Predigt Susn Mai 2014

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    05-Dec-2014
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    Spiritual

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Liebe - und was Du willst das tue. Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz spricht in der Katharinenkirche Braunschweig. Eigentlich über Kooperation.

Transcript of Predigt Susn Mai 2014

  • 1. Liebe Studierende, liebe Kollegen und Mitglieder der TU Braunschweig, liebe Gemeinde, Liebe und was Du willst, das tue. Das klingt einfach. Liebe. Das klang auch schon vor vielen Jahren fr mich attraktiv als Abiturientin. Als man mich zum Abschluss meiner Abiturprfung in Religion fragte, was denn mein Lieblingszitat aus der Bibel sei. Liebe und dann tue was Du willst so hatte ich das gelesen in meiner Vorbereitung und so fand ich das gut fr mich. Damals fingen meine Prfer an zu lcheln und meinten, ich htte das falsch verstanden es msse heien, Liebe Gott und dann tue was Du willst. Nun, tatschlich sagte der heilige Augustinus in seinem Kommentar zum ersten Brief Johannes den wir gerade hrten so etwas wie Liebe und dann tue was Du willst es muss nur mit den richtigen Nuancen aus dem Lateinischen in das Deutsche bersetzt werden. Und dann ist die Liebe, von der er spricht, weniger das Gefhl, das einen im Verliebtsein berfllt es ist mehr die Liebe zu meinen Mitmenschen, die ich als Grundsatz meines Handelns, als wissentliche Wahl sehe. Wie Johannes sagt: Wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann mssen auch wir einander lieben. Die Liebe untereinander ist damit eine Wegweisung oder ein Auftrag, wenn ich die Entscheidung habe, jemandem skeptisch oder gar feindselig in Konkurrenz entgegen zu treten, oder aber herzlich und mit dem Vorsatz, wenn mglich lieber gemeinsam etwas zu erreichen als gegeneinander zu arbeiten. Liebe und was Du willst, das tue - wird, so betrachtet, wieder zu einem ganz wichtigen Satz in meinem Leben. Denn dieser Satz ist so etwas wie die Antwort auf die Frage, was sich in privaten Beziehungen, in Gesellschaft und Beruf mehr lohnt: Konkurrenz oder Kooperation. Nun sitzen wir hier, beseelt, am Wochenende, mit schnem Gesang und natrlich, entscheiden wir uns fr Kooperation. Aber so einfach war das sicher gestern Nachmittag noch nicht, als man im Supermarkt an der Schlange oder auf der Autobahn im Stau stand und natrlich danach strebt, so schnell wie mglich auch an allen anderen vorbei - zum Zuge zu kommen. Oder vorgestern, in Arbeit oder Studium, wenn es natrlich darum geht, als Einzelner aufzuzeigen, was man leisten kann. Konkurrenz oder Kooperation. Was nun. Was sagt denn die Bibel dazu? Sie sieht vor allem im Alten Testament den Menschen sehr realistisch und dementsprechend seinen Hang zur Konkurrenz. Schon im ersten Buch Mose treffen wir auf Kain und Abel, deren Konkurrenz zum Tod des einen Bruders fhrt. Trotzdem wird ganz klar, insbesondere im Neuen Testament, dass ein Zusammenhalten die bessere Idee ist. Und hier nehmen wir deutlich die Botschaft der Liebe wahr hinausgehend sogar ber den Freund oder Nchsten, wie wir es in der Bergpredigt lesen (Matthus 5, 43) Ihr habt gehrt, was gesagt worden ist: Du sollst deinen Nchsten lieben
  • 2. und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet fr eure Verfolger, werdet so Shne eures Vaters in den Himmeln. Liebe und was du willst das tue. Ist das dann schon die Lsung? Nun: hre ich da fast den einen oder anderen denken - da htte man vielleicht etwas weniger Naivitt in der Predigt einer Professorin erhofft Liebe ... Es ist nun einmal leider nicht so, dass jeder fr den anderen einsteht, es ist sich jeder selbst der Nchste. Und das hat auch seinen Grund. Denn der, der sich durchsetzt auf den verschiedenen Mrkten vom Arbeitsmarkt ber den Gtermarkt bis zum Markt der Eitelkeiten hat sich abgesichert, ihm wird es hier gut gehen. Aber ist das nachhaltig so? Denken wir da noch richtig? Unsere Ressourcen geraten schon seit Jahren an ihre Grenzen. Unsere Mrkte sind gesttigt und konsummde, die junge, moderne Gesellschaft kauft nicht mehr man tauscht und teilt. Die Work-Life-Balance (ein Begriff, der schrecklich ist, aber darber mchte ich heute nicht sprechen) soll immer hufiger in Richtung Life ausschlagen manche Gesellschaften diskutieren schon ber einen Brutto-Glcks-Index statt ber das Bruttosozialprodukt. Wo fhrt das hin? Wir glauben, unser Weg fhrt in eine Gesellschaft, in der Kooperation eine deutlich grere Rolle spielt als heute. Warum? Nun fragt man uns als Wirtschaftsinformatiker dann liegt das insbesondere an den Medien, die uns umgeben. Diese Medien sind keine Massenmedien mehr, wie Radio oder Fernsehen. Sondern es sind so genannte Soziale Medien, im Internet, in welchen jeder eine Stimme hat und nicht nur wenige senden und viele lediglich zuhren. Diese neuen Medien kann man durchaus positiv interpretieren. Denn durch sie sind nicht mehr die Stimmen und Meinungen, die sich an hierarchisch hoher Position befinden, die alleinig hrbaren. Wir sind in der Kommunikation viel gleichberechtigter als jemals zuvor und diese Gleichheit ist, so haben wir das analysiert, am Besten mit Kooperation lebbar. Nur leider, wenn man ehrlich ist, kommt man hufig gar nicht darauf, ber eine kooperative Lsung nachzudenken, denn so sind wir in den letzten Jahren einfach sozialisiert. In einer Leistungsgesellschaft, in einer Gesellschaft der Abgrenzung, der Kontrolle bis hin zur berwachung, in der Sorge und Misstrauen eine groe Rolle spielen. Gut. Dann probieren wir das in Zukunft. Liebe und was Du willst, das tue. Dann ist es doch so einfach? Nun ja: hre ich schon wieder den einen oder anderen denken: Liebe und Kooperation, schn und gut, aber ich kann doch jetzt nicht einfach lieben oder kooperieren entscheiden? Gibt es da nicht vielleicht Hinweise, wie ich Kooperation leben kann? Denn so einfach ist das ja nicht ... Die Forschung, sei sie aus den Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften bis hin zur Evolutionstheorie, gibt uns Anhaltspunkte dafr, was denn Kooperation ausmachen knnte.
  • 3. Und auch wir, an meinem Institut, forschen daran, was genau kooperatives Verhalten ausmacht, wie man kooperatives Verhalten frdern kann, und wie unsere Medien Apps, Websites oder Foren dies untersttzen knnen. Normativ brigens. Wir zielen auf mehr Kooperation in digitalen Unternehmen, Mrkten und Gesellschaften. Gleichzeitig versuchen wir Kooperation zu leben, weil wir sie fr richtig halten. Fr uns im Beruf, an der Universitt, am Institut und im Privaten. Und wenn ich im Folgenden darber berichte, was wir ber Kooperation wissen, dann sieht man da viele Parallelen zu Botschaften aus der Bibel. In einer Kooperation, laut Definition, finden sich Gruppen zusammen, um sich gegenseitig zu untersttzen oder etwas zusammen zu leisten. Sie tun das, statt zu konkurrieren. Und so mehren sich die Anzeichen aus der Wissenschaft weil Kooperation der Konkurrenz berlegen ist. Die Bibel sieht das hnlich. So finden wir bei Petrus (1. Petrus 4, 10) die Aufforderung: Frdert Euch gegenseitig, jeder mit der Gabe, die Gott ihm geschenkt hat. Doch wie funktioniert nun dieses Zusammenwirken in so einer Gruppe? Wikipedia macht uns das ganz gut vor man hat gemeinsam erkannt, dass wir die Herausforderungen, die die Welt an uns stellt, nur bewltigen knnen, wenn wir unser Wissen zusammentragen und es nicht jeder allein fr sich behlt. Es gibt ein gemeinsames Ziel. Theoretisch betrachtet zeichnet sich die Kooperation genau dadurch aus, dass man bergeordnet gleiche Ziele hat. Wiederum sieht die Bibel das ganz hnlich, und liefert uns dabei auch ganz klar den Zusammenhang zwischen der Kooperation und der Liebe. So schreibt Paulus an die Philipper: Ist nun bei Euch ... herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr "eines" Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmtig und eintrchtig seid (Philipper 2, 2). Eines Sinnes ein Ziel einmtig und eintrchtig die Kooperation und das verbunden der gleichen Liebe. Nun, das klingt doch schn. Doch wie gelingt es, dass eine Gruppe gemeinsam einem Ziel entgegenstrebt? Bentigt diese Gruppe dann nicht einen Leiter, einen der Regeln aufstellt, wie alle zusammen wirken sollen? Hufig findet sich unser Leben heute tatschlich in Beziehungen, die hierarchisch sind und auch so ausgestaltet werden. Chef und Mitarbeiter, Professor und Studierender, der, der etwas gibt und der, der etwas bekommt. Jesus sieht das im Gesprch mit seinen Jngern nicht so,