Nora Jacobi - Malerei & Druckgrafik

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Kunstkatalog Nora Jacobi, Malerei & Druckgrafik1998-2010, Design, Konzept & Realisation: quad.rat Corporate Communications GmbH

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  • Nora JacobiMalerei & Druckgrafik

    1998-2010

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    Fr Matteo.

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    Aus der Wolke | Acrylmischtechnik auf Leinwand | 2009 | 130 x 110 cm >

    > Malen ist eine Art, ber das Leben nachzudenken. Nachdenken ist aktiver als blosses Betrachten.

    Malen ist ein Wille, die Wirklichkeit zu sehen,

    sie zu vertiefen, an ihrer Entdeckung und an ihrem Verstndnis mitzuarbeiten.

    Auch Malen schafft Wirklichkeit.

    Nora Jacobi war kein zeichnendes oder malendes Wunderkind.

    Trotzdem ist ihr schon in jungen Jahren, und deshalb mit pr-

    gender Kraft die Gegenwartskunst intensiv und sehr persnlich

    vermittelt worden. Ihr Vater Walter Jacobi, obwohl selbst nicht

    bildend knstlerisch ttig, war ber viele Jahre bis zu seinem

    Tod als Kurator, Organisator und kundiger Einfhrungssprecher

    von Ausstellungen und als kritischer Sammler ein geachtetes

    und beliebtes Mitglied der Freiburger Knstlergemeinde. We-

    gen der zahlreichen Aktivitten des Vaters war seine Tochter

    schon als Heranwachsende am aktuellen rtlichen und, dank

    vieler gemeinsamer Ausstellungsbesuche, auch am berregio-

    nalen Kunstgeschehen beteiligt. Wenn es fr den bildenden

    Knstler zwar keineswegs hinreichend, aber ganz bestimmt

    notwendig ist, professionell sehen zu lernen, so darf man sagen,

    dass Nora Jacobi diesen Teil ihrer knstlerischen Ausbildung

    schon sehr frh und sehr nachhaltig absolviert hat.

    Zu dieser Zeit war das Zentrum der grafischen Aktivitten

    (man kann durchaus von einer Freiburger Schule sprechen)

    die Mehlwaage, die einen stilvollen Ausstellungsraum und

    technische Einrichtungen fr Lithografie, Radierung und Holz-

    schnitt beherbergte. Dort lernte Nora Jacobi mit Brgel, Ko-

    vacs, Maier, Mutter, Neunzig-Schwind und Anderen eine Grup-

    pe kreativer, hoch motivierter Grafiker kennen, deren Arbeiten

    und menschliches Vorbild zweifellos dazu beigetragen haben,

    dass Zeichnung und Radierung am Anfang von Nora Jacobis

    eigenstndiger knstlerischer Ttigkeit stehen und auch ihre

    Malerei, wie wir sehen werden, enge Verbindung zur Grafik hlt.

    Als Walter Jacobi 1998 starb, hinterlie er seiner Tochter nicht

    nur eine umfangreiche Kunstsammlung, sondern hatte ihr,

    wertvoller noch, die Liebe zur Gegenwartskunst vermittelt.

    Den Schritt zum kreativen Knstlertum musste sie selber

    tun und verantworten, aber als Motivator fr das, was sie

    aus ihrem Leben gemacht hat, sei diesem klugen, streitbaren

    und doch beispielhaft bescheidenen Mann (er wurde, seinem

    Wunsch entsprechend, im Feld der Ungenannten begraben)

    hier ein ebenso bescheidenes Denkmal gesetzt.

    Die frhen Jahre

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    OT (Schnabelgestein) | Aquatinta-Radierung | 1998 | 14,6 x 9,7 cm

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    220

    cmNach dem Abitur studierte Nora Jacobi an der Pdagogischen

    Hochschule Freiburg, wozu auch die praktische knstlerische

    Ausbildung gehrte. Aus dieser Zeit gibt es, unbeschadet qua-

    litativ respektabler bungsbltter, keine Arbeiten, die sie ihrem

    uvre zurechnen mchte. Die eigenstndige Knstlerpersn-

    lichkeit entwickelte sich erst nach dem Abschluss der forma-

    len Ausbildung. Gleichwohl muss einer ihrer akademischen

    Lehrer genannt werden, der ber die formale Unterrichtung

    hinaus wesentlichen Einfluss auf das Sptere genommen hat:

    Prof. Eberhard Brgel, langjhriges, inzwischen emeritiertes

    Mitglied des Lehrkrpers der PH Freiburg, hat als unermdlich

    schaffender Holzschneider, Radierer und begnadeter Zeichner

    Nora Jacobis spontane Begeisterung fr das zeichnerische

    Detail erkannt und sie ermutigt, intensiv daran und damit zu

    arbeiten.

    Nach einem mit zwei mehrmonatigen Studienaufenthalten

    in Paris und Perpignan bereicherten Studium schloss Nora

    Jacobi 1994 ihre pdagogische und knstlerische Ausbildung

    mit dem 2. Staatsexamen ab und begann ihre Berufsttigkeit

    als Hauptschullehrerin in Lahr. Zugleich richtete sie sich ihr

    erstes eigenes Atelier in Emmendingen ein und beschftigte

    sich mit speziellen Pigmenten, die farblich und strukturell ihre

    Neugier erregten, um sich mit selbst entwickelten Techniken

    die Malerei zu erschlieen.

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    Guapulo | Acrylmischtechnik auf Leinwand | 2000 | 120 x 100 cm >

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    Ein Ereignis in Nora Jacobis Leben, das sich als wegweisend,

    ja entscheidend fr ihre knstlerische Entwicklung herausge-

    stellt hat, war ihr mehrjhriger Auslands-Aufenthalt in Sd-

    amerika, die meiste Zeit davon in Quito, der Hauptstadt von

    Ecuador. Gedacht war er keineswegs als Aussteigen, son-

    dern als Erweiterung ihres pdagogischen Erfahrungshori-

    zontes und als Herausforderung zur beruflichen Bewhrung

    unter erschwerten Bedingungen. Indessen schenkte ihr diese

    radikale Vernderung der ueren Lebensumstnde zugleich

    in glckhafter Weise den Mut und das Selbstvertrauen, das

    eigenstndige kreative Knstlertum zu wagen und auch den

    Schritt von der Grafik auf bescheidenem Format zur befrei-

    enden Malerei auf groer Leinwand zu tun. Die ungewohnte,

    exotische Umgebung, das lebensfreundliche Klima, die fremd-

    artigen, stimulierenden Lebensumstnde, dazu ein eigenes

    groes Atelier und ein wachsender Kreis knstlerisch aktiver

    und kunstinteressierter Freunde - alles trug bei und sum-

    mierte sich zu nichts weniger als dem entscheidenden Durch-

    bruch, der entschlossenes kreatives Arbeiten von vorberei-

    tenden, aber noch unverbindlichen Versuchen unterscheidet.

    Ein berzeugender Beleg fr diesen exemplarischen Auf- und

    Durchbruch und zugleich ein erster frher Hhepunkt ihres

    knstlerischen Schaffens ist die 1997 in Quito entstandene

    vierteilige Serie toros (S.10-11). Sie gehrt zu den Schls-

    sel-Werken, die schon vor langer Zeit ihre beneidenswerten,

    inzwischen in weiter Ferne lebenden Besitzer gefunden ha-

    ben. In vier dicht aufeinander folgenden Momentaufnahmen

    wird die wilde Aggressivitt und tdliche Gefahr des Stier-

    kampfes in emotional aufgeladener Malerei wiedergegeben.

    Heftig ausgreifende Pinselschwnge fgen sich dramatisch

    zu kraftvollen Farbflchen. Die kompromisslose Entschlos-

    senheit der Kontrahenten, das ausweglose Gefangensein in

    der Wahl zwischen Tten oder Sterben, wird faszinierend im

    diabolischen schwarz-roten Farbkontrast ausgedrckt, des-

    sen abstrahierende Beschrnkung zugleich die hchstmg-

    liche Ausdruckskraft der Farbe hervorbringt. Das Quartett

    ist ein singulres Werk in Nora Jacobis uvre, das zweifellos

    dem zugleich fremdartigen und anregenden Ambiente der

    neuen Heimat auf Zeit geschuldet ist. Es