Social Design - Eine Annäherung

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    26-Jul-2016
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Bachelorarbeit Hanna Wolff Academie Minerva 2015/16 Grafikdesign

Transcript of Social Design - Eine Annäherung

  • EINE ANNHERUNG

    Visuelles Essay

    von Hanna Wolff

    Social Design

  • SOCIAL DESIGN - EINE ANNHERUNG

    Visuelles Essayvon Hanna Wolff Studente Grafische VormgevingAcademie Minerva Afstudeerproject 2015/16

    Begeleiders

    Gerard Jan van LeeuwenMaaike HaamelynckDavid Stroband

  • 1 Einleitung

    2 Social Design am Beispiel von Park Fiction 2.1 Istanbul - vom Gezipark zum Park Fiction nach Hamburg 2.2 Hamburg - Park Fiction als Symbol- bild fr die Rckeroberung des ffentlichen Raumes durch Brger

    3 DesignArbeid - Nachbarschaftsnetzwerk

    3.2 Erkenntnisgewinn

    4 Erste Projekt-Phase in Selwerd

    4.1. Der Stadtteil Selwerd in Groningen - Bestandsaufnahme

    4.2 Erste eigene Annherungen an Selwerd

    4.3 Wahl der Methoden fr die eigene Recherche

    4.4 Dokumentation meiner Recherche

    4.5 Auswertung meiner Recherche

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    INHALTS-VERZEICHNIS

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    4.6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung

    5 ffentlicher Raum und soziales Miteinander

    5.1 Straatstarters - Das Museum in unserer Strae

    5.2 Bart Lodewijks - Orte und Menschen

    6 Zweite Projekt-Phase in Selwerd

    6.1 berlegungen zur Fortsetzung meiner praktischen Arbeit

    6.2 Dokumentation vom Tag der offenen Tr

    6.3 Auswertung und Reflexion

    7 Schlusswort

    Quellen- und Bildverzeichnis

  • Social Design - eine Annherung

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    EINLEITUNG

    1

    Unser menschliches Miteinander hat sich in den letzten Jahren stark verndert. Die Globalisierung fhrt zur Landflucht und zur Bildung von Mega- Citys. Langjhrige Bewohner werden aus ihren Stadtteilen verdrngt und bestehende Netze lsen sich auf.

    Im alltglichen Zusammenleben entsteht eine immer grer werdende Vereinzelung und eine soziale Spaltung der Gesellschaft. Direkte Kontakte treten in den Hintergrund auch auf Grund der Vernderungen im Kommunikationswesen. Auch wenn wir nebeneinander leben, treffen wir uns selten. Aus einer Distanz betrachten wir unsere Unterschiede und schaffen einen Abstand, der uns noch weiter auseinandertreibt. Zum Staat zeigen wir mit dem Finger und fordern ihn auf etwas zu unternehmen.

    Was passiert, wenn wir mit dem Finger nicht mehr auf den Staat und aufeinander zeigen, sondern anfangen auf die Bedrfnisse des anderen einzu-gehen und gemeinsam eine neue Zukunft gestal-ten?

  • 2In Europa und so auch in den Niederlanden wurde in den letzten Jahren immer fter ber eine zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft gesprochen.

    Vor allem in greren Stdten, durch eine ungleiche Verteilung von Menschen ber den Stadtraum (Segregation), kann es zur Konzentra-tion spezifischer Gesellschaftsgruppen auf einen Stadtteil kommen. Sozial oder finanziell schwchere Brger haben meist keine Aus-wahlmglichkeit und bewohnen Stadtteile mit Sozialwohnungen und Wohnungen mit niedrigen Mietpreisen (selektive Migration).

    Durch eine Umverteilung von Sozialwohnungen und einen Anstieg von Eigentumswohnungen in sozial und konomisch schwcheren Vierteln kann einer Segregation entgegengewirkt werden.1 Hierbei liegt die Verantwortung jedoch in Hnden der Wohnungsbaugesell-schaften sowie des Staates und der Gemeinde.

    In meiner Arbeit, sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil, nhere ich mich Lsungen an, wie Brger sensibilisiert werden knnen, selbst einen Beitrag an der Aufwertung ihres Stadtteils sowie einer Verbesserung des sozialen Miteinanders zu leisten.

    Anhand von Stadtteilprojekten anderer Designer und Knstler sowie im Rahmen meiner praktischen Arbeit, in der ich mich die letzten Monate mit dem Stadtteil Selwerd, in Groningen, auseinanderge-setzt habe, mchte ich zudem die potenzielle Rolle eines Designers in sozial engagierten (Stadtteil-) Projekten veranschaulichen.

  • Social Design - eine Annherung

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    SOCIAL DESIGN AM BEISPIEL PARK FICTION

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  • Istanbul - vom Gezipark zum Park Fiction nach Hamburg

    Whrend meines Auslandssemesters im Jahre 2013 habe ich in einer Mega-City, in Istanbul, gelebt. In diesem Jahr fanden die Proteste rund um den Gezipark statt, bei denen Knstler und Brger nicht nur um ihr Recht auf ffentliche Pltze, sondern auch gegen die von der Regierung geplanten Bauprojekte gekmpft haben. Viele Gebude wurden abgerissen und durch neuere, luxurisere oder auch durch Einkaufszentren ersetzt. In der Istanbul Biennali, die im sel-ben Jahr stattfand und die die Proteste zum Thema machte, wurde ich auf den Knstler Christoph Schfer aufmerksam. Dieser stellte Zeichnungen zum Thema ffentlicher Raum als politisches Forum aus, unter denen sich auch eine Zeichnung vom Gezi-Park Fiction in Hamburg befand. Whrend der Gezi-Park-Proteste fanden nmlich auch in Hamburg auf dem Park Fiction Demonstrationen zu den Entwicklungen in Istanbul statt. Park Fiction ist ein in 2004 erbauter Park in Hamburg, der ein Symbolbild fr die Rckeroberung des ffentlichen Raumes durch Brger ist und den ich im Folgenden vorstellen mchte.

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  • Social Design - eine Annherung

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    Hamburg - Park Fiction als Symbolbild fr die Rckeroberung des ffentlichen Raumes durch Brger

    Als 1981 in der Hafenstrae auf St. Pauli in Hamburg eine Anzahl von Husern, die zum Eigentum der Wohnungsgesellschaft SAGA gehrten, abgerissen werden sollte, kam es zu einem Streit zwischen Bewohnern und der Wohnungsbaugesellschaft. ber mehrere Jahre gab es Proteste und ein Hin und Her von Hausbesetzungen und Ru-mungen. Erst nachdem der Streit in einer 14-tgigen Besetzung der gesamten Hafenstrae eskalierte, kam es durch einen neuen Vertrag zu einer friedlichen Lsung und dem Abbau der Barrikaden.2

    Doch der Streit um die Hafenstrae war noch lange nicht vorbei. Trotz der friedlichen Einigungen plante die Stadt den Bau eines Gebudekomplexes auf einer Grnflche am Rande der Hafenstrae. Zusammen mit dem Nachbarschaftsnetzwerk der Hafenstrae, das sich ber die lange Zeit des Widerstandes geformt hatte, wurde mit dem Projekt Park Fiction eine neue Form des linken Aktivismus

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  • ins Leben gerufen. Einer der Grnder des Projektes Park Fiction ist Christoph Schfer, der in seiner Publikation Urbane Erfahrungen und Gedanken, durch Park Fiction gesehen, die Barrikadentage als Ansto dieses neu gewonnenen Aktivismus beschreibt3:

    14 Tage, die bei allen, die das erlebt hatten, einen tiefen Eindruck hinterlieen. 14 Tage, die die Linke in Hamburg dazu inspirierten, Projekte wie einen der besten freien Radiosender, FSK [...] zu grn-den, 14 Tage, die ein Netzwerk hinterlieen und ein Gefhl dafr, was im Viertel St. Pauli mglich war. 14 Tage, die mich tief beeindruckten.4

    Christoph Schfer beschreibt eine Vernderung im stdtischen Alltagsleben und eine Abenteuerlust, die in den 90er Jahren neue Perspektiven, neue Mglichkeiten und neue Fhigkeiten aufzeigte, Rume [neu] zu definieren.5 Mit diesem Ansatz schlossen sich Nachbarn, soziale Institutionen, die Kirche, BesetzerInnen, Kaufleute und CafbesitzerInnen und der Hamburger Pudel Klub zusammen fr einen Kampf um das Recht auf Stadt.

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  • Social Design - eine Annherung

    Zunchst verhandelten die Kirche, die Schule sowie diverse soziale Institutionen mit den Lokalpolitikern, um auf der freien Flche einen Park fr Anwohner und Anwohnerinnen zu errichten anstelle eines Gebudekomplexes. KnstlerInnen forderten jedoch statt eines Parks die Realisierung eines Park Fiction, mit dem sie neben dem Kampf nach Recht auf Stadt auch die Grenzen von Kunst in der ffentlich-keit berschreiten wollten. Im Rahmen des Projektes Park Fiction wurde ein offenes Planungsverfahren fr die freie Flche am Ende der Hafenstrae aufgestellt, um - ohne Behrden - eine kollektive Wunschproduktion ins Leben zu rufen, die knstlerische und gesell-schaftliche Bedrfnisse zusammenfhren sollte. Folglich wurden Lesungen und Ausstellungen zum Thema Park sowie Kunstprojekte, Raves und Kinonchte veranstaltet.6

    Als 1996 der Senator fr Stadtentwicklung jedoch eine Finanzierung des Projektes durch die Kulturkommission blockierte, kam es zur Besetzung eines naheliegenden Krankenhauses und in der Folge im Wahljahr 1997 zu neuen Verhandlungen, in denen die versprochenen Gelder zur Realisierung des Park Fiction zurckgewonnen werden konnten.7 Mit diesen Geldern entwickelte Park Fiction ein spieleri

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  • Hamburg - Park Fiction als Symbolbild fr ...

    sches Planungsverfahren. Zunchst wurden Spielplne verteilt, die den Bewohnern Auskunft ber die verschiedenen Aktivitten gaben.8 Auerdem wurde ein Planungscontainer, in dem es ein Knetbro gab, eine Telefonhotline fr Menschen, denen die besten Ideen nachts kommen, eine Gartenbibliothek und das Wunscharchiv9 auf der freien Flche erffnet. Auch ein Action Kit wurde entwickelt, ein mobiles Planungsbro mit Fragebgen, Plnen, Knetmasse, einem Diktiergert, einem aufklappbaren Hafenpanorama und einer Instantkamera, um Ideen10 von Brgern fr die Gestaltung des Parks aufzuzeichnen und festzuhalten.

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  • Social Design - eine Annherung

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  • ... die Rckeroberung des ffentlichen Raumes durch Brger

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  • Social Design - eine Annherung

    1988, in einer Stadtteilkonferenz, wurde aus all den gesammelten Ideen eine Auswahl getroffen, mit der unterschiedliche Inseln fr den Park Fiction entwickelt werden konnten. Jedoch konnten erst 15 Jahre spter nur zwei dieser Inseln - die Palmeninsel un