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  • "Ihm war, wenn es spt ward, als schwitze er mit allen aus demselben Krper.

    Er war untergegangen in der Korporation, die fr ihn dachte und wollte.

    Und er war ein Mann, durfte sich selber hochachten

    und hatte eine Ehre, weil er dazugehrte. Ihn herauszureien,

    ihm einzeln etwas anhaben, das konnte keiner."

    Heinrich Mann, in: Der Untertan

  • Vorwort

    Liebe Kommilitoninnen undKommilitonen!

    Nach dem Gegenwind Nr. 3, der1998 in aktualisierter Auflage zumThema Studentenverbindungenerschien, haltet Ihr jetzt unserenbereits zweiten Reader zumThema VerbindungsUNwesen inden Hnden. Neben einigen ber-schneidungen zum Gegenwinderfolgt nun eine etwas andereSchwerpunktsetzung. Die Auto-rinnen und Autoren haben sichstrker auf die Entwicklung derBurschenschaften konzentriertund hierbei natrlich einmal mehrauch die Dsseldorfer Burschen-schaft Rhenania Salingia unterdie Lupe genommen. Es entsprichtder Auffassung des AStA- Vor-stands, dass sowohl die Struk-turen als auch die Inhalte derBurschenschaften reaktionres bishin zu faschistischem Gedanken-gut transportieren.Dieser Reader soll Euch Informa-tionen ber das Verbindungs-UNwesen geben und ermglichen,Euch bei Bedarf tiefer in dieMaterie einzuarbeiten. Verbin-dungen versuchen gemeinhin,stets neue Leute anzuwerben bzw.- um den ihrigen Sprachgebrauchzu benutzen zu keilen. Auchdavor mchten wir Euchbewahren.

    Viel Spa beim Lesen!

    Euer AStA- Vorstand

    Claudia, Maria & HappusJuni 2002

    Verbindungs(Un)Wesen - 3

    Inhalt

    Vorwort 3

    Studentische Korporationen 4

    Gemeinschaften mit elitrer Zielsetzung 4

    Studentische Verbindungen - auflsen?! 12

    Die neuere Entwicklung der Deutschen Burschenschaft 22

    Schwarz-braun ist die Haselnuss schwarz-braun bin auch ich - Die Rhenania Salingia heute 28

    Literaturliste 32

    Kleines Lexikon verbindungsstudentischerFachausdrcke 33

    ImpressumHerausgeber & V.i.S.d.P.:AStA der Heinrich-Heine-Universitt DsseldorfUniversittsstr. 140225 Dsseldorf

    Auflage: 2.000

    Namentlich gezeichnete Artikel mssen nicht unbedingt dieMeinung der HerausgeberInnen wiederspiegeln. Die Rechte an Texten und Fotos liegen bei den AutorInnen undFotografInnen.

  • Verbindungs(Un)Wesen - 4

    1. Einleitung

    Das rechtsextreme korporierteSpektrum umfat hauptschlichden Dachverband der DeutschenBurschenschaft, 14.000 Mit-glieder, und in Teilen den derDeutschen Gildenschaft, 560Mitglieder, und der Neuen Deut-schen Burschenschaft, 3.500Mitglieder. Es ist realistisch, wennin etwa 15.000 Korporierte derrechten bis rechtsextremen Szenezuzuordnen sind, also etwa 10%der Gesamtzahl. Eine hoheAffinitt zu konservativ-rechtemGedankengut weisen vor allemdie schlagenden Verbindungen(hier vor allem die Lands-mannschaften und Turnerschaftendes Coburger Conventes, kurz CC)auf, was auf eines ihrer zentralenErziehungsmittel - der Mensur -zurckzufhren ist, dazu aberspter mehr.Gefolgt werden die schlagendenStudentenverbindungen von demgroen Block der konservativeingestellten Verbindungen. Zunennen ist hier vor allem der mitetwa 30.000 Mitglieder grteDachverband, der Cartellverbandder katholischen deutschenStudentenverbindungen, demz.B. Friedrich Merz, Edmund

    Studentische KorporationenGemeinschaften mit elitrer Zielsetzung

    von Stephan Peters

    Stoiber, Jrgen Rttgers, MatthiasWissmann und Klaus Kinkel ange-hren.Den Abschlu des politischenLinks-Rechts-Schema bildendie zum Teil gemischtgeschlecht-lichen Bnde, z.B. die desSondershuser Verbandes, demdie musisch orientierten Ver-bindungen angeschlossen sind.Politisch linke oder auchemanzipatorische Korporationengibt es nicht. Begrndet liegtdiese Tatsache im einem allenVerbindungen gemeinsamenZwangssystem. Das Zwangs-system soll in diesem Beitragdurch die genauere Betrachtungder korporierten Erziehung unddes Verlaufes einer typischenMitgliedschaft anhand aus-schlielich korporiertem Schrift-material (vorwiegend Material desKsener Senioren-Convents-Verbandes, KSCV (die Corps) unddes Cartellverbandes derkatholischen deutschen Studen-tenverbindungen, CV) eingehen-der charakterisiert werden.Abschlieend wird der Sinn deskorporierten Systems zusammen-fassend erlutert.

    2. Die Mittel der kor-porierten Erziehung

    Eine studentische Verbindung, inder Regel als reiner Mnnerbundmit Lebensbundprinzip organ-isiert, weist ein umfassendesRegelwerk auf, dem sich dieMitglieder unterordnen mssen.Erzogen werden die Mitgliederangeblich zu Vertretern einesehrenhaften Studententums undzu charakterfesten, tatkrftigen,pflichttreuen Persnlichkeiten(Handbuch des Ksener Corps-studenten, Bd. 2, 1985, S. 2/3). Ein weiterfhrendes Ziel derErziehung: Das in der kleinen

    In der Bundesrepublik Deutschland gibt es ungefhr 1.000 stu-dentische Korporationen mit etwa 22.000 Studierenden und

    135.000 sogenannten Alten Herren (Stand 1997). Alte Herren sinddie fertig studierten Mitglieder. Etwa 900 Korporationen sind inca. 30 Dachverbnden organisiert und zum Teil im bundesweitagierenden Convent Deutscher Akademikerverbnde und/oder

    Convent Deutscher Korporationsverbnde (CDA/CDK) angegliedert.

    Ein typischer Student ?Burschenschaftler nach dem Fechten

  • Gemeinschaft der KorporationGebte soll den einzelnenBundesbruder befhigen zurbernahme seiner Verantwortungin dem greren Kreis von Staatund Gesellschaft. (Handbuch desCV, 1990, S. 269).Um eine Erziehung derPersnlichkeit mit elitremFhrungsanspruch gewhrleistenzu knnen, bedient sich eineKorporation eines ganzen Kanonsunterschiedlicher Regeln, die inden sogenannten Commentszusammengefat sind. DerComment, das offizielle und auchschriftlich verfgbare Regelwerk,umfat smtliche Bereiche deskorporierten Lebens, vomFarbentragen bis zum Biertrinken(Bier- und Kneipcomment) undregelt darber hinaus auch dasZusammenleben der Mitglieder.Hierin ist ein wesentlicherUnterschied zu einem normalene. V. zu sehen.Bei den schlagenden Bnden, wieden der Deutschen Burschen-schaft, den Landsmannschaften,den Turnerschaften und denCorps, gibt es zustzlich einenPaukcomment zur Regelung desMensurwesens. Ziel der zahl-reichen Regeln ist die Formungdes einzelnen Mitgliedes durchUnterwerfung. EntscheidendesKriterium ist dabei die korporierteGemeinschaft, in die sich derEinzelne einzufgen hat.Drei Erziehungs- und Formungs-mittel seien hier kurz genauererlutert:1) Der Convent, also dieverbindungsstudentische Mit-gliederversammlung,2) Die Kneipe, gemeint ist dasritualisierte Feiern3) Die Mensur, die sicherlicheines der hrtesten Erziehungs-mittel darstellt.

    2.1 Der Convent

    Der erzieherische Wert desConventes als verbindungsstu-dentische Mitgliederversammlungliegt in der Vermittlung einesFeingefhls fr das Machbare. Daseinzelne Mitglied erfhrt, wie weit

    es gehen kann, ohne den Unmutder anderen auf sich zu ziehen. Eswird demnach auch als besondersgeschickt empfunden, jeneMeinung zu erforschen, welcheden geringsten Widerstand find-et.(CV-Handbuch, 1990, S. 218).Bei dieser Zielsetzung hat aber diezu erforschende Meinung oppor-tunistischen Charakter und derConvent birgt in seinen Ent-scheidungen wenig Vern-derungspotential. Ferner wirdbehauptet, dass der Ver-bindungsconvent ein wesentlichbesserer und wertvollerer Er-ziehungsfaktor ist als dieffentlichen Parlamente. (CV-Handbuch, 1990, S. 217)Was eine Korporation darunterversteht und worin genau derwertvollere Erziehungsfaktorbestehen soll, wird im folgendeneingehender beschrieben: Dererzieherische Wert des Conventesin sprachlicher und psycholo-gischer Schulung wird immerunterschtzt. Erst mu ich einmalim Kreis der Freunde, der Bundes-brder die inneren Hemmungenberwinden lernen, sonst werdeich - im Berufe stehend und in dasffentliche Leben gestellt - untermeinen Hemmungen eine Nietebleiben und das Feld dem hem-mungslosen Demagogen ber-lassen. (CV-Handbuch, 1990, S.222)Erzogen wird auf diesen Mit-

    gliederversammlungen durchSelbstberwindung. Der Kor-porierte soll lernen, seine eigenenGrenzen - in Abwgung zu denGrenzen der Bundesbrder - zuberwinden. Es wird allerdings inder Darstellung nicht reflektiert,woher die genannten innerenHemmungen rhren. Auch dieGegnerschaft, hier der hem-mungslose Demagoge, wird nichtspezifiziert. Es wird seitens derGemeinschaft vielmehr eindubioses Feindbild suggeriert, dases zu bekmpfen, bzw. zu ber-winden gilt - innen wie auen.Vor was genau mu sich derKorporierte aber zu schtzen ler-nen? Was mu bekmpft werden?Ist es vielleicht das, was auerhalbder korporierten Gemeinschaftsteht?

    2.2 Die Kneipe

    Eine Kneipe meint ein geselligesTrinken in festgelegter Form(Paschke, 1999, S. 153).Begrungen und Ansprachen,Ehrungen und bestimmte Artendes Trinkens (geregelt imBiercomment) sind Form-bestandteile der Kneipe. Durchden vorgegebenen Verhaltens-kodex und der innerhalb derOrdnung noch bestehendenFreiheit soll sich eine - so heit es- Atmosphre von festlicherSpannung und glcklicher

    Verbindungs(Un)Wesen - 5

    Burschenschaftler beim FrhschoppenSingen in Marburg 2001

  • Entspannung ergeben (Paschke,1999, S. 154). Die Kneipe solldurch ihre Form den alten undjungen Studenten in eineGemeinschaft aufnehmen, inder er ganz Mensch sein kann.(Paschke, 1999, S. 154).Bei der Kneipe bildet also eineOrdnungsvorgabe den Rahmen,innerhalb dessen sich derKorporierte zurechtfinden mu.berschreitet er den Rahmen,wird er nach Hrte desVergehens abgestraft (meistmu er in einer gewissen Formtrinken, er kann aber auch derKneiptafel verwiesen werden). Dererziehende und kontrollierendeAspekt der Kneipe wird folgen-dermaen beschrieben: Trotzeines gewissen einzuhaltendenZeremoniells darf nicht vergessen

    werden, dass (...) auch die Kneipeein Prfstand ist, auf dem derjunge Corpsstudent zeigen soll,mit welcher Sicherheit er sich indem ihm vorgegebenen Rahmenfrei und ungezwungen bewegenkann. Beherrscht er ihn einmal,wird es ihm spter imgesellschaftlichen und beruflichenLeben gut zusta