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Nationale Versorgungssicherheit, internationale Rohstoffpolitik und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit– Eine Gleichung ohne Lösung?

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  • Studie BIGS

    BIGS Studie . September 2013

    JohnCarnemolla . istockphoto.com

    Nationale Versorgungssicherheit, internationale Rohstoffpolitik und nachhaltige Entwicklungs-zusammenarbeitEine Gleichung ohne Lsung?

  • BIGS Studie . September 2013

    IMPRESSUM

    Die Brandenburgische Institut fr Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) gGmbH ist ein unabhngi-ges, berparteiliches und nicht-gewinnorientiertes wissenschaftliches Institut, das zu gesellschaftswis-senschaftlichen Fragen ziviler Sicherheit forscht. Das BIGS publiziert seine Forschungsergebnisse und vermittelt diese in Veranstaltungen an eine in-teressierte ffentlichkeit. Das BIGS entstand im Frhjahr 2010 in Potsdam unter der Beteiligung der Universitt Potsdam und ihrer UP Transfer GmbH sowie der Unternehmen EADS, IABG und Rolls-Royce. Es wird vom Land Brandenburg gefrdert.

    Alle Aussagen und Meinungsuerungen in diesem Papier liegen in der alleinigen Verantwortung des Au-tors bzw. der Autoren.

    Verfasser der Studie: Stefan Beiwenger Dipl. Volkswirt Assessor des Verwaltungsdienstes Gollanczstrae 25 . 13465 Berlin beisswenger@mittelstand-international.com

    Titel der Studie: Nationale Versorgersicherheit, internationale Poh-stoffpolitik und nachhaltige Entwicklungszusammen-arbeit - Eine Gleichheit ohne Lsung?

    Brandenburgisches Institut fr Gesellschaft und Sicherheit gGmbHDr. Tim H. Stuchtey (V.i.S.d.P.)

    BIGS Studie, September 2013

    Weitere Informationen ber die Verffentlichungen des BIGS befinden sich auf der Webseite des Insti-tuts: www.bigs-potsdam.org.

    Copyright 2013 Brandenburgisches Institut fr Gesellschaft und Sicherheit gGmbH. Alle Rechte vorbehalten. Die Reproduktion, Speicherung oder bertragung (online oder offline) des Inhalts der vorliegenden Publikation ist nur im Rahmen des pri-vaten Gebrauchs gestattet. Kontaktieren Sie uns bit-te, bevor Sie die Inhalte darber hinaus verwenden.

    Geschftsfhrender Direktor: Dr. Tim H. StuchteyRudolf-Breitscheid-Str. 178 . 14482 PotsdamTel.: +49-331-704406-0 . Fax: +49-331-704406-19info@bigs-potsdam.org . www.bigs-potsdam.org

    BRANDENBURGISCHES INSTITUTfr GESELLSCHAFT und SICHERHEIT

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  • BIGS Studie . September 2013 3

    Nationale Versorgungssicherheit, internationale Rohstoffpolitik

    und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit

    Eine Gleichung ohne Lsung?

    Stefan Beiwenger

    September 2013

  • BIGS Studie . September 20134

    VoRwoRT

    Rohstoffvorkommen knnen fr Entwicklungslnder eine wichtige Finanzquelle fr ihre nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sein. Rohstoffreichtum kann aber auch Verteilungskonflikte, Korruption und eine Schw-chung von Staatlichkeit begnstigen. Gleichzeitig haben of-fene, entwickelte Volkswirtschaften wie Deutschland und die USA ein hohes Interesse an einem freien, marktwirtschaft-lich geregelten Zugang zu Rohstoffen. Ihre Abhngigkeit von der Verfgbarkeit von Rohstoffen fhrt dazu, dass neben der Auenwirtschaftspolitik die Auen-, Sicherheits- und Ent-wicklungspolitik unter anderem auch das Ziel haben mssen, den Zugang zu kritischen Rohstoffen zu ermglichen, indem sie eine demokratische und marktwirtschaftliche Rohstoffgo-vernance befrdern. Somit knnen sowohl Entwicklungsln-der als auch Industrienationen von einer entwicklungsfrder-lichen Rohstoffpolitik profitieren. Mit Untersttzung des Bundesministeriums fr wirtschaft-liche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) organisierte das BIGS gemeinsam mit dem American Institute for Con-temporary German Studies (AICGS) und dem ZVEI - Zentral-verband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. im Juli 2013 einen Expertenworkshop, um Herausforderungen und Handlungsoptionen im Spannungsfeld von nationaler Ver-sorgungssicherheit und einer entwicklungsfrderlichen Roh-stoffgovernance zu diskutieren. Die vorliegende Studie von Stefan Beiwenger befasst sich mit grundlegenden Proble-men und Aufgabenstellungen in diesem Politikbereich. Ne-ben einer Analyse der deutschen Situation in einem sich ra-pide verndernden globalen Rohstoffmarkt, der zunehmend von aufstrebenden Schwellenlndern wie China beeinflusst wird, skizziert der Autor Anforderungen an eine ganzheitliche Rohstoffstrategie, die neue Instrumente und Verfahren der Rohstoffgovernance auf nationaler und internationaler Ebe-ne erforderlich macht. Der Text diente darber hinaus als Diskussionsgrundlage und Erffnung fr die Fachkonferenz, deren wichtigste Beitrge und Erkenntnisse im letzten Ab-schnitt zusammengefasst werden. Wir hoffen, dass wir da-mit neue Anregungen und Impulse in der Debatte um eine ganzheitliche Rohstoffpolitik liefern knnen, die sowohl der nationalen Versorgungsicherheit Deutschlands als auch den Bedrfnissen einer nachhaltigen Rohstoffgovernance Rech-nung trgt.

    Dr. Tim H. StuchteyGeschftsfhrender Direktor des BIGS

    Potsdam, im August 2013

  • BIGS Studie . September 2013 5

    INhaLTSVERzEIchNIS

    1. Die Bedeutung von Rohstoffen in Gegenwart und Zukunft 6

    2. Die Welt im Wandel 8

    3. Die Situation Deutschlands 11

    4. Die Entwicklung einer ganzheitlichen Rohstoffstrategie 14

    5. Die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit 16

    6. Nationale Versorgungssicherheit, internationale Rohstoffpolitik und nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit Eine Gleichung ohne Lsung? 17

    Konferenzbericht 20

    de-kay . istockphoto.com

  • BIGS Studie . September 20136

    1. Die Bedeutung von Rohstoffen in Gegenwart und zukunft

    Anfang 2012 besitzen 82 Millionen Menschen in Deutschland bereits rund 114 Millionen Mo-bilfunkanschlsse. Der Trend zum Zweit- und Dritt-Handy ist also lngst Realitt. 1997 wurden jhrlich weltweit noch 100 Millionen Mobiltele-fone verkauft, 2012 waren es bereits ber 1,75 Milliarden pro Jahr.1

    In Afrika sind Mobiltelefone inzwischen zum Tur-bomotor der wirtschaftlichen Entwicklung gewor-den. Das Magazin Focus titelte bereits 2007: Mit dem Handy aus der Armut. Afrika hat den am schnellsten wachsenden Handy-Markt der Welt. Mobiltelefone sind Teil der Alltagskultur und unverzichtbarer Bestandteil der Kommunikation. Handwerker sind auch unterwegs erreichbar und knnen schneller disponieren. Fuhrunternehmer reagieren flexibel auf Angebot und Nachfrage. Farmer und Fischer knnen sich ber Marktpreise informieren und so ihre Lagerhaltung und Ver-kufe weitaus profitabler als zuvor organisieren. In Kenia ist das mobile Kleingert inzwischen so verbreitet, dass die Mobiltarife die Funktion des Brotpreises bernommen haben.2 Dies hat mittlerweile auch erhebliche konomische Aus-wirkungen. Zehn Prozent mehr Handys fr die Gesamtbevlkerung, so eine Untersuchung der London Business School, steigern das Wachstum in Entwicklungslndern um 0,6 Prozent.3

    Handys sind inzwischen das Rckgrat der In-formationsgesellschaft. Sie werden genutzt als Telefon, Nachrichtenbermittler, Fotoapparat, Musikbox, Internetstation, Navigationssystem,

    Zugangsidentifikation - sogar Geldtransfers und Lohnzahlungen finden bereits mit dem Handy statt. All dies wird ermglicht durch Rohstoffe und diese sind knapp. Auch wenn in jedem Handy nur minimale Mengen Metalle enthalten sind, fh-ren die hohen Absatzzahlen zu erheblichen Ge-samtmengen. Ein durchschnittliches Mobiltelefon enthlt rund 15 Prozent Kupfer, 3 Prozent Alumi-nium und Eisen, 2 Prozent Nickel und 1 Prozent Zinn. Darber hinaus Edelmetalle wie Silber (250 mg), Gold (24 mg) und Palladium (9 mg) sowie Seltenmetalle wie Tantal oder Indium.4 Bei 1,8 Milliarden Handys, die alleine 2010 weltweit ver-kauft wurden summiert sich dies auf insgesamt 16.000 Tonnen Kupfer, 450 Tonnen Silber, 43 Ton-nen Gold und 16 Tonnen Paladium.

    Addiert man alleine den jhrlichen Metallbedarf fr Handys sowie die jhrlich verkauften 350 Mil-lionen PC und Laptops, so beanspruchen diese 3 Prozent der Weltproduktion an Silber, 4 Prozent Gold und 20 Prozent Palladium. Das fr die Akkus bentigte Kobalt fliet mit jhrlich 19.000 Tonnen in diese Verwendungen dies sind 20 Prozent der Weltproduktion und steht damit nicht mehr fr andere Anwendungen der Hoch- und Spitzen-technologie, wie etwa medizinische Hftimplan-tate, Medikamente, Futtermittel, Keramik, Elek-tromotoren oder Lithium-Ionen-Akkumulatoren in Elektrofahrzeugen, zur Verfgung.5

    Rohstoffe sind daher die Voraussetzung fr den Erhalt ganzer Wertschpfungsketten. Rohstoffe sind aber auch die Voraussetzung fr die Ent-wicklung von Zukunftstechnologien zur Lsung der globalen Herausforderungen sowie die Siche-rung einer nachhaltigen globalen Entwicklung.

    Rohstoffe sind die Basis, ohne die es nichts von dem gbe, was fr uns heute so selbstverstnd-lich und alltglich ist. Ohne Rohstoffe keine Infra-struktur, keine Mobilitt, keine Informations- und Kommunikationstechnologie, keine Konsumg-ter, keine Medizintechnik und keine Arzneimittel. Eine sichere Rohstoffversorgung Deutschlands und Europas zu wettbewerbsfhigen Bedin-gungen ist die Voraussetzung fr Wertschp-fung, Wachstum und Wohlstand heute und in Zukunft. Der nachhaltige Umgang mit Rohstoffen ist aber zugleich auch die Voraussetzung fr die Bewltigung der globalen Herausforderungen vor denen wir stehen von der Bekmpfung der Kin-dersterblichkeit, des Hungers und der Armut bis zum Umwelt- und Klimaschutz.6

    ZU_09 . istockphoto.com

  • BIGS Studie . September 2013 7

    Es erscheint paradox: Wir leben in Deutschland in einer wissensbasierten, technologisch hochin-dustrialisierten Wohlstandsgesellschaft und doch hngt unser Wohlstand, unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfhigkeit entscheidend von einem Produktionsfaktor ab, den die Menschheit bereits seit Jahrtausenden nutzt und der die Quelle un-seres Wachstums und unserer nachhaltigen wirt-schaftlichen Entwicklung ist: Rohstoffe.

    Ein weiteres scheinbares Paradoxon ist die Er-kenntnis, dass es zur nachhaltigen Lsung der globalen konomisch