Notabene 9/2014

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Konfirmationsunterricht: Gar nicht mal so uncool!

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  • 1Seite 7

    Religionen am Runden Tisch In Zrich kennen sich die Religionsvertreter nicht nur vom Hrensagen

    Konf: Gar nicht mal so uncool!Jugendliche ber Konfirmation und Konfunti

    Seite 9

    Geld, Geist und Gottes GnadeWas bleibt von Max Webers berhmter Kapitalismus-These?

    notabeneNr 9 / November 2014Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

  • notabene 9 / 20142

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Im Kanton Zrich gibt es seit zehn Jah-ren den Interreligisen Runden Tisch.

    Runder Tisch? Diese Benamsung wirkt bescheiden. Sinnig ist sie trotz-dem. Der Name tnt an, unter welchen Umstnden der Runde Tisch gegrndet wurde: 2001 wurden die Terroranschlge von Nine Eleven im Namen Gottes verbt; 2003 folgte die Invasion der US-Armee im Irak von Prsident Bush an-fnglich als Kreuzzug bezeichnet; In Israel und Palstina eskalierte die Lage. Zwischen den Religionsgemeinschaften herrschte weltweit diffus-dicke Luft. Im gleichen Jahr hat in Zrich das Stimm-

    volk die Mglichkeit der staatlichen An-erkennung von nichtchristlichen Religi-onsgemeinschaften verworfen.

    In dieser Situation wurde der Runde Tisch vom damaligen Kirchenratsprsi-denten Ruedi Reich ins Leben gerufen. Laut Wikipedia ist ein Runder Tisch eine Konferenz zur Klrung abweichen-der Interessen oder zur Bewltigung von Krisen. Rund ist der Tisch, weil sich Vertreter verschiedener Institutionen gleichberechtigt, ohne Hierarchiestufen, zusammensetzen.

    Diese Definition ist stimmig. Seit 2004 treffen sich Leitungspersonen der Zr-cher Juden, Christen, Muslime, Bud-dhisten und Alewiten regelmssig zu Sitzungen. Alternierend ist man beiein-ander zu Gast. Man erzhlt und hrt zu.

    Nimmt Anteil und diskutiert Ideen. Und ussert sich von Fall zu Fall auch ffentlich sofern man sich auf den Wortlaut einigen kann (lesen Sie den Be-richt ab Seite 7).

    Zumindest beim Grundanliegen ist man sich einig. Allen, den Grossen und den Kleinen, den Traditionsreichen und den Newcomern, den Konservativen und den Liberalen, allen ist bewusst, dass der religise Friede in unserem Kanton und unserem Land eine beraus wertvolle Errungenschaft ist.

    Geschichte und Gegenwart zeigen uns drastisch, dass der religise Friede keine Selbstverstndlichkeit ist. Religionen schaffen oft auch Grben und heizen Konflikte an. Gerade auch heute wieder.So angespannt war die Stimmungslage zwischen den Religionen schon lange nicht mehr. All die Nachrichten aus Sy-rien und dem Irak, aus Israel und Pals-tina oder auch aus Indien oder Burma wirken. Sie verunsichern. Auch hier. Eine Kultur des Verdachts nimmt ber-hand. Sind die Anderen wirklich

    friedliebend und tole-rant oder tun sie nur so? Haben sie gar eine ver-steckte Agenda? Und zeigen erst im Konflikt-fall ihr wahres Gesicht?Auf dem Hintergrund

    der globalen Entwicklungen und Kon-flikte ist die Verantwortung der hiesigen Religionsgemeinschaften gross. Bei der Feier zum 10-jhrigen Bestehen des Runden Tisches sagte es Kirchenrats-prsident Michel Mller jngst so: Wir stehen heute vor der Herausforderung, die politischen und religisen Konflikte, die weltweit herrschen, nicht in unser friedliches Land eindringen zu lassen.

    Der Runde Tisch ist nicht einfach ein interreligiser Wohlfhlclub. Und er ist nicht Selbstzweck. Er ist ein Instrument der Verstndigung und der Vertrauens-bildung. Deshalb ist er heute wichtiger denn je.

    Philippe Dtwyler, Beauftragter fr Kultur und Interreligisen Dialog

    Aktuell

    Nachrichten3 6

    Kolumne Frauensache

    Social Freezing5

    Kleines Abc der Theologie

    C wie Christus6

    Schwerpunkte

    Vielstimmig am Runden Tisch der Religionen

    7

    Wie angesagt ist eigentlich der Konfunti?

    8 10

    Geld, Geist und Gottes Gnade

    11 12

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    Portrt: Richter und

    Kirchenpfleger15

    Impressum / Cartoon16

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

    Der Runde Tisch ist kein interreligiser Wohlfhlclub.

  • notabene 9 / 2014 3

    sch. In einem 16-seitigen Bericht hat der Kirchenrat die Perspektiven fr das 500-Jahr-Jubilum der Zrcher Refor-mation vorgelegt. Er beantragt dazu die Einrichtung eines Projektfonds, dem 2015 800 000 Franken und in den vier nachfolgenden Jahren je eine halbe Mil-lion zufliessen sollen. Wird die An-schubfinanzierung genehmigt, darf man auf namhafte Zuschsse aus dem kan-tonalen Lotteriefonds zhlen. Die Kir-chensynode befindet ber das Geschft an der Session vom 25. November res-pektive an der Folgesitzung vom 2. De-zember.

    Neben den finanziellen Leitplanken zeichnet der Bericht und Antrag des Kirchenrates auch die Ziele des Jubil-ums und lotet die Chancen aus, die sich der Kirche damit in Zeiten des gesell-schaftlichen Umbruchs bieten. Die Lan-deskirche stehe an der Schwelle, in der multireligisen Gesellschaft eine Min-derheitsgemeinschaft neben anderen zu werden und msse daher ihre Daseins-berechtigung immer neu unter Beweis stellen, heisst es im Bericht. Das Jubi-lum soll deshalb auf die Frage fokus-sieren, welche Erkenntnisse und Krfte der Reformation sich fr die Gestaltung der Zukunft als tragfhig erweisen. Christinnen und Christen werden im Rahmen des Jubilums vor allem nach

    dem Erneuerungspotenzial des durch die Reformation neu ans Licht getrete-nen Evangeliums fragen: fr das Indivi-duum, fr Gemeinde und Kirche sowie fr Gesellschaft und Welt. Ganz sicher nicht knne es darum gehen, das Erbe der Reformation traditionalistisch-tri-umphalistisch zu feiern. Das kirchliche Jubilum soll mit nicht-reformierten Akteuren verschrnkt und verbunden sein und die Skeptiker und Distanzier-ten in den Dialog einbinden: Durch of-fenen Austausch mit anderen wird die Landeskirche auch das Eigene neu h-ren und neu sagen knnen.

    Um diese breite Partizipation zu errei-chen, hat Martin Breitenfeldt, Jubil-umsbeauftragter der Landeskirche, eine Projektplattform angeregt und einge-richtet, die von der Landeskirche vom Verband der stadtzrcherischen evange-lisch-reformierten Kirchgemeinden, der

    Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zrich, dem Prsidialdeparte-ment der Stadt Zrich und Zrich Tou-rismus gemeinsam getragen wird.

    Fr die zeitliche und thematische Ge-staltung des Reformationsjubilums de-finiert der Kirchenrat sieben Themen-jahre von 2018 bis 2024. Die Kernphase mit dem dichtesten Programm und der grssten ffentlichen Aufmerksamkeit soll zwischen den Reformationssonnta-gen 2017 und 2019 gesetzt werden. Das fr Zrich massgebliche Symboldatum vom 1. Januar 2019 liegt damit in der Mitte der Kernjahre.

    Den Bericht im Volltext finden Sie unter der Rubrik Aktuell auf: www.zh.ref.ch/kirchensynode.Infos zum Jubilum auf: www.zh.ref.ch/refjubilaeum

    Kirchenrat / So soll das Jubilum in Fahrt kommen

    sch. Bereits im Sommer dieses Jahres zeichnete sich ein Rckgang der Steuer-ertrge ab. Dies schlgt sich jetzt auch deutlich im Budget der Zentralkasse der Landeskirche fr das Jahr 2015 nieder: Man rechnet mit einem Rckgang von 2,1 Millionen Franken gegenber dem Vorjahr. Dies bei einem Zentralkassen-beitragssatz von 3.15 und einer etwas geringeren durchschnittlichen Belastung

    Zentralkassenbudget 2015 / Budget mit 3-Millionen-Sparauftrag

    der Kirchgemeinden von 30,07 Prozent. Der Aufwandberschuss betrgt gleich-wohl nur 493 600 Franken. Dies ist des-halb mglich, weil ins Budget eine gene-relle Sparposition von 3 Millionen Franken eingestellt ist. Diesen Sparauf-trag fassen die neu strukturierten Ge-samtkirchlichen Dienste. Sobald sie de-finitiv aufgestellt sind (ab 1. 1. 2015), werden sie innerhalb der neugestalteten

    Ein Stadttourbus rauscht an Zwingli vorbei. Das Interesse an ihm drfte in den kommenden Jahren merklich wachsen.

    Abteilungen die entsprechenden Ein-sparungen machen mssen. Das Budget 2015, das der Kirchensynode am 25. November oder 2. Dezember vorgelegt wird, ist also ein temporres. Der Kir-chenrat stellt dem Kirchenparlament deshalb fr Juni 2015 deshalb eine ber-arbeitete Version des Budgets in Aus-sicht.

    Foto

    : sch

  • notabene 9 / 20144

    Diakoniekampagne / Wie gut haften die Hoffnungsstreifen?

    sch. Vom 12. Mai bis Ende Juni 2014 ha-ben die reformierten Kirche der Schweiz gleichzeitig in allen vier Sprachregionen mit einer ffentlichkeitskampagne fr das diakonische Engagement der Kirche und fr die Mitarbeit von Freiwilligen geworben. Unter dem Titel Hoffnungs-streifen wurden Menschen aufgefor-dert, zum Hoffnungsstreifen fr an-dere Menschen zu werden, die traurig, einsam oder berfordert sind oder aus-gegrenzt werden. An der Kampagne be-teiligten sich fast 500 Kirchgemeinden.

    Das Meinungsforschungsinstitut De-moscope hat im Auftrag der Steuer-gruppe die Resonanz der Kampagne geprft und wertet die Beachtung als betrchtlich. Vor allem die lokalen Aktivitten der Kirchgemeinden blieben einem Drittel der Befragten in Erinne-rung. Plakate und Inserate beachteten rund 20 Prozent. Unklarheit herrschte beim Absender: Nur ein Drittel nahm die reformierte Kirche als solchen wahr. Den Begriff Diakonie haben die Hlfte

    der Befragten schon einmal gehrt, knapp 40 Prozent bringen ihn mit Kir-che in Verbindung, rund 20 Prozent wis-sen, dass Diakonie mit Hilfe, Pflege, Be-gleitung oder Sozialarbeit zu tun hat. Dass die Kirche soziale Arbeit verrich-tet, ist hingegen praktisch allen bekannt und schlichtweg unbestritten. Rund ein Drittel der Befragten knnte sich vor-stellen, in einer Kirchgemeinde im Be-reich Diakonie Freiwilligenarbeit zu leis-ten, 16 Prozent tun es bereits.

    Untersucht wurde auch die Einscht-zung der Mitarbeitenden, die sich an der Kampagne beteiligten: Die Wirkung der Kampagne fr das Image der Kirche ta-xierten 84 Prozent der Kirchgemeinden als sehr gut bis gut. 80 Prozent fan-den, die Kampagne habe gut bis sehr gut zur reformierten Kirche gepasst.