Schöne neue Welt? Web 2.0 – Veränderungen, Herausforderungen, Chancen

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Vortrag bei der Bundeszentrale für Politische Bildung, 12.4.2011, Berlin

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  • Schne neue Welt? Web 2.0 Vernderungen, Herausforderungen, Chancen

    Dr. Jan-Hinrik SchmidtWissenschaftlicher Referent fr digitale interaktive Medien und politische KommunikationBerlin, 12. April 2011

    Berlin #bpb21

  • Noch ein Strukturwandel von ffentlichkeit?

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  • Was geschieht im Social Web? Diagnosen.

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  • Worber ich heute spreche

    Nutzungspraktiken des Social Web. . und ihre Folgen (zumindest einige)Konvergenz von Konversation und Publikation Daten-Dilemma? Transparenz vs. Kontrolle Politische Kommunikation und medienpdagogische Aufgaben

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  • Universalmedium InternetDas Social Web senkt die technischen Hrden fr onlinebasiertes

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  • Web 2.0-PraktikenDas Social Web hilft dabei, Anforderungen unserer gegenwrtigen Gesellschaft zu erfllen: vernetzte Individualitt als LeitbildInformationsberfluss als KontextNutzung des Social Web ist somit Teil umfassender gesellschaftlicher Praktiken

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  • Worber ich heute spreche

    Nutzungspraktiken des Social Web. . und ihre Folgen (zumindest einige)Konvergenz von Konversation und Publikation Daten-Dilemma? Transparenz vs. Kontrolle Politische Kommunikation und medienpdagogische Aufgaben

    Berlin #bpb21

  • Konvergenz von Konversation und PublikationIm Social Web entsteht neuer Typ von ffentlichkeit: In persnlichen ffentlichkeiten(a) werden Informationen nach Kriterien der persnlichen Relevanz ausgewhlt, [anstatt nach journalistischen Nachrichtenfaktoren](b) richtet man sich an ein (intendiertes) Publikum, das aus sozialen Kontakten besteht, [anstatt des verstreuten, unbekannten, unverbundenen Publikums der Massenmedien](c) und befindet sich im Kommunikationsmodus des Konversation betreibens. [anstatt im Modus des Publizierens]

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  • Konvergenz von Konversation und PublikationIn persnlichen ffentlichkeiten verschwimmt die Trennung zwischen den Sender- und Empfnger-Rollen, die die Massenkommunikation kennzeichnenTwitter, Facebook u.. Angebote haben Konzept des streams popularisiert der konstante Informationsfluss, der an die Seite bzw. Stelle von statischem Text tritt

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  • Konvergenz von Konversation und PublikationDie Grenzen zwischen journalistischen und Laien-ffentlichkeiten werden flieender, nicht so sehr, weil Nutzer als Urheber von Informationen auftreten (user-generated content),sondern vor allem, weil Nutzer als Filter bzw. Multiplikatoren innerhalb ihrer sozialen Netzwerke agierenPersnliche ffentlichkeiten machen professionellen Journalismus nicht berflssig, sondern lassen nur sein Monopol auf das Auswhlen, Aufbereiten und ffentliche zur-Verfgung-Stellen von Informationen verschwinden

    Diese Konvergenz von Konversation & Publikation wird zuknftig die Art und Weise prgen, wie wir uns individuell informieren und gesellschaftlich beobachten/verstndigen+1, Fav-Stern, Retweet

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  • Worber ich heute spreche

    Nutzungspraktiken des Social Web. . und ihre Folgen (zumindest einige)Konvergenz von Konversation und Publikation Daten-Dilemma? Transparenz vs. Kontrolle Politische Kommunikation und medienpdagogische Aufgaben

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  • Architektur netzbasierter ffentlichkeitenDie Kommunikationsrume des Social Web weisen (als Unter-gruppe onlinebasierter vernetzter ffentlichkeiten) eine spezifische Architektur auf; sie sindDauerhaft: Fotos, Kommentare oder Meinungen sind auch Tage, Wochen oder Jahre spter noch abrufbarKopierbar: Texte, Bilder, Videos etc. knnen ohne Qualittsverlust (und damit mglicherweise unbemerkt) kopiert und an anderer Stelle eingefgt werdenSkalierbar: Ein Video, Foto, Text kann zehn, hundert oder fnf Millionen Menschen erreichenDurchsuch/Aggregierbar: Informationen ber eine Person oder ein Thema knnen von ganz unterschiedlichen Stellen im Netz zusammen getragen werden

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  • Transparenz vs. Kontroll(verlust)

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  • Architektur netzbasierter ffentlichkeitenNetzbasierte ffentlichkeiten berhren die Balance von Selbstoffenbarung und Privatsphrenschutza) Intendiertes Publikum: Welches Publikum habe ich ganz allgemein im Sinn, wenn ich einen bestimmten Internetdienst nutze?b) Adressiertes Publikum: Welchem Publikum mache ich in einer spezifischen Situation bestimmte uerungen/Informationen tatschlich zugnglich?c) Empirisches Publikum: Welches Publikum nimmt faktisch tatschlich Kenntnis von einer uerung bzw. Information? d) Potentielles Publikum: Wie ist die technische Erreichbarkeit welches Publikum hat technisch die Mglichkeit, irgendwann irgendwie Zugang zu haben?

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  • Hollndische Wohnzimmer?http://www.colinupton.com/illus/images/cyberillo1.jpghttp://www.flickr.com/photos/mrlerone/2360572263/

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  • Informationelle Selbstbestimmung im Web 2.0Die vernetzen ffentlichkeiten des Web 2.0 erfordern eine Rckbesinnung auf das Prinzip der informationellen SelbstbestimmungDiese umfasst die Kontrolle einer Person (a) ber die von ihr selbst mitgeteilten Daten, (b) ber die sie betreffenden Daten, die andere Nutzer preisgeben sowie (c) ber die Daten, die Betreiber, aber auch staatliche Stellen sammeln.Sie hat drei Facetten, denn sie ist normatives Konzept, da sie Bestandteil der verfassungsmigen Ordnung (und in Datenschutzregelungen etc. nher spezifiziert) ist und zudem als zumindest diffuse Erwartung bei vielen Nutzern vorliegt; ausgebte Praxis, da Nutzer sie (mehr oder weniger kompetent, reflektiert, evtl. auch scheiternd) ausben, wenn sie sich in den vernetzten persnlichen ffentlichkeiten des Social Web bewegen; notwendige Kompetenz, weil das eigenstndige Wahrnehmen des Rechts auf Privatheit, die informierte Einwilligung in Datenverarbeitung oder auch die informationelle Autonomie bestimmte Wissensformen und Fertigkeiten voraussetzt.

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  • Worber ich heute spreche

    Nutzungspraktiken des Social Web. . und ihre Folgen (zumindest einige)Konvergenz von Konversation und Publikation Daten-Dilemma? Transparenz vs. Kontrolle Politische Kommunikation und medienpdagogische Aufgaben

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  • Abgestufte PartizipationOnlinebasierte Interaktionsrume erlauben verschiedene Varianten politischer Partizipation (nach Wagner/Brggen/Gebel 2009):Sich positionieren: Ausdrcken von politischen berzeugungen i.S.v. signallingSich einbringen: Teilhabe an Konversationen/Diskursen zu politischen ThemenAndere aktivieren: Mobilisierung von anderen Nutzern fr politische Aktivitten

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  • Kollaboratives Handeln

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  • Guttenplag in den Medien

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  • Guttenplag in den sozialen Medien

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  • Wandel von ffentlichkeitDemonstrationen / Revolutionen in Nordafrika haben gezeigt, welche Rolle das Social Web fr politische Proteste und sozialen Wandel haben kann:Rasche, schneeballartiges Verbreiten von Informationen ber Facebook und TwitterDokumentieren und (mit)teilen der Geschehnisse vor Ort via mobile GerteErzeugen einer transnationalen ffentlichkeit fr Ereignisse auch weil etabliert-professionelle Medien auf nutzergenerierte Inhalte zurckgreifenDas Internet ist aber nicht per se demokratisch!

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  • Neue IntermedireDer neue Strukturwandel von ffentlichkeit wie auch die breitere technologische Entwicklung hin zur Verallgegenwrtigung des Internets beinhaltet gleichzeitig Prozesse der Dezentralisierung und der Re-ZentralisierungViele Bereiche des Internets zeichnen sich durch dezentrale und lose Organisationsstrukturen aus, in denen Wissens- und Kulturgter (oft ohne kommerzielle Motivation) geschaffen und geteilt werdenGleichzeitig kommen aber auch neue Intermedire ins Spiel, die Informationen und Aufmerksamkeit nach konomischen und/oder technischen Kriterien kanalisieren

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  • Medienpdagogische AufgabenGesellschaftliche Verantwortung bleibt bestehen, Jugendliche (aber nicht nur die) zu einem verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit der Universaltechnologie Internet zu befhigenz.B. informationelle Selbstbestimmung ausben zu knnenz.B. Argumente uern, bewerten, filtern und hinterfragen zu knnenz.B. Werkzeuge des Internet nutzen zu knnen, um an gesellschaftlichen Belangen und Diskursen teilzuhabenZ.B. sich fr die eigenen Belange und Rechte im Internet einsetzen zu knnen

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  • Kommunikationsrume gestaltbar machenPlattformen rumen Nutzern hchstens als Kunden, nicht aber als Brger Mitspracherechte bei der Verwendung der Werke und Daten einformalisierte Verfahren der Nutzer-anhrung existieren nicht bzw. nur in Anstzenauf Nutzerseite fehlt Bewusstsein, durch kollektives Handeln auch Mitbestimmung einzufordern Schnittbereich politische Bildung & Medienkompetenzfrderung

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  • The naked gnome demonstration

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  • FazitDas gegenwrtige Internet untersttzt spezifische Praktiken und lsst einen neuen Typ von ffentlichkeit entstehen : Persnliche ffentlichkeiten bestehen aus Informationen von persnlicher Relevanz, die an vergleichsweise kleine Publika gerichtet sind; in ihnen konvergieren Konversation und Publizieren.Die spezifische Kommunikationsarchitektur vernetzter ffentlichkeiten erzeugt aber auch neue Dilemmata von Transparenz und Kontrolle die zum Beispiel an der Grenzziehung zwischen Privatsphre und ffentlichkeit deutlich werden, aber das Leitbild der informationellen Selbstbestimmung nicht obsolet machen.Auch politisches Handeln verndert sich dadurch und dadurch auch Anforderungen und Kontext von politischer Bildung.Die Frage, wie die Gestaltung von Architektur, Algorithmen, Code und Normen dieser neuen ffentlichkeiten im Dreieck von Staat, Markt und Zivilgesellschaft erfolgt, ist eine politische Schlsselfrage des 21. Jahrhunderts.

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  • Herzlichen Dank fr Ihre Aufmerksamkeit!Dr. Jan-Hinrik Schmidt

    Hans-Bredow-InstitutWarburgstr. 8-10, 20354 [email protected].dewww.schmidtmitdete.dewww.dasneuenetz.de

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  • Quellennachweise AbbildungenFolie 2:http://en.wikipedia.org/wiki/File:ParisCafeDiscussion.pngCC-BY-NC-ND-2.0, Erik Hartberg, http://www.flickr.com/photos/captainsticky/344199724CC-BY-SA-3.0, Takk, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Televison_Hungarian_ORION_1957.jpgCC-BY-SA-3.0, Wolfram Huk, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:JuergenHabermas_crop2.jpg

    Folie 5ff.: Hapf2, http://www.flickr.com/photos/[email protected]/12760664CC BY-NC-SA-2.0, Myles!, http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908CC BY-NC-ND-2.0, Axel V, http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/126700804

    Folie 10: CC-BY-NC-ND-2.0, Dominic Dada, http://www.flickr.com/photos/ogil/274628990/Folie 13: CC-BY-SA-2.0, Jonathan Grey, http://www.flickr.com/photos/jwyg/4528443760/Folie 19: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/PlagiateFolie 20: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,748358,00.html , http://tinyurl.com/4nxud95 Folie 26: http://www.cesspit.net/drupal/node/491

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  • Weiterfhrende LiteraturBenkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How social production transforms markets and freedom. New Haven/London.Bieber, Christoph (2010): Politik Digital. Bruns, Axel (2008): Blogs, Wikipedia, Second Life, and beyond. From production to produsage. New York.Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture. Where old and new media collide. New York.Mnker, Stefan (2009): Emergenz digitaler ffentlichkeiten Die Sozialen Medien im Web 2.0. Frankfurt a.M. Neuberger, Christoph/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (Hg.) (2009): Journalismus im Internet. Profession Partizipation Technisierung. Wiesbaden. Papacharissi, Zizi (2010): A private sphere. Democracy in a digital age. Cambridge.Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz.Schmidt, Jan/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.) (2009): Heranwachsen mit dem Social Web. Berlin.Solove, Daniel (2006): The Digital Person: Technology and Privacy in the Information Age. Cambridge.

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