[sa|tü|r] Rhetorik & Stilistik

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Tagungszeitung zur Konferenz am 29. und 30. April 2011 in Salzburg

Transcript of [sa|tü|r] Rhetorik & Stilistik

  • 2011Konferenz vom 29. / 30. April 2011 in Salzburg

    &

  • Es gibt keine stillosen MenschenInterview mit Prof. Dr. Thomas Schirren

    Was ist der Grundgedanke von Satr? DerGrundgedanke von Satr hat sich durch dieZeit entwickelt. Mein Kollege Kolmer wolltezeigen, dass es Rhetorik hier in Salzburg gibt.Interessierte fr Rhetorik gibt es nicht nur in Salzburg, sondern auch auerhalb, welche sichzu bestimmten Themen Gedanken machen und diese vorstellen wollen. Das war der An-fang.Ich habe die Rhetorik in Salzburg 2007 ber-nommen. Es gab auch in diesem Jahr wiederRhetorikgesprche, da diese damals jhrlich in Salzburg stattfanden. Es schien mir eine guteGelegenheit mit Tbingen Kontakt aufzuneh-men. Das bedeutet, dass zwei Universitten sich zurRhetorik bekennen und der Meinung sind,dass man dazu jedes Jahr eine Tagung mit20 bis 40 Vortragenden machen kann. DerGrundgedanke war damals und ich glaube,das haben wir auch soweit realisiert ,dasses ein deutschsprachiges Forum fr Rhetorik geben sollte. Dies hat Pilotcharakter, da es daserste dieser Form ist. Insofern ist der Gedanke eigentlich, Kompetenzen zu bndeln und derRhetorik, die lngst schon nicht mehr in derakademischen Schmuddelecke steht, den Rangzuzusprechen, den sie mittlerweile, wenn auchnoch nicht institutionell, fraglos hat.Es gibt verschiedene Zugnge zur Rhetorik und ich glaube, sehr viele Leute verstehen durchaus Verschiedenes darunter. Was sollteIhrer Meinung nach unter Rhetorik in uni-versitren Rahmen verstanden werden? Ichglaube, die Rhetorik sollte ihre Doppelgesich-tigkeit der rhetorica docens und der rhetori-ca utens bewahren. Dies bedeutet: Praktische Rhetorik, also Vermittlung von sogenannten soft skills einerseits, und die Auseinanderset-zung mit der Theorie, welche nicht zu kurzkommen soll, andererseits. Die Vermittlung und Refl exion von Theorien ist jedoch nichtnur Bestandteil, weil dies zu einer Universitt gehrt, sondern weil wir der Meinung sind,dass Rhetorik eine alte Disziplin ist, die sichber Jahrhunderte, ber Jahrtausende, etab-

    von Kenntnissen erwirbt man sich eben am Besten, wenn man bestimmte Konzepte in der Praxis umsetzt, also durch die Verbindung von Theorie und Praxis, die natrlich auch auf die Theorie zurckschlgt. Fnfzig zu fnfzig?Ich denke wir haben gegenwrtig eher ein bergewicht der praktischen Seite. Das hngt, denke ich, auch damit zusammen, dass wir hier in Salzburg, in sterreich berhaupt, die Performanz in der Schule noch nicht gen-gend gebt haben. Das heit, viele Studierende kommen mit Defi ziten der Performanz in die Seminare. Ich glaube, dass die performative Kompetenz strker bentigt wird. Und dass

    liert hat. Es gibt einen Schatz von Erfahrung, den man eigentlich nur ber Theorien richtig kennenlernt. Unsere Erfahrungen sind, wenn wir uns mit modernen Rhetorikberatern be-schftigen, dass alte Einsichten schlecht ver-standen und schlecht aufbereitet weitergege-ben werden. Die beiden Beine sind also: Praxis fr die umgesetzte Rhetorik und Theorie im Sinne einer akademischen Ausbildung. Damit unterscheiden wir uns auch ganz klar vom b-rigen Markt. Wirklich gutes Reden, die Kunst der guten Rede, ist das Wesen der Rhetorik. Dies profi tiert auch von einer Flle von Kennt-nissen, man knnte sogar sagen: Sie wird da-durch berhaupt erst ermglicht. Diese Flle

    [ 1 ] Satr 2011

  • Satr 2011 [ 2 ]

    Studierende, wenn sie merken, dass sie durchein besseres Auftreten ihre Inhalte besser ver-mitteln knnen, klren wollen, was es eigent-lich war, das den Auftritt verbessert hat. In demMoment, wo wir jemanden hinsichtlich seinerPerformanz kritisieren, brauchen wir Begriffe. Welche Dinge sind gut rbergekommen? Wel-che Dinge sind nicht so gut rbergekommen? Und da beginnt bereits die Theorie. Das heit, die Schlsselkompetenz, die ver-mittelt werden soll, ist primr der Auftritt? Der Auftritt und alles, was zum Auftritt dazu-gehrt, wobei darin schon wieder sehr vielTheorie steckt. Das sind diese beiden Gesich-ter der Rhetorik, die wir entwickeln wollen. Gegenwrtig haben wir ein strkeres Gewicht auf der Praxis, ich glaube, das wird von denStudierenden auch positiv angenommen. Aberes kann durchaus sein, wenn wir merken, dassdie Praxis gut luft, mehr Theorie angeboten wird. Bis zu einem gewissen Punkt ist ein Re-pertoire an Tricks notwendig, doch dann istes relvant, darber hinaus zu kommen, wofrEinblicke in die Theorie bentigt werden.Warum wurde fr die heurigen Satr dasMotto Rhetorik und Stilistik ausgewhlt?Die Auswahl liegt nun schon etwas zurck. Deruns sehr verbundene Dr. Baldur Kirchner warf dieses Thema damals in die Runde. Dieses istdamals sofort auf groe Akzeptanz gestoen. Wir haben im Rahmen der Vortrge gemerkt, dass Stilistik eine Frage ist, die man sehr un-terschiedlich betrachten kann. Eine Begndung war, dass Stilfragen im Grunde genommen bisin die 80er, 90er Jahre des 20. Jahrhunderts von Literaturwissenschaftlern betrachtet wur-den.Wir wollten zurck zum Anfangspunkt schau-en und uns fragen: Was haben wir an origi-nr rhetorischen Potenzialen in der Stilistik? Gedanken dazu waren zum Beispiel das Ge-sprch oder die Darstellung im Fernsehen und auch der Stil von Politikern. Wir hatten jetzt in Deutschland gerade Aufstieg und jhen Sturzeines Verteidigungsministers erlebt, der im-mer fr seinen Stil gelobt wurde. Interessant

    die Mglichkeit gibt, einen Stil zu etablieren. Damit arbeite ich natrlich an einem Master-code, mglichst von mir selber untersttzt und etabliert, der selbst wiederum Auswirkungen hat. Wir fragen uns zum Beispiel, ob eine Bundes-kanzlerin sich vor ein Mikrofon stellen und sagen kann: Ich freue mich, dass XY jetzt ge-ttet wurde. Ist das stilistisch die richtige Aus-sage? Kann man das so formulieren? Politisch, auch ethisch, mag man gute Grnde dafr ha-ben zu sagen, ein Verbrecher ist gefasst wor-den, das beruhigt die Gesellschaft. Dennoch verstt die gewhlte Formulierung gegen ein bestimmtes aptum. Und wenn wir schon ein-mal bei Stilfragen sind: In der Odyssee jubelt Eurykleia ber den Tod der Freier. Derjenige, der sie umgebracht hat, nmlich Odysseus, welcher sich dazu gezwungen sah, sagt, ber tote Menschen, selbst wenn es die Feinde sind, wird nicht gejubelt. Das ist eine Stilfrage. Das wre der Bereich der Rhetorik, der ber Fra-gen des Ausdrucks hinausgeht und natrlich in die Frage der Manieren, des gesellschaftlichen Comments hinberspielt. Wir wissen natrlich Rhetorik als eine Wissenschaft der symboli-schen Interaktion muss sich mit solchen Fragen beschftigen. Und wenn Sie sich umschauen, wie viele Berater fr Stil es gibt die Unsicher-heit ist sehr gro. Eine ganz pragmatische Frage: Wie erwirbt man Stil? Man hat immer schon Stil. Es gibt keinen stillosen Menschen. Das ist, glaube ich, das Ergebnis der 68er Bewegung. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Stil von Leu-ten als unntig, als brgerlich, als hchst pro-blematisch angesehen wurde. Dennoch wurde gesagt, ich trage keine Plastiktte, sondern eine Jutetasche; ich habe grundstzlich nur ab-gewetzte Jeans. Heute kaufen sich Jugendliche schon von vorne herein abgewetzte Jeans. Da-ran wird deutlich: Stil ist immer eine bewusste Entscheidung. Also auch derjenige, der sagt, ich habe immer nur alte Hosen, whlt diese alten Hosen. Von Brecht wissen wir, dass sei-ne angebliche Nickelbrille aus Edelmetall war

    war, wenn man jetzt die Nachrufe betrachtet, dass der Stil, der vorher hochgejubelt wurde, pltzlich schal wirkte, aufgesetzt und irgend-wie nicht echt. Es wird pltzlich ganz anders bewertet. Vorher fand man, dass er ein wun-derbarer Redner ist. Nachdem bestimmte De-tails seiner wissenschaftlichen Arbeit ans Licht gezerrt wurden, fand man aber, er war eigent-lich immer schon etwas halbseiden. Und das sind Fragen, die natrlich Stil und Mensch, Stil und Ethos des Redners, noch einmal virulent werden lassen und das ist dann eben einerhetorische Frage. Das bekommt man nicht ber die literaturwissenschaftliche Stilbetrach-tung in den Griff. Das war unser Gedanke. Was bedeutet Stil fr Sie und welche Rolle spielt er in Ihrem Leben? Ich habe mir dieseFrage auch immer wieder gestellt. Ich glaube, dass ich wahrscheinlich durch meinen Um-gang mit Rhetorik bei Stilfragen sehr sensibel bin. Ich hoffe immer, dass ich den richtigen Stil treffe. Ich glaube, dass das eine Fhigkeit ist, die den grten Erfolg bei den Zuhrern hat. Nun bedeutet aber den richtigen Stil tref-fen oft auch, dass man berhaupt erst einmal einen Stil etabliert. Das beginnt bei der Klei-dung und endet im Ausdruck. Es geht darum,dass man dies auch gegen Widerstnde und mit einer gewissen Sicherheit umsetzt. Die Modemacher knnen als Beispiel dienen.Ich glaube, dass die Mode ein Bereich ist da htten wir bei Satr vielleicht auch noch etwas darber hren mssen wo es nur um Stil geht. Es werden Milliarden in Stilfragen inves-tiert. Es gibt Gurus, die sagen: Das ist guter Stil. Wenn Sie sich aber ansehen, wie zum Beispiel seinerzeit Coco Chanel den Businessanzug fr die Frau etabliert hat, hatte sie natrlich zu-nchst auch mit Kritikern zu rechnen. Es ge-hrt also immer auch dazu gegen den Strom zu schwimmen, aber zu wissen, was das Richtige ist. Das fi nde ich an der stilistischen Frage inte-ressant: die Fhigkeit des Einzelnen, ber das, was Rhetorik zunchst einmal lehrt, nmlich sich mglichst anzupassen, hinauszukommen. Also zu erkennen, dass es darber hinaus auch

  • und seine Zigarren hchst teuer waren. Es ist alles, auch der scheinbar lssige oder vielleicht sogar armselige Anzug, eine Frage des Stils. Es gibt keine Nullstufe. Ich glaube, das wissen wir auch aus der Rhetorik. Es gibt keine rhetori-sche Nullstufe. Dann geht es darum, den Stil zu entwickeln und zu verfeinern? Es geht darum, zu ber-legen, ob diese Entscheidung richtig in die-sem Kontext ist. Ob ich mich so anziehe fr den entsprechenden Auftritt oder so anziehe. Ich glaube, dass damit schon viel entschieden ist, auch fr die Wirkung des folgenden Auf-tritts. Stilfrage ist die Bewusstmachung des-sen, was ich eigentlich tue. Und darauf folgt die Frage nach der Optimierung. Denn Sie re-den immer irgendwie und irgendwie nutzen Sie auch die Grammatik. Rhetorik untersucht aber, wie ich dies optimieren kann. Insofern msste die Stilfrage auch eine Optimierung anstreben, sogar gegen Widerstnde. Das sind die Chancen, die dem Rhetoriker dadurch zu Gebote stehen, dass er wei, wie er eine Stra-tegie optimiert. Derjenige, der das nicht wei, scheitert vielleicht damit. Wir haben immer wieder erlebt, wie stilistische Entscheidungen misslingen knnen. Ein Beispiel aus der Poli-tik: Die Grnen haben 1980 in Deutschland Einzug in die Landesparlamente, spter auch in die Bundesparlamente gehalten. Sie traten zu-nchst provokativ mit Turnschuhen auf. Jeans und Turnschuhe im Bundeskabinett. Das war natrlich zunchst fr manche ein Problem. Die Botschaft, die dabei gesendet zu werden schien, lautete: Uns ist egal, was wir tragen, uns geht es um die Sache. Wir legen keinen Wert auf Anzge und entsprechende Schuhe, wir wollen Inhalte, keine Formfragen. Aber das war natrlich auch eine Form. Sie haben sich fr diese Form entschieden, welche zu-gleich auch Teil der Botschaft war: Wir sind locker, wir bringen die Strae ins Parlament. Als Joschka Fischer dann Bundesminister des ueren wurde, legte er seine Kluft ab und trat seither in Nadelstreifen auf, weil er der Mei-nung war, das ist angemessener. Das ist nicht nur Anpasserei, sondern das war eine bewusste Entscheidung. Also Aufgabe der Rhetorik an einer Uni-versitt wre es, den Studierenden bewusst zu machen, was sie machen und sie dann aufzufordern, dies auch zu optimieren? Ge-nau. Ihren eigenen Stil zu suchen. Und es gibt sehr unterschiedliche. Wenn sie Anfang des 20.Jahrhunderts auf die Strae getreten w-ren, da war die Stilfrage eine Frage des Ein-kommens. Es war vllig klar, was man anzog. Man musste einen Hut tragen, man musste ei-nen dunklen Anzug tragen, man hatte entspre-

    chende Krawatten. Unterschiede gab es nurdarin, dass sich Arbeiter nur einen bestimmten Anzug leisten konnten und den besseren auchnur einmal pro Wochen tragen konnten. Leu-te, die mehr Geld hatten, besaen eine Vielzahl solcher Anzge. Aber der Stil war im Grunde festgelegt. Heute gehen Sie hier in entsprechende Kauf-huser liegt es nicht an der Qualitt der Ma-terialien, ob etwas teuer ist. Heute ist es eineFrage des Labels. Das heit, Sie entscheiden sich beim Kauf fr die jeweilige Stilistik. Siehaben eine Vielzahl an Optionen. Deswegen ist es wichtig, fr die Frage des richtigen Stilsim Sprechen und natrlich darber hinaus, Be-wusstheit oder Bewusstsein zu entwickeln undauch weiter auszubilden: Welcher Stil passt zumir und zur jeweiligen Situation?Zugleich heit das aber auch, dass man wissenmuss, wer man selber ist und welche Persn-lichkeit man hat, um den passenden Stil zu fi n-den, sofern es nicht nur angelegte Rollen seinsollen. Dies hat uns auch Prinz Asfa-Wossen Asserate gezeigt. Die Frage heute ist nicht mehrWas ist der beste Stil?, sondern Welcher Stilpasst zu mir?. Insofern ist auch Rhetorik, undda sind wir wieder bei der Schlsselkompe-tenz, eine Form von Persnlichkeitsentwick-lung. Um diese Frage beantworten zu knnen, welcher Stil passt zu mir muss ich michselbst schon ein bisschen kennen. Ich sehe,was Rollenverhalten betrifft, nicht so groeProbleme. Ich denke, die Authentizitt kannsich auch wandeln oder das ist auch ein Mo-dus sich zu geben. Stil muss nicht immer auf der innersten Wahrheit des Wesens beruhen. Wer sind wir eigentlich? Diese Frage, einmal gestellt, wrde uns wahrscheinlich in so tiefesNachdenken bringen, dass wir berhaupt nichtmehr rhetorisch Handeln knnten. Irgendeine Rolle nehmen wir immer an, aber wir solltenuns bewusst machen, dass es eine bestimmte Rolle ist und dass Rollen mehr oder weniger gut passen, mehr oder weniger natrlich sind. Einen letzten Gedanken zu Satr 2011. LetzteGedanken formuliere ich natrlich immer un-gern, weil das heit, dass es dann keine mehrgibt. Ich denke, der Gedanke, den wir von Sa-tr mit nach Hause nehmen ist: Stilfragen sindso eng mit der Persnlichkeit verzahnt, dasswir das immer wieder betrachten mssen.Auch die Abschlussdiskussion hat gezeigt, wie gro das Spektrum ist, in dem man berStilfragen nachdenken kann. Wie Quintilian dies auch sagt: Die zentralen Kategorien sindSensibilisierung und Selbstbeobachtung.

    Christian Haider und Eva Mayringer

    [ 3 ] Satr 2011

    Es gibt keine stillosen MenschenInterview mit Prof. Dr. Thomas Schirren

  • Impressionen

    Satr 2011 [ 4 ]

  • Jetzt seien Sie mal ehrlich wirklich ehrlich Sie haben doch auch mal abgeschrieben, in der Schule vom Strebernachbarn. Oder? Ich habe zugegebenermaen nicht oft bis gar nie geschummelt. An ein Mal kann ich mich aber noch sehr gut erinnern: Da scheiterte ich klglich und wurde vor der versammelten Klas-se von der strengen Lehrerin abgekanzelt was mir aber gleichzeitig hohe Sympathiewerte seitens meiner Klassenkameradinnen einbrach-te. Ab sofort war ich nicht mehr die Streberin, unantastbar, sondern eine von ihnen. So oder so hnlich htte es auch fr Karl-Theodor zu Guttenberg laufen knnen und fast htte es ja auch funktioniert wren da nicht all diese bsen Pressemenschen und all diese noch b-seren Akademiker gewesen.Alles Unglck nahm seinen Anfang mit einer einfachen harmlosen Buchbesprechung. Dem Rezensenten Andreas Fischer-Lescano fi el das sprachlich als auch argumentativ sehr unein-heitliche Niveau der Arbeit auf. Routinem-ig googelte er einige Stellen und was er da fand, erstaunte ihn nicht schlecht. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Doktorarbeit an meh-reren Stellen ein dreistes Plagiat und eine Tuschung sei. Guttenberg, selbst ernannter Inbegriff von Wahrheit und Werten, wies dies entschlossen zurck: Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Als die vergessenen und bersehenen Fu-noten stetig wuchsen, sagte er in einer Pres-sekonferenz mit sprhender berlegenheit und voller Gte: Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat. (...) Sie ist in ber etwa sieben Jahren in mhevollster Kleinar-beit entstanden und sie enthlt fraglos Fehler. Und ber jeden einzelnen dieser bin ich selbst am unglcklichsten. (...) Ich werde selbstver-stndlich aktiv mithelfen festzustellen, inwie-fern darin ein wissenschaftliches, ich betone ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen knnte. Und ich werde gerne bis zum Ergeb-nis dieser Prfung vorbergehend, ich betone

    vorbergehend, auf das Fhren des Titels ver-zichten, allerdings nur bis dahin, anschlieend wrde ich ihn wieder fhren. Natrlich war die 475-seitige Sache ber alle Zweifel erha-ben, aber Guttenberg war schlielich auch kein Kleinkrmer und verstand die ngste und Zweifel ein paar weniger Thomase. Whrend des folgenden besonders gemt-lichen Wochenendes hatten sich die plagi-ierten Seiten inzwischen auf ber 260 Seiten addiert. Auch Guttenberg hatte Zeit gehabt, sich mit seiner von ihm verfassten Doktorar-beit noch einmal zu beschftigen. Nach dieser Beschftigung (...) habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht fhren werde. Ich sage das ganz bewusst, (...) weil ich feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe; gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfllen. (...) Und dann gibt es ganz besonders peinliche Beispiele dabei. (...) Und das sind selbstverstndlich Fehler. Und ich bin selbst auch ein Mensch mit Fehlern und Schwchen. Und deshalb stehe ich auch zu die-sen Fehlern. Vor seinen jubelnden Fans in der Kelkheimer Stadthalle wird Guttenberg nun selber zum reuigen Thomas, uert Selbstvor-wrfe und gibt seine Demut zu Protokoll. Und im gleichen Atemzug mutiert er auch zum David im aussichtslosen Kampf gegen Goliath: Und, meine Damen und Herren, da verlsst man nicht irgendwelche Schiffe, sondern man bleibt an Deck, und dann hlt man Dinge auch entsprechend durch. Und wenn es gelegentlich etwas absurd wird, dann hlt man die Dinge einfach auch aus. Auch das ist eine Erwar-tungshaltung, die Sie, glaube ich, an jemanden auch haben, der in der Verantwortung steht. Gutti hatte sich schon lange in die Herzen der Menschen geredet und geBILDet und war sich sicher, dass sie ihm diese Sache nachsehen und ihm dabei sogar beistehen wrden.Die Opposition war allerdings nicht gewillt,

    ihn davonkommen zu lassen. Kanzlerin Ange-la Merkel hingegen verstand das Anliegen desVolkes und wollte beim Gltten der Wogen helfen: Ich habe keinen wissenschaftlichen Assistenten berufen, sondern einen Verteidi-gungsminister. Genau. Genauso htte er auchbetrunken fahren knnen, schlielich hatte sieja auch keinen Fahrer eingestellt. Das Bonmot der Kanzlerin war beherzt und fr eine Dok-torin der Physik beraus mutig. Letztendlich konnte es aber leider die glosende Glut auchnicht mehr lschen. Denn inzwischen brann-te es dank ber 30.000 akademischer Unter-schriften schon lichterloh. Letztlich und ausschlielich waren es dannaber doch das groe Pfl ichtgefhl und die ei-gene berzeugung und Verantwortung, dieGuttenberg zum Rcktritt veranlassten. Ichtrage bis zur Stunde Verantwortung in einemfordernden Amt. Verantwortung, die mg-lichst ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit verlangt. (...) Wenn allerdings wie inden letzten Wochen geschehen die ffentli-che und mediale Betrachtung fast ausschlie-lich auf die Person Guttenberg und seine Dis-sertation statt beispielsweise auf den Tod unddie Verwundung von 13 Soldaten abzielt, sofi ndet eine dramatische Verschiebung der Auf-merksamkeit zu Lasten der mir Anvertrauten statt. (...) Wenn es auf dem Rcken der Sol-daten nur noch um meine Person gehen soll,kann ich dies nicht mehr verantworten. Unddeswegen ziehe ich da das Amt, die Bun-deswehr, die Wissenschaft und auch die michtragenden Parteien Schaden zu nehmen drohen die Konsequenz, die ich auch von anderenverlangt habe und verlangt htte.Wer war also Schuld am ganzen Desaster? DieMedien. Natrlich. Die Geister, die Guttenberg selbst herbeigerufen hatte, hatten die Gewich-tung der Nachrichten falsch gelegt und mitihrer enormen Wucht der medialen Betrach-tung alles durcheinander gebracht. Was sindschon ein paar kleine vergessene Zitate im Ver-

    Jeder Politikberater rt strengstens davon ab. Und dennoch ist diedefensive Selbstverteidigung unter Politikern hchst beliebt. UlrikeWendenburg zeigte in ihrem Vortrag die Verteidigungsstrategie Karl-Theodor zu Gutenbergs in Zusammenhang mit seinen Plagiatsvorwr-fen auf. Eine Erwiderung auf ihren Vortrag.

    Eine Erwiderung auf Ulrike Wendenburg: Karl-Theodor zu Guttenbergs rhetorische Schadensbegrenzung

    [ 5 ] Satr 2011

  • gleich zum Tod von Soldaten in Afghanistan? Diese populistische Form von Relativismus ist nicht leicht zu durchschauen. Im Gegen-teil: diese Logik ist universell anwendbar undeignet sich unter anderem auch hervorragend dazu, eine abgekupferte Doktorarbeit als einKavaliersdelikt hinzustellen. 1218 Plagiatsfrag-mente aus 135 Quellen auf 371 von 393 Sei-ten sprechen allerdings eindeutig eine andere Sprache.Eigentlich hat Karl-Theodor zu Guttenberg janur eine kleine Winzigkeit bersehen nebenall den anderen Funoten: In der Schule beiTests abzuschreiben ist leider nicht dasselbe wie bei einer Dissertation die Funoten zu ver-gessen. Vielleicht htte ihm das jemand vorher sagen sollen.

    Michaela Lederer

    Satr 2011 [ 6 ]

    Kirchner-SeminareRhetorik . Dialektik . Ethik . PsycheRh t ik Di l ktik Ethik P h

    Wir bieten seit 1972 sehr erfolgreich persnlichkeitsbildende Seminare und Privatissima fr Fhrungskrfte aus Wirtschaft und Politik an. Mehr ber unser Selbstverstndnis und unser Angebot nden Sie unter www.kirchner-seminare.de.

    Rhetorik ist mehr als reden.

    Die Salzburg-Tbinger Rhetorikgesprche bilden fr diesen Gedanken einen wertvollen Rahmen. Das untersttzen wir.

  • [ 7 ] Satr 2011

    Rhetorikausbildung ist PersnlichkeitsentwicklungInterview mit Dr. Baldur Kirchner

    Dr. Baldur Kirchner erffnete mit seinem Vortrag ber die Capta-tio benevolentiae die 8. Salzburg-Tbinger Rhetorikgesprche. Dabeisprach er nicht nur ber eine Stilfigur, sondern berzeugte vor allemdurch seine Persnlichkeit und gewann offensichtlich Wohlwollen undZustimmung des Publikums. Herr Dr. Kirchner uerte sich zu Rheto-rik, Persnlichkeit und auch zu Persnlichem.

    Herr Kirchner Sie beschftigen sich seit ca.40 Jahren mit dem komplexen Thema der Rhetorik. Was waren fr Sie persnlich diespannendsten Erkenntnisse in den vergan-genen Jahren? Wo haben Sie neue Aspekte fr sich entdeckt? Ich gehe einen Schritt zu-rck, nmlich zu dem, was mich nach meinem Studium in Tbingen bewogen hat, mich mitRhetorik intensiver zu beschftigen. Es wardie Beobachtung eines zu methodisch-techni-schen, oberfl chlichen Kommunikationsver-haltens in der Gesellschaft, in der Politik, in der Wirtschaft, gegebenenfalls in der Kircheund der Wunsch, einen kleinen Beitrag dazuzu leisten, Sprache als ein Merkmal der Persn-lichkeit zu betrachten und nicht an erster StelleTechniken zu kultivieren.Da haben Sie ja mit Ihren Kursen schon ei-nen groen Beitrag geleistet. Ja, das kannich sagen, das sind ungefhr, da wir mit al-len Teilnehmern Einzelgesprche fhren ichsage jetzt wir, weil ich unsere Shne Alexander und Sebastian mit einbeziehe etwa 35.000Menschen aller Branchen, mit denen wir ar-beiten. Denen haben wir versucht, Sprache in einer Weise zu vermitteln, die ein Ausdruck der Persnlichkeit ist. Es geht also um die Au-thentizitt des Sprechenden und um das damitverbundene berzeugungsvermgen. Deshalb begleiten wir Fhrungskrfte auch ber meh-rere Jahre.Ich mchte auf die Persnlichkeitsent-wicklung noch weiter eingehen, aber zuvormchte ich Ihnen noch eine andere Fragestellen: Sie haben Philosophie, Philologie und Theologie studiert und sind seit 40 Jah-ren selbstndig in diesem Bereich ttig. Wasist Ihre Berufsbezeichnung bzw. was habenSie vor 40 Jahren beim Ausfllen eines For-mulars in das Kstchen Berufsbezeichnung eingetragen und was heute? Vor 40 Jahren habe ich Freier Seminarleiter eingetragen und heute schreibe ich Freier Dozent fr An-

    gewandte Philosophie, als Oberbegriff, oder Dozent fr Persnlichkeitsentwicklung.Klingt schn. Ja, denn Persnlichkeitsbildung ist meiner Meinung nach unzutreffend, denn jedes Kind hat bereits seine Persnlichkeit mit-bekommen. Aber wir betrachten unsere Arbeit als Beitrag an der Persnlichkeitsentwicklung.

    In Ihren Bchern, Seminaren und Vortr-gen wird immer wieder die Wichtigkeit der Persnlichkeitsentwicklung betont. Wie wrden Sie denn das Verhltnis zwischen Persnlichkeitsentwicklung und Rhetorik beschreiben? Knapp gesagt, Rhetorikausbil-dung ist Persnlichkeitsentwicklung. Womit

  • Satr 2011 [ 8 ]

    ich meine, dass jemand, der sich hufi ger inRhetorikseminare begibt, erfhrt, dass er sichin seiner Wirkung besser begreift, dass er mitRckmeldungen, die andere ihm geben, besserumgehen kann, dadurch souverner wird und schlielich zu einer tieferen Selbsterkenntnis seiner Persnlichkeit gelangt. In der Rhetorik gibt es ja Parameter, an dersich Qualitt messen lsst. Da haben wirheute auch schon einige gehrt. Dies erweist sich jedoch als schwieriger, wenn es zurPersnlichkeitsentwicklung kommt. Gibtes Ihrer Ansicht nach dennoch Parameter, an denen sich eine gute Persnlichkeitsent-wicklung messen lsst? Ja. Ich fange mit et-was Vordergrndigem an. Ich kann belegen, an der Biographie von Fhrungskrften, dieich lange begleite, dass sie sich berufl ich hie-rarchisch verbessert haben, womit ich meine,dass sie aufgestiegen sind. Das ist das Vorder-grndige. Das Tiefere ist, ich lehne mich daan Aristoteles, an die berzeugungsintention an, nmlich Besonnenheit, Tugend (womit ichdie nach modernem Ausdruck sittliche Kom-petenz meine) und Wohlwollen. Das heit,der Sprechende zeigt Wohlwollen gegenber dem Publikum, was ein Ergebnis seiner inne-ren Qualitt ist, das Publikum beantwortet ihmseinerseits diese Haltung mit einer ebenfalls aufgeschlossenen, freundlichen Art.In Ihrem Buch Rhetorik fr Manager schreiben Sie, dass die Rhetorische Bildung letztlich Ausdruck von Persnlichkeitsbil-dung ist. Sollte es Ihrer Meinung nach aucheinen Kurs oder ein Unterrichtsfach an Uni-versitten oder anderen Ausbildungssttten mit dem Titel Persnlichkeits- oder Her-zensbildung geben? Unbedingt. Ich habeheute in meinem Vortrag den dnischen Tie-fenpsychologen Ewald Bohm zitiert, der alsErfi nder des Ausdrucks Verkopfungsneurosegilt, mit der er die Intellektuellen in Europa kritisiert. Diese defi nieren sich an erster Stelledurch ihre Intellektualitt und rationalisierten Erlebnisse. Psychoanalytisch ausgedrckt, alsoalle mglichen Erklrungen geben, aber Angstvor dem wirklich tiefen emotionalen Erleben haben. Es gibt zum Beispiel in anderen Lndern an Gymnasien sogenannte Debattierklubs und Arbeitsgemeinschaften fr freies Sprechen. Ne-ben den offi ziellen Lehrsthlen fr Rhetorik,Latinistik und Grzistik sollte es Lehrsthle, Se-minare fr Angewandte Rhetorik geben, denn noch einmal sei es gesagt Angewandte Rhe-torik ist Persnlichkeitsentwicklung.Und sehen Sie darin auch ein gewisses Prob-lem, was die Lehre als auch die Beurteilung anbelangt, da man sich in einem Bereich be-wegt, der sehr stark in den persnlichen undauch intimen Bereich des Studierenden hin-eingeht? Das bedarf eines ethisch sehr verant-wortungsvollen Verhaltens des Seminarleiters. Es bedarf eines ausgewogenen Interaktionssti-les, wie er mit den in der Gruppe versammel-ten Personen acht bis maximal zehn Personen umgeht. Zum Beispiel nicht vergleicht und

    keine negative Kritik uert, sondern gegebe-nenfalls in Einzelgesprchen unter vier Augen sagt, was er Demjenigen nicht vor der Gruppe sagen mchte.Wir haben heute auch in dem Vortrag von Herrn Dr. Asserate gehrt, dass wir in einer Zeit der Umbrche leben. Glauben Sie, dass es in Zukunft solche Kurse an Universitten geben wird? Ich glaube schon, weil auch an den Universitten eine neue Generation nach-wchst, die sich eines demokratischen Dis-kussionsstiles befl eiigt. Das demokratische Kommunikationsverhalten aber legt ja nahe, dass der Disputant in exponierter Stelle rela-tiv frei und fl ssig formulieren knnen sollte. Es ist also erlaubt, dass Studierende Fragen an den Dozierenden stellen und er nicht allein mit fachlicher Kompetenz, sondern auch mit sozi-aler Kompetenz berzeugend antworten sollte. Unbedingt. Ja, ich meine unbedingt, dass an den Universitten mehr fr die Persnlich-keitsentwicklung getan werden msste.

    Was halten Sie von dem Begriff der Rhe-torik ganz allgemein? Es zeigt sich ja auch auf dieser Tagung, dass es sehr viele un-terschiedliche Zugnge und verschiedene Selbstverstndnisse oder Konnotationen gibt. Im Grunde ist Rhetorik von der Herkunft eher ein Fach, als eine Fachdisziplin, die ars rhetorica oder rhetorike techne bei Aristoteles ist zunchst ein Hinweis auf die Persnlich-keitsbildung. Wir mssen heute eher sagen: Ausbildung im souvernen Sprechen. Wenn wir die Literarische Rhetorik, das Verfassen von Texten, einmal beiseite lassen, knnen wir sagen, dass die Angewandte Rhetorik eine Dis-ziplin ist, die sich um das freie monologische und dialogische Sprechen bemht.Der Seminarmarkt, die Coaching- und Be-ratungsszene boomt. Welche Rolle wird die Rhetorik in Zukunft auf diesem Markt spielen? Offensichtlich eine sehr groe, dennsogenannte Rhetoriktrainer, ich sage bewusst

    sogenannt, weil ich von einem Training der Persnlichkeit nichts halte, aus ethischer und aus tiefenpsychologischer Sicht, aber of-fensichtlich eine sehr groe. Denn es gibt ein starkes Bedrfnis von Personen, die sich in Fhrungspositionen begeben mchten, die ein brillantes Examen absolviert haben, aber schon drei Wochen nicht schlafen knnen, weil sie die erste Rede oder Besprechung halten ms-sen. Also, es gibt zahlreiche, ja tausende so-genannter Rhetoriktrainer, sodass der Markt boomt. Es ist zunchst auch sehr leicht, einen Teilnehmer vor die Kamera zu stellen und ihm zu sagen, wie er sich uerlich habituell ver-halten solle. Die Schwierigkeit aber besteht darin eine Kontinuitt in der Begleitung zu entwickeln. Die dauert, wie zu Beginn gesagt, viele Jahre. Der Schweizer Autor Rolf Dobelli hat in sei-nem Buch Wer bin ich 777 indiskrete Fra-gen formuliert. Ich erlaube mir, davon sechs Fragen an Sie zu richten.Wie defi nieren Sie Sinn? Sinn bedeutet die Tiefe fr die eigene Lebens-gestaltung erkannt zu haben.Gibt es einen thematischen Schwerpunkt in Ihrem Leben? Ja, die Beziehung zum Gttlichen.Woran messen Sie die Qualitt Ihres Lebens-entwurfs? An meiner familiren und meiner persnli-chen inneren Harmonie.Was war wichtiger fr Sie: Mut oder Beson-nenheit?Besonnenheit.Haben Sie die Tendenz, zu viel oder zu we-nig zu reden?Seitdem ich mich intensiver mit der Kontem-plation beschftige, das sind nun auch schon vierzig Jahre, wenn ich das sonstige Berufl iche beiseite lege, spreche ich eher, in der Tendenz, weniger und hre mehr zu.Welche Fragen htten Sie Sokrates gestellt?Ich htte ihm die Frage gestellt, weshalb er sagt Ich wei, dass ich nichts wei.Meine letzte Frage an Sie Herr Kirchner: Was mchten Sie jungen Studenten der Rhetorik mit auf den Weg geben?An allererster Stelle an ihrem Selbstwertgefhl zu arbeiten.

    Christian Haider

  • Stil, Manieren und ein Prinz aus dem Hause David

    Asfa-Wossen Asserate sprach in seinem Abendvortrag ber den homooeconomicus als stilistisches Phnomen. Dabei kam der Prinz ausdem thiopischen Kaiserhaus nicht nur auf spezielle Gepflogenheitenzu sprechen, sondern reflektierte das Wesen von Manieren und Stil.

    Das gehrt sich nicht! Das macht mannicht! Das zieht man nicht an! Wer kenntsie nicht diese Aussagen und auch diesesman. Doch woher kommen derartige An-nahmen ber das richtige Benehmen, werist man und wer legt richtig und falsch fest?Manieren und Benehmen sind Bereiche, wel-che nach wie vor in jeder gesellschaftlichen Si-tuation relevant sind. Ihre Relevanz wird seltenin Frage gestellt, ihre Verbindlichkeit und An-gemessenheit schon eher. Frher war verhlt-nismig klar, wie man sich verhlt und werdie prskriptiven Gren in Stilfragen sind.Der Knigge. Das Standardwerk ber guteManieren mit dem Titel ber den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr von Knig-ge erschien erstmals 1788. Dennoch ist es ebendieses Werk, welches vielen von uns beimStichwort Manieren ins Bewusstsein rckt. DieKlarheit und Reglementierung von anno dazu-mal ist mittlerweile einer Vielfalt an Stilen und einer groen Unsicherheit gewichen. Waren eseinst Adelige, welche sie prgten, und Tanz-lehrer, welche sie vermittelten, gibt es heutenicht mehr DIE Instanz fr den Bereich Manie-ren. Es gibt nicht eine Fachdisziplin, welche fr das umfassende Gebiet zustndig ist. VieleDisziplinen setzen sich mit Teilgebieten desgroen Themas Manieren auseinander undpicken sich einzelne Bestandteile heraus. DieseUnklarheit in puncto Zustndigkeit macht auchdie gesellschaftliche Unsicherheit in puncto Manieren verstndlich. Wer knnte heute noch ein Werk ber Ma-nieren schreiben, welches in eine Reihe mitKnigge gestellt werden kann? Viele Rezen-senten scheinen sich einig zu sein: Asfa-Wos-sen Asserates Manieren ist so ein Werk. Er sagt jedoch selbst, dass es sich dabei um keineprskriptiven Betrachtungen handelt, sondern dass sein Vorgehen deskriptiv, analytisch und etymologisch war. Er ist den Fragen nach Ma-nieren nicht systematisch nachgegangen, da er selbst sagt, ich glaube, damit dem Geistmeines Themas zu entsprechen, denn die Ma-

    nieren sind kein System, sie sind logisch nicht erschliebar und sie entziehen sich der exakten Fixierung. Dennoch zeigt der Autor, sowohl in seinen Werken als auch in seinem Vortrag ein Gespr fr diese Thematik. So fhrte er in seinem Vortrag mit dem Titel Der homo oeconomicus als stilistisches Phnomen bei-spielsweise ironisch und zugleich genau be-obachtet die verschiedenen Ausformungen des Gastempfanges in den oberen Etagen der Geschftswelt an. Humorvoll skizzierte Asfa-Wossen Asserate unterschiedlichste Mglich-keiten, angefangen von der Abholung des Gastes durch den Chef persnlich in der Emp-fangshalle bis hin zu dessen Sitzenbleiben hin-ter dem Schreibtisch, wenn der vor der Tre wartende Gast endlich vorgelassen wird. In jedem Fall eine deutlich Aussage, in jedem Fall auch eine Frage des Stils.Wir wissen nun, wer ein Werk ber Manie-ren im Gefolge von Knigge verfasst hat, doch weshalb ist gerade Asfa-Wossen Asserate ge-lungen, was vielen misslang? Nachdem Be-nehmen und Stil schwer fassbare Gren dar-stellen, und sich genauer Klassifi zierung undDisziplinen entziehen, ist Expertise schwer feststellbar. Ein Indikator knnte jedoch sein, dass es keine Inkongruenz zwischen Wort und Tat gibt: Asfa-Wossen Asserate schreibt und spricht ber Manieren UND lebt dies auch. EinPrinz aus dem thiopischen Kaiserhaus fr den Stil und Manieren von Geburt an selbstver-stndlicher, alltglicher Bestandteil waren. So erzhlt er in seiner Biographie (Ein Prinz aus dem Hause David und wie er nach Deutsch-land kam) vom tglichen Speisezeremoniell, von Kleidungsvorschriften und nicht zuletzt von glanzvollen gesellschaftlichen Ereignissen. Und in all diesen Situationen waren Stil und Manieren nicht nur schmckendes Beiwerk, sondern tragende Bestandteile. Wenngleich eine kaiserliche, thiopische Zeremonie nicht mit europischem Alltag verglichen werden kann, so werden durch diesen vernderten Blickwinkel Eigenarten unserer Kultur und

    [ 9 ] Satr 2011

  • knnte auch sagen, sich selbst ausschlielich im Spiegel der anderen wahrzunehmen. Der Aufmerksame ist darauf konzentriert, die Lage, in der er sich befi ndet, zu erkennen. Er blickt die Menschen, die ihm begegnen, an. Die-se Menschen sind ihm wichtig. Es gibt keine unwichtigen Menschen und unwichtigen Be-obachtungen. Was in der jeweiligen Situation vernachlssigt werden kann, muss zunchst wahrgenommen werden.

    Eva Mayringer

    Parfm ist es klug, sich Manieren anzueignen, die mit den persnlichen Gegebenheiten nicht in kreischendem Gegensatz stehen, sondern sie glcklich ergnzen. Doch nicht nur die eige-ne Person sollte als Referenzgre dienen, son-dern auch die jeweilige Situation (man denke an den rhetorischen Begriff des aptums). Was in einer Situation angemessen ist, kann in der anderen vllig verkehrt sein. Daher kann es nicht darum gehen, spezielle Vorschriften zu kennen, sondern um Angemessenheit der ei-genen Person, dem Umfeld und der Situation gegenber. Asfa-Wossen spricht nicht nur von einzelnen Gepfl ogenheiten, sondern themati-siert in seinen Manieren auch Einstellungen und Werte, welche dahinter liegen. Zentrales Element ist aufmerksam zu sein, zu beobach-ten und zu refl ektieren: Aufmerksamkeit ist eine Grundhaltung des Menschen der Welt gegenber. Der Aufmerksame hat sich dazu entschieden, nicht sich selbst, sondern die ihn umgebenden Phnomene zu betrachten, man

    Satr 2011 [10 ]

    unseres Stil deutlich. Einige dieser Eigenarten sammelte der Autor in Drauen nur Knn-chen, wobei er dabei speziell auf kulturelle Eigenarten der Deutschen eingeht. Die fehlende prskriptive Gre, die Unfass-barkeit des Gebietes und die kulturellen Unter-schiede werfen uns auf eine zentrale Gre derheurigen SalzburgTbingerRhetorikgespr-che zurck: die Persnlichkeit. Der Zusam-menhang zwischen Stil und Persnlichkeit wareines der Hauptthemen. Dies wurde sowohl im Erffnungsvortrag von Dr. Baldur Kirch-ner, als auch in Einzelbeitrgen whrend derTagung, sowie in der abschlieenden Plenar-diskussion behandelt. Persnlichkeit spielt imRahmen von Stil und Manieren eine so zentrale Rolle, da es bei einer derartigen Unbestimmt-heit der Sache unmglich ist, sich ausschlie-lich auf situative Festschreibungen zu verlas-sen. Es gilt sich selbst zu fragen, welcher Stil zu einem passt. Manieren sind das Parfm, dasvergessen lsst, dass wir stinken, und wie beim

  • [ 11 ] Satr 2011

    Olaf Kramer: Eine Frage des Stils?Erfolgsbedingungen politischer Redein der Mediendemokratie

    Wie soll man heute eigentlich reden, damit die Menschen es verste-hen? Reichen Worte alleine noch aus, um das reizberflutete undpolitikverdrossene Volk zu erreichen?

    Heutzutage werden politische Reden und Statements notwendigerweise ber die Mas-senmedien vermittelt. Von einem ausfhrli-chen Beitrag des Redners bleiben meist nur ein paar Zitatschnipsel brig, welche, aus dem Zusammenhang gerissen und in einen anderen Kontext versetzt, oft ein falsches Bild wider-spiegeln, aber dennoch von Presseagenturen verbreitet und in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen gebetsmhlenartig wiederholt wer-den.Jeder Politiker ist daher auf der Hut und er-geht sich naturgem in Allgemeinpltzen. Wie wichtig es ist, genau zu berlegen, was man sagt, kann man aktuell an Angela Merkels Satz Ich freue mich darber, dass es gelun-gen ist, Osama bin Laden zu tten. sehen. Der Pastorstochter wird moralisches Fehlverhalten angekreidet und ihre christlich-demokratische Grundgesinnung angezweifelt. Es gilt, kurz und exemplarisch die politische Botschaft zu vermitteln und sich nicht in lang-wierigen Sachverhalten zu ergehen. So ge-nannte soundbites sind gefragt. Rhetorisch gesehen nichts Neues. Jede Rede sollte auf einen Satz, noch besser auf ein Wort herun-ter gebrochen werden knnen. Von der Rede Barack Obamas zur Ttung Osama bin Ladens wird vor allem ein Satz in Erinnerung bleiben: Justice has been done. Im Idealfall entstehen aus soundbites Chiffren fr politische Positi-onen, wie Bushs axis of evil oder Obamas change-Rhetorik. Die neue Informationspolitik lebt aber nicht nur von Worten, sondern vor allem auch von mediengerechten, symbolischen Gesten und Bildern. Richtig positioniert haben sie aus-schlaggebenden Anteil am Erfolg eines Politi-kers. Keiner wei davon ein besseres Lied zu singen als Karl-Theodor zu Guttenberg. Dank seiner Bildpolitik wurde der Adelige von den Medien in krzester Zeit zum Hoffnungstrger einer ganzen Nation hochstilisiert. Zum hip-pen strahlenden Celebrity und Gutmenschen, der sich wohltuend von den anderen regieren-den grauen Musen abhob. Als seine Insze-nierung nicht mehr hielt, was sie versprach, wurde er jedoch genauso schnell wieder fallen gelassen.Barack Obama kmpft seit seiner Wahl zum Prsidenten von Amerika mit stetig sinkenden

    Popularittswerten. Sein Fhrungsstil wird als zu zgerlich, nachsichtig, passiv und sogar feige bewertet. Sein jngster Coup, die Gefan-gennahme Osama bin Ladens, lie die Umfra-gewerte jedoch in die Hhe schnellen. Nicht zuletzt, weil symboltrchtige Bilder ber die Bildschirme fl immerten und ein Foto aus dem Situation Room verbreitet wurde, das ver-mittelte, wie riskant und mutig die Entschei-dung Obamas zur Gefangennahme Osama bin Ladens gewesen war.Neben inzwischen nicht mehr geheimen Re-denschreibern und Spindoktoren ist es vor al-lem das Web 2.0, mit dem sich viel Terrain fr die Verbreitung der eigenen politischen Ideen gewinnen lsst. Es erffnet nicht zuletzt auch die Mglichkeit, wieder direkt in Kontakt mit den Whlern zu treten. Barack Obama verstand die Eigenheiten sozialer Netzwerke in seinem Wahlkampf 2008 richtig und erfolgreich ein-zusetzen. Die Mobilisierung, u.a. auch bishe-riger Nichtwhler, durch persnliche Anspra-che mittels Podcasts, Youtube, Facebook und Twitter waren entscheidend fr seinen Wahl-erfolg. Kurz vor der Wahl verschickte er an alle seine Anhnger eine persnliche Email mit der Aufforderung, whlen zu gehen: Du, Peter Berger, bist wichtig, deine Stimme zhlt!, und diese Nachricht auch an alle Freunde wei-terzuleiten (wobei sie automatisch personali-siert wurde). Auch jetzt hat er seine erneute Wiederkandidatur zuerst mittels Videoclip sei-nen Anhngern bekanntgegeben. Diese direkte emotionale Kommunikation macht die Kam-pagnen von Barack Obama bislang einzigartig und uerst erfolgreich. Neben all diesen Faktoren ist und bleibt der Politiker als Mensch selbst wichtig. Er muss Authentizitt und Persnlichkeit vermitteln, um nicht als Marionette und Produkt seiner Strategen zu verkommen. Niemandem, auch nicht dem Prsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika (George Bush senior), wird es nachgesehen, deren Regieanweisung mitzule-sen: Botschaft: Ich bin fr euch da.

    Michaela Lederer

  • Satr 2011 [ 12 ]

    Satr 2011 - Ein Gedanke

    Auch die Satr 2011 waren mit den Ta-gungsbeitrgen wieder anregend, die Ge-sprche mit anderen Tagungsteilnehmernam Rande waren erfrischend und vor al-lem gilt ein besonderer Dank Herrn Bal-dur Kirchner fr den beraus gelungenenImplusvortrag zu Beginn der Tagung.

    Klaus-J. Grothe

    Auf der Suche nach einer von vielen mg-lichen Antworten auf die interessante Fra-ge nach dem Verhltnis von Inhalt undStil komme ich nach dem spannenden in-terdisziplinren Austausch bei Satr 2011zu der komprimierten, metaphorischenQuintessenz: Stile sprechen.

    Katrin Mller-Hcker

    Die Gesprche mit Rednern und Rhetorik-trainern haben mir viel Freude gemacht.

    Dominikus Zohner

    In dir muss brennen, was du in anderenentznden willst. Bemerkenswert war zu beobachten, dass es den aus der Pra-xis kommenden Referenten besser gelangdiese Begeisterung zu vermitteln, als denAkademikern. Dies mag vielleicht auch da-ran liegen, dass das Feuer in der akademi-schen Ausbildung gelscht oder unzurei-chend gefrdert wird. Hier sehe ich einPotenzial der Rhetorik an Universitten,dieses Bewusstsein wieder herzustellen.

    Christian Haider

  • [ 13 ] Satr 2011

    Die Trainingsmethode von DaleCarnegie im Gesprch

    Wir haben uns im Rahmen dieses Magazins mit einigen Themen undFragen der heurigen Satr beschftigt. Dale Carnegie fehlte noch der Vortrag von Karsten Stlzgen hat eine heftige Diskussion ausge-lst, die wir auf der Suche nach der geeigneten Textsorte fortfhrten.Schlielich fanden wir uns in einem Streitgesprch wieder und fhltenuns an Sokrates und Kallikles, zwei Hauptcharakteren aus Platons Di-alog Gorgias erinnert. Schon hatten wir die passende Form gefun-den. Hier ein Auszug aus unserem rekonstruierten Gesprch:

    Hinfhrung: Dale Carnegie (1888-1955) ist einer der Pioniere des modernen Trainings-wesens. Seine Bcher wie Wie man Freunde gewinnt oder Sorge dich nicht, lebe fan-den nicht nur bei Managern bis zur Hausfrau groen Anklang. Das von ihm entwickelte Dale Carnegie Training konzentriert sich darauf, dass Menschen ihre Fertigkeiten derart ausbau-en, dass sie im Berufsleben, aber auch persn-lich, nachhaltig positive Ergebnisse erzielen. Karsten Stlzgen beschftigte sich mit der Fra-ge, was man auer Tipps und Tricks noch leh-ren knnte, da diese nur bis zu einem gewis-sen Grad hilfreich sind. Rhetorik ist fr viele nichts als ein groer Haufen von Tipps. Die Empfehlungen in Dale Carnegies goldenem Bchlein sind eine Antwort auf die Frage, was rhetorischen Erfolg wahrscheinlicher macht.

    Das ist so eine Krux mit diesen Tipps und Tricks. Wir kennen es alle, dass wir zu Be-ginn der Rhetorikkurse klare Regeln und Hilfestellungen Wohin mit meinen Hn-den? gewnscht haben. Doch nach eini-gen Kursen merkt man, dass man sich alleine dadurch nicht mehr weiter verbessern kann.

    Ist ja schon interessant, dass man, wenn man schon einige Kurse besucht hat, hufi g rich-tig mutmat, wer schon welchen Kurs bei wem besucht hat nur anhand der ange-wendeten Tipps.

    Am Anfang haben die Tipps tatschlich eine Verbesserung bewirkt. Da fllt mir ein, was Alexander Kirchner im letzten Kurs gesagt hat: Wenn man sich persnlich verndert, ndert sich auch die eigene Rhetorik. Ich bin

  • Satr 2011 [ 14 ]

    machen. Dann kann ich die Chancen erh-hen, diesen Umstand zu verndern durchBewusstmachung und Akzeptanz.

    Vielleicht ist tatschlich etwas dran. Wie wirim Erffnungsvortrag gehrt haben, hat Rhetorik immer etwas mit Selbsterkennt-nis zu tun. Selbsterkenntnis hat immer mit Bewusstwerdung und Refl exion zu tun. Ichfi nde es nur problematisch, dass nicht wirk-lich klar ist, was wir mit diesen groen Be-griffen Bewusstwerdung, Selbsterkenntnis tatschlich bezeichnen wollen.

    Naja, das Problem beschftigt ja auch diePhilosophie heute noch. Ich glaube, dass du auch gerne ein Rezept httest. Dale Carne-gies Ansatz ist ja ein Rezept und das kriti-siert du ja auch. Also ein Rezept, das wissen-schaftlich fundiert ist.

    Ein Rezept nicht direkt. Aber ich fi nde esschwierig zu sagen, das ist das Ziel und sonst nichts. Ich frage mich auch, ob man Stze,wie Dont worry, be happy berhaupt als Rezept bezeichnen kann.

    Vielleicht Richtlinien, Orientierungspunk-te, Orientierungshilfen, die, wenn wir sie verinnerlichen zu dauerhaften Tugenden beziehungsweise Haltungen werden und diese machen schlielich unsere Persnlich-keit aus. Und dann sind wir wieder bei dem Thema von vorhin: Diese Tipps und Tricks knnen eine gewisse Zeit hilfreich sein, aber irgendwann wird es ntig, die Sttzrder abzulegen und frei zu fahren. Da gibt es dann kein richtig und falsch mehr.

    Wo wir wieder beim Abendvortrag von Asfa-Wossen Asserate und dem Diskurs ber Stil und Persnlichkeit wren.

    Christian Haider und Eva Mayringer

    nur skeptisch, ob dies mit Carnegie gelingen kann.

    Dale Carnegie ist der Prototyp des amerikani-schen Selfmademans und auch das Konzept entspringt dem amerikanischen Denken. Das lsst sich wiederum in die Positiv Den-ken Bewegung einordnen, die in den 50erund 60er Jahre begonnen hat und stark von Personen wie Norman Vincent Peale und Dale Carnegie geprgt wurde. Wenngleich dieses Konzept stark umstritten ist und ihrewissenschaftliche Untermauerung gnzlich fehlt, hat sie sich stark im westlichen Den-ken verbreitet. Charakteristisch fr dieseAnstze ist, dass sie ein Bild des Menschen entwerfen, der nicht nur glcklich, sondern berdies auch noch gesund, erfolgreich und vermgend ist und alle seine (berufl ichen)Ziele erreichen kann. Dies mag erklren, wa-rum diese Konzepte gerade in unserer leis-tungsorientierten Gesellschaft auf so groen Anklang stieen und dies immer noch tun.Aber der entscheidende Punkt ist, glaubeich, dass es darauf ankommt, ob man letzt-lich diese Empfehlungen, wie man sie in Carnegies goldenem Bchlein fi ndet, ebensoals Tipp und Trick anwendet, oder ob mandaraus Haltungen formt.

    Aber wie kann man sich auf so ein Konzeptverlassen, wenn jede fundierte empirische berprfung fehlt. Dann ist doch alles nurMutmaung.

    Da fllt mir ein Grundsatz, der oft in derMedizin gilt, ein: Wer heilt, hat Recht. Es gibt unter anderem auch eine neue Richtung innerhalb der Psychologie: Die Positive Psy-chologie beschftigt sich auch mit hnlichen Fragen und hier gibt es empirische Unter-mauerung. Dies ist jedoch letztlich wiedernichts anderes, als eine neue Form von Aris-toteles Nikomachischer Ethik.

    Trotzdem verstehe ich nicht, wie man bei-spielsweise den Grundsatz Dont worryabout the past ernst nehmen kann. Seienwir ehrlich, es wre vernnftig, wenn es so einfach in der Umsetzung wre. Es fehlt eineAnleitung, wie man zur Realisierung dieserGrundstze kommt.

    Ich bin jetzt zwar kein Experte fr Dale Car-negie, aber da fllt mir Aristoteles ein. Wennman will, kann man dieses Konzept auch alsneue Form der Tugendethik verstehen. Und nach Aristoteles erwirbt man neue Haltun-gen beziehungsweise Tugenden, indemman sie einbt und trainiert.

    be mal die Vergangenheit zu vergessen.Wie be ich denn das?

    Tja, da bin ich jetzt auch berfragt, da mss-ten wir Dale Carnegie fragen. Ich glaubemich aber zu erinnern, dass Karsten Stlz-gen erklrt hat, dass es bereits um die Be-wusstmachung geht, dass es nichts bringt,sich ber die Vergangenheit Gedanken zu

  • IMPRESSUM

    HauptverantwortlicherUniv. Prof. Dr. Thomas Schirren

    TagungsorganisationUniv. Prof. Dr. Thomas SchirrenSilvia SteinkellnerJessica PachlatkoEva Mayringer

    RedaktionSusanne AltendorferChristian HaiderMichaela LedererEva Mayringer

    LayoutChristian HaiderEva Mayringer

    TagungsfotosSusanne Altendorfer

    Titelbildkostenlose berlassung durchChristopher K. Spiegl+43(0)699/ 17160698

    Fotos: Asfa-Wossen AsseratePR-Abteilung Universitt SalzburgAndreas Kolarik

    KontaktBro des Rektorats - RhetorikUniversitt SalzburgKaigasse 17/15020 [email protected]