Sonderbund Erfurt 2012

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No. 32 – 18. Oktober 2012, Hotellerie et Gastronomie Zeitung, die auflagenstärkste und meistgelesene Wochenzeitung im Schweizer Gastgewerbe

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  • 17Luzern, den 18. Oktober 2012

    hetgz no 32

    E ineMedaille anderOlympiadederKchezu gewinnen, ist fr viele Berufsleute dashchste der Gefhle. Das grosse Wettkochen ndet nur alle vier Jahre im thringischen Erfurt statt. Diesmal reisten rund 2.000Kchinnen und Kche, Ptissiers, Gemseschnitzer sowie erstmals Restaurationsprosausmehr als 55Nationen an.Darunter auch einegrosseDelegation aus der Schweiz.

    Die Eidgenossen gehren seit Jahrzehnten zu den Besten der Besten. Und auch wennes nicht immer zum Sieg in der jeweiligen Kategorie reicht die Schweiz kehrt jedesmal mit

    Medaillen heim. So auch von Olympia 2012. Erfolgreichstes Team in Erfurt waren die Armeekche, die ihren Titel von vor vier Jahren erfolgreich verteidigen konnten.Mit demOlympiasieghaben sie einmal mehr deutlich gemacht aufdem Kriegsschauplatz Kche sind die Eidgenossen nicht zu schlagen. Den Titel knapp verpasst, hat diesmal die erfolgsverwhnte JuniorenKochnationalmannschaft. Mit Platz dreischaffte es der Nachwuchs jedoch wieder aufsTreppchen.

    Auf dem respektablen fnften GesamtranglandetedieSchweizerKochnationalmannschaft.

    Im Wettbewerb der Elite kocht das Team zwarimmer noch im vorderen Mittelfeld mit, ganzvorn zu landen, wird aber immer schwieriger.Die Skandinavier und allen voran die Schweden spielen derzeit die erste Geige. Nichtnur im Wettbewerb der Nationalmannschaften, sondern auch in denKategorienNachwuchs,Regionalteams undGemeinschaftsgastronomie.

    Immerhin: Mit guten Leistungen warteten die vier Schweizer Regionalmannschaftenin Erfurt auf. Die Aargauer Kochgilde, der Zrcher und der Luzerner Cercle sowie die Gildemannschaft holten in ihremWettbewerb Silber.

    Als bestes Schweizer Team im Wettstreit derGemeinschaftsgastronomie positionierte sichdas Inselspital Bern auf Platz zwei.

    Olympia 2012 zog nicht nur Kchinnen undKche, sondern auch Berufsleute anderer Sparten an. Drei junge Restaurationstalente aus derSchweiz nahmen an der Deutschen Juniorenmeisterschaft Restaurant teil und sahnten ab:Sieg fr Daniela Jaun, Platz zwei fr StefanieFreiburghaus,vierterRangfrKatalinaMitterer.

    Mehr Impressionen unterwww. hotellerie-et-gastronomie.ch/multimedia

    olympiade der kchein erfurt

    regionalmannschaften

    wer stellt die neue Kochnati?Im Schlussspurt um die Nomination zur neuen

    Kochnationalmannschaft kmpften vier Regionalmannschaften in Erfurt umMedaillen und Punkte.

    Die kalte Show der Aargauer Kochgilde wurde am hchstenbewertet. Ist damit das Rennen gelaufen?

    kochnationalmannschaft

    Zum Abschied ZweisilbermedAillen und

    Viel rgerseiten 24/25seiten 18/19

    Bilder: claudia link

    Junioren-kochnationalmannschaft

    silber im Kalten,Gold imwarmenproGrammWarum sich die Jungendiesmal geschlagengebenmussten.

    seiten 20/21

    ika

    Bundesrat UeliMaurer hat doch Recht: Die Schweiz verfgt ber die beste Armee derWelt imKochen!

  • Luzern, den 18. Oktober 201218

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    nationalmannschafttopvorbereitet und mit der hoffnung, sich ganz vorn zu platzieren, reiste diekochnationalmannschaft nach erfurt. mit zwei silbermedaillen schaffte sie es aufPlatz fnf. Warum es nicht zu gold gereicht hat, bleibt dem team ein rtsel.

    Die KonKurrenten

    schweden der neue olympiasiegerDieMannschaft umCaptain Fredrik Bjrlin ist derzeit nicht zu schlagen. Fulminant die Plattenschau,erstklassig der Rotwildrcken inGewrzkruste in der warmen Show.

    norwegen Platz 2In der kalten Plattenschau schwchelte das Teamnur Silber.ImwarmenProgrammhingegen berzeugte esmit exzellentenGeschmcken .

    deutschland Platz 3DieGastgeberwussten ihrenHeimvorteil in vielerleiHinsichtzu nutzen.NachGold imwarmenProgrammreichte es imkalten nur zu Silber. Dennoch schafften sie es aufs Treppchen.

    Switzerland, please on stage, heisst es Punkt12 Uhr. Das Scheinwerferlicht ist auf dieMannen um Kilian Michlig und Erik Schrtergerichtet. GutenMutes marschieren die Schweizer zur Bhne. Im Grunde, denken sie, kanngar nichts schief gehen. Nach Silber in der kalten Showmuss es fr daswarmeProgramm, dasman am Tag zuvor absolvierte, nur Gold geben.Zumindest schrtendieFeedbacks, dieman vonder Jury gleich nach dem warmen Wettbewerberhielt, dieHoffnung auf ein deutliches Gold.

    Noch ein paar Treppenschritte, dann stehtdasTeamauf derBhne. Die Schweiz, ruft derModerator ins Mikrofon, erhlt Silber fr diekalte Show und ... ebenfalls Silber im warmenProgramm! Blankes Entsetzen in den Gesichtern der Schweizer. Silber?, schttelt Teamchef Kilian Michlig wenig spter den Kopf, nieund nimmer! Masslos enttuscht nimmt dieMannschaft wieder Platz. Am Ende der Siegerehrung erfhrt sie, dass sie fnfte geworden ist.Angesichts der starken Konkurrenz ein durchaus respektables Ergebnis. Aber eben.

    Rckblick: Fast eine Woche zuvor reist dieNationalmannschaft mit Helfern, Fans und

    jeder Menge Material nach Suhl, einer Kleinstadt sdlich von Erfurt. Hier schlgt das Teamseine Zelte auf und bereitet sich akribisch aufden ersten Auftritt vor. Kurz vor Beginn derOlympiade unterrichtet der Chef des deutschenKochverbands und Juryprsident (!) RobertOppeneder alle Teamchefs ber den Wettbewerbsablauf. Mit einem Seitenhieb auf die Eidgenossen verkndet er, dass es im Falle einesZusammenbruchs des Schaustcks kein Pardon seitens der Jury mehr gbe. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren in Luxemburg el jenesder Schweizer kurz vor der Jurierung in sich zusammen. Damals gestand die Jury der Mannschaft zumrger Oppeneders eine zweistndige Frist fr dieWiederherstellung zu.

    Diesmal also keine Verlngerung. Am Tagder kalten Show luft whrend des Tischaufbaus alles wie am Schnrchen. Anders als nochin Luxemburg prsentiert das Team Hauptgnge, Vorspeisen, kalten Fingerfood und Desserts in frischer, moderner Art. Allein 60 verschiedene Saucen wurden von NeumitgliedSoho Sumiy ausgetftelt. Klassisch sei vielleichtnoch die Schauplatte, sagt Teamchef Kilian

    Bilder claudia link

    Von links: FabianMargelisch beimAusgelierenwhrend der kalten Show.Mario Inderschmitten hochkonzentriert whrend des erstenWettbewerbstags. Fabian Rimann legtam Schaustck letzte Hand an. Daniel Gehriger richtet die ersten Teller fr den ersten Gang her. Erik Schrter, neu imTeam, arbeitet wie ein alterWettbewerbshase.

    ika

    Michlig amMorgendes erstenWettbewerbstags.Eine halbe Stunde vor Abgabe positioniertFabian Rimann das letzte Dekorteil auf sein ligranes Schokoladenschaustck. Es ist eng, undnur einen Meter neben seinem Arbeitstisch uchen russische Ausstellerinnen ber zu wenigPlatz fr ihre Stcke. Von der Hektik der Russinnen lassen sich Fabian Rimann und MarioInderschmitten indes nicht anstecken. Wenigspter steht das Schaustck auf dem SchweizerAusstellungstisch.Makellos.

    Einen Tag spter erfhrt die Mannschaft,dass die Jury ihre kalte Show nur mit Silber bewertete. Enttuschung macht sich im Schweizer Lager breit. Doch noch ist nicht alles verloren. Am letzten Olympiatag kocht das TeamseinenDreignger. Die KulinarischenGensseaus der Schweiz umfassen Langustine mitAnananskern, Dreierlei vom Alpenkalb und einZwetschgenMousse auf Biskuit. Die 110 Portionen werden pnktlich geschickt. Mehrere Juroren bezeichnen das Men am Abend als geschmacklich sehr gut.Unddoch gibt eswiedernur Silber. Nach der Siegerehrung verlsst dasTeamdie ErfurterHallen. Ratlos. Jrgruppelt

    Vorspeisemit Langustine, Ananaskernund knuspriger Panko-Kokos-Panade.

    Hauptgerichtmit Dreierlei vomAlpen-kalb, Topinambur, Gemse-Harmonie.

    Dessertmit Zwetschgen-Mousse aufBiskuit, Halbgefrorenesmit Haselnuss.

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    Ausschnitte aus der kalten Show: Friandises aus demPro-grammder Kategorie C (oben), Gemsegarten aus ProgrammB (mitte) und die festliche Schauplatte aus Kategorie A.

    der chef:Die Jurorenwaren sichuneins

    hetgz: KilianMichlig, ich kannmirvorstellen, dass Sie nach der Siegerehrung eine unruhigeNacht hatten?KilianMichlig:Nein, eigentlich nicht.Ich habe ganz gut geschlafen. Nach derSiegerehrung habenwir erst einmalwieder alles aufgerumt und dasMaterial verladen. Dann gabs ein gemeinsamesNachtessen. Und so langsam lstensich die Anspannung und der Druck.Ich und die anderen Teammitgliedersind dann ziemlichmde und erschpftins Bett gefallen.

    hetgz: Mit Platz fnf hat dieMannschaft das gesteckte Ziel erreicht,zufrieden?Michlig: Ja.Wir wollten unbedingtunter die Top fnf. Klar, ein Platz unterden ersten drei wre natrlich schnergewesen. Aber eben, es sollte nichtsein. Stolz bin ich auf unsere Ptisserie.Nach Schwedenwarenwir in dieserKategorie das zweitbeste Team, FabianRimann undMario Inderschmittensei Dank.

    TeamchefKilianMichligmitSohnemannYann Timo.

    ika

    hetgz: Woran lag es eigentlich, dassdieMannschaft in denKategorien AundB so schlecht benotet wurde?Michlig:Keine Ahnung. Ich hatte denEindruck, dass sich die Juroren untereinander nicht einig waren. Die einenkritisierten beispielsweise unser Bohnengemse auf demTellerrand, weilsich das angeblich nicht gehre, andereJuroren fanden das hingegen okay.Auch unser Swiss Kaviar gab Anlass zuDiskussionen. Aber egal, ich kannmitSilber im kalten Programm leben, nichtabermit Silber imwarmen.

    hetgz: Was strte hier die Jury?Michlig: BeimDessert verwendetenwir eine japanische Paume, die wir,getrocknet, mrserten und zur Glaceservierten. Dadurch entstand einleicht salziger Touch, was wohl einigeJuroren berforderte. Eigentlich gabes wenig auszusetzen. Auch der Servicelief problemlos. Ichwarte jetztmal aufmehr Informationen, dannwerden ichund das Team alles analysieren.

    hetgz: DieMannschaft trat zumwarmenKochenmit einer schwarzenBinde an, warum?Michlig:Damit wolltenwir an unserenverstorbenenCaptain Friedrich Zemanek erinnern. Fast genau vor einemJahr schied er aus demLeben.Wirwerden ihn nie vergessen.

    hetgz: Olympia 2012war Ihr letzterAuftritt, was berwiegt jetzt, Traurigkeit oder Fre