Nähe und Distanz als Herausforderungen professioneller ... · PDF file• Margret...

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Nähe und Distanz als Herausforderungen professioneller Beziehungsgestaltung
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    05-Mar-2018
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  • Nhe und Distanz als

    Herausforderungen

    professioneller

    Beziehungsgestaltung

  • Zwischen Berhrungsngsten und

    Grenzverletzung

    Schulungs- und Qualifizierungsmanahmen fr

    kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum

    Thema Sexualisierte Gewalt sind notwendig

    und erforderlich. Gleichzeitig tragen sie zu einer

    Verunsicherung im tglichen Umgang mit

    Kindern und Jugendlichen bei: Was ist noch

    erlaubt? Wann mache ich mich verdchtig? Wie

    kann notwendige Nhe weiterhin mglich sein,

    ohne die Grenzen zu verletzen?

  • Sich verunsichern lassen ist

    professionell!

    Im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen wird es immer wieder mal zu Situationen kommen, in denen sich die Frage stellt:

    Wie viel Nhe ist jetzt notwendig und wie viel Distanz muss eingehalten werden?

    Eindeutige Verhaltensregeln fr jede Situation kann es nicht geben, jedoch Grundhaltungen und einen gltigen Verhaltenskodex, der fr alle in einer Einrichtung ttigen Menschen verbindlich ist.

  • Kurze Selbstreflexion

    Welche Atmosphre brauchen Sie um sich

    wohl zu fhlen?

    Was brauchen Kinder und Jugendliche?

    Welche positiven/negativen Erfahrungen

    haben Sie selber im Kindergarten, in der

    Schule mit Nhe und Distanz gemacht?

  • Kriterien einer professionellen

    Beziehung

    Eine gute vertrauensvolle Beziehung gilt

    als notwendige Voraussetzung, damit sich

    Kinder und Jugendliche positiv entwickeln

    knnen.

    Fr die Beziehungsgestaltung braucht es

    klare Regeln (nach Maja Heiner, 2010):

    1) den ueren Rahmen der Interaktion

    2) die eigene Haltung

  • 1) uerer Rahmen

    Wahl des Ortes, Raumes, der Zeit,

    Anwesenheit bzw. Abwesenheit von

    bestimmten Personen

  • 2) die eigene Haltung

    Frderliche Basisvariablen fr eine positive

    Beziehungsgestaltung (nach Carl Rogers):

    Akzeptanz

    Echtheit/Kongruenz/Authentizitt

    Empathie

  • weitere wichtige Fhigkeiten

    aktives Zuhren

    Orientierung auf Fhigkeiten und

    Ressourcen

    Konkretheit und Gegenwartsbezug

    Reflexion der eigenen Arbeit

  • Professionelles Handeln

    ist im Unterschied zum Alltagshandeln komplementr und asymmetrisch.

    Intuitives Handlungswissen

    Persnlich emotional geprgtes Beziehungshandeln versus berufsrollenspezifisches Handeln: Kein unberwindbarer Gegensatz:

    Im professionellen Kontext bedeutet Empathie nie bloes Mitfhlen und Sich Einfhlen, sondern schliet Reflexion und damit Selbstkompetenz (nach Maja Heiner) mit ein.

  • Selbstkompetenz

    reflexive, selbstkritische Grundhaltung

    verbunden mit der Fhigkeit, eigene

    Gefhlsreaktionen, Denk- und

    Verhaltensmuster kontinuierlich

    wahrzunehmen und zu analysieren.

    Bereitschaft, sich Untersttzung zu holen

    Unsicherheiten und fachliche Lcken

    werden nicht bagatellisiert.

  • Systemkompetenz

    Fhigkeit, Kooperationsstrukturen und

    prozesse analysieren zu knnen

    Zu fragen und zu klren: Wie kann

    Zusammenarbeit und Vernetzung

    innerhalb einer Einrichtung und mit

    trgerbergreifenden Einrichtungen

    bestmglich genutzt werden?

  • Nhe und Distanz

    Wir brauchen beide Pole: Ohne Nhe

    keine Distanz. Ohne Distanz keine Nhe.

    Nhe und Distanz sind Leiberfahrungen.

    Wir erfahren die Welt ber unseren

    Krper.

    Nhe und Distanz ist ein notwendiger

    Dualismus: Wir nehmen wahr, weil es

    Unterschiede gibt.

  • Ziel einer professionellen

    Beziehungsgestaltung

    Balance zwischen Nhe und Distanz

    Klarer Umgang mit Grenzen: Es geht nicht

    darum, Zuneigung und Krperkontakt zu

    vermeiden, sondern Grenzen zu achten.

    Jede erwnschte Berhrung schafft Nhe.

    Jede unerwnschte Berhrung schafft

    Distanz.

  • Nhe und Distanz

    Nhe kann zu Geborgenheit, Vertrauen

    fhren, aber auch zu Einengung,

    Beschrnkung

    Distanz kann zu Freiraum, Entfaltung,

    Eigenstndigkeit fhren, aber auch zu

    Desinteresse, Unachtsamkeit,

    Haltlosigkeit.

  • Krpersignale

    Wunsch nach Nhe:

    Augen: richten sich auf eine Person, auf

    einen Gegenstand, Blickkontakt bleibt

    Krperhaltung: ffnet sich, Neigung oder

    Schritt nach vorne, Offenheit.

  • Krpersignale

    Wunsch nach Distanz

    Augen: bewegen sich so als suchen sie einen Fluchtweg

    Muskeln spannen sich an

    Krperhaltung verkrampft sich

    Arme werden vor den Krper geschoben

    Kulturelle Unterschiede beachten!

  • Selbstreflexion/Selbstkompetenz

    Wie sicher bin ich selber im Umgang mit

    Nhe und Distanz?

    Kenne ich meine Bedrfnisse? Was suche

    ich im Kontakt mit Kindern und

    Jugendlichen?

    Kenne ich meine Grenzen? Kenne ich

    meine Krpersignale?

  • Sensibilitt/Empathie

    Krpersignale anderer wahrnehmen

    Trennung zwischen Wahrnehmung und Interpretation/Bewertung der Wahrnehmung

    bei Unsicherheit nachfragen

    Mastab des Handelns ist nicht: Ich wei, was fr Dich gut ist, sondern: Ich versuche mit Dir gemeinsam herauszufinden, was fr Dich gut ist.

  • Verhaltensregeln

    Um Erlaubnis fragen

    sanftes Annhern

    vorsichtiges Ausprobieren

    Geduldig sein, immer wieder einen kleinen

    Schritt wagen

    Angebot sofort zurck nehmen, wenn es

    unpassend ist

    prsent bleiben

  • Klare Regeln innerhalb der

    Einrichtung

    Austausch und Supervision zum Thema

    Nhe und Distanz wird als professionell

    bewertet und von der Leitung angeregt

    Es gibt klare Regeln zu Nhe und Distanz,

    zum Beispiel nach dem Ampelmodell

    Es gibt einen Verhaltenskodex, der fr alle

    sichtbar ist (Plakat, Broschre etc.)

  • Leitbegriffe fr den Umgang mit

    Nhe und Distanz

    Kultur der Achtsamkeit

    der Frsorge

    des Wohlwollens

    der Wertschtzung und des Respektes

    Die Wrde des Kindes/Jugendlichen muss immer geachtet werden. Alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten haben Vorbildfunktion.

  • Herzlichen Dank!

    Vortrag von Helga Kramer-Niederhauser

    Literatur:

    Margret Drr/Burkhard Mller (Hrsg.): Nhe und Distanz. Ein

    Spannungsfeld pdagogischer Professionalitt, 2012.

    Maja Heiner: Kompetent handeln in der Sozialen Arbeit, 2010.