Radreise in Rheinland Pfalz

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    25-Mar-2016
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Radreise, Fluss, Radweg, eben, Fahrrad

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  • NeueWege

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    -Leserreise

    Mehr auf Seite 44

    RAD

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  • Westen

    Rheinland-Pfalz 47

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    im

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  • Gerolstein Mitte Mai: Die Wander-

    gruppe aus Bayern ist auf Entdeckungs-

    tour durch die Eifel. Begeistert erzhlen die

    Mittfnfziger, manchmal alle gleichzeitig,

    vom bisher erlebten: den herrlichen Land-

    schaften, dem tollen Naturerlebnis. Und

    nchstes Jahr werden wir es mit dem Rad

    angehen, sagen sie, whrend sie uns beim

    Beladen unserer Rder beobachten. Von

    hier bis runter nach Trier, vielleicht noch

    etwas Mosel und Saar, da soll ja schn flach

    radeln sein. Genau die von uns geplante

    Tour, geben wir erstaunt zurck. Und

    einen Tipp haben die Wanderer auch noch

    fr uns: Eure Trinkflaschen knnt Ihr dort

    unten im Park an der Helenenquelle befl-

    len. Gesagt, getan. Mit vollen Wasserfla-

    schen verlassen wir Gerolstein und starten

    unsere Eifelschleife.

    Der Radweg ist gut, die Beschilderung aus-

    gezeichnet. In Lissingen liegt die Burg noch

    schemenhaft im Frhnebel. Leichtes Auf

    und Ab durch waldreiche Landstriche trgt

    uns in den Luftkurort Prm. Vor der Sankt-

    Salvator-Basilika rasten wir. Hier gaben sich

    einst Ppste und Kaiser die Klinke in die

    Hand, wurde im Mittelalter ein einzigartiges

    Dokument, das Urbar von Prm, angefer-

    tigt: ein bereits nach heutigem Verstndnis

    angelegtes Grundbuch, das die zahlreichen

    Besitzungen des Klosters dokumentiert.

    Weiter geht die Reise, nun bergauf. Eine

    Windparkanlage hebt sich aus sattgrnen

    Wiesen.

    Urtmliche Landschaft

    Stadtkyll ist der Ausgangspunkt fr den Weg

    zum Kronenburger See. Ab und zu stechen

    jetzt Sonnenstrahlen durch die Wolken-

    >

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    Wissenschaftler sind sich einig: Hier wird der nchste Vulkanausbruch in Deutschland stattfinden. Zuvor aber sollte man der Eifel unbedingteinen Besuch abstatten. Denn entlang eines dichten Wege netzes findenRadler hier unzhlige kulturelle Hhepunkte in vertrumten Bilder buch -landschaften immer begleitet von der Kyll, bis hin zu Mosel und Saar.

    Text / Fotos: Klaus Herzmann

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  • decke, das tut gut. Hillesheim mit seiner be-

    gehbaren Stadtmauer wollen wir natrlich

    auch sehen. Der Marktort kann auf eine bis

    in die Keltenzeit reichende Geschichte zu-

    rckblicken.

    Der Adler- und Wolfspark in Pelm ist unsere

    nchste Anlaufstelle. Falknerin Julia wei so

    manch Interessantes ber ihre Schtzlinge

    zu berichten. Ruhiger die Atmosphre dann

    bei den Hhlen am Rother-Kopf: Urland-

    schaft, bemooste Bume, deren dicke, mde

    ste bis auf den Boden hinunterreichen. Es

    fehlt nur der Kobold, der flink in einem Fel-

    senschlund verschwindet. Wen wundert es

    da, dass die Gegend schon in zahlreichen

    Filmen und Bchern verewigt wurde.

    Zurck in Gerolstein endet unsere Eifel-

    Runde. Zu bereits fortgeschrittener Stunde

    steigen wir noch hinauf zur Burg Lwen-

    stein und werden mit einem tollen Blick auf

    die von Scheinwerfern angestrahlten Dolo-

    mitenfelsen aus versteinerten urzeitlichen

    Korallenriffen belohnt.

    Die nchste Etappe fhrt ber den Kylltal-

    radweg bis in die berhmte Bierbrauerstadt

    Bitburg. Doch zuerst weist die Beschilde-

    rung nach Birresborn, bekannt wegen seiner

    Eishhlen und der immer sprudelnden Lin-

    denquelle.

    Heimat Karls des Groen

    Die durchgehend asphaltierte Spur fhrt

    uns von hier weiter nach Mrlenbach. Die

    rtlich schimmernden, spitzen Trme der

    Bertradaburg aus dem 13. bis 16. Jahrhun-

    dert liegen nun vor uns die Anlage gilt als

    mglicher Geburtsort Karls des Groen.

    Weiter den Bahngleisen folgend verlassen

    wir den Ort zum Kloster St. Thomas. Vllig

    unerwartet reit pltzlich die Wolkendecke

    auf und taucht die Landschaft und uns in

    wrmendes Licht. Wir berradeln die neue,

    rote Bogenbrcke, die filigran die Kyll ber-

    spannt. Fototermin wer wei, ob sich die

    Sonne es nicht bald wieder anders berlegt.

    Kyllburg ist jetzt nicht mehr weit. Rechts

    herum und wieder links, ber die nchste

    Brcke, durch einen Eisenbahntunnel eine

    wahrhaft abwechslungsreiche Streckenfh-

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    >

    Trier: Im Herzen der ltesten Stadt Deutschlands.

    Idyllisch: Bei Phillipsheim lsst essich herrlich an der Kyll rasten.

    Sonnendurchflutet: buntes Treiben an der Saar.

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  • Reise>50

    rung. So erreichen wir Kyllburg, die kleinste

    Stadt in Rheinland Pfalz, in einer Fluss-

    schleife gelegen und fast vollstndig vom

    Wasser der Kyll umsplt. Hier blicken wir

    auch auf den ersten steilen Anstieg, hinauf in

    die Oberstadt. Rasant ist die folgende Abfahrt

    hinunter nach Malberg mit dem gleichnami-

    gen Schloss. Die einzigartige Anlage aus dem

    16. bis 18. Jahrhundert liegt hoch auf einem

    Felssporn, leider ist sie derzeit wegen Reno-

    vierungsarbeiten eingerstet.

    Ein khles Blondes

    Nach ausgiebiger Pause fhlen wir uns be-

    reit fr den nchsten Berg und machen uns

    wieder auf den Weg in Richtung Bitburg.

    Wie in der ganzen Region gibt es auch hier

    die Mglichkeit, diese Passagen ganz einfach

    mit der Bahn zu umfahren: Der Regional-

    zug folgt dem Lauf der Kyll. Wir aber folgen

    tapfer dem Radwegschild nach Wilsecker.

    Hinter uns bemerken wir zwei Radfahrer,

    die sich verdchtig schnell nhern: ltere

    Herrschaften, die uns mit einem Lcheln im

    Gesicht auf ihren nagelneuen E-Bikes ein-

    fach deklassieren. Zeitverzgert, dafr aber

    mit reiner Muskelkraft, erreichen wir die

    Wilsecker Linde. Die schne Aussicht in das

    Sibirien Preuens, so ein spttelnder Bei-

    name der Eifel aus vergangenen Tagen, be-

    lohnt uns fr den Anstieg.

    Wenig spter radeln wir auf den Markt in

    Bitburg, der ber die Landesgrenzen hinaus

    bekannten Bierbrauerstadt. Wer knnte da

    schon der Versuchung widerstehen, sich

    gleich ein khles Blondes zu bestellen?

    Bizarres am Wegesrand

    Am nchsten Tag folgen wir auf sanft hge-

    liger Strecke dem bereits liebgewonnenen

    Flusslauf der Kyll. Eingebettet in eine Wald-

    und Wiesenlandschaft liegt sie da. Ein Sil-

    berreiher steht wie angewachsen im Strom.

    Auer dem beruhigenden Pltschern und

    dem leisen Rauschen der Bltter in den

    Baumkronen ist nichts zu hren. Schon die

    Rmer siedelten in der Eifel und brachten

    Kunst und Kultur mit. Ein Resultat dessen

    ist Speicher, Zentrum des Tpferhand-

    werks. Auf ihrem Weg gen Sden verlsst

    die Kyll nun durch einen tiefen Talein-

    schnitt das Bitburger Gutland und taucht in

    den Ehranger Wald ein. ber Auw an der

    Kyll gelangen wir nach Kordel, lassen uns im

    Gasthof Reichert auf einen Imbiss nieder.

    Des fteren treten jetzt Buntsandsteinfelsen

    hoch aufragend hervor. Genau wie die bi-

    zarre Burgruine Ramstein sind sie Wahrzei-

    chen des unteren Kylltals. Der steile, aber

    lohnende Aufstieg zu den mittelalterlichen

    berbleibseln gibt einen schnen Blick in

    das Umland frei. Langsam nimmt auch der

    Verkehr auf zwei Rdern zu Indiz dafr,

    dass wir bald an der Mosel sind.

    Der Ort Pfalzel ist ein Juwel. Die Mndung

    der Kyll in die Mosel ist zwar eher unspek-

    takulr, aber allein der Blick auf die andere

    Moselseite auf den bekannten Wein-

    ort Ruwer ist prchtig,

    ebenso

    Ausgefallen: Transport mal anders.

    Filigran: Die Rote Brcke von St. Thomas.

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  • die engen, gepflasterten Gassen des Ortes,

    das bunte Huserensemble rund um das

    Kloster und die alte Bastei. Hier wenden wir

    uns auf dem Moselradweg stromaufwrts

    und rollen nach Trier, der ltesten Stadt

    Deutschlands.

    Weltkulturerbe verpflichtet

    Mit der Besetzung Galliens durch die

    Rmer begann fr den Eifel-Moselraum

    eine neue Epoche. An der antiken Fernver-

    kehrsachse Mittelmeer Lyon Trier

    Kln entstand im Jahre 12 v. Chr. die rmi-

    sche Stadt Augusta Treverorum, das heutige

    Trier, das im Laufe der rmischen Besat-

    zungszeit zur Residenzstadt aufstieg. Heute

    gehrt Deutschlands lteste Stadt zum Welt-

    kulturerbe der UNESCO. Die Porta Nigra,

    das schwarze Tor, diente einst als Stadttor

    und ist jetzt unumstrittenes Wahrzeichen

    der Stadt und Treffpunkt von Menschen

    aller Nationen und unterschiedlichster In-

    teressen. So lernen wir hier auch Lothar

    aus Berlin kennen, einen le-

    benslusti-

    gen, weltenbummelnden und freundlichen

    Radfahrer. Sein ber und ber bepacktes

    Bike lsst auf eine lngere Tour schlieen.

    Bin unterwegs nach Santiago de Compo-

    stella, erzhlt Lothar. Den Jakobsweg

    wollte ich schon immer mal beradeln.

    Nach lngerem Erfahrungsaustausch verab-

    schieden wir uns herzlich mit All Heil und

    gute Fahrt und gehen unserer Wege. Ich

    bin immer wieder aufs Neue fasziniert ber

    den unkomplizierten Umgang unter Rad-

    reisenden. Wir schieben gemtlich die

    Rder ber den mittelalterlichen Markt-

    p