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Skriptum: Einführung in die slavische Sprachwissenschaft 1 Christof Heinz Einführung in die slavische Sprachwissenschaft Skriptum zum Grundkurs Wien 2007
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  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    Christof Heinz

    Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

    Skriptum zum Grundkurs

    Wien 2007

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    Inhalt: Teil A: Sprachwissenschaftliche Grundbegriffe Teil B: Slavische Sprachen 1. A Einleitung

    1.1. Bedeutungen von Sprache 1.2. Kommunikationsmodelle

    1.2.1. Bestandteile des Kommunikationsprozesses 1.2.2. Kommunikative Funktionen

    1.3. Das sprachliche Zeichen 1.3.1. Zeichenmodelle 1.3.2. Arten von Zeichen 1.3.3. Dimensionen des Zeichens

    1.4. Sprachwissenschaftliche Teilgebiete 1.4.1. Teilgebiete der sprachlichen Bedeutung: Pragmatik, Semantik und

    Lexikologie 1.4.2. Teilgebiete des sprachlichen Ausdrucks: Phonetik / Phonologie,

    Morphologie und Syntax 1. B Einordnung und Binnengliederung der slavischen Sprachen

    1.1. Einteilungskriterien fr Sprachen 1.1.1. nach der Entstehung (natrliche und knstliche Sprachen) 1.1.2. nach der Vitalitt (lebende und tote Sprachen) 1.1.3. typologische (strukturelle) Einteilung 1.1.4. geographische Einteilung

    1.2. Historisch-genetische Einteilung 1.2.1. Sprachfamilien 1.2.2. Sprachzweige des Indoeuropischen 1.2.3. Binnenklassifizierung der slavischen Sprachen

    1.3. Funktionale Einteilung 1.3.1. Standardsprachen und Nichtstandardsprachen 1.3.2. Quantitative Einteilung 1.3.3. Verhltnis Sprachgebiet - Staatsgebiet

    1.4. Einige wichtige Gemeinsamkeiten der slavischen Sprachen

    2. A Phonetik 2.1. Phonetik und Phonologie 2.2. Teilgebiete der Phonetik 2.3. Artikulationsorgane 2.4. Einteilung der Laute: Vokale und Konsonanten 2.5. Einteilung der Vokale

    2.5.1. Inhrente Merkmale: Vokaldreieck, Labialisierung, Nasalitt, Diphthongierung

    2.5.2. Suprasegmentale Merkmale: Quantitt, Intonation und Betonung 2.6. Einteilung der Konsonanten

    2.6.1. Artikulationsstelle und -modus, Stimmton und Palatalisierung 2 B Slavischsprachige Schriftsysteme und Alphabete

    2.7. Verwendung der Alphabete 2.7.1. Exkurs: Entstehung des kyrillischen Alphabets

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    2.8. Transkription Transliteration 2.9. Sonderzeichen in kyrillischen und lateinischen Alphabeten: Diakritika und

    Digraphen (Ligaturen) 2.10. Zur Wiedergabe palatalisierter Konsonanten: die Funktion der jotierten

    Vokalbuchstaben im Russischen, Polnischen und Tschechischen 2.11. Orthographiesysteme: historisches, morphologisches und phonetisches

    Prinzip 3. A Phonologie

    3.1. Definition "Phonem" 3.2. Bestimmung von Phonemen 3.3. Der Begriff Allophon

    3.3.1. Freie Allophone 3.3.2. Distributionelle Varianten

    3.4. Phonembestimmung in den slavischen Sprachen 3.4.1. Phonemcharakter palatalisierter Konsonanten 3.4.2. Beispiele von Allophonie in den slavischen Sprachen

    3.5. Neutralisation des Phonemunterschieds 3.6. berblick ber das Phoneminventar slavischer Sprachen

    3 B Slavische Sprachgeschichte: Grundlagen und Beispiele 3.7. berblick: Periodisierung der Geschichte slavischer Sprachen 3.8. Sprachgeschichte: Drei wichtige Unterscheidungen

    3.8.1. Synchrone vs. diachrone Sprachwissenschaft 3.8.2. Innere vs. uere Sprachgeschichte 3.8.3. Lautgesetze vs. morphologischer Ausgleich

    3.9. Ausgewhlte Beispiele fr Lautentwicklungen in den slavischen Sprachen 3.9.1. Die Palatalisierungen 3.9.2. Die Halbvokal-Entwicklung 3.9.3. Die Liquida-Metathese

    4. A Morphologie

    4.1. Definition Morphem 4.2. Ermittlung von Morphemen 4.3. Grammatische und lexikalische Morphologie 4.4. Arten von Morphemen

    4.4.1. Wurzeln 4.4.2. Affixe 4.4.3. Endungen

    4.5. Allomorphie 4.6. Wortarten

    4.6.1. Einteilung der Wortarten 4.6.2. Definitionsmglichkeiten

    4.7. Grammatische Kategorien 4.7.1. Nominale Kategorien 4.7.2. Verbale Kategorien

    4 B Die einzelsprachliche historische Entwicklung des Russischen, Polnischen und Tschechischen

    4.8. Russisch

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    4.8.1. Altostlavische Periode: 9. 13. Jh. 4.8.2. Altrussische Periode: 14. 17. Jh. 4.8.3. Beginn der modernen russischen Literatursprache: ab dem 18. Jh.

    4.9. Polnisch 4.9.1. Vorschriftliche und altpolnische Periode: bis zum 16. Jh. 4.9.2. Mittelpolnische Periode: 17. Mitte 18. Jh. 4.9.3. Neupolnische Periode: ab Mitte des 18. Jh.

    4.10. Tschechisch 4.10.1. Urtschechisch: Ende 10. Mitte des 12. Jh. 4.10.2. Alttschechisch: Mitte 12. Ende des 15. Jh. 4.10.3. Mitteltschechisch: 16. 18. Jh. 4.10.4. Neutschechisch: ab dem 19. Jh.

    5. Wortbildung und Lexikologie

    5.1. Wortbildung 5.1.1. Onomasiologie und Semasiologie 5.1.2. Mglichkeiten zur Wortschatzerweiterung 5.1.3. Zentrale Begriffe der Wortbildung

    5.1.3.1. Formale Einteilung der Wortbildunsverfahren 5.1.3.2. Semantische Einteilung der Wortbildungsverfahren 5.1.3.3. Beispiele fr Wortbildungsverfahren

    5.1.4. Entlehnung 5.1.4.1. Unterscheidung Lehnwort / Fremdwort 5.1.4.2. Begriffe Entlehnung, Lehnbedeutung, Lehnbersetzung

    5.2. Lexikologie 5.2.1. Einteilung des Wortschatzes 5.2.2. Inhaltliche Beziehungen zwischen Lexemen

    5.2.2.1. Homonymie und Polysemie 5.2.2.2. Synonymie und Antonymie

    6. Syntax 6.1. Definition

    6.1.1. Syntax: Definition und Aufgaben 6.1.2. Der Satzbegriff

    6.2. Einteilung von Stzen 6.2.1. Satztypen nach der Struktur 6.2.2. Satztypen nach der Illokution

    6.3. Satzglieder 6.3.1. Ermittlung von Satzgliedern 6.3.2. Arten der Zusammengehrigkeit

    6.3.2.1. Kongruenz 6.3.2.2. Rektion 6.3.2.3. Adjunktion

    6.4. Syntaxtheorien 6.4.1. Traditionelle Grammatik 6.4.2. Generative Grammatik (Konstituentenstruktur) 6.4.3. Valenzgrammatik 6.4.4. Kasusgrammatik: Thematische Rollen 6.4.5. Funktionale Satzperspektive

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    Auswahlbibliographie zur Einfhrung: I Sprachwissenschaft allgemein Crystal, David: Die Cambridge Enzyklopdie der Sprache. bersetzung und Bearbeitung der

    deutschen Ausgabe von Stefan Rhrig, Ariane Bckler und Manfred Jansen. Frankfurt a. M. - New York: Campus, 1995. (interessantes Buch rund um linguistische Fragestellungen, zum Nachlesen auch fr NichtwissenschaftlerInnen)

    Ehlich, Konrad et al. [Hg.]: Hochsprachen in Europa: Entstehung, Geltung, Zukunft. Freiburg 2001.

    Ernst, Peter: Germanistische Sprachwissenschaft. Wien: Facultas, 2004. (grundlegende Einfhrung in die sprachwissenschaftlichen Grundbegriffe, richtet sich in erster Linie an Germanisten, aber auch von allgemeinem Interesse)

    Funkkolleg Sprache. Eine Einfhrung in die moderne Linguistik. Band I und II. Frankfurt: Fischer, 1973.

    Geier, Manfred: Orientierung Linguistik. Was sie kann, was sie will. Reinbek: Rowohlt. 1998.

    Hentschel, Elke Weydt, Harald: Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin, New York: de Gruyter, 2003.

    Hentschel, Gerd (Hg.): ber Muttersprachen und Vaterlnder. Frankfurt: Lang, 1997. (interessanter Sammelband ber den Zusammenhang Sprache - Nation und verwandte Probleme. Darin einige Artikel zu den slavischen Sprachen)

    Rmer, Christine: Morphologie der deutschen Sprache. Tbingen: UTB, 2006.

    Vater, Heinz: Einfhrung in die Sprachwissenschaft. Mnchen: UTB, 1996. (gut lesbare Einfhrung in die Allgemeine Sprachwissenschaft mit theoretischem Anspruch, fr SprachwissenschaftlerInnen)

    II Slavische Sprachwissenschaft allgemein Comrie, Bernard Corbett, Greville G. [Hg.]: The Slavonic Languages. London - New York:

    Routledge, 1993 (derzeit bestes Handbuch der slavischen Sprachen, ausfhrliche Beschreibungen jeder einzelnen Sprache auf allen linguistischen Ebenen)

    Franz, Norbert: Einfhrung in die slavische Philologie. S.

    Lehfeldt, Werner: Einfhrung in die Sprachwissenschaft fr Slavisten. Mnchen: Otto Sagner, 1996 (am besten zum Thema passendes Einfhrungsbuch, in erster Linie fr Slavistlnnen bestimmt)

    Panzer, Baldur: Die slavischen Sprachen in Gegenwart und Geschichte. Frankfurt a.M.: Peter Lang, 1991.

    Rehder, Peter [Hg.]: Einfhrung in die slavischen Sprachen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998 (Enthlt Charakterisierungen aller lebenden slavischen Sprachen, darunter auch der Kleinschriftsprachen, sowie des Urslavischen und des Altkirchenslavischen. hnlich Comrie/Corbett, aber auf Deutsch und krzer)

    Townsend, Charles; Janda, Laura: Gemeinslavisch und Slavisch im Vergleich. Mnchen 2002.

    III Zu den einzelnen slavischen Sprachen: a) Russisch Andrews, A.: Russian. SEELRC 2001. Im Netz unter:

    http://www.seelrc.org:8080/grammar/mainframe.jsp?nLanguageID=6

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    Isaenko, A.V.: Die russische Sprache der Gegenwart. Teil I Formenlehre. Mnchen 1968. (Ausfhrliche, grundlegende Beschreibung der russischen Sprache. Fr SlawistInnen, dennoch gut lesbar)

    Lehmann, Volkmar: Linguistik des Russischen. Einfhrung in die formal-funktionale Beschreibung. Hamburg 2007. Im Netz unter: http://www.agoracommsy.uni-hamburg.de/homepage.php?cid=972134&fct=detail

    Mulisch, Herbert: Handbuch der russischen Gegenwartssprache. Leipzig Berlin - Mnchen 1993 (Sehr bersichtliche Darstellung der russischen Grammatik, z.T. in tabellarischer Form).

    Panzer, Baldur: Das Russische. Tbingen: UTB, 1991.

    b) Polnisch Bartnicka, B. / Hansen, B. / Klemm, W. / Lehmann, V. / Satkiewicz, H.: Grammatik des

    Polnischen. Mnchen: Sagner 2004. (Ausfhrliche Beschreibung der polnischen Grammatik mit wissenschaftlichem Anspruch)

    Feldstein, R. F.: A Concise Polish Grammar. SEELRC 2001. Im Netz unter: http://www.seelrc.org:8080/grammar/mainframe.jsp?nLanguageID=4

    Kotyczka, Josef: Kurze polnische Sprachlehre. Berlin: Volk und Wissen 1976. (bersichtliche Kurzgrammatik, vorwiegend in tabellarischer Form)

    c) Tschechisch Janda, L.A. - Townsend, C.E.: Czech. SEELRC 2002. Im Netz unter:

    http://www.seelrc.org:8080/grammar/mainframe.jsp?nLanguageID=2

    Lommatzsch, Bohdana; Adam, Hana: Kurze tschechische Sprachlehre. Leipzig: Volk und Wissen 1996. (bersichtliche Kurzgrammatik, vorwiegend in tabellarischer Form)

    Vintr, Josef. Das Tschechische. Hauptzge seiner Sprachstruktur in Gegenwart und Geschichte. Mnchen: Sagner. 2001. (Derzeit einzige grundlegende Beschreibung der tschechischen Sprache auf deutsch, vorwiegend fr SlavistInnen bestimmt)

    Lektreliste: Geier, Manfred: Wie Ferdinand des Saussure die Linguistik begrndet hat. In: ders.:

    Orientierung Linguistik. Was sie kann, was sie will. Reinbek: Rowohlt, 1998. S. 29-51.

    de Vincenz, Andrzej: Vlker, Nationen und Nationalsprachen: Frankreich, Deutschland und Polen im Zentrum Europas. In: Hentschel, G.(Hg.): ber Muttersprachen und Vaterlnder. Frankfurt/M. 1997.

    Hentschel, Gerd: Ruland, Weiruland, Ukraine: Sprachen und Staaten der "slavischen Nachfolge" von Zarenreich und Sowjetunion. In: Hentschel, G.(Hg.): ber Muttersprachen und Vaterlnder. Frankfurt/M. 1997. S. 211-240.

    Hentschel, Gerd: Das Polnische eine sichere Bastion unter den slavischen Standardsprachen? In: Ehlich, Konrad, Ossner, Jakob, Stammerjohann, Harro (Hgg.): Hochsprachen in Europa. Entstehung, Geltung, Zukunft. Freiburg 2001. S. 209-222.

    Berger, Tilman: Tschechen und Slowaken: Zum Scheitern einer gemeinsamen, tschechoslowakischen Schriftsprache. In: Hentschel, G.(Hg.): ber Muttersprachen und Vaterlnder. Frankfurt/M. 1997. S. 223-240.

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    Teil 1 A: Sprachwissenschaftliche Grundbegriffe 1. Bedeutungen von Sprache 2. Kommunikationsmodelle

    2.1. Bestandteile des Kommunikationsprozesses 2.2. Kommunikative Funktionen

    3. Das sprachliche Zeichen 3.1. Zeichenmodelle 3.2. Arten von Zeichen 3.3. Dimensionen des Zeichens

    4. Sprachwissenschaftliche Teilgebiete 4.1. Teilgebiete der sprachlichen Bedeutung: Pragmatik, Semantik und

    Lexikologie 4.2. Teilgebiete des sprachlichen Ausdrucks: Phonetik/Phonologie,

    Morphologie und Syntax

    Sprachwissenschaft (Linguistik) ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der menschlichen Sprache beschftigt. Diese stellt den Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchung dar. Sprachwissenschaftler (Linguisten) versuchen daher Antworten auf folgende Fragen zu finden: Was ist Sprache? Wie kann der Begriff definiert werden? Welche Art von

    Phnomenen versteht man darunter? Womit hat sich die Linguistik zu beschftigen und womit nicht?

    Wozu dient Sprache? Wozu brauchen wir Sprache, wie benutzen wir sie?

    Welche Funktionen erfllt sie? Wie funktioniert Sprache? Auf welche Art kann Sprache ihre Aufgaben erfllen

    kann? Welche Voraussetzungen sind dazu ntig?

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    1. Bedeutungen von Sprache Beginnen wir mit der ersten Frage: Was ist Sprache? Um das Arbeitsgebiet der Linguistik abzugrenzen, mssen wir uns erst einmal darber verstndigen, was unser Untersuchungsgebiet sein soll, d.h. welche Erscheinungen wir unter dem Begriff Sprache fassen wollen und welche nicht. Die allgemeinste Definition fr Sprache lautet: Sprache ist ein Mittel der menschlichen Kommunikation auf lautlicher Grundlage. In der alltagssprachlichen Verwendung werden mit dem Wort Sprache jedoch oft ganz unterschiedliche Erscheinungen benannt. Vergleichen wir etwa die folgenden uerungen (vgl. dazu auch die Bsp. in Vater: S. xxx)

    Wir stellen fest, dass mit dem Wort Sprache folgendes gemeint sein kann: 1. Die menschliche Kommunikationsfhigkeit schlechthin (Satz A). 2. Eine bestimmte Einzelsprache, etwa Deutsch, Englisch, Russisch, Polnisch,

    Tschechisch, Chinesisch, usw (Satz B) 3. Eine ganz bestimmte Art der Sprachverwendung (Satz C) 4. Andere Arten von Kommunikationsmitteln: nichtsprachliche Kommunikationsmittel

    (Satz E) oder knstliche Sprachen (Satz D). 5. Metaphorische Verwendungen des Wortes Sprache fr das kommunikative

    Potenzial von Gegenstnden (Satz F) Gegenstand der wissenschaftlichen Beschreibung sind nur die ersten 3 Bedeutungen (Stze A, B und C). Bei den brigen handelt es sich nicht um Sprache im Sinne der Sprachwissenschaft, sondern um bertragene Bedeutungen: Im Satz D wird zwar kommuniziert, jedoch nicht mit Hilfe lautlicher uerungen. In den Stzen E und F ist zumindest ein Kommunikationsteilnehmer kein Mensch, sondern eine Maschine (Satz E) bzw. Bilder (Satz F). Die drei Verwendungen, mit denen sich Linguisten befassen, kann man auch begrifflich unterscheiden: Der Begriff langage bezeichnet die universale Fhigkeit des Menschen, Sprache zu verwenden (auch: Sprachkompetenz). Unter langue versteht man die Sprache als ein System von Einheiten, die untereinander in regelhaften Beziehungen stehen. Unter parole schlielich versteht man den tatschlichen Sprachgebrauch, d.h. konkrete sprachliche uerungen, das eigentliche Sprechen (auch: Performanz).

    A "Unser Nachbar hat die Sprache verloren."

    B "Sie kann sich in ber sieben Sprachen verstndigen."

    C "In dieser Sprache spricht man nicht mit seinem Vater"

    D "Er verrt sich durch seine Krpersprache."

    E "In welcher Sprache ist der Computer programmiert."

    F "Diese Bilder sprechen eine deutliche Sprache."

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    Langage = Sprachfhigkeit / Kompetenz: Die universale fr alle Menschen kennzeichnende Fhigkeit zu sprechen.

    Langue = Sprachsystem: Die jeder einzelnen Sprache zugrunde liegenden Regeln, die fr alle Sprecher einer Sprache bindend sind. Diese unterscheiden sich jedoch von Sprache zu Sprache. Die langue ist daher einzelsprachlich verschieden aber berindividuell.

    Parole = Sprachgebrauch / konkrete Sprechuerung / Performanz: Das, was wir tatschlich sprechen und schreiben bzw. zu hren und zu lesen kriegen (Laute, Texte). Diese sind individuell von Person zu Person verschieden und knnen auch von Situation zu Situation wechseln.

    Abb. 1: Die drei Bedeutungen von Sprache Die Unterscheidung langue parole geht auf Ferdinand de Saussure zurck, den Begrnder der sprachwissenschaftlichen Richtung des Strukturalismus (Anfang des 20. Jahrhunderts). Die Unterscheidng zwischen Kompetenz und Performanz stammt von Noam Chomsky, dem Begrnder des Generativismus in den 1950er Jahren. (vgl. Ernst 2004: 51) Womit beschftigt sich nun eigentlich die Linguistik? Linguistik im weitesten Sinne beschftigt sich mit allen drei oben skizzierten Bedeutungen von Sprache, allerdings sind nicht alle dem "Kernbereich" der Linguistik zuzurechnen. Einige Fragestellungen grenzen an Untersuchungsgebiete anderer Wissenschaften und berschneiden sich mit diesen. Man nennt diese Teilbereiche der Linguistik "Bindestrichlinguistik", da sie in den Bereich von anderen Wissenschaften bergreifen. Mit der Fhigkeit zu sprechen beschftigen sich Bereiche der Linguistik, die die krperlichen (physiologischen und neurologischen) und geistigen (psychologischen und kognitiven) Voraussetzungen fr das Beherrschen von Sprache untersuchen. Diese sind an der Grenze zur Neurophysiologie, zur Gehirnforschung, zur Kognitionswissenschaft und zur Psychologie angesiedelt. Diese linguistischen Teildisziplinen nennen sich daher Neurolinguistik, kognitive Linguistik,

    SPRACHE

    LANGAGE

    Sprachfhigkeit

    KOMPETENZ

    universal

    LANGUE

    Sprachsystem

    einzelsprachlich berindividuell

    PAROLE

    Sprachgebrauch Sprechen

    PERFORMANZ

    situationsabhngig individuell

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    Psycholinguistik, usw. Hierher gehrt etwa auch die Spracherwerbsforschung, die erforscht, wie Kinder sprechen lernen, aber auch Erwachsene etwa beim Erlernen einer Fremdsprache. Praktische Anwendungen dieser Gebiete sind etwa die Logopdie, die Sprachlehr- und Sprachlernforschung und die Sprachdidaktik, die beim Fremdsprachenunterricht Verwendung finden. Die Beschftigung mit der tatschlichen Verwendung von Sprache und ihrem Zusammenhang mit der kulturellen und sozialen Umgebung ihrer Verwender bildet den bergang von der Linguistik zu Fchern wie Soziologie, Kulturwissenschaft, Ethnologie, Politologie u.a. Die Soziolinguistik beschftigt sich mit dem Zusammenhang von Sprache und Gesellschaft. Sie untersucht den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Sprachgebrauch. Zur Soziolinguistik gehrt u.a. auch die Dialektologie. Daneben untersucht die Soziolinguistik auch, wie sich der Sprachgebrauch in verschiedenen Sprechsituationen und -anlssen ndert. Hierin bildet sie auch den bergang zur linguistischen Pragmatik, die die Bedingungen fr das Gelingen von sprachlichen Handlungen (Sprechakten) untersucht. Ein relativ junger Zweig der Sprachwissenschaft ist die Diskursanalyse, die versucht, den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Diskurs und Sprachgebrauch zu erklren und dabei Phnomene wie sprachliche Diskriminierung, den Zusammenhang zwischen Sprache und Macht, etc. untersucht. Praktische Anwendung dieser linguistischen Teildisziplinen sind etwa die Stilistik, die Sprachberatung, die Rhetorik, aber auch Sprachpflege und Sprachpolitik. Die Untersuchung des Sprachsystems schlielich stellt den eigentlichen Kernbereich der Linguistik dar. Hier spricht man daher von der Linguistik im engeren Sinne oder von Systemlinguistik (in etwa das, was man gemeinhin mit dem Begriff "Grammatik" verbindet). Sie versucht zu erklren, wie Sprache eigentlich funktioniert. Dazu untersucht sie die systematischen Zusammenhnge zwischen den einzelnen Elementen der Sprache: Welche Gesetzmigkeiten mssen zwischen diesen bestehen, damit Sprache ihren Zweck, als Mittel der Kommunikation zu dienen, berhaupt erfllen kann. Dabei blendet die Systemlinguistik alle auersprachlichen Elemente aus und betrachtet Sprache als eine abstrakte Struktur. Dies geschieht jedoch nicht, weil die Existenz auersprachlicher Faktoren von der Systemlinguisitk geleugnet wrde, sondern weil sich ihr Erkenntnisinteresse in erster Linie auf diese innersprachlichen Gesetzmigkeiten richtet. Die Kenntnis dieser regelmigen Beziehungen innerhalb der Sprache ist die Voraussetzung, um alle anderen Bereiche adquat beschreiben zu knnen.

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    2. Kommunikationsmodelle Kommen wir nun zur zweiten Frage: Wozu dient Sprache? Welches sind ihre Funktionen? Die wichtigste Funktion der Sprache ist die kommunikative Funktion, d.h. die Funktion, Nachrichten zu bermitteln. Sprache ist ein Mittel, mit dessen Hilfe Kommunikation mglich wird, jedoch nicht das einzige. Es existieren auch nichtsprachliche Mittel der Kommunikation (man denke etwa an Piktogramme, Verkehrszeichen, Gesten, usw.) Die Kommunikationswissenschaft beschftigt sich daher nicht nur mit Sprache sondern auch mit nichtsprachlicher Kommunikation (Film, Bild, Krpersprache, nichtsprachliche Lautuerungen etc.). 2.1 Bestandteile des Kommunikationsaktes Sehen wir uns zunchst einige einfache Modelle der Kommunikation im Allgemeinen an: Welche Einheiten sind an einem Kommunikationsakt beteiligt? Dies sind zum einen die Kommunikationsteilnehmer (Sender und Empfnger), eine Verbindung zwischen beiden (Kanal, Signal, Medium), die zu bermittelnde Nachricht und ein gemeinsamer Kode.

    Abb. 2: Modell der Sprachlichen Kommunikation, nach: Herrlitz, in Funk-Kolleg(1973): 45f. bearbeitet.

    Kommunikationsteilnehmer: An einem Kommunikationsakt sind immer mindestens zwei Individuen beteiligt. (Selbstgesprche sind daher also keine Kommunikation): Der Sender: Er setzt die vorsprachliche Information in sprachliche Form um (= Encodieren) und schickt sie auf den Weg zum Empfnger. Der Empfnger: Er nimmt die sprachliche uerung wahr und verarbeitet sie, d.h. er setzt das sprachliche Signal wieder in nichtsprachliche Information um (= Decodieren) und reagiert darauf. Diese Reaktion kann wiederum in einem Kommunikationsakt bestehen. Daher ist klar, dass die Rollen von Sender und Empfnger prinzipiell zwischen den beiden Kommunikationsteilnehmern wechseln knnen.

    Quelle vorsprachliche Information

    Verarbeitung nachsprachliche Reaktion

    Sender Encodieren

    Empfnger Decodieren

    SIGNAL

    KANAL

    KODE

    Nachricht sachlicher Kommunikationsinhalt

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    Nachricht (auch: Message, Botschaft, Inhalt): Die Nachricht ist der sachliche Gegenstand der Kommunikation, die zu bermittelnde Information, das, was kommuniziert werden soll. Sie wird auch als Denotat (denotative Bedeutung) bezeichnet. Dieses ist zunchst auersprachlich, d.h. es existiert unabhngig von der sprachlichen Umsetzung. Kanal: Der Kanal verbindet Sender und Empfnger. Damit Sender und Empfnger Nachrichten austauschen knnen, muss zwischen beiden eine materielle Verbindung bestehen. Diese kann unterschiedlicher Art sein: Sie kann aus Schallwellen, Funkwellen, Lichtwellen, einer elektronischen Verbindung, einem Seil, usw. bestehen. Signal: Das Signal ist eine materielle Vernderung des Kanals. Damit ber den Kanal Nachrichten gesendet werden knnen, muss dieser vernderbar sein, d.h. er muss verschiedene Zustnde zulassen. Die verschiedenen materiellen Zustnde des Kanals bezeichnet man als Signal, d.h. die charakteristischen Vernderung der Schallwellen, der Lichtwellen, der Seilspannung, usw. Medium: Das Medium ist eine bestimmte konventionalisierte Form von Signalen: man unterscheidet grundstzlich zwischen mndlichen und schriftlichen Kommunikationsmedien. Diese knnen weiter unterteilt werden in direktes persnliches Gesprch, Telefongesprch, Briefverkehr, E-mail, Radio, Fernsehen, Printmedien, Internet usw. Kode: Ein Kode ist ein Vorrat an Zeichen, ber den sowohl Sender als auch Empfnger verfgen mssen, um Information austauschen zu knnen. Jedes Zeichen ist eine konventionalisierte Verbindung eines Signals (Ausdruck) mit einem Teil der Nachricht (Inhalt). Der Kode legt also fest, welche Bedeutung die materiellen Vernderungen des Kanals haben, z.B. bestimmte Kombinationen von Lauten, eine Abfolge von Lichtblitzen, eine Kolonne von Einsen und Nullen, Straffung und Lockerung des Seils. Daneben ist zu bercksichtigen, dass jede Kommunikation in einem bestimmten (situativen, sozialen und kulturellen) Kontext stattfindet, dass beide Kommunikationsteilnehmer ber ihren je eigenen Erfahrungshintergrund (Sprachwissen, Weltwissen, Situationswissen etc.) verfgen. Dies bedingt Konnotat: Das Konnotat ist die ber die sachliche Nachricht hinausgehende Information. Im Gegensatz zum berindividuellen Inhalt des Denotats, ist das Konnotat vom Erfahrungshintergrund und vom Weltwissen der Kommunikationsteilnehmer abhngig. Meist verknpfen die Kommunikationsteilnehmer mit den verwendeten Zeichen auch individuelle Bedeutungen (Erfahrungen, Empfindungen). Diese mit Zeichen verbundenen nichtkonventionalisierten Assoziationen, die nennt man Konnotationen.

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    Kontakt: Unter Kontakt versteht man die (meist nicht explizit gemachte) soziale Komponente der Kommunikation, die aus dem sozialen und emotionalen Verhltnis der beiden Kommunikationspartner zueinander besteht (etwa ob sie einander bekannt oder unbekannt, sympathisch oder unsympathisch sind, ob sie gleichberechtigt sind oder in einem hierarchischen Verhltnis zueinander stehen, ob die Situation der Kommunikation symmetrisch oder asymmetrisch ist usw.). Kontext: Der Kontext ist die konkrete Situation, in der der Kommunikationsakt stattfindet. Der Kontext bezieht alle Arten von Umstnden ein, die den Kommunikationsprozess beeinflussen knnen, die Konsituation (wie Strungen des Kanals, physische und psychische Voraussetzung der Kommunikationsteilnehmer, wie Mdigkeit, Unkonzentiertheit, Nervositt) aber auch das Vorher und Nachher der Kommunikation (den sogenannten Ko-Text). 2.2 Kommunikative Funktionen Die uerung kann mit allen am Kommunikationsakt beteiligten Sphren in Beziehung stehen, oft sogar mit mehreren gleichzeitig. Man unterscheidet demnach verschiedene uerungsfunktionen. Diese sind in jeder uerung gleichzeitig prsent, knnen jedoch unterschiedlich gewichtet sein. Die drei grundlegenden Funktionen sprachlicher uerungen knnen sein:

    sachlicher Art (Mitteilung, Information): Sie betreffen die Beziehung Zeichen Kontext = Darstellungsfunktion bei Bhler, = referentielle Funktion bei Jakobson

    expressiver Art (Emotionen, Gedanken): Sie betreffen die Beziehung Zeichen Sender = Ausdrucksfunktion bei Bhler, = emotive Funktion bei Jakobson.

    appellativer Art (Wnsche, Aufforderungen): Sie betreffen die Beziehung Zeichen Empfnger = Appellfunktion bei Bhler, = konative Funktion bei Jakobson.

    Abb. 3: Das Bhlersche Organonmodell, nach: Bhler (1934): Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache.

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    Im Modell von Jakobson kommen daneben noch 3 weitere Funktionen vor:

    die phatische Funktion: betrifft die Beziehung Zeichen Kontakt und dient der Aufrechterhaltung der Kommunikation als solches. Phatische uerungen thematisieren somit das Stattfindens von Kommunikation selbst. (z.B. uerungen vom Typ Ich danke Ihnen fr Ihre Aufmerksamkeit)

    die metasprachliche Funktion: betrifft die Beziehung Zeichen Kode und dient der Verstndigung ber die Bedeutung der verwendeten Zeichen. Metasprachliche uerungen thematisieren so den Inhalt sprachlicher Zeichen.

    die sthetische (auch: poetische) Funktion: betrifft die Beziehung Zeichen Mitteilung. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise des sprachlichen Ausdrucks und ist damit laut Jakobson selbstreferentiell, d.h. das Zeichen thematisiert sich selbst und die Art seiner materiellen Beschaffenheit.

    Abb. 4: Erweiterung des Bhlerschen Modells; nach: Roman Jakobson (1960): Linguistik und Poetik Weitere Funktionen von Sprache Neben der kommunikativen Funktion erfllt Sprache daneben auch andere Funktionen: So dient sie als Medium, in dem Wissen erworben und gespeichert wird. Durch Sprache wird das Verstehen und Verarbeiten von Information erst ermglicht. Sprache erfllt also eine wichtige Funktion im menschlichen Denken, hat also eine kognitive (epistemische) Funktion. Im gesellschaftlichen Zusammenhang ist Sprache ein wichtiger Faktor fr die Selbstdefinition und Identittsbildung von Individuen. Die Verwendung der eigenen Sprache ist bis zu einem gewissen Sinne auch ein menschliches Grundrecht. Sprache hat in diesem Sinne auch eine wichtige symbolische und politische Funktion.

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    3. Das sprachliche Zeichen 3.1 Zeichenmodelle Wir haben den Kode als einen Vorrat an Zeichen definiert, ber den sowohl Sender als auch Empfnger verfgen mssen, um kommunizieren zu knnen. Sehen wir uns nun den Begriff des Zeichens nher an. Mit den Zeichen (auch nichtsprachlichen) beschftigt sich eine eigene Wissenschaft, die Semiotik. In der Semiotik versteht man unter einem Zeichen die Verbindung eines Signals (Ausdruck) mit einem Teil der Nachricht (Inhalt). Jedes Zeichen vereinigt also zwei Seiten in sich: eine Ausdrucksseite und eine Inhaltsseite. Der Ausdruck ist die materielle Seite des Zeichens und hngt vom jeweiligen Kanal ab: er kann optischer, akustischer oder auch anderer Art sein (etwa in der Art der Seilspannung bestehen). Beim sprachlichen Zeichen ist der Ausdruck stets eine Lautverbindung, etwa die Kombination der Laute [b]-[a]-[u]-[m]. Dies gilt auch beim schriftlichen Gebrauch der Sprache: bei Lautschriften steht die optische Form stellvertretend fr eine Kombination von Lauten. Diese Laute wiederum sind mit Bedeutung verbunden. Eine direkte Verbindung von optischem Signal und Bedeutung (etwa eine rote Ampel) ist daher kein sprachliches Zeichen. Doch auch eine bestimmte Folge von gesprochenen Lauten allein ist fr sich betrachtet noch kein "Zeichen". Dazu wird sie erst, wenn ihr eine bestimmte Bedeutung zugeordnet ist, hier mit dem Inhalt Baum. Der Inhalt ist die immaterielle Seite des Zeichens, sein Bedeutungsgehalt. Die sprachliche Bedeutung besteht aus einer gedanklichen Vorstellung: mit der Lautverbindung [b-a-u-m] ist also nicht notwendigerweise ein bestimmter Baum gemeint, sondern u.U. alle Bume bzw. nur das gedankliche Konzept Baum im allgemeinen.

    Abb. 5: Die zwei Seiten des sprachlichen Zeichens

    Ausdruck

    (materiell)Bezeichnendes

    Signifikantsignifi

    ZeichentrgerLautkrper

    [ b a u m ]

    Inhalt

    (immateriell) Bezeichnetes Signifikat signifiant Bedeutungsgehalt Konzept

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    Wenn der Sprecher jedoch ber einen ganz bestimmten Baum in der Wirklichkeit spricht, kommt noch eine dritte Seite des Zeichens hinzu. Dies ist die tatschliche Entsprechung der gedanklichen Vorstellung in der auersprachlichen Realitt, auf die sich das Zeichen bezieht. Diese Beziehung zwischen Zeichen und auersprachlicher Realitt nennt man Referenz. Das Zeichen referiert auf etwas in der Wirklichkeit. Die Entsprechung des sprachlichen Inhalts in der Wirklichkeit nennt man daher auch den Referenten. Die drei Seiten des Zeichens: sprachlicher Ausdruck, sprachlicher Inhalt und Referent bilden das semiotische Dreieck.

    Abb. 6: Das semiotische Dreieck 3.2 Drei Arten von Zeichen Die Verbindung zwischen der Ausdrucks- und der Inhaltsseite des Zeichens kann unterschiedlicher Art sein. Auf der Grundlage dieser Beziehung unterscheidet Peirce drei Arten von Zeichen:

    Ikonische Zeichen: Die Verbindung von Ausdruck und Inhalt beruht auf uerer hnlichkeit. Der Ausdruck bildet den Inhalt ab, er macht eine Kopie der auersprachlichen Realitt. Diese Art der Verbindung nennt man bildlich oder ikonisch.

    Indexikalische Zeichen: Die Verbindung von Ausdruck und Inhalt beruht auf einer inneren Notwendigkeit: Der Ausdruck ist hier nicht Abbild sondern die notwendige Folge des Inhalts. Die uere Form des Zeichens ist somit infolge ihres Inhalts entstanden, sie verweist daher auf ihn oder indiziert ihn.

    Symbolische Zeichen: Die Verbindung von Ausdruck und Inhalt ist rein willkrlich festgelegt. Es besteht weder uerliche hnlichkeit noch innere Notwendigkeit. Im Prinzip knnte daher fr denselben Inhalt auch ein vllig anderer Ausdruck stehen.

    Sprachlicher Ausdruck Sprachliche Bedeutung

    Referent = Entsprechung in der auersprachlichen Realitt

    [ b a u m ]

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    Drei Arten von Zeichen (Charles S. Peirce)

    Ikonisches Zeichen

    Verbindung

    Ausdruck Inhalt:

    uere hnlichkeit (Abbildhaftigkeit)

    Indexikalisches Zeichen

    Verbindung

    Ausdruck Inhalt:

    Innere Notwendigkeit (Kausalitt)

    Symbolisches Zeichen

    Verbindung

    Ausdruck Inhalt:

    Willkrlich gewhlt (Arbitraritt)

    beruht auf Konvention

    Die Verbindung zwischen beiden ist frei whlbar, d.h. arbitrr. Sender und Empfnger mssen aber diese Verbindung kennen, um miteinander kommunizieren zu knnen. Sie mssen sich also auf diese Verbindung geeinigt haben, die Verbindung ist daher konventionell. Zeichen, die auf diesem Prinzip beruhen, nennt man symbolische Zeichen (oder Symbole). Die berwiegende Mehrzahl der sprachlichen Zeichen beruht auf Konvention. Sprachliche Zeichen sind daher im semiotischen Sinne Symbole.

    Abb. 7: Beispiele fr ikonische, indexikalische und symbolische Zeichen

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    3.3 Drei Dimensionen von Zeichen Das Zeichen kennt nach Morris drei Dimensionen:

    Die pragmatische Dimension tritt in der Beziehung zwischen dem Zeichen und seinem Benutzer (Interpretant) auf. Pragmatik ist also der Bereich der Zeichenverwendung, die linguistische Pragmatik beschftigt sich mit der Sprachverwendung.

    Die semantische Dimension betrifft das Verhltnis zwischen dem Zeichen

    und seinem Designat (seinem Inhalt). Die Semantik ist also der Bereich, der sich mit dem Inhalt des sprachlichen Zeichens beschftigt.

    Die syntaktische Dimension betrifft das Verhltnis von Zeichen zu anderen

    Zeichen (Zeichentrgern). Die Syntax im weitesten Sinne ist also der Bereich der Verknpfung von Zeichen.

    Abb.8: Dimensionen des Zeichens, nach: Charles Morris (1938): Foundations of a Theory of Signs

    Nach diesen 3 Dimensionen des Zeichens kann man auch die drei Hauptgebiete der Linguistik unterscheiden: Pragmatik, Semantik und Syntaktik.

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    4. Teilgebiete der Linguistik 4.1 Teilgebiete der sprachlichen Bedeutung Pragmatik Vergleichen wir die uerungen "Darf ich dich etwas fragen, Herr Professor?" Oder die "Ich erklre euch zu Mann und Frau" (wenn der Sprecher kein Priester oder Standesbeamter ist). Wir stellen fest, dass diese uerungen weder formal noch inhaltlich falsch sind. Der Fehler besteht eher in der uerungssituation, in der inadquaten Verwendung von Sprache. Die uerungen sind daher nicht falsch im grammatischen oder im semantischen Sinn, sondern "pragmatisch falsch", d.h. falsch gebraucht. Die Pragmatik beschftigt sich also mit dem Zusammenhang von Sprache und uerungssituation. Ein und dieselbe uerung kann in einer Situation angebracht ("richtig") sein, in einer anderen Situation nicht. Dieser Zusammenhang ist aber nicht willkrlich, sondern unterliegt auch bestimmten Regeln. (Regeln fr Hflichkeit, Sprecherwechsel, Rckfragen, Glckensbedingungen fr Sprechakte etc.). Semantik Betrachten wir uerungen wie Chomskys berhmten Satz Colourful green ideas sleep furiously oder das Gedicht Dunkel war's, der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr, so stellen wir fest, dass auch hier grammatisch betrachtet alles richtig ist, sofern man unter Grammatik nur den sprachlichen Ausdruck versteht. Der Fehler besteht jedoch nicht im Ausdruck, sondern im Inhalt der sprachlichen uerung. Sie ist daher nicht "grammatisch falsch", sondern "semantisch falsch". Syntaktik: Lexikon und Grammatik Die syntaktische Dimension beschftigt sich mit der Beziehung zwischen den Zeichentrgern. Man unterscheidet zwei Arten von Beziehungen: paradigmatische und syntagmatische Beziehungen. Diese werden zwei Teilbereichen der Sprache zugeordnet: dem Lexikon und der Grammatik. Das Lexikon (der Wortschatz) enthlt eine offene (unendliche) Menge von lexikalischen Einheiten. Einheiten des Wortschatzes stehen zueinander in paradigmatischer Beziehung. Es sind Einheiten, die in einem Satz gegeneinander ausgetauscht werden knnen, die an die selbe Stelle gesetzt werden knnen = Ersetzungsrelation. Mit dem Wortschatz der Sprache beschftigt sich die Lexikologie. Die Grammatik enthlt demgegenber eine geschlossene (endliche) Menge von Regeln zum Aufbau, zur Vernderung und zur Verbindung dieser Einheiten. Die Grammatik stellt also zwischen den Einheiten des Wortschatzes eine syntagmatische Beziehung her: Verknpfung von Einheiten zu einer uerung (einem Satz). = Verknpfungsrelation.

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    Peter half die Bcher drucken Syntagma

    Verknpfung von Anna kam die Hefte holen Einheiten Das Kind sah eine Kerze brennen Paradigma Ersetzung von Einheiten

    Abb.9: Syntagmatische und paradigmatische Relatinonen nach: Baumgrtner, Klaus Fritz, Gerd, in: Funk-Kolleg (1973): 123.

    4.2 Teilgebiete des sprachlichen Ausdrucks: Phonetik/Phonologie, Morphologie und Syntax Sprachliche Einheiten und linguistische Beschreibungsebenen: Sprachliche uerungen sind in Bestandteile zerlegbar (= segmentierbar oder analysierbar). Durch Analyse oder Kombination dieser Bestandteile erhlt man die jeweiligen linguistischen Beschreibungsebenen. Die kleinsten Einheiten erhlt man durch Teilung (Analyse) von greren Einheiten. Sie bilden die Mikroebene der linguistischen Beschreibung. Die greren Einheiten erhlt man durch Kombination von kleineren Einheiten. Sie befinden sich auf der Makroebene der linguistischen Beschreibung. Die Ebenen der sprachlichen Beschreibung im einzelnen sind: Laut (Phon/Phonem): Der Sprachlaut ist die kleinste sprachliche Einheit und

    nicht weiter zerlegbar, vereinigt in sich aber "Bndel" von Merkmalen, die ihn von anderen Lauten unterscheidbar machen.

    Morphem: Ein Morphem besteht aus (keinem), einem oder mehreren Lauten. Wort: Ein Wort besteht aus einem oder mehreren Morphemen. Satzglied (Syntagma): Ein Satzglied besteht aus einem oder mehreren Wrtern. Satz: ein Satz besteht aus einem oder mehreren Satzgliedern. Text: ein Text besteht aus einem oder mehreren Stzen. Diskurs: ein Diskurs besteht aus einem oder mehreren Texten. Teilgebiete der Sprachwissenschaft: Nach diesen Beschreibungsebenen werden die einzelnen Teilgebiete der Sprachwissenschaft (linguistische Teildisziplinen) eingeteilt. Sie beschftigen sich mit den entsprechenden Bestandteilen der sprachlichen uerung: Phonetik: beschftigt sich mit den Lauten der Sprache, d.h. mit ihrer Erzeugung

    (der Artikulation) und mit ihren physikalischen Eigenschaften Phonologie: beschftigt sich mit der Funktion der Laute im System der Sprache,

    d.h. welche Lautunterschiede knnen Bedeutungsunterschiede nach sich ziehen Morphologie (Formbildung, Wortbildung): beschftigt sich mit den

    Bestandteilen des Wortes und ihrer Funktion Syntax: beschftigt sich mit der Verbindung von Wrtern zu greren Einheiten:

    Wortverbindungen (Syntagmen) bis zur Ebene des Satzes. Textlinguistik / Textsyntax: beschftigt sich mit der Verbindung von Stzen zu

    greren Einheiten (Satzverbindungen bis zur Ebene des Textes) Diskursanalyse: beschftigt sich mit der inhaltlichen und sprachlichen Analyse

    gesellschaftlicher Diskurse

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    Lexikologie: beschftigt sich mit den regelmigen Beziehungen zwischen den Wrtern

    Lexikographie: Lehre von der Erstellung von Wrterbchern Semantik: Lehre von der Bedeutung sprachlicher Ausdrcke (von Morphemen,

    Wrtern, Stzen) Pragmatik: Lehre von der Beziehung der Sprache zum auersprachlichen

    Kontext (Situation, soziales Umfeld, "Diskurs", "Sprechhandlung")

    Abb. 10: Sprachliche Ebenen und Teilgebiete der Sprachwissenschaft, nach: Jana Kubita, Holger Kue.

    Weiterfhrende Literatur: Ernst, Peter: Germanistische Sprachwissenschaft. Wien: Facultas, 2004.

    Grundlagen: Der Mensch und seine Sprache. S. 11-58. Funk-Kolleg Sprache. Eine Einfhrung in die moderne Linguistik. Band I. Frankfurt a.

    M.: Fischer, 1973. Teil I: Kommunikation und Sprache. S. 27-102. Geier, Manfred: Orientierung Linguistik. Was sie kann, was sie will. Reinbek:

    Rowohlt, 1998. Kubita, Jana Kue, Holger: Einfhrung in die Sprachwissenschaft fr Slawisten.

    Im Netz unter: http://www.tu-dresden.de/slk/slav0.htm Lehfeldt, Werner: Einfhrung in die Sprachwissenschaft fr Slavisten. Mnchen: Otto

    Sagner, 1996. Vater, Heinz: Einfhrung in die Sprachwissenschaft.

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    Teil 1 B: Einteilung der slavischen Sprachen: 5. Einteilungskriterien fr Sprachen

    5.1. nach der Entstehung (natrliche und knstliche Sprachen) 5.2. nach der Vitalitt (lebende und tote Sprachen) 5.3. typologische (strukturelle) Einteilung 5.4. geographische Einteilung

    6. Historisch-genetische Einteilung 6.1. Sprachfamilien 6.2. Sprachzweige des Indoeuropischen 6.3. Binnenklassifizierung der slavischen Sprachen

    7. Funktionale Einteilung 7.1. Standardsprachen und Nichtstandardsprachen 7.2. Quantitative Einteilung 7.3. Verhltnis Sprachgebiet - Staatsgebiet

    8. Grammatische Gemeinsamkeiten slavischer Sprachen

    1. Einteilungskriterien fr Sprachen Die slavische Sprachwissenschaft (Slavistik) beschftigt sich nur mit einem bestimmten Ausschnitt von Einzelsprachen, die gemeinsame Abstammung aufweisen, also miteinander verwandt sind und somit auch ber eine Reihe gemeinsamer Merkmale verfgen. "Slavische" Sprachen sind also das Ergebnis einer Einteilung der Sprachen nach dem Kriterium der Verwandtschaft. Es gibt aber auch andere Kriterien, nach denen Sprachen eingeteilt werden knnen. Dazu zhlen u.a.: Nach der Art der Entstehung: natrliche vs. knstliche Sprachen: Natrliche

    Sprachen haben sich im Laufe der Geschichte gewissermaen selbststndig, weitgehend ohne planende Eingriffe entwickelt. Knstliche Sprachen dagegen sind willentlich geschaffene und geplante Sprachen (man spricht daher auch von Plansprachen). Kunstsprachen sind etwa Esperanto, Programmiersprachen wie Java, C++, aber auch fr bestimmte Fcher geschaffene Notationen (etwa in der Mathematik in der Logik, Musik, Chemie, ...) Aber auch moderne Standardsprachen sind das Ergebnis von geplanten Eingriffen und daher bis zu einem gewissen Grad ebenfalls knstlich.

    Nach der aktuellen Verwendung: lebende vs. tote Sprachen: Lebende Sprachen werden in der Gegenwart von mindestens einem Menschen als Muttersprache gesprochen. Tote Sprachen knnen zwar noch im Gebrauch sein (zu bestimmten Funktionen, wie etwa in der Liturgie oder der Wissenschaft) werden aber im Alltag nicht mehr verwendet und sind niemandes Muttersprache. Zu den toten Sprachen zhlen ausgestorbene Sprachen, wie Hethitisch, Awestisch, Gotisch, keltische Sprachen wie Cornish und Manx, im Bereich der slawischen Sprachen etwa das Elb- und Ostseeslavische (Polabisch, Slovinzisch,

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    Polabisch), daneben aber auch die historischen Vorlufer der heutigen Standardsprachen, etwa Latein, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Altenglisch, bei den slawischen Sprachen Altkirchenslavisch, Altrussisch, Alttschechisch, Altpolnisch usw.

    Typologische (strukturelle) Einteilung: Die typologische oder strukturelle Einteilung teilt Sprachen nach der Art und Weise wie sie bestimmte, v.a. abstrakte grammatische Bedeutungen ausdrcken: sie teilt dabei die Sprachen der Welt in 3 groe Haupttypen ein: o flektierende Sprachen: In flektierenden Sprachen verndern die Wrter ihre

    Form, etwa durch das Anfgen von Endungen. Charakteristisch fr flektierende Sprachen ist, dass Endungen meist mehrere grammatische Bedeutungen auf einmal ausdrcken (vgl. etwa - in russ. : drckt Dativ + Plural aus; -m in tsch. vidm: drckt 1.Person + Singular + Prsens + Indikativ + Aktiv aus). Zu den flektierenden Sprachen gehren die meisten uns bekannten Sprachen, etwa Latein, Deutsch, und v.a. die slavischen Sprachen.

    o agglutinierende Sprachen: Auch in den agglutinierenden Sprachen verndern die Wrter ihre Form, meist durch das Anhngen von Suffixen. Dabei entspricht jedoch jedes Suffix genau einer grammatischen Kategorie: vgl. etwa das Ungarische: nnepeket Feiertage (Akk.), wo -k- das Zeichen fr den Plural darstellt, -t dagegen das Zeichen fr Akkusativ. Agglutinierende Sprachen sind etwas das Ungarische oder das Trkische. Agglutinierende Elemente gibt es auch im Deutschen, etwa beim Dativ Plural, den Kindern, wo -er- den Plural anzeigt, -n den Dativ.

    o isolierende Sprachen: In isolierenden Sprachen bleiben die Wrter unverndert, ihre Bedeutung erhalten sie erst im Satzzusammenhang. Isolierende Sprachen verfgen daher ber grammatische Wrter, die nur zum Ausdruck grammatischer Kategorien dienen, etwa das engl. of fr den Genitiv. Beispiele fr isolierende Sprachen sind das Chinesisch, aber auch das Englische entwickelt sich durch den Verlust der Flexion in Richtung einer isolierenden Sprache.

    o introflektivische / polysynthetische Sprachen: In introflektivischen Sprachen knnen sich die Wrter sehr stark verndern und drcken dadurch komplexe Sachverhalte wie etwa syntaktische Bezge sehr kondensiert aus. Beispiele sind etwa die Sprachen der nordamerikanischen Indianer, aber auch in den indoeuropischen Sprachen gibt es introflektivische Elemente, etwa Vokalwechsel im Stamm zum Ausdruck von Tempus und Modus (engl. sing, sang, sung; dt. gebe, gbe, gab, gib).

    Daneben kann man Sprachen typologisch auch nach dem Vorkommen bestimmter grammatischer Erscheinungen klassifizieren, etwa nach dem Vorkommen einer bestimmten Wortart, wie Artikel (Artikelsprachen verfgen ber die Wortart Artikel im Gegensatz zu artikellosen Sprachen) oder einer grammatischen Kategorie (Aspektsprachen drcken die Kategorie Aspekt grammatisch aus; Tempussprachen drcken die Kategorie Tempus grammatisch aus, usw.)

    Geographische Einteilung: Nach geographischen Kriterien kann man Sprachen in benachbarte und entfernte

    Sprachen einteilen. Mit der geographischen Verteilung von Sprachen beschftigt sich die sog. Areallinguistik. Hufig ist dabei das Phnomen zu beobachten, dass benachbarte Sprachen sich gegenseitig beeinflussen und somit bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen, obwohl sie genetisch nicht miteinander verwandt

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    sind. In diesem Fall spricht man von einem Sprachbund. Der bekannteste derartige Fall in Europa ist der sog. Balkansprachbund: zu ihm gehren Sprachen unterschiedlicher Abstammung wie, Rumnisch, Albanisch, Griechisch, Trkisch, Bulgarisch, Mazedonisch und einige ostserbische Dialekte, die durch jahrhundertelangen Sprachkontakt eine Reihe von typologischen Phnomenen gemeinsam haben (etwa einen nachgestellten Artikel, den Modus Narrativ u.a.)

    In unserer Betrachtung der slavischen Sprachen wollen wir uns auf zwei Einteilungskriterien konzentrieren: auf die genetische Einteilung und die funktionale Einteilung. 2. Genetische (historische) Einteilung der Sprachen: 2.1 Sprachfamilien Diese Klassifikation folgt genetischen und historischen Kriterien, d.h. sie bercksichtigt die gemeinsame Abstammung und die geschichtliche Entwicklung von Sprachen. Sie gruppiert Sprachen also nach dem Grad ihrer Verwandtschaft zueinander. Man spricht daher von Sprachfamilien. Zu einer Familie gehren Sprachen, die sich historisch aus einer gemeinsamen Ursprache entwickelt haben. Innerhalb der Sprachfamilien kann man weiter in Sprachzweige und Sprachgruppen und schlielich in einzelne Sprachen teilen.

    Doch auch innerhalb der heutigen Einzelsprachen kann man nach historischen Gesichtspunkten weiter unterteilen, in historisch verwandte Dialektgruppen und schlielich bis hin zu den einzelnen Dialekten.

    Die slawischen Sprachen gehren zur Sprachfamilie des Indoeuropischen (oder Indogermanischen). Diese Sprachen lassen sich auf eine gemeinsame Ursprache, das Indoeuropische (oder Indogermanische) zurckfhren. Da diese Sprache vorhistorisch ist, also nicht durch schrifltiche Denkmler belegt ist, kann sie nur rekonstruiert werden, d.h. man schliet durch den Vergleich der heutigen Sprachen (oder ihrer historischen Vorlufer) auf die allen zugrunde liegende gemeinsame Ursprache zurck. Diese sprachwissenschaftliche Methode nennt man historisch-vergleichende Methode, die zugehrige Disziplin historisch-vergleichende Sprachwissenschaft. Sie war v.a. im 19. Jahrhundert die vorherrschende Richtung der Sprachwissenschaft, als man Sprache vorwiegend als das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung betrachtete und sich hauptschlich fr historische Fragestellungen interessierte. Nach dem historisch-genetischen Prinzip werden aber bis heute die philologischen Fcher Germanistik, Anglistik, Romanistik, Grzistik, Slawistik, Keltistik, Baltistik usw. eingeteilt.

    Neben der indoeuropischen Sprachfamilie gibt es in Europa nur noch wenige Sprachen die anderen Sprachfamilien angehren.

    Finnisch, Ungarisch, Estnisch und einige kleinere Sprachen auf dem Territorium der russischen Fderation gehren zur uralischen (oder finno-ugrischen) Sprachfamilie.

    Trkisch gehrt wie Turkmenisch, Aserbaidschanisch, Mongolisch zur altaischen Sprachfamilie (auch Turksprachen)

    Das Baskische bildet eine eigene Sprachfamilie. Zur hamito-semitischen (afro-asiatischen) Sprachfamilie gehren u.a.

    Hebrisch, Aramisch, Arabisch, gyptisch, und Maltesisch. Eine eigene Sprachfamilie bilden die kaukasischen Sprachen (u.a. Georgisch,

    Tschetschenisch, Inguschisch, Abchasisch)

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    Eine Reihe von Sprachen in der Russischen Fderation gehren zur palosibirischen Sprachfamilie (u.a. Tschuktschisch, Tschuwaschisch)

    Die meisten Sprachfamilien sind jedoch auerhalb Europas verbreitet: u.a. die drawidischen Sprachen im Sden der indischen Halbinsel, austro-asiatische Sprachen, Tai-Sprachen, sino-tibetische Sprachen, nilo-saharische Sprachen, Niger-Kongo-Sprachen, indopazifische Sprachen, und verschiedene Sprachfamilien auf dem amerikansichen Kontinent (u.a. Indianersprachen)

    Sprachfamilien in Europa

    Quelle: Matthew Dryer, http://linguistics.buffalo.edu/people/faculty/dryer/dryer/map.europe.gif

    Indoeuropische Sprachfamilie Finno-ugrische (uralische) Sprachfamilie Altaische Sprachfamilie (Turksprachen) Baskisch Hemito-semitische Sprachfamilie

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    2.2 Sprachzweige des Indoeuropischen Innerhalb der indoeuropischen Sprachfamilie unterscheidet man die folgenden Sprachzweige: Slavische Sprachen (siehe genauer nchste Seite ) Baltische Sprachen:

    Litauisch, Lettisch (historisch: Altpreuisch)

    Germanische Sprachen: drei Untergruppen: o ostgermanisch: Gotisch (historisch) o nordgermanisch: skandinavische Sprachen:

    Schwedisch, Norwegisch, Dnisch, Islndisch, Frisch o westgermanisch:

    Englisch, Deutsch, Niederlndisch, Friesisch, Jiddisch, Afrikaans

    Keltische Sprachen: Irisch, Schottisch (Glisch), Walisisch, Bretonisch (historisch: Manx und Kornisch)

    Italische (romanische) Sprachen: Franzsisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Rumnisch, Katalanisch, Galizisch, Sardisch, Korsisch, Okzitanisch, Rtoromanisch, Ladinisch (historisch: Latein, Dalmatinisch)

    Indo-iranische Sprachen: zwei groe Gruppen: o indo-arische Sprachen mit ber 500 Sprachen, darunter:

    Hindi (Urdu), Pandschabi, Bengali, Singhalesisch, Romani (Sprache der Roma) (historisch: Sanskrit).

    o iranische Sprachen: Persisch, Tadschikisch, Paschto, Ossetisch, Kurdisch; historisch: Awestisch

    Griechisch: bildet einen eigenen Zweig innerhalb des Indoeuropischen; seit dem 14. Jh. v. Chr. belegt

    Albanisch: eigener Zweig innerhalb des Indoeuropischen.

    Armenisch: die lteste bis heute gesprochene Schriftsprache

    Anatolische Sprachen: eine Gruppe ausgestorbener Sprachen, zu denen u.a. Hethitisch gehrt, die Sprache, in der die ltesten bekannten indoeuropischen Schriftbelege verfasst sind.

    Tocharisch: historische Sprache, die bis ca. 1000 n.Chr. in Chinesisch-Turkestan gesprochen. und erst um das Jahr 1890 wiederentdeckt wurde.

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    Indoeuroische Sprachzweige in Europa

    Quelle: Matthew Dryer, http://linguistics.buffalo.edu/people/faculty/dryer/dryer/map.euro.ie.GIF

    Slavische Sprachen Germanische Sprachen Romanische Sprachen Keltische Sprachen Baltische Sprachen Griechisch Albanisch Nicht-indoeuropische Sprachen

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    2.3 Binnengliederung der slavischen Sprachen: Die slavischen Sprachen stellen einen eigenen Zweig innerhalb der indoeuropischen Sprachfamilie dar. Sie sind also mit den germanischen Sprachen "urverwandt". Innerhalb der indoeuropischen Sprachen sind die slavischen am nchsten mit den baltischen Sprachen verwandt. Man nimmt an, dass es bei der Entwicklung vom Indogermanischen zum Urlavischen eine gemeinsame "baltoslawische" Entwicklungsstufe gab. Die lteste slawische Sprache ist das "Urslavische". Diese ist jedoch ebenfalls nicht schriftlich belegt, kann also ebenso wie das Indogermanische nur erschlossen (rekonstruiert) werden. Die lteste durch schriftliche Denkmler belegte Sprache ist das Altkirchenslawische (oder Altbulgarische). Innerhalb der slavischen Sprachen werden 3 groe Untergruppen unterschieden: ostslavische Sprachen:

    Die drei heutigen ostslavischen Standardsprachen sind: Russisch, Ukrainisch und Weirussisch (Belorussisch). Daneben gibt es einige kleinere ostslavische Sprachen: Westpolessisch wird im Grenzgebiet zwischen Weirussland, der Ukraine und Polen gesprochen. Vom Russinischen existieren zwei rumlich getrennte Varianten: das Karpato-Russinisch oder Ruthenisch wird von einer Minderheit in der Westukraine, der Ostslowakei und im Nordosten Ungarns gesprochen, das Jugoslavo-Russinische ist ein sprachliche Minderheit im Norden Serbiens (in der Vojvodina).

    westslavische Sprachen: Die drei westslavischen Standardprachen sind: Polnisch, Tschechisch und Slovakisch. Zu den westslavischen Kleinschriftsprachen gehrt Sorbisch im Osten Deutschlands, das zwei Sprachen bildet: Obersorbisch in der Lausitz rund um Bautzen, und Niedersorbisch im Spreewald nahe Cottbus. Daneben kann auch das an der Ostsee in der Gegend von Danzig gesprochene Kaschubische als eigene Sprachen gelten, obwohl es Tendenen zeigt, den Status eines polnischen Dialekts anzunehmen. Ausgestorbene westslavische Sprachen sind das sogenannte Elb- und Ostseeslavisch: Polabischan der Elbe im heutigen Wendland, Pomoranisch in Pommern und Slovinzisch sdlich von Danzig.

    sdslavische Sprachen: Zu den sdslavischen Standardsprachen zhlen heute Bulgarisch, Slovenisch, Mazedonisch, sowie die drei Nachfolgesprachen, des Serbokroatischen: Serbisch, Kroatisch und Bosnisch, die sich erst seit ca. 15 Jahren zu eigenstndigen Standardsprachen entwickeln. Daneben gibt es auerhalb des slavischsprachigen Territoriums eine Reihe von sdslavischen Kleinschriftsprachen. Dazu gehren das Burgenlnder Kroatisch und das Krntner Slovenisch in sterreich, auf dem Gebiet Italiens das Resianische in Friaul und das Moliseslavische in Sditalien, sowie das Banater Bulgarische in Rumnien. Die wichtigste historische sdslavische Sprache ist Altkirchenslavisch (oft auch als Altbulgarisch bezeichnet), die slavische Sprache, die als erste schriftlich fixiert wurde und fr die ein eigenes slavisches Alphabet geschaffen wurde. Sie wurde v.a. im byzanthinisch-orthodoxen Raum jahrhundertelang in der Liturgie weiterverwendet und bte groen Einfluss auf die Entwicklung auch der anderen slavischen Sprachen aus.

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    Die slavischen Sprachen (Einteilung nach: Reder (Hg.) 1993)

    Ostslavische Sprachen Westslavische Sprachen Sdslavische Sprachen Slavische Standardsprachen Slavische Kleinschriftsprachen (Mikroliteratursprachen)

    Russisch

    Weirussisch

    Ukrainisch

    Polnisch

    Tschechisch

    Slovakisch

    Slovenisch

    Kroatisch

    Bosnisch Serbisch

    Bulgarisch

    Makedonisch

    Kaschubisch

    Westpolessisch

    Karpato-Russinisch / Ruthenisch

    Niedersorbisch

    Obersorbisch

    Burgenlnder Kroatisch

    Resianisch Banater Bulgarisch

    Moliseslawisch

    Jugoslavo-Russinisch

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    3. Funktionale Einteilung: Nach funktionalen Kriterien werden Sprachen klassifiziert, je nachdem welche kommunikationen Funktionen sie in den staatlichen Gebilden, in denen sie gesprochen werden, erfllen knnen Die wichtigste Unterscheidungen ist die zwischen Standardsprachen und Nichtstandardsprachen. Unter Standardsprachen versteht man voll funktionsfhige, ausgebaute Sprachen (andere Begriffe sind Hochsprache, Schriftsprache, Literatursprache). Standardsprachen verfgen ber eine festgelgte Form ihrer schriftlichen Wiedergabe, sie sind in Schreibung und Aussprache normiert und knnen in wichtigen offiziellen Funktionen verwendet werden (z.B. fr Vertrge, Gesetzestexte, in der Wissenschaft, der Literatur, in den Massenmedien, usw.). Als Standardsprachen sind heute die in der Karte auf S. 8 fett gedruckten 12 slavischen Sprachen anerkannt. Sie knnen heute in den Lndern, in denen sie gesprochen werden, offizielle Funktionen bernehmen, sind offiziell als Staatssprache anerkannt, bzw. als Amtssprache zugelassen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von slavischen Sprachen, fr die zwar eine schriftliche Form existiert, die jedoch nicht in der Funktion von Staats- oder Amtssprachen gebraucht werden, sondern die lediglich von Minderheiten auf dem Territorium anderer Sprachen gebraucht werden. Sie werden daher als Kleinschriftsprachen (oder Mikroliteratursprachen) bezeichnet. Daneben gibt es eine Gruppe von Sprachen, die in ihrer Geschichte eine gewisse sprachliche Eigenstndigkeit, z.T. sogar eine schritliche Tradition aufwiesen, diese mittlerweile jedoch verloren haben und daher heute nur noch als Dialekte der sie umgebenden Standardsprachen betrachtet werden knnen. Dazu zhlen das Schlesische (oder Lachische), das heute ein polnischer Dialekt ist, das Prekmurische im Osten Sloweniens, sowie die kroatischen Dialekte Kajkavisch (im Norden Kroatiens um Zagreb) und akavisch (an der dalmatinischen Kste), die frher eigene Schriftsprachen darstellten. Schlielich gibt es die bereits erwhnten ausgestorbenen und historischen Sprachen. Quantitative Einteilung: Man kann Sprachen nach der Zahl ihrer Sprecher einteilen und gelangt so zu einer Reihenfolge der am meisten gesprochenen Sprachen. Dabei kann man noch einmal unterscheiden zwischen muttersprachlichen und fremdsprachlichen Sprechern. Tabelle der slavischen Standardsprachen nach Sprecherzahl: (ungefhre Angaben lt. Rehder 1993)

    1. Russisch ca. 150,0 Millionen2. Ukrainisch ca. 40 Millionen3. Polnisch ca. 38 Millionen4. Serbisch ca. 12 Millionen5. Tschechisch ca. 10,5 Millionen6. Bulgarisch ca. 9 Millionen7. Weirussisch ca. 7,9 Milliondn8. Slovakisch ca. 5 Millionen9. Kroatisch ca. 4,7 Millionen10. Slovenisch ca. 2,2 Millionen11. Makedonisch ca. 2 Millionen12. Bosnisch keine Angaben

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    Slavische Sprachen

    Ostslavische Sprachen

    Westslavische Sprachen

    Sdslavische Sprachen

    Russisch Ukrainisch

    Weirussisch

    Polnisch Tschechisch Slovakisch

    Slovenisch Kroatisch Bosnisch Serbisch

    Makedonisch Bulgarisch

    Obersorbisch Niedersorbisch Kaschubisch

    Standardsprachen

    Lachisch (Schlesisch)

    Drawno-Polabisch Pomoranisch Slovinzisch

    Resianisch Moliseslavisch

    Burgenlndisch-KroatischBanater Bulgarisch

    Prekmurisch Kajkavisch akavisch

    Bessarabisches Bulgarisch

    Altkirchenslavisch

    Jugoslavo-Rusinisch Karpato-Rusinisch

    (Ruthenisch) Westpolessisch

    Lipovenisch

    Kleinschriftsprachen (Mikroliteratursprachen)

    nicht mehr selbstndige Sprachen (heute Dialekte)

    Historische (ausgestorbene) Sprachen

    Slavische Standard- und Kleinschriftsprachen (nach Rehder: 1993)

    Eine Kombination der geografischen und funktionalen Einteilung der slavischen Sprachen ergibt in etwa das folgende Bild:

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

    32

    4. Verhltnis Staatsgebiet / Sprachgebiet: Das Verhltnis von Sprachgebiet (geographische Verbreitung der Sprache) und Staatsgebiet (Grenzen des Staates, innerhalb dessen die Sprache gesprochen wird) sind nicht immer deckungsgleich. Je nach Art des Verhltnisses kann man folgende Formen annehmen: o "Nationalsprachen": Sprachen, die von der berwiegenden Mehrheit der

    Einwohner eines Staates gesprochen werden: Russisch, Ukrainisch, Weirussisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch, Bulgarisch, Makedonisch

    o Status als eigene Sprache ungeklrt: lange Zeit im Falle des Makedonischen, das als Dialekt des Bulgarischen betrachtet wurde. Derzeit ist der bergang des Bosnischen, Kroatischen und Serbischen von regionale Varianten des Serbokroatischen hin zu eigenen Standardsprachen zu beobachten. Die umgekehrte Entwicklung ist beim Weirussischen zu beobachten, dessen standardsprachlicher Charakter aufgrund des starken Einflusses des Russischen sowie aufgrund von Kontrastmangel mehr und mehr gefhrdet erscheint.

    o Einige slavischer Sprachen sind "Minderheitensprachen" (Sorbisch, Kaschubisch, Polessisch, Russinisch, Burgenlnder Kroatisch, Resianisch), d.h. sie werden innerhalb eines mehrheitlich anderssprachigen Staatsgebiets gesprochen

    o Einige slavischsprachige Lnder haben auf dem eigenen Staatsgebiet eine betrchtliche Anzahl von Sprechern anderer Sprachen. Dies sind v.a. die zahlreichen sprachlichen Minderheiten im staatlichen Territiorium der Russischen Fderation, daneben gibt es albanische Minderheiten in Serbien und Mazedonien; Roma in Tschechien und der Slowakei; Ungarn in der Slowakei; z.T. auch Sprecher anderer slawischer Sprachen: russisch Sprechende in der Ukraine und Weirussland, Kaschuben in Polen, Slovaken und Rusinen in der Vojvodina, u.a.

    o Schlielich kann sich das Sprachgebiet einer Sprache auch ber das staatliche Territorium hinaus erstrecken. Das der Fall bei der russischsprechenden Bevlkerung in ehemaligen Sowjetrepubliken (in der Ukraine, Weirussland und in den balitschen Staaten), aber auch im Falle von Auswanderern, in Westeuropa (russischsprachige Minderheiten in Deutschland, jugoslawische Gastarbeiter in Deutschland und sterreich, slowenische und kroatische Minderheiten in sterreich, tschechische Exilanten etc.) und Nordamerika (groe russisch-, tschechisch- und polnischsprachige Communities in den USA und Kanada).

    5. Grammatische Gemeinsamkeiten slawischer Sprachen Aufgrund ihrer genetischen Verwandtschaft weisen die slavischen Sprachen auf verschiedenen linguistischen Beschreibungsebenen charakteristische Gemeinsamkeiten auf, die wir im folgenden kurz skizzieren wollen(nach Comrie/Corbett). Auf Einzelheiten wird in den Kapiteln zu den jeweiligen sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen nher eingegangen. Lautlehre:

    Auf lautlicher Ebene ist fr die slavischen Sprachen v.a. das Vorhandensein sogenannter "weicher" d.h. palataler Konsonanten. Oft ist die Unterscheidung von weichen (palatalen) und harten (nichtpalatalen) Konsonanten bedeutungsunterscheidend. Am konsequentesten ausgebaut ist diese Opposition im Russischen.

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

    33

    Regelmige Lautwechsel: Auch im Bereich der regelmigen (morphonoloigschen) Lautwechsel weisen die slavischen Sprachen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Hufig sind hier v.a. Konsonantenwechsel, die bei der Bildung von Wortformen ebenso wie bei der Ableitung neuer Wrter auftreten (bedingt meist durch historische Palatalisierungen), vgl. tsch.: kniha-knize; russ. ; polnisch: rka rczka.

    Grammatische Morphologie: Die meisten slavischen Sprachen verfgen ber groen Formenreichtum der einzelnen Wortarten. Sie gelten daher als stark flektierende Sprachen, d.h. sie besitzen viele unterschiedliche grammatische Formen fr ein Wort. Dieser Formenreichtum ist aus dem Indoeuropischen ererbt, die slavischen Sprachen haben ihn weitgehend beibehalten und gelten daher als konservierende Sprachen. Der Formenreichtum wirkt sich in der Vielzahl an Kasusendungen aus (Ausnahmen sind Bulgarisch und Mazedonisch), aber auch in der Vielzahl von Deklinations- und Konjugationsklassen. Die slavischen Sprachen gehren dabei weitgehend dem flektierenden Sprachtyp an, d.h. die Endung drckt mehrere grammatische Kategorien aus.

    Grammatische Kategorien: Im Bereich der grammatischen Kategorien verfgen die slavischen Sprachen gegenber dem Deutschen ber zwei Besdonderheiten: o Nominale Kategorie der Belebtheit: Die slavischen Sprachen weisen einen

    unterschiedlicher Formenbestand bei Bezeichnungen fr Lebewesen und unbelebte Gegenstnde auf.

    o Verbale Kategorie des Aspekts: Alle slavische Sprachen kennen verschiedene Wrter (Wortformen) zur Unterscheidung von zeitlicher Begrenztheit und Unbegrenztheit der Handlung.

    Satzbau: o Starke Kongruenz zwischen den Satzgliedern: die Form der Wrter zeigt die

    Zusammengehrigkeit von Attribut und zugehrigem Substantiv und von Prdikat und Subjekt an. Als Folge davon knnen im Tschechischen und Polnischen die Personalpronomen, wenn sie nicht besonders betont sind, weggelassen werden (pro-drop), im Russischen kann dagegen die Kopula (das Verb sein) wegfallen.

    o Freie Wortstellung: Die Wortstellung ist in den slavischen Sprachen weitgehend frei, d.h. sie drckt keine syntaktischen Bezge zwischen den Wrtern aus (wie etwa die feste Wortstellung des Englischen), sondern ist von anderen Faktoren (wie Fokussierung, Thematik) bestimmt.

    Weiterfhrende Literatur: Comrie, Bernard; Corbett, Greville G. [Hg.]: The Slavonic Languages. London - New

    York: Routledge, 1993. Rehder, Peter [Hg.]: Einfhrung in die slavischen Sprachen. Darmstadt:

    Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998 . Panzer, Baldur: Die slavischen Sprachen in Gegenwart und Geschichte. Frankfurt

    a.M.: Peter Lang, 1991. Lehfeldt, Werner: Einfhrung in die Sprachwissenschaft fr Slavisten. Mnchen: Otto

    Sagner, 1996.

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    Skriptum Teil 2 A: Phonetik 1. Phonetik und Phonologie 2. Teilgebiete der Phonetik 3. Artikulationsorgane 4. Einteilung der Laute: Vokale und Konsonanten 5. Einteilung der Vokale

    5.1. Inhrente Merkmale: Vokaldreieck, Labialisierung, Nasalitt, Diphthongierung

    5.2. Suprasegmentale Merkmale: Quantitt, Intonation und Betonung 6. Einteilung der Konsonanten

    6.1. Artikulationsstelle und -modus 6.2. Stimmton und Palatalisierung

    1. Phonetik und Phonologie Gegenstand von Phonetik und Phonologie sind die Sprachlaute. Sie sind die kleinsten Einheiten der Sprache und nicht mehr weiter in Untereinheiten zerlegbar. Sie sind aber als Bndel von Merkmalen beschreibbar, mittels derer sie sich von einander unterscheiden. Mit den Sprachlauten beschftigen sich zwei linguistische Disziplinen: Phonetik und Phonologie. Worin besteht der Unterschied zwischen beiden? In Teil 1 A haben wir zwischen zwei Bedeutungen von "Sprache" unterschieden: Sprache als System (langue) und Sprache als konkreter uerung in einer bestimmten Situation (parole). Grob gesprochen kann man sagen, dass sich die Phonetik mit den Lauten der parole beschftigt, die Phonologie mit den Lauten der langue. Wir knnen sprachliche Laute unter zweierlei Gesichtspunkten betrachten: einmal im Hinblick auf ihre realen" lautlichen Eigenschaften, einmal im Hinblick auf ihre "sprachlichen" Eigenschaften. Sprachlaute haben also einen "realen" und einen "systemischen" Charakter. Die Laute als reale (physikalische / akustische) Phnomene nennen wir Phone, die Laute als Einheiten im Sprachsystem Phoneme. Als Phoneme gelten Laute nur, wenn sie im Sprachsystem bei der Unterscheidung von Bedeutungen eine Rolle spielen. Nicht alle Phone haben aber im Sprachsystem auch tatschlich diese Funktion (siehe dazu genauer Teil 3 A: Phonologie). Auch in der wissenschaftlichen Schreibweise unterscheidet man Phone und Phoneme: Phone werden in eckigen Klammern geschrieben, Phoneme zwischen Schrgstriche.

    parole - Ebene langue - Ebene Phone Phoneme

    materielle Seite der Laute funktionelle Seite der Laute = beim Sprechen erzeugte reale Laute:

    messbare, akustische Phnomene = abstrakte, systematische Laute:

    bedeutungsunterscheidene Funktion Gegenstand der Phonetik Gegenstand der Phonologie

    Schreibweise: [ a ] Schreibweise: / a /

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    2. Teilgebiete der Phonetik Mit den beim Sprechen erzeugten realen Lautphnomenen, den Phonen, beschftigt sich die Phonetik. Der Untersuchungsgegendstand der Phonetik sind also objektiv beobachtbare Phnomene der Realitt. Sie berschneidet sich mit verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen, v.a. mit der Physik (Akustik) und der Biologie (Physiologie). Es gibt drei groe Teilgebiete der Phonetik, die sich drei verschiedene Fragen stellen:

    Wie werden die Sprachlaute produziert? = artikulatorische Phonetik (1)

    Welche (physikalischen / akustischen) Eigenschaften haben die Sprachlaute? = akustische Phonetik (2)

    Wie werden die Sprachlaute wahrgenommen (verarbeitet)? = auditive Phonetik (3)

    Abb. 1: Die drei Teilbereiche der Phonetik (Quelle: Ernst 2004: 32)

    Am besten erforscht ist bisher die artikulatorische Phonetik. Mit ihr werden wir uns hier auch am intensivsten beschftigen. Die artikulatorische Phonetik spielt eine wichtige Rolle im Fremdsprachenunterricht. Beim Erlernen einer fremden Sprache ist man meist auch mit Lauten konfrontiert, die in der Muttersprache nicht vorkommen. Diese fremdartigen Laute stellen fr die Lernenden ein doppeltes Problem dar: zum einen bei der Produktion der Laute: fr das Nachahmen dieser Laute sind Einstellungen und Bewegungen der Artikulationsorgane notwendig, an die die Sprechenden aus ihrer Muttersprache nicht gewhnt sind, und deren Artikulation ihnen daher schwer fllt. Zum anderen knnen fremde Laute aber auch bei der Sprachrezeption Schwierigkeiten bereiten: sie entsprechen nicht den aus der Muttersprache bekannten Hrgewohnheiten und werden daher oft nicht richtig identifiziert und mit anderen Lauten verwechselt. Vergleichen wir den Bestand an deutschen und russischen Phonen, so sehen wir, dass zwar viele Laute in beiden Sprachen vorkommen (oder zumindest in beiden Sprachen sehr hnlich artikuliert werden). Daneben gibt es aber einige Laute, die nur dem Russischen eigen sind, und daher deutschen Lernenden Schwierigkeiten bereiten (etwa stimmhaftes sch, der Vokal , die palatalisierten Konsonanten). Umgekehrt treten im Deutschen Laute auf, die das Russische nicht kennt, und die fr russischsprachige Lerner des Deutschen problematisch sind (die Umlaute und , sowie der Konsonant h). Im Tschechischen bereiten ebenfalls die palataliserten Konsonanten (, , ), vor allem aber der Konsonant Ausspracheprobleme, im Polnischen neben den palatalen Konsonanten (, , ), der Gleitlaut und die Nasalvokale und .

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    Abb. 2: Vergleichender Lautbestand des Deutschen und des Russischen

    Die akustische Phonetik untersucht die physikalischen Eigenschaften von Sprachlauten: sogenannte Oszillographen machen die Schallwellen sichtbar, die bei der Artikulation der Sprachlaute entstehen. Praktische Anwendung findet die akustische Phonetik u.a. im Bereich der automatischen Spracherkennung.

    Abb. 3: Oszillographen russischer, tschechischer und polnischer Begrungen.

    Die auditive Phonetik untersucht, wie Sprachlaute vom menschlichen Ohr wahrgenommen und weiterverarbeitet werden. Dabei ist u.a. von Interesse, wie vom

    Lautbestand des Russischen

    Lautbestand des Deutschen

    d

    m

    r

    n t p

    b

    h

    a

    e

    i o u

    Oszillographen ausgewhlter Stze

    !

    Dobr den!

    Dzie dobry!

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    menschlichen Gehirn trotz der oft sehr unterschiedlicher Realisierung dennoch einheitliche Sprachlaute wahrgenommen werden knnen. 3. Artikulationsorgane Die artikulatorische Phonetik teilt die Laute nach der Art ihrer Erzeugung ein. Diese geschieht mit Hilfe der Sprechwerkzeuge (Artikulationsorgane). Die Organe, die an der Erzeugung von Sprachlauten beteiligt sind, sind:

    Luftrhre: erzeugt den Luftstrom (Phonationsstrom) Stimmbnder (Stimmlippen): erzeugen den Stimmton (bei Vokalen und

    stimmhaften Konsonanten) Stimmritze / Kehlkopfdeckel (Glottis): erzeugt den sogenannten Knacklaut

    (im Deutschen etwa bei Vokalen im Anlaut) Mundraum und Nasenraum: dienen als Resonanzraum: dort wird der

    Phonationsstrom wird auf bestimmte Art verndert und erhlt dadurch die fr jeden Laut charakteristischen akustischen Eigenschaften.

    Fr die Artikulation unterscheidet man danach bewegliche (aktive) und unbewegliche (passive) Artikulationsorgane. Aktiv am Artikulationsvorgang beteiligt sind:

    Zunge Lippen

    Alle anderen Artikulationsorgane sind passiv: sie bleiben unbeweglich und werden lediglich von der Zunge berhrt:

    Zhne Gaumen Gaumenzpfchen

    Abb. 4: Die Sprechwerkzeuge (Quelle: Ernst 2004: 69)

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    4. Unterscheidung: Vokale Konsonanten Die Sprachlaute lassen sich in zwei groe Gruppen einteilen: in Vokale und Konsonanten. Zur Definition von Vokalen und Konsonanten existieren drei verschiedene Definitionsmglichkeit: artikulatorisch, akustisch und phonologisch:

    Artikulatorische Definition: nach der Art ihrer Erzeugung Vokale sind ffnungslaute: Der Phonationsstrom kann ungehindert passieren und erhlt seine Frbung durch Formung des Mundraums / bzw. Nasenraums. Konsonanten sind Hemmlaute: Der Phonationsstrom wird durch die Artikulationsorgane behindert (gehemmt) oder unterbrochen. Akustische Definition: nach ihren akustischen Eigenschaften Vokale sind Klanglaute: Sie weisen ein periodisch wiederkehrendes Frequenzmuster auf. Konsonanten sind Geruschlaute:

    Sie weisen kein periodisches Frequenzmuster auf.

    Abb. 5: Klang- und Geruschlaute (Quelle: Ernst 2004: 85)

    Phonologische Definition: anhand ihrer Verwendung in der Silbenstruktur Vokale sind silbenbildend (silbisch):

    Sie bilden innerhalb der Silbenstruktur das Zentrum (Silbenmitte / Silbengipfel) Konsonanten sind unsilbisch: Ihre typische Verwendung ist am Silbenrand (Anfang oder Ende) Die prototypische Silbe hat also die Struktur: CVC (C = consonant; V = vowel)

    Diese 3 Definitionen knnen dabei bei bestimmten Lauten in Widerspruch zueinander geraten: So sind etwa die Laute r und l nach artikulatorischer Definition Konsonanten (Hemmlaute), da bei ihrer Erzeugung ein Hindernis gebildet wird. Nach akustischer Definition hingegen sind sie Vokale, da sie wie Klanglaute einen periodischen Schwingungsverlauf aufweisen). Auch nach der phonologischer Definition knnen sie als Vokale betrachtet werden: in manchen Sprachen Silben knnen sie den Silbengipfel bilden: (vgl. etwa im Tschechischen: prst, vlk, bratr, mohl).

  • Skriptum: Einfhrung in die slavische Sprachwissenschaft

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    Demgegenber knnen auch Vokale unsilbisch werden und gehen dann in den Bereich der Konsonanten ber. Unsilbische Vokale bezeichnet man auch als Gleitlaute (glides) oder Halbvokale. Die Grenze zwischen Vokalen und Konsonanten ist also weniger eindeutig als zunchst angenommen. Man kann zwischen beiden Bereichen einen bergangsbereich feststellen. Man teilt daher die Konsonanten (nach artikulatorischer Definition) noch einmal in zwei Gruppen: Sonoranten sind der akustischen Definition nach Vokale. Sie knnen u.U.

    silbisch werden. Sie kommen nur in einer stimmhaft vor. Obstruenten gelten auch nach der akustischen Definition als Konsonanten. Sie

    sind immer unsilbisch. Sie knnen stimmhaft oder stimmlos sein.

    Vokale, Sonoranten und Obstruenten: artikulatorische

    Definition akustische Definition

    phonologische Definition

    Laute

    silbenbildend Vokale (Vollvokale): a, e, i, o, u, ffnungslaute unsilbisch Gleitlaute (Halbvokale): j, poln. Klanglaute manchmal

    silbenbildend

    Sonoranten: Nasale: m, n, Liquide (Laterale und Vibranten): r, l kommen nur stimmhaft vor Hemmlaute

    Geruschlaute unsilbisch

    Obstruenten: kommen stimmhaft oder stimmlos vor: p, b, t, d, k, g, v, f, s, ch,.

    5. Einteilung der Vokale: Vokale sind artikulatorisch ffnungslaute und akustisch Klanglaute. Sie werden durch den ausstrmenden Phonationsstrom (= expiratorische Laute) und mit Beteiligung der Stimmbndder (stimmhaft) erzeugt. Bei der Einteilung der Vokale unterscheidet man zwischen inhrenten Merkmalen, die die Eigenschaften des Lautes selbst bestimmen, und sogenannten suprasegmentalen (oder prosodischen) Merkmalen, die erst im Vergleich zweier Laute im Redefluss deutlich werden. Die inhrenten Merkmale zur Einteilung der Vokale sind:

    Horizontale Zungenstellung Vertikale Zungenstellung Lippenrundung Nasalitt Gespanntheit Zungenbewegung

    Horizontale Zungenstellung Je nachdem, welcher Teil der Zunge beim Sprechen gehoben wird unterscheiden wir vordere, mittlere und hintere Vokale. Vordere Vokale sind i und e, ein mittlere Vokal ist a, hintere Vokale sind o und u. Vertikale Zungenstellung Je nach dem Grad der Zungenhebung erhlt man hohe, mittlere und tiefe Vokale. Hohe Vokale sind i und u, mittlere Vokale sind e und o, ein tiefer Vokal ist a. Mit der vertikalen Zungenstellung hngt auch der ffnungsgrad des Mundes (Kieferwinkel)

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    i

    e

    a

    u

    zusammen: der Kieferwinkel ist bei tiefen Vokalen am grten (man spricht daher auch von offenen oder breiten Vokalen), bei hohen Vokalen am geringsten (man spricht auch von engen Vokalen). Nach der Zungenstellung kann man die Vokale in einem sogenannten Vokaldreieck anordnen. Man spricht von den 5 sogenannten Kardinalvokalen.

    Horizontale Zungenstellung vorne mittel hinten

    hoch i u mittel e o

    Vertikale Zungenstellung

    tief a

    Abb. 5: Vokaldreieck Die 5 Kardinalvokale kommen in vielen Sprachen vor. Manche Sprachen verfgen darberhinaus noch ber andere Vokale: so ist etwa das deutsche ein tiefer Vorderzungenvokal, das russische ein hoher Mittelzungenvokal, das in skandinavischen Sprachen ein tiefer Hinterzungenvokal, usw. Einen mittleren Mittelzungenvokal bezeichnet man als Murmelllaut (oder Schwa). Er wird ohne jede Zungenbewegung erzeugt und tritt oft in unbetonten (reduzierten) Silben auf (etwa in dt. Vorsilben wie ver-, be- u..). Im Bulgarischen kommt er auch in betonten Silben vor und wird mit dem Buchstaben bezeichnet. Bezieht man diese Vokale in das Bild mit ein, so kann man das Vokaldreieck zu einem Vokaltrapez erweitern.

    Horizontale Zungenstellung vorne mittel hinten

    hoch i russ. u mittel e Schwa o

    Vertikale Zungenstellung

    tief a dunkles

    e

    a

    u

    Vokaldreieck (Kardinalvokale)

    i

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    Abb. 5: Vokaltrapez

    Dabei ist zu beachten, dass der bergang zwischen den einzelnen Vokalen flieend ist. Theoretisch wren daher unendlich feine Abstufungen und damit unendlich viele Vokale mglich. Zur besseren Unterscheidbarkeit werden jedoch zur Bedeutungsdifferenzierung v.a die weit voneinander entfernten Vokale gebraucht (Vokalstreuung). Der stufenlose bergang zwischen den Vokallauten wird in der folgenden Abbildung anhand der deutschen Wrter Wild, Welt und Wald demonstriert:

    Abb. 6: stufenloser bergang zwischen den Vokalen (Quelle: Veith 2002:39) Weitere Kriterien zur Einteilung von Vokalen: Lippenrundung (Labilalisierung): Nach der Lippenrundung unterscheidet man gerundete (labialisierte) und nichtgerundete (nicht labialisierte) Vokale: gerundet sind etwa die Vokale o und u. In den slavischen Sprachen besteht eine feste Korrelation zwischen den Merkmalen Hinterzungenvokal und gerundet. Hintere Vokale kommen nur gerundet vor, vordere Vokale nur ungerundet. Man spricht in diesem Fall von einem ko-okurrenten Merkmal, d.h. das Merkmal kommt nicht selbststndig vor, sondern ist an ein weiteres Merkmal gekoppelt. Im Deutschen hingegen knnen auch vordere Vokale gerundet sein: (hoch-vorne gerundet) und (mittel-vorne gerundet). Nasal- und Oralvokale: Bei den Oralvokalen dient als Resonanzraum der Mundraum, bei den Nasalvokalen hingegen der Nasenraum. Bei der Artikulation von Nasalvokalen wird im Rachen das Gaumensegel gesenkt und damit der Phonationsstrom in den Nasenraum umgeleitet. Nasalvokale gab es im Urlsavischen, die jedoch in den meisten heutigen slavischen Sprachen durch Oralvokale ersetzt wurden. Von den lebenden slavischen Sprachen verfgt nur das Polnische ber Nasalvokale: und (gesprochen wie nasales o). Gespanntheit: Das Deutsche kennt den Unterschied zwischen gespannten und ungespannten Vokalen. Das Merkmal ist jedoch an die Quantitt (Lnge/Krze) gekoppelt: im Deutschen sind lange Vokale stets gespannt (biete, Ofen, beten), kurze Vokale dagegen ungespannt (bitte, offen, betten). Zungenbewegung: Monophthonge und Diphthonge: Vokale, bei denen die Zungenstellung whrend der Artikulation stabil bleibt, heien Monophthonge, bewegt sich die Zunge whrend der Artikulation, so spricht man von Diphthongen. Das Deutsche kennt drei Diphthonge: au (ao), ei (ae), eu (oe). In

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    i

    e

    a

    u

    tsch.: ou tsch.: ej

    dt.: au dt.: ei

    dt.: eu

    den slavischen Sprachen treten Diphthonge vor allem im Tschechischen auf: ou (offenes o u) und ej (neben den nur in Fremdwrtern auftretenden eu, au).

    Abb. 7: Tschechische und deutsche Diphthonge im Vokaltrapez Suprasegmentale (prosodische) Merkmale Der Begriff Segment bezeichnet einen aus dem Redefluss isolierbaren Sprachlaut. Merkmale, die sich an einem einzelnen Segment zeigen, heien inhrente Merkmale. Merkmale, die sich erst an einem greren, ber das Segment hinausgehenden Sprechabschnitt zeigen, nennt man suprasegmentale (oder prosodische) Merkmale. Die prosodischen Merkmale lassen sich nach den akustischen Eigenschaften der gesprochenen uerung einteilen. Diese sind:

    Dauer: Die zeitliche Dauer der Schwingung ist fr die Lnge der Vokale (ihre Quantitt) verantwortlich.

    Frequenz: die Frequenz (Zahl der Schwingungen pro Zeiteinheit) verndert die Tonhhe.

    Amplitude: die Intensitt des Schwingungsausschlags verndert die Lautstrke.

    Abb.8: akustische Eigenschaften der gesprochenen Sprache (Quelle: Ernst 2004: 84 ) Lnge (Quantitt): Die bisher behandelten vokalischen Merkmale verndern stets die klanglichen Eigenschaften des Lautes selbst, seine Qualitt. Das Merkmal Quantitt dagegen verndert die Dauer der Artikulation eines Vokals, dessen Qualitt fr die Dauer der Artikulation unverndert bleibt. Entscheidend ist dabei natrlich nicht die absolute, sondern die relative Artikulationsdauer im Verhltnis zu anderen Vokalen. Bedeutungsunterscheidung durch Quantitt gibt es im Deutschen (vgl .etwa kam Kamm; Mus muss), in den slavischen Sprachen gibt es diese Unterscheidung im

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    Tschechischen: rda gern (weibl. Form) rada der Rat; dl weiter - dal er gab, mu ich kann mu der Mnner (Genitiv Plural), daneben auch im Slovakischen und im Bosnischen / Kroatischen / Serbischen. Tonhhe (musikalischer Akzent): Die Vernderung der physikalischen Eigenschaft Frequenz bewirkt eine nderung der Tonhhe. Auch die Tonhhe kann im Sprachsystem eine Rolle spielen. Im Deutschen wird sie v.a. zur Unterscheidung von Satztypen (Fragesatz, Aussagesatz, Befehlssatz) eingesetzt, zum Ausdruck von Emotion (berraschung, Emprung, Nachdruck), oder zur Hervorhebung (Das blaue Auto vs. Das blaue Auto). Den Tonhhenverlauf in einer lngeren Sequenz von Lauten, etwa einem ganzen Satz bezeichnet man als Intonation (Satzintonation). Manche Sprachen nutzen jedoch die Tonhhe auch zur Unterscheidung von Wortbedeutungen (= Wortintonation, Silbenintonation), etwa das Chinesische, aber auch einige skandinavische Sprachen. Unter den slavischen Sprachen gehren dazu das Bosnische, Kroatische, Serbische sowie das Slovenische. Sie unterscheiden zwei Arten von Intonation: steigende und fallende. Im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen ist die Tonhhe darber hinaus gekoppelt mit der Quantitt. So ergeben sich 4 Kombinationsmglichkeiten: kurz-fallend, kurz-steigend, lang- fallend und lang-steigend:

    Tonhhe steigend fallend

    lang (rka) (mre) Quantitt kurz ( na) (sba)

    Sowohl Tonhhe als auch Quantitt knnen Bedeutungen unterscheiden kann, vgl. die Wrter grd (lang-fallend) "Stadt" grd (kurz-fallend) "Hagel" / kpiti (kurz fallend) "sammeln" kpiti (lang steigend) "kaufen". Beide Merkmale bleiben jedoch normalerweise im Schriftbild unbezeichnet (die Akzentzeichen werden nur in Wrterbchern, Lehrbchern, Grammatiken verwendet). Betonung (Druckakzent, Intensitt): Das Merkmal Betonung ist mit der physikalischen Eigenschaft der Amplitude gekoppelt. Die betonte Silbe wird mit strkerer Intensitt (grerem Druck) gesprochen und weist daher gegenber den umgebenden Silben eine hhere Lautstrke auf. Man spricht daher auch von Druckakzent. Die slavischen Sprachen kennen unterschiedliche Regelungen zur Verteilung des Druckakzents (der Betonung) innerhalb des Wortes. Feste Betonung (fester Akzent): Bei fester Betonung ist immer dieselbe Silbe innerhalb eines Wortes (oder einer engen Wortverbindung wie zwischen Prposition und nachfolgendem Substantiv) betont. Feste Betonung haben die westslavischen Sprachen:

    Tschechisch und Slovakisch: es ist immer die 1. Silbe im Wort betont. Bei der Kombination Prposition + Substantiv liegt die Betonung auf der Prposition: na shledanou, do Prahy.

    Polnisch: es ist immer die vorletzte Silbe im Wort betont (Penultimabetonung). Ausgenommen sind nur einige zusammengesetzte Verbformen im Prteritum und Konditional (chciabysmy, chciabyscie u..)

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    Freie und bewegliche Betonung (freier und beweglicher Akzent): Das Russische verfgt dagegen ber einen freien und beweglichen Akzent. Dabei bedeutet freie Betonung, dass prinzipiell jede Silbe im Wort betont sein kann. Die Betonungsstelle kann dabei auch verschiedene Bedeutungen unterscheiden, vgl. Mehl - Qual, Trschloss Schloss (Gebude). Mit beweglicher Betonung ist meint, dass die Betonungsstelle auch innerhalb der verschiedenen Formen eines Wortes wechseln kann, vgl. etwa:

    , (Nom. Sg.), (Akk.Sg.); (Nom. Pl.), (Dat. Pl.) (1.Pers. Sg.), (2. Pers. Sg.) (Prteritum fem.), (neutr.), (Plural)

    Die Betonung bleibt in russischen Texten normalerweise unbezeichnet (die Betonungszeichen werden nur in Wrterbchern, Lehrbchern, Grammatiken verwendet). Daher stellt das Erlernen der Betonungsregeln fr Lernende ein betrch