«Nicht l¤nger K¼nstler» Tiziana Pagano

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Reflexive Arbeit - Master Fine Arts - Institut Kunst - HGK FHNW - Basel Schweiz

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  • Nicht lnger Knstler

    aus der Kunst heraus

  • 2

  • 3

    Von Tiziana Pagano Mrz August 2012

  • 4

    Inhalt

    Vorwort...................................6-7

    Nicht lnger Knstler....................8-10

    Der Fisch...............................12-13

    Mensch sein................................14

    Phantasma...............................16-18

    Mensch sein................................19

    Rote Herzen................................20

    Nicht lnger Knstler...................22-23

    Fischsorte: Knstler.......................25

    Fischsnack Tipp.........................26-27

    Der Fisch sagt:Ehrlich sein beim Lgen...28

    Kunst......................................29

    Ich.....................................30-31

    Die Kunstpilger............................32

    Mensch sein mit Distanz....................33

    Nicht menschlich........................35-38

    Das Menschenleben.......................39-41

    Date mit einem Fisch / Erinnerungen........42

    Der Fisch in der Blase..................44-45

  • 5

    Kunst.......................................46

    Kunst....................................47-52

    Irgendeine Weisheit.........................53

    London, 17.September 2010................54-55

    Kunst / Kunst / Kunst....................58-60

    Ich Kerze...................................62

    Kunst.......................................63

    Abschiednehmen..............................65

    Knstler.................................68-70

    Nachwort....................................71

    Nicht menschlich.........................72-74

    Mensch / Ich................................75

    Anders gesagt............................76-77

    Abbildungsverzeichnis.......................78

  • 6

    Vorwort

    Mein ganzes Leben schon beschftige ich mich

    mit der Kunst. Ich hinterfragte die Kunst im

    Alter von 7 Jahren und seither schenkte ich

    nie meine Aufmerksamkeit etwas anderem als der

    Gestaltungsfrage und all dem, was die

    Gestaltung der Dinge sein knnte. Alle

    Erfahrungen die ich machte, mein gesamtes

    Wesen, widmete ich der Kunst. Ich sah das

    Betrachten der Dinge als Schlssel zum

    Verstehen, was Gestaltung alles verndern kann.

    Mit 9 Jahren hatte ich bereits meine eigenen

    Zeichnungsstudien begonnen. Da ich wenig Zeit

    hatte, selber zu gestalten, habe ich eher

    meine Umwelt betrachtet und im Kopf sie

    nachvollzogen, auseinandergenommen und neu

    zusammengesetzt oder mit meiner Fantasie ganz

    neu ausgedacht. Bis Mitte 20 hatte ich weder

    Ahnung von Kunstgeschichte, noch eine Form

    gefunden, meine Gestaltungsenergie umzusetzen.

    Als die Mglichkeit bestand, ergriff ich die

    Chance mich knstlerisch zu entfalten. Zu

    meinem Glck ffneten sich Tren und ich sah

    eine lange und erfllende Karriere als

    Knstlerin vor mir. Durch Umwege fand ich die

    Mglichkeit, die europische Kunstgeschichte

    in ihrer chronologischen Abfolge bis zur

    Moderne, zu studieren. Mein knstlerisches

    Potential wurde endlich gefrdert. Nach dem

    Studium stellte ich meine Werke aus und sah

    mich gezwungen, mich mit der Vermarktung zu

    befassen. Kunst als Profession war mein neues

    Ziel. Whrend meiner jetzigen Ausbildung

  • 7

    versuchte ich mich in weitere Techniken und

    Theorien zu vertiefen. Aber Alles nderte sich

    auf einmal.

  • 8

    Nicht lnger Knstler

    Von Mrz bis Juni 2012 beschftigte ich mich

    tglich damit, Kunst nicht mehr zu kreieren.

    Seither habe ich mich nicht mehr gefragt, wie

    ich zur Kunst gelange. Was auch immer ich tat,

    nichts von alldem, was entstand, brachte ich

    mit Absicht mit Kunst in Verbindung. Ich

    wollte mit der Kunst aufhren und versuchte

    ein Leben zu beginnen ohne der Kunst darin

    Raum zu gewhren. Die Vorgnge und Prozesse

    die man durchlebt, wenn man Kunst erschaffen

    mchte, waren nicht mehr meine Probleme. Ich

    hatte glcklicherweise keine Motivation mehr,

    Dinge in Kunst zu formen. Ich war sorglos und

    frei von jeglichen Formalitten, die verlangt

    werden, um als Knstlerin verstanden zu werden.

    Aber es tauchte mit der Zeit ein ernstes

    Problem auf: Meine Psyche: Gedanken, die ich

    hatte um mich von der Kunst fern zu halten,

    das kam mir so vor wie wenn man im Traum mit

    Mhe versucht etwas zu ndern und trotzdem

    gelingt es einem nicht. Man sieht was man

    braucht oder zumindest was man will, aber

    nichts taucht davon auf, wovon man auf

    irgendeine Weise Gebrauch machen knnte. Ich

    konnte meine Gedanken nicht steuern und mir

    einreden, dass Kunst einfach nicht mehr

    existiert. Das war auf Dauer unmglich. Ich

    bin auf Widersprche gestossen. Ich

    bezweifelte pltzlich, dass alles, was Kunst

    ist, auch nicht Kunst sein knnte. Ich kam

    aber nicht zu dem Entschluss, dass alles was

    nicht Kunst ist, Kunst sein knnte. Ich suchte

  • 9

    nach einer neuen Orientierung; ich suchte eine

    neue Lsung.

  • 10

    Das Bedrfnis Kunst zu machen hatte ich seit

    Mrz nicht mehr. Der Drang etwas zu kreieren

    ist mir entflohen. Ich vermisse bis jetzt das

    Planen und das Gestalten nicht. Vielleicht

    habe ich eines meiner Ziele auf eine gewisse

    Weise damit erreicht. Ich stellte pltzlich

    die ganze Menschheit wieder in Frage zu

    stellen. Und seltsamerweise kam mir die

    Entfernung von der Kunst widerwillig vor. Wie

    auf Entzug kmpfte ich mich durch und durch.

    Eine Lsung hatte ich interessanterweise schon

    vor dem Problem. Ich musste einen Vorgeschmack

    haben von dem, was auf mich zukommen wrde. In

    dieser sauersssen Erfahrung bin ich auf

    Aufgaben gestossen, die mich jetzt bereits

    beschftigen.

  • 11

  • 12

    Der Fisch

  • 13

    Es gibt gute Aussichten, hat mir der Fisch im

    Flug erzhlt. Ich schenke seinen Worten

    Vertrauen. Denn nur der fliegende Fisch ist

    wahr.

  • 14

    Mensch sein

    Eins muss ich mir eingestehen: ich bin ein

    Mensch. Meine ussere Erscheinung bildet das

    ab, was die Menschen sehen wollen. Sie sehen

    mich und ich fhle es. Sie nehmen mich wahr

    und ich fhle es. Doch erkennen tun sie mich

    nicht.

  • 15

  • 16

    Phantasma

    Die Fantasie, ein Hirngespinst, welch ein

    schnes Gefhl, doch wahr ist es nie.

    Wenn es Fantasie wirklich gibt, dann mchte

    ich sie endlich lschen, denn die Fantasie

    fhrt mich zum Problem ein Mensch zu sein. Ich

    wnsche mir ein Leben ohne Fantasie,

    anderseits kann ich nicht ohne Fantasie leben.

    Eigentlich lebe ich nur in einer Fantasie, und

    es ist die Fantasie, die mir im Wege steht,

    etwas zu erkennen.

    Als ich neun oder zehn Jahre alt war und mich

    zum ersten Mal verliebte, was genau drei Tage

    gedauert hatte, ohne die nachtrglichen Tage

    dazu zu rechnen, war es wohl das pure Erkennen

    meines Gegenbers. Das Gegenber, das anders

    war, noch befreit von meiner Fantasie. Als

    jedoch die Fantasie eintrat, verblasste diese

    Liebe und wurde von Dauer zu Dauer Geschichte.

    Die Momente des Erkennens vergesse ich nie.

    Ich versuche der Fantasie zu entfliehen, sie

    holt mich ein, es gelingt mir nicht, das zu

    erreichen, was ich wirklich mchte, weil ich

    mit dieser Fiktion mich selbst fiktioniere.

    Mich selbst gibt es pltzlich nicht mehr; ich

    stehe in einer Geschichte, die ich mir selbst

    ausgedacht habe und wenn es mir dabei nicht

    gut geht, endet dies tragisch mit einem

    Russian Ending. Die wahren Geschichten sind

    die schnsten Geschichten, ob mit gutem Ende

    oder nicht; sie sind voller Wert. Die

    fantasievollen Geschichten sind die schnsten

  • 17

    solange sie mit Wahrheit nur geschmckt werden.

    Die Fantasie in der Natur ist die schnste,

    denn sie gibt es nicht. Die Gegenwart ist die

    einzige Wahrheit, die niemals schn sein kann.

  • 18

    Ich beginne etwas und beende es nie: Das ist

    meine Gegenwart, meine Ewigkeit und meine

    Wahrheit.

    Ich bin verloren gegangen: Die Fantasie allein

    ist schuld daran.

    Ich weiss nicht wie lange mein Gehirn mithlt:

    Die Fantasie ist hinterhltig, weil sie in der

    Gegenwart lauert. Sie macht alles schn.

    Ich mag nichts mehr sehen.

    Das Sein ist ungeworden, und unzerstrbar ...

    es war nicht und wird nicht sein, denn im

    Jetzt ist es als Ganzes, Zusammenhngendes.

    Parmenides von Elea

  • 19

    Mensch sein

    So still ich sein kann, bin ich immer noch zu

    laut. Wie ist wohl mein Gehirn verbunden mit

    dem, was ich fhle aber nicht sehen kann? Als

    die Badewanne voll war, dampfte das heisse

    Wasser, das grn gefrbt von Badesalz war. Ich

    stieg in die Badewanne und legte mich so flach

    wie ich konnte hin. Die Musik war laut; ich

    musste wieder aufstehen, ich brauchte dringend

    Ruhe. Zwei Zge an meiner selbstgedrehten

    Zigarette brachten die Zigarette auch zur Ruhe.

    Nur noch Qualm um mich und das heisse Wasser

    um meinen Krper.

  • 20

    Rote Herzen

    Rote Herzen auf meiner Tasse, wie niedlich sie

    sind. Ich frage mich, wie ich wohl