Nachhaltigkeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie Textil- und Bekleidungsindustrie wird immer...

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    22-Oct-2018
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  • Die Textil- und Bekleidungsindustrie wird immer wieder aufgefordert, lnger haltbare Kleidung sowie neue und nachhaltige Geschftsmodelle zu entwickeln und in Recy-cling zu investieren. Grund dafr ist die Tatsache, dass ein Groteil der Kleidungsstcke in der EU ber den Haus-haltsmll entsorgt wird. Der Textilmll landet in den Ver-brennungsanlagen, statt fachgerecht recycelt zu werden. In diesem Zusammenhang wird hufig der bermige Konsum von Bekleidung beklagt, und den Bekleidungs-herstellern die Verantwortung fr das Verhalten der Ver-braucher mit Blick auf die vorherrschende Wegwerf-Men-talitt bertragen.

    Nachhaltigkeit ist chicBereits heute fordern viele Modeunternehmen ihre Kun-den zum Nachdenken ber den eigenen Konsum auf und frdern den nachhaltigen Umgang mit Bekleidung. Die Modeindustrie nutzt so die Chance, den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu untersttzen. Fhrende Unternehmen setzen sich bereits seit Langem fr fair und nachhaltig produzierte Bekleidung ein, zum Beispiel durch ihre Ar-beit im Bndnis fr nachhaltige Textilien. Die Mitglieder, bestehend aus Unternehmen aus Industrie und Handel, Bundesregierung und Vertretern der Zivilgesellschaft, bauen ihr schon bestehendes Engagement fr eine nachhaltige Lie-ferkette in der Textil- und Modeindustrie weiter aus. Gemein-sam tragen sie dazu bei, Sozial- und Umweltstandards in der textilen Produktions- und Lieferkette zu verbessern.

    Nachhaltigkeit in der Textil- und BekleidungsindustrieDie sozialen und kologischen Standards der Textil- und Modeindustrie in Deutsch-

    land zhlen zu den hchsten weltweit. Das auergewhnlich hohe Niveau der

    Arbeitsbedingungen sowie der umweltbewusste Umgang der Branche mit Ressour-

    cen sind international vorbildlich. Deutsche und europische Standards sind also nicht

    die Folge internationaler Standards, sondern bilden umgekehrt deren Grundlage.

    Fast-Fashion ist auch das Ergebnis von steigender Nach-frage, auf die die Textilindustrie mit schnelleren Produkt-zyklen reagiert. Es ist eine Illusion, Marktgesetze lieen sich aushebeln. Angebot und Nachfrage bestimmen auch wesentlich den Modemarkt. Darber hinaus zeigt die Er-fahrung, dass sogenannte nachhaltig produzierte Mode am Markt kein Selbstlufer ist. Die FashionWeek mit der Fashion Sustain und dem Greenshowroom verdeutlicht einmal mehr, Nachhaltigkeit wird von Unternehmen ernst genommen. In der Textil- und Bekleidungsindustrie gibt es eine Vielzahl an Unternehmen und Startups, die nachhal-tig agieren: Es werden alternative Gerbprozesse fr Leder entwickelt.

    Die Unternehmen der Textil- und Modeindustrie sind mit Blick auf ihre Gre, ihr Geschftsmodell und ihre Mg-lichkeiten hchst unterschiedlich aufgestellt. Dies bedeu-tet insbesondere fr die kleinen und mittelstndischen Hersteller (KMU) eine erhebliche Anstrengung bei der An-passung ihrer Geschftsprozesse; in der Regel verfgen sie nicht ber groe finanzielle, strukturelle und personel-le Ressourcen wie beispielsweise groe, multinationale Unternehmen. Jedes Unternehmen muss daher den Weg whlen, der seinen individuellen Mglichkeiten entspricht.

    Die bisher erreichten Erfolge und die vielen freiwilligen, in vieler Hinsicht pragmatischen und innovativen En-gagements deutscher Unternehmer drfen nicht durch eine einseitige Verantwortungszuschreibung infrage ge-

  • stellt und damit abgewertet werden. Deutsche Textil- und Modeunternehmen leisten nicht nur durch ihre wirtschaft-liche Ttigkeit einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftli-chen Entwicklung in den Lieferlndern. Sie engagieren sich obendrein ber ihr Kerngeschft hinaus vor Ort sowie in zahlreichen nationalen und internationalen Initi-ativen fr soziale und kologische Verbesserungen. Auch die Verbnde wie der Gesamtverband textil+mode neh-men ihre besondere Verantwortung als Interessensver-treter der Branche wahr. Sie beteiligen sich nicht nur an Initiativen und Projekten vor Ort, sondern informieren und werben fr nachhaltige Verbesserungen sowohl gegen-ber den Mitgliedern als auch gegenber sonstigen Ak-teuren auf nationaler und internationaler Ebene.

    Eine 100-prozentige Rckverfolgbarkeit eines Produkts und seiner Bestandteile in allen Lieferstufen ist fr Mas-senprodukte, die nicht mit Seriennummern versehen sind, zum Beispiel Fahrzeuge oder Computer, kaum mglich. Textile Produkte sind hoch komplex, die textile Produk-tions- und Lieferkette ist global verzweigt und uerst vielschichtig. An der Herstellung eines Herrenoberhemds etwa sind rund 140 unterschiedliche Unternehmen welt-weit beteiligt. Schier endlose Produktvariationen verkom-plizieren die Lieferkette zustzlich.

    Die Einflussmglichkeit auf die textile Lieferkette hngt von verschiedenen Faktoren ab: dem Produkt, dem Ge-schftsmodell, der Gre des Unternehmens, der Anzahl

    der Zulieferer, der Struktur und Komplexitt der Lieferket-te, dem Grad der vertikalen Integration der Zulieferfabri-ken, der Marktstellung des Unternehmens im Verhltnis zu seinen Geschftspartnern sowie den durch diese zur Verfgung gestellten Informationen. Insbesondere klei-nen und mittelstndischen Unternehmen (KMU) fllt es aufgrund fehlender Marktmacht schwer, Transparenz von ihren Lieferanten einzufordern.

    Unternehmerischen Einflussmglichkeiten innerhalb der Lieferkette sind Grenzen gesetzt. Weder die Wirtschaft noch die Zivilgesellschaft knnen hoheitliche Aufgaben des Staates bernehmen, dazu haben sie auch keine de-mokratische Legitimation. Die nachhaltige Gestaltung der gesamten textilen Lieferkette setzt die internationale Be-teiligung und Verantwortungsbernahme aller Akteure auf jeder Stufe der Wertschpfung voraus.

    Angebot und NachfrageOb sich eine Verlangsamung des Bekleidungskonsums und damit sowohl der Produktionsvolumina als auch der Stoffstrme realisieren lsst, hngt im Wesentlichen vom Verhalten der Kunden ab. Die Modeindustrie reagiert zu-nchst auf die Nachfrage seitens der Kunden. Ist diese in Bezug auf Stckzahlen hoch und richtet sie sich auf preis-gnstige Textilien, werden die Anbieter darauf reagieren und diese Nachfrage befriedigen. Initiativen zur Verlang-samung der Stoffstrme knnen daher effektiv nur beim

  • Verhalten der Kunden ansetzen. Nachhaltiger Konsum msste in der jeweiligen Zielgruppe cool werden, dann knnte ein wirklicher Pull-Effekt im Markt entstehen, auf den die Anbieter entsprechend reagieren.

    Reparaturservices und Rcknah-mesysteme werden ausgebautSolche Rcknahmesysteme existieren bereits und werden immer strker ausgebaut, gerade weil sie von den Kunden nachgefragt werden. Vermehrt nehmen Handels- und Be-kleidungsunternehmen in ihren Filialen Altkleidung entge-gen, um sie zu recyceln, wiederzuverwerten oder bei gu-tem Erhalt zur weiteren Nutzung zur Verfgung zu stellen. Inzwischen knnen Verbraucher ihre Altkleidung in Pake-ten spenden oder kostenlos an ausgewhlte Modekonzer-ne schicken. Wenn es gesellschaftlich gewollt ist, dann knnen solche Rcknahmesysteme ausgebaut werden.

    In Deutschland haben sich sogenannte Repair-Cafs so-wie nderungsschneidereien etabliert. Nhkurse oder Do-it-yourself-Werksttten, in denen Kleidung repariert oder selbst hergestellt werden kann, sind inzwischen verbreitet.

    Foto: fotolia/@leszekglasner

    kologische gefrbte Stoffe sind der RennerEs muss nicht immer preiswert und Fast-Fashion sein. Es gibt gengend hochwertige und preisintensive Produkte. Daneben konzentrieren sich u. a. Startups auf die Nutzung kologisch gefrbter Stoffe. Es hat sich gezeigt, dass es (bisher) nicht mglich ist, Stoffe mit Pflanzenfarbe wie Kur-kuma zu frben, da die Pflanzenfarbe nicht mit Baumwolle reagiert, und die Farbe nach jedem Waschen an Intensitt verliert.

    Ganz ohne Chemie geht es daher (zumindest bis-her) nicht; jedoch ohne Chlorbleiche, ohne Enzym- waschungen und ohne krebserregende Verbindungen. Dies gilt jedenfalls fr den Konsumbereich.

    Im Bereich der persnlichen Schutzausrstung, wo es um den Schutz von Menschenleben geht, sieht dies anders aus. Um die in Europa geltenden Sicherheitsnormen ein-zuhalten und somit den Schutz des Menschen zu gewhr-leisten, mssen oft noch kritische Chemikalien eingesetzt werden, um z. B. den notwendigen Flammschutz oder die erforderliche Schusssicherheit gewhrleisten zu knnen.

  • Baumwolle ist per se nachhaltigNachhaltigkeit ist der Baumwollfaser in die Wiege gelegt. Im Gegensatz zur synthetischen Faser wie Polyester ist die Baumwollfaser ein erneuerbarer, nachwachsender Rohstoff, der vollstndig biologisch abbaubar ist. An der Herstellung von Baumwolle sind 250 Millionen Menschen in 80 Lndern der Welt beteiligt.

    Der Wille, mehr Bio-Mode zu produzieren, ist in der Tex-til- und Modeindustrie verbreitet. Bio-Baumwolle ist jedoch ein Nischenprodukt: Ihr Anbau bedeutet einen erheblichen Arbeitsaufwand bei geringeren Ertrgen, den sich Bauern leisten knnen mssen. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass Bio-Baumwolle nicht separat beim Zoll erfasst wird, und demnach nur von Schtzungen ausgegangen werden kann.

    Die Diskussion um die Verwendung von Wasserverbrauch oder Klimawandel wird zunehmend gefhrt mit sichtba-ren Ergebnissen. Das Gleichgewicht der konomischen, kologischen und sozialen Aspekte ist beim Anbau von Baumwolle von groer Relevanz. So ist der Wasserver-brauch, z. B. in Israel, fr den Anbau von Baumwolle durch knstliche Bewsserungssysteme erheblich gesunken. Mittels Trpfchenbewsserung wird recyceltes Wasser gezielt auf die Baumwollpflanze aufgetragen.

    Weit bevor der Begriff Nachhaltigkeit in Mode gekommen ist, war das Thema Nachhaltigkeit im Baumwollanbau in-tegriert. Nachhaltige Produktionsprozesse befinden sich in einem stetigen Wandel. Die Forschung im Agrar- bzw. Baumwollbereich ist national und global sehr aktiv.

    Darber hinaus zhlen die sozialen und kologischen Standards der Textil- und Modeindustrie in Deutschland zu den hchsten weltweit. Das auergewhnlich hohe Niveau des umweltbewussten