Streifzug durch die Erwachsenenbildung · PDF file 2014. 4. 16. · Gernot...

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Transcript of Streifzug durch die Erwachsenenbildung · PDF file 2014. 4. 16. · Gernot...

  • Streifzug durch die Erwachsenenbildung

  • Gernot Graeßner

    Streifzug durch die Erwachsenenbildung - Von den Schwierigkeiten, Menschen auf ihre unre- gelmäßigen Gewohnheiten in der Arbeit verzichten zu machen, und den Versuchen, Bäume mit ihrer Krone zuerst einzupflanzen -

    Last lecture am 21. Januar 2010, Universität Bielefeld

    Bielefeld/Detmold 2010

  • Gernot Graeßner Last lecture am 21. Januar 2010, Universität Bielefeld Streifzug durch die Erwachsenenbildung

    Bielefeld 2010

    Druck: CC, Detmold

    © Kontaktstelle Wissenschaftliche Weiterbildung, Universität Bielefeld

    ISBN 3-980-6288-4-1

  • Inhalt

    Vorbemerkung

    7

    Station 1: Bildungsreform

    9

    Station 2: Pädagogische Missiones

    12

    Station 3: Das Takt der Zeit

    17

    Station 4: Strzelewicz/Borinski

    27

    Station 5: Anna Louise Karsch

    30

    Schlussbemerkung

    33

    Literaturhinweise

    36

    Nachweis der Abbildungen 38

  • Verzeichnis der Abbildungen

    Abbildung 1: Reformer ............................................................................................................ 10 Abbildung 2: Missionare .......................................................................................................... 14 Abbildung 3: Fragende Gesichter ............................................................................................ 16 Abbildung 4: Lancaster Schule ................................................................................................ 18 Abbildung 5: Power Loom Factory .......................................................................................... 19 Abbildung 6: Ravensberger Spinnerei, Bielefeld; „Historischer Saal“ .................................... 21 Abbildung 7: Ravensberger Spinnerei; Feinspinnsaal in den 1950er Jahren ........................... 21 Abbildung 8: Wolfsburg, Porschestraße, ca. 1960 ................................................................... 23 Abbildung 9: Wolfsburg, Kulturzentrum, jetzt Alvar Aalto-Haus ........................................... 24 Abbildung 10: Wolfsburg; Alvar Aalto-Haus – Blick in die Bibliothek ................................. 25 Abbildung 11: Fritz Borinski ................................................................................................... 27 Abbildung 12: Willy Strzelewicz ............................................................................................. 29 Abbildung 13: Anna Louise Karsch ......................................................................................... 30 Abbildung 14: G.G. mit Klangschale beim Aausklang 2010 ................................................... 40

  • 7

    Gernot Graeßner Last lecture am 21. Januar 2010, Universität Bielefeld Streifzug durch die Erwachsenenbildung - Von den Schwierigkeiten, Menschen auf ihre unregelmäßigen Ge- wohnheiten in der Arbeit verzichten zu machen, und den Versuchen, Bäume mit ihrer Krone zuerst einzupflanzen - Meine Damen und Herren, liebe Dekanin Diehm, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Familie!! Vorbemerkung Ich möchte mich zunächst einmal sehr herzlich für die Ehre bedanken, heute Nachmittag meine „last lecture“ halten zu dürfen1. Sie müssen kei- ne Angst haben, mein Vortrag wird nicht die üblichen 90 Minuten um- fassen, die den Rhythmus meines beruflichen Lebens weitestgehend be- stimmt haben, aber 60 Minuten etwa müssen Sie mir geben, bis ich mich für Ihre etwaige Aufmerksamkeit bedankt haben werde. Randy Pausch schreibt in seinen Vorüberlegungen zu seiner last lecture:

    „Was auch immer ich erreicht hatte, es war alles eine Folge mei- ner kindlichen Vorlieben und aus den Träumen und Zielen mei- ner Kindheit entstanden – und dass ich mir fast alle diese Träume erfüllen konnte, hat viel mit meinem spezifischen Charakter zu tun“ (Pausch 2008, S. 21).

    In etwa geht es auch mir so: Ich konnte mir im Laufe meines Lebens ganz viele Träume erfüllen, private und berufliche. Von letzteren wird hier heute ja im Wesentlichen die Rede sein. Allerdings, wenn ich Sie so vor mir sehe und mich hier so reden höre, komme ich mir so vor, als wenn das hier und jetzt ein ganz seltsamer Traum wäre, und ich weiß gar nicht gar nicht genau, ob dies die Wirk- lichkeit ist: Denn keine Vorlesungen in diesem wunderbaren Hörsälen in

    1 Dies ist das Manuskript der last lecture, das leicht gekürzt in der Universität Bielefeld vorgetragen wurde.

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    dieser wunderbaren Universität zu halten, kommt mir seltsam unwirklich vor. Aber nun zu meinem Thema, das ich Ihnen versprochen habe: Was eigentlich ist wichtig an der Erwachsenenbildung? Auf diese Frage bin ich gekommen, weil ich mich natürlich heute frage, welches denn der eigentliche Wert war, der mich bewegt hat, mich seit 1971 mit der Erwachsenenbildung beruflich zu beschäftigen. Aber an- gestoßen wurde die Frage auch von der Direktorin einer großstädtischen Volkshochschule, die sich in einem Gespräch, das wir im vorvergange- nen Jahr hatten, fragte, was denn eigentlich heute die Arbeit der Erwach- senenbildner zusammenhalte. Ich sage Ihnen zunächst, was nicht wichtig und das sehr kurz, denn un- wichtiges sollte man nur kurz erwähnen. Nicht wichtig scheinen mir zu sein: Curricula, Creditpoints, Module, Qualitätsmanagement, Gesetze, Geld und Teilnehmer. Natürlich wichtig, aber nur sekundär2! Denn wichtig an der Erwachsenbildung primär ist: … Die Idee! Und dieses möchte ich Ihnen mit dem versprochenen kleinen Streifzug durch die Erwachsenenbildung zeigen. Der Streifzug umfasst einen bio- grafischen Epilog und fünf Stationen. Ich hatte gedacht, dieses zum Thema meines Vortrags zu machen, weil ich das Gefühl habe, dass ich im Grunde mein ganzes Berufsleben die- sen Streifzug unternommen habe. Ich habe dabei etliches mitgenommen und mir zueigen gemacht, anderes beobachtet, manches aber auch gar nicht wahrnehmen können. Dass Bildung etwas außerordentlich interes- santes für mein Leben sein wird, habe ich übrigens sehr früh erfahren. Wer mich kennt, weiß von meiner Skepsis der Schule als Institution ge- genüber. Andererseits habe ich als Jugendlicher, wie viele andere Mit- schüler auch, erfahren, dass Lernen außerhalb der Schule reichlich Spaß machte: in Jugendgruppen, beim Sport, in Arbeitsgruppen, die Hausauf-

    2 Immerhin habe ich zu allen diesen Themen regelmäßig Seminare gehalten.

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    gaben gemeinsam machten etc. Eigentlich überall dort, wo es kein Schul- gebäude gab. Was die Skepsis der Schule gegenüber anbetrifft, so sehe ich mich hinge- gen gerne in der Nähe der Ansichten von Friedrich Nietzsche. Dieser mokiert sich nämlich darüber, dass Bildung in der Schule nur im Sitzen erworben wird und dass die geistige Tätigkeit von allen Ernährungs- und Verdauungsvorgängen abgekoppelt wird. Nietzsche empfiehlt zur Förde- rung der Bildung:

    „So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schen- ken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung - in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden“ (Nietzsche 1967, S. 417),

    Den Hinweis auf dieses schöne Zitat aus „Ecce homo“ habe ich bei Horst Siebert gefunden, der dieses in einem seiner Bücher erwähnt (Sie- bert 2003, S. 70). Somit kann übrigens Nietzsche und nicht wie übli- cherweise Kurt Hahn als Vater der Erlebnispädagogik und der Outdoor- Pädagogik gelten, denn an anderer Stelle sagt Nietzsche in seiner „Göt- zen-Dämmerung“:

    „Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Wert“ (Nietzsche 1967, S. 330).

    Aber Sie sehen auch hier schon, dass auch meine Vorliebe für bewegli- che Formen der Erwachsenenbildung seinen frühen Grund hat. Station 1: Bildungsreform Als erstes einmal möchte ich Ihnen ein Zitat vorlegen:

    „Wir haben schließlich darauf geachtet, dass der Unterricht die Individuen nicht in dem Augenblick preisgeben darf, in dem sie die Schule verlassen; dass er vielmehr alle Altersstufen umfassen muss, dass es keine gibt, in der zu lernen nicht nützlich und mög- lich ist; und dass dieser Sekundär-Unterricht umso notwendiger ist, je engere Grenzen dem Unterricht in der Kindheit gezogen waren.“

    Von wem mag dieses Zitat stammen?

  • 10

    Diejenigen, die es richtig treffen, erhalten nach der Veranstaltung als ers- te ein Glas Sekt. Ich mache das einmal wie der größte lebende Volks- bildner, Günther Jauch3, in seiner Show:

    6Streifzug durch die Erwachsenenbildung | Gernot Graeßner

    Fakultät für Erziehungswissenschaft AG 6 | Weiterbildung & Bildungsmanagement

    Wo vom stammt dieses Zitat?

    Alphabetische Reihenfolge:

    A: Johann Amos Comenius (1657)?

    B: Marquis de Condorcet (1792)

    C: Ferdinand Lassalle (1862)

    D: ??

    Abbildung 1: Reformer Richtig ist: Condorcet: Bericht und Entwurf einer Verordnung über die allgemeine Organisation des öffentlichen Unterrichtswesens, der Nationalversammlung im Na- men des Komitees für öffentlichen Unterricht am 20. und 21. April 1792 vorgelegt! (Condorcet 196