Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz - Biochemiker Hans Selye (1907–...

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  • Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz

    Bearbeitet vonSven Max Litzcke, Horst Schuh

    1. Auflage 2010. Taschenbuch. VI, 199 S. PaperbackISBN 978 3 642 05231 6

    Format (B x L): 16,8 x 24 cm

    Weitere Fachgebiete > Psychologie > Psychologie: Allgemeines > Psychologie:Sachbuch, Ratgeber

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  • Stressentstehung und Stressreaktion

    2.1 Was ist Stress? 6

    2.2 Wann beginnt Stress? 12

    2.3 Wer empfi ndet was als Stress? 14

    2.4 Wie zeigt sich Stress? 22

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  • 6 Kapitel 2 Stressentstehung und Stressreaktion

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    2.1 Was ist Stress?

    Das lateinische Verb stringere heit zusammendrcken, zusammen-ziehen. Der Begriff Stress kommt in seiner heutigen Bedeutung aus dem Englischen und bedeutete ursprnglich das Testen von Metallen oder Glas auf ihre Belastbarkeit. Der Biochemiker Hans Selye (19071982) bertrug den Begriff Stress in die Psychologie und Medizin. Aus-gangspunkt waren endokrinologische Untersuchungen. Selye stellte fest, dass bei starken Umweltbelastungen wie zum Beispiel Hitze oder Kl-te der Organismus eine unspezifi sche Alarmreaktion zeigt. Bei weiteren Untersuchungen wurde entdeckt, dass diese unspezifi sche Reaktion durch sehr verschiedene Ereignisse ausgelst werden kann. Stressoren sind Faktoren, die sich negativ auf das Wohlbefi nden auswirken (Holz, Zapf & Dormann, 2004). Diese knnen physischer, psychischer oder so-zialer Art sein. Als Stress bezeichnet Selye die unspezifi sche Reaktion des Krpers auf jede an ihn gestellte Anforderung. Selye geht von einem neutralen Stressverstndnis aus. Er spricht von Stress, wenn der Krper auf einen Reiz mit Aktivierung reagiert. Das kann sowohl bei negativen als auch bei positiven Erlebnissen der Fall sein (Selye, 1974).

    Stress ist die Aktivierungsreaktion des Organismus auf Anforde-rungen und Bedrohungen auf die so genannten Stressoren. Man un-terscheidet:4 Physische Stressoren wie beispielsweise: Lrm, Hitze, Klte, Tempe-

    raturschwankungen, Luft drucknderungen, Hunger, Infektionen, Verletzungen, schwere krperliche Arbeit, langes Autofahren, Reiz-berfl utung

    4 Psychische Stressoren wie beispielsweise: Versagensngste, berfor-derung, Unterforderung, Fremdbestimmung, Zeitmangel, Kontroll-verlust, Prfungen, wichtige Verhandlungen

    4 Soziale Stressoren wie beispielsweise: Konfl ikte, Isolation, ungebe-tener Besuch, Verlust vertrauter Menschen, Mobbing

    Soziale Interaktionen wirken hufi g positiv, es macht Freude, mit an-deren Menschen zusammen zu arbeiten. Der Wunsch nach Kooperati-on und Kontakt sowie nach sozialer Anerkennung kann im Kontakt mit Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten befriedigt werden. Auf der ande-ren Seite knnen solche Kontakte auch belasten und die anderen kn-nen zu sozialen Stressoren werden (Holz, Zapf & Dormann, 2005). Ta-gebuchstudien zeigen (Schwartz & Stone, 1993), dass negative emotio-nale Kommunikation mit Kollegen, Kunden und Vorgesetzten zu den hufi gen belastenden Ereignissen gehren. . Abbildung 1 vermittelt ei-nen berblick zum Einfl uss von Stressfaktoren auf den Menschen am Arbeitsplatz.

    Defi nition

    Stressoren

  • 272.1 Was ist Stress?

    Stress wird hufi g als Aueneinfl uss auf Menschen dargestellt, so auch in der Normung von psychischen Belastungen durch das Deutsche Institut fr Normung e.V. (DIN), siehe hierzu beispielsweise Nachrei-ner und Schultetus (2002). Diese Sichtweise ist unvollstndig. Nach dem transaktionalen Ansatz der Stressforschung entsteht Stress im Zusam-menspiel zwischen situativen Anforderungen und individuellen Beur-teilungen der eigenen Ressourcen und Fhigkeiten (Lazarus, 1966; Laza-rus & Launier, 1981). Siehe hierzu auch . Abb. 2. Entscheidend ist die je-

    Stress = Situation + Person

    . Abb. 1 Einfl uss faktoren auf den Menschen am Arbeitsplatz (Allenspach & Brechbhler, 2005)

    Einfl ussfaktoren auf den Menschen am Arbeitsplatz

    Organisatorische BelastungenDaueraufmerksamkeit, hufi ger Unterbrechungen, Nichtvorhersehbarkeit von Ablufen, geringer Status,Arbeitsschwierigkeit,Arbeitstempo,Arbeitsumfang,Arbeitsplatzabmessungen,Gleitzeit,Leistungsnormen,Schicht- und Nachtarbeit,berstunden

    Soziale Belastungunfaire Behandlung, groe Abhngigkeit (Kooperationszwnge)Einzelarbeit,Gruppenarbeit,soziale Dichte/berbelegung,soziale Isolation/Unterbelegung,Konfl ikte,Mobbing

    Physische Belastungenallseitige Muskelbelastung,einseitige Muskelbelastung,statische Muskelbelastung,Beleuchtung,Klima,Lrm,Schadstoff e,technische Einrichtung,Werkstoff e

    Psychische BelastungenAngst, Misserfolg, Tadel undnegative Folgen eigenen Verhaltens,Arbeitsplatzunsicherheit,fehlende Anerkennung und Untersttzung,fehlende Entspannung und Erholung,Fremdbestimmtheit,Informationsmangel,Betriebsklima,Konkurrenzdruck,Strungen,Zeit- und Termindruck,unklare, widersprchliche Auftrge,Unterforderung (Monotonie, zu kleine Arbeitsinhalte),Verantwortungsdruck

  • 8 Kapitel 2 Stressentstehung und Stressreaktion

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    weils subjektive Bewertung der Anforderungen, nicht allein die objek-tive Strke eines Stressors. Dabei fi nden zwei Bewertungen statt (Monat & Lazarus, 1991; Schwarzer, 2000):4 Primre Einschtzung: Ist ein Ereignis bedrohlich und damit rele-

    vant?4 Sekundre Einschtzung: Wenn das Ereignis bedrohlich und rele-

    vant ist, welche Bewltigungsmglichkeiten stehen zur Verfgung?

    . Abb. 2 Transaktionales Stressmodell (modifi ziert nach Monat & Lazarus, 1991; Schild & Heeren, 2003)

  • 292.1 Was ist Stress?

    Empfi ndet man ein Ereignis nicht als bedrohlich, wird es keinen Stress auslsen. Empfi ndet man ein Ereignis als bedrohlich und damit als rele-vant, entscheidet die sekundre Einschtzung darber, ob Stress ausge-lst wird oder nicht. Stehen Bewltigungsmglichkeiten zur Verfgung, wird sich der Stress in ertrglichem Ma halten. Je ungnstiger man die Bewltigungsmglichkeiten wahrnimmt, desto mehr Stress empfi ndet man. Entscheidend ist die Erwartung von Selbstwirksamkeit, das heit, man muss sich selbst zutrauen, das anstehende Problem bewltigen zu knnen. Aus der Einschtzung eines Ereignisses resultieren unterschied-liche Bewltigungsformen. So kann man vor einer Prfung aufgrund mangelnder Selbstwirksamkeitserwartung auf eine aktive Auseinander-setzung mit dem Problem verzichten, indem man sich ablenkt und be-tubt. Allerdings lst der Griff zur Fernbedienung und zu Alkohol die Probleme nicht, sondern schiebt sie auf und vergrert sie auf mittlere und lange Sicht. Ein solch dysfunktionales Verhalten erhht die Wahr-scheinlichkeit des Scheiterns. Fr Bewltigungsstrategien gibt es eine Vielzahl von Klassifi kationsvorschlgen. Sehr eingngig ist die von Per-rez und Reicherts (1992) vorgeschlagene Taxonomie in:4 Situationsbezogene Bewltigung

    Aktive Einfl ussnahme Flucht/Rckzug Passivitt

    4 Reprsentationsorientierte Bewltigung Informationssuche Informationsunterdrckung

    4 Evaluationsorientierte Bewltigung Umbewertung/Sinngebung Zielnderung

    In Situationen, die kontrollierbar sind und die eine geringe Eigendyna-mik zum Guten haben, ist eine aktive Einfl ussnahme auf den Stressor sinnvoll. In Situationen, die sich im Wandel befi nden, kann Passivitt sinnvoll sein. Flucht, wie beispielsweise ein Arbeitsplatzwechsel, ist dann empfehlenswert, wenn ein Stressor weder kontrollierbar noch wandel-bar und gleichzeitig stark negativ ist. Die reprsentationsorientierte Be-wltigung verndert durch Informationssuche oder Informationsunter-drckung die Wahrnehmung des Stressors, whrend die evaluationsori-entierte Bewltigung die Einstellung zum Stressor ndert. D. h. ein Be-wltigungsmechanismus ist nicht immer gut oder immer schlecht, sei-ne Eff ektivitt hngt von der stressauslsenden Situation ab (Folkmann & Moskowitz, 2003). Besonders hilfreich fr eine erfolgreiche Bewlti-gung ist deshalb Flexibilitt in der Anwendung verschiedener Bewlti-gungsarten. Je mehr Bewltigungsmechanismen ein Mensch zur Verf-gung hat, desto besser.

    Stress als Ergebnis von Bewertungen

    Bewltigungsstrategien

  • 10 Kapitel 2 Stressentstehung und Stressreaktion

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    Menschen knnen objektiv gleiche Belastungen subjektiv unter-schiedlich empfi nden, und auch ein und derselbe Mensch kann eine Be-lastung in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich empfi nden. Nach dem S-O-R-Modell (. Abb. 3) verarbeitet eine Person (= Organis-mus) Stressoren je nach Erfahrungen, Veranlagungen oder momentanen Stimmungen unterschiedlich.

    Ein Verkehrsrowdy, der uns schneidet und bei Gelb gerad