Portraits auf Münzen der Neuzeit

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    24-Jul-2016
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  • 1 von 12 www.sunflower.ch

    Portrts auf Mnzen Von Karin Althaus, MoneyMuseum Die Renaissance liebte das Portrt und vernderte es entscheidend. Denn ob Tafelbild oder Mnze: Nicht mehr symbolische, typisierte Gesichter waren nun gefragt, sondern Individualportrts. Und zwar solche im Profil. Beeinflusst wird diese Entwicklung von der antiken Numismatik. Und sie hat Konsequenzen: Denn im Gegensatz zum ansprechenden, gar bannenden Frontalbildnis wirkt das reine Profil streng. Es schafft Distanz, weil der Blick des Dargestellten sich gar nicht mit dem des Betrachters, der Betrachterin treffen kann. Wer Beispiele dafr sucht, findet sie hier: Mnzportrts von ausgesuchter Schnheit numismatische Kleinkunstwerke eben.

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    Ercole I. d'Este, Herzog von Ferrara (1431-1505), auf dem Testone von ca. 1492

    Angesichts des Portrts Ercole I. d'Estes kme man kaum auf die Idee, dass sich gleichzeitig die italienische Portrtmalerei auf einem Hhepunkt befand. Der Stempelschneider scheint nur widerwillig der Aufforderung nachgekommen zu sein, den Kopf des Herzogs auf dem kleinen Rund unterzubringen. Viel Platz hat er fr die Schrift gebraucht, die den Kopf richtiggehend umzingelt und ihm nur wenig Raum brig lsst. Doch obwohl die Gestaltung eckig und etwas grob wirkt, sind die Gesichtszge individuell ausdifferenziert, vor allem die dunklen Augenbrauen mit ihrem ausgeprgten Hcker und die fast bis zu den Lippen reichende Hakennase. Die typische schlichte Quattrocento-Frisur wirkt im Vergleich zu zeitgenssischen Bildern etwas ungepflegt. Es gibt keine Andeutung einer Bewegung, keine Kleidungsstcke oder Attribute. Es wird nur gerade gezeigt, was fr ein individualisierendes Mnzbild notwendig ist, doch weder der Bildraum noch der Profilkopf sind wirklich gestaltet.

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    Karl V., rmisch-deutscher Kaiser (1519-1556), auf dem halbem Dukaton von ca. 1552

    Das herrscherliche Portrt zeigt den Kaiser in zeitgenssischer Tracht, als heroischen Sieger in Rstung und mit Lorbeerkranz. Sein Krper lagert auf dem Mnzrand, dadurch bekommt er Gewichtigkeit. Die Dreiviertelwendung der Bste durchbricht das in der Numismatik bliche strenge Profil, bringt Bewegung ins Bild und verschafft der Figur einen mchtigen Auftritt. Das Inschriftband mit Perlen bildet einen Strahlenkranz um den Kopf, seine berschneidung durch den Krper vertieft den Raum. Die lockige Frisur und der wehende Bart zeigen eine kleinteilig-dekorative Auffassung, deren ornamentaler Charakter zur Virtuositt des Manierismus der Zeit passt. Selbst auf der kleinen Mnze kommen die berhmten physiognomischen Merkmale des habsburgischen Herrscherhauses voll zur Geltung: die Hakennase und die vorstehende Unterlippe, die durch den wilden Bart noch betont wird.

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    Adolf Friedrich I., Herzog von Mecklenburg-Schwerin (1592-1658), auf dem Doppeltaler von 1613

    Auf nur fnf Zentimetern welch ein Portrt! Richtiggehend gerahmt durch die Inschrift erscheint das Bildnis als Bild. Wie auf barocken Portrts blich, wird das Brustbild des Herzogs Adolf Friedrich I. von Vorhngen eingefasst. Die Anordnung der Draperie untersttzt die Pose: Hfisch elegant, mit leichter Rcklage prsentiert sich der Herzog in einem eher edlen als kriegerischen Kettenpanzer, der verfeinert wird durch den steifen Spitzenkragen. Dieser sttzt den Kopf und gibt ihm damit etwas Majesttisches. Die Feldbinde betont die Diagonale und lsst den Herzog bewegt, wie in einer tnzerischen Pose erscheinen. Das Spitzbrtchen, Schnuzchen und die aus dem Gesicht gekmmte Frisur vervollstndigen den Eindruck des Verwegenen und Geckenhaften. Die Jeunesse dore der damaligen Hofgesellschaft wusste sich ganz offensichtlich zu prsentieren. Und in der Mnzsttte Gadebusch scheint man die Inszenierung des Adels beherrscht zu haben. Bald darauf wurde sie von Anthonis van Dyck in England perfektioniert.

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    Ludwig XIII., Knig von Frankreich (1610-1643), auf dem halben Louis d'or von 1641

    Alles an diesem Mnzbildnis Ludwigs XIII. spiegelt die verfeinerte Kultur des franzsischen Hofes im Zeitalter des Barock. Der Lorbeerkranz sitzt eher als Schmuckstck denn als Zeichen des kriegerischen Siegers auf der lockig frisierten Kopfzierde. Das Portrt ist in der klassischen Bstenform gehalten, bei der auf die Wiedergabe von Kleidung leicht verzichtet werden kann. Was Stoffe normalerweise zur Darstellung von Eleganz beitragen, wird hier geleistet durch die ber die Schulter fallenden Locken und den gepflegten, geschwungen Schnauzbart. Die Inszenierung von Kultiviertheit wird konterkariert durch den Realismus der Darstellung, der nicht versucht, die Trnenscke des Knigs zu verbergen. Kopf wie Schrift schwimmen im Bildgrund, sie berhren und berschneiden sich nicht. Die Figur hat damit gengend Umraum, der die kultivierte Leichtigkeit untersttzt und sie zugleich frei und souvern wirken lsst.

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    Papst Innozenz XII. (1691-1700) auf dem Scudo von 1692

    Als htte der Portrtist massenweise Platz zu verschwenden gehabt und nicht nur 4,4 Zentimeter Durchmesser, zeigt er uns die gesamte Bste des Papstes Innozenz XII. mitsamt Kleidung und detailliert ausgearbeiteter Physiognomie. Ein altes Gesicht in reichem Gewand, das sich dank der Feinheit der Prgung bis ins Detail identifizieren lsst. Man vermag sogar im khlen Silber den warmen Samt und Brokat der ppstlichen Mtze und des bestickten Umhangs zu spren. Durch die feine Ausarbeitung der Stoffe und der Haut erhlt die Mnzoberflche die Bewegtheit eines tiefgeschnittenen Reliefs und die haptische Qualitt einer Skulptur. Rundplastisch wirkt die Figur auch durch ihr Vordringen zum Bildrand: Als Dreiecksform wird sie an drei Punkten des Mnzrandes verankert und unterbricht damit die umlaufende Schriftleiste. Die Schulter des Papstes hat einen geraden Abschluss gefunden, um im Segment darunter Platz fr die Signatur des stolzen Stempelschneiders zu schaffen: fr Giovanni Hamerani von Rom.

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    Stanislaus II. August Poniatowski, Knig von Polen (1764-1795), auf dem Probetaler von 1765

    Hocherhobenen Hauptes, mit gerecktem Kinn, Allongepercke, Brustpanzer und Ordenskette zeigt der polnische Knig, was ihn seines Amtes ermchtigt. Das Bildnis hat viel Raum erhalten: Das glatte Metall ist wie ein heller Himmel, vor dem das Haupt im Gegenlicht erscheint. Nach unten wird der Krper so breit, als schneide der Bildrand nur ab, was von der gesamten Anlage her weitergefhrt werden msste. Man kann sich eine Fortsetzung als Reiterstandbild denken. Der Knig sitzt auf einem hohen Ross, hoch ber dem gemeinen Volk schwebend, das ihn von unten, in Untersicht, vor einem gleissenden Himmel reiten sieht. Erstaunlich, wie hier ausgerechnet ein Schweizer Medailleur, Johann Kaspar Mrikofer, die Formeln des barocken Herrscherbildnisses souvern umsetzt.

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    Maria Theresia, Knigin von Ungarn und Bhmen (1740-1780) und rmische Kaiserin, auf dem Taler von 1780

    Die alternde Kaiserin erscheint prchtig im sptbarocken Gewand. Ihre hochgebundene Bste wird gerahmt vom drapierten Hermelinmantel, der Kopf bekrnt von einem Diadem, das den Witwenschleier hlt, einige Lckchen blitzen hervor. Die Nase sticht prgnant aus dem Gesicht, berhaupt profilieren ausgeprgte Konturlinien den in den Raum ausgreifenden Charakter des Kopfes und des Krpers. Die mchtige Erscheinung tritt in ein typisch barockes Spannungsverhltnis zum engen, runden Bildraum. Zur barocken Kunst gehren aber nicht nur prchtige Inszenierungen, sondern auch das Zeigen des Verfalls: Das Gesicht ist alles andere als jung, das Fleisch und die Haut beginnen zu hngen und sammeln sich um das Doppelkinn. Ein Memento mori. Im Jahr der Herstellung dieser Mnze verstarb Maria Theresia. Begraben wurde sie im schnsten barocken Sarkophag in der Wiener Kapuzinergruft. Im Gegensatz zur Mnze wurde er zu Beginn ihrer Regierungszeit hergestellt und zeigt sie und ihren Gemahl Franz I. paradoxerweise im besten Alter.

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    Georg III., Knig von England (1760-1820), auf dem Sovereign von 1817

    Der Kopf des Knigs ist antikisierend dargestellt, nicht aber nach dem Vorbild der klassischen griechischen Kunst, die um 1800 das Schnheitsideal lieferte, sondern entsprechend dem Realismus der rmischen Portrtskulptur. Wie bei antiken Bsten ist der Kopf kein Teil eines Krpers, sondern fhrt ein portrthaftes Eigenleben. Das kurze Haar mit seinem Lorbeerkranz erinnert an die einfachen Frisuren der rmischen Republikaner oder Kaiser. Rmisch ist das Gesicht auch wegen seinem Realismus, der sich nicht scheut, hssliche Zge zu zeigen. Der englische Knig besitzt zwar eine wunderbar gerade, fr ein griechisches Profil aber zu kleine Nase. Geprgt wird das Gesicht durch feiste Wangen, ein Doppelkinn, grossen Ohren und Glubschaugen mit Trnenscken. Wie in der rmischen Kunst entlarvt aber diese Zusammenstellung charakteristischer Gesichtszge den Dargestellten nicht. Der Realismus im Detail steigert geradezu die Wirkung der feinen und kleinen Gesichtszge im mchtigen, als Ganzem wundervoll