Sagen der Schw¤bischen Alb - drw- .Auf der rauhen Alb Urach Woher Urach so geheien Der Nahme...

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  • Sagender Schwbischen Alb

  • Auf der rauhen Alb

    Urach

    Woher Urach so geheien

    Der Nahme Urach solle daher rhren, weilen vor Zeiten die Grafen (so Tag- und Nachts-Zeit sich wegen des Wilds in Wl-dern aufgehalten) in das Thal hinunter eine Uhr richten las-sen, da sie schlagen hren, und sich also nach der Zeit rich-ten knnten, von welcher Uhr die Stadt hernach den Nahmen Urach bekommen. (109)

    So Wolfgang Adam Held (Der in der gantzen Welt, sowohl im Hau als auf dem Land Hurtige und geschwinde Rechenmeister, 1741). Aber schon im Urach-Epos des Pfarrers von Kohlstetten, Johann Sebastian Wieland, konnte man 1626 die gleiche Namensherleitung lesen:

    In solchs Thal die Graven ein Uhr sollen han gesetzt /Damit in dem jagen / durch Wld durch Thal (man so schtzt)Die Stund kundten wissen /darvon die Statt UrachNach dem sie erbawt den Namen kriegt / hab noch.

    Wie die Bretzel entstanden ist

    In Urach lebte vor Zeiten ein Bcker, der hatte durch einen Frevel sein Leben verwirkt. Da er aber sonst von gutem Leu-mund war, beschlo der Graf, ihm einen Weg offen zu lassen,

  • 148 Auf der rauhen Alb

    um die peinliche Sache los zu werden. Daher lie er den B-cker vor sich fhren und sagte zu ihm: So du einen Kuchen backen kannst, durch den die Sonne dreimal durchscheint, sollst du deines Frevels quitt sein. Da bat sich der Bcker Be-denkzeit aus, ging hin, kam nach drei Tagen wieder ins Schlo und brachte eine Bretzel mit. Darauf schenkte der Graf dem Bcker das Leben. (110)

    Eine heute noch populre Schwank-Erzhlung, die oft mit Graf Eber-hard im Bart (14451496), dem ersten Herzog, verbunden wird.

    Das Steinkreuz an der Siechengasse

    Es haben sich an dieser Stelle zwei Mdchen whrend der Ernte mit der Sichel gegenseitig aus Eifersucht die Augen aus-gestochen, weil sie beide den gleichen Burschen liebten. (111)

    Das gut erhaltene Steinkreuz wurde 1975 an der Umgehungsstrae neu aufgestellt.

    Nicodemus Frischlins Flucht von Schloss Hohenurach

    In der Nacht vor dem Sankt Andreastag 1590 brach er ein Stck aus dem Eisenofen, kroch durch das Ofenloch zum Ker-ker hinaus, zerschnitt all sein Linnenzeug und band es in ein Seil zusammen, erkletterte die Schlomauer, schlug ein Stck Holz in diese und band sein Seil an. Der Mondschein hatte ihn getuscht; er hatte die schroffste Seite gewhlt. Als er halb hinabgestrzt war, brach das Seil, und vier Klafter tief strzte er an den gezackten Felsenwnden hinab. Am andern Mor-gen fand man ihn entseelt, Hirn, Arme, Rippen und Beine jmmerlich zerschellt, auf den Felsen liegen. So starb einer der grten Humanisten seiner Zeit, einer der genialsten Wrt-temberger im 43sten Lebensjahre. []

  • 149Urach

    Eine rhrende Volkssage aber lt ein seltnes Blmlein, das sonst nirgends im Lande als auf Hohenurach wchst, von der theilnehmenden Natur auf die Stelle pfl anzen, wo der arme Dichter seinen Tod fand. (112)

    Der neulateinische Dichter Nicodemus Frischlin war wegen seiner unbequemen Schriften und uerungen eingekerkert worden. Gu-stav Schwab bezeichnete 1823 die Blume nicht nher. Ernst Meier nannte sie 1852: Totenkopf oder Uracher Totenkpfchen (Ophrys archanites). In einem Aufsatz ber die Orchideenfl ora der Mnsin-ger Alb wird die Pfl anze mit der seltenen Orchidee Hummelragwurz (Ophrys holoserica) identifi ziert, die fr den Uracher Festungsberg zweifelsfrei nachgewiesen ist.

    Nikodemus Frischlin (15471590)im Alter von 31 Jahren,

    aus Hildegardis Magna, Tbingen 1579

  • 150 Auf der rauhen Alb

    Der unterirdische See bei Urach

    Als ich vor einigen Jahren mit meinem Vetter eine Reise auf die Alb machte, besuchten wir auch das sogenannte Falkenstei-ner Lchle. Wir kamen unterwegs auf den Wasserfall bei Ho-henurach und auf den Glauben zu sprechen, da der selbe sein Wasser von einem unterirdischen See erhalte. Unser Fhrer, ein alter Mann, erzhlte uns ber diesen See folgende Sage.

    Dieser See lag einst offen da und war von einer Nixe be-wohnt. Eines Tages erblickte sie ein junger Ritter, der sich auf der Jagd verirrt hatte, er entbrannte fr sie, deren Schnheit ihn hinri, schwur ihr ewige Treue und fand auch Gegenliebe. Jahre verstrichen u. stets blieb der Ritter seinem Schwure treu. Doch endlich wurde er durch ihre beharrliche Weigerung, ihm auf sein Schlo zu folgen, des Verhltnisses berdrssig und vermhlte sich mit einem Edelfrulein. Einige Zeit nach-her ritt der Ritter an dem See vorbei, da erschien ihm die erzrnte Nixe, warf ihm seine Untreue vor, und zog den ver-geblich sich Strubenden mit sich hinab in die Tiefe; zugleich versank der ganze See unter die Erde. Einst wird aber derselbe berlaufen, die Erdrinde durchbrechen und das ganze Thal berschwemmen. (113)

    Albert Schotts Schler Pfaff, 1847 in der VIII. Klasse, schrieb die Sage nieder. Der wahre Kern von Sagen ber unterirdische Seen im Albgebiet sind die Karsterscheinungen.

    Gterstein

    Die Rache des Herzogs

    Nach einer ziemlich sichern Tradition suchte der Herzog Ul-rich, da er vom Schwbischen Bunde vertrieben, unstt und fl chtig umherirrte, Schutz und Aufenthalt, wie auf Lichten-

  • 151Gterstein

    stein, so auch in dieser Carthause, wurde aber von den Claus-nern abgewiesen. dadurch aufgebracht, zerstrte er das Kloster nach seiner Wiedereinsetzung. (114)

    So Gustav Schwab 1823. Die unhistorische Erzhlung diente wohl dazu, das Verschwinden der Kartuserniederlassung im Nachhinein zu erklren. Die lteste Fassung der Gtersteinsage bietet die 1754 entstandene handschriftliche Beschreibung der Stadt Urach von Jo-hann Wilhelm Kolb:

    Herzog Ulrich von Wrttemberg, der Verbannte. Die Lithografi e (um 1900) zeigt in historisierendem Stil, wie

    Herzog Ulrich an die Tr der Kartause Gterstein klopft und ein Mnch ihm ffnet. Der wrttembergische Herzog tritt

    als Jger mit Gewehr und Hunden auf, der rundliche Mnch trgt einen Rosenkranz und ein Kreuz auf der Brust.

  • 152 Auf der rauhen Alb

    Es ist zwar eine alte Tradition, es seye Herzog Ulrich whrend seines Exilii einsmals incognito vor das Closter gekommen und habe eine Ritterzhrung begehrt, die ihm aber versagt worden, worauf er gleichbalden bei sich beschlossen, wenn er wieder in sein Land und zur Regierung komme, dieses Closter zu zerstren, welches er nachgehends auch gethan; was hieran wahr seyn mge, lasse dahingestellt seyn.

    Die positive Gegen-Geschichte wird vom Ulrichstein bei Hardt in der Nhe von Nrtingen erzhlt. Da die dortigen Bauern dem ver-triebenen Herzog geholfen htten, seien sie nach seiner Rckkehr an die Macht (1534) mit einer vollstndigen Steuerbefreiung belohnt worden.

    Hlben

    Die Goismadel

    Beim Geimadelfelsen am Weg von Urach nach Hlben geis-tet die Goismadel, die mit Gewicht betrogen hat und der mu-tige Leute beim Vorbergehen darum zurufen: Drei Viertel ist kein Pfund, Geimadel komm und wiegs. (115)

    Geist in der Kirche

    a) Der Name Hlben soll von 2 Cisternen, oder Hlen [kommen], die man aber gewhnlich nur Lachen nennt, und die dazu da sind, da sich bei einem Regen das Wasser darin sammelt, welches von dem Vieh getrunken wird.

    b) In der Kirche soll ein Geist gehen, der frher ein Br-germeister gewesen sein und von dem Korn etc., das auf die Kirchbhne aufgeschttet wurde, gestohlen haben soll. Er soll schon von vielen Leuten gesehen und gehrt worden sein; na-mentlich wurde er schon oft von des sogenannten Gettes ge-sehen.

  • 153Grabenstett en

    c) In dem sogenannten Heiligenberg soll eine weie Frau mit einem ganz kleinen Kopf gehen, die gewhnlich nur das Hol-gabergfrule genannt wird. Sie soll schon von meines Vaters Schwester, die aber jetzt gestorben ist, gesehen worden sein.

    d) In dem sogenannten Rutschenhau soll ein Mann ohne Kopf gehen. (116)

    Diese Sagen trug der 1832 geborene Nrtinger Seminarist Wilhelm Scheu 1850 zusammen.

    Grabenstett en

    Der Frst im goldenen Sarg

    Am Heidengraben stand vor Zeiten eine groe Burg. Noch heute heit das Tor, durch das der alte Weg von Sllelau durch den groen Wall gegen den Ort und die Heerstrae hinaus-fhrt, das Rittertor. Der letzte Frst, der auf der Burg gehaust, hatte vor seinem Ende befohlen, man solle ihn nach seinem Tode in einem goldenen Sarg begraben und ihm alle seine Schtze mit ins Grab geben. Seitdem hat man schon oft nach diesen Schtzen gesucht, sie aber nicht gefunden. Kein Wunder, denn alle Knechte, die den Frsten bestattet haben, wurden gleich nach dem Begrbnis erschlagen und neben ihren Herrn gebettet, so da bald niemand mehr den Platz wute, wo der Frst im goldenen Sarg samt seinen Schtzen ruht. (117)

    Noch heute kann man den Wall des Heidengrabens ber weite Strek-ken verfolgen. Er umschloss ein sptkeltisches Oppidum (befestigte Grosiedlung), eines der grten in Europa.

  • 154 Auf der rauhen Alb

    Schloherr muss geisten

    Ein Schloherr von Hofen, der einen Bauern wegen zu kleiner Zehntgarbe mit der Gabel erschlug, geistet bei Grabenstetten. (118)

    Solche Geschichten nannte die DDR-Erzhlforschung antifeudale Sagen.

    Witt lingen

    Zauberische Luftfahrt

    Nahe bey diesem alten Schlo Wittlingen ligt das alt zerfal-lene Schlo Baldeck / worvon man wunderbarlich fabulirt / als ob vor uhralter Zeit die Innwohner dieser beeden Schlsser / durch Zauberey in der Lufft htten zusammenfahren knnen. (119)

    Der Ennabeurer Pfarrer Johann Martin Rebstock (16481729) gab diese Tradition in seiner 1699 gedruckten Beschreibung Wrttem-bergs wieder. Spter wollte man von unterirdischen Gngen wissen, etwa in der Oberamtsbeschreibung Urach von 1831:

    Nach der gemeinen Sage soll die Schillershhle ber eine halbe Stunde weit fortlaufen, und die Burgen Wittlingen und Bal-deck sollen mittelst derselben eine unterirdische Verbindung gehabt haben.

    Linsenberggeist, Brutelmale und Zeber-Zaile

    Drei Geister sind besonders be