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  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Moderne Krankheiten

    Prof. Dr. Elmar Brhler

    Abteilung fr Medizinische Psychologie

    und Medizinische Soziologie, Universitt Leipzig

    &

    Klinik und Poliklinik fr Psychosomatische Medizin und

    Psychotherapie, Universittsklinikum Mainz

    Frankfurt-AIM-Tagung 19.6.2015

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Moderne Krankheiten - heute

    ca. 130 Moderne Krankheiten, z.B.

    Krperbeschwerdesyndrome: Chronic Fatigue, Multiple Chemical Sensititvity, Rckenschmerzen

    Psychische Strungen: Soziale Phobie, ADHS (bei Erwachsenen), Multiple Persnlichkeit

    Verhaltensstrungen: Restless legs Syndrome, Botulinophilie

    Krperwahrnehmungsstrungen: Body-Integrity-Identity-Disorder, Cyberchondrie

    Hormonbezogene Strungen: Aging Male Syndrome, PMS

    Arbeitsplatzbezogene Strungen: Burn out, Bore out, Arbeitsplatzphobie

    Umweltbezogene Strungen: Toner related illness, Windradsyndrom

    Infektionsbezogene Strungen: chronische Borreliose

    Ernhrungsbezogene Strungen: Orthorexia nervosa, Nahrungsmittelunvertrglichkeiten

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Moderne Krankheiten - heute

    Einige gemeinsame Aspekte

    Meist Kombination aus - unspezifischen Beschwerden (Schmerzen, Erschpfung, Depressivitt etc.)

    - spezifischem Erklrungsmodell (krperbezogen, umweltbezogen, arbeitsbezogen etc)

    Hufig Kampf fr organische Genese - von sog. Experten auch trotz gegenteiliger offizieller Lehrmeinung

    - von Betroffenen, Selbsthilfegruppen etc.

    - sehr spezielle Ausformungen der Arzt-Patient-Beziehung jenseits von Not Hilfe

    (Infragestellung von Kompetenz, gemeinsamer Kampf, Subkulturbildung etc.)

    Medien verbreiten das Erklrungsmodell Anbieter im Gesundheitswesen haben spezifisches Angebot

    starker Einfluss der Mode

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Moderne Krankheiten - heute

    Ausweitung bekannter Entitten, z.B.

    Psychische Krankheiten mit neuen diagnostischen Kriterien (Depression, sexuelle Funktionsstrungen etc.)

    Erweiterte Grenzwerte bei krperlichen Strungen (Diabetes, Cholesterin, Blutdruck)

    Screening- und Vorsorge-Befunde (Mamma- u Prostata-Ca)

    Behandlungen auf der Suche nach einer Diagnose (Wirbelsulen-Operationen)

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Moderne Krankheiten - heute

    Mobilitt Paradiessyndrom

    Parissyndrom

    Freizeitkrankheit

    Technische Entwicklung Elektromagnetische Hypersensivitt

    SMSDaumen

    Toner related Illness

    Computer-Vision-Syndrom

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Moderne Krankheiten - heute

    Zivilisationskrankheiten

    Karies

    Diabetes mellitus Typ 2

    Bluthochdruck

    Allergien

    Obstipation

    Gicht

    Bestimmte Tumoren (Darm, Lunge)

    Adipositas

    Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge Eating-Strung

    Diverse psychiatrische Erkrankungen

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Prototyp der modernen Krankheiten:Burnout

    1960 Graham Greene: Roman A Burn-Out case

    1974 Herbert J. Freudenberger (Psychoanalytiker): Staff Burn-Out

    Sigmund G. Ginsburg (Unternehmer, Managementforscher): Burned Out Problem

    1981 Maslach Burnout Inventory

    1993 Ina Rsing: Ist die Burn-Out-Forschung ausgebrannt

    2013 Burn-Out wird nicht als Krankheit in DSM-5 aufgenommen.

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    German diseases

    Burnout

    German Angst

    Schleudertrauma

    Hypotonie

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Die deutsche Krankheit German Angst

    Der Begriff German Angst bezeichnete den Hang der Deutschen zum Grbeln sowie ihre merkwrdige Zukunftsangst.

    Heute redet man allenthalben von einer gesellschaftlichen Lhmung und der Unfhigkeit, Reformen durchzufhren.

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Schleudertrauma (Beschleunigungstrauma)

    Begriffsverwirrung

    - Das Schleudertrauma ist eine Verletzung der Muskeln, Sehnen und Bnder rund um die Halswirbelsule (HWS). Fachleute bezeichnen das Schleudertrauma auch als Beschleunigungstrauma, HWS-Zerrung oder HWS-Distorsion.

    - Einige Betroffene klagen ber dauerhafte Probleme nach einem Schleudertrauma und entwickeln ein so genanntes chronisches Schleudertrauma-Syndrom.

    - Es ist noch unklar, in welchem Ausma das Schleudertrauma-Syndrom von krperlichen, seelischen und/oder sozio-kulturellen Ursachen ausgelst wird. Verstrkt wird diese Unsicherheit auch durch die Tatsache, dass dieser Beschwerdekomplex von Land zu Land unterschiedlich hufig zu sein scheint. Besonders hufig ist die HWS-Zerrung in Deutschland und der Schweiz. Daher wird die Erkrankung im Ausland auch unter dem Begriff the german disease gefhrt.

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Hypertonie

    Bis 1995 hufigste Erkrankung der Frauen in

    Westdeutschland

    Ab 1998 normoton in Bundesgesundheitssurvey

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Essstrungen

    Adipositas

    Anorexia Nervosa

    Bulimie

    Binge-Eating-Strung

    Anorexia Athletica

    Orthorexia Nervosa

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Krankheiten Vlkern zugeordnet

    Spanische Krankheit (spanische Grippe, 1918)

    Englische Krankheit (Rachitis)

    Amerikanische Krankheit (Amok-Lauf)

    Schwedische Krankheit (rheumatische und gichtische Gliederschmerzen durch Sumpfausdnstungen)

    Russische Krankheit (epidemischer Katarrh 1782, Nervenfieber 1812)

    Franzsische Krankheit (Syphilis in Deutschland)

    Italienische Krankheit (Syphilis in Frankreich)

    Deutsche Krankheit (Syphilis in Polen)

    Chinesisches Himmelsstrafengeschwr (Syphilis in Japan)

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Nichterkrankungen (Umfrage BJM 2000)

    Altern

    Arbeit

    Langeweile

    Trnenscke

    Unwissenheit

    Kahlkpfigkeit

    Sommersprossen

    Grosse Ohren

    Graues oder weisses Haar

    Hsslichkeit

  • Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

    Bezugssysteme von Gesundheit und Krankheit

  • Bezugssysteme von Gesundheit und Krankheit

    Gesundheit und Krankheit stellen Phnomene dar, die sich in drei

    unterschiedlichen Bezugssystemen beschreiben lassen:

    (2) Im Bezugssystem der betroffenen Person stehen das subjektive

    Erleben von Krankheit und Gesundheit, die zugrunde liegenden subjektiven Krankheitstheorien und die psychologischen Prozesse der Krankheits-

    verarbeitung im Mittelpunkt.

    (1) Im Bezugssystem der Medizin als ein Wissens- und Handlungs-

    system werden Krankheiten und Syndrome vor allem als

    Normabweichungen und als medizinische Befunde verstanden.

    (3) Im Bezugssystem der Gesellschaft sind vor allem sozialrechtliche

    Aspekte wie krankheitsbedingte Leistungsminderungen und die

    Notwendigkeit zur Gewhrleistung von Hilfen (wie z.B. Krankschreibung,

    Versicherungsleistungen) von Bedeutung.

    Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

  • Es existiert keine allgemein anerkannte Definition von Krankheit.

    Sozialrechtliche Auffassung von Krankheit

    Die juristische Auffassung von Krankheit (Sozialgesetzbuch)

    betont die Abweichung von Normen (regelwidriger Zustand

    des Krpers, des Geistes oder der Seele) sowie die

    Notwendigkeit einer Heilbehandlung

    Fr die gesetzliche Krankenversicherung ist

    darber hinaus von besonderem Interesse, dass

    dieser Zustand auch oder ausschlielich eine

    Arbeitsunfhigkeit zur Folge hat.

    Behandlung durch rzte oder durch Psychologische

    Psychotherapeuten bzw. Kinder- und Jugendlichen-

    psychotherapeuten

    Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

  • Sozialrechtliche Auffassung von Krankheit

    Eine Krankschreibung ist eine durch den Arzt aus-

    gestellte Arbeitsunfhigkeits-(AU)-Bescheinigung,

    die dem Arbeitgeber und der Krankenkasse

    gegenber eine zeitlich begrenzte Freistellung des

    Patienten von der Arbeit bescheinigt.

    Lohnfortzahlung und Krankengeld

    Eine Berufsunfhigkeit (BU) liegt vor, wenn die Erwerbsfhigkeit eines

    Versicherten auf weniger als die Hlfte einer gesunden Vergleichsperson

    herabgesunken ist.

    Von Erwerbsunfhigkeit (EU) wird gesprochen, wenn infolge einer

    Krankheit oder eines anderen Gebrechens die krperlichen oder geistigen

    Krfte auf nicht absehbare Zeit eine regelmige Erwerbsttigkeit nicht mehr

    zulassen oder damit nur geringe Einknfte erzielt werden knnen.

    Berufs- oder Erwerbsunfhigkeitsrente durch GRV

    Abteilung fr Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

  • Krankheit als Abweichung von biologischen Nor