notabene 10/2014

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Reformdruck und Jubiläumseifer

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  • 11

    Seite 8

    Reformation neu erfinden Kirchenratsschreiber Alfred Frhauf ber verlorene Mitglieder, die Freude am Gestalten und den Mut zur Vernderung

    Reformen stemmenDie Landeskirche zwischen Reformdruck und Jubilumseifer

    Seite 4

    Lauter Luther rund um ZwingliVorboten aus Deutschland fr das Zrcher Reformationsjubilum

    notabeneNr 10 / Dezember 2014Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

  • notabene 10 / 20142

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Mindestens zweimal las ich in letzter Zeit in der Presse die Schlagzeile Kir-che wird umgekrempelt. Ein erstes Mal bezog sich der Titel auf den Prozess KirchGemeindePlus, in dessen Verlauf sich grssere Kirchgemeinden bilden werden. Das zweite Mal auf die Um-strukturierung der Gesamtkirchlichen Dienste der Landeskirche und die neuen Ressorts des Kirchenrats. Wenn man noch die Diskussionen um eine Verfas-sungsreform auf der Ebene des Schwei-zerischen Evangelischen Kirchenbundes bercksichtigt, so knnte man auch dort von Umkrempeln sprechen. Damit sind

    alle drei Ebenen des Kircheseins betrof-fen: die Kirche vor Ort, die Landeskir-che und die Kirchengemeinschaft.

    Ich hre deshalb Fragen: Warum alles gleichzeitig? Wird da nicht zu viel zuge-mutet, der Kirchenleitung, aber auch den Einzelnen, die daran arbeiten? Und klingt umkrempeln nicht allzu salopp, ja fast ziel- und rcksichtslos? Immerhin betreffen alle Prozesse konkrete Men-schen: Mitarbeitende und Mitglieder, denen ihre Arbeit und ihre Kirche am Herzen liegen.

    Die Entwicklung der religisen Situa-tion in der Schweiz und gerade auch im Kanton Zrich verluft seit 50 Jahren dramatisch. Die Reformierten sind von einer klaren Mehrheit zu einer unklaren

    Minderheit geworden. Zugleich arbeiten sie mit Kirchenbildern und Strukturen des 19. Jahrhunderts, die nicht auf Rckbau, sondern auf basisdemokrati-sche Steuerung des Wachstums ausge-richtet sind. Mit ihren Herausforderun-gen stehen die Kirchen aber nicht allein: Letztlich stehen auch andere gesell-schaftliche Bereiche und Institutionen wie Politik, das Gesundheitswesen oder die Schulen vor Vernderungsprozessen. Es muss berall gleichzeitig reformiert werden, und die Ergebnisse sind aus Prinzip nicht vorhersehbar.

    Hnde in den Schoss legen und abwar-ten, geschehen lassen statt handeln geht nicht. Die schon kleiner gewor-denen Handlungsspiel-rume wrden ver-schenkt. Stattdessen ist das Hochkrempeln der

    rmel angesagt. Arbeiten wir zusam-men und einander in die Hnde! Wenn wir alle zugleich auf die Einzelnen und aufs Ganze schauen, so kann aus der Reform auf allen Ebenen wertvolle zu-stzliche Kraft entstehen.

    Es ist zugegeben eine anspruchsvolle Phase, in der sich unsere Kirche befin-det, aber sie bietet grosse Chancen. Im-merhin knnten wir uns darin unseren Vtern und Mttern vor 500 Jahren nahe fhlen, die die Herausforderungen ihrer Zeit anpackten, ohne zu wissen, dass da-raus einmal eine neue Form von Kirche entstehen wrde, die bis heute lebt.

    Michel MllerKirchenratsprsident

    Aktuell

    Nachrichten3 6

    Kolumne Mnnersache

    Anders, als Mann denkt5

    Kleines Abc der Theologie

    F wie Freiheit6

    Schwerpunkte

    Bereit fr die Zukunft:GKD-Reform 2015

    7

    Kirchenratsschreiber Alfred Frhauf

    blickt zurck8 10

    Feierlich anbandeln:In Kilchberg probte man

    das Zusammenspiel9

    Wider das Nach uns die Sintflut!

    11 12

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    Portrt: Hundetrainerin und

    Sozialdiakonin15

    Impressum / Cartoon16

    DoppelnummerDas nchste notabene finden Sie im

    Februar 2015 wieder in Ihrem Briefkasten. Wir wnschen Ihnen frohe Weihnachten

    und einen guten Start ins neue Jahr!

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

    Hnde in den Schoss legen und abwarten, geht nicht.

  • notabene 10 / 2014 3

    mo. Zwei Jahre ist es her, seit der Kir-chenrat das Projekt KirchGemeinde-Plus lanciert und damit einen Prozess ins Rollen gebracht hat, der auf eine Re-duktion der Anzahl Kirchgemeinden zielt. Anstoss war damals ein Postulat, das die Frage nach vermehrter Zusam-menarbeit der Kirchgemeinden aufwarf dies als Reaktion auf den anhaltenden Mitglieder- und Ressourcenschwund der Landeskirche. Die Kirchensynode hat das Projekt gutgeheissen, es aber auch immer kritisch begleitet. Mit einer Interpellation forderte das Kirchenpar-lament vom Kirchenrat auch jetzt wie-der eine Zwischenbilanz. Insbesondere thematisierten die Interpellanten die Gefahr, vor lauter Strukturdiskussion die Inhalte zu vergessen, oder sie fragten nach den Kriterien zur Beurteilung einer Kirchgemeinde.

    An der Synodesitzung vom 25. No-vember legte der Kirchenrat seine An-worten vor (vergl. notabene 8/14). Fr den Kirchenrat ist das Projekt insgesamt auf Kurs. Trotz der Ablehnung der Kir-chensteuerinitiative sieht er die Aus-gangslage unverndert, und auch der

    bisherige Prozessverlauf gebe keinen Anlass fr einen Kurswechsel. Im Ge-genteil: Die gesellschaftlichen und poli-tischen Prozesse htten die Entschei-dung von 2012 besttigt, wie Kirchenratsprsident Michel Mller vor der Synode ausfhrte.

    In der Zwischenzeit sind auch in allen Bezirken entsprechende Prozesse in Gang gekommen. Den grssten Schritt hat im vergangenen September die kirchliche Stimmbrgerschaft der Stadt Zrich gemacht. Sie hat entschieden, die bisherigen 33 Kirchgemeinden zu einer einzigen zusammenzufassen.

    Notprogramm oder Aufbruchstimmung?

    Interpellant Karl Stengel, Feldmeilen, war mit der Antwort des Kirchenrates allerdings nicht zufrieden. Sie sei ober-flchlich und vage. Es wrden die lang-fristigen inhaltlichen Ziele fehlen, grs-sere Verbnde seien aufwendiger zu steuern und zudem nicht kostengnsti-ger. Und schliesslich entstehe die Gefahr eines Exodus von frustrierten Mitglie-

    dern. Oder es knnten sich in der ganzen Dynamik Strukturen auflsen, die ei-gentlich noch tragfhig wren, ergnzte Huldrych Thomann, Benglen. Lukas Maurer, Rti, mahnte an, es gelte, das Plus des Prozesses plausibler zu ma-chen. Nicht wegdiskutieren knne man, dass KirchGemeindePlus eigentlich ein Notprogramm und das Einge-stndnis der Not unserer Kirche sei, wollte Willi Honegger, Bauma, festge-halten haben.

    Auf der anderen Seite des Meinungs-spektrums wurde demgegenber gefor-dert, skeptische Kirchgemeinden strker auf den notwendigen Prozess zu ver-pflichten. Kirchenratsprsident Mller wies jedoch mehrfach darauf hin, dass dieser nicht vom Kirchenrat verordnet werde, sondern in der Verantwortung und Autonomie der Kirchgemeinden liege. Dort sei erfreulicherweise viel Auf-bruchstimmung festzustellen. Martin Fischer, Hinwil, illustrierte dies mit ei-nem Stimmungsbild aus seiner Region und forderte: Mischen wir uns ein, wir sind gefragt!

    Zwischenbilanz KirchGemeindePlus / Wo ist das Plus?

    Mit einer Interpellation und einer Erkl-rung der Religis-sozialen Fraktion pl-dierte Jacqueline Sonego Mettner am 25. November fr eine Ver strkung der kirchlichen Willkommenskultur fr Flchtlinge. Hintergrund bildet das un-sgliche Elend der Flchtlinge in den Kriegswirren des Nahen Ostens. Sonego Mettner forderte den Kirchenrat auf, auf die Kirchgemeinden zuzugehen und sie zu Gastfreundschaft und Solidaritt einzuladen. Gefragt seien Integrations-leistungen und Wohnraum.

    Die Beschlsse der Kirchensynode vom 3. Dezember erfolgten nach Redaktions-schluss. Aktuelle Infos auf www.zh.ref.ch

    Aufruf / Flchtlinge willkommen

    Kirchensynode / 2,8 Millionen fr das Reformationsjubilum

    Mit grosser Mehrheit hat die Kirchensy-node den Bericht und Antrag des Kir-chenrates zum Reformationsjubilum gutgeheissen und eine mit hnlichen Fragen befrachtete Motion abgeschrie-ben. Fr die zahlreichen Jubilums-Pro-jekte bewilligten die Synodalen einen Projektfonds, der 2015 mit 800 000 Fr. und in den Folgejahren bis 2019 mit je 500 000 Fr. geufnet werden soll. Die Fi-nanzierung ffnet den Weg fr eine mgliche millionenschwere Beteiligung des Lotteriefonds. Kirchenratsprsident Michel Mller sagte vor der Kirchensy-node, dass das Jubilum kritische An-fragen an die Kirche mit sich bringen werde, dass es aber auch die Chance

    biete, an die enorme Wirkung der Refor-mation zu erinnern.

    Ein grosser Schritt Richtung Jubilum war im Mrz mit der Grndung der Projektplattform 500 Jahre Zrcher Re-formation gelungen. Zusammen mit Stadt, Kanton und Zrich-Tourismus sorgt die Plattform dafr, dass das Jubi-lum nicht ein binnenkirchliches Ereig-nis bleibt. Zur Ausstrahlung des Jubil-ums sollen auch Gesichter beitragen. Die Kirchensynode folgte dem Vorschlag, Botschafterinnen und Botschafter fr das Jubilum zu ernennen analog zur Rolle von Margot Kssmann in Deutsch-land. Erster Zrcher Botschafter ist Grossmnster-Pfarrer Christoph Sigrist.

  • notabene 10 / 20144

    Verleihung der LutherRose / Lauter Luther in der Zwinglistadt

    sch. So viel Luther gab es selten in der Zwinglistadt: Am 17. November ist die Internationale Martin Luther Stiftung (IMLS) mit einer grossen Delegation und viel Prominenz nach Zrich gereist, um den Zrcher Unternehmer Dietrich Pestalozzi mit der LutherRose zu ehren und um sich zu einer Wirtschaftskonfe-renz zu treffen. Mit von der Partie waren unter anderen Margot Kssmann, Bot-schafterin der Evangelischen Kirche Deutschlands fr das Reformationsjubi-lum, die Thringer Ministerprsiden-tin Christine Lieberknecht und der Bot-schafter der Schweiz in Deutschland Tim Guldimann.

    Die Luther-Stiftung ehrte mit Diet-rich Pestalozzi eine Persnlichkeit, die, wie es im Text zur Preisverleihung heisst, in beispielgebender Weise mit ihrem Leben und beruflichen Wirken die refor-matorische Tradition von Freiheit und Verantwortung fr das Gemeinwohl ein-gesetzt hat. Der Preistrger sagte, dass er seine unternehmerische Ttigkeit auch als Dienst an der Gemeinschaft verstehe.

    Am