Strukturen der Herrschaft im Mittelalter

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Zusammenfassung des Referats.

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Mittelalter und Moderne:

Struktur und Form der Herrschaft

20.10.2009

Referat: Struktur und Form der Herrschaft 1 Das LehenswesenDas Lehenswesen, auch Feudalwesen oder Benefizialwesen, steht fr das politisch- konomische System der Beziehungen zwischen Lehnsherren und belehnten Vasallen. Es ist die Grundlage der hochmittelalterlichen Gesellschaftsordnung in Europa.

1.1 Das System

Quelle: Eigene Darstellung

Oberster Lehensherr war der entsprechende oberste Landesherr (Knig oder Herzog), der Lehen an seine weltlichen und geistlichen Kronvasallen (Frsten, Bischfe) vergab. Diese konnten wiederum Lehen an andere Adelige und Kleriker vergeben.

1.2 Das Prinzip Ein Lehen ist ein verliehenes Gut bei dem sich der Ausgebende (Lehensherr) ein Eigentumsrecht vorbehlt und dem Empfangenden (Lehensmann) ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht einrumt. Mit dem Gut (Lehensgut/Lehensobjekt) sind in der Regel Einknfte verbunden, die dem Lehensmann die Sicherung seines Unterhalts ermglichen. In der Zeit der agrarisch strukturierten Gesellschaft des Mittelalters bestehen die Lehen meist aus Grundabgaben abhngiger Bauern, spter werden diese zunehmend in Geld abgelst bzw. als Geldlehen vergeben. Der Umfang eines Lehens reicht dabei von einzeln genannten "Pfennigzinsen", den Jahressteuern abhngiger Bauern, ber Fruchtzinse bis hin zur insgesamt verliehenen Ortsherrschaft. Lehen und Eigentum ergnzen sich gegenseitig. Das Rechts- und Mengenverhltnis zwischen ihnen ist grundstzlich offen und durch die individuelle Herrschafts- und Besitzgeschichte bestimmt. Ein Lehen innezuhaben ist prinzipiell nichts Ehrenrhriges, Eigentum (Allodialbesitz) hat keinen Vorrang im Prestige des Inhabers. Lehenfhig waren anfangs nur Freie, die waffenfhig und im Vollbesitz ihrer Ehre waren. Der Lehensdienst bestand

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vorwiegend aus Heerfahrt (Kriegsdienst) und Hoffahrt (die Anwesenheit der Vasallen am Hof, um mit Rat zur Seite zu stehen. (Bachmann, S. 21ff.).

1.3 Pflichten Lehensherren und Lehensmann verpflichteten sich zu gegenseitiger Treue: Der Lehnsherr zu Schutz und Schirm, der Lehnsempfnger zu Rat und Hilfe. Weiterhin waren Lehnsherr und Vasall einander zu gegenseitiger Achtung verpflichtet. Im Allgemeinen wurde der Lehnsmann als Gegenleistung fr seine Dienste mit Land oder Freihusern ausgestattet. Es kam auch vor, dass er am Hof des Herrn Dienste versah und dort verpflegt wurde. Aber auch mter und Hoheitsrechte ber ein bestimmtes Territorium (feuda regalia) konnten als Lehen vergeben werden. Dazu kommen dann zahlreiche Lehen an kirchlichen Rechten, Kirchenlehen (Stiftslehen, feuda ecclesiastica) und Beleihungen mit den mit einem Altar verbundenen Stiftungen (feudum altaragli). Auch Barzahlungen aus dem Kronschatz oder Gewinne aus bestimmten Zllen konnten als Lehen vergeben werden. (Bachmann, S. 21ff.).

1.4 Kommendation Die Freien, welche nicht mehr selbst fr sich sorgen konnten, konnten sich in die Hand eines Mchtigeren kommendieren, erhielten dafr Schutz und Unterhalt und waren im Gegenzug zu Treue und Dienst verpflichtet. Ihren Status als Freie verloren sie durch die Kommendation nicht. Die Kommendation geschah durch den sogenannten Handgang, das heit, der knftige Vassal legte seine gefalteten Hnde in die seines Herrn, die dieser umschloss. Diese Geste macht das Verhltnis der beiden sehr deutlich. Als sich immer mehr Herren mit hoher sozialer Stellung kommendierten, entstand das Lehnswesen. Dabei blieb der Handgang, der zusammen mit dem Treueid spter als homagium (lat.), hommage (franz.), oder mannschaft (dt.), bezeichnet wurde, bis ins 12. Jahrhundert der entscheidende rechtliche Akt. Erst mit der Verbreitung des Urkundenwesens wurde der Handgang vom Treueid, der sich viel besser schriftlich festhalten lies, abgelst. (Miller, S. 13 ff.).

1.5 Entwicklung Nach und nach bildete sich dann der Grundsatz der Erblichkeit der Lehen und der Zulssigkeit des Weitervergebens in Afterlehen aus. Letztere wurden 1037 von Konrad II. mit der Constitutio de feudis ebenfalls fr erblich erklrt. So kam es, dass im 12. Jahrhundert bereits alle Herzogtmer und Grafschaften als Lehen vergeben waren. Innerhalb dieser einzelnen geistlichen und weltlichen Territorien bestand aber wiederum ein vielgliedriges Lehenswesen. Erst im 13. Jahrhundert ging die Bedeutung des Lehenswesens zurck, da anstelle von Vasallen nun auch Dienstmannen, gut ausgebildete Mnner eingestellt wurden. Die Knige frderten diese Entwicklung aus politischen Grnden und strkten so die Landesherrschaft, welche das reichsweite Lehenswesen ablste. Diese Strkung der Landesherren sorgte fr einen Einfluss, der nicht mehr rckgngig zu machen war, so dass die Bedeutung der verschiedenen Frstentmer sich im Gegensatz zu Frankreich und England stetig an Bedeutung gewannen.

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2 Hierarchie der Macht 2.1 Die Lehenshierarchie

Quelle: Spiess, Karl-Heinz (2002). Das Lehenswesen in Deutschland im hohen Mittelalter. Schesslitz: Rosch-Buch Druckerei GmbH. S. 27

2.2 Problem der KategorisierungWie bei anderen Themenbereichen auch, stellt sich beim Thema der Hierarchie der Macht die verschiedenen Lebensweisen in Europa ber eine Zeitspanne von fast tausend Jahren zusammen fassen zu mssen. Die Macht, Reichtum, Rechte und Pflichten der verschiedenen Stnde nderten sich im Verlaufe der Zeit. Aber selbst zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist es schwierig die Stnde abzugrenzen: So bezogen z.B. im 13. Jh. alle Reichsfrsten ihre Lehen vom Knig. Die Lehe vom Knig zu beziehen machte einem aber noch nicht zum Reichsfrst. (Boockmann, S. 37). Die vorliegende Standesbeschreibung ist deshalb als annhernde Vereinfachung der Situation im Heiligen Rmischen Reich um die Jahrtausendwende zu verstehen.

2.3 Beschreibung der Titel2.3.1 Der Knig Der Knig war die oberste Macht im Reich. Theoretisch hatte er damit die Macht selbst Recht zu setzen. Im kniglichen Selbstverstndnis war diese Macht von Gott gegeben. Diese Macht zeigte der Knig mit seinen Insignien: Hl. Lanze, Reichskrone, Reichskreuz, Zepter und Reichsapfel. Qualifikation fr das Knigsamt war vor dem 10. Jh. die Herkunft aus einer zu diesem Amt berechtigten Familie. Spter whlten die Kurfrsten auch Knige aus anderen Familien ins Amt. Der Papst hatte dich Macht dem Knig Kaiserehren zu verleihen. Schon auf Grund der Grsse des Reiches war die Macht der Knige beschrnkt. Ihre Funktion bestand primr darin militrischer Fhrer zu sein. Zustzlich wurde durch die Reichsgrsse seine Abhngigkeit von der Gunst seiner Untertanen und dem Papst seine Macht beschrnkt. (Auty, Bautier et al.; Mhu, S. 133ff). 2.3.2 Die Grossen (Frst) Unter den Grossen wird der an der Reichsregierung beteiligte Adel verstanden. Dieser trug oft den Rang eines Frsten, es konnten aber auch Herzge und Grafen zu diesem Stand gehren. Die Grossen herrschten mit teilweise vizekniglicher Gewalt ber Teilgebiete des Stphanie Guillod, Niklaus Buser, Benedikt Vogel 3

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Reiches. Das Wahlgremium des Knigs setzte sich aus Grossen zusammen. Ab dem 13. Jh. kann der Stand der Grossen definiert werden als jener Adel, der seine Lehen direkt vom Kaiser bezieht. Die Machtlegitimation der Grossen basierte auf der Gnade des Knigs und der Erfllung des Lehenseides gegenber der eigenen Vasallen. Zu deren Schutz besass die Grossen eine Burg. Bedroht war die Macht des Frsten durch die Machtgelste seiner Nachbarn. (Boockmann, S. 36ff). 2.3.3 Der Adel Neben den Grossen gab es im Reich zahlreiche weitere Adelige. Ihre gesellschaftliche Funktion war vielfltig. Sie waren Beamte von Knigen oder Frsten, Krieger oder sicherten und verwalteten Teilgebiet im Reich. Ihre Macht war vor allem durch die Herkunft begrndet, ab dem Sptmittelalter stiegen aber auch Brger in den Adelsstand auf. Zum Adelsstand gehrten verschiedene Privilegien und Pflichten. Ein Beispiel fr ein Privileg ist die Jagd. (Boockmann, S. 38ff; Mhu, S. 144). 2.3.4 Die Ritter Mit zunehmender Ausrstung war es fr Bauern vor der Jahrtausendwende zunehmend nicht mehr mglich neben der Bestellung des Landes an Feldzgen teilzunehmen. Vermehrt bernahmen Berufskrieger diese Funktion. Daraus enstand der Stand der Ritter. Basis ihrer Macht war ihre Kampfkraft und Ausrstung. Diese Bestand mindestens aus der Rstung, Speer, Schwert, drei krftigen Pferden und einem Knappen. (Fuhrmann, S. 51ff). 2.3.5 Die Brger Als Brger wurden die Bewohner einer Stadt bezeichnet, die deren Brgerrechte besassen. Dieses konnte durch die Zahlung einer Summe an die Stadt, das Erreichen eines gewissen Reichtums oder durch das Ablegen eines Eides erworben werden. Die Brger genossen Freiheit und waren dem stdtischen Gericht unterstellt, teilweise waren sie an der Stadtregierung beteiligt. Im Gegenzug mussten sie Steuern zahlen und Wehrdienst leisten. Einige Brger erreichten grossen Reic