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Der grosse Umbau

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  • Nr 1 / Februar 2013Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

    Seite 12

    Hotel Heiliger Geist Wollishofen hat eine Kirche zu viel. Wird aus dem Gotteshaus bald ein Familienhotel?

    Der grosse UmbauWie die Landeskirche die Gemeinden der Zukunft plant

    Seite 6

    Mit guten Argumenten gegen die KirchensteuerinitiativeGut gerstet fr den Abstimmungskampf

    notabene

  • notabene 1 / 20132

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Wir sind die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zrich. Das ist klar. Aber was bedeutet hier der Ge-nitiv? Gehren wir dem Kanton Zrich? Nein, wir sind Christi Kilch. Und der Genitiv ist ein objektiver, er bezeichnet die Zuordnung: Wir sind als Kirche dem Volk des Kantons Zrich zugeteilt, um das Evangelium in Wort und Tat zu ver-kndigen und zu leben. Vom Volk, weil

    das Volk in gut demokratischer Tradi-tion der Souvern ist? Doch das stimmt nur zum Teil. Wahr ist ebenso, dass Christus Souvern ist. Denn es ist Chris-tus, der uns da hin sendet, wo wir leben, in den Kanton und in die Drfer und in die Stdte und in die Huser und auf die Pltze. Christus sendet uns da hin, wo die Menschen sind, wo wir sind.

    So klar also Auftrag und Auftraggeber sind, so vielfltig wachsen daraus die Formen, wie wir es tun. Die politischen, territorialen Strukturen helfen, diesen Auftrag so nah wie mglich bei den Menschen und zu ihrem Wohl auszufh-ren. Daneben gibt es kulturelle, soziale, mediale und viele andere Mittel. Auf kreative und vielfltige Weise leben wir unseren Auftrag entsprechend der Kom-

    plexitt der Lebenswelten in unserer Ge-sellschaft. Wirklich?

    Die Diskussionen um Kirchensteuern und Gemeindestrukturen neigen dazu, den Blick auf den Kern zu verdecken. Nicht um das Kerngeschft geht es, sondern um den Kernauftrag. Und dieser muss in allen Diskussionen frei gelegt und mglichst wirkungsvoll um-gesetzt werden. Dazu sind wir von Christus beauftragt, und das sind wir den Menschen gegenber schuldig. Wir wrden ihnen das Beste vorenthalten, was uns aufgetragen ist. Deshalb: Mehr Zeit und mehr Geld fr den Dienst am Menschen, fr die Diakonie. Mehr Zeit und Geld fr die Seelsorge, fr die Bil-dung von Kindern und Erwachsenen, mehr Zeit und mehr Geld fr lebendige und vielfltige Gottesdienste und neue Formen von Spiritualitt!

    Wer mchte das nicht? Wer unter den Freiwilligen und Mitarbeitenden trgt

    nicht diese Sehnsucht in sich? Darber werden wir in den kom-menden fnf Jahren intensiv re-den miteinander. Alle, die es wollen.

    Allen, die an der Kirche arbei-ten, sei hier gedankt. Und alle seien hier ermutigt, ihre Kraft zur Verfgung zu stellen, um dem

    Kernauftrag zu dienen. Wir befinden uns als Kirche in einem Transforma-tionsprozess. Nicht alle werden wir ent-schlafen, alle aber werden wir verwan-delt werden, schreibt Paulus in 1.Kor. 15,51. Wenn wir nicht sterben wollen, mssen wir uns verwandeln lassen, trans-formieren. Nicht eine Re-Forma-tion, zurck zum Alten, sondern eine Trans-Formation, eine Verwandlung in eine gemeinsam erneuerte Kirche Jesu Christi. Das wird viel Arbeit mit sich bringen und Zeit brauchen, allzu viel ist uns nicht gegeben. Vertrauen wir dem Heiligen Geist, der in und unter uns die Arbeit gelingen, den Mut nicht verlieren und die Hoffnung bewahren lsst.

    Michel Mller, Kirchenratsprsident

    Aktuell

    Nachrichten3 5

    ko-Tipp: Ein Kontinent aus Mll

    5

    Schwerpunkte

    Mit guten Argumenten gegen die

    Kirchensteuerinitiative6

    KirchGemeindePlus: Der grosse Umbau der

    Landeskirche7 9

    Der Spiritualitt auf der Spur: Brigitte Becker

    10 11

    Hotel statt Halleluja:Wie soll und darf man

    Kirchen umnutzen? 12 14

    Rubriken

    Themen und Termine15 18

    Stellenmarkt17

    kreuz & quer: Weiningen und Co.

    18

    Cartoon / Impressum20

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

    Nicht um das Kerngeschft geht es, sondern um den Kernauftrag.

  • notabene 1 / 2013 3

    Kirchensynode / Sparen im Backoffice in Zrich

    sind etwa die Stelle des Beauftragten fr das Reformationsjubilum und des Pro-jektleiters fr die Kirchgemeindereform.

    Kirchenrat Fritz Oesch wies auf die zunehmenden Aufgaben hin, welche die Gesamtkirchlichen Dienste zu bewlti-gen htten. Zudem werde schon heute auch bei diesen Diensten stark gespart.

    Halbe Million gestrichen

    Die Kirchensynode setzte dennoch auf den Sparkurs (62 Ja zu 39 Nein) und strich die 500 000 Franken fr 2013. Nur wenige Minuten spter setzte das Parla-ment auf Antrag von Theddy Probst, Wildberg, allerdings ein gegenlufiges Signal mit dem Beschluss, die Beitrge an die Migrationskirchen nicht wie vor-gesehen zu streichen. Huldrych Tho-mann, Benglen, sah darin aber durchaus Sparlogik, indem beim Backoffice ge-spart werde und nicht dort, wo das kon-krete kirchliche Leben stattfinde.

    Hinsichtlich der Beitrge der Kirchge-meinden an die Zentralkasse beantragte der Kirchenrat eine Erhhung um 4,4 Mio. Franken gegenber dem Vorjahr. Grund dafr sind der letzte Teilschritt von 3,35 Mio. Franken bei der Reduk-tion der Staatsbeitrge und die anfallen-den Restrukturierungskosten bei der BVK. Die Kirchensynode stimmte hier ebenso zu wie zum restlichen Budget.

    Blieb noch die Spar-Motion der Fi-nanzkommission. Kirchenrtin Irene Gysel appellierte an die Synodalen, nicht in vorauseilendem Gehorsam zu resignieren, sondern die Mittel konst-ruktiv zu nutzen, solange sie zur Verf-gung stnden. Kirchenrat Bernhard Egg wies zudem darauf hin, dass die Motion aus juristischen Grnden nicht haltbar sei, da sie in die Kompetenzen des Kir-chenrates eingreife. Die Kirchensynode wies die Motion in der Folge mit 64 zu 28 Stimmen ab, wollte aber das an den Kirchenrat gesendete Sparzeichen als angekommen wissen, was der Kirchen-rat besttigte.

    mo. Der Voranschlag 2013 der Zentral-kasse war in der Kirchensynode vom 11. Dezember alles andere als ein Routine-geschft. Er sah zwar einen leichten Er-tragsberschuss von 160 000 Franken vor, doch der Finanzkommission gingen die darin enthaltenen Sparbemhungen des Kirchenrates zu wenig weit. Die Kommission wollte den Kirchenrat ei-nerseits verpflichten, bereits das Budget 2013 um 500 000 Franken zu krzen. Anderseits reichte sie eine Motion ein mit dem Ziel, bei der Zentralkasse ab 2014 jeweils jhrlich 1 Mio. Franken ein-zusparen, was rund 1 Prozent des Auf-wands entsprechen wrde. Die Motion sah zudem eine Reduktion des Zentral-kassenbeitrags der Kirchgemeinden vor.

    Die Finanzkommission begrndete ihre Antrge mit den finanziell dsteren Aussichten fr die Zukunft. Markus Brgin, Prsident der Finanzkommis-sion, forderte deshalb strkere Sparbe-mhungen. Diese drften nicht die Kirchgemeinden treffen, da diese bereits stark am Sparen seien. Die Reduktionen mssten nun strker bei den Beitrgen, bei den Mietkosten und insbesondere bei den Gesamtkirchlichen Diensten in Zrich erfolgen. Dies umso mehr, als diese Dienste im letzten Jahr um 10 Stel-len gewachsen seien.

    Umgelagert, nicht aufgestockt

    Alfred Frhauf, Kirchenratsschreiber und damit Personalchef der Mitarbei-tenden der GKD, relativierte den Stel-lenzuwachs und wies darauf hin, dass der Grossteil der zustzlichen Stellen-prozente auf technischen Umlagerun-gen und nicht auf Aufstockungen be-ruhten: Allein die bernahme des Studienbereichs von Boldern, die die Kirchensynode vor einem Jahr beschlos-sen hatte, sorgte fr vier zustzliche Stel-len in den GKD. Diese Personalkosten fallen fr die Landeskirche nicht zustz-lich an, weil sie im gleichen Zug keine Beitragszahlungen mehr an das Bil-dungshaus Boldern zahlt. Effektiv neu

    Im Rathaus / Auf-geschnappt

    Wir brauchen eine Re-Reforma-tion. Da mssen wir investieren.Michael Wiesmann

    Auch die Antrge der Synode mssen bearbeitet werden. Das machen die Leute in der GKD, nicht irgendeine liebe Fee.Fritz Oesch

    Wir wollen nicht mit der Brech-stange einfahren. Die Krzungen machen nicht einmal 0.5 Prozent des Aufwandes aus.Markus Brgin

    Spardebatte im Zrcher Rathaus: Das Kirchenparlament kmpft mit knapper werdenden Ressourcen.

    Fo

    to: sc

    h

  • notabene 1 / 20134

    SEK / Gegen erneute Verschrfung des Asylgesetzes

    kom / sek. Der Schweizerische Evangeli-sche Kirchenbund (SEK) empfiehlt das Referendum gegen die Asylgesetzrevi-sion zur Annahme. Dies teilt er in einem am 17. Januar verffentlichten Positi-onspapier mit. Darin lehnt der Kirchen-bund auch die bereits in Kraft getrete-nen dringlichen nderungen des Asylgesetzes ab. Menschen auf der Flucht mssen faire Asylverfahren ge-whrleistet werden, ist der Kirchenbund berzeugt.

    Die Gesetzesnderung streicht die Mglichkeit, auf einer schweizerischen Botschaft im Ausland ein Asylgesuch zu stellen. Das bedeutet, dass nur wer aus-reichend finanzielle Mittel fr die Reise hat, den Weg in die Schweiz auch effek-tiv bewltigen kann. Bisher war es Schutzsuchenden mglich, ein Asylge-such zu stellen, ohne die Hilfe eines Schleppers in Anspruch zu nehmen und irregulr einzureisen.

    Bedenken meldet der SEK auch zur Verkrzung der Beschwerdefristen fr Asylsuchende von 30 auf 10 Tage an. Der Rechtsschutz von Asylsuchenden msste deutlich gestrkt werden. Dies bedeutete die Sicherung des Zugangs zu Rechtsberatung und die zustzliche fi-nanzielle Untersttzung der Rechtsbera-tungsstellen durch den Bund. Diese wer-den bisher massgeblich durch die Kirchen und deren Hilfswerke finan-ziert. Kritisch steht der Kirchenbund auch der Schaffung von Zentren gegen-ber, in welchen Asylsuchende unterge-bracht werden sollen, die die ffentli-che Ordnung gefhrden. Ungeklrt ist, aufgrund welcher Kriterien die Zutei-lung in ein solches Zentrum erfolgt und wie lange der Aufenthalt dauert.

    www.kirchenbund.ch/de/stellungnahmen

    Wanderausstellung / Kopftuch Viel mehr als nur ein Kleidungsstck

    sch. Das Kopftuch ist de