Regeln und Code

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  • Regeln und Code Praktiken jugendlicher Nutzer auf Netzwerkplattformen

    Dr. Jan-Hinrik SchmidtWissenschaftlicher Referent fr digitale interaktive Medien und politische KommunikationBremen, 30.04.2009

    Regeln und CodeNotizen:

  • AgendaEinleitend: Entwicklungsaufgaben und das Social WebAnalyserahmen fr NutzungspraktikenAngebotsanalysen: SchlerVZ und MySpace

    Regeln und Code

  • Das neue Netz?!Bezeichnung Web 2.0 impliziert, dass technische Innovationen, neue Geschftsmodelle und kulturell-gesellschaftliche Vernderungen zu einem neuen Netz gefhrt htten.

    Zwar wachsen die Optionen fr den Einzelnen, aktiv Inhalte im Netz zu prsentieren, mit anderen zu teilen und weiter zu verbreiten, doch These eines revolutionren Sprungs bertreibt; daher wird im Folgenden von Social Web gesprochen.

    Regeln und Code

  • Nutzung von Social Web-Angeboten (in %, min. mehrmals pro Woche)

    Regeln und Code

    Gesamt

    69

    69

    58

    5

    38

    2

    34

    1

    8

    3

    Gesamt

    Tabelle1

    Gesamtmnnlichweiblich12-14 Jahre15-17 Jahre18-20 Jahre21-24 Jahre

    Instant-Messaging69726772797558

    Online Communities69657263776668

    Musik/Sounddateien anhren58635259756640

    Musik/Sounddateien einstellen57331163

    In Wikis lesen38393625414538

    In Wikis schreiben2222221

    Filme/Videos anschauen34452338463324

    Filme/Videos einstellen1211121

    Weblogs lesen811561287

    Weblogs verfassen3432543

    Nach Alter

    72797558

    63776668

    25414538

    2221

    61287

    2543

    59756640

    31163

    38463324

    1121

    12-14 Jahre

    15-17 Jahre

    18-20 Jahre

    21-24 Jahre

    Tabelle2

    12-14 Jahre15-17 Jahre18-20 Jahre21-24 Jahre

    Instant-Messaging72797558

    Online Communities63776668

    In Wikis lesen25414538

    In Wikis schreiben2221

    Weblogs lesen61287

    Weblogs verfassen2543

    Musik/Sounddateien anhren59756640

    Musik/Sounddateien einstellen31163

    Filme/Videos anschauen38463324

    Filme/Videos einstellen1121

    Tabelle3

  • Entwicklungsaufgaben und Handlungskomponenten im Social Web Nutzung des Social Web ist Teil des Alltags von Heranwachsenden, indem und weil es ein Werkzeug fr die Bewltigung von lebensphasenspezifischen Entwicklungsaufgaben darstellt

    Entwicklungs-aufgabeKernfrageHandlungs-komponenteBeispieleSelbstauseinander-setzungWer bin ich?Identitts-managementAusfllen einer Profilseite;Verffentlichen eines eigenen Videos Sozialauseinander-setzungWelche Position habe ich in meinem sozialen Netzwerk?Beziehungs-managementSenden oder Annehmen von Kontaktgesuchen;Kommentieren eines WeblogeintragsSachauseinander-setzungWie orientiere ich mich in der Welt?Informations-managementRecherchieren in Wikipedia;Bewerten eines YouTube-Videos

    Regeln und Code

  • Nutzungspraktiken (1)

    Es gibt nicht die Social-Web-Nutzung, sondern unterschiedliche Praktiken im Umgang mit den Kommunikationsumgebungen und sozialen Rumen des Internet, also unterschiedliche Praktiken des Identitts-, Beziehungs- und Informationsmanagements.Die Analyse von Formen und Konsequenzen der Social-Web-Nutzung muss immer bercksichtigen, vor welchem Hintergrund von geteilten Erwartungen und Normen, fr welches Publikum bzw. welche ffentlichkeit, und unter welchen technischen Bedingungen das Handeln stattfindet.Abstrakter formuliert: Identitts-, Beziehung- und Informationsmanagement in konkreten Situationen ist von Verwendungsregeln, Relationen und Code gerahmt

    Regeln und Code

  • Nutzungspraktiken (2)Verwendungsregeln

    Geteilte Erwartungen und Routinen ber das angemessene Handeln in spezifischen Situationenz.B. ob eine authentische Selbstdarstellung gefordert ist oder Fakes als legitim akzeptiert werden; wie mit Kontaktanfragen von bislang unbekannten Personen umgegangen wird; ob ein Wikipedia-Eintrag als Quelle fr eine Schul- oder Hausarbeit verwendet werden darf; etc.Z.B. subkulturelle oder cliquenspezifische Konventionen; Allgemeine Geschftsbedingungen von Plattformen; Gesetzliche VorgabenRelationen

    Soziale Netzwerke und Beziehungen, die mit Hilfe von Software gepflegt, explizit gemacht oder aufgebaut werdenDie Einbettung in ein solches Beziehungsgeflecht stellt dem Einzelnen Sozialkapital zur Verfgung: Informationsfluss; emotionale Untersttzung; Zugehrigkeit und Identitt in einer Gruppe; etc.Zugleich stellen Netzwerke auch ffentlichkeit fr bestimmte uerungen oder Selbstprsentationen dar

    Regeln und Code

  • Nutzungspraktiken (3)Code

    Die Software einzelner Anwendungen mit ihren spezifischen Optionen und Restriktionen sowie die Architektur des Social Web als ganzes, die den Austausch von Daten zwischen Anwendungen frdertz.B. Funktionen, bestimmte Profilinformationen nur fr ausgewhlte Mitglieder des eigenen Netzwerks sichtbar zu machen; z.B. die Mglichkeit, ein YouTube-Video auf einer eigenen Webseite einzubetten; etc.Technische Vorgaben der Software determinieren Handeln jedoch nicht, sondern knnen von Nutzern auch umgangen oder fr nicht-intendierte Zwecke eingesetzt werden

    Regeln und Code

  • Vorgehen der AngebotsanalysenBefunde aus der qualitativen und quantitativen Befragung mit Analysen der technischen Optionen bzw. Architektur der Anwendungen kombiniert wurde, um Praktiken des Identitts-, Beziehungs- und Informationsmanagements sowie ihre sozialen Konsequenzen zu beschreiben

    Nutzung mindestens einmal pro Woche, in %

    Ge-samtMnn-lichWeib-lich12-14 Jahre15-17 Jahre18-20 Jahre21-24 JahreYouTube70815976837356Wikipedia55614953615850ICQ49514748605737SchlerVZ39413758663711StudiVZ3028322103757MyVideo27391545352413MSN25222724332817MySpace1417127231612

    Regeln und Code

  • Reichweite SchlerVZ & MySpace (mindestens einmal pro Woche, in %)SchlerVZ ist unter Jugendlichen deutlich beliebter als MySpaceJungen bzw. junge Mnner nutzen die Plattformen etwas hufiger als Mdchen bzw. junge FrauenZusammenhang mit formalem Bildungsgrad der Nutzer; Hauptschler auf beiden Plattformen unterreprsentiert

    GesamtMnn.Weib.12-1415-1718-2021-24HSRSGYMSchlerVZ39413758663711294142MySpace141712723161210919

    Regeln und Code

  • Identitts- und Beziehungsmanagement

    Regeln und Code

  • Identittsmanagement auf SchlerVZ & MySpaceSchlerVZ und MySpace erzwingen standardisierte Selbstdarstellung, um am sozialen Leben der jeweiligen Plattform teilhaben zu knnen; Vorgaben der Profilmasken variieren zwar im Detail, verlangen letztlich aber, das eigene Selbst auf bestimmte Eigenschaften und Profilfelder zu komprimieren.

    Identittsmanagement gert dadurch in Konflikt mit dem Bedrfnis der jugendlichen Nutzergruppen, ihre eigene, d.h. individuelle, persnliche und spezifische Identitt auf den Plattformen auszudrcken und sichtbar zu machen.

    Software-Code von SchlerVZ gibt ein vergleichsweise starres Raster auf den Profilseiten vor, so dass sich die Kreativitt der Nutzer insbesondere im Beitritt zu Gruppen uert, deren Bezeichnungen dem eigenen Profil eine besondere Note geben knnen.

    Regeln und Code

  • Identittsmanagement auf SchlerVZ & MySpaceMySpace ist demgegenber deutlich freier gestaltbar, so dass sich individuelle Vorlieben oder Kreativitt zum Beispiel in der Wahl eines Pseudonyms, aber auch in einer ausgefeilten Gestaltung des Profilseiten-Layouts uern knnen.

    Zudem erlaubt MySpace auch Profile fr Musiker und Bands, die dort Audio- oder Videodateien verffentlichen knnen.

    Dadurch entsteht (a) neuer Distributionskanal fr populrkulturelle Werke, aber auch (b) ein Raum fr die Beziehungspflege zwischen Knstlern und Fans einerseits sowie unter Fans andererseits.

    Regeln und Code

  • Beziehungsmanagement auf SchlerVZ & MySpaceSpannung zwischen der persnlichen Sphre der Nutzer sowie der ffentlichkeit, die mit Hilfe von Netzwerkplattformen hergestellt wird: Fr Beobachter erscheint oft bereits das Offenlegen bestimmter persnlicher Merkmale auf Netzwerkplattformen als Preisgeben der eigenen Privatsphre. Nicht nur die vergleichsweise statischen Elementen (wie Beziehungsstatus oder persnliche Vorlieben) im eigentlichen Profil, sondern gerade auch die dynamischen Kommunikationen sowie Informationen, die sich in Aktivittsfelder eintragen lassen, geben einen Einblick in momentane Stimmungen oder Zustnde. Dieses Verhalten ist jedoch aus der kommunikativen Situation heraus nachvollziehbar: Nutzer schaffen sich ihre eigenen persnlichen ffentlichkeiten.Nur das Ausfllen eines eigenen Profils und der (teil-/plattform-) ffentliche Austausch lsst Jugendliche an der Nutzergemeinschaft teilhaben und sich ihrer eigenen Identitt bzw. ihres Status innerhalb der online abgebildeten erweiterten Peer-Group bewusst werden.

    Regeln und Code

  • Problem der persnlichen ffentlichkeitDas Problematische an diesem writing oneself into being ist, dass diese Praktiken unter besonderen technischen Bedingungen stattfinden: die Kommunikationen sind persistent, durchsuchbar, kopierbar und finden vor unsichtbarem Publikum statt.

    Die Reichweite der eigenen Selbstdarstellung im Profil, der hochgeladenen Fotos oder der Kommentare auf anderen Nutzerprofilen wird daher meist unterschtzt.

    Bei SchlerVZ tuscht die von Anbieterseite formulierte Vorgabe, dass nur Schler auf der Plattform registriert sein drfen, ber den wahren Publikumskreis hinweg; der Anteil von geflschten Profilen lsst sich zwar nicht quantifizieren, doch ist plausibel anzunehmen, dass eine Vielzahl von Erwachsenen (insbesondere wohl Lehrer und Eltern) inzwischen auch auf der Plattform vertreten sind.

    Regeln und Code

  • Konfligierende ErwartungenIm Umgang mit persnlichen ffentlichkeiten konfligieren somit eine Reihe von Erwartungen und NormenAus Sicht der Jugendlichen besteht das Dile