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Neuer Kirchenratspräsident Michel Müller.

Transcript of notabene 3/2011

  • notabeneZeitschrift fr die Mitarbeitenden

    der Zrcher Landeskirche

    Nummer 3April 2011

    Neuer KirchenratsprsidentAuf Ruedi Reich folgt Michel Mller

  • notabene 3/20112

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Die Kirchensynode hatte die Wahl. Sie entschied sich bei der Suche nach ei-nem neuen Steuermann des Zrcher Kirchenschiffs fr den Thalwiler Pfarrer Michel Mller. 84 Synodale stimmten am 15. Mrz im vierten Wahlgang fr den 47-jhrigen Familienvater und kr-ten ihn mit einer Stimme ber dem ab-soluten Mehr zum neuen Kirchenrats-prsidenten.

    Eine denkbar knap-pe Entscheidung: Die Mitkonkurrenten An-drea Marco Bianca und Christoph Sigrist hatten im Kirchenpar-lament anfnglich auf beinahe gleichviel Un-tersttzung zhlen knnen.

    Wenn Michel Mller jetzt also das Steuer bernimmt, startet er mit weni-ger Rckenwind ins Amt, als es ihm ein Glanzresultat beschieden htte. Nur er-zielt man ein solches oft nur mangels Alternative oder mangels Konkurrenz. Davon konnte bei dieser Wahl keine Rede sein. Mit Mller, Bianca und Si-grist bewarben sich drei qualifizierte Kirchenmnner fr das hchste Amt der Zrcher Kirche. Und sie profilierten sich mit ihren ganz eigenen Strken und Zielsetzungen.

    Etwas Besseres konnte den Zrcher Reformierten eigentlich nicht passie-ren. Genau diese Ausgangslage hat da-

    fr gesorgt, dass die Wahl zu einem echten Wahlkampf und zu einer kir-chenpolitischen Ausmarchung wurde, die ber Insiderkreise hinaus Beach-tung fand. Selten war die Zuschauertri-bne im Rathaus an einer Synodensit-zung derart berfllt, wie an jenem 15. Mrz. Selten standen sich die Journalis-ten, Fotografinnen und Kameraleute im

    Rathaussaal derart auf den Fssen. Sie erlebten mit, dass es brisant und umstrit-ten ist, wer bei den Reformierten auf der Kommandobrcke steht und dass es die gewhlten Vertrete-rinnen und Vertreter der Kirchenmitglieder

    sind, die eine solche Entscheidung nach demokratischen Regeln fllen.

    Dass die Zeitungskommentatoren die Kandidaten (schillernd), das Wahl-gremium (bieder) und den Wahlaus-gang (nur ja nicht auffallen) nicht nur beklatschten, ist weder berra-schend noch besorgniserregend. Im Gegenteil: Auch hier ist kritischer Ge-genwind fr die Kirche, ihre Amtstrger und letztlich alle Reformierten beleben-der und herausfordernder als Still-schweigen und Flaute.

    Christian SchenkRedaktor notabene

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    A K T U E L L

    Wahl KirchenratsprsidentPfarrwahlen 2012 an der Urne

    Geschftsleitung in GemeindenRckzug aus Aidspfarramt

    99 Jahre Religis-Soziale Fraktion10 Jahre Bahnhofseelsorge

    3 7

    F E N S T E R Z U M D I A L O G

    Muslime und Christen im Gesprch: Rifaat Lenzin

    7

    S C H L E I E R M A C H E N L E U T E

    Zu Besuch im Freifach Religion an der Kanti Wiedikon

    8 9

    B I B L I S C H E A H A -E R L E B N I S S E

    Kolumne9

    L E T Z T E C H A N C E F R C H R I S T E N I M I R A K

    So hilft die Landeskirche mit der Bettagskollekte 2010

    10

    T H E M E N U N D T E R M I N E

    Hinweise und Veranstaltungen11 13

    A R B E I T E N B E ID E R K I R C H E

    Pfarrerin fr reformiertes ProfilPfarrstellen und -wahlen

    14

    M O N AT S A G E N D A

    15

    D E N K Z E T T E L

    Illustration, Impressum16

    Dass die Kommentatoren den

    Wahlausgang nicht nur beklatschten, ist weder

    berraschend noch besorgniserregend.

  • notabene 3/2011 3

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    Kirchenratsprsidentenwahl

    Michel Mller neu an der Spitze der Landeskirche

    mo / sch. Bei seiner Erklrung zur An-nahme der Wahl bat Michel Mller um Akzeptanz der Wahl, Vertrauen, Frbitte und konstruktive Kritik. Er wolle seine Augen, seine Ohren und all seine Sinne nutzen, um zu sehen, zu hren und zu spren, was die Kirche brauche. Er wies darauf hin, dass er jetzt zwar ein exponiertes Gesicht der Kirche sei, dass aber alle Behrdenmitglieder und Mit-arbeitenden der Landeskirche je an ih-rem Ort das Gesicht der Kirche seien und dass er sich im Verbund mit diesen allen fr die Zukunft der Landeskirche einsetzen wolle. Sie alle, Synodale, Be-hrden, Mitarbeitende sind das Gesicht der Kirche.

    Michel Mller ist seit 1994 Pfarrer in Thalwil, Prsident des Synodalvereins der Kirchensynode und Abgeordneter im Schweizerischen Evangelischen Kir-chenbund. Er ist in Basel aufgewachsen und hat in Basel und Bern studiert. Mi-chel Mller ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Einblick in sein Familien-leben und in seinen Berufsalltag ge-whrte der 47-jhrige Pfarrer jngst in der fnfteiligen TV-Dokumentations-staffel SF bi de Lt.

    Bereits am 1. Mai wird Mller sein Amt antreten. Er wolle sich so rasch wie mglich einarbeiten, sagte Mller kurz

    nach seiner Wahl (lesen Sie dazu das Interview auf Seite 4).

    Der Wahlkrimi

    Vier Wahlgnge brauchte die Kirchensy-node, bis der neue Kirchenratsprsi-dent feststand. Mit Andrea Marco Bian-ca, Michel Mller, Christoph Sigrist und Hans-Peter Geiser waren vier Kandida-ten ins Rennen gestiegen. Zu Beginn der Versammlung war der Ausgang noch vllig offen, einzig der vierte Kandidat, Pfarrer Hans-Peter Geiser, hatte sein Kandidatur am Vortag zurckgezogen.

    Jean E. Bollier, Prsident der Libera-len Fraktion, betonte bei der Vorstel-lung der Kandidaten, die Liberale Frak-tion stehe mit grosser Mehrheit hinter

    Michel Mller heisst der neue Prsident des Kirchenrates der Landeskirche. Der Thalwiler Pfarrer und Kandidat des Synodalvereins setzte sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen am 15. Mrz in vier Wahlgngen gegen Andrea Marco Bianca und Christoph Sigrist durch.

    ihrem Kandidaten: Kirchenrat Andrea Marco Bianca verfge ber ein echt re-formatorisches Profil und einen Leis-tungsausweis, der sich sehen lassen knne. Er habe als Kirchenrat bewie-sen, dass er ein Gestalter und nicht nur ein Verwalter sei.

    Wohin die Stimmen der Synodalen der Religis-sozialen Fraktion (RSF) gehen werden, deutete Matthias Reuter an: In einer Konsultativabstimmung der RSF htten Andrea Marco Bianca und der Grossmnster-Pfarrer Christoph Si-grist, der von einer interfraktionellen Whlervereinigung nominiert worden war, in etwa gleich viele Stimmen erhal-ten, Michel Mller aber deutlich weni-ger. Dafr kndigte Willi Honegger an, dass Mller auf die Stimmen der Evan-

    Vier Wahlgnge und viermal Hochspannung: 10.58 Uhr stand das Resultat fest.

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    gelisch-kirchlichen Fraktion zhlen knne. Und auf welche Untersttzung wrde der fraktionsfreie Kandidat Si-grist zhlen knnen? Huldrych Tho-mann warb mit dem Argument, dass ein Headhunter nach einem Vergleich der drei Kandidatenprofile zwingend auf Christoph Sigrist kommen msste. Und Kurt Gautschi empfahl Sigrist nomen est omen als den besten Diener der Zrcher Kirche.

    Die Richtung gab dann der erste Wahlgang vor, in dem Bianca mit 59 und damit mit einer Stimme mehr als Mller in Front lag. Sigrist hatte da mit 45 Stimmen bereits Rcklage. Dieses Bild korrigierte sich in den Wahlgngen zwei und drei nicht wesentlich, nur dass Mller jetzt die Fhrung ber-nahm. Jrg Schoch, Vizeprsident des Synodalvereins, hatte bei der Kandida-tenvorstellung darauf hingewiesen, dass Michel Mller ein zukunftsorien-tierter Schaffer sei, der zwar kleine Schritte plane, aber diese dafr wirk-lich mache. In kleinen Schritten zeich-nete sich dann auch der Wahlerfolg Mllers ab: Im dritten Wahlgang schied Sigrist mit der geringsten Stimmenzahl (51) aus, so dass nur Mller (59 Stim-men) und Bianca (57) verblieben. Im vierten Wahlgang, kurz vor elf Uhr, setz-te sich Mller schliesslich mit 84 zu 80

    Herr Kirchenratsprsident Mller, wie tnt dieser Titel in Ihren Ohren?

    Es ist wie kurz nach der Ordination und der Pfarrinstallation, wo die Leute mich erstmals mit Herr Pfarrer ange-sprochen haben. Ich muss mich noch daran gewhnen. Aber es ist ein Aus-druck der Wertschtzung. Und das freut mich natrlich.

    Den Titel zu erlangen, war keine leichte Aufgabe. Sie haben einen lan-gen Wahlkampf hinter sich. Welche Spuren hat er bei Ihnen hinterlassen?

    Ich habe gelernt, ruhig und gelassen zu bleiben. Vieles, was gesagt und ge-schrieben wird, muss man stehen las-sen knnen, auch wenn es einem nicht

    immer gerecht wird. Die Ruhe zu be-wahren, ist eine Fhigkeit, die ich si-cher auch in Zukunft brauchen kann. Das zweite ist, dass ich in dieser Zeit viel Untersttzung erfahren durfte, die mich getragen hat.

    In der Synode wurden die Kandidaten aufgefordert, die Wahl sportlich zu nehmen. Das fllt einem als Sieger natrlich etwas leichter

    Das war fr mich schon im Wahl-kampf wichtig, die Sache sportlich zu sehen. Wer mich kennt, weiss, dass ich Sportsfan bin. Sieg und Niederlage lie-gen nahe beieinander und wechseln sich ab. Das gehrt zu einem kirchen-politischen Prozess dazu.

    Wie gehen Sie auf die Verlierer zu?Die haben mir alle die Hand gegeben.

    Persnlich ist eine intakte Verbindung vorhanden. Und das gilt auch fr die Synodalen, die mir nicht die Stimme ge-geben haben. Ich bin ja schon lange in diesem Parlament. Ich kenne die Leute, und sie kennen mich. Natrlich gibt es

    Offene Augen und Ohrenfr die Menschen

    Stimmen gegen Bianca durch. Drei der 167 Synodalen hatten leer eingelegt.

    Reich und Notter verabschiedet

    An der Synode vom 15. Mrz waren auch der abtretende Regierungsrat Markus Notter und Alt-Kirchenratspr-sident Ruedi Reich zu Gast. Es war dies der erste ffentliche Auftritt von Ruedi Reich nach dessen schweren Tumor-Operationen im vergangenen Herbst. Peter Wrmli, Prsident der Synode, sprach Ruedi Reich seinen Dank fr sein grosses Engagement fr die Lan-deskirche aus. Ruedi Reich, 17 Jahre im Amt als Kirchenratsprsident, sei fr ihn der Ponti