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    14-Jun-2020
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  • SÜDWESTTEXT Zeitung für die Textil- und Bekleidungsindustrie

    www.suedwesttextil.deHerausgegeben von südwesttextil august 2015 | nr. 95

    Anfang August haben sich die EU und Vietnam auf die Eckpunkte eines Freihandelsabkommens geeinigt. EU- Handelskommissarin Malström spricht vom Abbau fast aller Handelsbarrieren. Das Abkommen soll bis Jahres- ende unterschriftsreif sein und könnte schon Ende 2017 in Kraft treten. Viet- nam gehört zu den größten Textilexporteuren welt- weit. 2014 hat Deutsch- land Textilien und Bekleidung für 890 Mio. Euro aus Vietnam importiert – 75 Prozent mehr als 2010. Noch bremsen strenge Ursprungsregeln den Handel. Doch Vietnam rüstet seine Vorstufen auf, auch mit Geld aus China und Indien. Bald könnten vietnamesische Waren

    leichter zollfrei in die EU gelangen als deutsche Waren in die Schweiz. Dass Brüssel für EU-Hersteller schlechtere Konditionen aushandelt als für Importeure, stößt vieler- orts auf Unverständnis. Unbehagen gibt es auch wegen

    mangelhafter Arbeits- und Sozialstandards. Während ausländisch investierte Be- triebe entsprechende Vor- schriften einhielten, böten Firmen in lokaler Hand

    häufig kein sicheres Arbeitsumfeld, heißt es selbstkritisch von der vietnamesischen Regierung. Freihandel auf Au- genhöhe? Die nächsten beiden Jahre werden zeigen, wie ernst das Thema tatsächlich genommen wird. Silvia Jungbauer

    Der Fall der Sanktionen gegenüber dem Iran ist eine Frage der Zeit. Investoren und Exporteure geben

    sich in Teheran bereits die Klinke in die Hand. Der Modehandel wächst real um 4 bis 5 Prozent pro Jahr. Westliche Marken profitieren bald besonders.

    Das Land ist ein attraktiver Ex- portmarkt sowohl für Mode als auch für technische Textilien. Fast 80 Millionen Menschen leben in dem Golfstaat, die Bevölkerung ist jung und auch im internationalen Ver- gleich gut ausgebildet. Verschärfte Sanktionen seit 2010, darunter das EU-Ölembargo, hatten die iranische

    Wirtschaft zuletzt arg gebeutelt. Nachdem die Öleinnahmen wieder sprudeln, geht es aufwärts. Zurück- gestellte Infrastrukturmaßnahmen, überfällige Investitionen in der In- dustrie und die anziehende Nach- frage im Automobilbau bedeuten Chancen für technische Anwen- dungen.

    Derzeit rollen im Iran jährlich ca. 850 000 Neuwagen vom Band. Iranische Medizintechnik ist im Mittleren Osten führend. Nach den Fortsetzung Seite 2

    Textil- und Modemarkt Iran Chancen für den textilen Mittelstand

    Foto: © Zerophoto - Fotolia.com

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    »Lokale Hersteller müssen ihre Arbeitsbedingungen verbessern.«

    Phan Dang Tho, stv. Chefinspekteur des Arbeits- und Sozialministeriums

    Themen

    Verband + Industrie Zügig zum Ziel Seite 4

    Bildung + Soziales „Komm in die Puschen!“ Seite 6

    Recht + Steuern Neues zum Mindestlohn Seite 8

    8

    Zahl des Monats Der „Steuerzahlergedenktag“ fiel in diesem Jahr auf den 8. Juli. Was die Berufstätigen in Deutschland bis zu diesem Tag erarbeitet ha- ben, entspricht der Summe der staatlich bedingten Ausgaben, die sie in 2015 zu zahlen haben: 51,6 Prozent ihres Einkommens. Über die Summe, die von diesem Datum bis zum Jahresende verdient wird, kann jeder Arbeitnehmer nach Lust und Laune frei verfügen. Der Bund der Steuerzahler berechnet diesen fiktiven Tag jedes Jahr neu. In den vergangenen zwanzig Jahren lag er bis auf vier Mal immer in der zweiten Jahreshälfte. Das sah 1960 noch anders aus. Da waren die Steuern und Abgaben bereits am 27. Mai erarbeitet – mit einer Quote von 40,3 Prozent. Seit 2011 liegt sie über der 50-Prozent-Marke und und marschiert allmählich in Richtung 52 Prozent.

    Aktuell Am 5. Oktober startet der Landesver- band der Baden-Württembergischen Industrie (LVI) in seiner Geschäftsstelle in Ostfildern mit einem Workshop die Einführung eines Energieeffizi- enznetzwerks. Laut BAFA wird in der Regel in einem solchen Netzwerk bei jedem der teilnehmenden Un- ternehmen eine Energieberatung durchgeführt. Die Einladung wird in Kürze versandt.

    Gemischte Gefühle

    Mitarbeitermotivation

    Wir wollen besser werden Seite 3

  • August 2015 I Nr. 952 Verband + Industrie SÜDWESTTEXT

    Krisenjahren 2012 und 2013 wächst das Land jetzt wieder mit 2,5 Prozent pro Jahr. Für 2017 prognos- tiziert die Weltbank ein Wachstum von bereits 6 Prozent.

    Darüber hinaus wartet eine breite Mittelschicht darauf, west- liche Qualitäts- und Markenmode einzukaufen. 2015 werden im or- ganisierten iranischen Mode-Retail schätzungsweise 5,2 Mrd. Euro um- gesetzt. Innerhalb von fünf Jahren soll der Modeabsatz um ein Fünftel wachsen. Das dynamischste Markt- segment ist dabei Kinderbekleidung (+27,5 Prozent bis 2019), gefolgt von Herrenmode, Wäsche, Acces- soires und Damenbekleidung.

    In den Großstädten bekommen traditionelle Bazare und der nicht- organisierte Einzelhandel Kon- kurrenz von westlich geprägten Einkaufszentren. Auch wenn die Shopping Malls aussehen wie Ein- zelhandelszentren überall auf der Welt, sind die Marken, die es darin zu kaufen gibt, auf Umwegen in den Iran gelangt – über Händler in der Türkei oder in den Golfstaaten. Die Stores haben zu den Marken keine Verbindung. Dabei werden westliche Modemarken keines- wegs am Irangeschäft gehindert. Doch reguläre Geldtransfers sind

    aufgrund der Sanktionen beinahe unmöglich. Viele internationale Marken sehen den Grauimport, der sich ihrer Kontrolle entzieht, mit Unbehagen. Derzeit betreiben nur wenige europäische Brands eigene Shops im Iran, darunter Mango, Be- netton und Escada.

    Das könnte sich bald ändern. Trotz jahrelanger Sanktionen schätzt der IWF das jährliche Pro-Kopf- Einkommen im Iran auf ca. 16 500 US-Dollar pro Jahr. Damit hat der iranische Durchschnittskonsument mehr in der Tasche als die Käufer in den Schwellenländern Brasilien,

    China, Indien oder Südafrika. Der iranische Mittelstand kauft mode-, marken- und qualitätsbewusst und ist gut über internationale Trends informiert. Teure Marken sind als Statussymbol wichtig. Der Preis für westliche Markenware, die deutlich teurer ist als im Ausland, wird dabei buchstäblich in Kauf genommen.

    In Kürze

    Caroline Schuon ist Ende Juli der diesjährige Designpreis der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen verliehen worden. Die Masterabsolventin im Studiengang Modedesign hat gemeinsam mit der Weberei Hohmann und der Hoch- schule München schallabsorbierende Dekorationsstoffe entwickelt. Stoffe aus dieser Kollektion verkürzen die Nachhallzeit und verbessern damit das Sprachverhältnis in Räumen. Sie eignen sich also bestens für öffentliche Gebäude wie Hotels oder Tagungsstätten. Der Preis wurde von Campus Reutlingen gestiftet.

    Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass kroatische Staatsangehörige ab dem 1. Juli 2015 in Deutschland ohne Einschränkung tätig werden dürfen. Die Arbeitgeber Baden- Württemberg begrüßen diesen Beschluss. Die Arbeitnehmerfrei- zügigkeit innerhalb der EU bietet eine große Chance zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Seit dem Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union im Juli 2013 hatten Kroaten grundsätzlich noch eine Arbeits- genehmigung-EU (§ 284 SGB III) benötigt, um in Deutschland eine Beschäftigung ausüben zu können. Diese Übergangsregelung endete zum 30. Juni 2015. Deutschland nimmt eine nach EU-Recht mögliche Verlängerung der Übergangsrege- lung für die nächsten drei Jahre nicht in Anspruch.

    Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie HDS/L hat zum 1. Juli seine neuen Räum- lichkeiten in der Reinhardtstraße 14 in Berlin-Mitte bezogen – in Büro- gemeinschaft mit dem Gesamtver- band textil+mode. HDS/L Hauptge- schäftsführer Manfred Junkert hebt die Vorteile des Standortwechsels hervor: „Durch die neu geschaffene, enge Kooperation und gemeinsame Präsenz in der Hauptstadt können zahlreiche Synergien und Fach- kompetenzen genutzt werden.“ Neben der Hauptgeschäftsstelle verfügt der Verband noch über eine Geschäftsstelle in Pirmasens und Repräsentanten in München und Brüssel. Zuvor war der HDS/L in Offenbach beheimatet.

    Fortsetzung von Seite 1

    Textil- und Modemarkt Iran

    Fragen an: Dipl.-Volkswirtin Silvia Jungbauer

    Tel.: +49 711 21050-13 [email protected]

    Ab 1. November wird der Gesamt- verband textil+mode wieder einen eigenen t+m-Repräsentanten in enger Anbindung an den BDI in Brüssel haben: Felix Ebner wird die Interessenvertretung vor Ort über- nehmen. Der Diplom-Volkswirt mit postgradualem Masterstudium in internationalen Beziehungen verantwortet seit über sechs Jahren erfolgreich den vielfältigen Bereich

    Außenwirtschaft bei t+m. Er ist da- her mit der Branche und ihren The- men im Detail vertraut sowie in der Industrie und Politik bestens ver- netzt. Schwerpunktmäßig bleibt der Außenwirtschaftsexperte weiterhin Ansprechpartner für die Verbände der Branche in allen Fragen der Handels-, Außenwirtschafts- und Zollpolitik, die im Zuständigkeits- bereich der EU liegt. textil+mode wird mit seinem Büro zusammen mit anderen deutschen Verbänden unter dem neuen Dach der „BDI/ BDA – The German Business Re- presentation“, Rue Marie de Bour- gogne 58, 1000 Brussels, vertreten sein.

    Seit Mitte Juli verantwortet Batzorig Daarten das Referat Recht und Steuern bei t+m in Berlin. Der Volljurist war nach seinem Dop- pelstudium Jura und Politikwissen-

    schaften mit Stationen in An