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Vom Urmodell der Diakonie

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  • Nr 5 / Juni 2012Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

    Seite 6

    Ziel erreicht?Der Kirchenrat legt Rechenschaft ab ber die vergangene Legislatur und setzt Ziele bis 2016

    Vom Urmodell der DiakonieMahlgemeinschaft als Leitmotiv fr das soziale Handeln der Kirche

    Seite 15

    Zum Zmittag in die KircheZu Gast am Mittagstisch in der fabrikkirche in Winterthur

  • notabene 5 / 20122

    Liebe Leserin, lieber LeserWenn man die Lage unserer Kirche an-schaut, gibt es einige Grnde, sich Sorgen zu machen: rcklufige Mitglie-derzahlen, bedrohliche Wolken am Finanz horizont, Angriffe aus ffentlich-keit und Politik, die Herausforderung, Mitarbeitende und Behrdenmitglieder zu gewinnen, Nachwuchs zu frdern. Manche werden mde oder verzagt. An-dere sehnen sich nach den goldenen Zei-ten zurck, als die evangelisch-refor-

    mierte Kirche im Staate Zrich noch die Kirche war. Heutzutage vertritt unsere Kirche nur noch im Bezirk An-delfingen eine knappe Mehrheit der Be-vlkerung, in vielen Bezirken stehen wir nach Katholiken und Konfessionslosen gerade noch an dritter Stelle!

    Und doch ist es richtig, dass unsere Kirche in einem partnerschaftlich-ent-flochtenen Verhltnis zum Staat steht. Das ist nicht nur ein Nachvollzug demo-graphischer Verhltnisse, sondern ge-hrt auch zum Wesen unserer Kirche. Wir stehen einerseits in ffentlicher Ver-antwortung und wirken integrativ und Frieden stiftend (dies sei allen gesagt, die die Kirche am liebsten ganz privatisieren

    wollen). Wir definieren uns andererseits nicht als Anhngsel des Staates, sondern begrnden unseren Auftrag aus dem Evangelium Jesu Christi. Unser Kirche-sein beginnt und endet nicht im Kanton Zrich. So gesehen ist es richtig, dass wir als Kirche die Freiheit ergreifen und Kirche fr die Welt, fr die Men-schen und Geschpfe in ihr sein wollen.

    Das wird in den Legislaturzielen sicht-bar, die sich der Kirchenrat fr diese erste ganze Legislaturperiode unter der neuen Kirchenordnung gesetzt hat. Das neue Diakoniekonzept wird uns moti-vieren und anleiten, uns in Diakonie und Seelsorge allen Menschen zuzuwenden. Die Verkndigung in Wort und Sakra-ment wird vom Kern her vertieft und zugleich vielfltiger gestaltet werden. Im Gemeindeaufbau werden Rahmenbe-dingungen geschaffen, die ein lebendiges und innovatives Gemeindeleben ermg-lichen. Dies wird zusammen mit der Umsetzung des religionspdagogischen

    Konzepts in der Jugendphase die Voraussetzung dafr sein, dass un-sere Kirche stabilisiert werden oder sogar wieder wachsen kann. Der Auftrag zum Kirchesein wird gegenber dem Erhalt von Struk-turen, die zu gross geworden sind,

    Vorrang haben. Wir haben in den nchsten Jahren zu-

    sammen mit Kirchgemeinden, Pfarr-schaft, Mitarbeitenden und Freiwilligen die Chance, unsere Freiheit zu leben, selbst wenn es einiges kosten wird. In-dem wir das wagen, geben wir Freiheit und Hoffnung weiter, die wir im Ergrei-fen erst erfahren. Oder wie der Apostel Paulus es zusammenfasst in Philipper 3,12: Nicht dass ich es schon erlangt htte oder schon vollkommen wre! Ich jage ihm aber nach, und vielleicht er-greife ich es, da auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.

    Michel Mller, Kirchenratsprsident

    Aktuell

    Kurznachrichten3 5

    Kolumne Wers glaubt:Ich schlafe im Paradies

    5

    Brennpunkte

    Neue Plne und offene Baustellen

    Legislaturziele der Landeskirche

    6 7

    Kirche ist mehr als ein Kultverein Frieder

    Furler ber das Diakoniekonzept

    8 11

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    kreuz & quer: Zum Zmittag in der

    fabrikkirche15

    Denkzettel / Impressum16

    Freiheit ergreifen Hoffnung erfahren

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

  • notabene 5 / 2012 3

    Ladenffnungszeiten / Mehr als nur Konsummenschen

    sch. Der Kirchenrat lehnt die Initiative Der Kunde ist Knig ab, die am 17. Juni in Zrich zur Abstimmung gelangt. Der Kirchenrat teilt die Bedenken, die von einem berparteilichen Komitee ge-gen die Vorlage ins Feld gefhrt werden, insbesondere die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen fr die betroffenen Angestellten und die Gefhrdung der Sonntags- und der Nachtruhe. Dem Ko-mitee gehren Vertreter von EVP, GP, GLP, EDU, CSP, BDP, Juso, Gewerk-schaften und der Kirchen an.

    Im Zentrum steht fr den Kirchenrat die zunehmende konomisierung der gesamten Lebenswelt, die mit einer voll-stndigen Liberalisierung der Ladenff-

    nungszeiten fortschreiten wrde: Wir merken hufig nicht, wie wir uns dem Diktat des Konsumismus immer strker unterwerfen, schreibt der Kirchenrat in seinem Kommuniqu. Es fehlten Zeiten und Rume der Musse, wo der Einzelne sich von den Anforderungen des Alltags erholen kann. Der Sonntag ist eine sol-che Zeit und ein solcher Raum. Er stellt den Menschen in die Freiheit, an diesem Tag unabhngig von den Zwngen des Werktags ganz Mensch zu sein fr sich selber, fr seine Interessen, fr die Men-schen, die ihm nahe sind. Wenn sich eine Gesellschaft dem permanenten Konsum verschreibe, verstrke dies die schon bestehende Tendenz, dass kono-

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    mische Tausch-Beziehungen zum domi-nierenden Beziehungs-Modus werden. Besonders beeintrchtigt wre von einer vollstndigen Liberalisierung der La-denffnungszeiten die Gesundheit der Angestellten sowie ihr Sozial- und Fami-lienleben.

    Die Volksinitiative Der Kunde ist Knig wird von FDP und SVP und von Vertretern des Gewerbes und der Touris-musbranche getragen. Sie verlangt, dass Eigentmer von Geschften autonom ber ihre ffnungszeiten entscheiden knnen. Es sei nicht Aufgabe des Staa-tes, zu bestimmen, wann Private ihr Ge-schft geffnet haben drfen und wann nicht, schreiben die Initianten.

    Jahresrechnung 2011 schliesst im Plus / 4,7 Millionen mehr als erwartet

    kom. Die Rechnung 2011 der Zentral-kasse der Landeskirche wartet mit ei-nem positiven Ergebnis auf. Sie schliesst mit einem Ertragsberschuss von rund 4,7 Millionen Franken. Verantwortlich fr das gute Ergebnis sind tiefere Ausga-ben beim Personalaufwand, bei den Sachkosten und den Beitrgen. Auch die Ertrge fielen hher aus als budgetiert.

    Die grsste Abweichung liegt beim Personalaufwand. Die Pfarrlhne liegen rund 2,3 Millionen tiefer als budgetiert. Tiefere Lohnkosten ergeben sich vor al-lem aus vorbergehend nicht voll be-

    setzten Pfarrstellen und Rotationsge-winnen. Rotationsgewinne entstehen, wenn neu eintretende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tiefer eingestuft werden als die ausgetretenen. Auch in verschie-denen Bereichen der Gesamtkirchlichen Dienste sind wegen der Zurckhaltung bei Stellenbesetzungen tiefere Personal-kosten angefallen.

    Auf der Ertragsseite ist es vor allem der Abschluss des Klosters Kappel, der dazu beigetragen hat, dass die Erwar-tungen bertroffen wurden: Das Unter-nehmensresultat fiel dank hherer Er-

    trge und tieferer Kosten um 850 000 Franken besser aus als budgetiert.

    Trotz gutem Ergebnis mahnt der Kir-chenrat im Bericht zur Vorsicht: Das gute Resultat ist im wesentlichen tech-nisch begrndet und darf nicht darber hinwegtuschen, dass die finanzielle Lage der Zentralkasse angespannt bleibt. Noch letztes Jahr schrieb man ein Minus von gut 5,8 Millionen. Und 2012 und 2013 geht der Staatsbeitrag nochmals um je 3,35 Millionen zurck. Die Kirchensynode befindet ber die Rechnung an ihrer Sitzung vom 12. Juni.

  • notabene 5 / 20124

    Relimedia statt Bibliothek h50 / Kirchliche Bibliotheken fusionieren

    Ferienprojekt Sonne und Mehr / Kirchenferien kommen gut an

    kom. Die Konzentration kirchlicher Medienkompetenz an einem einzigen Ort in Zrich ist seit lngerer Zeit ein Thema. Nun wird sie konkret: Die bei-den religionspdagogischen Bibliothe-ken C66 und h50 wirken ab November 2012 gemeinsam mit dem Medienladen unter einem Dach und unter einem neuen Namen: Relimedia heisst das neue medienpdagogische Dienstleis-tungszentrum der katholischen und der reformierten Kirche des Kantons Z-rich. Mit der Fusion sollen die Kern-kompetenzen der drei Stellen gebndelt werden. Mit Relimedia wird die religi-onspdagogische Medienarbeit beson-ders fr die Zrcher Kundinnen und Kunden einfacher, knnen sie ab No-vember doch alles an einem Ort erhal-ten. Ausleihe und Verkauf werden wei-terhin durch fachspezifische Beratung,

    durch Medienprsentationen und medi-enpdagogische Ausbildung ergnzt. Zukunftsweisend investiert Relimedia in den Mediendownload und in naher Zukunft auch in die Online-Ausleihe und den Verkauf von E-Books.

    Neuer Standort, neues Signet

    Die religionspdagogischen Bibliothe-ken und der Medienladen bernehmen die Rumlichkeiten der Pdagogischen Hochschulbibliothek, bekannt unter dem Namen Mediothek Zeltweg am Zeltweg 21. Die Fusion der drei Zrcher Medienstellen erfordert Umstellungen, die grsstenteils hinter den Kulissen stattfinden. Der Bestand wird auf seine Aktualitt hin berprft, ein gemeinsa-mes Katalogisierungs system erarbeitet, und es mssen Umsignierungen vorge-

    sch/ama. Das von der Zrcher Landes-kirche ausgeschriebene Herbstferien-Angebot stsst auf grosse Resonanz. Bereits ber 200 Personen haben ein Ar-rangement im Ferienresort in Kyllini an

    nommen werden. Diese Arbeiten sind whrend des normalen Ausleihbetriebs nur bedingt mglich.

    Die Bibliothek h50 bleibt in den Sommer-

    ferien vom 14. Juli bis zum 12. August

    geschlossen. Danach ist die Ausleihe am

    Hirschengraben 50 noch bis am 28.

    September mglich. Whrend der

    Schliesszeiten knnen keine Medien

    ausgeliehen werden.

    der Westkste des Peloponnes gebucht. Die aktuellen Anmeldezahlen motivie-ren den Projektleiter Andreas Manig: Wir kalkulierten das Produkt so, dass wir es ab 100 Teilnehmenden durchfh-

    Der Badespass in Griechenland kann stattfinden: ber 200