notabene 5/2012

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Vom Urmodell der Diakonie

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  • Nr 5 / Juni 2012Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

    Seite 6

    Ziel erreicht?Der Kirchenrat legt Rechenschaft ab ber die vergangene Legislatur und setzt Ziele bis 2016

    Vom Urmodell der DiakonieMahlgemeinschaft als Leitmotiv fr das soziale Handeln der Kirche

    Seite 15

    Zum Zmittag in die KircheZu Gast am Mittagstisch in der fabrikkirche in Winterthur

  • notabene 5 / 20122

    Liebe Leserin, lieber LeserWenn man die Lage unserer Kirche an-schaut, gibt es einige Grnde, sich Sorgen zu machen: rcklufige Mitglie-derzahlen, bedrohliche Wolken am Finanz horizont, Angriffe aus ffentlich-keit und Politik, die Herausforderung, Mitarbeitende und Behrdenmitglieder zu gewinnen, Nachwuchs zu frdern. Manche werden mde oder verzagt. An-dere sehnen sich nach den goldenen Zei-ten zurck, als die evangelisch-refor-

    mierte Kirche im Staate Zrich noch die Kirche war. Heutzutage vertritt unsere Kirche nur noch im Bezirk An-delfingen eine knappe Mehrheit der Be-vlkerung, in vielen Bezirken stehen wir nach Katholiken und Konfessionslosen gerade noch an dritter Stelle!

    Und doch ist es richtig, dass unsere Kirche in einem partnerschaftlich-ent-flochtenen Verhltnis zum Staat steht. Das ist nicht nur ein Nachvollzug demo-graphischer Verhltnisse, sondern ge-hrt auch zum Wesen unserer Kirche. Wir stehen einerseits in ffentlicher Ver-antwortung und wirken integrativ und Frieden stiftend (dies sei allen gesagt, die die Kirche am liebsten ganz privatisieren

    wollen). Wir definieren uns andererseits nicht als Anhngsel des Staates, sondern begrnden unseren Auftrag aus dem Evangelium Jesu Christi. Unser Kirche-sein beginnt und endet nicht im Kanton Zrich. So gesehen ist es richtig, dass wir als Kirche die Freiheit ergreifen und Kirche fr die Welt, fr die Men-schen und Geschpfe in ihr sein wollen.

    Das wird in den Legislaturzielen sicht-bar, die sich der Kirchenrat fr diese erste ganze Legislaturperiode unter der neuen Kirchenordnung gesetzt hat. Das neue Diakoniekonzept wird uns moti-vieren und anleiten, uns in Diakonie und Seelsorge allen Menschen zuzuwenden. Die Verkndigung in Wort und Sakra-ment wird vom Kern her vertieft und zugleich vielfltiger gestaltet werden. Im Gemeindeaufbau werden Rahmenbe-dingungen geschaffen, die ein lebendiges und innovatives Gemeindeleben ermg-lichen. Dies wird zusammen mit der Umsetzung des religionspdagogischen

    Konzepts in der Jugendphase die Voraussetzung dafr sein, dass un-sere Kirche stabilisiert werden oder sogar wieder wachsen kann. Der Auftrag zum Kirchesein wird gegenber dem Erhalt von Struk-turen, die zu gross geworden sind,

    Vorrang haben. Wir haben in den nchsten Jahren zu-

    sammen mit Kirchgemeinden, Pfarr-schaft, Mitarbeitenden und Freiwilligen die Chance, unsere Freiheit zu leben, selbst wenn es einiges kosten wird. In-dem wir das wagen, geben wir Freiheit und Hoffnung weiter, die wir im Ergrei-fen erst erfahren. Oder wie der Apostel Paulus es zusammenfasst in Philipper 3,12: Nicht dass ich es schon erlangt htte oder schon vollkommen wre! Ich jage ihm aber nach, und vielleicht er-greife ich es, da auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.

    Michel Mller, Kirchenratsprsident

    Aktuell

    Kurznachrichten3 5

    Kolumne Wers glaubt:Ich schlafe im Paradies

    5

    Brennpunkte

    Neue Plne und offene Baustellen

    Legislaturziele der Landeskirche

    6 7

    Kirche ist mehr als ein Kultverein Frieder

    Furler ber das Diakoniekonzept

    8 11

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    kreuz & quer: Zum Zmittag in der

    fabrikkirche15

    Denkzettel / Impressum16

    Freiheit ergreifen Hoffnung erfahren

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

  • notabene 5 / 2012 3

    Ladenffnungszeiten / Mehr als nur Konsummenschen

    sch. Der Kirchenrat lehnt die Initiative Der Kunde ist Knig ab, die am 17. Juni in Zrich zur Abstimmung gelangt. Der Kirchenrat teilt die Bedenken, die von einem berparteilichen Komitee ge-gen die Vorlage ins Feld gefhrt werden, insbesondere die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen fr die betroffenen Angestellten und die Gefhrdung der Sonntags- und der Nachtruhe. Dem Ko-mitee gehren Vertreter von EVP, GP, GLP, EDU, CSP, BDP, Juso, Gewerk-schaften und der Kirchen an.

    Im Zentrum steht fr den Kirchenrat die zunehmende konomisierung der gesamten Lebenswelt, die mit einer voll-stndigen Liberalisierung der Ladenff-

    nungszeiten fortschreiten wrde: Wir merken hufig nicht, wie wir uns dem Diktat des Konsumismus immer strker unterwerfen, schreibt der Kirchenrat in seinem Kommuniqu. Es fehlten Zeiten und Rume der Musse, wo der Einzelne sich von den Anforderungen des Alltags erholen kann. Der Sonntag ist eine sol-che Zeit und ein solcher Raum. Er stellt den Menschen in die Freiheit, an diesem Tag unabhngig von den Zwngen des Werktags ganz Mensch zu sein fr sich selber, fr seine Interessen, fr die Men-schen, die ihm nahe sind. Wenn sich eine Gesellschaft dem permanenten Konsum verschreibe, verstrke dies die schon bestehende Tendenz, dass kono-

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    mische Tausch-Beziehungen zum domi-nierenden Beziehungs-Modus werden. Besonders beeintrchtigt wre von einer vollstndigen Liberalisierung der La-denffnungszeiten die Gesundheit der Angestellten sowie ihr Sozial- und Fami-lienleben.

    Die Volksinitiative Der Kunde ist Knig wird von FDP und SVP und von Vertretern des Gewerbes und der Touris-musbranche getragen. Sie verlangt, dass Eigentmer von Geschften autonom ber ihre ffnungszeiten entscheiden knnen. Es sei nicht Aufgabe des Staa-tes, zu bestimmen, wann Private ihr Ge-schft geffnet haben drfen und wann nicht, schreiben die Initianten.

    Jahresrechnung 2011 schliesst im Plus / 4,7 Millionen mehr als erwartet

    kom. Die Rechnung 2011 der Zentral-kasse der Landeskirche wartet mit ei-nem positiven Ergebnis auf. Sie schliesst mit einem Ertragsberschuss von rund 4,7 Millionen Franken. Verantwortlich fr das gute Ergebnis sind tiefere Ausga-ben beim Personalaufwand, bei den Sachkosten und den Beitrgen. Auch die Ertrge fielen hher aus als budgetiert.

    Die grsste Abweichung liegt beim Personalaufwand. Die Pfarrlhne liegen rund 2,3 Millionen tiefer als budgetiert. Tiefere Lohnkosten ergeben sich vor al-lem aus vorbergehend nicht voll be-

    setzten Pfarrstellen und Rotationsge-winnen. Rotationsgewinne entstehen, wenn neu eintretende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tiefer eingestuft werden als die ausgetretenen. Auch in verschie-denen Bereichen der Gesamtkirchlichen Dienste sind wegen der Zurckhaltung bei Stellenbesetzungen tiefere Personal-kosten angefallen.

    Auf der Ertragsseite ist es vor allem der Abschluss des Klosters Kappel, der dazu beigetragen hat, dass die Erwar-tungen bertroffen wurden: Das Unter-nehmensresultat fiel dank hherer Er-

    trge und tieferer Kosten um 850 000 Franken besser aus als budgetiert.

    Trotz gutem Ergebnis mahnt der Kir-chenrat im Bericht zur Vorsicht: Das gute Resultat ist im wesentlichen tech-nisch begrndet und darf nicht darber hinwegtuschen, dass die finanzielle Lage der Zentralkasse angespannt bleibt. Noch letztes Jahr schrieb man ein Minus von gut 5,8 Millionen. Und 2012 und 2013 geht der Staatsbeitrag nochmals um je 3,35 Millionen zurck. Die Kirchensynode befindet ber die Rechnung an ihrer Sitzung vom 12. Juni.

  • notabene 5 / 20124

    Relimedia statt Bibliothek h50 / Kirchliche Bibliotheken fusionieren

    Ferienprojekt Sonne und Mehr / Kirchenferien kommen gut an

    kom. Die Konzentration kirchlicher Medienkompetenz an einem einzigen Ort in Zrich ist seit lngerer Zeit ein Thema. Nun wird sie konkret: Die bei-den religionspdagogischen Bibliothe-ken C66 und h50 wirken ab November 2012 gemeinsam mit dem Medienladen unter einem Dach und unter einem neuen Namen: Relimedia heisst das neue medienpdagogische Dienstleis-tungszentrum der katholischen und der reformierten Kirche des Kantons Z-rich. Mit der Fusion sollen die Kern-kompetenzen der drei Stellen gebndelt werden. Mit Relimedia wird die religi-onspdagogische Medienarbeit beson-ders fr die Zrcher Kundinnen und Kunden einfacher, knnen sie ab No-vember doch alles an einem Ort erhal-ten. Ausleihe und Verkauf werden wei-terhin durch fachspezifische Beratung,

    durch Medienprsentationen und medi-enpdagogische Ausbildung ergnzt. Zukunftsweisend investiert Relimedia in den Mediendownload und in naher Zukunft auch in die Online-Ausleihe und den Verkauf von E-Books.

    Neuer Standort, neues Signet

    Die religionspdagogischen Bibliothe-ken und der Medienladen bernehmen die Rumlichkeiten der Pdagogischen Hochschulbibliothek, bekannt unter dem Namen Mediothek Zeltweg am Zeltweg 21. Die Fusion der drei Zrcher Medienstellen erfordert Umstellungen, die grsstenteils hinter den Kulissen stattfinden. Der Bestand wird auf seine Aktualitt hin berprft, ein gemeinsa-mes Katalogisierungs system erarbeitet, und es mssen Umsignierungen vorge-

    sch/ama. Das von der Zrcher Landes-kirche ausgeschriebene Herbstferien-Angebot stsst auf grosse Resonanz. Bereits ber 200 Personen haben ein Ar-rangement im Ferienresort in Kyllini an

    nommen werden. Diese Arbeiten sind whrend des normalen Ausleihbetriebs nur bedingt mglich.

    Die Bibliothek h50 bleibt in den Sommer-

    ferien vom 14. Juli bis zum 12. August

    geschlossen. Danach ist die Ausleihe am

    Hirschengraben 50 noch bis am 28.

    September mglich. Whrend der

    Schliesszeiten knnen keine Medien

    ausgeliehen werden.

    der Westkste des Peloponnes gebucht. Die aktuellen Anmeldezahlen motivie-ren den Projektleiter Andreas Manig: Wir kalkulierten das Produkt so, dass wir es ab 100 Teilnehmenden durchfh-

    Der Badespass in Griechenland kann stattfinden: ber 200 Personen haben sich fr die von der Landeskirche ausgeschriebenen Badeferien im Herbst angemeldet.

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    ren knnen. Nun wissen wir schon seit Monaten, dass wir im Herbst tatschlich nach Griechenland fahren.

    Andreas Manig und sein Team, das aus Mitarbeitenden verschiedener Kirchgemeinden besteht, haben die Grobplanung abgeschlossen. Nun erfol-gen noch Detailabsprachen und das Feilen an den einzelnen Programmtei-len. Das Ziel sei ein guter Mix aus Frei-raum und vielfarbigen Begegnungs-mglichkeiten. Dabei wird weniger auf Plenarveranstaltungen als auf kleinere Gruppen gesetzt, die sich je nach Lust und Laune, nach Thema und Angebot zusammensetzen und wieder auflsen.

    Anmeldungen fr Sonne und Mehr, das

    zwischen dem 8. und dem 21. Oktober

    stattfindet, sind weiterhin mglich. Wer

    sich dafr interessiert, findet auf www.

    zh.ref.ch unter dem Suchbegriff Sonne

    und Mehr den Flyer mit Informationen

    und Kontaktangaben.

    Aus drei mach eins: Die religionspdagogi-schen Bibliotheken h50 und C66 fusionieren mit dem Medienladen zu relimedia.

  • notabene 5 / 2012 5

    Ich schlafe im Paradies

    Ich schlafe seit Oktober im Para-dies. Da war ich eingezogen. My home is my paradise. Buchstb-lich. Zuerst war es mir gar nicht aufgefallen, doch eines Abends, kurz vor dem Lichterlschen, las ich es: Die Backsteine, die mich umgeben, die meisten weiss ge-tncht, einige naturbelassen, ge-hren zur Sorte SwissModul. Steht drauf. Stammen aus dem Werk Pa-radies im Thurgau. Tglich vor dem Einschlafen lese ich seither an meiner Wand, schnrkellos ins Re-lief gebacken, das Wort Paradies.

    Ein wundervolles Mene Tekel (Dan 5,25). Ich bin nicht Knig Belsazar, und den Deuter Daniel brauche ich nicht. Vom Paradies umgeben zu sein, ist mir wertvoller als Purpur und Gold, mit denen die Deutung kniglich belohnt wurde.

    My home is my castle war frher. Den Spruch habe ich hinter mir. Knig im eigenen Heim zu sein, ist nichts gegen die Verheissung, des Nachts im Paradies zu Gast zu sein. Umgeben von elysischen Backsteinen, geschtzt von himm-lischem Lehm, behtet von spiritu-eller Strahlung. My home is my pa-radise: Seit 1250 bewohnten Clarissen das Kloster, das sie Pa-radies nannten. 1834 liess der Kan-ton es versteigern. Seit 1918 kom-men Ziegel von dort (Tel. 052 / 647 49 49). Nicht fr einen Turm in Ba-bel (Gn 11,3), nein, fr meine Woh-nung in Mnnedorf!

    Der Traum vom Paradies ist wahr geworden. Buchstblich. Dem Sei-nen gibt er es im Schlaf, sang einst der Pilger nach Jerusalem (Ps 127,2). Bleibt nur die Frage, ob ich sein bin. Wenn nicht JHWH das Haus baut, mhen sich umsonst, die daran bauen. Damit war wohl der Tempel gemeint (Ps 127,1). Stimmt aber fr jedes Haus, denke ich und schlafe wundervoll.

    Matthias Krieg

    Kolumne / Wers glaubt

    Leserbrief / Gehorsam statt partnerschaftlich?

    Leserbrief zu Verfgung statt Arbeitsvertragnotabene 2/12 Vertrge werden von Partnern gegensei-tig abgeschlossen. Verfgungen werden von einer Amtsstelle einseitig erlassen. Der Ersatz der Arbeitsvertrge durch Verfgungen (vorgesehen im neuen Per-sonalrecht, Anmerk. der Red.) ist in mei-nen Augen eine ganz schlimme Begriffs-wahl, die Machtausbung und Anspruch auf Gehorsam ausdrckt. Das ist ein

    Rckfall ins vorreformatorische Mittel-alter! Es ist fr mich unverstndlich, dass der einfache, klare, allseits ver-stndliche Begriff Arbeitsvertrag ohne Not im Kbel der Vergangenheit versenkt wird. Und ich wnsche mir, dass die Landeskirche wieder zu part-nerschaftlichen Vertrgen zurckfindet.Felix Geering, Illnau

    Im Juni schaut ganz Europa Richtung Osten. Die Fussball-Europameister-schaft (vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine) verknpfen viele Men-schen in den osteuropischen Gastge-berlnder mit der Hoffnung auf ein bes-seres Leben. Wie viel sie vom Grossanlass profitieren, ist fraglich. In der Ukraine knnen die Menschen aber mit Sicher-heit auf den Einsatz des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen in der Schweiz zhlen: HEKS hilft in Zusammenarbeit mit der ungarisch-reformierten Kirche Transkarpatiens in der Region direkt an der Grenze zu Ungarn. Dort leben 30

    Prozent der Menschen unter dem Exis-tenzminimum. 60 Prozent sind arbeits-los. Mittellose ltere Menschen erhalten durch das Hilfsprogramm tglich eine warme Mahlzeit und werden betreut. 2600 Kinder und Jugendliche knnen je-des Jahr im Sommer an einem Ferienla-ger teilnehmen. Spenden sind willkom-men:

    www.heks.ch. Spendenkonto 80-1115-1

    Projektnummer: 951.308 (Ukraine).

    Kontakt: Matthias Herren, Beauftragter

    Kirchliche Zusammenarbeit:

    [email protected]

    Fussball-EM / Fussball lsst Ukraine hoffen HEKS hilft

    Fussballeuphorie im EM-Gastgeberland Ukraine: Werden die Hoffnungen der Menschen erfllt?

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  • notabene 5 / 20126

    An der Sitzung der Kirchensynode vom 12. Juni legt der Kirchenrat die Plne vor, wie sich die Landeskirche in den nchsten vier Jahren entwickeln soll. Le-gislaturziele nennt man das Instrument, mit dem die Kirchenleitung alle vier Jahre Grobziele und konkrete Massnah-men formuliert, die in den vier Hand-lungsfeldern erreicht werden sollen. Be-vor die Ziele der Zrcher Kirche fr die Zeit bis 2016 ausgesteckt werden, legt die Exekutive sinnvollerweise auch Re-chenschaft darber ab, was denn von der To-do-Liste von 2008 als erfllt ab-gehakt werden kann und was nicht.

    21 Mal Ziel erreicht

    Von den insgesamt 36 Massnahmen sind heute 21 erreicht. 15 taxiert der Kir-chenrat als nur teilweise erreicht. Der Prsident der Geschftsprfungskom-mission der Kirchensynode, Hans Peter Bachmann, wertet dieses Ergebnis als positiv (siehe Interview). Wichtig sei vor allem, dass man die Legislaturziele als langfristiges Planungsinstrument nutze und die Etappenziele laufend berprfe und anpasse. Der Unternehmensberater aus Hausen am Albis hlt sie auch fr die Kirche fr ein unverzichtbares Inst-rument zur Orientierung.

    berblickt man die Resultate in den einzelnen Handlungsfeldern, ergibt sich folgendes Bild: Im Handlungsfeld Ver-kndigung und Gottesdienst wurde eine Strkung der gottesdienstlichen Prsenz und die Frderung von Musik mit Ge-meindegesang und Popularmusik anvi-siert. Trotz beachtlicher Leistungsaus-weisen in diesem Bereich ist man noch nicht so weit wie vorgesehen: Dass sich

    Legislaturziele / Neue Plne und offene BaustellenZiel erreicht? Oder nicht? Der Kirchenrat legt Rechenschaft ab ber die vergangene Legislatur und prsentiert die Ziele fr 20122016. Ein berblick ber offene Baustellen, gelun-gene Projekte und neue Bauplne. Von Christian Schenk

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    die Kirchgemeinden ein Gottesdienst-konzept geben, ist nicht berall erfllt und wird deshalb in der nchsten Legis-latur weiterverfolgt. Die Kompetenzen der Kirchenmusikerinnen und Kirchen-musiker fr verschiedene Musikstile im Gottesdienst sind zwar in den vergange-nen vier Jahren ebenfalls erhht worden u. a. durch den Studiengang fr Kir-chenmusik, Jazz und Pop , gleichwohl wird auf dieser Baustelle noch weiterge-baut.

    Im Handlungsfeld Diakonie und Seel-sorge dominieren die Erfolgsmeldungen: Familienfreundliche Projekte in den Kirchgemeinden sind umgesetzt, das Thema Migration hat mit dem Zentrum fr Migrationskirchen sprbar an Be-deutung gewonnen, Spital- und Notfall-seelsorge haben sich in Organisation und Ausbildung weiterentwickelt und konsolidiert, und das Diakoniekonzept steht unmittelbar vor dem Abschluss.

    Vergleicht man die Zielsetzungen von 2008 mit dem heutigen Stand der Arbei-ten im Handlungsfeld Bildung und Spi-ritualitt, sind ebenfalls die meisten Plne umgesetzt. Das trifft auf das Reli-gionspdagogische Gesamtkonzept ebenso zu wie auf die Bildungsarbeit in Kappel, in der Erwachsenenbildung der Gemeinden und in den Vorarbeiten fr das Projekt einer Stadtakademie.

    Zwlf Etappenziele wollte der Kir-chenrat in Gemeindeaufbau und Lei-tung bis 2012 erreicht haben. Positiv ab-haken darf man die Volksabstimmung zur Kirchenordnung und die Etappen-ziele fr Finanz- und Personalverord-nung sowie fr den aktualisierten Inter-netauftritt und das Erscheinungsbild, das bereits in vielen Gemeinden umge-

  • notabene 5 / 2012 7

    setzt ist. Fr Hans Peter Bachmann sind es gerade diese Errungenschaften, die im Leistungsausweis der letzten Legislatur hervorstechen.

    Auch inhaltlich geht der Gemeindeauf-bau gestrkt aus der vergangenen Legis-latur hervor: Zwei Kirchenpflegetagun-gen befassten sich mit dem Themenkreis Verkndigung. Nachholbedarf ortet der Kirchenrat unter anderem bei der Um-setzung des Modells der Gemeindelei-tung und bei der Erstellung eines Inven-tars kirchlicher Liegenschaften.

    Freiheit und Initiative ergreifen

    Und wo setzt der Kirchenrat nun die Prioritten fr die nchsten vier Jahre? Unter dem Titel Freiheit ergreifen Hoffnung erfahren stehen die Legisla-turziele bis 2016. Freiheit, das sei ein Zuspruch Gottes, sagt Kirchenratsprsi-dent Michel Mller im Vorwort. Und aus dieser leite sich ein Ruf, eine Auf-gabe ab: Wir werden frei fr einen be-ziehungsvollen Umgang mit anderen, mit uns, mit der Schpfung, mit dem Schpfer.

    Wie diese Aufgaben in den nchsten vier Jahren konkret angepackt werden sollen, das beschreiben wieder je drei Grobziele in den vier Handlungsfeldern, die in insgesamt 33 Massnahmen kon-kretisiert werden. Vielfach knpft man dabei an die Themen der vergangenen Legislatur an und geht beispielsweise bei der Umsetzung des Religionspda-gogischen Gesamtkonzepts in Phase drei kontinuierlich weiter. Konkrete Ausstrahlungskraft soll im Bereich der Bildung bis 2016 das Projekt Stadtaka-demie entfalten. Im Gemeindeaufbau stechen der Wunsch nach Wachstum he-raus und das Bestreben, neue Milieus zu erschliessen. Starke Akzente findet man auch im Handlungsfeld Diakonie und Seelsorge. Die Kirchgemeinden sind ein-geladen, ihr diakonisches Profil zu ber-prfen und zu schrfen. Anleitung gibt ihnen dabei das neue Diakoniekonzept der Landeskirche. Letzteres verweist in seiner theologischen Grundlegung auf Abendmahl und Mahlgemeinschaft als Urmodell der Diakonie (Vergleiche In-terview Seite 8). Folgerichtig soll das Abendmahl auch in der Gottesdienstge-

    staltung knftig noch mehr Gewicht er-halten.

    Dass die theologischen Grundstze den unternehmerischen Akzenten in den Legislaturzielen der Landeskirche grundstzlich bergeordnet sind, wertet GPK-Prsident Bachmann als positiv. Und er begrsst, dass man ein vermehr-tes Miteinander der Landeskirche und der Kirchgemeinden anvisiert. Ob man dieses Ziel in vier Jahren bereits als er-fllt abhaken kann, wird sich weisen.

    Die Legislaturziele werden Anfang Juni verffentlicht und den Syno-dalen, den Behrden, der Pfarr-schaft und Teilen der Mitarbeiter-schaft zugestellt. Weitere Bestellungen: Ev.-ref. Landeskirche, Kommuni-kation, Blau fahnenstrasse 10, Zrich. [email protected], Download: www.zh.ref.ch/legislaturziele

    Wie Kompass und Karte

    Was bringen Legislaturziele? Und wie

    geht die Kirche mit dem Planungsinstru-

    ment um? Hans Peter Bachmann, Unter-

    nehmensberater

    und Prsident

    der Geschfts-

    prfungskom-

    mission der Kir-

    chensynode,

    ordnet ein.

    21 von 36 Etappenzielen der

    Legislatur erreicht. Ist das ein guter

    Wert?

    Das Ergebnis darf als Momentauf-nahme durchaus als positiv beurteilt werden. Der Schwerpunkt der Gewich-tung liegt aber primr bei den Etappen-zielen. Legislaturziele sind nicht in Stein gemeisselt. Im Sinne eines langfristigen Planungs- und Steuerungsinstrumentes sollten sie als Leitlinie dienen und auf-grund der aktuellen Gegebenheiten peri-odisch z. B. nach Jahresabschluss und vor Budgetplanung als kontinuierlicher Prozess stndig berprft und ange-passt werden.

    Was sind aus Ihrer persnlichen

    Sicht die wichtigsten Meilensteine,

    die man in der vergangenen

    Legislatur setzen konnte?

    Je nach Blickwinkel haben alle Zielfelder im Rahmen des Machbaren und Zumut-baren einen gewissen Stellenwert er-reicht. Persnlich wrde ich die Volks-abstimmung zur Kirchenordnung und all die Folgeverordnungen z. B. zu Perso-nal und Finanzen als grossen und gelun-genen Wurf bezeichnen. Aber auch alles was mit Corporate zusammenhngt und zur Strkung der Institution Kirche beitrgt, wie gemeinsame Identitt und Ausrichtung, gemeinsames Erschei-nungsbild, gemeinsames Zusammenwir-ken.

    Jetzt legt der Kirchenrat die Ziele

    vor fr die nchsten vier Jahre. Sind

    sie gengend herausfordernd und

    gleichwohl realistisch gesetzt?

    Fr Herausforderungen ist zur Genge gesorgt. Der Realittsbezug ist sowohl durch die Zielsetzung vorsichtig bis ambitioniert wie durch den Zeitzyklus je lnger desto realittsferner ge-prgt. Eine richtige Nutzung des Instru-mentes mit dem Ableiten der Legislatur-ziele in Jahres- und Budgetziele, einer jhrlichen Erfolgskontrolle und Korrek-tur der langfristigen Zielsetzungen fr-dert die Realittsnhe.

    Auch auf Bundesebene debattierte

    man Anfang Mai die Legislaturziele

    mit einer ziemlichen Unlust. Fr

    wie sinnvoll halten Sie die Arbeit mit

    Legislaturzielen fr die Kirche

    generell?

    Es ist wohl weniger das Instrument an sich als der Zeitraum von vier Jahren, der in unserer schnelllebigen Zeit kriti-siert wird. Was heute opportun ist, ist morgen bereits berholt. Wurden frher noch strategische Planziele ber 10 bis 20 Jahre erstellt, sind es heute in der Re-gel noch drei Jahre. In gewissen Bran-chen werden die Langzeitplanungen im Zyklus der Geschftsabschlsse quar-talsweise, sptestens aber jhrlich ber-prft. Daher ist dieses Steuerungsinstru-ment auch fr die Kirche unverzichtbar. Etwa zu vergleichen mit Kompass und Karte fr den Orientierungslufer.

  • notabene 5 / 20128

    Frieder Furler zum Diakoniekonzept / Kirche ist mehr als ein KultvereinBei der Diakonie geht es darum, nahe bei den Menschen zu sein, und nicht nahe bei den Menschen in der Kirchenbank, sagt Frieder Furler. Der Leiter der Abteilungen Diakonie und Katechetik, Autor des Diakoniekonzeptes der Landeskirche, ber das Helfen aus christlicher Motivation, den Kompass beim sozialen Handeln und den Wunsch nach einem Hand in Hand von Sozialdiakonat und Pfarrschaft. Interview: Christian Schenk

    Frieder Furler, was heisst fr Sie

    Diakonie?

    Diakonie heisst: soziales Handeln im Kontext der Kirche. Diakonie kommt zum Menschen, der Hilfe braucht. Dia-konie ist kirchlich und Kirche ist dia-konisch. Ohne Diakonie gibt es keine Kirche.

    Was halten Sie von der Idee, dass

    Diakonie nicht kirchlich begrndet

    sein muss, dass helfen eine

    anthropologische Konstante, etwas

    allgemein Menschliches ist?

    Helfen geschieht immer konkret. Es hilft nicht der Anthropos, sondern Hans oder Miriam, der Christ oder die Bud-dhistin. Helfendes Handeln kann man nicht vom kulturellen oder persnlichen Kontext lsen. So helfen wir eben als Christinnen und Christen, und das dr-fen wir auch sagen. Die Kirche wre un-klug, wenn sie nicht zu einem ihrer Mar-kenzeichen, der Diakonie, stehen wrde. Die Diakonie mit ihrer zweitausendjh-rigen Geschichte ist eine spezifische Ei-genheit christlicher Kirchen. Spezifisch ist aber nicht zu verwechseln mit exklu-siv oder absolut. Das Christentum hat weder die Nchstenliebe noch das hel-

    fende Handeln erfunden oder fr sich gepachtet. Hier liegt wohl das Motiv dafr, die Diakonie allgemein mensch-lich begrnden zu wollen.

    Wem soll dieses soziale Handeln der

    Kirche zu Gute kommen? Wie hilft

    das Diakoniekonzept den Gemeinden

    zur Beantwortung dieser Frage?

    Das Konzept soll ein Stck Orientie-rung geben, ein Stck Fokussierung und ein Stck Identittsbildung fr Akteu-rinnen und Akteure der Diakonie. Die diakonische Zwlffeldertafel (siehe Gra-fik Seite 11) ist ein Kompass auf diesem Weg. Es sind die Gemeinden, die fr sich definieren, welche der drei Kulturen sie als Leitlinie fr ihr diakonisches Arbei-ten bestimmen, welche Zielgruppen sie ins Auge fassen, wie viel Engagement sie lokal und weltweit aufbringen. Sie geben

    Brot und Wein teilen das Urmodell der Diakonie: Frieder Furler legt dem Diakonie-konzept die Mahlgemeinschaft und das Abendmahl zu Grunde.

  • notabene 5 / 2012 9

    ihrer Diakonie ein prgnantes Profil und bercksichtigen dabei ihre Situation und deren Strken und Schwchen.

    Geht es uns hier nicht so gut, dass

    Diakonie vor allem ber die

    Landesgrenze hinaus gefragt wre?

    Armut ist auch bei uns eine Realitt. Denken Sie an Familien mit alleinerzie-henden Mttern oder Vtern oder an Working Poor-Haushalte. Armut gibt es in einem globalisierten Zeitalter nicht nur in der so genannten Dritten Welt. Lokales und Globales gehren in der Diakonie seit jeher zusammen. In einer globalen Welt ist Fernstenliebe auch Nchstenliebe.

    Bemngelt wurde am Konzept, dass

    es bei der Fokussierung auf

    Familien, Jugend und Alte wenig

    bei Gott, nahe bei den Menschen, das soll handlungsleitend sein.

    Sie bezeichnen Pfarramt und

    Sozialdiakonat als

    Schlsselprofessionen der Diakonie.

    Inwiefern hilft das Konzept, die

    Einsatzfelder abzustecken?

    Es geht auf der Ebene des Konzepts nicht um die konkreten Unterscheidun-gen im Stellenprofil, sondern um einen Mentalittswandel: Beide Berufsgrup-pen leisten einen diakonischen Dienst. Sie sollen sich auf Augenhhe gegen-berstehen drfen.

    Aber eine Definition der

    Aufgabenbereiche braucht es fr

    eine funktionierende Kooperation

    Klar, es braucht Leitplanken fr die Aufgabenteilung. Das Soziadiakonat eignet sich, die Leitung der Freiwilligen-arbeit als Element der Gemeindeent-wicklung zu bernehmen. Die Pfarr-schaft eignet sich, die theologische

    Wer leistet wie viel? Diakonisches Handeln im Pfarramt und im Sozialdiakonat

    Augenmerk auf die Zielgruppe der

    alleinstehenden Erwachsenen

    richtet?

    Es geht nicht in erster Linie um Alters-segmente. Das Konzept ist in dieser Hinsicht strategisch zu verstehen. Es zeigt auf, wo wir fr viele relativ einfach, niederschwellig und direkt etwas bewir-ken knnen. Alleinstehende sind schwie-riger zu erreichen, weil wir sie als solche nicht direkt anzusprechen vermgen. Bei Familie gehen wir brigens von einer sehr weiten Definition aus: Es handelt sich um Personen aus unterschiedlichen Generationen, die in einer verbindlichen und verantwortlichen Beziehung zuein-ander leben.

    In Mnchaltorf hat krzlich eine

    Sozialdiakonin zum Bierbraukurs

    geladen, um unter anderem diese

    Zielgruppe zu erreichen. Was halten

    Sie von solchen Experimenten?

    Da wrde ich mich auch anmelden. Solch kreative Anstze sind gut. Nahe

    Foto: Shutterstock

  • notabene 5 / 201210

    Gestaltung des Gemeindewachstums anzuleiten. Wichtiger als Abgrenzungen zwischen beiden Berufsgruppen ist eine gemeinsame Vorstellung darber, was die Gemeindediakonie soll. Zuerst

    kommt die Strategie. Dann kommen die Funktionen und Strukturen.

    Sie streichen die berschneidung

    der Berufe und der Handlungsfelder

    heraus. Der Staat hingegen will es

    genau umgekehrt. Er zwingt die

    Kirchen dazu, Spirituelles und

    Nichtkultisches sauber zu trennen.

    Die Unterscheidung kommt von aussen und ist uns zunchst fremd. Der Gottes-dienst hat fr Christinnen und Christen eine zentrale Stellung. Hat sich in der Menschheitsgeschichte die Kultur nicht aus dem Kult entwickelt? Aber es gibt auch eine Kritik des Kults, schon bei den Propheten, bei Jesus, in der Refor-mationszeit. Und heute ist es wichtig, dass wir in dieser Tradition der Zivilge-sellschaft zeigen, dass die Kirche mehr als ein Kultverein ist. Kirche hat einen Auftrag im weltlichen Alltag des prakti-

    schen Lebens. In dieser Hinsicht ist die Frage nach den nichtkultischen Leistun-gen eine Herausforderung fr die Kir-che. Um es einmal provokativ zuzuspit-zen: Bei der Diakonie geht es darum,

    nahe bei den Menschen zu sein, und nicht nahe bei den Menschen in der Kirchen-bank. Nur wer fr die Ju-den schreit, darf gregoria-nisch singen, hat Bonhoeffer gesagt. Die kulti-sche Sammlung steht im Dienst der diakonischen Sendung. Deren Frchte

    drfen sich sehen lassen, Diakonie: das sind die sichtbaren Zeichen der solidari-schen Kirche.

    Trotzdem: Nervt das nicht, dass die

    Kirche gezwungen ist, ihre

    Handlungen knstlich in kultisch

    und nichtkultisch auszuweisen und

    damit Bereiche trennen muss, die

    voneinander leben?

    Ja, beides gehrt zusammen. Selbst Dia-konie ist nicht einfach nichtkultisch. Di-akonie geschieht aus evangelischen Wur-zeln. Das ist ihre spirituelle oder kultische Dimension. Und sie geschieht mit der Kraft der Solidaritt im nicht-kultischen Alltag. Und trotzdem: Der Ausweis der nichtkultischen Leistungen bietet die Chance fr eine Bestandsauf-nahme, kritische berprfung und Wei-terentwicklung der Praxis, speziell des diakonischen Handelns der Kirche.

    Nun stellen Sie aber gerade im

    Diakoniekonzept das Abendmahl als

    Grundlage des diakonischen

    Handelns dar wenn das nicht ein

    kultischer Anknpfungspunkt ist

    Eben nicht. Ich gehe nicht primr vom Abendmahl aus, sondern von der Mahl-gemeinschaft, die Jesus mit seinen Jn-gern und mit verschiedenen Leuten im Alltag gelebt hat. Das ist sozusagen das Prkultische des Abendmahls. Das Abendmahl ist der symbolische Nieder-schlag dessen, was im realen Alltag pas-siert ist. Die Mahlgemeinschaft ist an sich nicht kultisch. Damit wren wir im Grunde ganz nahe bei Zwinglis Abend-mahlsverstndnis.

    Als theologisches Fundament fr

    Diakonie htte man vielleicht den

    Klassiker, den barmherzigen

    Samariter, erwartet. Das Gleichnis

    kommt im Konzept zwar auch vor,

    aber nicht so prominent wie die

    Mahlgemeinschaft. Warum?

    Diakonie, das ist fr mich stark mit ho-rizontaler Solidaritt verbunden, und die wiederum gehrt zum Abendmahl oder eben zur Mahlgemeinschaft. Der gewhlte Ansatz hat auch den Vorteil, dass er zweigleisig ist, nichtkultisch-all-tglich und kultisch-gottesdienstlich. Damit bezieht er sich auch auf beide Be-rufe, Pfarramt und Diakonat. Vom Abendmahl her lassen sich auch die drei diakonischen Leitkulturen des Konzepts gut darstellen: Zur Kultur der Wert-schtzung passt die Eucharistie, was Danksagung heisst. Zur Kultur der Gestaltung passt das Sakrament der Wandlung, nicht der Verwandlung von Brot und Wein, sondern der Verwand-lung des Herzens der Menschen und der gesellschaftlichen Verhltnisse. Zur Kul-tur der Gastlichkeit passt das Abend-mahl als Gastmahl.

    Wenn das Abendmahl so zentral ist

    fr die Diakonie, warum drfen es

    dann die Sozialdiakone und

    Sozialdiakoninnen nicht austeilen?

    Man sollte jetzt nicht vorpreschen, auch wenn es sich lohnt, darber nachzuden-ken. Es geht zunchst um eine Neuaus-richtung und Begrndung des diakoni-schen Bewusstseins und um eine

    Sozialdiakonat und Pfarramt sollen sich auf Augenhhe gegenberstehen.

    Wer tut was? Kooperation zwischen den Schlsselprofessionen ist gefragt

  • notabene 5 / 2012 11

    Kooperation der beiden Berufsgruppen. Aber die Frage wird zu Recht gestellt. Wird die Zrcher Kirche hier in Zukunft etwas Mutiges wagen?

    Einerseits erhoffen sich viele

    Sozialdiakone vom Konzept

    Verbindlichkeit und Legitimation,

    andererseits sagte Kirchenrat

    Bernhard Egg neulich, das Konzept

    sei keine mosaische Gesetzestafel.

    Wie verbindlich ist es tatschlich?

    Das Konzept wird wirksam, indem wir es mit den Legislaturzielen des Kirchen-rats 20122016 koppeln. Das gibt Ver-bindlichkeit. Dann ist Diakonie auch Thema der Kirchenpflegetagungen in Kappel 2013, und ein halbes Jahr spter wird erstmals eine Sozialdiakonatskon-ferenz ins Leben gerufen, bei der alle 210 Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone der Landeskirche zusammenkommen. Die Agenda wird also diakonisch ver-dichtet, auch bei Pfarrschaft und Behr-denschulung. Und: Es wird berzeu-gungsarbeit brauchen. Das war auch vor acht Jahren der Fall bei der Umset-zung des rpg. Ngel mit Kpfen bei der Umsetzung des Diakoniekonzepts wer-den schliesslich die Gemeinden machen.

    Zrcher Diakoniekonzept Das Diakoniekonzept wird nach der Verabschiedung durch die Kir-chensynode im November verf-fentlicht. Das Thema Diakonie bil-det auch den Schwerpunkt an den Kappeler Kirchentagungen ab Ja-nuar 2013. Dort wird das Konzept verteilt und vertieft.

    Diakonie der kleine Unterschied

    Auch der Schweizerische Evange-lische Kirchenbund diskutiert der-zeit Stossrichtung und Profilierung der Diakonie: Die Delegierten der Diakoniekonferenz des SEK frag-ten an ihrem Treffen am 24. April in Bern nach dem Unterschied kirch-licher Diakonie gegenber skula-ren Anbietern. Doppelte berheb-lichkeit drohe bei dem Versuch, Diakonie als Helfen mit religisem Mehrwert zu betrachten, so Heinz Regger, wissenschaftlicher Mit-arbeiter vom Institut Neumnster in seinem Vortrag: Einmal eine re-alittsfremde berschtzung der christlichen Fhigkeit, sodann eine Abwertung der Hilfe-Fhigkeit von Menschen ohne christlichen Glau-ben. Bei diakonischen Trgern sei immer wieder das Bedrfnis fest-stellbar, das eigene soziale Han-deln als anders darzustellen als dasjenige von skularen Anbie-tern. Dies sei kritisch zu hinterfra-gen, so Regger. Eine andere Posi-tion vertrat Brigitte Arnold,

    Schwester der Kommunitt Diako-nissenhaus Riehen. Diakonisches Handeln sei nicht besser als sozia-les Engagement. Das Spezifikum diakonischen Handelns im Ver-gleich zu sozialem Handeln sei je-doch das Gegrndetsein in Chris-tus, betonte Arnold. Die Debatte wurde vor dem Hintergrund eines aktuellen Projektes gefhrt, mit dem der Kirchenbund die ver-schiedenen Gefsse im Bereich der Diakonie in der Schweiz analy-siert. Der Rat des Kirchenbundes ist beauftragt, der Abgeordneten-versammlung bis Ende 2013 Mass-nahmen zur verbesserten Bnde-lung, Koordination und Steuerung dieser Gefsse vorzulegen.www.sek-feps.ch

    Buchtipp

    Einen umfassenden Beitrag zur Debatte ber die theologische Be-grndung der Diakonie und deren kirchenhistorische Einbettung lie-fert auch das krzlich erschienene Buch von Heinz Regger und Christoph Sigrist. Die Autoren ge-hen von einer dezidiert schp-fungstheologischen Position aus. Helfendes Handeln gehrt aus ih-rer Sicht zum christlichen Glau-ben, ist aber nicht eine christliche Spezialitt.Heinz Regger, Christoph Sigrist: Diakonie eine Einfhrung. Zur theologischen Begrndung helfen-den Handelns. TVZ, 2011. 276 Seiten, Fr. 34.30.

    Die Zwlffeldertafel soll helfen, das diakonische

    Profil einer Gemeinde zu schrfen. Die Horizontale ist die Themen achse, die Vertikale beschreibt den

    biografischen Bezug. Die Kirchgemeinden legen

    bewusst einen Fokus auf bestimmte Kulturen und

    Felder.

    Was ist wo zu tun? Einsatzfelder des diakonischen Handelns auf der Zwlffeldertafel

  • 12 notabene 5 / 2012

    Themen und Termine

    Verkndigung & Gottesdienst

    Franzsische Orgelmusik fr den GottesdienstWeiterbildungsangebot fr Organistinnen und Organisten. Neben Konzertliteratur umfasst die franzsische Orgelmusik des 19. bis 21. Jahrhunderts auch einen reichen Fundus an einfacherer, im Gottes dienst bestens verwendbarer Musik. Leitung: Tobias Willi.20. September und 4. Oktober, 19 bis 22 Uhr. Kursort: Eglise rforme franaise, Zrich. Anmeldung: [email protected], Tel. 044 258 92 66

    Lets sing rise up!Gemeindesingtag. Lieder und Texte im rise up kennenler-nen, die Vielfalt an unterschied-lichen Formen und Stilen sin-gend erkunden. Leitung: Daniel Schmid.Auf Anfrage und gemss Abspra-che in der Kirchgemeinde. Anmeldung: [email protected]f.ch, Tel. 044 258 92 72

    Diakonie & Seelsorge

    Flchtlingssonntag 2012: Auf Augenhhe begegnenDer Tag des Flchtlings am 17. Juni gibt Flchtlingen und vor-lufig Aufgenommenen ein Gesicht. Er will einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile gegen-ber Flchtlingen abzubauen und Begegnungen auf Augen-hhe, von Mensch zu Mensch zu ermglichen. Deshalb setzt sich HEKS fr die soziale Integ-ration von Flchtlingen und MigrantInnen ein. Integration bedeutet, einen Schritt aufein-ander zuzugehen und Begeg-nungen mit Fremden zuzulas-sen. Dazu sind auch am Flchtlingssonntag vom 17.

    Juni alle aufgefordert, offen zu sein fr Begegnungen auf Augenhhe, die fr beide Sei-ten neue Perspektiven erffnen knnen. Zur Untersttzung von Kirchgemeinden und Pfarrm-tern stellt HEKS auch dieses Jahr eine breite Palette von Materialien zur Verfgung: Pla-kate, Predigtbausteine, Kollek-tenansagen, Karten, Projektre-portagen und vieles mehr. Infos und Downloads auf: www.heks.ch/fluechtlingssonntag

    Ein Chor aus Tansania auf Tournee in der SchweizVom 26. Mai bis 22. Juni. Alle Konzertdaten auf:www.zh.ref.ch/hujambo

    Partizipation in der Altersarbeit Theorie und Praxis der partizi-pativen Arbeit mit Seniorinnen und Senioren. Leitung: Walter Lssi, Urs Abt, Lilian Straub.5. Juli, 8.15 bis 17 Uhr. Hirschen-graben 7, Zrich. Anmeldung: [email protected], Tel. 044 258 92 56

    Altersarbeit neu denken und planen Reflektieren der Angebote in der Altersarbeit vor dem Hinter-grund sich wandelnder Bedrf-nisse und einer lter werdenden Bevlkerung. In diesem dreitei-ligen Kurs werden Behrden-mitglieder und Mitarbeitende bei der Weiterentwicklung der

    Altersarbeit in der Kirchge-meinde angeleitet und begleitet und in die neue Planungshilfe Alter eingefhrt. Leitung: Vreni Burkhard.4., 18. Und 25. September. Hirschengraben 50. Zrich. Anmeldung: [email protected] Tel. 044 258 92 88.

    Bildung & Spiritualitt

    ffentliche Kirche Kirche im ffentlichen RaumDas Zentrum fr Kirchenent-wicklung ZKE ldt ein zu einer ffentlichen Tagung ber die Zukunft von Rolle und Funktion der Kirche im ffentlichen oder gesellschaftlichen Raum. Die Tagung ist kontrovers angelegt und will einen Beitrag zur Mei-nungsbildung fr die knftige Verhltnisbestimmung von Staat und Kirche leisten. Es referieren und diskutieren: Bernhard Egg, Kantonsratspr-sident, Zrich; Gottfried Locher, Prsident SEK; Wilhelm Grb, Professor fr Praktische Theo-logie, Berlin; Christina Aus der Au, Geschftsfhrerin ZKE; Pierre Bhler, Professor fr Systematik, Zrich; Benno Schnriger, Synodalratsprsi-dent der rm.-kath. Krper-schaft, Zrich; Martin Grichting,

    Bischofsvikar, Chur; Michel Mller, Kirchenratsprsident, Zrich; Thomas Schlag, Profes-sor fr Praktische Theologie, Zrich; Ralph Kunz, Professor fr Praktische Theologie Zrich; Pfr. Hans Strub, Leitung ZKE; sowie Vertreter und Vertreterin-nen von politischen Parteien im Kanton Zrich. Moderation: Brigitta Rotach.22. und 23. Juni. Theologische Fakultt, Kirchgasse 9, Zrich. Infos und Anmeldung: [email protected] www.theologie.uzh.ch/fae-cher/praktisch/kirchenentwick-lung

    Frauentreff am LindentorBei den Grabrubern im Tal der Knige: Francine Marie David erzhlt und liest aus ihrem Buch ber ihre Zeit mit der Grabruberdynastie der Abdel-Rassuls in Luxor. Fr. 15..27. Juni, 14.30 bis 16.15 Uhr. Hirschengraben 7, Zrich

    Gesprchsnachmittag fr verwitwete FrauenTrume, die nie mehr wahr werden. Auf der einen Seite sind die Trume, die sich nicht mehr erfllen werden. Auf der anderen Seite drfen zarte, neue Trume zu wachsen beginnen. Fr 20.. (Gesprche, Kaffee und Kuchen).28. Juni, 14 bis 17 Uhr. Brahms-strasse 32, Zrich

    Zmorge-Treff fr Frauen Die Lust am Feilschen und Palavern. Referentin: Katha-rina Morello, Theologin, Journa-listin und Autorin. Frhstck und Referat Fr. 20..30. Juni, 9 bis 11 Uhr. Hotel Krone, Marktgasse 49, Winterthur

    Das kleine Einmaleins der KonfirmationsarbeitGut vorbereitet und sicher in die Konfirmationsarbeit starten: Jahresplanung und Zielsetzung, Methodenvielfalt und Trends, Gottesdienste und Punktesys-tem, Elternarbeit, vom Mail bis zum Hausbesuch, Strungen, Disziplin und Belohnungen. Lei-tung: Barbara Schleuniger.3. und 10. Juli, 8.30 bis 13 Uhr.Hirschengraben 50, Zrich Anmeldung: [email protected], Tel. 044 258 92 36

  • 13notabene 5 / 2012

    Interreligise Reisen Unter dem Label interreligis reisen haben sich verschie-dene Organisationen in der Schweiz zusammengeschlos-sen, um Reisen mit interkultu-rellen und interreligisen The-matiken im In- und Ausland anzubieten. Fester Bestandteil der Reisen sind immer auch Begegnungen: mit Persnlich-keiten des religisen, kulturellen oder politischen Lebens, mit Gruppierungen, die auf interkul-turell-interreligisem Gebiet Entscheidendes leisten. Zu den Trgern von interreligis rei-sen gehren unter anderen das Haus der Religionen (Bern), die Interreligise Arbeitsge-meinschaft in der Schweiz IRAS COTIS, die Paulus-Akademie Zrich und das Zrcher Lehr-haus. In der zweiten Jahres-hlfte stehen Destinationen wie Weissrussland, Polen, Andalu-sien oder Kuba auf dem Pro-gramm.Alle Infos: www.ir-reisen.ch

    Hermeneutik der TranszendenzTagung des Instituts fr Herme-neutik und Religionsphiloso-phie. Sptestens seit Platon ist die Transzendenz ein zentrales Thema der westlichen Philoso-phie, und in den letzten Jahren ist sie in neuer Weise zu einer breit thematisierten Fragestel-lung geworden. Dabei zeigt sich, dass Transzendenz an verschiedenen Orten und auf unterschiedliche Weisen zum Thema werden kann. Nicht jede Form von Transzendenz ist von vornherein religis oder theolo-gisch zu verstehen, sondern zu unterscheiden sind zumindest ontologische, gttliche, erkenntnistheoretische, subjek-tive und ethische Formen der Transzendenz. Die Tagung ist

    In 7 Stunden zur eigenen Kirchgemeinde-WebsiteDie Teilnehmenden lernen, wie sie eine eigene Website mit ZMS fr ihre Kirchgemeinde erstellen und danach selbstn-dig pflegen. Leitung: Barbara Roth. 7. Juli, 9 bis 16 Uhr. Technopark-strasse 1, Zrich. Anmeldung: Nicole Abegg, Tel. 044 258 91 40

    Kloster Kappel

    Ich lebe alleine und erfllt!? Fr Mnner und Frauen ohne Partner auf der Suche nach Lebensflle. C. Epprecht. 15. bis 17. Juni

    Es muss im Leben doch mehr als alles gebenEinfhrung in die Kontempla-tion. A. Eglin.15. bis 17. Juni

    Das Buch Rut(h) mit Kopf, Herz und HandPlastisches Gestalten fr Anfnger und Fortgeschrittene. E. Ehrismann.22. bis 24. Juni

    Bibel fr HemmungsloseBekannte und unbekannte Texte durch neue Brillen gele-sen. A. Wffler / E. Wyss-Jenny.23. bis 24. Juni

    KlosterNacht JohannisnachtIn der krzesten Nacht unter-wegs zum lngsten Tag. Eine Pilgersternwanderung zum Kloster Kappel organisiert von den reformierten Kirchgemein-den Oberrieden, Kappel am Albis, Affoltern am Albis und Zug, sowie dem Pilgerzentrum St. Jakob und vom Kloster Kappel. Wir feiern die Johan-nisnacht u.a. mit einem Johan-nisfeuer vor dem Kloster Kap-pel um 4 Uhr und einer anschliessenden Liturgischen Feier in der Klosterkirche.Startpunkte: Zrich-Aussersihl / Neumnster / Zug / Affoltern am Albis (Detailflyer erhltlich)23./24. Juni

    Ars moriendiVon der Kunst, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinan-

    derzusetzen. H. Regger.29. Juni bis 1. Juli

    PapierschpfenEin sinnlich-meditatives Ver-gngen. K. Bringolf.29. Juni bis 1. Juli

    Tai Ji verbunden mit dem LebenMeditation in Bewegung. Ch. Endress. 6. bis 8. Juli

    Atmen macht SinnEin Wochenende fr leibbezo-gene, spirituelle Erfahrungen. R. Rufer. 6. bis 8. Juli

    Die Kraft erleben im Blhen und StrahlenDa sein, leuchten, Herzenskraft. S. Poulsen.6. bis 8. Juli

    Heilung und Erholung Tage zum AuftankenAusspannen fr Krper, Seele und Geist. V. Schaer / M. Weiss. 10. bis 15. Juli

    Auskunft/Anmeldung:Tel. 044 764 88 10www.klosterkappel.ch

    Kappeler KlostertageOra et laboraDie Klostertage des Teams Freundeskreis Kloster Kappel bieten eine Struktur, die Halt gibt, um die eigene Spiritualitt zu pflegen. Im Alltag auch im Betrieb der Kirchgemeinde verlieren wir oft den Kontakt zur Quelle unserer Spiritualitt. Geistliches Leben muss man ben Gott, uns und unseren Nchsten zuliebe! Die Auszeit

    fr alle Interessierten kostenlos zugnglich.14. bis 16. Juni. Kirchgasse 9, Zrich, Raum 200. Anmeldung: [email protected]/uzh.ch

    Feste feiernDas Zrcher Forum der Religi-onen gibt Einblicke in religise Feiertage von Hindus, Buddhis-ten, Juden, Christen, Muslimen.

    12. Juli: Juden gedenken der Zerstrung des Jerusalemer Tempels. 24. August: Christkatholiken feiern den Gedenktag des Heili-gen Augustinus. 24. November: 10. Tag im Muharram, erster Monat des islamischen Kalenders. www.forum-der-religionen.ch So gelingt KommunikationAufarbeitung von emotionalen Verletzungen in Partnerschaf-ten. Ein Fortbildungstag mit Dr. Markus Fischer, Facharzt Psy-chiatrie. Organisation: Paarbe-ratung im Kanton Zrich.12. Juli, 9 bis 17 Uhr. Hirschen-graben 50, Zrich. Anmeldung: Tel. 044 258 92 88, [email protected]

    Ausbildung Eltern-Kind-Sing-Leiter/in Die Kurs-Teilnehmenden wer-den befhigt, Eltern-Kind-Sin-gen durchzufhren. Folgende Bausteine werden erarbeitet: Methodik, Didaktik, Gruppen-dynamik, Entwicklungspsycho-logie, Singleitung, liturgisches Verstndnis, Rituale. Leitung: Andreas Manig, Marianne Barth. Start ab 31. August. Hirschengra-ben 50, Zrich. Anmeldung: [email protected], Tel. 044 258 92 66.

    Gemeindeaufbau & Leitung

    Unsere Botschaften und Werte vermittelnWie bringen wir unsere Inhalte an die ffentlichkeit? Leitung: Stefan Grotefeld.26. Juni, 17.30 bis 20.30 Uhr. Hir-schengraben 50, Zrich. Anmel-dung: [email protected], Tel. 044 258 92 66

  • 14 notabene 5 / 2012

    im Kloster soll dazu dienen. Die Klostertage werden strukturiert durch die Tagzeitengebete, bib-lische Impulse, Singen und Ate-liers. 6. bis 9. Juli, Freitag, 11.15 Uhr, bis Montag, 17 Uhr. Anmeldung: Tel. 044 764 88 30. Infos: www.kappelerfreundeskreis.ch

    Von und fr Gemeinden

    Seelsorge sichtbar machenMit einem Flyer macht das Seelsorgeteam der Kirchge-meinde Pfffikon auf ein wichti-ges Angebote aufmerksam, das sonst meist unsichtbar bleibt: die Seelsorge. Die Karte im A5-Format ruft in Erinnerung, dass das Pfarrteam fr alle Menschen da ist, die Hilfe suchen, bei Konflikten, bei

    Krankheiten und Lebenskrisen. Der Flyer mit einer Auflage von ber 6000 Stck wurde allen Haushalten in Pfffikon zuge-stellt. Infos: www.refkirchepfaeffikon.ch

    kumenisches JohannisfestUnter dem Titel Wendezeit kosmisch, gesellschaftlich, kirchlich ldt die kumenische Tischgemeinschaft Symbolon in der Lazariterkirche Gfenn bei Dbendorf zum Mittsommerfest ein. Auf dem traditionellen Rundweg mit vier Stationen regen die Referentinnen und Referenten zum Nachdenken und Austauschen an, gefolgt von einer kumenischen Litur-gie und abgerundet beim Tei-let der mitgebrachten Speisen im regen Austausch unter den Teilnehmenden am Johannis-feuer um die Kirche. Zu Gast ist die mit dem Herbert Haag-Preis

    2012 gewrdigte katholische Gemeindeleiterin und ehemali-gen Wort-zum-Sonntag-Spre-cherin Monika Schmid und der mehrfach ausgezeichnete Unternehmer und ETH-Prof. Dr. Anton Gunzinger.23. Juni, 17 bis 22 Uhr. Romani-sche Lazariterkirche Gfenn/Dbendorf. Infos: www.tisch-symbol.ch

    Stellenmarkt

    Vakante PfarrstellenAltikon-Thalheim 1.08.13Buch am Irchel, 70% 1.08.09Dorf, 70% 1.09.11 Ellikon an der Thur, 70% 1.05.11Fehraltorf, 50%, EPS* 1.05.11Fehraltorf 1.09.11Greifensee 1.07.12Greifensee, 30%, EPS 1.07.12 Herrliberg 1.10.12Hombrechtikon 1.07.10Horgen 1.07.12Kyburg, 60% 1.07.12 Mnchaltorf 1.09.11Ottenbach 1.10.12Regensdorf 1.10.10Rheinau, 70% 1.07.12Rmlang 1.03.12Rmlang, 30%, EPS 1.07.12Seuzach 1.09.11Stfa 1.10.12Turbenthal 1.07.12Wallisellen, 50%, EPS 1.03.11Winterthur Seen, 50%, EPS 1.08.12Zrich Balgrist 1.07.12 Zrich Industriequartier, 1.09.1150%, EPSZrich Industriequartier 1.09.11 Zrich Oerlikon 1.08.12

    *Ergnzungspfarrstelle

    Offene Stellen in den Gesamt-kirchlichen Diensten und den Kirchgemeinden finden Sie auf: www.zh.ref.ch/stellen

    Berhmt und berchtigt

    sch. Die Portokasse musste bei diesem Mann reichlich dotiert gewesen sein: Johann Caspar Lavater stand mit der halben Welt seiner Zeit in Briefkontakt, mit Goethe, Wieland und Her-der. Mit Rousseau und Pesta-lozzi, mit der russischen Zarin und dem sterreichischen Kai-ser. Der Zrcher Pfarrer der Sturm-und-Drang-Zeit schrieb sich als Poet und Theologe fast schon zum literarischen Pop-star des 18. Jahrhunderts empor. Aufsehen und Abscheu erregte er zu seiner Zeit und mehr noch in der Nachwelt mit seiner Physiognomik. Ueli Gre-minger, Nachfolger Lavaters im Pfarramt am St. Peter in Zrich, hat das Phnomen Lavater neu entdeckt und bringt die schil-lernde Persnlichkeit mit einer packenden Auswahl an Texten, biografischen Stationen und bildnerischen Zeugnissen neu und frisch ans Tageslicht.

    Ueli Greminger: Johann Caspar Lavater. Berhmt, berchtigt neu entdeckt. TVZ, 2012. 120 Sei-ten, Fr. 25..

    Verspieltes Paradies

    Schaupltze des neuen Romans von Gina Schibler, Pfarrerin in Erlenbach, sind zwei Drfer in den Walliser Alpen, die gegenstzlicher nicht sein knnten: Tourismus-Desti-nation Zermatt und Finisterre im vergessenen Nachbartal. Geht es nach den Wnschen findiger Investoren, soll knftig auch das Nachbartal mit dem Anschluss an den Tourismus beglckt werden. Eve, die Hauptperson der Geschichte, wirkt an beiden Orten als Seel-sorgerin. Ihr persnliches Schicksal verknpft sich unwei-gerlich mit weltumspannenden Themen wie kologie, Konsu-mismus und der Suche nach Nachhaltigkeit und Spiritualitt.

    Gina Schibler: Verspieltes Para-dies. C. F. Portmann-Verlag. Hardcover, 222 Seiten, Fr. 32..Die Autorin ist gern auch zu Lesungen bereit. Kontakt: [email protected]

  • notabene 5 / 2012 15

    Ein Duft nach Curry zieht um die Fab-rikhallen. Es geht gegen Mittag, und durch die verwinkelten Gassen im Werk 1 des Sulzerareals schlendern Men-schengrppchen aus Bros, Montagehal-len und neuen Lofts Richtung ehemali-ger Schweisswerkstatt. Dort entweicht der Lockstoff aus den Kochtpfen und weist den Hungrigen den Weg nicht zur Kantine sondern zur Kirche. Es ist das Team der fabrikkirche, das hier seit fnf Jahren tglich kocht und den Menschen im neu entstehenden Stadt-quartier das serviert, was sie hier vor-dringlich brauchen: gutes, gnstiges Es-sen und eine Atmosphre, in der sie sich in den Mittagsstunden zu Hause fhlen. 100 bis 150 Menschen nutzen das Ange-

    bot tglich, setzen sich an einen der lan-gen Tische, plaudern mit dem Brokol-legen, dem Mechaniker von nebenan oder dem Ingenieur, der in den umge-nutzten Industriebauten sein Bro ein-gerichtet hat. Junge Familien aus den benachbarten Wohnsiedlungen gesellen

    sich dazu und komplettieren die bunte Mahlgemeinschaft.

    Er gehe mehrmals wchentlich zur Kirche, sagt der Ingenieur nach dem Es-sen schmunzelnd, dabei sei Religion nun gar nicht sein Ding. Aber in der fabrik-kirche esse man gut. Und auch die Ein-richtung abgesehen von einem etwas kitschigen Bild findet er berzeugend. Das zwei Meter hohe Holzkreuz auf der Bhne neben den Esstischen scheint ihn nicht zu stren. Es ist eines der wenigen Zeichen, die darauf hinweisen, dass es hier nicht nur um das leibliche Wohl geht. Aber was heisst hier nur: Die Tischgemeinschaft, das sei fr ihn eines der wichtigsten Fundamente der Kirche, sagt Nik Gugger, Leiter der fabrikkir-

    che. Gugger gehrt zu den Pio-nieren, die die Jugendkirche in Winterthur 2003 aufgebaut und das Kirchenbistro vor fnf Jah-ren zum Laufen gebracht haben. Wir bringen die unterschied-lichsten Menschen zusammen.

    Und hier an diesen Tischen spricht man ber Gott und die Welt, sagt der Sozi-aldiakon und Kirchenunternehmer. Gottesdienst wird in der fabrikkirche auch gefeiert, daneben ldt man die Gste zu Themen- und Diskussions-abenden an der Wunderbar oder zur

    kreuz & quer

    Wo die Kirche ihre Zukunft kochtDer fabrikkirche in Winterthur droht die Abrissbirne. Lamentieren darber mag im Sozial- und Seelsorgeteam niemand. Dann erfindet man sich halt wieder einmal neu. So geht das in einer Kirche, die sich auch als Kche und als Zukunftsfabrik versteht. Von Christian Schenk

    musikalischen Besinnung am Montags-Blues.

    Die fabrikkirche, das sind heute neun Angestellte, angefhrt vom Ge-samtleiter Nik Gugger, der Pfarrerin Martina Hafner, der Gastroleiterin Es-ther Bosshard und dem Leiter des Bro-service Simon Bacsa-Koller. Das Team beschftigt und betreut Arbeitslose, Zi-vildienstleistende und Praktikanten. Mit dem Bistro und dem Broservice trgt sich die Institution mittlerweile zu ei-nem grossen Teil selbst. Trotzdem sei man auf Untersttzung angewiesen, sagt Gugger und meint damit nicht nur jene der Landeskirche und des Winter-thurer Stadtverbands, die die Kirche seit Anbeginn mittragen. Wir brauchen Spenden fr unsere Arbeit und fr un-sere Zukunft. Ende 2013 wird das Ge-bude der Fabrikkirche im Zuge der weiteren Umnutzung des Industriege-lndes abgerissen. Gugger, Vollblutpoli-tiker und Stadtratskandidat mag nicht darber jammern. Er hat dafr gesorgt, dass die fabrikkirche an einem ande-ren Ort auf dem Werksgelnde erhalten bleibt, und vielleicht sogar noch an ei-nem prominenteren. Dass diese Prog-nose nicht nur dem Optimismus von Nik Gugger entspringt, besttig Roland Fisch, Leiter Industrieareale von Imple-nia, gerne. Man wolle die Fabrikkirche auf dem Gelnde behalten. Sie sorgt fr Leben und ermglicht Begegnungen auf dem Sulzerareal. Das ist genau das, was Implenia mit der Arealentwicklung erreichen will.

    Foto

    : sch

    Zum Essen gehe ich in die Kirche.

    Das Bistro der fabrikkirche bringt tglich ber 100 Menschen an den Mittagstisch.

  • P. P.

    8001 Zrich

    Absender:

    Ev.-ref. Landeskirche des K

    antons ZrichB

    laufahnenstrasse 10, 8001 Zrich

    Adressberichtigung m

    elden an:E

    v.-ref. Landeskirche, Zentrale Dienste

    Blaufahnenstrasse 10, 8001 Zrich

    Eine Illustration von Daniel Lienhard. Mehr zum Thema Diakonie im Interview ab Seite 8.

    NOTABENE / Denkzettel

    Impressum notabene ist die Zeitschrift aller, die beruflich, ehrenamtlich oder regelmssig freiwillig in der Zrcher Landeskirche mitarbeiten.Redaktion und GestaltungChristian Schenk (sch), Blaufahnenstrasse 10, 8001 Zrich, Tel. 044 258 92 97www.zh.ref.ch / notabene, [email protected] Helena Klti, [email protected] 044 258 92 13

    HerausgeberEvang.-ref. Landeskirche des Kantons ZrichKommunikationDruck Robert Hrlimann AG, ZrichAuflage 7200 ExemplareErscheint monatlich mit Doppelnummern im Juli / August und Dezember / Januar.Nchste AusgabenNr. 6 / 2012 (Juli/August, Woche 28)Nr. 7 / 2012 (September, Woche 36)Redaktionsschluss: Am 15. des Vormonats

    Titelbild: Brot und Wein. Was Abendmahl und Mahlgemeinschaft mit Diakonie zu tun haben, lesen Sie im Interview ab Seite 8.Foto: Shutterstock