Natur am Jakobsweg S¼dtirol

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    23-Mar-2016
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  • NATURERLEBNIS AM SDTIROLER JAKOBSWEGWUNDER DER SCHPFUNG AM RANDE DES PILGERWEGES

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    INHALT

    Vorwort ........................................................................................... S. 4

    Allgemeines zum Sdtiroler Jakobsweg ....................................... S. 5

    Pustertal Zwischen Alpenhauptkamm und Dolomiten .............. S. 8

    Wipptal Von Brixen zum Brennerpass ........................................ S. 12

    Mittleres Eisacktal Entlang des Keschtnweges ...................... S. 16

    Ritten Von Waidbruck nach Bozen .............................................. S. 20

    Bozen-Meran Naturwunder abseits der Mebo ....................... S. 24

    Unterer Vinschgau Der Sonnseite entlang ................................. S. 28

    Oberer Vinschgau Auf der Schattseite ins Mnstertal ............... S. 32

    Biotope entlang des Jakobsweges ................................................ S. 36

    Impressum ..................................................................................... S. 40

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    VORWORT

    Die Sdtiroler Teilstcke des Jakobsweges verlaufen durch alle wichtigen Talschaften beginnend vom Pustertal oder alternativ vom Wipptal aus, durchquert man das Eisacktal, das Gebiet des Ritten, den Abschnitt von Bozen bis Meran und den Vinschgau bis hin zur Schweizer Grenze bei Taufers im Mnstertal.Mehr als 1.100 m Seehhe durchmisst der Pilgerweg dabei in sei-nem Verlauf vom niedrigsten Punkt in Bozen bei 262 m bis zum hchsten Punkt am Brennerpass bei rund 1.370 m. Jeder der sieben im Folgenden vorgestellten Wegabschnitte ist in seinem Charakter einzigartig und bietet dem Pilger die Mglichkeit, die zahlreichen Wunder der Schpfung entlang des Pilgerweges zu entdecken. Ob sonnenverwhnte Trockenhnge, khle und schattige Waldgebiete oder Feuchtgebiete entlang des Jakobsweges bietet die vielfltige Landschaft zahlreichen Tieren und P anzen wertvollen Lebens- und Rckzugsraum. Auch dem Wasser als Quell allen Lebens kommt entlang des Pilger-weges groe Bedeutung zu. Sdtirol ist ausgesprochen reich an spru-delnden Quellen, wild rauschenden Bchen, gemchlichen Flssen, sowie traumhaft klaren Seen und verfgt mit seinen ausgeklgelten, Jahrhunderte alten Waalen ber ein ef zientes Bewsserungssys-tem, welches fr die Fruchtbarkeit und die reichen Ernten des Vin-schgaus verantwortlich zeichnet.

    ALLGEMEINES ZUM SDTIROLER JAKOBSWEGAuf dem Jakobsweg durch Sdtirol unterwegs zu sein, bedeutet nicht nur Fortbewegung, die Pilgerschaft ist auch eine Reise von spiritueller innerer und uerer Dimension. Unabhngig vom historischen Verlauf des Pilgerweges wurden in den letzten Jahren alle wichtigen Teilstcke durch Sdtirol markiert und stehen den Pilgern zur Verfgung. Neben dem religis-spirituellen Hintergrund des Pilgerns bewegt man sich auf dem Jakobsweg durch Sdtirols faszinierende Natur, die auf relativ kleiner Landes che eine berwltigende Vielfalt zu bieten hat.Diese Flle hat verschiedene Ursachen: Sdtirol liegt an der Schnitt-stelle von zwei europischen Grolebensrumen. Whrend die Alpen einen groen Teil der Landes che einnehmen, reichen von Sden her einige Auslufer der Vegetation des nrdlichen Mittelmeerraumes bis weit in die Tler von Etsch und Eisack hinein. Nicht umsonst wird das Land immer wieder als Tor zum Sden bezeichnet. Die klimatische und geologische Vielfalt Sdtirols begnstigt diese einzigartige Le-bensgemeinschaft, die mehr als 30.000 Tier- und rund 4.000 P anzen-arten umfasst.Ein groer Teil dieser Arten ist so klein und unauffllig, dass ihnen die Pilger wohl nur in seltenen Ausnahmefllen begegnen werden. Ande-re dagegen, insbesondere verschiedene Gehlze und andere grere P anzenarten, tragen ganz wesentlich zum Landschaftsbild der ein-

    Blick vom Sonnenberg auf die Prader SandRauschender Wildbach im Mnstertal

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    der jedoch auch die letzte Heimat zahlreicher hoch spezialisierter Arten in Sdtirol darstellt.Einen Groteil der Landschaften am Sdtiroler Jakobsweg nehmen unterschiedliche landwirtschaftlich genutzte Flchen ein. Whrend in den khleren Regionen Grnland mit Mhwiesen und Weide chen do-miniert, nehmen in den milderen und warmen Landesteilen Obst- und Weinkulturen bedeutende Flchen ein. Allen Kulturlandschaften ge-meinsam ist, dass sie ihre Entstehung und Ausprgung dem Wirken des Menschen verdanken. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten wurden traditionelle, extensiv genutzte Kul-turlandschaften immer weiter zurckgedrngt und sind heute ebenso gefhrdet wie natrliche Lebensrume.hnlich hu g wie die dominierenden P anzenarten entlang des Ja-kobsweges sind verschiedene, in Mitteleuropa weit verbreitete Tier-arten. Vor allem typische Vogelarten der Kulturlandschaft von der Amsel ber den Star bis zum beraus hu gen Buch nken begleiten die Pilger auf Schritt und Tritt. Daneben lassen sich beim besinnlichen Wandern aber auch zahlreiche Kostbarkeiten der Sdtiroler Tier- und P anzenwelt entdecken. Diesen Besonderheiten wird in den einzelnen Kapiteln zu den sieben Wegabschnitten besonders breiter Raum gege-ben. Sie sollen den Pilgern fr die Wunder der Schpfung am Weges-rand die Augen ffnen. Denn wer aufmerksam auf dem Sdtiroler Ja-kobsweg unterwegs ist und seine Sinne fr die umgebende Natur ffnet und schrft, wird zahlreiche Seltenheiten entdecken knnen. So wird die Pilgerfahrt nicht nur zu einer spirituellen Reise in Richtung Santiago de Compostela und zu verborgenen Seiten des eigenen Ichs, sondern auch eine Entdeckungsreise in unbekannte Schpfungswelten.

    zelnen Wegabschnitte bei und sind typische Merkmale des jeweiligen Landstriches. So nimmt die Fichte groe Flchen der klimatisch rau-eren Teilstcke entlang des Weges ein. Fichtenwlder sind etwa im Pustertal, am Weg vom Kloster Neustift zum Brenner und im Oberen Vinschgau ein steter Begleiter der Pilger. In den Abschnitten zwischen Brixen und Meran dagegen nehmen Laubgehlze eine wesentlich wich-tigere Rolle ein. Neben den dichten supramediterranen Flaumeichen- und Hopfenbuchen-Buschwldern im Etsch- und Eisacktal treten an trockeneren, felsig-schottrigen Standorten auch ausgedehnte Kiefern-wlder auf, in denen die Rotkiefer oder -fhre dominiert.Wo der Jakobsweg entlang grerer Fliegewsser verluft, kommen Laubbume der einst wesentlich ausgedehnteren Auwaldgemeinschaf-ten vor. Weiden, Erlen und Pappeln prgen diese Feuchtgehlze, geben allerdings nur mehr einen vagen Eindruck von der frheren Gre und Vielfalt der Sdtiroler Auwlder. ber 90 Prozent der um das Jahr 1900 noch vorhandenen Auwald che sind bis heute verloren gegangen. Die Ahrauen im Pustertal, die Falschauermndung bei Lana und besonders die Schludernser Au im obersten Vinschgau sind die bedeutendsten Re-likte dieses wertvollen Lebensraumes.Nur wenige Lebensrume am Sdtiroler Jakobsweg sind von Natur aus baumfrei, da der Weg stets deutlich unterhalb der hhenmigen Wald-grenze verluft. Wichtigstes Beispiel dafr sind die Felstrockenrasen des Vinschgauer Sonnenberges, die einer Steppenlandschaft im Her-zen der Alpen gleichen. Aufgrund der geringen Niederschlge und des dnnen Bodens ist hier an vielen Stellen kein Baumwachstum mglich. Nur einzelne ausdauernde Straucharten bereichern diesen von Grsern und anderen trockenheitsresistenten P anzen geprgten Lebensraum,

    Weingarten bei Algund in der Herbstsonne Typische Apfelanlage im Vinschgau, im Hintergrund der Sonnenberg

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    PUSTERTALZWISCHEN ALPENHAUPTKAMM UND DOLOMITEN

    NATUR ALLGEMEIN:

    Als grtes alpines Lngstal Sdtirols ist das Pustertal auch eine der am dichtesten besiedelten Regionen des Landes. Fr den Pilger fllt zunchst die markante Lage des Tales auf: Whrend im Norden die Bergriesen der Zillertaler Alpen emporragen, prgen in den stlichen Abschnitten die Felstrme und -zacken der Dolomiten das Landschafts-bild der sdlichen Talseite. Erst westlich von Olang bleiben die Zinnen der Bleichen Berge zurck und machen den weiten Hoch chen von Kronplatz und Rodenegger Alm Platz.Die ursprngliche Artenvielfalt des Pustertales ist dagegen auf den ersten Blick nicht leicht zu entdecken. Einen groen Teil des Weges be-gleiten Drfer und dicht besiedelte Gebiete. Dennoch haben sich am Rande des Siedlungsraumes etliche Naturoasen erhalten, welche bis heute eine Reihe von seltenen Tier- und P anzenarten beherbergen.Im Leben vieler dieser Arten spielt Wasser eine besondere Rolle und dies ist im Pustertal reichlicher zu nden als in vielen anderen Teilen Sdtirols. Drau und Rienz sind seine Haupt sse, doch auch in eini-gen Seitentlern nden sich ausgedehnte Feuchtgebiete meist jedoch etwas abseits des Jakobsweges. Hier wren etwa die Moorgebiete im vordersten Antholzertal und die Auen der Ahr als Lebensrume von berregionaler Bedeutung zu nennen. An seinem westlichen Rand geht das Pustertal schlielich in die Obst- und Weinbaugebiete um Brixen und Vahrn ber, welche diesem Talabschnitt einen deutlich sdlicheren Charakter verleihen.

    TIERE UND PFLANZEN:

    TIERE:

    GRAUREIHER (Ardea cinerea)Dieser majesttische Schreitvogel wird knapp 1 m gro und bis zu 2 kg schwer. Seine Flgel-spannweite erreicht bis zu 2 m. Der Grau- oder Fischreiher, wie er auch genannt wird, hat ein graues Ge eder, auf der Stirn und am Oberkopf

    weie Flecken und am Rcken weie Streifen. An den Augen verlau-fen schwarze Streifen und am Hals eine Reihe schwarzer Flecken. Sein lang gezogener Schnabel ist optimal fr das Aufspieen und Ergreifen seiner Beute, wie kleiner Fische, Frsche, Schlangen und Kleinsuger, geeignet. Im Pustertal be nden sich einige der grten Brutkolonien des Graureihers in Sdtirol.

    WASSERAMSEL (Cinclus cinclus)Die Wasseramsel wird bis zu 18 cm gro und ist gut an ihrem groen, weien Brust eck in dem sonst durchgn-gig dunklen Ge eder zu erkennen. Sie ist der einzige Singvogel, der stndig am Wasser lebt und sogar schwimmen

    und tauchen kann. Markant