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Umwelt und Kirche: Volldampf für den Umweltschutz / Ein Bischof in Zürich? / Finanzen im Fokus

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    Seite 11

    Finanzen im Fokus Im Gesprch mit Kirchenrtin Katharina Kull-Benz

    Umwelt und Kirche / Volldampf fr den Umweltschutz Seite 7

    Ein Bischof in Zrich?Das sagt der Kirchenrat dazu

    notabeneNr 4 / Mai 2016Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

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    Liebe Leserin, lieber Leser

    Mein Biolehrer hatte einen rauschenden Bart als das noch nicht so hip war. Er jagte vor Sonnenaufgang den Vgeln nach und zwitscherte uns in der Schul-stunde ihre Melodien vor. Er liess uns an Mittwochnachmittagen fr bedrohte Gelbbauchunken und Bergmolche Bio-tope ausschaufeln und wetterte leiden-schaftlich gern gegen alle, die nicht er-

    kannt hatten, dass die Umwelt durch unseren sorglosen Lebensstil in Gefahr war. Das war Anfang der 80er, noch kurz bevor es sauer zu regnen und der Wald zu sterben begann und lange vor Ozonloch-, Treibhaus- und Klima-wandel-Debatte.

    In dieser Zeit wollte ich zu Hause null-kommapltzlich den sterilen Rasen um-graben, Magerwiesen sen und Laich-pltze anlegen. Ich forderte ultimativ den Einbau eines Katalysators an unse-rem Volvo und hielt meinen Eltern end-lose Vortrge ber Umweltschutzpapier und Nistpltze von Rauchschwalben.

    Mein Eifer war echt. Nur hat er mich schon damals nicht davon abgehalten, am Samstag mit dem Ciao statt mit dem Velo in die Dorfdisko zu fahren. Und wenn ich heute 30 Jahre spter an

    meinen kologischen Fussabdruck denke, raubt mir dessen bergrsse nur deshalb nicht permanent den Schlaf, weil ich trotz langem Sndenregister aus Billigflgen, Wegwerfgeschirr und Mo-torrad-Spritztouren wohl nicht so viel grossfssiger unterwegs bin, als alle an-deren um mich herum auch.

    Wir alle haben mittlerweile jahrzehn-telange Erfahrung im Umweltschtzen, im Abfalltrennen, im Partikelfilter-einbauen, im Minergie-Standards-Opti-mieren und im darber Reden, was es alles noch zu tun gbe, um unserem Pla-neten mehr Sorge zu tragen. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei alldem ein beschmend grosses Loch, das sich in meinem Leben schon im Tffli-Alter zu ffnen begann.

    Ich hte mich deshalb davor, Sie allzu forsch mit dem grnen Mahnfinger zu traktieren und apokalyptisch Drohkulis-sen aufzubauen, um auf die Massnah-men hin zuweisen, die Ihre Kirchge-meinde in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz umsetzen knnte und sollte. Diese sind eines der Hauptthe-men in diesem Heft (ab Seite 8). Ntig, finanziell interessant und gut umsetzbar sind sie allemal. Lassen Sie sich also ganz sachlich und undogmatisch ermu-tigen, die ntigen Schritte zu tun.

    Christian SchenkRedaktor notabene

    Aktuell

    Nachrichten3 5

    Kolumne Liebe Reformierte

    Aussenblick vonMichael Meier

    5

    Aus dem Abc der Reformation

    H wie Havelaar6

    Schwerpunkte

    Leere Kirchen gesucht6

    Ein Bischof fr Zrich?7

    Wie grn ist meine Kirche?8 9

    Legislaturziele: Zur Kirche der Zukunft

    10 12

    Rubriken

    Themen und Termine13 14

    Portrt: Flair fr Fantasy

    15

    Impressum / Bischof zeichnet Bischof

    16

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

    kologischer bereifer und alte Tffl i-Snden.

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    Vernderungen im Gesundheitswesen eingehen zu knnen.

    Wer hlt die Abdankung?

    Zu reden gab die Verordnung auch in ei-nem besonderen Punkt, der die Men-schen in Pflegeheimen tangiert: Wer ist zustndig bei Abdankungen? Ist es der Pfarrer, die Pfarrerin, die den Menschen auf dem letzten Wegstck begleitet hat, oder ist es das Pfarramt der Gemeinde, der der Verstorbene angehrt hat? Die Verordnung hlt fest, dass es weiterhin das Gemeindepfarramt ist, das die Ab-dankung bernimmt. Die Seelsorgenden der Institution knnen allerdings auf Wunsch der verstorbenen Person oder ihrer Angehrigen eine Abdankung bernehmen. Der Synodale Franco Sor-bara, Zrich Hirzenbach, und andere

    Kirchensynode / Wer sorgt fr Seelsorge in Pflegezentren?

    kom. Der Kirchenrat regelt die Seelsorge in Spitlern, Pflegezentren und anderen Institutionen neu. Der Antrag fr die entsprechende Verordnung wurde von der Kirchensynode am 5. April gutge-heissen. Bereits vor acht Jahren hat die Kirchensynode beschlossen, die Spital-seelsorge einheitlich zu regeln, als Teil der Gesamtkirchlichen Dienste zu fh-ren und durch die Zentralkasse zu finan-zieren. Diese Kantonalisierung der Spi-talseelsorge sollte nach dem Inkrafttreten der neuen Kirchenordnung zum Tragen kommen und auf die Seelsorge in weite-ren Institutionen ausgeweitet werden. Am 5. April legte der Kirchenrat nun die entsprechende Verordnung ber die Seelsorge in Institutionen vor. Sie gilt fr Pfarrmter in Spitlern, in Pflege-zentren, in Gefngnissen und in Pfarr-mtern mit gemischter (zum Teil ku-menischer) Trgerschaft wie das Flughafenpfarramt, die Bahnhofkirche, die Polizeiseelsorge, die Seelsorge fr Rettungskrfte und die Seelsorge in Bundesasylzentren.

    Gemeinde- oder Spitalpfarrer?

    Whrend der Debatte sorgte die Frage nach den Kriterien zur Einrichtung von Pfarrstellen in Pflegezentren fr Diskus-sionen und einen Antrag auf Rckwei-sung. Die Verordnung hlt fest, dass die Seelsorge in den Pflegezentren grund-stzlich weiterhin im Verantwortungsbe-reich der Gemeindepfarrmter liegt. Daneben hat der Kirchenrat die Mg-lichkeit, insbesondere in grossen Pflege-zentren mit berregionaler Bedeutung und in den grossen Pflegezentren in der Stadt Zrich eigene Pfarrmter zu er-richten. Der Synodale Karl Stengel, Meilen, bemngelte, dass die Verord-nung keine Kriterien definiert, wonach der Kirchenrat solche Pfarrmter ein-richten kann. Er pldierte deshalb fr eine Befristung der Verordnung. Kir-chenrtin Esther Straub und die Prsi-dentin der vorberatenden Kommission, Eva Ebel, betonten hingegen die Wich-tigkeit, diese Kompetenzen dem Kir-chenrat zu gewhren, um flexibel auf die

    Votanten sprachen sich dafr aus, diese Regelung zu kehren und dem freien Wunsch der Menschen mehr Gewicht zu geben. Die Mehrheit der Synode hielt aber an der vom Kirchenrat formulier-ten Regelung fest. Weder die Rckwei-sung des Geschftes noch der Antrag auf Befristung der Verordnung fanden eine Mehrheit.

    Kloster Kappel wird saniert

    Gnzlich unbestritten war der Kredit von 1,3 Millionen Franken fr ein Um-bau- und Sanierungsprojekt im Kloster Kappel. Die Renovation im Gstehaus ist berfllig. Der Umbau verspricht zu-stzliche Gstezimmer und lsst hhere Renditen erwarten. Die Umbauarbeiten fordern eine temporre Schliessung des Klosters im Februar 2017.

    Kirchensynode / Pfarrer nicht mehr zwingend an der Urne whlen?

    sch. An ihrer nchsten Versammlung vom 14. Juni entscheidet die Kirchensy-node ber eine Motion, die das Urnen-obligatorium fr Besttigungswahlen der Pfarrerinnen und Pfarrer aufheben will. Diese Bestimmung wurde mit der Kirchenordnung von 2009 eingefhrt. Thomas Illi, Wolfhausen, und Mitunter-zeichnende begrnden den Vorstoss da-mit, dass es bei Wahlen nach diesem Modus zu nicht voraussehbaren und objektiv unbegrndeten Zufallsentschei-dungen kommen knne. Es knne nicht sein, dass verdiente und unbescholtene

    Pfarrpersonen ffentlich mit solchen Resultaten blossgestellt wrden. Der Modus sei ausserdem kosts pielig und stosse bei den Stimmberechtigten auf Unverstndnis, weil nur die von der Kir-chenpflege vorgeschlagenen Kandidaten gewhlt werden knnten.

    Auf der Traktandenliste des Kirchen-parlaments stehen ausserdem die Jahres-rechnung, die Legislaturziele des Kir-chenrates (siehe dazu den Bericht ab Seite 10) sowie Antrag und Bericht des Kirchenrates zum Postulat Gemein-same Mitgliederdatenbank.

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    sch. Der frhere Kirchenratsprsident Pfr. Ernst Meili ist am 3. April in seinem 86. Lebensjahr gestorben. Ernst Meili, geboren und aufgewachsen in Pfffikon (ZH), wurde 1957 ordiniert und war Ge-meindepfarrer in Hirzel und Thalwil. In den ersten Berufsjahren heiratete er und wurde Vater zweier Shne.

    1973 wurde Ernst Meili von der Kir-chensynode, der er seit 1959 angehrte, in den Kirchenrat gewhlt. Von 1981 bis zu seiner Pensionierung 1993 prsidierte er die Exekutive der Zrcher Landeskir-che. In seine Amtsjahre fallen der Auf-bau des Hauses der Stille im Kloster Kappel, der Ausbau der Aus- und Wei-terbildung der Pfarrer und Pfarrerin-nen, die Zrcher Disputation 84 sowie die Neugestaltung des Verhltnisses von

    Kirche und Staat, die 1977 mit der (zwar wuchtig abgelehnten) Volksinitiative zur Trennung von Kirche und Staat erstmals angestossen worden war.

    Weggefhrten bezeichneten Ernst Meili als einen Vorsteher der Zrcher Kirche, der den Ausgleich suchte, das gegenseitige Zuhren frderte und der kumene grosses Gewicht beimass. Ernst Meili formulierte die Aufgaben und Prioritten fr das Amt des Kir-chenratsprsidenten selbst so: Die Pr-sidialabteilung hat sich mit den Bezie-hungen unserer Kirche nach aussen, zum Staat, zu den anderen Kirchen und Gemeinschaften, zur Mission zu befas-sen. Und weiter: Es ist mir ein Anlie-gen, den Kontakt mit dem Kirchenvolk zu intensivieren. Der Kirchenrat darf

    Nachruf / Zum Tod von Alt-Kirchenrat Ernst Meili F

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    nicht im Elfenbeinturm wohnen und am grnen Tisch tagen. Er soll die Anliegen unserer Zeit, in der Verbindung zum Evangelium, wahrnehmen und konst-ruktiven Lsungen entgegenfhren.

    Die Abdankung fand am 14. April im Grossmnster Zrich statt.

    Ernst Meili: Kirchenratsprsident von 1981 bis 1993.

    kom. Wie gut zeigt die Kirche ihr Profil? Diese Frage stellte die Kirchensynode dem Kirchenrat in einem Postulat im Hinblick auf das Reformationsjubi-lum. In seiner Antwort weist der Kir-chenrat auf die Faktoren hin, die das Fremdbild und die Reputation der Kir-che in der ffentlichkeit prgen, und be-tont unter anderem die Wichtigkeit der Authentizitt, die Qualitt