Münzen erzählen Geschichte A4 (2011)

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    MUNZEN ERZAHLEN GESCHICHTE

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    Sonderausstellung des Seminars fu r Alte Geschichte derAlbert-Ludwiqs-Universitdt Freiburg

    MUNZEN ERZAHLEN GESCHICHTE

    im Uniseum der Universitdtvom 25. Mai 2011 bis 29. Juli 2011

    Die Ausstellung wurde gefordert von:

    .. . . .

    . ,..." : . : i v "n e u e universit i i tsst i f tungfreiburg Humanismus Heute

    Stiftung "Neue Universitiitsstiftung Freiburg"(www.neue-universitaetsstiftung.de)

    Stiftung "Humanismus Heute"(www.humanismus-heute.de)

    Umschlagbild:Solidus des Heraklius mit seinen beiden Sohnen, gepriigt nach 632 n. Chr. in Ravenna.Sammlung des Seminars fUr Alte GeschichteFotografiert von: Andreas Thumm (www.andreas-thumm.de)

    Redaktion: Florian Haymann, Benedikt ReuB, Florian Zink

    Gestaltung: Benedikt ReuB

    Druck und Bindung: Universitiitsdruckerei Freiburg im Breisgau

    Copyright 2011 Seminar fUr Alte GeschichteAlbert-Ludwigs-Universitiit Freiburg im Breisgau.

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    1. Woher kommt die Numismatik?

    Von nomos zu nomisma: DieMunze und das GeselzuDarum tragt esden Namen Geld (nomisma), weil esnichtvon Natur, sondern durch das Herkommen/Gesetz (nomos)gilt und es be; uns steht, es zu verandern und wertlos zumechen."Aristoteles,NikomachischeEthik

    Wie man an der Darstellung desAristoteles deutlich erkennenkann (z.B. Kopfbedeckung,Kleidung), handelt es sich hierbeinicht um ein anlikes Zeugnis.Zu sehen isl eine Barockmedaillemit einem Fanlasieportral desgriechischen Philosophen.

    Foto mit freundlicher Genehmigung von Baldwin's, London.

    Sind Numismatiker Munzensammler?Seit der Erfindung der Munze (um 600 v. Chr.) haben dieHandwerker, die die Stempel anfertigten, sich stetsbesondere Muhe gegeben, moglichst ansprechende Bilderherzustellen. Den Zeitgenossen blieb das nicht verborgenund so legte man besonders sehene Stucke beiseite odervervielfaltigte sie,z. B.inTon.Auch dieRomer achteten nichtnur auf den Wert ihres Geldes, sondern auch auf dessenSchonheit, So berichtet der remisehe GeschichtsschreiberSueton, dass Kaiser Augustus den Brauch pflegte, zumNeujahrstag "alte konigliche und cusldndlscheMunzen" zuverschenken. Somit muss er auch eine Sammlung solcherStUckegehabt haben.

    Munzen wie diese Tetradrachmeaus Syrakus wurden bereits inder Antike gerne gesammelt.HaHeauchAugustus ein solchesStuck in seiner Schatulle?

    Abb. aus: Franke - Hirmer, Die griechische Miinze,Miinchen 1964.

    Sammlergab esalso (fast)seit der Erfindungder Munze. Diewissenschaftliche Beschaftigung mit diesen Objekten setzteaber wohl erst in der Renaissance, als man die Antikewiederentdeckte, ein.

    Der Humanist Francesco Petrarca(1304-1374) besaB eine sehrumfangreiche Munzsammlung.Gelehrten wie ihm isl es zuverdanken, dass sich dieNumismatik als Wissenschaftausbilden konnte.

    Ausschnitt eines Freskos von Andrea di Bartolo diBargilla.

    Wie enlwickelle sich das WissenschaflsfachNumismalik?Obwohl in den folgenden Jahrhunderten groBe Fortschrittegemachtwurden, schwankendie numismatischenWerkedesBarock und des fruhen 18. Jhs. zwischen ernsthafterarbeiteten Katalogen mit brauchbaren Zuordnungen und"Bilderbuchern" mit vor allem auf Asthetik zielendenKupferstichen, die teils Fantasiemunzen zeigen. EinenMeilenstein in derSystematisierungdesWissens,dasbiszumEndedes 18.Jhs.angesammelt war, bedeutet die DoctrinaNummorum Veterum desWiener ProfessorsderAltertumerund der historischen Hilfsmittel Joseph H. Eckhel (1737-1798). Dieses achtbandige Werk gab den AnstoB zurEntstehungweiterer Monumentalwerke im 18.Jh., allesamtVersuche, breite Gebiete von Material zu erfassen. Auchheute ist eine zentrale Aufgabe der Numismatik, dasvorhandeneMaterial systematischdarzubieten.

    Idealtypische Katalogillustrationen wie diesesind typisch fur die fruhen Jahre der wissen-schaftlichen Numismatik. Sie bergen [edeeh dieGefahr, dass der Kunstler wichtige Details ver-andert, um das Gesamlbild zu harmonisieren.Abb. aus: J. Frolich, Notitia e/ementarum numismatum antiquorumiIIorum, Wien 1743.

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    2. Die Munzsammlung des Seminars fur Alte Geschichte

    Seitwann gibt es die Freiburger Sammlung?Das Seminar fur Alte Geschichte besitzt mehr als 12.000Munzender remisehenKaiserzeitund der Spatantike. DiesemachendenGroBteil einerMunzsammlungaus, die HerbertNesselhauf, der damalige Lehrstuhlinhaber fur AlteGeschichte,imJahr 1961vomErzbischoflichenOrdinariat inFreiburgerwerben konnte. Dorthinwar zwanzigJahrezuvornacheinigen Umwegengelangt, was der ErlangerGeheimeOberbaurat HeinrichWefels zwischen1900 und 1926 aufzahllosenAuktionen zusammengebrachthatte.

    HeinrichWefels.Minislerialral, Geheimer Oberbaural a.D.,geslorben In Erlangen 1931.

    Wasbietet die Institutssammlung?Die Sammlung umfasst gut 14000 Munzen. Darunterbefinden sich ca. 10300 Munzen romischer Kaiser undweitere 2400 Pragungen griechischer Stadte.Abgeschlossen wird die Kollektion von etwa 1000byzantinischenStucken.

    GrlechlscheMiinzen:Drachme des Ariaralhes IX.,KonigvonKappadokien (1. Jh. v.Chr.).SeilAlexander dem GroBen Irugen diegrlechlschen Edelmelallpragungenkonigliche Portrails auf der Vorderseile. Die RiickseilenzeigenGoHer,zu denen die Herrscher eln besonderes Verhallnls haHen,

    hier iSIes Alhena.

    Miinzen der Romlschen Republlk:Denar des Julius Caesar(gepragI47-46 v.Chr.).

    Schon friih nulzlen romische Poliliker Miinzen zur Selbsl-darsleliunQ. Die Riickselle splell auf den Griindungsmythos an,nach dem Aneas mil seinem Vater Anchises (auf der Schuller)und dem Palladion aus Troia floh. Auf der Vorderseile lasslCaesar Venus abbllden, die er als Ahnherrln seines Geschlechlsverehrte.

    Wefels konzentrierte sich zwar auf die Zeit des ImperiumRomanum, nahm jedoch auch weitere Gebiete in seineSammlung auf, wie insbesondere die etwa 950byzantinischen Pragungen bezeugen. Doch auch altereZeiten sind vertreten: Neben 360 Exemplaren aus derRomischen Republik umfasst die Sammlung etwa 220griechischeMunzenausvorrornischerZeit sowie22 keltische

    Pragungen. Erganztwird die Sammlung zudem durch einestattlicheFachbibliothek,derenGrundbestandgleichfallsaufHeinrichWefelszuruckgeht.Miinzender RomischenKaiserzeil:Die romlschen Kaiser nutzlen Miinzen Inlenslv,um BOlschaftenzu verbreilen. DieseMessingmiinze(ein Dupondius) verkiindel einen Seesieg(VICTORIANAVALIS)Vespaslans. Gepragl wurde sleimJahr 71. Nicht ganz sicher isl, auf welchen SiegVespaslan ansplell -- wahrschelnllch eln Schar-miitzel auf dem See Genezarelh. SofunktioniertePropaganda.

    Die Institutssammlung: Plane und ProjekteNachdem nun seit einigen Jahren der Bestandvollstandigerfasst ist, ruckt die angemessene Prasentation derSammlung immer mehr in denVordergrund. Dabeiwerden-neben numismatischen Obungen fur Studierende - ver-schiedene Wege beschritten, die zu verschiedenenPublikumskreisenfUhren.Primdrgilt es,die SammlungallenInteressierten zuganglichzumachen.Ais ideal fur diesen Zweck hat sich die Bereitstellung desMaterials im Internet herausgestellt.Dazuwerden Bildervonden Munzen einschlieBlich ihrer wissenschaftlichenBeschreibung in eine Datenbank eingespeist. Bislang sindetwa 5000 romische Munzen uber die Homepage desSeminars fur Alte Geschichte abrufbar. Die Daten sindgeeignet fur den Einsatz in Forschung und Lehre und furJedermannfrei verfugbar.

    ByzanlinischeMiinzen:DieMiinzen des byzanllnlschen Relches folgeneiner sehr eigenen, klaren Bildsprache. DieseauBersl sellene Goldmiinze (ein Solidus) desHerakllus (630-641) zeigl auf der Vorderseile denHerrscher mil seinen Sohnen (der Jiingsle amklelnslen dargeslelll). Die Riickselle lragl elnKriickenkreuz auf Stufen. Eserinnert an ChrisliKreuzauf Goigalha, das von Kaiserin Helena imJahr 325 inJerusalem aufgefunden worden seinsoli.

    Um einen Eindruck von der Vielfalt der Sammlung zuvermitteln, lassenwir in der ndchstenZeit diePublikationderremisehenMunzen,die bisauf KaiserGallienusgediehen ist,ruhen. Stattdessensollenzundchstdie 1027 kaiserzeitlichenPragungenaus Alexandria im Internet verfugbar gemachtwerden. Auch die prachtvollen byzantinischenGoldmunzensollennicht langerverborgen bleiben, sondernuber die neuePlattformFREIKONur wissenschaftlichesArbeiten verfugbarsein.

    Provinzialromische Miinzen:DieSiadle des ostlichen TeilsdesImperium Romanum durften eigeneMiinzen pragen. Die Bilder dieser Miinzensplelen auf zenlrale Erelgnlsse der Sladlgeschlchle an. Das klllkischeAigeai zeigl eine Ziege mil Fackeln an den Homern. Das spiell aufeinen fiktiven Griindungsmythos an, bei dem Alexander eine Herdederart ausgeriisleler Tiere gegen Dareios sandie.

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    3. Welche Methoden gibt es in der antiken Numismatik?

    Das Olgemalde vonQuentin Massys"DerGeldwechsler und seineFrau" veranschaulichtdas Wiegen im 16. Jahr-hundert. Entstanden istes 1514 und wird heuteim Louvre ausgestellt.

    a) MetrologieDas Gewicht ist der wichtigste Faktor, der eine antike Munzebestimmt. Schon lange vor der "Erfindung" des Munzgeldesexistierten Gewichtssysteme, nach denen man mitLebensmitteln und wertvollen Metallen handelte. DieErfindung der Munze machte dann das Wiegen dergetauschten Metallmengen uberflussig - zumindest in derTheorie, denn Gewichtsmanipulationen gab esimmer.Handelskreislaufe undWirtschaftskrisenWelchen Nutzen ziehen modeme Munzkundler aus derGewichtskontrolle? Zum Einen vermittelt dasWiegen groBerMengen antiker Munzen ein Gespur dofur, wiefortgeschritten das antike Munzpragewesen war. Das habenerst jungst fronzosische Numismatiker betont, die in einemgroBangelegten Ver