bundesebene vor).

    Zur Entwicklung der Steppen- und Mittelmeermöwen-Bestände lassen sich nur grobe Aussagen treffen, da sie sich auf vergleichsweise wenige Gebiete konzentrieren (Abb. 4) und an einem Teil der Schlafplätze auf-grund großer Distanzen nicht diffe-renziert werden können. Vermutlich auch aus diesen Gründen sind die Entwicklungen im Dezember und Ja-nuar sehr uneinheitlich und mit einer großen Unsicherheit behaftet. Auf die Darstellung jährlicher Indexwer-te haben wir daher verzichtet. Wäh-rend die Steppenmöwen-Bestände im Dezember starken Fluktuationen unterworfen zu sein scheinen, deu-ten die Januardaten auf einen Rück-gang hin. Bei den Mittelmeermöwen weisen die Ergebnisse auf stabi-le Winterbestände hin. Auf diese in Süddeutschland häufigste Großmö-

    www.dwd.de

  • 4 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Art Dezember Januar

    gezählte Gebiete 143 145Fischmöwe 1 –Schwarzkopfmöwe 2 5Zwergmöwe 46 29Lachmöwe 156.366 141.869Lach-/Sturmmöwe 5.834 28.779Sturmmöwe 52.834 44.400Heringsmöwe 321 66Silbermöwe 15.474 14.613Mittelmeermöwe 563 452Steppenmöwe 1.757 881Weißkopfmöwe (Mittelmeer-/Steppenmöwe) 547 491unbestimmte Großmöwe 4.091 5.717Mantelmöwe 385 308Dreizehenmöwe – 1unbestimmte Möwe 159 –Summe 238.380 237.611

    Tabelle 1: Ergebnisse der Möwen-Schlafplatzzählungen im Dezember 2006 und Ja-nuar 2007 (inkl. ausländischer Teile des Bodensees), Stand: 31.10.2007.

    wenart hatte die veränderte Depo-nienlandschaft demzufolge bislang keinen erkennbaren Einfluss.

    Ungewöhnlich viele „Herbstarten“ im WinterAufgrund der milden Witterung hiel-ten sich im Dezember mit 321 Indi-viduen noch ungewöhnlich viele He-ringsmöwen vor allem im Südwesten Nordrhein-Westfalens auf. Im Ja-nuar wurden immerhin noch 66 Ind. gezählt. Ebenso sind 7 Schwarzkopf-möwen (5 davon im Januar) für die Jahreszeit ungewöhnlich. Ebenfalls auf die viel zu milden Temperatu-ren zurückzuführen sind die Zwerg-

    Abb. 3: Entwicklung der Winterbestände der drei häufigsten Möwearten in Deutschland nach den Daten der Schlafplatzzählungen des DDA: a) Lachmöwe, b) Sturmmöwe, c) Silbermöwe. Die Indexwerte geben die Veränderung relativ zum Winter 2003/04 wie-der (Fahnen der Indexwerte = Standardfehler).

    a cb

    möwen-Trupps, die sich bis zur Ja-nuarzählung in Schleswig-Holstein aufhielten.

    Die exklusivste Beobachtung ge-lang im Dezember am Cospudener See bei Leipzig: Dort hielt sich eine junge Fischmöwe für mehrere Wo-chen auf und schaffte es somit als erste ihrer Art in die bundesweite Wasservogeldatenbank. Fischmö-wen werden mittlerweile fast alljähr-lich vor allem in Sachsen beobach-tet, vermutlich gelangen sie mit den zahlreichen Steppenmöwen aus der Schwarzmeerregion zu uns.

    Danke!Bereits im August lagen die Zählda-ten nahezu vollständig vor. Für die-se vorbildliche Disziplin und die wie-derum großartige Unterstützung bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Zählerinnen und Zählern sowie den Koordinatoren!

    An den Zählungen im Winterhalb-jahr 2006/07 waren beteiligt:M. Akkermann, H. Andritzke, T. Andritzke, W.

    Arntz, W. Bechtel, G. Becker, K. Becker, D.

    Beckmann, J. Bellebaum, D. Bentzien, A. Ber-

    tuleit, R. Beschow, H. Beyer, F. Bierkamp, F.

    Bindrich, D. Bird, V. Blietschau, C. Bock, OAG

    Bodensee, A. Böger, K. Böhm, H. Bongards,

    M. Boschert, M. Braun, C. Brummer, W. Buch-

    heim, M. Buchheit, B. Buenning, A. Deutsch, A.

    Dien, J. und R. Dien, V. Dierschke, G. Dohm,

    K.-J. Donner, P. Dreyer, C. Dronneau, G. Dum-

    ke, A. Dwenger, I. Eikhorst, W. Eikhorst, E. Er-

    lemann, P. Erlemann, U. Eul, M. Faas, K. Fied-

    ler, H.-G. Folz, D. Förster, H. Förster, S. Frick, P.

    Fuhrmann, E. Gabler, L. Gaedicke, K.-H. Gaß-

    ling, H.-H. Geißler, A. Goedecke, M. Gottsch-

    ling, B. Grajetzky, F. Gremmer, T. Großmann,

    T. Guggemoos, J. Hadasch, J. Hagemann, S.

    Hartlaub, J. Hartmann, H. Haupt, L. Hayo, W.

    Heuser, K.-H. Heyne, W. Hiller, S. Hinrichs,

    S. Hoffmann, M. Holland, J. Hubert, J. Hurst,

    R. Jahn, U. Janz, E. Janzing, M. Jöbges, M.

    Jönck, H. Jürgens, M. Jurke, S. Kaiser, L. Kalbe,

    J. Kamp, H. Karthäuser, Kaseburg, J. Kasper,

    J. Kieckbusch, W. Klauke, R. Klein, M. Klink-

    müller, L. Kluge, U. Knief, W. Knief, M. Knöd-

    ler, P. Knolle, N. Kobarg, A. Könen, R.-U. Kön-

    necke, B. Koop, G. Köpke, A. Kormannshaus, R.

    Köther, K. Krätzel, U. Kreidenweis, M. Kretsch-

    mer, J. Kreuziger, J. O. Kriegs, O. Krischer, I.

    Kroier, L. u. B. Kroymann, R. Kugler, K. Kuhn,

    M. Kuhn, T. Kuppel, F. Laessing, J. Langenberg,

  • 5

    Abb. 4: Verhältnis zwischen Mittelmeer- und Steppenmöwen an den im Januar 2006/07 erfassten Schlafplätzen (Bodensee: synchrone Tageszählungen). Lag nur eine Zählung aus dem Dezember vor, wurde diese abgebildet. Schlafplätze, an de-nen keine der beiden Arten angetroffen wurden, sind als Nullzählung dargestellt. Die Schlafplätze wurden entsprechend der Summe der beiden Arten skaliert (inkl. unbe-stimmter Vögel).

    T. Langgemach, H. Lauruschkus, H. Hauss-

    mann, G. Liehr, E. Lippok, G. Lohmann, D. Lo-

    renzen, W. Mädlow, S. Masur, S. Mathiessen,

    F. Menzel, M. Mercker, E. Meyer, L. Müller, J.-

    H. Mülstegen, H. Multhaupt, W. Nachtigall, K.-

    H. Nagel, W. Neuberger, R. Neugebauer, H.

    Nickel, C. Niederbichler, U. Nielitz, J. Nowa-

    kowski, O. Nüssen, A. K. Ortmann, T. Otto, F.

    Paltinat, A. Pennekamp, U. Pennekamp, T. Pe-

    ters, H. Pfitzner, W. Pott, T. Pusch, S. Rathge-

    ber, J. Rathgeber-Knan, B. Ratzke, S. Rau, H.

    Rennau, M. Richter, U. Rösch, I. Rösler, F. Röß-

    ger, C. Rothfuß, I. Rottgard, G. Rupnow, A. Rys-

    sel, K.-H. Salewski, A: Sauer, H. Schäpers, H.

    Schaub, F. Schawaller, R. Schläfer, D. Schlorf,

    H.J. Schmaus, H. Schmedes, N. Schmell, K.

    Schmöller, E. Schneese, H. Schulte, F. Schulz,

    F. Schulz, M. Schulze, U. Schwarz, K.-J. Seelig,

    M. Sell, K. Siems, F. Sieste, D. Sperling, T. Stal-

    ling, H. Stellwag, T. Stenzel, J. Streese-Klee-

    berg, J. Strehlow, H. u. I. Strunk, H. Stübing,

    S. Stübing, S. Sudmann, G. Süßmilch, M. Ta-

    cke, E. Taschner, S. Tautz, J. Teich, W. Thomas,

    H. Trapp, S. Urmoneit, B. Vollmar, J. Wahl, C.

    Walter, B. Walther, C. Wegst, H. Weindorf, R.

    Weißenborn, J. Willy, F. Wimmer, H.-J. Win-

    deln, K. Witt, E. Witting, S. Wolf, R. Zech, T.

    Zegula, W. Ziege, H. Zimmermann, A. Zours,

    R. Zschäpe, R. Zwintz

    Falls wir trotz aller Sorgfalt je-

    manden vergessen haben sollten, bitten wir um Nachsicht!

    Kontakt:Johannes WahlSteinfurter Str. 55, 48149 Münster, E-Mail: [email protected]

    Unter diesem Leitgedanken stand eine internationale Konferenz zum Schutz von Wasservögeln, die im April 2004 im schottischen Edin-burgh abgehalten wurde und zu der

    BezugAlle Beiträge stehen als PDF unter www.jncc.gov.uk/worldwaterbird zur Verfügung. Sie sind entspre-chend den Buchkapiteln geordnet und können auch einzeln herunter-geladen werden.

    In gedruckter Form ist der Ta-gungsband für 75 Euro bei Lehmanns Fachbuchhandlung, Oberheidstr. 162–164, 45475 Mülheim/Ruhr, E-Mail: [email protected], Internet: www.lob.de erhältlich.

    [jw]

    Waterbirds around the world

    sich rund 500 Wissenschaftler und Wasservogelexperten aus 90 Län-dern einfanden. Im März 2007 sind in einem fast 1.000 Seiten umfassen-den Werk die Konferenzbeiträge erschienen. Alle, die sich intensiver mit dem Schutz von Wasservögeln beschäftigen, sollten dieses eng-lischsprachige Werk „aufsaugen“. Kompakter wird der weltweite Wis-sensstand zu Wasservögeln, zu ihrem Schutz und den dahinter stehenden Konzepten bis zum Erscheinen der Tagungsbeiträge der nächsten Kon-ferenz in rund zehn Jahren wohl nicht mehr zusammengefasst werden!

    www.jncc.gov.uk/worldwaterbirdswww.lob.de

  • 6 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Gänsezählungen am Unteren NiederrheinDaniel Doer und Christine Kowallik

    Am Niederrhein rasten große Gänse-trupps teilweise recht nah an Hecken oder Kopfweidenreihen wie hier in den Rindernschen Kolken. Foto: An-dreas Barkow.

    Der Untere Niederrhein zwischen Duisburg und der niederländischen Grenze gehört zu den bedeutendsten Gänserastgebieten in Deutschland. Bestände von bis zu 180.000 Gänsen wurden dort zeitgleich ermittelt (Abb. 1). Die Anzahl das Gebiet nutzender Vögel liegt deutlich darüber, denn viele Gänse legen auf dem Weg in die nahe gelegenen Überwinte-rungsgebiete in den Niederlanden und in Belgien nur eine Zwischenrast ein. Ebenso kommt es während des Winters zu großräumigen Austausch-bewegungen mit benachbarten Gebieten, wie zahlreiche Ringablesun-gen belegen[1]. Um diese herausragende Bedeutung und die Entwicklung der Bestände zu dokumentieren, wurde bereits früh mit einem umfang-reichen, ehrenamtlichen Zählprogramm begonnen, das mit der wachsen-den Bedeutung des Gebiets für überwinternde Gänse ausgeweitet wurde. Im vergangenen Winter erhielten die Zählungen durch ein Zählertref-fen noch einmal neuen Schwung, denn mit der zunehmenden Etablierung zahlreicher Neubürger gilt es neue Herausforderungen bei der Erfassung zu meistern.

    Die Anfänge der Gänsezählungen am Unteren Niederrhein gehen bis in die 1950er Jahre zurück, als eh-renamtlich arbeitende Ornithologen mit zuerst noch unvollständigen Er-fassungen der – verglichen mit heu-te – sehr geringen Anzahl überwin-ternder Gänse begannen. Seit Ende der 1960er Jahre wurden dann im Rahmen der internationalen Zäh-lungen die wichtigsten Rastplätze am Niederrhein gezählt. Im Laufe der 1970er Jahre stiegen die Rast-bestände vor allem der Saatgän-se kontinuierlich an, zu deren Über-wachung schließlich mit dem Winter 1988/89 regelmäßige und flächen-deckende Gänsezählungen etab-liert wurden: zwischen Oktober und März werden seither monatlich die Bestände aller Gänsearten in karto-grafisch festgelegten Zählgebieten auf den Äsungsflächen synchron ge-zählt, die einzelnen Trupps in Karten eingetragen und die jeweilige Flä-chennutzung notiert. Hinsichtlich des Umfangs und der Herangehensweise

    war dieses Monitoringprogramm zu dieser Zeit wohl einmalig in Deutsch-land. Bis heute werden die Zählun-gen in dieser Intensität fortgeführt. Koordiniert werden die Erfassungen von der AG Wildgänse in der Nord-rhein-Westfälischen Ornithologen-gesellschaft. In Kürze werden die Ergebnisse der Gänsezählungen in NRW im Charadrius veröffentlicht[2].

    Früher Saat-, heute Blässgänse und NeubürgerSeit Anfang der 1990er Jahre über-wintern überwiegend Blässgänse am Niederrhein, bis zu 90 % beträgt ihr Anteil an den Rastbeständen. Nach-dem die Anzahlen der Saatgänse Ende der 1980er Jahre auf zeitwei-se weniger als 10.000 Ind. einge-brochen waren, rasten inzwischen wieder bis 30.000 Individuen im Gebiet. In den 1970er Jahren sah die Situation jedoch ganz anders aus: Damals überwinterten deutlich mehr Saat- als Blässgänse am Nie-derrhein, maximal über 60.000 in

    den 1980er Jahren (Abb. 1). Von den mittlerweile vor allem auf dem Frühjahrszug mit mehreren Hundert Individuen auftretenden Weißwan-gengänsen erschienen damals nur wenige.

    Sehr deutlich zugenommen haben seit Beginn der 1990er Jahre Grau- und Nilgänse. Erstere entstammen wohl nur zu einem geringen Teil aus den Wildbeständen in Skandinavi-en oder Nordostdeutschland, die mittlerweile mehrere Tausend Indi-viduen umfassenden Bestände ge-hen überwiegend auf aus Ausset-zungen stammende, nicht oder nur in geringem Umfang ziehende Vögel zurück. Die Eroberung des Nieder-rheins durch die Nilgänse erfolgte ab den 1970er Jahren aus den Nie-derlanden. Mittlerweile liegen die Rastbestände regelmäßig, vor al-lem im Herbst bei über 1.000 Indi-viduen.

    Über die bisherige, vor allem auf die arktischen Gäste zugeschnitte-ne Zählgebietskulisse werden diese

    1 Kruckenberg, H. & V. Wille (2004): Wanderrouten und Wie-derkehrraten am Unteren Nie-derrhein (Nordrhein-Westfalen) markierter Blässgänse Anser a. albifrons 1999/00–2001/02. Charadrius 40: 122–132.

    2 Wille, V., D. Doer & M. Hack-stein (im Druck): Bestandsent-wicklung der arktischen Wildgän-se in NRW: 1997/98 bis 2003/04. Charadrius.

  • 7

    Neubürger, zu denen in geringerer Anzahl auch Kanada- und Rostgän-se gehören, vermutlich unzureichend erfasst. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren – insbesondere bei der Saatgans – die Tendenz beob-achtet, dass Gruppen weit abseits des Rheins und den dortigen tradi-tionellen Schlafplätzen rasten und äsen.

    Niederrhein-Zählertreffen im November 2006Es galt daher die Zählgebietskulisse an die neuen Anforderungen anzu-passen, zumal belastbare Angaben

    zu den Gesamtbeständen und ihrer Entwicklung auch für die genann-ten Neubürger immer wichtiger wer-den. Aus diesem Anlass, aber auch um neue Mitarbeiter für die Zählun-gen zu begeistern und die Entwick-lungen der letzten Jahre zu diskutie-ren, trafen sich am 11.11.2006 in der NABU-Naturschutzstation in Kra-nenburg alle lokalen Koordinatoren sowie einige Zählerinnen und Zähler der Wasservogel- und Gänseerfas-sungen am Niederrhein (Abb. 2).

    Ein wesentliches Ziel des Zähler-treffens war die Einrichtung neuer Zählgebiete. Hierzu wurden mit den

    anwesenden Beobachtern die Vor-kommensschwerpunkte von Gänsen außerhalb der bisherigen Zählge-bietskulisse zusammengetragen und die Zählgebiete abgegrenzt. So ent-standen 18 neue Zählgebiete, die die bisherigen 38 ergänzen. Damit ist nun der gesamte Untere Nieder-rhein mit Zählgebieten abgedeckt (Abb. 3), wodurch auch auf Raum-nutzungsänderungen der Gänse und Schwäne – die künftig ebenfalls mit-erfasst werden – flexibel reagiert werden kann. Zudem können neuen Zählern leicht freie Zählgebiete zu-gewiesen bzw. für einzelne Gebiete gezielt Mitarbeiter gesucht werden (u.a. über das Internet, s. S. 24).

    Erste Ergebnisse der Saison 2006/07 Obgleich die Auswertung der Zähl-saison 2006/07 noch nicht abge-schlossen ist, wollen wir beispielhaft erste Ergebnisse vorstellen. Im Zähl-gebiet „Düffel“, das direkt an der niederländischen Grenze liegt und zu den wichtigsten Zählgebieten am Unteren Niederrhein zählt, wurden im vergangenen Winter deutlich ge-ringere Rastbestände von arktischen Gänsen erreicht. Mit 11.500 Bläss-gänsen lag das Maximum weit un-ter jenem früherer Jahre von bis zu 40.000 Individuen. Demgegenüber war das jahreszeitliche Auftreten mit einem maximalen Bestand vor dem Mittwinter typisch. Auch im Zählge-biet „Rheinberg“ (am anderen Ende des Unteren Niederrheins bei Duis-burg) lagen die Rastbestände deut-lich unter dem langjährigen Durch-schnitt. Bei den Saatgänsen waren die Abweichungen noch drastischer. Diese ersten Ergebnisse lassen ver-muten, dass aufgrund des extrem milden Winters ein Teil der Gänse weiter im Nordosten überwinterte.

    Die stadtnahen Zählgebiete von Duisburg (Walsum, Binsheim und Beeckerwerth) beherbergen neben den arktischen Gänsen den ganzen Winter über bedeutende Anzah-len von Gänse-Neozoen. Aus den wöchentlichen Erfassungen, die von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet durchgeführt werden, ist ersichtlich, dass die Bestände die-ser Arten weit stärker im Laufe eines

    Abb. 1: Entwicklung der maximalen Rastbestände je Winterhalbjahr (Okt. bis März) von Saat- und Blässgans am Unteren Niederrhein zwischen 1959/60 bis 2003/04. Quelle: [2].

    Abb. 2: Die Teilnehmer des Niederrhein-Zählertreffens vor der NABU-Naturschutzsta-tion im alten Bahnhof von Kranenburg. Foto: NABU-Naturschutzstation.

  • 8 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Winters schwanken, als man es ver-muten würde (Abb. 4).

    Das Fazit in den ab Dezember 2006 erstmals gezählten Gebieten fällt unterschiedlich aus: Während einige Zähler mühsam einzelne Nil-gänse „einsammeln“ mussten, ent-

    deckten andere Zähler regelmäßig besetzte Rastplätze auch von arkti-schen Gänsen. Im Zählgebiet „Ker-kener Platte“ im Südkreis Kleve, das nach zehn Jahren erstmals wieder gezählt wurde, war der neue Zähler Frank Schulz direkt erfolgreich: Er

    Abb. 3: Gebietskulisse und Vergabestand der Gänsezählungen am Unteren Niederr-hein.

    konnte regelmäßig rastende Saat-gänse mit Maximalzahlen bis zu 600 Individuen nachweisen, obwohl das Gebiet fernab der klassischen Rast-gebiete und des EU-Vogelschutzge-bietes „Unterer Niederrhein“ liegt.

    Im Laufe der kommenden Winter wird sich herausstellen, welche der neuen Zählgebiete für welche Ar-ten und ggf. auch bei welchen Wit-terungsbedingungen größere Rast-bestände beherbergen. Daran wird sich dann auch die Besetzung der Gebiete ausrichten: Gebiete mit re-gelmäßigen Rastbeständen werden auch weiterhin monatlich erfasst, weniger bedeutende nur im Rahmen der internationalen Gänsezähltermi-ne (s. Seite 26).

    MitarbeitFalls Sie beim Blick auf die Kar-te feststellen sollten, „Das ist ja bei mir um die Ecke“ und Sie sich an den Zählungen beteiligen, einmal „Zäh-lerluft“ schnuppern und Gänse am Niederrhein beobachten wollen, melden Sie sich bei

    Daniel DoerNABU-Naturschutzstation, Bahn-hofstr. 15, 47559 Kranenburg, Tel.: 02826-91876-00, E-Mail: [email protected]

    oder bei

    Christine KowallikBiologische Station Westliches Ruhrgebiet, Lösorter Str. 119, 47137 Duisburg, E-Mail: [email protected]

    Abb. 4: Rastbestände von Kanada-, Nil- und Rostgänsen in den Duisburger Zählge-bieten „Walsum“, „Binsheim“ und „Beeckerwerth“ im Winterhalbjahr 2006/07.

    Der Rundbrief als ForumDie Beiträge über die Gänsezählun-gen am Unteren Niederrhein sowie die Wasservogelzählung am Neck-ar beweisen einmal mehr: Es gibt viel Spannendes aus den Regionen zu berichten! Nutzen Sie das Forum des Rundbriefs und schicken Sie uns Ihre Beiträge, um Ergebnisse oder Besonderheiten überregional vorzu-stellen. Bei der Erstellung von Gra-fiken und Karten sind wir gerne be-hilflich. Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich bitte an Johannes Wahl (Adresse siehe letzte Seite).

  • 9

    Wasservogelzählung am Neckar erfolgreich wiederbelebt!Michael Schmolz

    Bei den Stichworten Baden-Württemberg und Wasservögel kommen einem vor allem der Bodensee und der Oberrhein mit ihren großen Rast- und Überwinterungsbeständen in den Sinn. Seit Jahrzehnten finden dort sys-tematische Erfassungen statt, und die Bestandsgrößen sowie die Entwick-lungen der Rastbestände sind hervorragend dokumentiert[1,2]. Der Neck-arraum ist dagegen nicht gerade als wasservogelreiche Region bekannt, obwohl es auch hier interessante Gebiete gibt und es sich somit lohnt, der avifaunitischen Bedeutung der Gewässer auf den Grund zu gehen. Ab Ende der 1960er Jahre, als die Wasservogelerfassungen europaweit auf eine systematische Basis gestellt wurden, erfolgten auch hier regel-mäßige Zählungen. In den Folgejahren – auch aufgrund der im überregi-onalen Vergleich scheinbar uninteressanten Ergebnisse – wurde es wie-der etwas ruhiger um die Wasservogelzählung im nördlichen Teil „vom Ländle“. In den kartografischen Darstellungen bundesweiter Auswertun-gen sind daher nur wenige Zählgebiete abgebildet[3,4], in denen die Zäh-lungen von engagierten Zählergruppen fortgeführt wurden. Vor allem in den 1990er Jahren kam es zu mehreren neuen Initiativen im Raum Stutt-gart sowie an den Neckar-Zuflüssen Enz und Fils. Diese Zählungen wie-der in das bundesweite Monitoring rastender Wasservögel einzubinden und eine systematische Erfassung im Neckarraum aufzubauen, ist ein ehrgeiziges Vorhaben, mit dessen Umsetzung im Herbst 2005 begonnen wurde.

    1 Heine, G., H. Jacoby, H. Leuzin-ger & H. Stark (1999): Die Vö-gel des Bodenseegebietes. Orn. Jh. Bad.-Württ. 14/15: 1–847.

    2 Koffijberg, K., H.-G. Bauer, M. Boschert, G. Delacour, C. Dron-neau, V. Keller & C. Sudfeldt (2001): Waterbirds in the Rhi-ne Valley in 1999/2000 with a summary of trends in 1980-2000. RIZA 2001.042, International Commission for the protection of the Rhine, Koblenz.

    3 Harengerd, M., G. Kölsch & K. Küsters (1990): Dokumentati-on der Schwimmvogelzählung in der Bundesrepublik Deutschland 1966 - 1986. Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifau-nisten Nr. 11.

    4 Sudfeldt, C., N. Anthes & J. Wahl (2000): Stand und Perspek-tiven des Wasservogelmonito-rings in Deutschland. Vogelwelt 121: 307–317.

    Im Winter 2005/06 fanden am Neckar seit langer Zeit wieder auf-einander abgestimmte Zählungen auf etwa 150 km Flusslänge statt und mehrere Gebiete wurden erst-mals erfasst. Motiviert durch diesen erfolgreichen Neustart trafen sich am 19. Nov. 2006 über 20 Mitarbeite-rinnen und Mitarbeiter im Schloss Ro-senstein in Stuttgart (Abb. 1), um sich über die Ergebnisse auszutauschen und ein ehrgeiziges Ziel in Angriff zu nehmen: Zur internationalen Mitt-winterzählung 2007 sollten erstmals der Neckar von Rottenburg/N. bis zur Mündung in den Rhein in Mann-heim sowie zahlreiche flussnahe Still-gewässer erfasst werden. In der Vor-bereitung der Zählungen wurde der Neckar in Zusammenarbeit mit dem DDA in Zählgebiete eingeteilt und kartografisch festgelegt. In den fol-genden Wochen wurden viele be-kannte Beobachter in der Region sowie auf regionalen Treffen auch Neueinsteiger motiviert, so dass es mit der Unterstützung von über 70 Zählerinnen und Zählern tatsächlich gelang, alle 82 Neckar-Zählstre-cken sowie 30 Stillgewässer zu er-fassen. Zudem wurden in bewähr-

    ter Weise nahezu alle Gewässer auf dem Stadtgebiet von Stuttgart, acht größere Stillgewässer abseits des Neckars sowie die Fils (ein Ne-benfluss des Neckars) einschließlich zahlreicher Seitengewässer gezählt. Mit einer solch positiven Entwicklung hätte ich beim besten Willen nicht gerechnet!

    Da läbbert sich ganz schee was zamma …… in der Tat kam auf den erfass-ten 306 km Neckar und seinen Sei-tenkanälen Einiges zusammen: Insge-samt wurden 38 Arten festgestellt und 13.370 Individuen gezählt (er-fasst wurden neben allen Wasservo-gelarten auch Eisvogel, Wasseram-sel und Gebirgsstelze). 12 Arten sind davon als Gefangenschaftsflüchtlin-ge oder etablierte Neozoen einzu-stufen. Mit knapp 5.000 Stockenten, etwa 3.000 Lachmöwen, rund 1.650 Kormoranen und 1.050 Blässhühnern waren für das süddeutsche Binnen-land typische Arten am häufigsten. Im bundesweiten Vergleich beachtli-che Anzahlen wurden für Zwergtau-cher (237 Ind.) und Teichhuhn (194 Ind.) ermittelt (Abb. 2 und 3). Ge-

    Im Vergleich zu anderen Neckarab-schnitten ist der Stuttgarter Hafen ei-nes der arten- und individuenreicheren Zählgebiete. Foto: Michael Schmolz.

  • 10 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Abb. 1: Die bereits etwas reduzierte Teilnehmerschar des Zählertreffens vor Schloss Rosenstein in Stuttgart. Foto: Michael Schmolz.

    rade für diese beiden Arten, die in beträchtlichen Anteilen auf Fließge-wässern überwintern, ist die Einbe-ziehung dieses Lebensraums wichtig: Nur dann sind verlässliche Aussagen zur Bestandsentwicklung sowie die Ermittlung von Rastbeständen mög-lich.

    Erfreulich viele Zähler diffe-renzierten bei den Enten nach Ge-schlechtern sowie bei den Höcker-schwänen nach Alter: Bei 171 (von insgesamt 314) nach Alter ausge-zählten Höckerschwänen lag der Jungvogelanteil bei 24,6 % und da-

    Abb. 2: Ergebnisse der Mittwinterzählung an Neckar und Fils sowie unmittelbar benachbarter Stillgewässer im Januar 2007: a) Zwergtaucher, b) Lachmöwe. Es wird deutlich, wo gezielt nach Möwenschafplätzen gesucht werden sollte. Bekannte und im Rahmen der Möwen-Schlafplatzzählungen erfasste Schlafplätze befinden sich in Mannheim und Stuttgart (s. Seite 3). Im Raum Heilbronn existiert sicher ein weiterer Schlafplatz. Beachte die unterschiedliche Skalierung.

    a b

    mit über dem vorläufigen Wert, der in Norddeutschland im Rahmen des Jungvogelmonitorings ermittelt wur-de (s. Seite 18).

    Eine ausführlichere Darstellung der Ergebnisse wird voraussicht-lich Anfang 2008 in den Ornitho-logischen Jahresheften für Baden-Württemberg erscheinen.

    Weitere PlanungenMit der Wiederbelebung der Zäh-lungen im Neckarraum wurde einer der größten weißen Flecken auf der bundesweiten Wasservogelkarte ge-

    schlossen[4]. Ziel ist es, langfristig je-weils im Mittwinter eine möglichst hohe Abdeckung der Fließ- und Still-gewässer zu erreichen. In einer Aus-wahl an Rastgebieten, v.a. jenen mit der größten Bedeutung im Neckar-raum, finden monatliche Zählungen statt, so dass auch die Bestands-entwicklung von Arten beschrieben werden kann, die während der Zug-zeiten ihre höchsten Rastbestände erreichen. So wurde zum internati-onalen Termin im September 2007 erstmals eine weitgehend vollstän-dige Erfassung der Graugansbe-stände durchgeführt. Ergänzt wer-den die Zählungen der Wasservögel durch spezielle Schlafplatzerfassun-gen von Möwen (s. Seite 2) sowie von Kormoranen.

    Ich hoffe, dass durch diese Initia-tive die Avifaunistik im Neckarraum insgesamt einen Aufschwung erlebt und davon auch die Brutvogelerfas-sungen profitieren werden – 2008 vor allem der Atlas deutscher Brut-vogelarten (ADEBAR), für den es hier noch einige Lücken zu schließen gilt. Dass es viele begeisterte Vogelbeo-bachter in der Region gibt, das ha-ben die Zählungen eindrucksvoll un-ter Beweis gestellt!

  • 11

    Abb. 3: Verbreitung von Teichhühnern im Januar in Deutschland nach den Daten der Wasservogelzählung. Dargestellt ist der Mittelwert der Jahre 2000–2007. Es wird deutlich, wie wichtig die Einbeziehung städtischer Lebensräume sowie von Fließge-wässern in die Wasservogelzählung zur Bestandsüberwachung der Teichhühner ist. Bei der Interpretation der Karte ist die unterschiedliche Größe der Zählgebiete ins-besondere an den Flüssen zu beachten.

    Herzlichen Dank!Allen Zählerinnen und Zählern dan-ke ich aufs Herzlichste für ihre Un-terstützung:N. Anthes, C. Armbruster, H. Bauer, S. Bau-

    er, H. Baumhauer, M. Beller, R. Benz, L. Ber-

    talan, M. Birkhold, H. Bott, M. Braun, S. Breit-

    schwerdt, M. Brendl, F. Damminger, K. Debler,

    D. Deininger, R. Donn, R. Ehmann, K.-H. End-

    mann, U. Ebinger, R. Finkenbeiner, J. Fischer,

    D. Francke, O. Frost, H. Furrington, H. Gai-

    ßer, E. Geiger, R. Gramlich, Hack, H. Haag,

    P. Haag, H. Haas, A. Hachenberg, J. Hack,

    F. Harasko, H.-G. Hecht, S. Hecht, H. Heinz-

    mann, H. Hellwig, W. Hellwig, I. Heynen, J.

    Hildenbrand, E. Holland, H. Holland, G. Ja-

    kob, D. Kärnth, G. Karger, M. Kley, H. und M.

    Knecht, A. König, H.-M. Koch, F.-J. Kollibay, M.

    Kramer, R. Kratzer, W. Kressmann, M. Kücken-

    waitz, K. Lachenmaier, H. Lang, W. Lang, P.-P.

    Larisch, K. Lehle, W. Leible, W. Lissak, S. Loh-

    ner, C. Malichier, M. Munz, A. Nowak, M. No-

    wak, F. Pierro, R. Pilz, A. Quell, P.-C. Quetz, H.

    Rademacher, H. Reyher, H.-J. Riedinger, D. Ro-

    ckenbauch, J. Rockenbauch, R. Rodewald, G.

    Sackmann, J. Scheck, R. Scheck, K. Schindler,

    H. Schmegner, A. und A. Schmezer, G. Sie-

    ron, H. Schmidt, P. Schmidt, W. Schmidt, K.

    Schmitt, T. Scholz, H. Schultheiss, G. Schürle,

    E. Schwarz, G. Seyferle, A. Steinecke, K. Stro-

    bel, Ströhle, U. Tammler, E. Thielscher, K. Volz,

    H. Wagner, N. Wagner, R. Walter, M. Wegst,

    C. Weidner, M. Wieland, M. Wink, A. Wurm,

    B. Zoldahn.

    Die Zähldaten von der Fils und ihren Nebengewässern stellte dan-kenswerter Weise Wolfgang Lissak kurzfristig zur Verfügung. Johannes Wahl danke ich für die Erstellung der Karten und die Unterstützung bei der Abgrenzung der Zählgebie-te.

    Kontakt:Michael SchmolzDachswaldweg 6170569 StuttgartTel.: 0711-6740261E-Mail: [email protected]

    Zwei typische Arten vieler Zählstrecken vor allem im Siedlungsbereich. Das Verhält-nis auf dem Foto entspricht allerdings nicht ganz dem der Zählung im Januar: am ge-samten Neckar wurden etwa 25mal mehr Stockenten als Teichhühner erfasst. Foto: Michael Schmolz.

  • 12 WasservogelrundbriefOktober_2007

    „Atze“ auf ReisenAndreas Buchheim und Johannes Wahl

    „Atze“ ist die derzeit wohl bekannteste Möwe in Europa, zumindest un-ter Beobachtern mit einem Faible für seltene Arten. Benannt ist sie in An-lehnung an einen Ruhrpott-Spaßvogel sowie ihren deutschen Trivialna-men. Denn „Atze“ ist eine Aztekenmöwe. Eine, die von Deutschland bis Spanien viele Beobachterherzen höher schlagen und Artenlisten länger werden ließ. Gert Ottens fasste die bisherigen Stationen der Reise durch Europa in Dutch Birding zusammen[1], und wir tun dasselbe auf deutsch, um die Geschichte dieses Vagabunden auch hiesigen Beobachtern zu er-zählen.

    Im April 2001 machte die Nachricht die Runde, eine Aztekenmöwe hiel-te sich in der Lachmöwen-Kolonie im Zwillbrocker Venn an der deutsch-niederländischen Grenze auf. Sie würde sogar balzen, war zu hören – Seltenheitenmeldungen brauch-ten damals noch etwas länger, um sich herumzusprechen. Die Chancen, dass sie länger bliebe, waren also deutlich besser als bei der zweiten dokumentierten Beobachtung die-ser nordamerikanischen Möwe in Deutschland 1997 in den Rieselfel-dern Münster, die nur eine eintägige Stippvisite einlegte. Atze blieb nicht nur so lange, dass eigentlich keiner, der sie sehen wollte, ihn verpasst ha-ben dürfte, er war auch so koopera-tiv, sich einen Metall- und einen wei-ßen Farbring verpassen zu lassen. Und damit beginnt eigentlich erst Atzes Reise, denn ohne den ober-tarsal angebrachten Vogelwarten-ring ließen sich die Beobachtungen im deutsch-niederländischen Grenz-gebiet und am Mittelmeer kaum zu einer Reiseroute verknüpfen.

    Im Zwillbrocker Venn verschwand er im Juli 2001 … und tauchte im Oktober am Niederrhein auf nie-derländischer Seite wieder auf. Der weiße Ring ließ keinen Zweifel: er war’s. Schon am nächsten Tag ward er nicht mehr gesehen, erst am 7. April 2002 wurde wieder eine adul-te Aztekenmöwe in den Niederlan-den beobachtet – keine Woche spä-ter war Atze wieder in seiner Kolonie im Zwillbrocker Venn zurück. Dort buhlte er vergeblich um eine Lach-möwendame, blieb aber trotzdem bis Ende Juni. Der Frust saß wohl so tief, dass er weder 2003 noch 2004 dort wieder auftauchte und sein Glück wohl andernorts versucht

    hat, dabei aber lieber unbeobach-tet blieb.

    Doch er tingelte noch durch Euro-pa, denn mindestens vom 18. Januar bis zum 23. Februar 2005 beglück-te er in San Remo vor allem italieni-sche Beobachter – schließlich war er als erster seiner Art nach Italien ge-flogen. Dank seines Metallrings wur-de er als Atze identifiziert, ebenso von Mitte November 2005 bis Mit-te Januar 2006 am selben Ort. Im folgenden Frühjahr tauchte er recht spät von Anfang Juni bis in den Juli wieder „zuhause“ in Zwillbrock auf und stattete eine Woche nach seiner letzten Beobachtung dort dem Gol-denstedter Moor in Niedersachsen einen Besuch ab. Vielleicht ein Hin-weis darauf, wo es sich zur Brutzeit zumindest gelegentlich heruntrieb.

    Bis zur nächsten Beobachtung vergingen nun ein weiterer Winter und eine Balzzeit. Erst am 30. Okto-ber 2006 fiel er (und sein Ring) ei-nem Beobachter in Luzern auf, wor-auf er wieder unter- und dann erst im Januar 2007 an der Mittelmeer-küste im Nordosten Spaniens wieder auftauchte. Just dort, wo sich eben-falls zu dieser Jahreszeit 1998 und 1999 eine Aztekenmöwe aufhielt. Die bislang letzten Beobachtungen stammen wiederum vom nieder-ländischen Niederrhein, wo er von Anfang August bis in den Oktober 2007 verweilte.

    Alle „Atze“ oder was?Mit dem Wissen um Atzes Reisen durch Europa und angesichts der Seltenheit der Art im Binnenland Mit-teleuropas sichteten viele Seltenhei-tenkommissionen die bisherigen Beo-bachtungen noch einmal. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass zu-

    „Atze“ zuhause im Zwillbrocker Venn zur Brutzeit 2005. Seines weißen Farb-rings, den er ursprünglich ebenfalls rechts trug, hatte er sich zu diesem Zeit-punkt bereits entledigt. Foto: Andreas Buchheim.

    1 Ottens, G. (2007): Lost and found: Laughing Gull ‚Atze‘ in Europe. Dutch Birding 20: 288-291.

    2 Deutsch, M., U. Maier & R. Ort-lieb (2006): Erstnachweis der Aztekenmöwe (Larus atricilla) in Baden-Württemberg. Orn. Jh. Bad.-Württ. 22: 209-216.

  • 13

    mindest alle niederländischen Nach-weise seit 2000 ihm zuzuschreiben sind, ebenso die o.g. aus Nordost-spanien. Möglicherweise geht auch der zweite deutsche Nachweis auf Atze zurück: die Rieselfelder Müns-ter liegen rund 50 km östlich des Zwillbrocker Venns. Zu dieser Zeit gab es dort noch eine größere Lach-möwenkolonie und die Beobachtung erfolgte ebenfalls im April. Es han-

    delte sich um einen adulten Vogel. Dann wäre er nun mindestens 12 Jahre alt. Bis zum bislang nachge-wiesenen Höchstalter von knapp 20 Jahren hat er also möglicher-weise noch ein paar Jahre. Kurzum, wem eine adulte Aztekenmöwe vors Spektiv kommt: erst rechts obertar-sal nachsehen und dann das Kreuz-chen in der Liste machen!

    Mausernde Graugänse aus Wildpo-pulationen sind in Deutschland eine vergleichsweise neue Erscheinung, erst seit den 1980er Jahren mausern sie im norddeutschen Tiefland. Zuvor sammelten sich die Nichtbrüter vor allem in den Niederlanden (Oost-vaardersplassen) und an verschie-denen Plätzen in Dänemark (z.B. Saltholm), um das Großgefieder zu wechseln[1,2,3]. Auch am Nonnensee auf Rügen entwickelte sich Mitte der 1990er Jahre eine Mausertraditi-on. Mit etwa 2.300 Gänsen ist das Wiedervernässungsgebiet bei Ber-gen der größte Graugans-Mauser-platz im Osten Deutschlands.

    Da bislang unklar ist, woher die zahlreichen Mausergäste stammen, deren Anzahl die lokalen Bestände um ein Vielfaches übertrifft, wurden im Juni 2007 insgesamt 34 Grau-gänse mit gelben Halsbändern mar-kiert (Buchstabe N und 90° gedreht 2 Zahlen; s. Abb.). 21 dieser Vögel befanden sich in aktiver Großge-fiedermauser, die übrigen 13 ent-stammten der lokalen Brutpopulati-on (3 Alt- und 10 Jungvögel). Fang und Markierung der Gänse erfolg-ten durch Mitglieder der Fachgrup-pe Ornithologie und Naturschutz Rü-gen (T. Heinicke, M. Bräse, U. Dost) mit Unterstützung durch Norbert Kenntner (Institut für Zoo- und Wild-tierkunde Berlin), der an den Vögeln Untersuchungen zur Bleibelastung durchführte.

    Der Großteil der Mausergäs-te und die Mehrzahl der Ringvögel

    Halsbandmarkierung von mausernden Graugänsen auf RügenThomas Heinicke

    hatte bereits Ende Juni/Anfang Juli das Mausergewässer wieder verlas-sen. Zahlreiche Ringvögel wurden anschließend an Graugans-Sammel-plätzen auf Rügen und Hiddensee sowie im Raum Greifswald festge-stellt. Die bislang weitesten Rückmel-dungen stammen aus der Uckermark in Nordost-Brandenburg sowie aus Ungarn vom Neusiedlersee.

    Insbesondere an den Rastplät-zen in Norddeutschland können also künftig Graugänse mit gelben Hals-bändern auftauchen! Ich freue mich über alle Mitteilungen, auch bei un-vollständigen Ablesungen. Neben den allgemein üblichen Angaben in-teressieren mich Informationen zum Rasthabitat, zur Truppgröße und zum sozialen Status der Vögel.

    Die Beobachtungen können Sie an die unten angegebene Kontakt-adresse schicken – selbstverständlich erhalten Sie einen Lebenslauf „Ihres“ Vogels zugesandt. Falls Sie über ei-nen Internetanschluss verfügen, kön-nen Sie die Meldung auch online auf der Website www.geese.org über-mitteln (s. Beitrag auf Seite 15).

    Kontakt:Thomas HeinickeChausseestr. 1, D-18581 VilmnitzTel.: 038301-889936E-Mail: [email protected]

    Im Juni 2007 am Nonnensee bei Bergen (Rügen) beringte Graugans N23. Foto: Norbert Kenntner.

    1 Haack, W. & H. Ringleben (1972): Über den Mauserzug nichtbrüten-der Graugänse (Anser anser) im nord- und mitteleuropäischen Raum. Vogelwarte 26: 257–276.

    2 Koop, B. (1999): Mauserplätze der Graugans, Anser anser, in Schleswig-Holstein – eine neue Entwicklung. Corax 18: 66–72.

    3 Nilsson, L. (2001): Moult and moult migration of Greylag Gee-se Anser anser from a popula-tion in Scania, south Sweden. Bird Study 48: 129–138.

    Nachtrag:Am 28./29.3.2002 wurde im Kreis Ravensburg (Baden-Württemberg) ebenfalls eine adulte Aztekenmö-we beobachtet[2]. Die Beobachter schließen mit Sicherheit aus, dass sie beringt war. „Atze“ trug zu diesem Zeitpunkt jedoch nachweislich noch seinen weißen Ring. War/ist also doch eine zweite Aztekenmöwe in Europa unterwegs?

    www.geese.org

  • 14 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Saatgänse mit gelben Halsringen: Neues Projekt in Deutschland und den Niederlanden gestartetThomas Heinicke

    Mit Beginn der 1970er Jahre wur-de in Ostdeutschland unter Leitung von Prof. Erich Rutschke ein umfang-reiches Beringungsprojekt an Saat-gänsen gestartet. Über 3.000 Vö-gel wurden bis 1993 am Gülper See in Brandenburg farbmarkiert, zunächst mit farbigen Wimpeln und ab 1977 mit gelben, individuell co-dierten Halsbändern. Aus diesem Projekt liegen etwa 6.700 Wieder-funde aus 26 Ländern vor. Eine Zu-ordnung der markierten Vögel zu den beiden in Europa auftretenden Saatgansformen Waldsaatgans An-ser fabalis fabalis und Tundrasaat-gans Anser fabalis rossicus ist aller-dings problematisch, da seinerzeit meist keine ausreichende Trennung vorgenommen wurde und auch im Nachhinein meist nur eine vage Zu-ordnung möglich ist. Nach bisherigen Erkenntnissen ist aber davon auszu-gehen, dass rund 95 % aller Vögel zur Unterart rossicus gehören.

    Das in den letzten Jahren deutlich gestiegene Interesse an einer Tren-nung der beiden Saatgansformen verbunden mit zahlreichen neuen Erkenntnissen zum Auftreten beider Formen in Deutschland[1,2] offenbar-te eine Reihe ungeklärter Fragen: • Wie unterscheiden sich die Zug-

    und Überwinterungsstrategien der Unterarten, wie die Raumnut-zungsmuster?

    • Wurden ehemals bedeutende Überwinterungsgebiete (z.B. auf der Iberischen Halbinsel) mittler-weile aufgegeben?

    • In welchem Umfang erfolgt die zunehmende Nutzung von traditi-onellen Rastgebieten der Wald-saatgans durch Tundrasaatgänse in Nordostdeutschland und Skan-dinavien? Lassen sich hierbei be-stimmte Auftretensmuster erken-nen und welche Ursachen stecken hinter diesen Veränderungen?

    • Wie unterscheiden sich die Zug-wege der verschiedenen Brutpo-pulationen von Wald- und Tun-drasaatgänsen?

    Unter anderem zur Beantwortung dieser Fragen wurde im Spätwinter 2006 die langjährige Tradition der Halsbandmarkierung von Saatgän-sen wiederbelebt – wiederum mit gelben Halsbändern. Das Design der Inschriften ist identisch mit dem des Europäischen Blässgans-Projekts (Abb. 2), wobei gegenwärtig ein Buchstabe und zwei Zahlen (90° ge-dreht) verwendet werden (Abb. 1). Mit etwas Glück begegnen sich so-mit alte und neue „Gelbringe“ in den kommenden Wintern, denn der-zeit leben noch einige der am Gül-per See Anfang der 1990er Jahre beringten Saatgänse. Die wohl be-kannteste ist die 1990 beringte Tun-drasaatgans „2CX gelb“, die min-destens seit dem Winter 1995/96 alljährlich am Unteren Niederrhein (NRW) überwintert und hier letzt-malig im Januar 2007 abgelesen wurde.

    Die Beringungen erfolgt in enger Kooperation mit dem Europäischen Blässgans-Projekt unter Leitung von Helmut Kruckenberg und Bart Ebbin-ge (www.blessgans.de). Die meisten Gänse – bislang 343 (davon 125 mit Halsbändern) – wurden in den Niederlanden durch Gänsefänger der „Nederlandse Vereniging van Ganzenvangers“ gefangen. Dane-ben wurden im Jahr 2006 drei und

    1 Heinicke, T. (2004): Neue Er-kenntnisse zum Auftreten der Waldsaatgans in Mecklenburg-Vorpommern. Orn. Rundbrief Meckl.-Vorp. 45: 3–18.

    2 Heinicke, T., J. Mooij & J. Steudtner (2005): Zur Bestim-mung von Saatgans (Anser f. fa-balis, A. f. rossicus) und Kurzschnabelgans (Anser brachy-rhynchus) und deren Auftreten in Ostdeutschland. Mitt. Ver. Sächs. Ornithol. 9: 533–553.

    Abb. 1: Im Herbst 2006 am Gülper See/Brandenburg beringte Tundrasaat-gans T05. Foto: Norbert Kenntner.

    Abb. 2: Im Rahmen des Saat- und Blässgans-Projekts benutzte Halsringtypen. 1: Saat- und einige Blässgänse ab 2005, 2: Blässgans ab 2005, 3: Blässgans ab 1998, 4: Blässgans Taimyr 1991–1994, 5: Saatgans Gülper See (Brandenburg) 1989–1993. Foto: Helmut Kruckenberg.

    www.blessgans.de

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    im Jahr 2007 zwölf Vögel im Brut-gebiet der Tundrasaatgänse auf der russischen Insel Kolguyev so-wie im Herbst 2006 sieben Vögel in Ostdeutschland markiert. Der Fang in den Brutgebieten und in den Rast-gebieten in Ostdeutschland soll in den kommenden Jahren intensiviert werden, um insbesondere mehr über die Waldsaatgänse zu erfahren (Abb. 3). Seit Wiederaufnahme des Projekts wurden überwiegend rossi-cus-Vögel beringt. Von diesen liegen – neben zahlreichen Ablesungen aus Deutschland und den Niederlanden – bereits Meldungen aus Belgien, Nordfrankreich, Schweden, Polen, der Tschechischen Republik, Estland, der Ukraine und aus Russland vor.

    Bitte um MitarbeitEs lohnt sich also wieder, Saatgans-Trupps auf Ringe durchzumustern! Jede Ablesung wird mit einem Le-benslauf „Ihrer“ Gans beantwortet – entweder durch mich, wenn Sie die Beobachtung an meine unten ange-gebene Adresse schicken oder über die Website www.geese.org (sie-he unten). Auch alle unvollständi-gen Ablesungen sind interessant. Bit-te melden Sie diese direkt an mich. Vielen Dank!

    KontaktThomas HeinickeChausseestr. 1, D-18581 VilmnitzTel.: 038301-889936E-Mail: [email protected]

    Die Meldung von Ringablesungen bei Gänsen ist seit 2006 komfortab-ler denn je: Nach einer Registrierung im System können über eine Einga-bemaske auf der Internetseite www.geese.org alle Beobachtungen be-ringter Bläss-, Saat-, Ringel-, Grau- und Weißwangengänse gemeldet werden – alles auch auf Deutsch. Selbst die Koordinaten Ihrer Beob-achtung müssen Sie nicht mehr selbst aus einer Papierkarte heraussuchen: auf einer integrierten, europaweiten Karte können Sie auf den genauen Beobachtungsort klicken und schon sind dessen Koordinaten im richti-gen Format ermittelt. Den tollen Ser-vice komplettiert eine Berichtsfunkti-on, über die Lebensläufe aller von Ihnen beobachteten Gänse abgeru-fen werden können – einschließlich einer Karte der Wiederfunde. Wenn das keine Motivation ist, künftig al-len Gänsen genauer auf Beine und Hals zu schauen!

    Die ursprünglich vom niederlän-dischen Forschungsinstitut Alterra in Wageningen (Bart Ebbinge) ins Le-ben gerufene Internetseite wird nun gemeinsam mit dem von der SOVON entwickelten Projekt www.goose-track.nl zusammengeführt. Man darf also gespannt sein, was sich noch so alles in nächster Zeit tut …

    Ablesungen farbmarkierter Gänse online melden!Thomas Heinicke, Helmut Kruckenberg, Nicole Feige

    Abb. 3: Im Oktober 2007 konnten ge-meinsam mit dem niederländischen Gänsefänger Kees Polderdijk im Na-tionalpark Unteres Odertal (Branden-burg) erstmalig auch 37 Waldsaatgän-se markiert werden. Foto: T. Heinicke.

    www.geese.orgwww.geese.orgwww.geese.orgwww.goosetrack.nlwww.goosetrack.nl

  • 16 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Mit den Blässgänsen unterwegs in die ArktisHelmut Kruckenberg

    Im letzten Rundschreiben begleite-ten wir fünf Blässgänse auf ihrer Rei-se von den Niederlanden in ihre ark-tischen Brutgebiete. Diese erreichte jedoch nur „Adri“, der noch bis Mit-te November Informationen über seinen Aufenthaltsort übermittelte. Nach seiner Reise über die Ukrai-ne nach Taimyr kehrte er über eine deutlich östlichere Route zurück, die ihn jenseits des Urals nach Süden und wiederum über die Ukraine und Po-len führte (Abb. 1). Dort erstarb das Signal. Auf dieser Strecke legte er 13.200 km zurück.

    Über umfangreiche Beringungen in den vergangenen Jahren wissen wir inzwischen viel über die Zugbe-wegungen innerhalb Europas, doch östlich der polnischen Grenze ver-schwinden die Vögel für Wissen-schaftler förmlich für mehrere Mo-nate im Nirgendwo. Dort bricht die Zahl der gemeldeten Beobachtun-gen deutlich ein, denn Ablesungen von Halsringen werden von Vogel-beobachtern geliefert, die oft ge-zielt Gänsetrupps nach beringten Vögeln durchmustern. In Mittel- und Westeuropa funktioniert das hervor-ragend: Über 2.100 Personen haben in den letzten 9 Jahren Beobachtun-gen gemeldet. In Osteuropa und ins-besondere in den Weiten Nordruss-lands und Sibiriens wohnen dagegen kaum Menschen und noch weniger mit der entsprechenden Optik aus-gestattete Ornithologen.

    Aber auch dort ist es wichtig, die Zugroute der Tiere und die Rastge-

    biete zu kennen. Andernfalls ist es schwer, erfolgreiche Konzepte für den Schutz von Zugvögeln zu ent-wickeln. Detaillierte Kenntnisse über Zugbewegungen sind darüber hi-naus zur Interpretation der Moni-toringergebnisse bedeutsam. Denn die Populationsentwicklung lässt sich nicht allein anhand eines zahlreiche-ren oder geringeren Vorkommens in einem Überwinterungsgebiet fest-machen, die von England bis weit nach Südosteuropa reichen: Gelan-gen mehr Vögel als im Vorjahr in ein Überwinterungsgebiet, kann das bedeuten, dass der Bruterfolg höher ist. Ebenso kann es aber sein, dass ein anderes Überwinterungsgebiet in diesem Jahr weniger attraktiv ist und die Tiere deshalb ausweichen.

    Zugvogelforschung und Arten-schutz funktionieren also vor allem dann, wenn man die ganze Strecke vom Brutgebiet bis ins Winterquartier kennt. Vor diesem Hintergrund wur-den – finanziert vom Vogelschutzko-mitee e.V. aus Hamburg – im Januar 2006 die ersten fünf Blässgänse mit solarbetriebenen Satellitensendern ausgestattet. Schon diese wenigen Tiere zeigten im Laufe der ersten Wochen ihrer Reise, wie unterschied-lich die Zugrouten sein können. Doch keine der ersten fünf Sendergänse ist in das Überwinterungsgebiet zu-rückgekommen: mindestens zwei von ihnen wurden geschossen, die an-deren sind verschollen. Dennoch ist schon im ersten Projektjahr eine Fül-le an Daten zusammengekommen,

    denn die schokoriegelgroßen, 45 g leichten Sender liefern Informatio-nen zu Flughöhe und Geschwindig-keit und können mit einer Genauig-keit von nur 18 Metern Abweichung die Position des Vogels ermitteln. Alle drei Stunden wird die Position per GPS ermittelt, jeden dritten Tag werden diese gesammelt über einen Satelliten zur Bodenstation übertra-gen und als E-Mail an uns geschickt. Etwa anderthalb Jahre läuft der Sender, bevor er – wenn die leder-nen Tragegurte zerschlissen sind – von den Tieren abfällt.

    Weitere Blässgänse auf SendungDie Ergebnisse der ersten fünf Vö-gel waren so eindrucksvoll, dass sich auch das niederländische For-schungsinstitut Alterra finanziell en-gagierte. Dadurch konnten im Früh-jahr 2007 14 weitere Blässgänse mit einem Sender auf die Reise ge-schickt werden. Gefangen wurden sie wiederum in den Niederlanden von so genannten Ganzenflappern, die mit Hilfe von zahmen, trainier-ten Lockvögeln und Klappnetzen schon mehrere Tausend Gänse fin-gen. Diese Technik hat im holländi-schen Friesland eine lange Tradition, die seit 1950 allerdings nur noch zu wissenschaftlichen Zwecken zum Ein-satz kommt.

    Obgleich sie aus demselben Win-terquartier stammen und in ähnliche Brutgebiete ziehen, auch im Früh-jahr 2007 waren die Zugrouten und -strategien der einzelnen Vögel wie-

    H. K

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    Abb. 2: Zugwege der Blässgänse Kees, Wus, Folkert, Trinus und Niki im Frühjahr 2007. Unter diesen Namen ihrer Fänger sind sie auch auf der Internetseite des Pro-jekts, www.blessgans.de, zu finden.

    der sehr unterschiedlich (Abb. 2). Letztlich erreichten jedoch nur sie-ben der 14 Vögel die Brutgebiete. Ein Sender lief bereits gleich nach dem Start aufgrund technischer Pro-bleme nicht an. Sechs Sender gingen auf dem Weg in die Arktis verloren. Bei einigen müssen wir aufgrund des Zeitpunkts und der letzten Position davon ausgehen, dass sie während der Frühjahrsjagd in Russland ge-schossen wurden. Vier der nach ihren Fängern benannten Gänse meldeten sich nach ihrer Reise in die Brutge-biete Mitte Juni von der Insel Kol-guev im russischen Eismeer, wo wir auch im Sommer 2007 zu brutbio-logischen Untersuchungen unterwegs waren. Zwei rasteten sogar nur we-nige Kilometer von unserem Expedi-tionslager entfernt.

    Derzeit senden noch 7 Vögel. Wo diese derzeit unterwegs sind bzw. welche Route sie und die anderen in diesem Frühjahr wählten, lässt sich unter www.blessgans.de sehr schön auf laufend aktualisierten Karten nachvollziehen.

    DankIch danke den zahlreichen Spendern des Vogelschutzkomitees e.V. und dem niederländischen Institut Alter-ra für die finanzielle Förderung die-ses Projektes.

    Abb. 1: Wanderung der Blässgans „Adri“ zwischen Februar und November 2006 (dann erlosch die Batterie erlosch). Quelle: www.blessgans.de

    Pfuhlschnepfen fliegen direkt von Alaska nach Neuseeland!Was Watvogelforscher schon seit mehreren Jahren vermuteten, ist jetzt endgültig bestätigt worden: die Pfuhlschnepfen der Unterart baueri fliegen ohne Zwischenstop von Alas-ka in ihre neuseeländischen Winter-quartiere. Nach einem achttägigen Flug über den Pazifik landete das Weibchen am 7. Sept. 2007 in Neu-seeland (Flugstrecke: 11.500 km). Im Frühjahr war sie bereits im Direktflug ins Gelbe Meer und von dort nach einer mehrwöchigen Rast ins Brutge-biet geflogen. Sie ist damit der erste Watvogel, dessen Jahreszyklus voll-ständig mit Hilfe der Satellitentele-metrie aufgezeichnet wurde. [jw]

    Fluroute der Pfuhlschnepfe E7 vom Winterquartier in Neuseeland ins Brutgebiet nach Alaska und wieder zurück. Quelle: http://alaska.usgs.gov/science/biology/shore-birds/barg_updates.html

    www.blessgans.dewww.blessgans.dewww.blessgans.dehttp://http://alaska.usgs.gov/science/biology/shorebirds/barg_updates.htmlhttp://http://alaska.usgs.gov/science/biology/shorebirds/barg_updates.html

  • 18 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Jungvogelanteile und Familiengrößen von überwinternden Schwänen in Deutschland – erste Ergebnisse der Saison 2006/07Axel Degen und Volker Blüml

    Im Rundbrief 2006 wurde ausführlich auf die Bestimmung von Jungvö-geln bei Schwänen eingegangen, verbunden mit einem Aufruf, die im Rahmen von Rastvogelzählungen oder bei anderen Gelegenheiten erho-benen Informationen zu Jungvogelanteilen und Familiengrößen syste-matisch zu notieren und zu melden. Wir waren überzeugt, dass wir allei-ne durch das bundesweite Zusammentragen vielfach ohnehin erhobener Informationen auch in Deutschland mittelfristig ein Bruterfolgsmonitoring bei Schwänen etablieren können, wie es etwa in den Niederlanden seit vielen Jahren läuft. Insgesamt wurden nach den uns vorliegenden Da-ten fast 75.000 Schwäne nach Alter ausgezählt, die uns von über 40 Be-obachtern aus vielen Regionen gemeldet wurden (Abb. 1). Mit einer sol-chen Resonanz hätten wir nie gerechnet! Obgleich die Auswertung der Daten noch nicht abgeschlossen ist, möchten wir hier die ersten Ergebnis-se des vergangenen Winters vorstellen.

    Bei den Höcker- und Singschwä-nen lagen die Jungvogelanteile mit 15,0 % (n = 20.309) bzw. 12,3 % (n = 33.206) deutlich unter dem langjährigen Mittel. Zunächst tra-fen Nichtbrüter und erfolglose Paa-re ein, wodurch der Jungvogelan-teil im Oktober noch deutlich unter dem Saisonmittel lag. Durch die mil-de Witterung verzögerte sich der Zuzug der Familien im Vergleich zu den Vorjahren deutlich. Im Februar/März wurden bei den Singschwä-nen an der Mittelelbe die höchsten Jungvogelanteile ermittelt (Abb. 2). Trotz des geringen Bruterfolgs in der Brutsaison 2006 wurden einige un-gewöhnlich große Singschwanfami-lien mit bis zu acht Jungvögeln beo-bachtet (s. Titelfoto).

    Deutliche Unterschiede erge-ben sich bei einer detaillierteren Betrachtung zwischen einzelnen Überwinterungsregionen: In Nord-

    westdeutschland war der Jungvoge-lanteil bei den Singschwänen deut-lich höher als im Nordosten (Abb. 3). Dies legt nahe, dass die in Skandina-vien brütenden Vögel einen höheren Bruterfolg hatten, als jene aus Russ-land, von wo die meisten Wintergäs-te im Osten Deutschlands stammen. Erfreulich ist, dass die Zwergschwä-ne im Vergleich zu den Vorjahren mit 14,2 % (n = 19.601) zumin-dest wieder einen durchschnittli-chen Bruterfolg hatten. Vor allem in den 1990er Jahre kehrten die Alt-vögel über mehrere Jahre mit sehr wenigen Jungvögeln nach Mitteleu-ropa zurück (

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    Abb. 2: Jungvogelanteil von Sing-schwänen im Winterhalbjahr 2006/07 im Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg; n = 13.448). Die Zahlen über den Balken zeigen den Umfang der Stichprobe.

    Abb. 3: Jungvogelanteile von Sing-schwänen in verschiedenen Rastregi-onen im Winterhalbjahr 2006/07. Gestrichelte Linie: bundesweiter Durch-schnitt von 12,3 %.

    können, bitten wir alle Beobachter, auch im kommenden Winter wieder die Schwanentrupps nach Alter aus-zuzählen und im Frühjahr an uns zu übermitteln. Wir sind auch sehr an Daten aus früheren Jahren interes-siert, um so die Datenreihe des Bru-terfolgs der Schwäne in die Vergan-genheit zu verlängern und damit die

    eine PDF-Datei des angesprochenen Beitrags als auch eine Excel-Tabelle zur Dateneingabe herunterladen.

    Für Rückfragen stehen wir unter der E-Mailadresse [email protected] oder per Post (Axel Degen, Elsa-Brandström-Straße 4, 49076 Osnabrück) jederzeit gerne zur Ver-fügung!

    Danke!Informationen zu Jungvogelanteilen erreichten uns von folgenden Perso-nen, bei denen wir uns ganz herzlich bedanken möchten:H. Andritzke, F. Bachmann, D. Blümel, K. Boße,

    Naturwacht Brandenburg, S. Brehme, H. Düll-

    berg, T. Eschenauer, N. Fehrmann, F. Franken,

    B. Freitag, L. Gaedicke, W. Golnik, G. und G.

    Hübner, H. Jürgens, D. Kasper, H.-J. Kelm, S.

    Königsmark, R. Krause, J. O. Kriegs, M. Kuh-

    nert, A. Leistikow, G. Lohmann, K. Ludewigs,

    K. Mantel, H. Meinecke, W. Nehls, M. Röh-

    len, J. Rösler, B. Schirmeister, W. Scheibelt, H.

    Schneider, W. Schott, E. Schwarze, H. Steinert,

    H. R. Stotz, J. Tomasini, P. Vinke, G. Walter, D.

    Weichbrodt, O. Wenzel, D. Westphal, G. Wo-

    derra, W. Ziege.

    Bestandsentwicklung besser inter-pretieren zu können.

    Ausführlichere Informationen zur Jungvogelbestimmung sowie metho-dische Hinweise finden Sie im Rund-schreiben 2006 oder auf der Ho-mepage des DDA unter Monitoring Gänse und Schwäne Jungvö-gel Schwäne. Dort können Sie sowohl

    Waterbird Population Estimates in der 4. Auflage erschienen

    In den Waterbird Population Esti-mates, die Ende 2006 in ihrer mitt-lerweile 4. Auflage erschienen, werden 2.305 biogeografische Po-pulationen von 878 Wasservogel-arten unterschieden und für die-se der Bestand, das fortan gültige 1 %-Kriterien für Feuchtgebiete in-

    ternationaler Bedeutung und – falls möglich – eine Trendeinstufung an-gegeben. In komprimierterer Form lässt sich das Engagement der meh-reren Zehntausend Vogelbeobach-ter kaum zusammenfassen, die all-jährlich im Rahmen des International Waterbird Census nahezu weltweit die Rastbestände der Wasservögel erfassen. Dank dieses Einsatzes kann mit Fug und Recht behauptet wer-den, dass wir über keine andere Ar-tengruppe besser Bescheid wissen. Im Namen von Wetlands Internatio-nal möchten wir auch allen deutschen Wasservogelzählern für ihre groß-artige Unterstützung ganz herzlich danken!

    Während die Bestände der meis-ten hierzulande auftretenden Was-servogelarten eine stabile bis po-sitive Entwicklung zeigen, fällt die weltweite Bilanz deutlich negati-ver aus: 44 % der biogeografi-schen Populationen, für die Trendin-formationen verfügbar sind, nehmen ab, 34 % werden als stabil einge-schätzt und lediglich 17 % nehmen

    in ihrem Bestand zu. Die größte Be-drohung für viele Wasservogelarten stellt nach wie vor die von Menschen verursachte Zerstörung und Beein-trächtigung der Lebensräume dar. Vor allem Durchzugs- und Überwin-terungsgebiete sind davon betrof-fen, die insbesondere in Asien groß-flächig der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung zum Opfer fallen.

    BezugHandfeste Exemplare können in ge-druckter Form über www.nhbs.com (NHBS Environment Bookstore, 2-3 Wills Road, Totnes, Devon TQ9 5XN, United Kingdom) zum Preis von 38 Euro bezogen werden. Eine digitale Version in Form einer Excel-Tabelle erhalten Sie bei Wetlands Internati-onal unter www.wetlands.org/wpe.

    Hinweis: Alle für Deutschland relevanten 1 %-Kriterien und Be-standsschätzungen sind über das In-formationssystem „Vögel in Deutsch-land“ auf der Internetseite des DDA verfügbar.

    [jw]

    http://www.nhbs.comhttp://www.dda-web.de

  • 20 WasservogelrundbriefOktober_2007

    Neues vom Bruterfolgsmonitoring bei GänsenKees Koffijberg

    Erfassungen von Jungvogelanteilen und Familiengrößen sind ein wich-tiger Bestandteil von Monitoringprogrammen bei Rastvögeln. Zusam-men mit den Überlebensraten, die über Beringungsprogramme ermittelt werden, sowie den im Rahmen monatlicher Zählungen ermittelten Rast-beständen bilden sie ein so genanntes „Integriertes Populationsmonito-ring“, d.h. es werden alle wichtigen (natürlichen) Faktoren erfasst, die die Größe einer Population maßgeblich bestimmen. Mit Hilfe dieser Da-ten lassen sich die Ursachen von Bestandsentwicklungen näher beleuch-ten. So sind beispielsweise die in den letzten Jahren beobachteten Rück-gänge beim Zwergschwan und bei der Ringelgans die Folge eines über viele Jahre schlechten Bruterfolgs. Die Zahl der Jungvögel, mit denen die Gänse in die mitteleuropäischen Winterquartiere zurückkehren, ist somit ein wichtiger Indikator für Veränderungen in den für uns größtenteils un-zugänglichen arktischen Brutgebieten bzw. den Zwischenrastgebieten auf dem Weg dorthin.

    Abb. 1: Auf Jungvogelanteile unter-suchte Stichproben bei Blässgänsen in Deutschland je Winterhalbjahr (die Da-ten aus dem Winter 2006/07 sind noch unvollständig).

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    ann

    1 Bergmann, H-H., T. Heinicke, K. Koffijberg, C. Kowallik & H. Kruckenberg (2006): Wilde Gän-se: erkennen, beobachten, zäh-len. Projektgruppe Gänseökolo-gie DO-G. [erhältlich gegen 3 Euro Versandkosten über www.an-ser.de/index.php?id=156]

    2 Koffijberg K. (2006): Herkenning en ruipatronen van eerstejaars Kolganzen in de winter. Limosa 79: 163–168. [als pdf verfügbar bei www.sovon.nl unter publica-ties artikelen]

    Seit in den letzten beiden Ausgaben des Rundbriefs für die Erfassung von Jungvogelanteilen und Familiengrö-ßen bei Gänsen und Schwänen ge-worben wurde, wird auch hierzulan-de eine jährlich steigende Anzahl an Gänsen altersbestimmt (Abb. 1). Während bei den Schwänen die Be-stimmung relativ einfach ist und die Erfassung über das gesamte Winter-halbjahr erfolgen kann (s. dazu der Beitrag von Axel Degen im Rund-brief 2006), ist eine Altersdifferen-zierung bei Gänsen deutlich schwie-riger und damit zeitaufwändiger. Zudem sind die Jungvögel bei den meisten Arten vor allem in der ers-ten Hälfte des Winters eindeutig von den Altvögeln zu unterscheiden. Das heißt es ist entscheidend, wann die Auszählung erfolgt. Andernfalls wird der Bruterfolg unterschätzt, da ein Teil der Jungvögel nicht mehr er-kannt wird.

    Die Bestimmung von jungen GänsenIn der Broschüre „Wilde Gänse – erkennen, beobachten, zählen“, die von der Projektgruppe Gänseökolo-gie der Deutsche Ornithologen-Ge-sellschaft herausgegeben wurde[1], werden die wichtigsten Merkmale von Jungvögeln bei Gänsen ausführ-lich erläutert. Es wird jedoch nicht darauf eingegangen, bis wann im Verlauf des Winterhalbjahres Jung-vögel eindeutig von Altvögeln unter-schieden werden können. In den ver-

    gangenen drei Wintern 2004/05 bis 2006/07 wurde daher bei Blässgänsen im niederländisch-deut-schen Grenzgebiet untersucht, wie sich die zu Beginn des Winters noch sehr auffälligen Merkmale von Jung-vögeln im Laufe der Zeit verändern, um zu klären, wann welche Merk-male eine verlässliche Altersbestim-mung ermöglichen. Dazu wurde von Oktober bis April jeweils um den 15. des Monats versucht, mindestens 50 junge Blässgänse auf eine Reihe von Merkmalen zu überprüfen.

    In vielen Bestimmungsbüchern wird das Fehlen der weißen Bläs-se meist als bestes Erkennungsmerk-mal von Jungvögeln genannt. Wie sich herausstellte, zeigt schon im Dezember mehr als die Hälfte der jungen Gänse eine kleine oder so-gar fast vollständige weiße Blässe. Im Januar ist bereits etwa ein Vier-tel aller Jungvögel nicht mehr sicher von Altvögeln zu unterscheiden, ver-ließe man sich allein auf die Bläs-se (Abb. 2a). Gleiches gilt auch für das typische Fleckenmuster am Flan-kengefieder (Abb. 2b), das auch bei Kurzschnabel- und Tundrasaatgans als gutes Merkmal für Jungvögel gilt. Die Jungvögel dieser Arten haben im Januar einen so großen Teil ihres Ju-gendgefieders gemausert, dass eine sichere Bestimmung schwierig wird. Bei Blässgänsen gibt es aber gute zusätzliche Merkmale, die die Be-stimmung bis zum Heimzug ermögli-chen. Als beste Merkmale stellten sich

    www.anser.de/index.php?id=156www.anser.de/index.php?id=156www.sovon.nl

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    b

    der schwarze Nagel an der Schna-belspitze und das Fehlen der art-typischen schwarzen Bauchfleckung heraus. Vor allem letzteres ist sehr hilfreich, da sich bis in März/April nur bei einigen Vögeln, und dann nur mit geringer Ausdehnung, eini-ge schwarze Bauchflecken zeigen (Abb. 2c). Auch der schwarze Nagel ist bis in den März ein recht zuver-lässiges Merkmal (s. Titelbild). Doch auch darauf sollte man sich nicht al-leine verlassen, da die Schnabelspit-ze verschmutzt sein kann. Fazit: die Altersbestimmung sollte immer über die Kontrolle mehrerer Merkmale erfolgen (Abb. 3).

    Optimale ErfassungsperiodeGrundsätzlich ist die erste Hälfte des Winters am besten zur Ermitt-lung von Jungvogelanteilen geeignet (Tab. 1). Die Bestimmung ist vor allem im Herbst nicht nur deutlich einfacher und geht damit schneller, durch die zu dieser Zeit noch deutliche Ausprä-gung der Merkmale spielt auch die Distanz zu den Vögeln und die Er-fahrung der Beobachter eine we-sentliche geringere Rolle. Bei Grau- und Kanadagans, die schon früh im Jahr zur Brut schreiten, sind die Jung-vögel nur im Spätsommer sicher zu bestimmen. Im Oktober 2007 stell-te sich bei Gänsefängen heraus, dass auch Waldsaatgänse im Okto-ber, wenn sie hier ankommen, nicht mehr eindeutig altersbestimmt wer-den können.

    Während der in Tab. 1 genann-ten artspezifischen Erfassungsperio-den sollte auch die Erfassung der Fa-miliengrößen erfolgen. Diese liefern wichtige Zusatzinformationen zum Bruterfolg, ihre Ermittlung ist jedoch schwieriger und vor allem zeitauf-wändiger, da die einzelnen Familien oft einige Minuten verfolgt werden müssen, um die zugehörige Anzahl an Jungvögeln zuverlässig bestim-men zu können. Für weniger erfahre-ne Beobachter ist somit als Einstieg in das Bruterfolgsmonitoring bei Gän-sen die Ermittlung der Jungvogelan-teile besser geeignet.

    Methodische HinweiseGenerell sollen Jungvogelantei-le nur dann ermittelt werden, wenn im betrachteten Trupp mindestens ein Drittel der Individuen auf Al-

    Abb. 3: Vor allem zu Beginn des Winters lassen sich Alt- und Jungvögel bei Blässgän-sen gut unterscheiden (das Foto wurde am 22. Nov. 2006 aufgenommen). Deutlich zu erkennen ist bei den drei Jungvögeln (rechts) das scheckige Flankengefieder, zudem fehlt ihnen der weiße Flankenstreif des Altvogels (links). Es sind auch keine Ansätze der schwarzen Bauchfleckung sichtbar. Dem mittleren der drei Jungvögel fehlt jegli-che Blässe, zudem ist der deutlich dunklere Schnabel gut zu erkennen (vor allem die dunkle Spitze [Nagel] ist bis ins Frühjahr ein verlässliches Merkmal). Anhand des wei-ßen Flankenstreifens sowie der Bauchfleckung ist auch der äsende Vogel im Hinter-grund zu dieser Jahreszeit eindeutig als Altvogel bestimmbar. Foto: Stefan Sudmann.

    c

    Abb. 2: Mauser von jungen Bläss-gänsen, dargestellt anhand a) der Größe der weißen Blässe, b) Muster des Flankengefieders und c) Ausdeh-nung der Bauchflecken (Mittelwerte 2005/06 und 2006/07). Die Zahlen über den Balken geben die monatli-che Stichprobe an. Quelle: [1].

  • 22 WasservogelrundbriefOktober_2007

    ter bestimmt werden kann. Trupps mit überwiegend schlafenden Vö-geln sollten nicht betrachtet wer-den, weil gerade die Jungvögel sich oft auf den Boden setzen und die Merkmale dann schlechter bzw. ei-nige auch gar nicht sichtbar sind. Bei der Zählung werden alle Gän-se individuell bestimmt, in dem man den Trupp von einer Seite zur an-deren durchgeht (bei langsam äsen-den Trupps clevererweise gegen die Bewegungsrichtung des Trupps, da einem dann die Vögel automatisch durchs Bild laufen). Es wird also nicht zuerst die Truppgröße ermittelt und dann die Anzahl der Jungvögel aus-gezählt. Kleinere Trupps können oft fast komplett durchmustert werden,

    bei größeren Trupps (>500) sollte man Stichproben auszählen. Dabei richtet man das Spektiv auf einen Teil des Trupps und geht dann vor wie oben beschrieben. Es sollte be-rücksichtigt werden, dass sich Fami-lien oft am Rande des Trupps befin-den. Es müssen also immer mehrere Teile des Trupps betrachtet werden (vorne, Rand, Mitte, hinten)!

    Danke!Eine wachsende Zahl an Beobach-tern war in den letzten Wintern ak-tiv an der Ermittlung der Jungvogel-zahlen beteiligt: J. Bellebaum, L. v. d. Bergh, H. Ernst, K. Gün-

    ther, E. Jähme, C. Kowallik, B. Kreisel, H. Kru-

    ckenberg, J. Mooij, S. Müller und T. Penkert.

    Art Erfassungsperiode wichtige Merkmale der JungvögelTundrasaatgans Okt. und Nov. Gerundete Flügel und Rückendecken mit schmalem Endsaum; Gefie-

    der an Flanken wirkt gescheckt.

    Waldsaatgans — Die Altersdifferenzierung bei Waldsaatgänsen ist nach ihrer An-kunft in Deutschland (ab Oktober) nicht mehr repräsentativ möglich (T. Heinicke, schriftl.).

    Blässgans Okt. bis Dez. Heller Bauch, schwarzer Nagel an Schnabelspitze; keine oder klei-ne Blässe; sonst wie bei Tundrasaatgans.

    Graugans Aug. und Sep. Gerundete Flügel und Rückendecken mit schmalem beigen End-saum; keine intensive Halsriffelung; schwarzer Nagel an der Schna-belspitze.

    Kanadagans Aug. und Sep. Gerundete Flügel und Rückendecken; gescheckt wirkendes Flanken-gefieder.

    Weißwangengans Okt. bis Dez. Kein weißer Endsaum an Flügel und Rückendecken, wirkt „verwa-schen“; Flankengefieder gescheckt; Hals und Brust oft nicht tief-schwarz.

    Ringelgans Okt. bis Dez Auffällig breite weiße Endsäume an den Flügeldecken; meistens kein weißer Halsring.

    Tab. 1: Zeiträume bei Gänsen zur Erfassung des Jungvogelanteils und der Familiengröße. Ausführliche Hinweise zu den Merkmalen der Jungvögel sind in der Broschüre „Wilde Gänse – erkennen, beobachten, zählen“ zusammengestellt[2].

    Interesse?

    Dann können Sie sich gerne bei mir melden:Kees KoffijbergSchanzenstr. 80, 46535 Dins-laken, E-Mail: [email protected]

    Weitere Informationen finden sich im Internet auf der Homepa-ge des DDA unter Monitoring Gänse und Schwäne Jungvö-gel Gänse.

    Faltblatt„Wilde Gänse und Landwirtschaft“

    Wo Gänse in großer Zahl auftau-chen, erregen sie Aufmerksamkeit und Begeisterung bei Naturfreun-den, von Landwirten werden sie da-gegen oft weniger freudig empfan-gen. Hans-Heiner Bergmann, Helmut Kruckenberg und Volkhard Wille haben die biologischen Grundlagen und wichtigsten Erfahrungen zu die-sem Dauerkonflikt in leicht verständ-licher Form in einem 4seitigen Falt-blatt aufbereitet.

    BezugDas Faltblatt kann bei der Biolo-gischen Schutzgemeinschaft Hun-te Weser-Ems e.V., Gartenweg 5, 26203 Wardenburg gegen 1 Euro in Briefmarken und einen frankier-ten Rückumschlag (1,45 Euro) in ge-druckter und unter www.bsh-natur.de/downloads/BSH3_07_Gaense_final.pdf in digitaler Form bezogen werden. [jw]

    Allen danke ich herzlich für die Un-terstützung!

    http://www.bsh-natur.de/downloads/BSH3_07_Gaense_final.pdfhttp://www.bsh-natur.de/downloads/BSH3_07_Gaense_final.pdfhttp://www.bsh-natur.de/downloads/BSH3_07_Gaense_final.pdf

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    1 Gillings, S. (2005): 1. Inter-national workshop on passa-ge and wintering Eurasian Gol-den Plovers - Workshop summary. Wader Study Group Bulletin 108: 5-12.

    2 Hötker, H. (2004): Goldregen-pfeifer Pluvialis apricaria in Deutschland im Oktober 2003. Vogelwelt 125: 83–87.

    die Erfassungen auf eine systema-tische Basis zu stellen: Wie bei an-deren Monitoringprogrammen üb-lich, sollen die Zählungen in festen Zählgebieten durchgeführt wer-den. Vor allem in Küstennähe und in Feuchtgebieten kann dabei auf be-reits vorhandene Zählgebietsnetze zurückgegriffen werden, andernorts müssen dagegen neue Zähleinheiten in Feldgebieten festgelegt werden. Dadurch sind die Zählergebnisse künftig direkt miteinander vergleich-bar. Bislang waren direkte Verglei-che kaum möglich, da die Zähldaten sehr unterschiedlich übermittelt wur-den (z.B. einzelne Trupps, pro Zähler, auf Landkreisebene).

    Zusätzliche Mitarbeiter gesucht!Für ein solch ehrgeiziges Vorhaben werden viele Mitarbeiter benötigt. Über die Mitarbeiter an den Mo-nitoringprogrammen (Wasservogel-zählung, Monitoring „Gänse und Schwäne“, Rastvogelzählungen im Wattenmeer) alleine wird es aber nicht gelingen, alle Rastgebiete ab-zudecken. Vor allem in den nördli-chen Bundesländern werden daher zusätzliche Zähler gesucht (Abb. 1). Die Zählungen sind in der Regel mit einem hohen Aufwand verbunden, da großflächige Gebiete kontrol-liert werden müssen. In einem kleinen Team lässt sich das jedoch hervor-ragend mit einer Beobachtungstour in eine vielleicht bislang unbekannte Gegend verbinden!

    Interessenten melden sich bitte bei Johannes WahlSteinfurter Str. 55, 48149 Münster; E-Mail: [email protected]

    Weitere Informationen und alle notwendigen Unterlagen werden wir im Sommer 2008 auf der Homepa-ge des DDA bereitstellen.

    [th, jw]

    +++ Ankündigung +++

    Europaweite Goldregenpfeiferzählung 2008

    Goldregenpfeifer halten sich außer-halb der Brutzeit – im Gegensatz zu den meisten anderen Limikolenar-ten – nicht überwiegend in Feucht-gebieten auf, sondern rasten auch in großer Zahl in der Agrarland-schaft. Entsprechend werden nur ge-ringe Anteile des Gesamtbestandes über die Monitoringprogramme ras-tender Wasservögel erfasst. Im Ok-tober 2003 fand daher auf Initia-tive der International Wader Study Group (IWSG) eine erste, europa-weit abgestimmte Erfassung rasten-der Goldregenpfeifer statt. Der Ok-tober wurde als Synchronzähltermin gewählt, da zu diesem Zeitpunkt die Goldregenpfeifer aus den unter-schiedlichen Brutgebieten noch weit-gehend getrennt sind und somit Be-standsschätzungen für die einzelnen Populationen vorgenommen werden können. Zudem treten sie dann ver-gleichsweise räumlich konzentriert im nördlichen Mitteleuropa sowie in Großbritannien auf, wo außer-dem eine hohe Ornithologendichte herrscht – eine nicht ganz unwichtige Voraussetzung für ein solches Vorha-ben. Im Rahmen der ersten Zählung wurde in den wichtigsten Ländern eine sehr gute Abdeckung erreicht und europaweit über 1 Million Ind. gezählt[1]. In Deutschland rasteten zu diesem Zeitpunkt etwa 220.000 Goldregenpfeifer[2].

    Nach 5 Jahren soll die Zählung im Oktober 2008 wiederholt wer-den; als Termin wurde das Wo-chenende 18./19. Oktober von der IWSG festgelegt. Die Erfassung der Goldregenpfeifer kann somit wie-derum mit denen der übrigen Was-servögel kombiniert werden. Ge-meinsam mit den Koordinatoren auf Länderebene, von denen die meis-ten wieder ihre Unterstützung zu-gesagt haben, soll der hohe Erfas-sungsgrad von 2003 wieder erreicht und gleichzeitig versucht werden,

    Rastende Goldregenpfeifer in der Tra-ve-Niederung bei Strenglin (Schles-wig-Holstein). Durch ihre gute Tarnung sind selbst große Trupps oft erstaunlich schwer zu entdecken. Foto: Horst Thies.

    Abb. 1: Verbreitung der Goldregen-pfeifer in Deutschland im Oktober 2003.

  • 24 WasservogelrundbriefOktober_2007

    „Ja, ich habe Interesse, aber wie sieht denn das Zählgebiet aus, das ich zäh-len könnte?“ Was bislang nur mit grö-ßerem Aufwand und vor allem Fan-tasie möglich war, ist ab sofort nur ein paar Klicks entfernt: Seit Herbst dieses Jahres kann unter „Mitma-chen bei der Wasservogelzählung!“ komfortabel nach Zählgebieten ge-sucht werden. Dank GoogleMaps kann man sich von den Zählgebieten tatsächlich ein sehr reales Bild ma-chen, denn die Grenzen der Zähl-gebiete werden wahlweise auf Kar-ten oder Luftbilder projiziert. Über einfache Suchfunktionen kann man schnell herausfinden, welche Gebie-te es vor der eigenen Haustür gibt, wie das Gebiet beschaffen ist und wie es ggf. zu erreichen ist (der Kar-tenausschnitt kann stufenlos verän-dert werden). Durch Symbole ist gekennzeichnet, ob das Gebiet der-zeit vakant ist bzw. wer dort zählt. Ist ein Gebiet noch nicht vergeben, so kann es für 14 Tage reserviert wer-den. Der zuständige Landeskoordi-nator wird darüber benachrichtigt und kann dann in den zwei Wochen alle Fragen beantworten und wei-tere Unterlagen zuschicken – ohne dass einem das Gebiet in der Zwi-schenzeit weggeschnappt wird. Ist die Entscheidung für eine Übernah-me des Gebiets gefallen, so klinkt sich der Landeskoordinator in das System ein, vergibt das Gebiet end-

    handen, so dass bald in weiteren Re-gionen gesucht werden kann. Dass über ein solches System tatsächlich neue Mitarbeiter gewonnen wer-den, verdeutlichte der erfolgreiche Start von „Mitmachen beim Monito-ring häufiger Brutvögel“ im Frühjahr 2007: rund 20 Personen reservier-ten sich bereits eine Probefläche!

    „Mitmachen bei der Wasservo-gelzählung!“ finden Sie auf den In-ternetseiten des DDA unter www.dda-web.de. Am besten benutzen Sie für Ihre Erkundungstour als Brow-ser Firefox, der Internet Explorer ist mit der Darstellung hin und wieder „überfordert“ …

    [jw]

    gültig und trägt den Bearbeiterna-men ein.

    Bislang kommen in diesen Ge-nuss ausschließlich Interessenten aus Rheinland-Pfalz, das im Rahmen des F+E-Vorhabens „Monitoring von Vo-gelarten in Deutschland“ hierfür aus-gewählt wurde. Angesichts von fast 3.000 Zählgebieten, die innerhalb der vergangenen 10 Jahre mindes-tens einmal erfasst wurden, wird es noch einige Zeit dauern, bis alle Bundesländer integriert sein wer-den. Denn für eine Integration muss das Gebiet kartografisch erfasst sein und mit den Gebietsinformatio-nen (Vergabestand, Zählerin/Zähler usw.) verknüpft werden. In mehreren Bundesländern sind die Zählgebiete aber bereits in digitaler Form vor-

    Wasservogel-zählgebiete aus der Vogelperspektive

    Hamburger Sturmmöwen mit weißen Ringen unterwegs

    Im Juli 2007 wurden in der Kolonie im Hamburger Ölhafen 165 junge Sturmmöwen mit weißen Fußringen in ihr erstes Lebensjahr entlassen. Sie tragen die Inschriften A150 bis A322 nachdem 2006 bereits 149 Jungmöwen beringt wurden. Vor al-lem an der Nordseeküste und im an-grenzenden Binnenland lohnt sich also ein Blick auf die Beine der an-

    sonsten eher spärlich beringten Sturmmöwen.

    Bisher liegen 13 Rückmeldun-gen aus Schleswig-Holstein, Bremen (s. Foto), Frankreich und England vor. Jeder Ableser erhält selbstver-ständlich einen Lebenslauf seiner Möwe(n).

    KontaktBernhard KondziellaNiflandring 10, 22559 Hamburg,E-Mail: [email protected]

    Die Möwe mit dem Code A076 war am 31.7.07 in Bremen (2006 beringt). Foto: Thomas Kuppel.

    http://www.dda-web.dehttp://www.dda-web.de

  • 25

    Rund 30 Koordinatorinnen und Koordinatoren fanden sich auf der Burg in Lenzen ein – eine Gruppe, in der auch der Humor immer seinen Platz hat. Foto: Michael Schmolz.

    Zum mittlerweile achten Mal trafen sich am ersten Septemberwochen-ende die Koordinatoren der Was-servogelerfassungsprogramme zu ihrer jährlichen Tagung. Auf Einla-dung von Stefan Jansen fand diese im „Auenökologischen Zentrum Burg Lenzen“ im brandenburgischen Elb-tal statt. Das in jahrelanger Arbeit erst kurz zuvor eröffnete Tagungs-zentrum bot eine sehr angenehme Atmosphäre sowohl für die Arbeit während des Tages als auf für die abendliche Nachbereitung.

    Ausführlich diskutiert wurde über ein wichtiges Zukunftsprojekt, die in-ternetbasierte Dateneingabe. In den Niederlanden werden drei Jahre nach der Einführung rund 80 % der Zähldaten online übermittelt. Die Ar-beitsbelastung bei der SOVON, wo die Zählbögen zuvor zentral einge-geben wurden, konnte dadurch nicht nur erheblich reduziert werden, es wurde auch möglich, bereits zu Be-ginn der neuen Zählperiode landes-weit erste Aussagen zur Situation im vergangenen Winterhalbjahr zu treffen. Auch die vorbildlichen Moni-toringberichte können dadurch rund eineinhalb Jahre nach Ende einer Zählsaison vorgelegt werden (ver-

    8. Tagung der Wasservogelkoordinatoren in Lenzenfügbar unter www.sovon.nl pu-blicaties). Und noch etwas macht ein solches System sehr reizvoll: Alle Mit-arbeiter können auf die Ergebnisse ihrer Zählungen zugreifen und Aus-wertungen vornehmen. Wer will am Ende eines langen Zähltages nicht gerne wissen, wie sich die ermittel-ten Bestände in die Reihe vorange-gangener Jahre einordnen?

    Nach der Vorstellung des nieder-ländischen Systems, das auch durch seine Schlichtheit überzeugt, war das Meinungsbild eindeutig: Wir wollen die Zukunft wagen und in den kom-menden Jahren ein ähnliches System etablieren. Die SOVON hat uns da-bei dankenswerter Weise ihre Un-terstützung zugesagt. Alle, die nun denken „Das ist dann wohl das Ende meiner Zählertätigkeit …“ können wir beruhigen: Eine Übermittlung der Zähldaten auf dem Postweg wird selbstverständlich weiterhin möglich sein.

    Weitere Themen waren die an-stehende Aktualisierung der Rastbe-standsschätzungen auf Bundes- und Länderebene, die Anwendung von Rastvogelkriterien sowie die für Ok-tober 2008 geplante internationale Goldregenpfeiferzählung (s. Beitrag

    auf Seite 23). Auch über Ergebnisse wurde berichtet: Jan Blew informier-te über den Aufbau der Rastvogel-zählungen im Wattenmeer und die besorgniserregenden Entwicklungen überwiegend muschelfressender Vo-gelarten (s.a. Beitrag im Rundschrei-ben 2006). Michael Schmolz stellte die Ergebnisse der ersten Gesamt-bestandserfassung am Neckar und seine überaus erfolgreiche Wer-bung neuer Mitarbeiter vor (s. Bei-trag auf Seite 9).

    Herzlich willkommen heißen wir Bernd Heinze vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Mecklenburg-Vorpommern, das ab der Saison 2007/08 die Koordi-nation der Wasservogelzählung vom Förderverein für Wasservogelöko-logie und Feuchtgebietsschutz über-nahm. Das Treffen, das sich wieder-um durch eine gesunde Mischung von fachlicher